930.11
# Verordnung über Handel und Gewerbe
(HGV)
Vom 24.01.2007 (Stand 01.04.2022)

## 1 Gegenstand

### **Art. 1** {#art_1 omnilex-key=ch-lexwork-be--930.11--1}

1. Diese Verordnung regelt
   a den Vollzug des Gesetzes über Handel und Gewerbe mit Ausnahme der Geschicklichkeits- und Unterhaltungsspielautomaten sowie des Haltens und Führens von Taxis,
   b den Vollzug des Bundesrechts im Bereich von Handel und Gewerbe.

## 2 Ladenöffnungszeiten

### **Art. 2** Abgrenzungen des Geltungsbereichs und der Ausnahmeregelungen {#art_2 omnilex-key=ch-lexwork-be--930.11--2}

1. Dienstleistungsunternehmen wie Coiffeursalons oder Kosmetikstudios sind keine Detailverkaufsgeschäfte.
2. Von den Ausnahmen gemäss Artikel 9 Absatz 2 und 3, Artikel 10 Absatz 3 sowie Artikel 11 Absatz 1 HGG können Detailverkaufsgeschäfte Gebrauch machen, die zum grössten Teil im entsprechenden Bereich tätig sind.

### **Art. 3** Ausstellungen und Veranstaltungen {#art_3 omnilex-key=ch-lexwork-be--930.11--3}

1. Ausstellungen gemäss Artikel 9 Absatz 2 HGG sind befristete Anlässe mit mehreren Ausstellerinnen und Ausstellern, an denen Waren vorgestellt und Bestellungen für deren Erwerb aufgenommen werden.
2. Veranstaltungen gemäss Artikel 9 Absatz 2 HGG sind befristete Anlässe, die in der Regel ausserhalb von Verkaufsräumen stattfinden und bei denen der Verkauf von Waren nicht im Vordergrund steht wie Lesungen, Buchvernissagen oder Plattentaufen.
3. Anlässe in Warenhäusern und Einkaufszentren, die deren Attraktivität steigern sollen, sind keine Veranstaltungen.
4. Soweit Artikel 9 Absatz 2 HGG nicht anwendbar ist, sind Ausnahmebewilligungen gemäss Artikel 14 Absatz 2 HGG möglich.

### **Art. 4** Verkaufsfläche {#art_4 omnilex-key=ch-lexwork-be--930.11--4}

1. Als Verkaufsfläche gemäss Artikel 10 Absatz 3 Buchstabe a und Artikel 11 Absatz 1 Buchstabe b HGG gilt die Nettogeschossfläche des Verkaufsraums.

### **Art. 5** Tourismusorte {#art_5 omnilex-key=ch-lexwork-be--930.11--5}

1. Als Tourismusorte gemäss Artikel 12 HGG gelten
   1. Adelboden,
   2. Aeschi bei Spiez,
   3. Beatenberg,
   4. Boltigen,
   5. Bönigen,
   6. Brienz,
   7. Därligen,
   8. Diemtigen,
   9. Frutigen,
   10. …
   11. Grindelwald,
   12. Gsteig,
   13. Guttannen,
   14. Habkern,
   15. Hasliberg,
   16. Heiligenschwendi,
   16a. Hofstetten bei Brienz,
   17. Innertkirchen,
   18. Interlaken,
   19. Iseltwald,
   19a. Kandergrund,
   20. Kandersteg,
   21. Krattigen,
   22. Lauenen,
   23. Lauterbrunnen,
   24. Leissigen,
   25. Lenk,
   26. Lütschental,
   27. Matten bei Interlaken,
   28. Meiringen,
   29. Niederried bei Interlaken,
   30. Oberried am Brienzersee,
   31. Reichenbach im Kandertal,
   32. Ringgenberg,
   33. Saanen,
   34. Sigriswil,
   35. Schattenhalb,
   36. St. Stephan,
   37. Unterseen,
   38. Wilderswil,
   39. Zweisimmen.

## 3 Beschränkungen des Handels mit Tabakprodukten, pflanzlichen Rauchprodukten, elektronischen Zigaretten und alkoholischen Getränken&nbsp;<strong>*</strong>

### **Art. 6** Öffentliche Gebäude {#art_6 omnilex-key=ch-lexwork-be--930.11--6}

1. Öffentliche Gebäude gemäss Artikel 15 Absatz 1 Buchstabe b HGG sind Gebäude, die für Aufgaben von Bund, Kanton oder Gemeinden genutzt werden, wie Verwaltungsgebäude, Gerichte oder Schulen.

### **Art. 7** Kino {#art_7 omnilex-key=ch-lexwork-be--930.11--7}

1. Kinovorstellungen sind keine öffentlichen Anlässe gemäss Artikel 15 Absatz 2 HGG.

### **Art. 8** Schaufensterauslagen {#art_8 omnilex-key=ch-lexwork-be--930.11--8}

1. Das Bekleben der Schaufenster mit Plakaten gilt nicht als Schaufensterauslage gemäss Artikel 15 Absatz 3 Buchstabe b HGG.

