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W123 2321927-1•Bundesverwaltungsgericht W123 2321927-1
W123 2321927-1Bundesverwaltungsgericht24.06.2026
Aufenthaltstitel aus Gründen des Art 2 oder 3 EMRK nicht erteilt Behandlungsmöglichkeiten ernsthafter Schaden Flüchtlingseigenschaft nicht zuerkannt gesteigertes Vorbringen Glaubwürdigkeit Homosexualität individuelle Gefährdung Interessenabwägung medizinische Versorgung Misshandlung nichtstaatliche Akteure öffentliches Interesse politische Veränderung private Verfolgung Privatleben psychische Erkrankung PTBS (posttraumatische Belastungsstörung) Rückkehrentscheidung Rückkehrsituation sexuelle Orientierung Sicherheitslage soziale Gruppe soziales Netzwerk staatliche Akteure staatliche Verfolgung Status subsidiären Schutzes nicht zuerkannt Verfolgungsgefahr Versorgungslage Voraussetzungen
W123 2321927-1/13E
IM NAMEN DER REPUBLIK!
Das Bundesverwaltungsgericht erkennt durch den Richter Dr. Michael ETLINGER über die Beschwerde des XXXX , geb. XXXX , StA. Bangladesch, vertreten durch den Verein XXXX , gegen den Bescheid des Bundesamtes für Fremdenwesen und Asyl vom 20.08.2025, Zl. 1314613006/222133675, nach Durchführung einer öffentlichen mündlichen Verhandlung zu Recht:
A)
1. Die Beschwerde wird gemäß § 28 Abs. 2 VwGVG mit der Maßgabe als unbegründet abgewiesen, dass der Spruch des angefochtenen Bescheides zu lauten hat:
„I. Der Antrag auf internationalen Schutz wird hinsichtlich der Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft gemäß Art. 13 StatusVO iVm § 75 Abs. 32 AsylG 2005 als unbegründet abgelehnt.
II. Der Antrag auf internationalen Schutz wird hinsichtlich der Zuerkennung des Status subsidiären Schutzes gemäß Art. 18 StatusVO iVm § 75 Abs. 32 AsylG 2005 als unbegründet abgelehnt.
III. Eine „Aufenthaltsberechtigung besonderer Schutz“ wird gemäß § 57 iVm § 58 Abs. 1 Z 2 und Abs. 3 AsylG 2005 idF vor Inkrafttreten des Bundesgesetzes BGBl. I 39/2026 iVm § 75 Abs. 32 AsylG 2005 nicht erteilt.
IV. Gemäß § 52 Abs. 2 Z 2 FPG idF vor Inkrafttreten des Bundesgesetzes BGBl. I 39/2026 iVm § 125 Abs. 32 FPG wird gegen XXXX eine Rückkehrentscheidung erlassen.
V. Es wird gemäß § 52 Abs. 9 FPG festgestellt, dass die Abschiebung gemäß § 46 FPG nach Bangladesch zulässig ist.
VI. Gemäß § 55 Abs. 1 bis 3 FPG beträgt die Frist für die freiwillige Ausreise 14 Tage ab Durchsetzbarkeit der Rückkehrentscheidung.“
2. Ein Aufenthaltstitel aus Gründen des Art. 2 oder 3 EMRK wird gemäß § 54a iVm § 75 Abs. 32 AsylG 2005 von Amts wegen nicht erteilt.
B)
Die Revision ist gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zulässig.
Entscheidungsgründe:
I. Verfahrensgang:
1. Am 08.07.2022 stellte der Beschwerdeführer, ein Staatsangehöriger von Bangladesch, in Österreich einen Antrag auf internationalen Schutz.
2. Am selben Tag fand vor einem Organ der Bundespolizei die niederschriftliche Erstbefragung des Beschwerdeführers statt. Zu seinem Fluchtgrund gab der Beschwerdeführer an, es sei in seinem Land zu risikoreich geworden und er habe kein freies Leben führen können, weil er homosexuell sei. Betreffend seiner Rückkehrbefürchtungen erklärte er, dass Bewohner aus seiner Ortschaft von seiner homosexuellen Neigung erfahren hätten. Abschließend ergänzte er, dass er mit seinem Freund XXXX (in der Folge: A.) gemeinsam nach Österreich gereist sei.
3. Am 06.06.2023 fand eine niederschriftliche Einvernahme des Beschwerdeführers vor der belangten Behörde statt, in welcher dieser zu seinem Fluchtgrund zusammengefasst schilderte, er habe seit dem College immer wieder Burschen in den Arm genommen oder ihnen ein „Bussi“ gegeben und ihnen Komplimente gemacht. Er habe im Internet nachgelesen und erfahren, welche Probleme solche Männer in Bangladesch bekommen könnten, weshalb er immer aufgepasst und jemanden wie er selbst gesucht habe. Auf der Uni habe er weiter immer wieder Burschen umarmt. In seinen Gedanken seien immer nur Männer gewesen, darum habe er andere Jungs in die Arme genommen, an der Hand gehalten oder sonst irgendwie berührt. Einmal habe er in der Klasse einen Burschen an der Hand genommen und ihm ein „dickes Bussi“ gegeben, woraufhin dieser dem Beschwerdeführer eine Ohrfeige verpasst und der Direktor zu ihm gesagt habe, dass er von der Uni geworfen würde, wenn ihn noch einmal solche Information erreichen würden. Einmal habe er dann einen Freund von der Uni an der Brust genommen, der dann geschrien und den Direktor verständigt habe. Dieser habe der Mutter und dem Onkel des Beschwerdeführers alles erzählt, wobei der Beschwerdeführer noch eine letzte Chance erhalten habe, um sein Studium zu beenden, und nur noch zu Prüfungen persönlich an der Uni habe erscheinen dürfen. Alle Leute aus seinem Ort hätten davon erfahren und der Onkel habe den Beschwerdeführer geschlagen. Ende 2018 bis Juni 2019 habe der Beschwerdeführer eine Beziehung mit dem Inhaber eines Geschäfts geführt, in dessen Hinterzimmer sie sexuell verkehrt hätten. Am 09.06.2019 seien sie in flagranti erwischt und geschlagen worden, woraufhin der Beschwerdeführer zwei Tage bewusstlos gewesen und sein Knie gebrochen worden sei. Später habe er erfahren, dass sein Freund verstorben sei. Dem Beschwerdeführer sei befohlen worden, nie wieder in sein Viertel zu kommen, und sei zuhause von der Polizei gesucht worden. Sein Onkel und sein Vater seien einflussreiche Personen und hätten es geschafft, die Gemeindeoberen umzustimmen, wovon auch die Polizei informiert worden sei. Der Beschwerdeführer habe wieder nach Hause kommen dürfen und im nächsten Jahr zwei Mal versucht, sich das Leben zu nehmen. Anfang Juli 2021 habe der Beschwerdeführer im Zuge der Babyparty bei seiner Cousine A. kennengelernt. Aufgrund des Platzmangels hätten sie in einem Zimmer geschlafen und in der zweiten Nacht sei es zu intimen Handlungen gekommen. Anfang November 2021 sei der Beschwerdeführer mit A. am Fluss gegangen und habe schließlich mit ihm in einem kleinen Boot geschlechtlich verkehrt. Auf einmal seien sie von 4-5 Fischern entdeckt, geschlagen und an einen Baum gefesselt worden. A. sei gleich wieder gelöst und von seinem Bruder mitgenommen worden. Der Beschwerdeführer sei geschlagen worden, bis er das Bewusstsein verloren habe. Seine Cousine habe davon erfahren und seine Mutter verständigt, die den Beschwerdeführer abgeholt habe. Dieser Vorfall habe sich wieder wie ein Lauffeuer verbreitet. Der Beschwerdeführer sei in einer Privatklinik behandelt worden, als seine Schwester mitgeteilt habe, dass er keinesfalls nach Hause dürfe, weil die Polizei wieder nach ihm suche. Seine Mutter habe ihm daraufhin geraten, das Land zu verlassen, und versprochen die Kosten zu übernehmen. Daher habe der Beschwerdeführer mit A. beschlossen, nach Europa zu fliehen.
4. Da die Befragung des Beschwerdeführers aus Zeitgründen nicht abgeschlossen werden konnte, fand am 04.07.2023 vor der belangten Behörde eine weitere niederschriftliche Einvernahme des Beschwerdeführers statt, in welcher dem Beschwerdeführer ergänzende Fragen zu seiner sexuellen Orientierung gestellt wurden.
5. In der Stellungnahme vom 31.07.2023 beantragte der Beschwerdeführer die zeugenschaftliche Einvernahme des A. und brachte vor, dass ihm in Bangladesch eine asylrelevante Verfolgung aufgrund seiner Homosexualität drohe.
6. Im Schreiben vom 08.04.2025 beantwortete der Beschwerdeführer die an ihn mit Parteiengehör vom 20.03.2025 gerichteten Fragen und übermittelte diverse Unterlagen zu seinem Gesundheitszustand sowie zu seinem Fluchtgrund.
7. Mit dem oben im Spruch angeführten Bescheid der belangten Behörde wurde der gegenständliche Antrag auf internationalen Schutz bezüglich der Zuerkennung des Status des Asylberechtigten gemäß § 3 Abs. 1 iVm § 2 Abs. 1 Z 13 AsylG 2005 (Spruchpunkt I.) sowie bezüglich der Zuerkennung des Status des subsidiär Schutzberechtigten in Bezug auf seinen Herkunftsstaat gemäß § 8 Abs. 1 iVm § 2 Abs. 1 Z 13 AsylG abgewiesen (Spruchpunkt II.), ein Aufenthaltstitel aus berücksichtigungswürdigen Gründen gemäß § 57 AsylG 2005 nicht erteilt (Spruchpunkt III.), gemäß § 10 Abs. 1 Z 3 AsylG 2005 iVm § 9 BFA-VG eine Rückkehrentscheidung gemäß § 52 Abs. 2 Z 2 FPG erlassen (Spruchpunkt IV.), gemäß § 52 Abs. 9 FPG festgestellt, dass die Abschiebung des Beschwerdeführers gemäß § 46 FPG zulässig sei (Spruchpunkt V.), und gemäß § 55 Abs. 1 bis 3 FPG die Frist für die freiwillige Ausreise 14 Tage betrage (Spruchpunkt VI.). Die zitierten Gesetzbestimmungen bezogen sich jeweils auf die damals geltende Fassung vor Inkrafttreten des AMPAG.
8. Mit Schriftsatz vom 25.09.2025 erhob der Beschwerdeführer fristgerecht Beschwerde gegen den Bescheid der belangten Behörde und brachte im Wesentlichen vor, aufgrund der Niederschrift vom 06.06.2023 könne nicht von einer sensiblen Befragung gesprochen werden. Zudem sei die vorgenommene Beweiswürdigung aufgrund näher dargelegter Gründe mangelhaft. Es stehe außer Zweifel, dass der Beschwerdeführer in seiner Heimat bei offenem Ausleben seiner Homosexualität mit maßgeblicher Wahrscheinlichkeit einer asylrelevanten Verfolgung ausgesetzt wäre.
9. Am 22.04.2026 fand eine mündliche Verhandlung vor dem Bundesverwaltungsgericht im gegenständlichen Verfahren sowie jenem über die Beschwerde des A. statt, in welcher der Beschwerdeführer sowie A. zu ihren Fluchtgründen, ihren Rückkehrbefürchtungen sowie ihren privaten und familiären Verhältnissen befragt wurden. Ferner wurde der Mitbewohner des Beschwerdeführers als Zeuge einvernommen. Die Rechtsvertretung des Beschwerdeführers wurde darauf hingewiesen, dass die aktuelle Version der Länderinformation der Staatendokumentation zu Bangladesch der Entscheidung zugrunde gelegt werde und eine Frist zur Abgabe einer Stellungnahme bis zum 06.05.2026 eingeräumt.
10. In der Stellungnahme vom 06.05.2026 brachte der Beschwerdeführer vor, die Befragung in der mündlichen Verhandlung habe nicht den SOGI-Richtlinien entsprochen und sein Vorbringen über seinen Fluchtgrund sei als glaubhaft zu bewerten. Falls das Vorbringen für nicht glaubwürdig befunden werde, ergehe zum Beweis der Tatsache, dass der Beschwerdeführer homosexuell sei und zudem an psychischen Erkrankungen leide, die sich auch auf das Aussageverhalten auswirken, der Antrag auf zeugenschaftliche Einvernahme seines behandelnden Psychologen.
11. Am 18.06.2026 fand vor dem Bundesverwaltungsgericht eine mündliche Verhandlung statt, in welcher der Beschwerdeführer ergänzend einvernommen sowie sein behandelnder Psychologe als Zeuge befragt wurde.
II. Das Bundesverwaltungsgericht hat erwogen:
1.1. Der Beschwerdeführer ist Staatsangehöriger der Republik Bangladesch, gehört der Volksgruppe der Bengalen an und bekennt sich zur Religionszugehörigkeit des Islam.
Der Beschwerdeführer stammt aus dem Distrikt XXXX in Bangladesch. Er besuchte die Grundschule, ein College und schloss auf der Universität ein Bachelorstudium der Business Studies ab. Neben dem Studium arbeitete er als Verkäufer und Bürokraft im Natursteinhandel seines Vaters mit.
Der Beschwerdeführer ist ledig und kinderlos. Seine Eltern sowie sein Bruder und seine beiden Schwestern leben weiterhin im Herkunftsort des Beschwerdeführers. Sein Vater und sein Bruder lukrieren durch den Natursteinhandel ein sehr gutes Einkommen. Seine Familie verfügt neben dem Familienhaus auch über eine Landwirtschaft und weitere Grundstücke. Der Beschwerdeführer steht mit seiner Mutter telefonisch in Kontakt und könnte bei seiner Rückkehr nach Bangladesch von seiner Familie unterstützt werden.
Der Beschwerdeführer verfügt in Österreich über keine Familienangehörigen. Er steht in keiner besonderen Nahebeziehung zu in Österreich lebenden Personen. Er bezieht Leistungen aus der Grundversorgung, besucht einen Deutschkurs auf dem Niveau A2, arbeitet ehrenamtlich in einer Suppenküche, baute sich einen Freundes- und Bekanntenkreis im Bundesgebiet auf und ist Mitglied in den Vereinen XXXX Wien und XXXX . Es liegen keine sonstigen integrationsbegründenden Merkmale im Bundesgebiet vor.
