# Europaschutzgebiet „Tiebelmündung“

94. Verordnung der Kärntner Landesregierung vom 24. November 2010, Zahl: 15-NAT-2024/40/2010, mit der das Gebiet der Tiebelmündung zum Europaschutzgebiet erklärt wird.

Aufgrund des § 24a des Kärntner Naturschutzgesetzes 2002, LGBl. Nr. 79/2002, idF LGBl. Nr. 10/2009, sowie des § 2a Abs. 1 und 2 des Kärntner Kundmachungsgesetzes, LGBl. Nr. 25/1986, zuletzt geändert durch das Landesverfassungsgesetz LGBl. Nr. 57/2002, wird verordnet:

§ 1

Schutzgebiet

(1)Das Gebiet der Tiebelmündung, welches auch einen Großteil des mit Verordnung der Landesregierung vom 19.5.1959, LGBl. Nr. 30/1959 idF LGBl. Nr. 1/2003 erklärten Naturschutzgebietes Tiebelmündung sowie einen Teil des mit Verordnung der Landesregierung vom 3.2.1970, LGBl. Nr. 26/1970 idF LGBl. Nr. 1/2003 erklärten Landschaftsschutzgebietes „Ossiacher See-Ost“ umfasst, wird zum Europaschutzgebiet „Tiebelmündung“ erklärt.

(2)Das Europaschutzgebiet „Tiebelmündung“ umfasst Gebietsteile der Gemeinden Steindorf am Ossiachersee und Ossiach (politischer Bezirk Feldkirchen) und ist innerhalb der im Abs. 3 umschriebenen Grenzen in den Katastralgemeinden Steindorf und Ossiach gelegen.

(3)Die Grenzen des Europaschutzgebietes sind in der planlichen Darstellung – Anlage B (Maßstab 1:6.000 – DIN A3) vom November 2010 (Datum Bearbeitungsstand) festgelegt. Diese planliche Darstellung ist wesentlicher Inhalt dieser Verordnung und liegt bei der für rechtliche Angelegenheiten des Naturschutzes zuständigen Abteilung des Amtes der Kärntner Landesregierung und bei der Bezirkshauptmannschaft Feldkirchen sowie bei den Gemeinden Steindorf am Ossiachersee und Ossiach während der für den Parteienverkehr bestimmten Amtsstunden (§ 13 Abs. 5 AVG) zur allgemeinen Einsicht auf.

§ 2

Erhaltungsziele

Diese Verordnung dient der Bewahrung, Entwicklung oder Wiederherstellung eines günstigen Erhaltungszustandes der im Europaschutzgebiet Tiebelmündung vorkommenden Schutzgüter gemäß Anhang I der Vogelschutz-Richtlinie (79/409/EWG) und den Anhängen I, II und IV der FFH-Richtlinie (92/43/EWG) bzw. der in der Anlage A aufgelisteten Schutzgüter.

§ 3

Schutzbestimmungen

(1)Im Europaschutzgebiet sind folgende Eingriffe untersagt:

(2)Innerhalb der in der planlichen Darstellung (Anlage B) ausgewiesenen ökologischen Vorrangzone („Flutungsbereich“) mit Betretungsverbot ist jede Nutzung und jeder menschliche Eingriff, insbesondere das Betreten und Befahren, ganzjährig verboten.

§ 4

Ausnahmen von den Schutzbestimmungen

(1)Von den Schutzbestimmungen nach § 3 Abs. 1 sind ausgenommen:

(2)Von den Schutzbestimmungen nach § 3 Abs. 2 sind ausgenommen:

§ 5

Ausnahmebewilligungen

(1)Die Bezirksverwaltungsbehörde kann auf Ansuchen im Einzelfall Ausnahmen von den Verboten des § 3 bewilligen, soweit diese Maßnahmen den Erhaltungszielen nach § 2 nicht widersprechen und keine erhebliche Beeinträchtigung des Europaschutzgebietes zu erwarten ist.