### **Art. 9** Verkauf und Abgabe von Tabakprodukten, pflanzlichen Rauchprodukten und elektronischen Zigaretten&nbsp;<strong>*</strong> {#art_9 omnilex-key=ch-lexwork-be--930.11--9}

1. Am Verkaufspunkt ist ein gut sichtbares Schild anzubringen, auf dem in gut lesbarer Schrift darauf hingewiesen wird, dass der Verkauf und die Abgabe von Tabakprodukten, pflanzlichen Rauchprodukten und elektronischen Zigaretten an Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren verboten sind.

### **Art. 9a** Nikotinprodukte ohne Tabak zum oralen Gebrauch {#art_9 omnilex-key=ch-lexwork-be--930.11--9a}

1. Die Artikel 14c bis 18a HGG über die Beschränkungen des Handels mit Tabakprodukten, pflanzlichen Rauchprodukten, elektronischen Zigaretten und alkoholischen Getränken gelten auch für Nikotinprodukte zum oralen Gebrauch, die keinen Tabak enthalten.
2. Die Bestimmungen des Bundes über Heilmittel und Betäubungsmittel bleiben vorbehalten.

## 4 &hellip;

### **Art. 10–14** &hellip; {#art_1 omnilex-key=ch-lexwork-be--930.11--10–14}

## 4a. Pfandleihgewerbe&nbsp;<strong>*</strong>

### **Art. 14a** Bewilligung&nbsp;<strong>*</strong> {#art_1 omnilex-key=ch-lexwork-be--930.11--14a}

1. Für den Erhalt einer Bewilligung zum Betrieb des Pfandleihgewerbes sind nachzuweisen
   a der Eintrag der Firma im Handelsregister,
   b der Abschluss einer Versicherung zur Deckung von Schäden an Pfandgegenständen und deren Verlust, wobei die Pfandgegenstände zum Verkehrswert zu versichern sind,
   c der Abschluss einer Berufshaftpflichtversicherung, die Vermögensschäden von mindestens einer Million Franken abdeckt.
2. Die Bewilligung wird für höchstens fünf Jahre erteilt.

### **Art. 14b** Höchstzinssatz {#art_1 omnilex-key=ch-lexwork-be--930.11--14b}

1. Der Zinssatz für die Darlehensgewährung darf den Höchstzinssatz gemäss Artikel 1 der eidgenössischen Verordnung vom 6. November 2002 zum Konsumkreditgesetz (VKKG) und der Verordnung des EJPD über den Höchstzinssatz für Konsumkredite nicht übersteigen.

### **Art. 14c** Kosten im Allgemeinen {#art_1 omnilex-key=ch-lexwork-be--930.11--14c}

1. Mit dem Zinssatz gemäss Artikel 14b Absatz 1 sind unter Vorbehalt von Artikel 14d sämtliche laufenden Kosten der Pfandleiherin oder des Pfandleihers, insbesondere jene für die Aufbewahrung, den Unterhalt und die Versicherung des Pfandgegenstands, abgedeckt.
2. Verwertungskosten dürfen im Falle eines Mehrerlöses zusätzlich verrechnet werden.

### **Art. 14d** Kosten bei besonderen Pfandgegenständen {#art_1 omnilex-key=ch-lexwork-be--930.11--14d}

1. Zusätzlich zum Zinssatz gemäss Artikel 14b Absatz 1 dürfen der verpfändenden Person die ortsüblichen Kosten für die Aufbewahrung und die marktüblichen Kosten für den Unterhalt sowie die Versicherung des Pfandgegenstands auferlegt werden, wenn
   a der Pfandgegenstand gross und sperrig ist (z. B. ein Motorfahrzeug oder ein Schiff) und
   b der vereinbarte Zinssatz den Höchstzinssatz gemäss Artikel 14b Absatz 1 um drei Prozentpunkte unterschreitet.
2. Diese Kosten sind im Pfandvertrag detailliert und betragsmässig pro Monat aufzuführen.
3. Verwertungskosten dürfen im Falle eines Mehrerlöses zusätzlich verrechnet werden.

### **Art. 14e** Verwertung des Pfandgegenstands {#art_1 omnilex-key=ch-lexwork-be--930.11--14e}

1. Ist der Pfandgegenstand auf den vereinbarten Termin nicht ausgelöst worden, hat die Pfandleiherin oder der Pfandleiher die verpfändende Person durch eingeschriebenen Brief und, sofern dieser nicht zustellbar ist, durch einmalige Veröffentlichung der Versatzschein-Nummer im amtlichen Publikationsorgan zur Einlösung des Pfandgegenstands innert acht Tagen aufzufordern.
2. Bleibt diese Aufforderung erfolglos, erfolgt der Verkauf des Pfandgegenstands ohne vorgängige Betreibung durch öffentliche Versteigerung.
3. Das Verfahren der öffentlichen Versteigerung richtet sich nach Artikel 132 des Gesetzes vom 28. Mai 1911 betreffend die Einführung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (EG ZGB).