Beim Beschwerdeführer wurden eine Posttraumatische Belastungsstörung (F43.1), eine mittelgradige depressive Episode (F32.1) und eine nichtorganische Insomnie (F51.0) diagnostiziert. Ihm wurden die Medikamente Bupropion Genericon 150 mg zur täglichen Einnahme und Trittico retard 75 mg als Einzelfallmedikation bei Schlafstörungen verschrieben. Seit Oktober 2025 nimmt er klinisch-psychologische Behandlung im Einzelsetting in Anspruch. Bei einer Rückkehr nach Bangladesch kann der Beschwerdeführer medizinische Behandlung in Anspruch nehmen.
Weitere Krankheiten, insbesondere schwerwiegende oder lebensbedrohliche Erkrankungen, weist der Beschwerdeführer nicht auf.
Der Beschwerdeführer ist arbeitsfähig und strafrechtlich unbescholten.
1.2. Der Beschwerdeführer konnte nicht glaubhaft machen, dass er in Bangladesch einer asylrelevanten individuellen Verfolgung ausgesetzt war oder im Falle seiner Rückkehr einer solchen ausgesetzt wäre.
Der Beschwerdeführer konnte insbesondere nicht glaubhaft machen, dass er homosexuell sei, in Bangladesch gleichgeschlechtliche Beziehungen geführt habe und zwei Mal mit seinen Partnern beim Geschlechtsverkehr erwischt worden sei. Der Beschwerdeführer wurde auch nicht in Österreich mit einem anderen Mann intim.
Es konnte zudem nicht festgestellt werden, dass der Beschwerdeführer im Falle einer Abschiebung nach Bangladesch in seinem Recht auf Leben gefährdet wird, der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen oder von der Todesstrafe bedroht wird oder eine Rückkehr nach Bangladesch für den Beschwerdeführer als Zivilperson eine ernsthafte Bedrohung des Lebens oder der Unversehrtheit infolge willkürlicher Gewalt im Rahmen eines internationalen oder innerstaatlichen Konflikts mit sich bringen würde.
Der Beschwerdeführer kann an seinem Herkunftsort im Distrikt Kumilla seine grundlegenden und notwendigen Lebensbedürfnisse wie Nahrung, Kleidung sowie Unterkunft befriedigen, ohne in eine ausweglose bzw. existenzbedrohende Situation zu geraten.
Im Fall seiner Rückkehr nach Bangladesch verfügt der Beschwerdeführer zudem über die Möglichkeit, außerhalb seines Heimatortes zu leben und einer Beschäftigung nachzugehen.
Auszug Länderinformationsblatt der Staatendokumentation vom 13.01.2026 (Version 7)
Sicherheitslage
Letzte Änderung 2025-12-17 13:18
Die Sicherheitslage in Bangladesch ist instabil und kann sich jederzeit verschlechtern (DFAT 23.7.2025; vgl. BMEIA 7.11.2025). Zu den Sicherheitsrisiken zählen politisch motivierte Gewalt und Zusammenstöße zwischen rivalisierenden Gruppen, insbesondere im Zusammenhang mit Wahlen, bei politischen Kundgebungen und in Zeiten erhöhter politischer Spannungen (DFAT 23.7.2025). Für Februar 2026 sind Parlamentswahlen, verbunden mit einem Referendum, vorgesehen. Bereits im Vorfeld kommt es zu Protestaktionen und Demonstrationen, die teilweise in gewaltsame Ausschreitungen eskalieren können. Die Präsenz der Sicherheitskräfte in der Öffentlichkeit wurde deutlich verstärkt (AA 21.11.2025).
Am 5. August 2024 führten landesweite Proteste dazu, dass die damalige Premierministerin Sheikh Hasina zurücktrat und das Land verließ. Im Verlauf der Proteste kamen mehr als 1.400 Menschen ums Leben; zahlreiche weitere wurden verletzt [Anm.: zu den Hintergründen der Proteste siehe Politische Lage] (AA 21.11.2025). Unmittelbar nach dem Sturz der Regierung folgten landesweite Unruhen und eine Reihe von gewalttätigen Übergriffen auf vermeintliche Anhänger der AL sowie deren Unternehmen und Häuser. Auch Angehörige der hinduistischen Minderheit sowie Polizeibeamte, denen vorgeworfen wurde, die ehemalige Regierung bei der Durchsetzung ihrer repressiven Politik unterstützt zu haben, wurden Ziel einiger dieser Angriffe. Aus Angst vor Repressalien verließen Polizeibeamte ihre Posten und tauchten unter (EUAA 8.2025; vgl. NYT 19.9.2024). Kriminalität wie Mord, Körperverletzung, Erpressung, Diebstahl, Raub und sexuelle Übergriffe sind weit verbreitet. Es gibt Berichte über eine sich verschlechternde Rechts- und Sicherheitslage mit steigenden Vergewaltigungs- und Mordraten seit dem Sturz der Hasina-Regierung (DFAT 23.7.2025; vgl. EUAA 8.2025).
Zur Aufrechterhaltung von Recht und Ordnung wurden dem Militär erweiterte Polizeibefugnisse (magistracy powers) übertragen, die immer wieder verlängert wurden (EUAA 8.2025, vgl. DAST 11.11.2025). Die aktuelle Verlängerung ist bis 28. Februar 2026 gültig (Prothom Alo 11.11.2025). Dies bedeutet, dass Militärangehörige im Rang eines Hauptmanns oder höher unter anderem Festnahmen vornehmen, Personen in Gewahrsam nehmen (EUAA 8.2025), Durchsuchungs- und Haftbefehle erlassen sowie Versammlungen auflösen dürfen (NYT 19.9.2024). Es können auch mit kurzfristiger Ankündigung regionale oder landesweite Ausgangsbeschränkungen und -verbote verhängt und Telefon- und Internetverbindungen eingeschränkt werden (BMEIA 7.11.2025). Das ganze Jahr über kam es zu Razzien der Strafverfolgungsbehörden, angeblich um terroristischen Aktivitäten, Drogen und illegalen Schusswaffen entgegenzuwirken (USDOS 12.8.2025).
Zwischen Jänner 2013 und Mitte 2016 verübten einheimische militante Kräfte eine Welle von Anschlägen in ganz Bangladesch (DFAT 23.7.2025). Nach 2016 leitete die frühere Regierung eine intensive Bekämpfung des islamistischen Extremismus ein (EUAA 8.2025). Seitdem gab es keinen Angriff vergleichbaren Ausmaßes mehr (DFAT 23.7.2025). Berichten zufolge gibt es dennoch noch mehrere gewalttätige islamistische Gruppen, die weiterhin aktiv sind (EUAA 8.2025). Darunter befinden sich Gruppen, wie Al-Qaida auf dem indischen Subkontinent, der Islamische Staat, Harkat-ul-Jihad al-Islami (HuJI) (EUAA 8.2025; vgl. CIA 24.11.2025), Ansar al-Islam, auch bekannt als Ansarullah Bangla Team (ABT) und Neo-JMB (EUAA 8.2025). Laut lokalen Medien gelang mehr als 2.200 Häftlingen, darunter auch militanten Kämpfern, am und nach dem Tag des Umsturzes vom 5.8.2024 die Flucht aus bangladeschischen Gefängnissen. Zudem wurden seit 5.8.2024 bis zu 174 Häftlinge, die mit militanten Gruppen in Verbindung stehen, gegen Kaution freigelassen (DFAT 23.7.2025).
An der Nordgrenze zu Indien kommt es vereinzelt zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Truppen der beiden Länder. Auch wenn sich die dortige Lage zeitweise etwas entspannt, bleibt sie grundsätzlich labil (EDA 7.7.2025).
Durch die intensiven Auseinandersetzungen in Myanmar zwischen dem dortigen Militär und den Aufständischen kommt es immer wieder auch zu Auswirkungen auf der bangladeschischen Seite der Grenze. Die Sicherheitslage in den Aufnahmelagern für Geflüchtete der Rohingya-Gemeinschaft aus Myanmar ist schlecht. Inzwischen kommt es auch am Tage vermehrt zu teils tödlichen Gewaltakten. In Cox’s Bazar und insbesondere in der Gegend um Teknaf kam es in der Vergangenheit immer wieder zu kriminellen Überfällen, teilweise mit Waffengebrauch (AA 21.11.2025).
Gewalt gegen religiöse Minderheiten
Gewalt gegen religiöse Minderheiten wird in den sozialen Medien gezielt provoziert. In den letzten Jahren wurden immer wieder Häuser, Geschäfte und Tempel von Hindus verwüstet oder zerstört (FH 26.2.2025). Solche Vorfälle ereigneten sich im Oktober 2021, Juli 2022, Juni 2023 und im August 2024 - nach dem Sturz von Premierministerin Sheikh Hasina (AA 16.8.2024).
Zwischen August und September 2024 kam es zu mehreren Verwüstungen und Angriffen auf religiöse Stätten (Schreine) und kulturelle Einrichtungen (ODHIKAR 10.2.2025). Besonders in den ersten zwei Wochen nach Hasinas Rücktritt kam es zu einem Anstieg der Angriffe auf Häuser und Geschäfte sowie zu mindestens zwei Todesfällen in Minderheitengemeinschaften, vorwiegend hinduistischen (FH 26.2.2025). Auch Angehörige der Ahmadiyya-Gemeinschaft, indigene Gruppen in den Chittagong Hill Tracts (CHT), Christen und Buddhisten waren betroffen (OHCHR 12.2.2025). Berichten zufolge hatte die Übergangsregierung Mühe, die Minderheitengruppen zu schützen (FH 26.2.2025). Hindu-Gruppen veranstalteten große Kundgebungen und forderten mehr Schutz durch die Übergangsregierung. Im November 2024 flammte die Gewalt erneut auf, nachdem ein Hindu-Priester wegen Aufruhrs festgenommen worden war (FH 26.2.2025).
Die Übergangsregierung bestätigt, dass zwischen dem 5.8. und dem 22.10.2024 mindestens 88 Strafverfahren aufgrund kommunaler Ausschreitungen registriert wurden und 70 Personen festgenommen wurden (HRW 1.2025). Laut einer Recherche von Journalisten von Prothom Alo wurden zwischen 5. und 20.8.2024 1.068 Häuser und Geschäftsgebäude von Minderheiten sowie 22 Gebetsstätten angegriffen und beschädigt (Prothom Alo 12.9.2024). Der Rat für die Einheit der Hindus, Buddhisten und Christen (BHBCUC) berichtet, dass es zu insgesamt 1.769 kommunalen Angriffen und Akten von Vandalismus, mit 2.010 Vorfällen, gekommen ist (TBS News 11.1.2025).
Laut Übergangsregierung ist die Gewalt größtenteils politisch und nicht gesellschaftlich motiviert gewesen (FH 26.2.2025). Die Motive reichen von religiöser und ethnischer Diskriminierung über vermeintliche Rachemöglichkeiten an Anhängern der Awami-Ligue unter Minderheiten bis hin zu lokalen kommunalen Streitigkeiten, unter anderem um Land, sowie zwischenmenschlichen Problemen. Auch einige Anhänger, Mitglieder und lokale Führungspersönlichkeiten von Bangladesh Jamaat-e-Islami (BJI) und der Bangladesh Nationalist Party (BNP) waren an Racheakten und Angriffen auf bestimmte religiöse und indigene Gruppen beteiligt. Die dem UN-Hochkommisariat für Menschenrechte vorliegenden Informationen belegen jedoch nicht, dass solche Vorfälle von den nationalen Führungen dieser Parteien orchestriert oder organisiert wurden (OHCHR 12.2.2025). Sowohl die Übergangsregierung, als auch die BNP, BJI und Studentenführer verurteilten die Gewalt gegenüber Hindus (DFAT 23.7.2025; vgl. OHCHR 12.2.2025). Auch gab es nach dem Umsturz Bemühungen von lokalen Gruppen wie BNP, BJI, Studierenden Gruppen und sozialen Organisationen die Wohn- und Gebetshäuser der Hindu-Gemeinschaft zu schützen (OHCHR 12.2.2025; vgl. HRW 1.2025).
Sicherheitslage in den Chittagong Hill Tracts (CHT)
[Informationen zum Hintergrund des Konflikts und ethnischer Zusammensetzung in den Chittagong Hill Tracts befinden sich im Kapitel Chittagong Hill Tracts / Jumma-Völker.]
Aus dem Jahr 2024 gibt es Berichte über interkommunale Gewalt zwischen Gemeinschaften der indigenen Minderheiten und Bengalen, in Form von Mobgewalt bzw. Brandangriffen auf religiöse Stätten von Buddhisten und Christen sowie auf Wohnhäuser und Gewerbeliegenschaften. Die Sicherheitskräfte verhängten Straßen- sowie Telefon- und Internetsperren. Es kam auch zu Schusswechseln mit den Sicherheitskräften. Im Jahr 2025 gibt es Berichte über Entführungen von Zivilisten und Lösegeldforderungen. Einige dieser Entführungen werden der United People's Democratic Front (UPDF) [Anm.: eine politische Partei in den CHT] zugeschrieben. Die UPDF weißt diese Vorwürfe jedoch zurück (EUAA 8.2025).
Im Allgemeinen haben seit 2022 die Zusammenstöße zwischen ethnischen bewaffneten Gruppen und staatlichen Sicherheitskräften sowie zwischen ethnischen bewaffneten Gruppen untereinander zugenommen (DFAT 23.7.2025). Das Militär unterhält weiterhin ein starkes Kontingent an Sicherheitskräften in den CHT, wo es ein Wiederaufflammen der Konflikte zwischen den indigenen lokalen Gemeinschaften und zugezogenen Bangladeschis verhindern soll. Dem Militär wird von lokalen Menschenrechtsgruppen vorgeworfen, die Konfliktparteien gegeneinander auszuspielen, um die eigene dominante Rolle in der Region zu bewahren (AA 16.8.2024). Lokale Quellen berichten, die Reaktion der Sicherheitskräfte sei häufig hart und wahllos. Indigene Bevölkerungsgruppen werden bei Sicherheitskontrollen schikaniert, teilweise willkürlich festgenommen sowie ihre Häuser durchsucht. Einige indigene Gruppen behaupten, Angriffe würden von einer staatlich geförderten Gruppe namens Mukhosh Bahini („Maskierte Truppe“) verübt (DFAT 23.7.2025).
Im April 2024 verübten Kämpfer der Kuki-Chin National Front (KNF) [Anm.: eine indigene Seperatistengruppe] koordinierte Angriffe auf ein lokales Regierungsgebäude und mehrere staatliche Banken. Sicherheitskräfte verhafteten mehr als 100 Angehörige der örtlichen Bawm-Gemeinde, darunter Frauen und Kinder und verhängten Bewegungseinschränkungen (DFAT 23.7.2025).