(2)Als Maßnahmen, die einer Bewilligung im Sinne des Abs. 1 zugänglich sind, werden insbesondere festgelegt:

Die Kennzeichnung des Schutzgebietes hat durch Tafeln, die die Aufschrift „Europaschutzgebiet Tiebelmündung“ und das Kärntner Landeswappen tragen, zu erfolgen. Weitere, dem Schutzzweck entsprechende Hinweise sind zulässig.

§ 7

Strafen

Zuwiderhandlungen gegen die Bestimmungen dieser Verordnung werden als Verwaltungsübertretung nach § 67 des Kärntner Naturschutzgesetzes 2002 bestraft.

Für die Kärntner Landesregierung:

Der Landeshauptmann:

Dörfler

Anlage A:

Schutzgüter sind folgende natürliche Lebensräume und Tierarten.

Vogelarten nach Anhang I Vogelschutz-Richtlinie:

Code Nr. Deutscher Name

Wissenschaftlicher Name

A002

Prachttaucher

Gavia arctica

A021

Rohrdommel

Botaurus stellaris

A022

Zwergdommel

Ixobrychus minutus

A026

Seidenreiher

Egretta garzetta

A029

Purpurreiher

Ardea purpurea

A030

Schwarzstorch

Ciconia nigra

A031

Weißstorch

Ciconia ciconia

A072

Wespenbussard

Pernis apivorus

A081

Rohrweihe

Circus aeruginosus

A082

Kornweihe

Circus cyaneus

A084

Wiesenweihe

Circus pygargus

A094

Fischadler

Pandion haliaetus

A103

Wanderfalke

Falco peregrinus

A119

Tüpfelsumpfhuhn

Porzana porzana

A120

Kleines Sumpfhuhn

Porzana parva

A166

Bruchwasserläufer

Tringa glareola

A215

Uhu

Bubo bubo

A229

Eisvogel

Alcedo atthis

A234

Grauspecht

Picus canus

A272

Blaukehlchen

Luscinia [svecica]

cyanecula

A293

Mariskensänger

Acrocephalus melanopogon

A338

Neuntöter

Lanius collurio

Lebensräume nach der FFH-Richtlinie Anhang I:

Code Nr. Lebensraumtyp

3150

Natürliche eutrophe Seen mit einer Vegetation des Magnopotamions oder Hydrochartions

3260

Flüsse der planaren bis montanen Stufe mit

Vegetation des Ranunculion fluitantis und des Callitricho-Batrachion

6430

Feuchte Hochstaudenfluren der planaren und montanen

bis alpinen Stufe

7140

Übergangs- und Schwingrasenmoore

91D0

*Moorwälder

Säugetiere nach Anhang II FFH-Richlinie:

Code Nr. Deutscher Name

Wissenschaftlicher Name

1303

Kleine Hufeisennase

Rhinolophus hipposideros

1324

Großes Mausohr

Myotis myotis

Amphibien nach Anhang II FFH-Richtlinie:

Code Nr. Deutscher Name

Wissenschaftlicher Name

1167

Alpen-Kammmolch

Triturus carnifex

1193

Gelbbauchunke

Bombina variegata

Wirbellose nach Anhang II FFH-Richtlinie:

Code Nr. Deutscher Name

Wissenschaftlicher Name

1016

Bauchige Windelschnecke

Vertigo moulinsiana

1078

*Russischer Bär

Callimorpha quadripunctaria

Fischarten nach Anhang II FFH-Richtlinie:

Code Nr. Deutscher Name

Wissenschaftlicher Name

1098

Ukrainisches Neunauge

Eudontomyzon spp.

1134

Bitterling

Rhodeus sericeus amarus

1149

Steinbeißer

Cobitis taenia

Arten des Anhang IV FFH-Richtlinie:

Deutscher Name

Wissenschaftlicher Name

Würfelnatter

Natrix tessellata

Laubfrosch

Hyla aborea

Moorfrosch

Rana arvalis wolterstorffi

Wasserfledermaus

Myotis daubentonii

* prioritärer Lebensraumtyp oder prioritäre Art nach Anhang I bzw. II FFH-Richtlinie