## 5 Verfahren und Rechtspflege

### **Art. 15** Vollzug des HGG&nbsp;<strong>*</strong> {#art_1 omnilex-key=ch-lexwork-be--930.11--15}

1. Das Amt für Wirtschaft (AWI) ist die zuständige Stelle für die Bewilligung von befristeten Ausnahmen gemäss Artikel 14 Absatz 2 und die Aufgaben gemäss Artikel 21 HGG.
2. Die Regierungsstatthalterin oder der Regierungsstatthalter ist die zuständige Stelle für die Schliessung gemäss Artikel 14 Absatz 3 und Artikel 18a HGG.

### **Art. 15a** Vollzug von Bundesrecht {#art_1 omnilex-key=ch-lexwork-be--930.11--15a}

1. Das AWI ist die zuständige Stelle für
   a den Vollzug der Bundesgesetzgebung über den Konsumkredit,
   b Bewilligungen für Schaustellergewerbe und Zirkusse gemäss Artikel 2 Absatz 1 Buchstabe c des Bundesgesetzes über das Gewerbe der Reisenden,
   c Ermächtigungen für Unternehmen gemäss Artikel 8 des Bundesgesetzes über das Gewerbe der Reisenden,
   d die Vertretung des Kantons gegenüber dem Bund für die Belange des Vollzugs des Bundesgesetzes über das Gewerbe der Reisenden,
   e den Vollzug der Bundesgesetzgebung über das Bergführerwesen und Anbieten weiterer Risikoaktivitäten,
   f Bewilligungen zum Betrieb des Pfandleihgewerbes.
2. Die Regierungsstatthalterin oder der Regierungsstatthalter ist die zuständige Stelle für Bewilligungen für Reisende gemäss Artikel 2 Absatz 1 Buchstaben a und b des Bundesgesetzes über das Gewerbe der Reisenden.

### **Art. 16** Unterlagen {#art_1 omnilex-key=ch-lexwork-be--930.11--16}

1. Die zuständigen Stellen verlangen die für die Beurteilung erforderlichen Unterlagen wie Auszüge aus dem Zentralstrafregister, dem Handelsregister oder dem Betreibungsregister.
2. Das AWI kann weitere Unterlagen verlangen, insbesondere einen Mitbericht der Standortgemeinde oder eine Stellungnahme der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer oder ihrer Organisationen.

### **Art. 17** Rechtspflege {#art_1 omnilex-key=ch-lexwork-be--930.11--17}

1. Beschwerden gegen Verfügungen der Regierungsstatthalterin oder des Regierungsstatthalters beurteilt die Wirtschafts-, Energie- und Umweltdirektion.
2. Im Übrigen gelten die Vorschriften des Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG).

## 6 Übergangs- und Schlussbestimmungen

### **Art. 18** Verkauf von Tabak {#art_1 omnilex-key=ch-lexwork-be--930.11--18}

1. Die Schilder gemäss Artikel 9 dieser Verordnung sind bis zum 1. Juli 2007 anzubringen.

### **Art. 19** Kantonale Bergführerpatente {#art_1 omnilex-key=ch-lexwork-be--930.11--19}

1. Vor dem Jahr 2001 ausgestellte kantonale Bergführerpatente sind dem eidgenössischen Fachausweis gleichgestellt.

### **Art. 20** Aufhebung von Erlassen {#art_2 omnilex-key=ch-lexwork-be--930.11--20}

1. Folgende Erlasse werden aufgehoben:
   1. Verordnung vom 19. Mai 1993 über den Betrieb von Waren- und Dienstleistungsautomaten (Automatenverordnung) (BSG 817.015),
   2. Verordnung vom 29. Oktober 1997 über die Ladenöffnung in Tourismusorten (VLT) (BSG 930.11),
   3. Bergführerverordnung vom 29. Oktober 1997 (BergV) (BSG 935.221),
   4. Verordnung vom 12. Dezember 1973 betreffend Preiskontrolle (BSG 942.1).

### **Art. 21** Inkrafttreten {#art_2 omnilex-key=ch-lexwork-be--930.11--21}

1. Diese Verordnung tritt rückwirkend am 1. Januar 2007 in Kraft.

## T1 Übergangsbestimmung der Änderung vom 14.11.2018&nbsp;<strong>*</strong>

### **Art. T1-1** {#art_t1-1 omnilex-key=ch-lexwork-be--930.11--T1-1}

1. Bestimmungen in vor dem 1. Januar 2019 abgeschlossenen Pfandverträgen, die den Bestimmungen gemäss den Artikeln 14b bis 14e nicht genügen, gelten bis zum Ablauf der vereinbarten Vertragsdauer, längstens aber bis zum 30. Juni 2019.
2. Pfandverträge gemäss Absatz 1 dürfen angepasst oder verlängert werden, wenn sie nach den entsprechenden Änderungen
   a den Bestimmungen gemäss den Artikeln 14b bis 14e genügen und
   b diese spätestens ab dem 1. Juli 2019 gelten.

## T2 Übergangsbestimmung der Änderung vom 19.05.2021&nbsp;<strong>*</strong>

### **Art. T2-1** {#art_t2-1 omnilex-key=ch-lexwork-be--930.11--T2-1}

1. Die Schilder gemäss Artikel 9 sind bis zum 1. Januar 2022 anzupassen.