Relevante Bevölkerungsgruppen
Sexuelle Orientierung und Genderidentität (SOGI)
Letzte Änderung 2026-01-13 11:57
Einvernehmliche homosexuelle Handlungen sind kriminalisiert (EUAA 8.2025; vgl. HRW 16.1.2025) und stehen gemäß § 377 Strafgesetzbuch unter Strafe (AA 16.8.2024; vgl. DFAT 23.7.2025). Die Strafen reichen von 10 Jahren bis lebenslänglich (HRW 16.1.2025; vgl. EUAA 8.2025). Auch Geldstrafen sind möglich (EUAA 8.2025). Laut verschiedenen Quellen kam die strafrechtliche Durchsetzung des Verbots unter der vorigen Regierung [Anm.: Awami-Liga Regierung] tatsächlich nur selten zur Anwendung (FH 26.2.2025; vgl. AA 16.8.2024, EUAA 8.2025). Die Anwendung des § 377 Strafgesetzbuch wurde oft angedroht, um Homosexuelle zu erpressen, regierungskritische Meinungsäußerungen zu verhindern oder die Anpassung an heterosexuelle Normen zu erzwingen (AA 16.8.2024). So berichten Mitglieder sexueller Minderheiten, dass die Polizei das Gesetz benutzt, um sie - oder aber auch Personen, die unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung als sexuelle Minderheit wahrgenommen werden - zu schikanieren (USDOS 23.4.2024). Gleichzeitig werden auch Gesetze gegen Pornografie, Drogen- oder Alkoholdelikte sowie Beschränkungen bei der Lizenzierung von Veranstaltungsorten häufig gegen sexuelle Minderheiten und deren Veranstaltungsorte eingesetzt (DFAT 23.7.2025).
Gesellschaftliche Haltung
Sexualität ist in Bangladesch mit einem Stigma behaftet und Homosexualität stößt auf gesellschaftliche Missbilligung, die tief verwurzelt ist und durch das Rechtssystem, gesellschaftliche Normen und religiöse Überzeugungen verstärkt wird (EUAA 8.2025). Die gesellschaftliche Einstellung gegenüber sexuellen Minderheiten in Bangladesch ist sehr konservativ. Nur sehr wenige homosexuelle bzw. bisexuelle Männer und Frauen offenbaren ihre sexuelle Orientierung. Hijras werden zwar stärker akzeptiert, sind aber aufgrund ihrer größeren Sichtbarkeit anfälliger für Missbrauch [weitere Informationen siehe Unterkapitel Drittes Geschlecht - Hijras] (DFAT 23.7.2025).
Im Gleichstellungsindex von Equaldex, der den Status der Rechte, Gesetze und Freiheiten von sexuellen Minderheiten sowie die öffentliche Einstellung gegenüber diesen bewertet, belegte Bangladesch im Jahr 2025 den 138. Platz von 197 Ländern (Equaldex o.D.). Ein Bericht des International Republican Institute, einer amerikanischen Nonprofit Organisation, aus dem Jahr 2021 stellte fest, dass sexuelle Minderheiten in Bangladesch weitverbreitete Erfahrungen mit Diskriminierung, Ausgrenzung und Gewalt machen. 45 % der Befragten gaben an, täglich oder wöchentlich „Diskriminierung, Gewalt oder Belästigung“ ausgesetzt zu sein. Die Mehrheit berichtete von Diskriminierung im Gesundheitswesen, im Bildungswesen und am Arbeitsplatz. Die Hälfte sagte, sie habe ihre sexuelle Orientierung und/oder Geschlechtsidentität vor ihrer Familie geheim gehalten (DFAT 23.7.2025; vgl. IRI 2021).
Lokale Quellen berichten, dass Mitglieder sexueller Minderheiten manchmal von ihren Eltern aus dem Elternhaus vertrieben werden. In anderen Fällen üben Eltern Druck auf LGBTQ-Kinder aus, heterosexuelle Ehen zu akzeptieren, oder sperren sie ein, um die Familie nicht zu „entehren“. Viele Angehörige sexueller Minderheiten erleben Mobbing in der Schule, was zu hohen Abbruchquoten führt. Nur sehr wenige offen lebende Angehörige sexueller Minderheiten besuchen eine Universität. Diejenigen, die es tun, werden von Kommilitonen und Lehrkräften gemobbt (DFAT 23.7.2025). Es gibt Berichte, dass sogenannte Konversionstherapien weit verbreitet sind (EUAA 8.2025; vgl. USDOS 23.4.2024).
Für Transgender-Personen sind einige rechtliche Anerkennungen vorhanden, jedoch werden sie in der Praxis stark diskriminiert (FH 26.2.2025). Lokale Quellen berichten, dass homosexuelle Frauen und Transgender-Männer in Bangladesch deutlich weniger sichtbar sind als homosexuelle Männer und Transgender-Frauen, was teilweise auf strenge kulturelle Normen für Frauen zurückzuführen ist. Nach Angaben von lokalen Quellen können Transgender-Männer höheren Sicherheitsrisiken ausgesetzt sein, wenn ihre Transgender-Identität preisgegeben wird (DFAT 23.7.2025).
Als Reaktion auf die weitverbreitete Diskriminierung von Mitgliedern sexueller Minderheiten und die Ermordung zweier wichtiger Aktivisten im Jahr 2016 hat sich der LGBTQ-Aktivismus in Bangladesch fast vollständig ins Internet verlagert (FH 16.10.2024). Auch die Dhaka Pride findet [Anm.: seit ihrem Bestehen] aufgrund der rechtlichen und sozialen Hindernisse für die LGBTQ-Community in Bangladesch ausschließlich online statt (InBa o.D.).
Lokale Quellen berichten, das Attentat von 2016 habe weiterhin eine abschreckende Wirkung auf die Interessenvertretung und die öffentliche Diskussion von Themen mit Bezug auf sexuelle Minderheiten (DFAT 23.7.2025). Durch religiöse Fundamentalisten kommt es zu Vergeltungsmaßnahmen gegen Personen, die öffentlich über LGBTQ-Rechte sprechen. Ebenso wird die Arbeit von NGOs im Bereich der Rechte sexueller Minderheiten durch Druck und Einschüchterung durch islamistische Gruppen beeinträchtigt (FH 26.2.2025). Gleichzeitig herrscht auch aufgrund der vagen Formulierungen im Digital Security Act (DSA) und Cyber Security Act (CSA) ein Klima der Selbstzensur, wodurch Reporter und Redakteure bei der Berichterstattung mit Bezug auf sexuelle Minderheiten übermäßig vorsichtig sind. Außerdem führen Fehl- und Desinformationen auf Social-Media-Platformen dazu, dass Mitglieder sexueller Minderheiten im realen Leben Opfer von Gewalt werden (FH 16.10.2024).
Situation nach dem politischen Umbruch
Der politische Umbruch im Jahr 2024 [Anm.: Informationen zu den Ereignissen im Jahr 2024 finden sich im Kapitel Politische Lage] wirkt sich auch auf die LGBTQ-Community aus (InBa 2.2025; vgl. EUAA 8.2025). So hat sich seit dem Regierungswechsel die Situation für Angehörige sexueller Minderheiten und LGBTQ-Aktivisten verschlechtert (HRW 16.1.2025; vgl. DFAT 23.7.2025, EUAA 8.2025). Obwohl LGBTQ-Themen selbst nicht im Mittelpunkt der Proteste von 2024 standen (ILGA Asia 10.10.2024), sehen sich viele LGBTQ-Aktivisten in Bangladesch nun vertärkt Drohungen und Diskriminierung ausgesetzt, aber auch die Community selbst einer steigenden Gefahr von Gewalt (InBa 2.2025; vgl. Washington Blade 9.8.2024, ILGA Asia 10.10.2024, DFAT 23.7.2025). Zudem werden Bedenken hinsichtlich der engen Zusammenarbeit der Übergangsregierung mit LGBTQ-feindlichen rechtsextremen Parteien und dem Aufstieg rechtsgerichteter islamischer und LGBTQ-feindlicher Parteien (z. B. Jamaat-e-Islami) geäußert (ILGA Asia 10.10.2024; vgl. EUAA 8.2025, DFAT 23.7.2025). In der Folge kam es zu einer Zunahme von Schikanen und einer "Sündenbockmentalität" gegenüber sexuellen Minderheiten (InBa 2.2025; vgl. EUAA 8.2025). Die Fortschritte bei der Inklusion von Transgender-Personen unter der inzwischen abgesetzten Regierung werden als gefährdet betrachtet (InBa 2.2025; vgl. Washington Blade 9.8.2024, ILGA Asia 10.10.2024).
Auch die Fälle von Online-Belästigung haben signifikant zugenommen, doch Angst, Stigmatisierung oder mangelndes Vertrauen in die verfügbaren Unterstützungsmechanismen werden als Gründe dafür genannt, Fälle nicht zu melden (UN Women 2024; auch zit. in EUAA 8.2025). Im August 2024 kam es an einigen Bildungseinrichtungen zu Protesten und Vorwürfen von Studenten gegen vermeintlich männliche homosexuelle Lehrkräfte und Professoren, die daraufhin suspendiert wurden und ein Unterrichtsverbot bekamen (EUAA 8.2025; vgl. E76C 28.10.2024, E76C 4.11.2024).
Bewegungsfreiheit, Ein- und Ausreise
Letzte Änderung 2026-01-12 12:48
Bewegungsfreiheit im Inland
Artikel 36 der Verfassung garantiert den Bürgern das Recht, sich in Bangladesch frei zu bewegen (DFAT 23.7.2025; vgl. AA 16.8.2024), sich an jedem Ort aufzuhalten und niederzulassen sowie Bangladesch zu verlassen und wieder einzureisen. Es gibt keine rechtlichen Hindernisse für die Binnenbewegung innerhalb Bangladeschs, mit Ausnahme der Chittagong Hill Tracts (CHT) (DFAT 23.7.2025; vgl. FH 26.2.2025, AA 16.8.2024) und der Flüchtlingslager der Rohingya [Anm.: Weitere Informationen siehe Kapitel Rohingya] (FH 26.2.2025). Der Zugang zu großen Teilen der CHT ist eingeschränkt, und Militärkontrollpunkte verhindern die freie Bewegung der Einheimischen in den CHT [Anm.: Weitere Informationen siehe Kapitel CHT] (DFAT 23.7.2025). Ein landesweites Meldewesen besteht nicht. Illegale Grenzübertritte in die Nachbarländer sind möglich und kommen vor (AA 16.8.2024).
Hinsichtlich der Wahl der Ausbildung oder des Arbeitsplatzes gibt es nur wenige gesetzliche Beschränkungen (FH 26.2.2025). Faktisch migriert jährlich eine große Zahl von Menschen vom Land in die Städte (AA 16.8.2024). Großstädte wie Dhaka und Chittagong bieten bessere Beschäftigungsmöglichkeiten. Bangladescher können aus verschiedenen Gründen umziehen (DFAT 23.7.2025). Es handelt sich hierbei teilweise um Klimaflüchtlinge, deren Lebensgrundlage entzogen wurde und teilweise um Arbeitssuchende, die hoffen, insbesondere in der Textilindustrie Anstellung zu finden (AA 16.8.2024).
Laut deutschem Auswärtigen Amt fallen Neuankömmlinge wegen fehlender familiärer Bindungen und aufgrund der engen Nachbarschaftsverhältnisse auf. Dies setzt der Anonymität auch in Städten gewisse Grenzen (AA 16.8.2024). Das australische Außen- und Handelsministerium (DFAT) geht davon aus, dass Frauen ohne Zugang zu familiären oder anderen Unterstützungsnetzwerken wahrscheinlich größere Schwierigkeiten bei der Umsiedlung haben als Männer, insbesondere wenn sie arm, alleinstehend oder Opfer geschlechtsspezifischer Gewalt sind [Anm.: Weitere Informationen zu geschlechterspezifischer Gewalt siehe Kapitel Frauen] (DFAT 23.7.2025).
Ein- und Ausreise
Die bangladeschischen Behörden führen an der Grenze Kontrollen durch. Sie führen eine Ausreisekontrollliste (Exit Control List) von verurteilten Straftätern und Personen, die von Sicherheitskräften und Geheimdiensten gesucht werden. Das Ministerium für Einwanderung und Reisepässe (Department of Immigration and Passports) nutzt die Ausreisekontrollliste in erster Linie, um über die Ausstellung von Pässen zu entscheiden, kann sie aber auch dazu verwenden, um Personen daran zu hindern, Bangladesch zu verlassen. Die Gründe, aus denen einer Person die Ausreise verweigert werden kann, werden nicht veröffentlicht (DFAT 23.7.2025).
DFAT berichtet über Kenntnisse von Fällen, in denen Personen, die Bangladesch verlassen wollten, festgenommen oder daran gehindert wurden. Darunter befanden sich vor dem Sturz der Hasina-Regierung auch BNP-Führungskräfte und einfache BNP-Mitglieder. Laut DFAT-Quellen vor Ort konnten Mitglieder der BNP nach August 2024 wieder frei aus Bangladesch aus- und einreisen. Für Mitglieder der Awami-Liga können Einschränkungen gelten, insbesondere für Personen, die im Verdacht stehen, während der Regierungszeit der Hasina-Regierung Verstöße begangen zu haben (DFAT 23.7.2025). Gerichte haben gegen einige Mitglieder der Awami-Liga Reiseverbote verhängt (DFAT 23.7.2025; vgl. DAST 23.12.2024).
Landgrenzen
Bangladesch ist weitgehend von Indien umgeben und verfügt über eine Reihe von Landgrenzübergängen. Einige Teile der Grenze sind eingezäunt, andere sind offen. Die Grenzen werden sowohl von indischen als auch von bangladeschischen Streitkräften patrouilliert, die Versuche, die Grenze zu überqueren, abwehren können. Es gibt zwei Hauptgrenzübergänge zu Myanmar (DFAT 23.7.2025).
Ausreise bei Auslandsbeschäftigung
Es ist strafbar, Bangladesch auf andere Weise als gemäß den im Gesetz über Auslandsbeschäftigung und Migranten von 2013 (Overseas Employment and Migrants Act 2013) festgelegten Verfahren zu verlassen. Bangladescher benötigen einen gültigen Reisepass und, je nach Zielland, ein Visum (DFAT 23.7.2025). Zudem benötigt jeder Wanderarbeiter eine Registrierung und Freigabe der Ausreise durch das Amt für Arbeitskräfte, Beschäftigung und Training (Bureau of Manpower, Employment and Training, BMET), die so genannte BMET Clearance. Im Zuge der gesetzlich vorgeschriebenen Registrierung werden der Beruf und die Tätigkeit des Wanderarbeiters erfasst und in ein Register eingetragen. Wird die Freigabe erteilt, stempelt das BMET den Reisepass mit einem Siegel, das die Registrierungsnummer enthält, und stellt eine elektronische Karte für die Freigabe der Migration aus, die die erforderlichen Informationen zur Migration, einschließlich biometrischer Daten enthält (ILO o.D.). Das Gesetz soll Bangladescher vor Menschenhandel schützen und nicht etwa illegale Ausreisen oder abgelehnte Asylanträge strafrechtlich verfolgen. Seine Bestimmungen werden laut DFAT selten durchgesetzt. Dem DFAT sind keine Fälle bekannt, dass Personen nach einer gescheiterten Asylsuche in Australien unter diesem Gesetz strafverfolgt wurden. Es schätzt diese Möglichkeit als unwahrscheinlich ein (DFAT 23.7.2025).
Grundversorgung und Wirtschaft
Wirtschaft und Arbeitsmarkt
Letzte Änderung 2026-01-13 08:10
Wirtschaft
Anhaltendes Wirtschaftswachstum verwandelte Bangladesch von einem der ärmsten Länder der Welt im Jahr 1971 in ein Land mit niedrigem mittlerem Einkommen ab dem Jahr 2015 (DFAT 23.7.2025; vgl. WB 17.10.2024, EUAA 8.2025). Im Jahr 2024 betrug das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes 451,1 Mrd. USD [ca. 390.41 Mrd. EUR] und das BIP pro Kopf laut Quellen zwischen 2.622 USD [ca. 2.270 EUR] (WKO 4.2025) und ca. 2.800 USD [ca. 2.446 EUR] (DFAT 23.7.2025; vgl. EUAA 8.2025). Indikatoren der menschlichen Entwicklung wie Lebenserwartung, Kindersterblichkeit, durchschnittliche Bildungsdauer (DFAT 23.7.2025), Alphabetisierungsrate und Zugang zu Elektrizität haben sich verbessert (WB 17.10.2024).
Derzeit befindet sich Bangladesch in einer Phase des wirtschaftlichen und politischen Übergangs. In den Jahren 2023 und 2024 kam es zu einem langsameren Wirtschaftswachstum und schlechteren Arbeitsmarktbedingungen (WB 4.2025). Einer vorläufigen Schätzung des Bangladesh Bureau of Statistics (BBS) zufolge betrug das Wirtschaftswachstum im Geschäftsjahr 2024-2025 3,97 % (EUAA 8.2025; vgl. TBS News 27.5.2025). Im Jahr 2023 waren es noch 5,8 % (WKO 4.2025). Für das Geschäftsjahr 2025-2026 wird ein Wachstum von 6,5 % prognostiziert (DFAT 23.7.2025).
Durch die instabile Lage im Land während des Aufstandes im Juli und August 2024 kam zu einer Beeinträchtigung der Geschäftsbetriebe durch die Proteste, Bewegungseinschränkungen und Internetabschaltungen (EUAA 8.2025). Die Inflation betrug im Jahr 2024 9,7 % (WKO 4.2025) bis 9,89 % (EUAA 8.2025) und wird für das Jahr 2025 auf 10,0 % (WKO 4.2025) bis 10,2 % prognostiziert (ADB 4.2025). Private und öffentliche Investitionen sind ins Stocken geraten, und das industrielle Wachstum hat sich abgeschwächt (WB 4.2025).
Die Übergangsregierung unter Dr. Mohammad Yunus hat verschiedene Maßnahmen zur Stabilisierung des Bankensektors und der Gesamtwirtschaft ergriffen sowie verschiedene Kommissionen, Ausschüsse und Arbeitsgruppen eingerichtet. Die von diesen Ausschüssen vorgeschlagenen Reformen wurden jedoch noch nicht umgesetzt [Anm.: Stand April 2025] (WB 4.2025). Das australische Außen- und Handelsministerium (Department of Foreign Affairs and Trade, DFAT) sieht eine Stabilisierung der Wirtschaft nach den Störungen durch die Monsunrevolution 2024 sowie den Rückgängen bei privaten und öffentlichen Investitionen (DFAT 23.7.2025). Die Wirtschaft steht allerdings weiterhin vor erheblichen Herausforderungen, darunter die hohe Inflation, Anfälligkeiten im Finanzsektor (WB 4.2025; vgl. DFAT 23.7.2025), die politische Instabilität sowie Naturkatastrophen und Arbeiterproteste im ersten Quartal 2025 (ADB 4.2025).
Arbeitsmarkt
Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist in der Landwirtschaft beschäftigt, wobei Reis das am weitesten verbreitete Anbauprodukt ist. Auch das verarbeitende Gewerbe und der Dienstleistungssektor spielen eine wichtige Rolle. Die Bekleidungsindustrie beschäftigt schätzungsweise vier Millionen Menschen, davon 80 % Frauen. Rücküberweisungen von Arbeitnehmern aus dem Ausland (22 Mrd. US-Dollar im Jahr 2023) stellen nach Textil- und Bekleidungsexporten Bangladeschs zweitgrößte Devisenquelle dar und machen 6 % des BIP aus (DFAT 23.7.2025).
Eine schwache Rechts- und Ordnungslage, ein ungünstiges Umfeld für Unternehmen und mangelnde Beschäftigungsmöglichkeiten entmutigen Arbeitssuchende, insbesondere Frauen, und veranlassen viele dazu, den [Anm.: formellen] Arbeitsmarkt zu verlassen. Die Erwerbsquote sank von 60,9 % auf 59,2 %, hauptsächlich aufgrund eines Rückgangs der Frauenbeteiligung von 41,6 % auf 38,9 %. Fast 4 % der Arbeitnehmer verloren in der zweiten Jahreshälfte 2024 ihren Arbeitsplatz. Die Löhne für Geringqualifizierte sanken um 2 % und für Hochqualifizierte um 0,5 % (WB 4.2025). Laut Weltbank und DFAT liegt die Arbeitslosenquote zwischen 3,6 % (WB 4.2025) und 4,5 % (DFAT 23.7.2025). Die Jugendarbeitslosigkeit ist höher und betrug 2024 11,5 % (2023: 10,9 %) (WKO 4.2025).
Bis zu 85 % der Erwerbstätigen arbeiten im informellen Sektor (DFAT 23.7.2025; vgl. USDOS 12.8.2025), das entspricht 70,47 Mio. Erwerbstätigen (USDOS 12.8.2025). Die Bedingungen im informellen Sektor sind im Allgemeinen schlecht (DFAT 23.7.2025). Der gesetzliche Schutz für Arbeitnehmer ist unzureichend und wird selten durchgesetzt (USDOS 12.8.2025). Es gibt nicht genügend Arbeitsplätze, um alle neuen Arbeitsmarktteilnehmer aufzunehmen, daher gehen viele Bangladescher für die Arbeit ins Ausland (DFAT 23.7.2025).
Ein nationales Mindestlohn-Gremium legt branchenspezifische monatliche Mindestlöhne fest. Der Mindestlohn ist nicht an die Inflation gekoppelt, das Gremium passt die Löhne in einigen Branchen jedoch gelegentlich an die Lebenshaltungskosten an. Keiner der festgelegten Mindestlöhne bietet Stadtbewohnern einen ausreichenden Lebensstandard, viele der Mindestlöhne liegen jedoch über der Armutsgrenze (USDOS 12.8.2025).
Grundversorgung, Wohnraum, Hygiene und Wasserversorgung
Letzte Änderung 2026-01-13 11:57
Grundversorgung
Obwohl sich die Grundversorgung mit Nahrungsmitteln in den vergangenen Jahren wesentlich verbessert hat (AA 16.8.2024), waren im April 2025 15,5 Mio. Menschen (16,6 % der analysierten Stichprobe von 96,6 Mio. Einwohnern) von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen (IPC 5.6.2025). Im Jahr 2022 gaben bangladeschische Haushalte laut einer Umfrage der BBS durchschnittlich 46 % ihres Einkommens für Lebensmittel aus. Im Jahr 2024 erreichten die Lebenshaltungskosten, einschließlich Lebensmitteln, ihren höchsten Stand seit einem Jahrzehnt (EUAA 8.2025).
/Dokumente/Bvwg/BVWGT_20260624_W123_2321927_1_00/hauptdokument.img1is.png WFP 8.2025
Laut "Hunger-Karte" des World Food Programme (WFP) leben in Bangladesch 51,1 Mio. Menschen mit unzureichender Ernährung. In sieben von acht übergeordneten Verwaltungseinheiten gibt es eine hohe Rate (Prävalenz) von Menschen mit unzureichender Ernährung. Nur eine Verwaltungseinheit (Chittagong) weist eine moderat hohe Prävalenz auf [siehe Karte] (WFP 8.2025). Ein Hauptfaktor der aktuellen Ernährungsunsicherheit sind die schweren Überschwemmungen und der tropische Wirbelsturm des Jahres 2024, die erhebliche Schäden in der Landwirtschaft verursachten. Hinzu kamen wirtschaftliche Schocks wie Inflation, Währungsabwertung, höheren Importkosten, Einkommensverluste sowie hohe Lebensmittelpreise (IPC 5.6.2025).
Bei regionaler Nahrungsmittelknappheit werden von der Regierung Bezugsscheine für staatliche Nothilferationen bzw. subventionierte Lebensmittel ausgegeben. Es gibt keine anderen staatlichen Hilfen für bedürftige Personen (AA 16.8.2024) oder Familien- und Haushaltsbeihilfen (ISSA 1.1.2024) Nichtstaatliche Unterstützung durch religiös ausgerichtete Wohltätigkeitsvereine und andere NGOs kann in Anbetracht der hohen Bevölkerungszahl nur einem kleinen Teil der Bedürftigen geleistet werden. Eine flächendeckende soziale Absicherung besteht nicht. (AA 16.8.2024). [Anm.: eine Auflistung einzelner Sozialbeihilfen bzw. Leistungen durch Arbeitgeber gibt es im Kapitel Armut und Soziale Absicherung].
Wohnraum
Der Großteil der Bevölkerung hat Zugang zu Strom, sauberem Wasser und Wohnraum. Laut der jüngsten nationalen Volkszählung aus dem Jahr 2022 lebten jedoch über 1,7 Millionen Menschen in städtischen Slums unter "unhygienischen und ungeplanten Bedingungen mit sehr schlechten Wohnverhältnissen". Andere Quellen gehen von höheren Zahlen aus (EUAA 8.2025). So gab das UNDP 2020 an, dass etwa 60 Millionen Menschen in städtischen Slums lebten (UNDP 2020). Laut einem Medienbericht lebten im Jahr 2022 allein in der Hauptstadt Dhaka 4,4 Millionen Menschen in Slums (Dhaka Tribune 1.10.2022). Bangladesch erlebt eine rasante Urbanisierung, wobei sich die städtische Bevölkerung im Zeitraum 2000–2023 von 30 auf 70 Millionen mehr als verdoppelt hat. Dies hat zu einer erheblichen Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum geführt, wobei derzeit ein Defizit von etwa 6 Millionen Einheiten besteht. Jährlich werden nur 31 500 Wohnungen gebaut, was 1 % der Nachfrage entspricht. Infolgedessen sind die Slums gewachsen, darunter auch die Slumbevölkerung in Dhaka, die zwischen 2010 und 2020 um 20 % zugenommen hat. Gleichzeitig können sich die meisten Menschen aufgrund der hohen Zinssätze keinen Eigenheimkauf leisten (EUAA 8.2025). Insbesondere informelle urbane Siedlungsgebiete (Slums) sind überschwemmungsgefährdet und es fehlt an Wohn- und Versorgungsinfrastruktur (BMZ 25.7.2025).
Hygiene und Wasserversorgung
Im Jahr 2024 hatten 59 Prozent der Bevölkerung Zugang zu sicherem Trinkwasser. Damit ist ein leichter Anstieg gegenüber dem Jahr 2015 erkennbar, als der Anteil bei 56 Prozent lag (JMP 26.8.2025). Trotz Fortschritten bei der Wasserversorgung und der sanitären Versorgung haben damit knapp über 40 Prozent der Bevölkerung Bangladeschs noch keinen Zugang zu sauberem Wasser (Prothom Alo 5.9.2025). Hauptfaktoren für konatminiertes Wasser sind dabei Fäkalbakterien wie Kolibakterien (E. coli) (JMP 26.8.2025). Darüber hinaus konsumieren mehrere Millionen Menschen mit Arsen kontaminiertes Wasser (ANN 15.5.2025).
Außerdem hatten im Jahr 2024 37 % (2015: 25 %) der Bevölkerung Zugang zu sicher betriebenen sanitären Einrichtungen. Werden auch Gemeinschaftseinrichtungen miteingerechnet haben 54 % (2015: 46 %) der Bevölkerung Zugang zu sanitären Einrichtungen (JMP 26.8.2025).
Armut und Soziale Absicherung
Letzte Änderung 2026-01-13 11:57
Armut
Die Weltbank prognostiziert für 2025 eine nationale Armutsquote von 22,9 % (2024: 20,5 %) (DFAT 23.7.2025; vgl. WB 4.2025). Die extreme Armut, gemessen an der internationalen Armutsgrenze von 2,15 US-Dollar [Anm.: pro Tag], wird 2025 voraussichtlich auf 9,3 % (2024: 7,7 %) steigen, womit weitere drei Millionen Menschen in extreme Armut gelangen können (WB 4.2025). Die Ungleichheit stieg im Jahr 2024 geringfügig und soll 2025 weiter ansteigen (WB 4.2025). Lediglich in ländlichen Gebieten soll sich die Ungleichheit leicht verringert haben, während sie in städtischen Gebieten anstieg (WB 17.10.2024). Die Weltbank geht davon aus, dass drei von fünf Haushalten aufgrund der wirtschaftlichen Herausforderungen, insbesondere aufgrund der sich zwischen 2023 und 2024 verschlechternden Arbeitsmarktbedingungen, unter größeren finanziellen Druck gerieten und Ersparnisse aufgebraucht haben. Geldüberweisungen aus dem Ausland an Haushalte haben jedoch dazu beigetragen, den privaten Konsum und die Aktivitäten im Dienstleistungssektor aufrechtzuerhalten und einen größeren Anstieg der Ungleichheit abzuschwächen, trotz Arbeitsplatzverlusten und erhöhter Inflation, die zu einem Rückgang der Realeinkommen führte. Jährlich verlassen über eine Million Menschen das Land, womit für Haushalte, die Überweisungen erhalten, weiterhin eine bessere Widerstandsfähigkeit angesichts der wirtschaftlichen Herausforderungen angenommen wird (WB 4.2025).
Das Land hat in den letzten Jahrzehnten erhebliche Fortschritte bei der Armutsbekämpfung erzielt, vor allem dank seiner Programme für ein soziales Sicherheitsnetz (Social Safety Net Programs, SSNP) (Borgen Project 16.5.2025; vgl. DTDA o.D.). Die Grundlage für dieses soziale Sicherheitsnetz wurde mit der 2015 eingeführten Nationalen Strategie für soziale Sicherheit (National Social Security Strategy, NSSS) gebildet, deren politischen Instrumente Krankengeld, Mutterschaftsgeld und -schutz, Altersrenten, Arbeitsunfälle und Arbeitslosenunterstützung für Arbeitnehmer in der formellen Wirtschaft abdecken. Allerdings verlief die Umsetzung des NSSS und seines Aktionsplans schleppend, was hauptsächlich auf begrenzte finanzielle Mittel und Kapazitätsengpässe zurückzuführen ist (DTDA o.D.). Die Anzahl der Programme sank von 138 im Geschäftsjahr 2015 auf 115 im Geschäftsjahr 2024, bevor sie im Geschäftsjahr 2025 wieder auf 140 anstieg (Razzaque/Rahman/IGC 3.2025). Das soziale Schutzsystem ist durch die Fragmentierung in unterschiedliche Programme, die sich hauptsächlich auf die Verteilung von Nahrungsmitteln und Geldtransfers konzentrieren, gefährdet (DTDA o.D.).
Universelles Pensionssystem
Im August 2023 wurde ein neues freiwilliges beitragsorientiertes Pensionsprogramm (das Universal Pension Scheme, UPS) (ISSA 1.1.2024; vgl. DTDA o.D.) für Arbeitnehmer im privaten Sektor im Alter von 18 bis 50 Jahren eingeführt (ISSA 1.1.2024). Davor war das Pensionssystem auf öffentliche Bedienstete beschränkt. Ziel ist es, dass selbst Personen mit geringen Einkommen sich im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten auf den Ruhestand vorbereiten können (DTDA o.D.). Die Versicherten wählen eines von vier Programmen (ISSA 1.1.2024; vgl. DTDA o.D.), mit den Bezeichnungen Progoti, Surokkha, Somota, and Probash (DTDA o.D.), die folgende Personengruppen abdecken: 1) Arbeitnehmer und Unternehmer, 2) Selbstständige und informell Beschäftigte, 3) Arbeitnehmer mit niedrigem Einkommen, die unterhalb der Armutsgrenze leben, und 4) bangladeschische Staatsbürger, die im Ausland arbeiten. Das UPS bietet Versicherungsschutz für Altersrente und Hinterbliebenenrente. Die Höhe der Leistungen hängt vom gewählten Versicherungsprogramm, dem gewählten Beitragssatz und der Anzahl der Beitragsjahre ab. Die Teilnehmer müssen mindestens 10 Jahre lang Beiträge gezahlt haben, um Anspruch auf Leistungen zu haben. Daneben gibt es Sonderregelungen für Beschäftigte von staatlichen, halbstaatlichen und autonomen Organisationen (ISSA 1.1.2024; vgl. DTDA o.D.). Obwohl informell Beschäftigte Zugang zum universellen Rentensystem haben, herrscht trotz der veröffentlichten offiziellen Richtlinien zur Registrierung immer noch Verwirrung über ihre Anmeldung. Da es sich um einen freiwilligen Beitrag handelt, ist die Registrierungsrate niedrig, denn viele Menschen denken, es handelt sich um ein staatliches System zur Geldbeschaffung (DTDA o.D.).
Arbeitsunfallversicherung in der Bekleidungsbranche
Im Juni 2022 wurde im Rahmen eines Pilotprojektes eine Arbeitsunfallversicherung für die Bekleidungsbranche eingeführt. Das System bietet verletzten Arbeitnehmern und ihren Angehörigen im Falle von Unfällen, die zu dauerhafter Behinderung oder zum Tod führen, eine regelmäßige Zahlung als Aufstockung der bereits bestehenden Pauschalzahlungen des Zentralfonds (DTDA o.D.).
Entwicklungsprogramme des Staates für gefährdete Gruppen
Das Programm zur Entwicklung gefährdeter Gruppen (Vulnerable Group Development Program, VGD) unterstützt vor allem Frauen, die unter extremer Ernährungsunsicherheit leiden (Borgen Project 16.5.2025; vgl. SEBA o.D.). Aufgrund der Geschlechterungleichheit im Land sind Frauen oft am stärksten von Armut und Hunger betroffen. Ziele des Programms sind, die Versorgung mit nahrhaften Lebensmitteln und in Zusammenarbeit mit BRAC, Bangladeschs größter NGO, die Vermittlung grundlegender Lese-, Schreib- sowie Ernährungskompetenzen. Durch die Bereitstellung von Lebensmitteln und Bildung hilft das Programm gefährdeten Frauen, langfristig aus der Armut zu kommen, anstatt nur kurzfristig Hilfe zu leisten (Borgen Project 16.5.2025).
Darauf aufbauend hat die Regierung ein weiteres Programm zur Einkommensgenerierung für die Entwicklung benachteiligter Gruppen (Income Generating for Vulnerable Group Development, IGVGD) konzipiert. Es unterstützt Frauen mit niedrigem Einkommen dabei, von der Nahrungsmittelhilfe durch das VGD-Programm zu selbstständigen Arbeitskräften mit einem stabilen Einkommen zu werden (Borgen Project 16.5.2025). Die Frauen im Programm erlernen wichtige berufliche Fähigkeiten (Borgen Project 16.5.2025; vgl. SEBA o.D.), wie Geflügelzucht und Schneiderei (Borgen Project 16.5.2025). Sie können außerdem kleine Kredite oder Zuschüsse erhalten (Borgen Project 16.5.2025; vgl. SEBA o.D.), um ein eigenes Unternehmen zu gründen (Borgen Project 16.5.2025).
Sozialhilfe des Staates
Soziale Altersbeihilfe:
Seit 1998 gibt es eine staatliche Altersbeihilfe (Borgen Project 16.5.2025) in der Höhe von monatlich 600 Taka [Anm.: ca. 4,20 EUR] (ISSA 1.1.2024; vgl. Razzaque/Rahman/IGC 3.2025). Sie wird an Männer über 65 und Frauen über 62 Jahren mit Wohnsitz in Bangladesch ausgezahlt, wobei nur ein Familienmitglied eine Pension beziehen kann. Die Auszahlung erfolgt alle drei Monate. Ein spezieller Ausschuss führt eine Bedürftigkeitsprüfung durch und priorisiert die Leistungszahlungen. Dabei darf das Jahreseinkommen des Begünstigten, je nach Quelle, 3.000 Taka [Anm.: ca. 21,15 EUR] (ISSA 1.1.2024) bis 10.000 Taka [ Anm.: ca. 70,50 EUR] (Razzaque/Rahman/IGC 3.2025) nicht übersteigen und es dürfen auch keine anderen staatlichen oder nicht-staatlichen Unterstützungen bezogen werden. Darüber hinaus wird den Schwächsten der Gesellschaft und Frauen der Vorrang eingeräumt (mindestens die Hälfte der ausgewählten Personen muss weiblich sein) (ISSA 1.1.2024). Die Altersbeihilfe unterstützt fast vier Millionen ältere Menschen darin, sich mit notwendigen Lebensgrundlagen wie Nahrung, Medikamenten und Unterkunft zu versorgen. Die finanzielle Unterstützung des Programms entlastet auch junge Familienmitglieder, die möglicherweise finanzielle Schwierigkeiten haben, sie zu unterstützen (Borgen Project 16.5.2025).
Sozialpension bei Beeinträchtigung
Eine Sozialpension bei Beeinträchtigung beträgt monatlich 850 Taka [Anm.: ca. 6 EUR] (ISSA 1.1.2024; vgl. Razzaque/Rahman/IGC 3.2025), wobei die Bezugsberechtigung durch eine Kommission festgestellt wird. Die bezugsberechtigte Person muss mindestens sechs Jahre alt sein und es muss eine sensorische, geistige, sprachliche oder körperliche Beeinträchtigung vorliegen (ISSA 1.1.2024). Das Jahreseinkommen des Leistungsempfängers darf 36.000 Taka [Anm.: ca. 254 EUR] nicht überschreiten (ISSA 1.1.2024; vgl. Razzaque/Rahman/IGC 3.2025). Die Kommission priorisiert die Leistungszahlungen (basierend auf Gesundheitszustand und sozioökonomischem Status) und räumt den Bedürftigsten, Frauen und älteren Personen Vorrang ein. Es dürfen keine anderen staatlichen oder nicht staatlichen Leistungen bezogen werden. Die Auszahlung erfolgt alle drei Monate (ISSA 1.1.2024).
Sozialpension für Hinterbliebene (Witwen und verlassene Frauen)
Eine soziale Hinterbliebenenpension beträgt monatlich 550 Taka [Anm.: ca. 3,90 EUR] (ISSA 1.1.2024; vgl. Razzaque/Rahman/IGC 3.2025) und wird an Witwen sowie Frauen, die von ihren Ehemännern geschieden oder verlassen werden, ausgezahlt. Die bezugsberechtigten Personen müssen mindestens 18 Jahre alt sein. Bei einer erneuten Heirat erlischt die Witwer- bzw. Witwenpension wieder. Eine Kommission führt eine Berechtigungs- und Prioritätsprüfung durch, basierend auf den Gesundheitszustand und sozioökonomischen Status. Dabei haben die bedürftigsten Frauen und ältere Frauen Vorrang (ISSA 1.1.2024). Das Jahreseinkommen des Leistungsempfängers darf 12.000 Taka [Anm.: ca. 85 EUR] (ISSA 1.1.2024; vgl. Razzaque/Rahman/IGC 3.2025) nicht überschreiten und es dürfen keine anderen staatlichen oder nicht-staatlichen Leistungen bezogen werden (ISSA 1.1.2024).
Leistungen durch den Arbeitgeber
Abfindung bei Arbeitslosigkeit
Arbeitslosengeld wird in Bangladesch seit vielen Jahren nicht mehr gewährt (DTDA o.D.). Bei Eintritt einer Arbeitslosigkeit ist derzeit nur eine Abfindung vorgesehen. Die Arbeitsrechtsänderung von 2013 verpflichtet Arbeitgeber, entlassenen Arbeitnehmern mit mindestens sechs Monaten Betriebszugehörigkeit im Falle einer Kündigung, Krankheit oder Entlassung (Personalabbau) eine Abfindung zu zahlen. Die Höhe der Abfindung richtet sich nach der Dauer der Betriebszugehörigkeit: Bei weniger als zehn Jahren ununterbrochener Betriebszugehörigkeit werden 30 Tage des Lohns für jedes Dienstjahr ausgezahlt; bei mindestens zehn Jahren ununterbrochener Betriebszugehörigkeit 45 Tage des Lohns für jedes Dienstjahr (ISSA 1.1.2024).
Krankengeld
Formal Angestellte haben im Falle einer Krankheit Anspruch auf ein vom Arbeitgeber gedecktes Krankengeld. Dabei wird das Gehalt zu 100 % für insgesamt 14 Tage jährlich ausbezahlt. Ausgenommen sind Selbstständige, Hausangestellte, Familienarbeiter, Landarbeiter in kleinen landwirtschaftlichen Betrieben, Beschäftigte in gemeinnützigen Organisationen, Beschäftigte in Behörden und Einrichtungen sowie Seeleute. Für die Inanspruchnahme muss der Arbeitnehmer ein ärztliches Attest eines zugelassenen Arztes vorlegen. Alle legalen Einwohner sind miteingeschlossen, einschließlich Nicht-Staatsbürger (ISSA 1.1.2024).
Mutterschaftsgeld
Im Falle einer Schwangerschaft erhalten Mütter vom Arbeitgeber ein Mutterschaftsgeld (ISSA 1.1.2024), in der Form von bezahltem Urlaub (DTDA o.D.). Dieses entspricht dem Durchschnitt ihres Gehalts der letzten drei Monate vor der Ankündigung der Schwangerschaft und wird für den Zeitraum von acht Wochen vor sowie bis acht Wochen nach der Geburt ausbezahlt. Insgesamt wird es für zwei Lebendgeburten gewährt. Zum voraussichtlichen Geburtstermin muss die Person mindestens sechs Monate beim gleichen Arbeitgeber beschäftigt gewesen sein. Ab der dritten Geburt ist nur ein unbezahlter Urlaub vorgesehen. Stirbt die Mutter während der Geburt oder bis zu acht Wochen nach der Geburt, wird die Leistung an die Person gezahlt, die das Kind betreut (ISSA 1.1.2024). Es gibt Unterschiede bei der Einhaltung der Gesetze zwischen den Branchen. So gibt es beispielsweise in der Bekleidungsindustrie keine interne Mutterschaftsregelung. Viele Arbeiterinnen fühlen sich unter Druck gesetzt, vor Ablauf der acht Wochen nach der Entbindung wieder an ihren Arbeitsplatz zurückzukehren, während andere dazu veranlasst werden, "freiwillig" zu kündigen (DTDA o.D.).
Todesfallleistungen (Arbeitgeberhaftung)
Sterbegeld und Todesfallentschädigung
Ein Anspruch auf Sterbegeld für eine begünstigte Person oder einen Hinterbliebener eines Angestellten besteht bei einem mindestens zwei Jahre, ununterbrochene Betriebszugehörigkeit beim selben Arbeitgeber. Der Tod muss während der Dienstzeit oder am Arbeitsplatz eingetreten sein. Eine Versicherungspflicht besteht für alle Angestellten mit legalem Wohnsitz, ausgenommen sind Selbstständige, Hausangestellte, Familienangehörige, Landarbeiter in kleinen Betrieben, Mitarbeiter von gemeinnützigen Organisationen, bestimmte Beschäftigte im öffentlichen Dienst und Seeleute (ISSA 1.1.2024).
Für den Bezug der Todesfallentschädigung muss der Tod in Folge eines Arbeitsunfalles oder einer Berufskrankheit eintreten. Der Leistungsberechtigte erhält eine Einmalzahlung in der Höhe von 200.000 Taka [ca. 1.410,10 EUR]. Eine Versicherungspflicht der Arbeitgeber zugunsten ihrer Arbeitnehmer mit legalem Wohnsitz besteht bei nicht-verwaltungsbezogenen Tätigkeiten bei Eisenbahnen, Häfen, Postdiensten, Immobilienunternehmen, Produktionsbetrieben mit fünf oder mehr Beschäftigten sowie in bestimmten Branchen mit manuellen Tätigkeiten oder gefährlichen Arbeitsbedingungen. Ausgeschlossen sind Selbstständige, Hausangestellte, mithelfende Familienangehörige, Landarbeiter in kleinen Betrieben und bestimmte Beschäftigte im öffentlichen Dienst (ISSA 1.1.2024).
Arbeitsunfall, vorübergehende und permanente Erwerbsunfähigkeit
Bei einem Arbeitsunfall trägt der Arbeitgeber die Kosten für die notwendige medizinische Versorgung bis zur Genesung. Bei einer vorübergehenden Erwerbsunfähigkeit aufgrund eines Arbeitsunfalls oder einer Berufskrankheit erhalten Arbeitnehmer vom Arbeitgeber für zwei Monate 100 % des Durchschnittsgehalts der letzten 12 Monate. Für die darauffolgenden zwei Monate werden 66,7 % des Durchschnittsgehalts gezahlt und für jeden weiteren Monat 50 % des Durchschnittsgehalts. Insgesamt gilt der Leistungsanspruch jedoch höchstens für ein Jahr bei Arbeitsunfällen bzw. für zwei Jahre bei Berufskrankheiten. Für die Anspruchsvoraussetzungen muss eine mindestens dreitägige Arbeitsunfähigkeit vorliegen (ISSA 1.1.2024).
Bei einer permanenten Erwerbsunfähigkeit von 100 % in Folge eines Arbeitsunfalles wird ein Fixbetrag von 250.000 Taka [ca. 1.762,60 EUR] bezahlt. Bei einer Teilinvalidität wird ein Prozentsatz der vollen Erwerbsunfähigkeitsentschädigung gezahlt. Die Berechnung dieses Betrags erfolgt unter Berücksichtigung des Grades des festgestellten Verlusts der Erwerbsfähigkeit. Berufskrankheiten sind für bestimmte Berufe gemäß einer gesetzlichen Liste versichert (ISSA 1.1.2024).
Medizinische Versorgung
Letzte Änderung 2026-01-13 11:57
Die Qualität und Zugänglichkeit der Gesundheitsversorgung ist unterschiedlich. Zu den Einschränkungen zählen unzureichende Finanzierung, Korruption, Ärzte- und Pflegekräftemangel sowie hohe Zuzahlungen ("aus der eigenen Tasche") (DFAT 23.7.2025). Grundsätzlich haben alle Bürger mit Personalausweis beitragsfreien Zugang zu öffentlichen Gesundheitseinrichtungen. Für ambulante Behandlungen wird eine geringe Nutzungsgebühr erhoben. Medizinisches Material sollte zwar kostenlos zur Verfügung gestellt werden, ist aber in den Einrichtungen häufig nicht verfügbar, sodass die Patienten es selbst besorgen müssen. Eigenbeteiligungen sind nach wie vor die Hauptfinanzierungsquelle für Gesundheitsdienstleistungen, da sie den Kauf von Arzneimitteln und medizinischen Gütern ermöglichen (EUAA MedCOI 6.2023).
Das Gesundheitssystem in Bangladesch besteht aus vier Hauptkomponenten: dem öffentlichen (staatlichen) Sektor, dem privaten Sektor, den Nichtregierungsorganisationen und einem "informellen" Sektor (UKHO 17.6.2025; vgl. WHO 11.1.2023). Auf Gemeindeebene gibt es Gemeindekliniken (Community Clinics, CC), die für die medizinische Grundversorgung zuständig sind und jeweils etwa 6.000 Menschen versorgen. Es folgen die Gesundheits- und Familienfürsorgezentren der Union Parishad Ebene, die Gesundheitsdienste für Mütter und Kinder sowie eine begrenzte kurative Versorgung anbieten. Auf der Upazila- und Distriktebene gibt es Upazila-Gesundheitskomplexe (Krankenhäuser mit 50 Betten) und Distriktkrankenhäuser (250 Betten). Auf tertiärer Ebene bieten medizinische Hochschulen und Postgraduierten-Institute ein breites Spektrum an spezialisierten Dienstleistungen an (WHO 11.1.2023). Überlebensnotwendige Maßnahmen können in Krankenhäusern und anderen medizinischen Einrichtungen in der Hauptstadt Dhaka sowie in Sylhet, Chittagong und Barishal durchgeführt werden (AA 16.8.2024).
Das Land verfügt über 654 staatliche Krankenhäuser, mehr als 5.000 private Kliniken und Krankenhäuser, 10.675 registrierte private Diagnosezentren sowie 16.438 Gemeindekliniken und Gesundheitszentren. Die Gesamtzahl der Krankenhausbetten beträgt 171.675, davon 71.660 in öffentlichen Krankenhäusern, damit ergibt sich eine Rate von einem Krankenhausbett pro 990 Einwohnern (BIDA 6.2024). Für jede Konsultation in ambulanten oder stationären Abteilungen, für diagnostische Leistungen und für Krankenhausbetten müssen Patienten Gebühren zahlen. Dies gilt sowohl für öffentliche als auch für private Gesundheitseinrichtungen. Ein Erlass von Ermäßigungen für Behandlungsbestandteile kann vom Sozialamt geprüft werden. Konsultationen in ambulanten oder stationären Abteilungen, Krankenhausgebühren für Aufnahme und Laborgebühren in öffentlichen Krankenhäusern sowie anderen Gesundheitseinrichtungen können ermäßigt werden. Private Einrichtungen haben keine Möglichkeit, Patienten von der Zahlung von Krankenhausgebühren zu befreien (EUAA MedCOI 5.2024).
Im Jahr 2023 lag die Dichte an medizinischem Personal bei 7,2 Ärzten (WHO 30.4.2025a) und 6,6 Pflegekräften bzw. Hebammen pro 10.000 Einwohnern (WHO 30.4.2025b). Zum Vergleich, die Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen empfehlen eine Dichte von Ärzten, Pflegekräften und Hebammen von zusammen 44,5 pro 10.000 Einwohnern (WHO 11.1.2023). Laut Weltbank hatten 2022 nur 61 Prozent der Bangladescher Zugang zu grundlegenden Gesundheitsleistungen. Öffentliche Krankenhäuser sind häufig überfüllt und haben lange Wartezeiten, sodass manche auf eine Behandlung verzichten oder das teurere private System nutzen müssen. Wohlhabendere Bangladescher suchen ihre medizinische Versorgung eher in privaten Kliniken oder im Ausland (DFAT 23.7.2025; vgl. AA 16.8.2024). In ländlichen Gebieten ist die Gesundheitsversorgung deutlich schlechter verfügbar (DFAT 23.7.2025; vgl. BS 19.3.2024) bzw. nicht gewährleistet (BMEIA 23.5.2025), wodurch einige eine Behandlung bei sogenannten „Dorfärzten“ ohne formale medizinische Ausbildung in Anspruch nehmen (DFAT 23.7.2025). Ausstattung und Hygiene in den Krankenhäusern sind ungenügend (AA 16.8.2024) und entsprechen nicht dem europäischen Standard. Die Infektionsgefahr ist groß (BMEIA 23.5.2025).
Durch Verbesserungen beim Zugang zur Schwangerschaftsvorsorge konnte im Zeitraum von 2003 bis 2023 die Sterblichkeitsrate bei Müttern von 376 auf 136 pro 100.000 Lebendgeburten gesenkt werden. Auch die Neugeborenensterblichkeit sank auf 20 pro 1.000 Lebendgeburten und die Sterblichkeitsrate bei Kindern unter fünf Jahren auf 33. Bis 2022 wurden 88 % der Frauen von qualifizierten Geburtshelfern betreut. Darüber hinaus verwenden inzwischen mehr als 50 % der Frauen moderne Verhütungsmittel, die Kinderimpfrate liegt bei 84 % und die Wachstumsverzögerung bei Kindern unter fünf Jahren ist auf 24 % gesunken (WHO 9.4.2025).
Die Verbreitung übertragbarer Krankheiten wie Malaria, Diphtherie, Tetanus und Masern ist in den letzten 30 Jahren dank verbesserter Impfungen und Behandlungen stark zurückgegangen. Die Belastung durch nicht übertragbare Krankheiten hat zugenommen. Quellen im Land berichten, dass die im Februar 2025 angekündigten Kürzungen der US-Hilfe zu weniger Screenings und verzögerten Behandlungen von Tuberkulose, Malaria und HIV/AIDS führen würden, insbesondere in ländlichen und unterversorgten Gebieten des Landes (DFAT 23.7.2025).
Bangladesch produziert preisgünstige Medikamente (Generika) für den lokalen Markt sowie für den Export. Der heimische Markt wird weitgehend von den lokalen Produzenten bedient. Die Versorgung mit Medikamenten ist aber auch durch Importmöglichkeiten gewährleistet (Singapur, Thailand) (AA 16.8.2024).
Psychische Gesundheit
Die National Mental Health Survey 2019 ergab, dass 18,7 % der Erwachsenen in Bangladesch an psychischen Störungen leiden (EUAA MedCOI 5.2024). Die psychiatrische Versorgung ist im Allgemeinen unzureichend. Es mangelt an öffentlichen psychiatrischen Einrichtungen und Fachpersonal. Bangladesch verfügt über eine spezialisierte psychiatrische Einrichtung (DFAT 23.7.2025), das National Institute of Mental Health (NIMH) in Dhaka (DFAT 23.7.2025; vgl. EUAA MedCOI 5.2024), mit 300 Ärzten und medizinischem Personal (EUAA MedCOI 5.2024) sowie 400 Betten (WHO 6.9.2022). Darüber hinaus gibt es noch das Pabna Mental Hospital mit 500 Betten, 195 Betten für psychiatrische Patienten in allgemeinen Krankenhäusern, Medizin-Colleges und Medizin-Universitäten, 15 Betten in forensisch-psychiatrischen Stationen sowie Tausende Betten in Wohneinrichtungen für Bedürftige, stationären Entzugskliniken und Heimen mit chronischen psychischen Erkrankungen und neurologischen Beeinträchtigungen (WHO 6.9.2022).
Gemäß dem Atlas der psychischen Gesundheit 2020 und dem Nationalen Strategieplan für psychische Gesundheit 2020-2030 gibt es im Land ambulante Einrichtungen für psychische Gesundheit. Die WHO weist darauf hin, dass die psychosozialen Dienste im Rahmen der Primärversorgung ausgebaut werden müssen. Shishu Bikash Kendras (SBKs) sind in 34 medizinischen Universitätskliniken und einem Bezirkskrankenhaus eingerichtet. Diese konzentrieren sich auf die umfassende Versorgung von Autismus und neurologischen Entwicklungsstörungen, einschließlich Einrichtungen für die Diagnose und Behandlung von Epilepsie, wie sie im Nationalen Strategieplan für neurologische Entwicklungsstörungen vorgesehen sind. Schließlich befassen sich auch NGOs, wie die Shuchona Foundation, in Zusammenarbeit mit den Gemeinden mit Autismus, psychischer Gesundheit und Beeinträchtigungen (WHO 6.9.2022).
Die Anzahl an Psychiatern ist sehr gering und wird in verschiedenen Quellen mit 260 (DFAT 23.7.2025; vgl. Hasan et al/BJPsych 11.2021) bis 350 angegeben. Hinzu kommen 565 Psychologen (WHO 6.9.2022). Grundlegende Psychopharmaka sind weitgehend nicht verfügbar. Psychische Erkrankungen sind stark stigmatisiert und können zu Ausgrenzung durch Familien und Gemeinschaften führen. Viele Menschen führen psychische Erkrankungen auf übernatürliche Ursachen zurück (z. B. Flüche, böse Geister). Manche suchen Behandlung bei traditionellen Schamanen oder Wunderheilern (DFAT 23.7.2025; vgl. Hasan et al/BJPsych 11.2021). Quellen aus dem Land gaben an, dass Menschen mit psychischen Erkrankungen wie auch bei anderen Formen von Behinderungen manchmal aus Scham oder zu ihrem eigenen Schutz von ihren Familien versteckt würden (DFAT 23.7.2025).
Rückkehr
Letzte Änderung 2026-01-13 09:08
Die Rückkehr bangladeschischer Staatsangehöriger unterliegt keinen rechtlichen Beschränkungen (AA 16.8.2024). Es ist bisher nicht bekannt geworden, dass sich Rückkehrer aufgrund der Stellung eines Asylantrages staatlichen Maßnahmen ausgesetzt sahen (AA 16.8.2024; vgl. DFAT 23.7.2025). Der International Organization for Migration (IOM) ist kein Fall bekannt, in dem eine rückgeführte Person misshandelt wurde. In einigen seltenen Fällen wurden die Rückkehrer zu einem sogenannten "General Diary" gebeten. Nach IOM Angaben handelt es sich dabei um ein ca. halbstündiges Gespräch mit der Immigrationsbehörde, die die Daten des Rückkehrers aufnimmt und ihn zum Auslandsaufenthalt befragt. IOM sind bislang keine Fälle bekannt geworden, in denen dem Rückkehrer ein Nachteil entstanden ist (AA 16.8.2024).
Behandlung von Rückkehrern durch die Behörden
Bangladesch hat eine große Diaspora und eine ausgeprägte Auswanderungskultur. Jedes Jahr verlassen Hunderttausende Bangladescher das Land, um Arbeit zu suchen, und kehren später wieder zurück (DFAT 23.7.2025). Laut der internationalen Entwicklungsorganisation BRAC und Berichten der Tageszeitung Daily Star vom Mai 2025 sind in den letzten sechs Jahren mehr als 470 000 bangladeschische Wanderarbeiter in ihre Heimat zurückgekehrt (DAST 8.5.2025; vgl. EUAA 8.2025).
Laut australischem Außen- und Handelsministerium (DFAT) hat die Regierung weder die Kapazitäten noch die Absicht, alle zu überwachen. Bei Personen mit einem bestimmten politischen Profil wird laut DFAT möglicherweise ihre Einreise nach Bangladesch vermerkt, was jedoch für die überwiegende Mehrheit der zurückkehrenden Bangladescher unwahrscheinlich ist. Zusätzliche Kontrollen, einschließlich der Überprüfung von Mobiltelefonen, werden bei der Rückkehr in der Regel nicht durchgeführt. Mitglieder der Bangladesh Nationalist Party (BNP), darunter auch solche, gegen die inländische Gerichtsverfahren anhängig waren oder weiterhin anhängig sind, sind seit dem Regierungswechsel im August 2024 nach Bangladesch zurückgekehrt. Nach Kenntnis des DFAT wurden diese Personen bei ihrer Rückkehr nicht negativ beachtet und hatten auch keine negativen Konsequenzen zu befürchten (DFAT 23.7.2025). Staatliche Repressionen nach Rückkehr wegen oppositioneller Tätigkeiten im Ausland (z. B. Demonstrationen und Presseartikel) sind nicht bekannt (AA 16.8.2024). Auch dem DFAT sind keine Fälle bekannt, in denen Rückkehrer aufgrund politischer Aktivitäten, einschließlich politischer Online-Aktivitäten, die sie in Australien ausgeübt haben, an der Grenze angehalten und festgenommen wurden (DFAT 23.7.2025).
Doppelbestrafung
Die Verfassung und die Strafprozessordnung von 1898 verbieten die Doppelbestrafung. Es sind keine Fälle bekannt, in denen bangladeschische Staatsbürger, die im Ausland wegen Straftaten vor Gericht standen, nach ihrer Rückkehr in Bangladesch erneut vor Gericht gestellt wurden (DFAT 23.7.2025).
Finanzielle und soziale Situation von Rückkehrern
Im Rahmen von Sammelflügen werden die Rückkehrer von der Immigrationsbehörde nach Ankunft registriert. Aufgrund diverser Bemühungen, bessere Unterstützung für Rückkehrende gewährleisten zu können und das Migrationsmanagement zu verbessern, hat die Regierung mit Unterstützung der IOM eine digitale Plattform namens Returning Migrants Management Information System (ReMiMIS) etabliert, um Daten der Rückkehrer zu erheben und Dienstleistungen gezielter anbieten zu können (AA 16.8.2024).
Laut IOM sind in Bangladesch familiäre und verwandtschaftliche Unterstützung letztendlich für die Rückkehrer maßgeblich, die dem Rückkehrer als Auffangnetz in einer kritischen Lebensphase dienen. Rückkehrer sind aufgrund der großen Familien, enger und weitverzweigter Verwandtschaftsverhältnisse sowie noch intakter nachbarschaftlicher bzw. dörflicher Strukturen regelmäßig nicht auf sich allein gestellt. IOM spricht in diesem Zusammenhang von der wichtigen Rolle der "social networks of family and neighbourhoods", denen eine wichtige inoffizielle Schutzfunktion zukomme (AA 16.8.2024).
Laut Quellen vor Ort ist die Auswanderung oft ein langwieriger Prozess, bei dem Großfamilien und Gemeinschaften Ressourcen für ein Mitglied (in der Regel den ältesten Sohn) sparen und verpfänden, damit dieses zum Arbeiten ins Ausland gehen können. So kann es vorkommen, dass ganze Gemeinschaften investierten und eine Rendite erwarten (DFAT 23.7.2025). Die hohen Kosten für die Migration, die an Schleuser oder Rekrutierungsbüros zu entrichten sind, können bis zu USD 10.000 ausmachen (AA 16.8.2024). Viele Migranten bzw. Rückkehrer sind hoch verschuldet (AA 16.8.2024; vgl. DFAT 23.7.2025; EUAA 8.2025). Infolgedessen kann es zu einem Stigma für gescheiterte und zurückkehrende Migranten kommen (DFAT 23.7.2025). So berichtet eine NGO, dass zurückkehrende Migranten in der Regel die Erzählung einer Erfolgsgeschichte mitbringen, auf der sie eine neue Identität aufbauen. Allerdings gibt die NGO auch an, dass Rückkehrer ständig anhand ihrer Leistungen im Ausland bewertet werden. Dadurch können soziale Netzwerke dazu neigen, erfolglose Rückkehrer nicht zu unterstützen (EUAA 8.2025). Viele Rückkehrer schaffen dennoch einen nahtlosen Übergang (DFAT 23.7.2025).
Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF)
Es gibt staatliche Aufnahmeeinrichtungen/Waisenhäuser für Minderjährige. Hierbei muss eine finanzielle Unterstützung für die Unterbringung, Verpflegung, Schulgeld, Kleidung etc. der Jugendlichen von dritter Seite bereitgestellt werden. Zuständig ist das Ministerium für Angelegenheiten von Frauen und Kindern (Ministry of Women and Children Affairs). Nach Auskunft von IOM können auch über die Nationale Vereinigung der Anwältinnen von Bangladesch (Bangladesh National Women Lawyers Association, BNWLA) Aufnahmeeinrichtungen vermittelt werden (AA 16.8.2024) [Anmerkung: Zur allgemeinen Lage von Kindern/Minderjährigen siehe Kapitel Kinder].
IOM Büro am Flughafen Dhaka
Die IOM ist am Flughafen Dhaka mit einem Büro und Mitarbeitern präsent und kann im Rahmen von Betreuungs- und Integrationsvereinbarungen die Betreuung vor Ort übernehmen. Diese Hilfe umfasst die Betreuung und Begleitung anlässlich der Ankunft, soweit erforderlich die Vermittlung von Kontakten zur Familie des Rückkehrers und zu anderen Organisationen, die weiterführende Hilfe leisten können. Ferner leistet IOM praktische Reintegrationsbetreuung und -begleitung (AA 16.8.2024).
EU Reintegration Programme (EURP)
Das EURP von Frontex bietet in Kooperation mit einer lokalen Partnerorganisation, der seit 1972 in Bangladesch tätigen internationalen Entwicklungsorganisation BRAC, Unterstützung bei der Reintegration an (Frontex o.D.; vgl. BMI o.D.). Diese umfasst ein Post-Arrival-Paket im Wert von € 615, das der unmittelbaren Unterstützung nach der Ankunft im Heimatland dient und u. a. eine temporäre Unterkunft bis zu drei Tagen sowie unmittelbare medizinische Unterstützung beinhaltet. Sofern keine oder weniger Sofortleistungen in Anspruch genommen werden, wird der anteilige Betrag von € 615 vom lokalen Partner in bar ausbezahlt. Darüber hinaus wird im Rahmen einer längerfristigen Reintegrationsunterstützung ein Post-return-Paket in der Höhe von € 2.000 ausgegeben. Die Rückkehrwilligen erhalten Sachleistungen auf Grundlage eines Reintegrationsplans, der mithilfe der lokalen Partnerorganisation in den ersten sechs Monaten nach der Rückkehr erstellt wird. Sie umfassen unter anderem Unterstützung bei der Gründung eines Kleinunternehmens, Unterstützung beim Eintritt in den Arbeitsmarkt sowie bei der Einschulung mitausreisender Kinder, weiters Bildungsmaßnahmen und Trainings, rechtliche administrative Beratungsleistungen, Familienzusammenführung, medizinische und psychosoziale Unterstützung sowie Unterstützung im Zusammenhang mit Wohnen und Haushalt (BMI o.D.).
Rückkehrunterstützung des österreichischen Staates
Letzte Änderung 2025-01-09 14:36
[Dieses Kapitel basiert auf Informationen, die von der Bundesagentur für Betreuungs- und Unterstützungsleistungen (BBU GmbH) mit Stand Dezember 2024 zur Verfügung gestellt worden sind (BMI 6.12.2024). Im Bereich der Rückkehrunterstützung kann es zu kurzfristigen Änderungen kommen. Für weitere Informationen sei auf die entsprechende Seite der BBU verwiesen].
Die Mitarbeiter der Bundesagentur für Betreuungs- und Unterstützungsleistungen (BBU GmbH) informieren individuell über die Möglichkeiten der freiwilligen Rückkehr bzw. die verfügbaren Unterstützungsleistungen.
Die Rückkehrunterstützung umfasst folgende Leistungen:
Kostenlose individuelle Beratung zur freiwilligen Rückkehr einschließlich Antragsstellung auf finanzielle Unterstützung durch die BBU
Organisatorische Unterstützung bei der Reisevorbereitung
Übernahme der Heimreisekosten
Finanzielle Starthilfe in Höhe von bis zu € 900
Reintegrationsprogrammteilnahme nach der Rückkehr im Zielland
Ein Rechtsanspruch auf diese Unterstützungsleistungen besteht nicht. Die Bewilligung erfolgt durch das österreichische Bundesamt für Fremdwesen und Asyl (BFA). Weitere Informationen zu den aktuellen Unterstützungsangeboten (Rückkehrunterstützung inkl. Reintegrationsunterstützung) sind auf der Webseite www.returnfromaustria.at verfügbar.
Die BBU unterstützt sowohl bei der Reiseplanung und der Flugbuchung als auch bei der Beschaffung von Heimreisedokumenten, einer ggf. notwendigen medizinischen Versorgung sowie mit der Übernahme der Rückreisekosten. Organisatorische Unterstützung kann grundsätzlich in jeder Verfahrenskonstellation gewährt werden. Voraussetzung für die Gewährung der Übernahme der Heimreisekosten ist die Mittellosigkeit der rückkehrenden Person.
Finanzielle Starthilfe
Die Höhe der finanziellen Starthilfe ist in einem degressiven Modell geregelt und staffelt sich nach dem Zeitpunkt der Antragstellung auf unterstützte freiwillige Rückkehr:
Während des laufenden asyl- oder fremdenrechtlichen Verfahrens bis ein Monat nach Rechtskraft der Rückkehrentscheidung: € 900,00 pro Person; ab einem Monat nach Rechtskraft der Rückkehrentscheidung: € 250,00 pro Person
Kernfamilien: Maximalbetrag von € 3.000 pro Familie
Sonderkonstellation: Für vulnerable Rückkehrende, die grundsätzlich von der finanziellen Starthilfe ausgeschlossen wären, kann nach individueller Einzelfallprüfung durch das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA) ein einmaliger Betrag von € 250,00 pro Person gewährt werden.
Kriterien für den Erhalt der finanziellen Starthilfe und der Reintegrationsunterstützung (Ausnahmen im Einzelfall möglich):
Freiwillige Ausreise
Finanzielle Bedürftigkeit bzw. Mittellosigkeit
Erstmaliger Bezug der Unterstützungsleistung
Nachhaltigkeit der Ausreise
Keinerlei Evidenz eines Sicherheitsrisikos durch die freiwillige Rückkehr
Keine schwere Straffälligkeit
Ausgeschlossen vom Bezug der finanziellen Starthilfe sind EWR-Bürger, Personen aus den Westbalkan-Staaten sowie Staatsangehörige von Ländern mit visumsfreier Einreise nach Österreich (z. B. Georgien, Moldawien). Sonderkonstellation: Für vulnerable Rückkehrende aus diesen Regionen, die grundsätzlich von der finanziellen Starthilfe ausgeschlossen wären, kann nach individueller Einzelfallprüfung durch das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA) ein einmaliger Betrag von € 250,00 pro Person gewährt werden
Reintragrationsunterstützung
Für 42 Herkunftsländer können freiwillige Rückkehrer im Sinne des Leitgedankens "Rückkehr mit Perspektiven" Reintegrationsunterstützung im Wert von bis zu € 3.500 beantragen.
Die Abwicklung des Reintegrationsangebots erfolgt mit den Kooperationspartnern:
Frontex (EU Reintegrationsprogramm EURP)
IOM Österreich (Reintegrationsprogramm RESTART IV)
Caritas Österreich (Reintegratonsprogramm IRMA plus III)
OFII (französische Migrationsbehörde „French Office for Immigration and Integration“)
ETTC (im Irak tätige NGO „European Technology and Training Centre“)
Im Rahmen der Reintegrationsprogramme erhalten Rückkehrende umfassende Unterstützung bei der Wiedereingliederung in ihrem Herkunftsland. Dazu gehören individuelle, persönliche Beratung und vorwiegend Sachleistungen z. B. wirtschaftliche, soziale und psychosoziale Hilfen. Die Programme bieten ein breites Spektrum an Leistungen, um einen optimalen Einsatz der Mittel zu gewährleisten.
Weitere Informationen zu den jeweiligen Programmen bzw. für welche Herkunftsländer diese angeboten werden, sind den oben angeführten Seiten zu entnehmen (BMI 6.12.2024).
Zur Feststellung des für die Entscheidung maßgebenden Sachverhaltes wurde im Rahmen des Ermittlungsverfahrens Beweis erhoben mittels Durchführung einer öffentlich mündlichen Verhandlung vor dem Bundesverwaltungsgericht, durch Einsichtnahme in den Akt der belangten Behörde unter zentraler Berücksichtigung der niederschriftlichen Angaben des Beschwerdeführers vor dieser und dem Organ des öffentlichen Sicherheitsdienstes, des bekämpften Bescheides und des Beschwerdeschriftsatzes.
2.1. Zur Person des Beschwerdeführers:
Die Feststellungen zur Herkunft, Staatsangehörigkeit, Volksgruppen- und Religionszugehörigkeit des Beschwerdeführers sowie sowie zu seinen persönlichen Verhältnissen und Lebensumständen im Herkunftsstaat und in Österreich gründen sich auf seine diesbezüglich gleichbleibenden und daher glaubhaften Angaben vor dem Organ des öffentlichen Sicherheitsdienstes, vor der belangten Behörde, in dem Beschwerdeschriftsatz und in der mündlichen Verhandlung. Es ist im Verfahren nichts hervorgekommen, das Zweifel an der Richtigkeit dieser Feststellungen zur Person des Beschwerdeführers aufkommen lässt.
Angesichts seines nicht glaubhaften Vorbringens über seine Schwierigkeiten in Bangladesch (s.u., Pkt. 2.2.), kann jedoch seine darauf aufbauende Behauptung in der Stellungnahme vom 08.04.2025, wonach sein Vater seiner Mutter den Kontakt zum Beschwerdeführer verboten habe (vgl. AS 456), nicht dem Verfahren zugrunde gelegt werden. Da auch sonst kein Hinweis für einen etwaigen Kontaktabbruch zu seinen Angehörigen vorliegt, ist anzunehmen, dass der Beschwerdeführer weiterhin mit seiner Familie in Bangladesch in Kontakt steht.
Die Feststellungen zum Gesundheitszustand des Beschwerdeführers basieren auf den von ihm vorgelegten medizinischen Unterlagen (vgl. Beilagen zu OZ 4). Da das Verfahren keine Hinweise auf schwerwiegende oder lebensbedrohliche Erkrankungen des Beschwerdeführers ergab, waren solche nicht festzustellen. Ferner lässt sich der Berichtslage entnehmen, dass Beeinträchtigungen des mentalen Zustands in Bangladesch, insbesondere in der Hauptstadt Dhaka, grundsätzlich behandelbar sind. Aufgrund des familiären Rückhalts in seiner Heimat ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer von seinen Verwandten unterstützt werden könnte, um Zugang zu einer Versorgung seiner psychischen Leiden erhalten zu können, zumal er seiner eigenen Aussage zufolge aus einer wohlhabenden Familie stammt. Er könnte daher medizinische Behandlung in seiner Heimat erhalten.
Mangels gegenteiliger Anhaltspunkte ist ferner festzustellen, dass der Beschwerdeführer arbeitsfähig ist, zumal er in Österreich ehrenamtlich in einer Suppenküche arbeitet und einen Deutschkurs besucht (vgl. Beilagen zu OZ 4 und S 31 in OZ 4). Einer Einsicht in das Strafregister ist die Unbescholtenheit des Beschwerdeführers zu entnehmen.
2.2. Zum Fluchtvorbringen des Beschwerdeführers:
2.2.1. Nach Ansicht des Bundesverwaltungsgerichtes konnte der Beschwerdeführer sein Fluchtvorbringen, homosexuell zu sein und deshalb einer asylrelevanten Gefahr bei einer Rückkehr nach Bangladesch ausgesetzt zu sein, vor allem aufgrund seiner grob widersprüchlichen und nicht plausiblen Angaben nicht glaubhaft machen.
Dazu wird einleitend darauf hingewiesen, dass sich die folgende Beweiswürdigung an den UNHCR-Richtlinien zum internationalen Schutz Nr. 9, Anträge auf Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft aufgrund der sexuellen Orientierung und/oder der geschlechtlichen Identität im Zusammenhang mit Artikel 1 (A) 2 des Abkommens von 1951 bzw. des Protokolls von 1967 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge vom 23. Oktober 2012 („SOGI-Richtlinien“, Rn. 60 ff) orientiert. Der erkennende Richter bemühte sich darum, in der mündlichen Verhandlung ein „offenes und beruhigendes Umfeld“ zu schaffen, damit sensible und persönliche Informationen offen angesprochen werden können. Zudem sollen in den weiteren Ausführungen Schlüsse vermieden werden, die auf stereotypen, ungenauen oder unzutreffenden Vorstellungen von Personen mit der behaupteten sexuellen Orientierung beruhen.
Soweit in der Stellungnahme vom 06.05.2026 darauf Bezug genommen wird, dass der Beschwerdeführer und A. aufgrund der Befragung in der mündlichen Verhandlung am 22.04.2026 nicht alles unbefangen hätten schildern können (vgl. OZ 5), wird zunächst darauf hingewiesen, dass der Beschwerdeführer am Ende dieser Tagsatzung ausdrücklich erklärte, alles für ihn Wichtige gesagt zu haben (vgl. S 51 in OZ 4). In der Beschwerdeverhandlung am 18.06.2026 meinte er zwar, dass „noch einiges übrig gewesen“ sei, wie etwa seine Probleme (vgl. S 4 in OZ 11). Sein diesbezügliches Unvermögen begründete er nunmehr aber (nur noch) mit Gedächtnislücken (vgl. S 4 in OZ 11). Da er über Nachfrage aber kein konkretes ergänzendes Vorbringen erstattete (vgl. S 4 in OZ 11), kann nicht angenommen werden, dass der Beschwerdeführer aufgrund des Befragungsstils des erkennenden Richters, wegen seines psychischen Zustands oder aus sonstigen Gründen an einer umfassenden Darstellung seines Fluchtgrundes gehindert gewesen sei. Dabei wird auch nicht übersehen, dass zum Symptombild des Beschwerdeführers Konzentrationsschwierigkeiten zählen (vgl. S 15 in OZ 11) und für eine Posttraumatische Belastungsstörung klassisch ist, dass nur Bruchstücke erinnert werden können (vgl. S 18 in OZ 11). Daher wird ausdrücklich festgehalten, dass es dem Beschwerdeführer nicht zu seinem Nachteil angelastet wird, sofern er auf konkrete Fragen des erkennenden Richters einräumte, sich an bestimmte Details nicht mehr zu erinnern. Dass er auch in Bezug auf andere Aussage aufgrund seines psychischen Zustands nicht vollständig geantwortet hätte, machte er nicht geltend und ist daher nicht anzunehmen.
Ferner ergab sich auch in Bezug auf A. nicht, dass dieser seinen Fluchtgrund nicht vollumfänglich hätte darstellen können, zumal auch dieser kein relevantes Vorbringen ergänzte (vgl. S 9 in OZ 11).
2.2.2. An seinem Fluchtvorbringen fällt zunächst auf, dass der Beschwerdeführer im Rahmen der Erstbefragung, konkret bezogen auf seine Person, nur allgemein anführte, dass er wegen seiner Homosexualität in seiner Heimat kein freies Leben habe führen können und es für ihn zu risikoreich gewesen sei. Betreffend seine Rückkehrbefürchtungen ergänzte er dazu, dass Bewohner aus seiner Ortschaft von seiner homosexuellen Neigung erfahren hätten. Abschließend merkte er außerdem an, dass er mit seinem Freund von Bangladesch nach Österreich gereist sei (vgl. AS 6f). Etwaige gegen ihn selbst gerichtete Übergriffe erwähnte er hingegen nicht einmal ansatzweise.
Dabei wird keinesfalls übersehen, dass die Erstbefragung gemäß § 19 Abs. 1 AsylG 2005 insbesondere der Ermittlung der Identität und der Reiseroute des Fremden dient und sich – abgesehen von einem Folgeantrag – nicht auf die näheren Fluchtgründe zu beziehen hat. Der Verwaltungsgerichtshof hat zwar wiederholt Bedenken gegen die unreflektierte Verwertung von Beweisergebnissen der Erstbefragung erhoben (vgl. etwa VwGH 14.6.2017, Ra 2017/18/0001, mwN). Gleichwohl ist es aber nicht generell unzulässig, sich auf eine Steigerung des Fluchtvorbringens zwischen der Erstbefragung durch Organe des öffentlichen Sicherheitsdienstes und der weiteren Einvernahme eines Asylwerbers zu stützen (vgl. VwGH 25.06.2019, Ra 2018/19/0546). Im vorliegenden Fall erschließt sich nicht, weshalb der Beschwerdeführer die beiden körperlichen Übergriffe auf seine Person infolge des Erwischtwerdens bei intimen Handlungen mit anderen Männern, bei denen er jeweils das Bewusstsein verloren und eines stationären Krankenhausaufenthalts bedurft habe, insbesondere den laut seinem späteren Vorbringen fluchtauslösenden Vorfall mit A., in der Erstbefragung mit keinem Wort andeutete, obwohl er selbst im weiteren Verfahren ausführte, dass ihm infolge dessen seine Mutter zur Ausreise geraten und er dann mit A. beschlossen habe, nach Europa zu fliehen, weil man nur dort sicher sei (vgl. AS 129ff).
Auf dahingehenden Vorhalt meinte der Beschwerdeführer im Wesentlichen bloß, dass er es ja „hier“ gesagt habe. Über weitere Nachfrage berief er sich dann darauf, dass er dazu nicht befragt und ihm gesagt worden sei, dass man ihm nur eine halbe Stunde oder eine Stunde geben könne (vgl. S 4 in OZ 4). Wäre der Beschwerdeführer aber tatsächlich aus zeitlichen Gründen an der Erstattung seines Fluchtgrundes gehindert worden, so wäre zu erwarten gewesen, dass er dies schon auf die vorangegangene Frage des erkennenden Richters geltend gemacht hätte, anstatt sich anfangs lediglich auf seine Ausführungen im weiteren Verlauf des Verfahrens zu berufen. Zudem bestätigte der Beschwerdeführer gegenüber der belangten Behörde noch, dass bei der Erstbefragung nicht nur alles rückübersetzt und korrekt protokolliert worden sei (vgl. AS 123), sondern auch, dass er damals alles gesagt und mehr dazu nicht anzuführen habe; andere Gründe gebe es nicht (vgl. AS 124). Auch vor diesem Hintergrund kann daher nicht angenommen werden, dass dem Beschwerdeführer ein umfassenderes Vorbringen im Zuge der Erstbefragung verwehrt worden sei. Seine Argumentation ist daher nicht geeignet, zu erklären, weshalb er die nach seinen späteren Behauptungen eigentlich ausreisekausalen Ereignisse, insbesondere die von ihm im weiteren Verlauf des Verfahrens angesprochenen Eingriffe in seine körperliche Integrität, nicht einmal kurz erwähnte.
2.2.3. Aus dem zeitlichen Hergang des vorliegenden Asylverfahrens sowie jenes seines angeblich früheren Partners A. entsteht vielmehr der Eindruck, dass der Beschwerdeführer mit seinen späteren Erzählungen sein Vorbringen an die Angaben von A. im Zuge dessen Einvernahme vom 20.10.2022 anpassen und diese weiter ausbauen wollte. Ebenso sprechen die Darlegungen von A. im Verfahren über dessen Antrag auf internationalen Schutz dafür, dass dieser wiederum in seiner zweiten Einvernahme vor der belangten Behörde am 04.03.2024 für seine Erzählungen die vom Beschwerdeführer am 06.06.2023 und am 04.07.2023 erstattete Fluchtgeschichte als Vorlage für sein weiteres Vorbringen nahm, zumal sich anhand der Darstellungen von A. über die Gründe für seine Ausreise aus seiner Heimat zeigt, dass er die vorgeblichen Geschehnisse vor dem Verlassen seiner Heimat im Laufe des Verfahrens zunehmend ausbaute:
Vor allem gestalteten sich die Ausführungen von A. im Zuge seiner ersten Einvernahme vor der belangten Behörde in der freien Erzählung seines Fluchtgrundes überaus ungenau und allgemein gehalten, wobei er den fluchtkausalen Vorfall nur kurz andeutete mit dem Hinweis, dass er mit seinem Freund Zuhause „Kontakt“ gehabt habe, als Leute aus seinem Dorf sie gesehen und geschlagen hätten (vgl. S 78 aus dem Behördenakt des A.). Wäre A. aber entsprechend seiner Behauptung tatsächlich bei der Vornahme intimer Handlungen mit seinem Freund entdeckt und deshalb von Dorfbewohnern geschlagen worden, so wäre zu erwarten gewesen, dass er die näheren Umstände dieses Geschehens schon von sich aus ins Treffen geführt hätte. Sofern A. bezüglich der Einvernahme vom 20.10.2022 in seinem Beschwerdeschriftsatz geltend macht, diese sei konfrontativ gestaltet gewesen, was den A. eingeschüchtert habe, ist darauf hinzuweisen, dass A. anlässlich seiner Stellungnahme vom 27.03.2023 bloß Fehler bzw. Missverständnisse aufklärte, ohne auch nur ansatzweise ein Vorbringen über eine unzureichende Situation der Befragung zu erstatte. Ebenso wenig machte er geltend, an einer vollständigen Schilderung seiner Fluchtgeschichte aus einem anderen Grund gehindert gewesen zu sein. Zudem bestätigte A. im Rahmen seiner zweiten behördlichen Einvernahme am 04.03.2024, dass seine früheren Angaben vollständig seien und der Wahrheit entsprächen (vgl. S 205 aus dem Behördenakt des A.), weshalb auch insofern nicht angenommen werden kann, dass A. im Oktober 2022 etwa aus Scham daran gehemmt gewesen sei oder wegen einer psychischen Belastung nicht in der Lage dazu gewesen sei, umfänglich über seine Schwierigkeiten in seiner Heimat zu berichten.
Dabei wird auch nicht übersehen, dass es einem Asylwerber aus einem Land, in dem homosexuelle Handlungen unter strafrechtlicher Sanktion stehen und sexuelle Minderheiten gesellschaftlich diskriminiert werden, schwerfallen kann, gegenüber Behörden ihre sexuelle Orientierung offenzulegen und nähere Details über diesen höchstpersönlichen Aspekt preiszugeben. In der vorliegenden Konstellation ist jedoch zu berücksichtigen, dass A. schon anlässlich der Erstbefragung seine Homosexualität sowie damit zusammenhängende körperliche Übergriffe offen ansprach (vgl. S 6 aus dem Behördenakt des A.) und auch im Zuge der ersten Einvernahme vor der belangten Behörde seine Probleme in diesem Zusammenhang andeutete. Vor diesem Hintergrund kann jedoch nicht angenommen werden, dass es A. nicht möglich gewesen sei, insbesondere die laut seiner späteren Aussage für seine Ausreise ursächlichen Schwierigkeiten mit den Dorfbewohnern anschaulich zu beschreiben. A. war im Oktober 2022 jedoch auch über Nachfrage nicht in der Lage, die Übergriffe auf seine Person sowie auf den Beschwerdeführer ausführlich zu schildern, sondern beschränkte sich dabei wiederum nur auf grobe Umrisse des behaupteten Hergangs, indem er ohne nähere Details anführte, dass Dorfbewohner sie gesehen, geschlagen und an einem Baum festgebunden sowie ihre Familien informiert hätten, wobei sie freigelassen worden seien, als ihre Familie gekommen sei (vgl. S 82 aus dem Behördenakt des A.).
Aber auch abgesehen von der oben dargestellten erheblichen Steigerung in seinem Vorbringen vermochte der Beschwerdeführer vor allem aufgrund der fehlenden Plausibilität seiner Angaben sowie der aufgetretenen gravierenden Diskrepanzen in den Aussagen des Beschwerdeführers und des A. den von ihm vorgetragenen Fluchtgrund nicht glaubhaft machen:
2.2.4. Die Darstellungen des A. divergieren etwa über den Anlass, bei welchem er den Beschwerdeführer kennengelernt habe. Im Oktober 2022 erklärte dieser zum Grund für seine Anwesenheit im Haus des Verwandten, wo er den Beschwerdeführer gesehen habe, sowie auf explizite Nachfrage, ob es ein Fest gegeben habe, dass er „einfach“ dort gewesen sei. Der Beschwerdeführer sei dort gewesen, weil dieser das neugeborene Kind dessen Cousins habe sehen wollen (vgl. S 78 aus dem Behördenakt des A.). Auch aus seinem Vorbringen in der Stellungnahme vom 27.03.2023 lässt sich nicht entnehmen, dass A. den Beschwerdeführer anlässlich einer Feierlichkeit erstmals begegnet habe (vgl. S 140 aus dem Behördenakt des A.). Bei seiner Einvernahme im März 2024 behauptete A. jedoch auf einmal, der Beschwerdeführer sei wegen der Geburtstagsfeier des Cousins väterlicherseits des Beschwerdeführers bei ihm zu Hause gewesen und es habe eine „große Veranstaltung“ gegeben (vgl. S 209 aus dem Behördenakt des A.). Da zufolge seiner Darstellung in der Beschwerdeverhandlung für etwa 400-500 Personen gekocht worden sei (vgl. S 39 in OZ 4), erschließt sich nicht, dass A. auf diesen Anlass noch nicht im Zuge seiner ersten Befragung durch die belangte Behörde hinwies. Dabei wird nicht übersehen, dass A. in unmittelbarer Nähe des Cousins gewohnt habe. Da jedoch explizit nach einem Fest gefragt wurde, wäre zu erwarten gewesen, dass A. ein solches auch ins Treffen geführt hätte. Zudem erklärte der Beschwerdeführer abweichend von A., dass die Feierlichkeit aus Anlass der Namenstaufe des Kindes seiner Cousine väterlicherseits mit dem Cousin väterlicherseits des A. stattgefunden habe (vgl. S 13 in OZ 4).
2.2.5. In diesem Kontext erschließt sich im Übrigen nicht, weshalb der Beschwerdeführer überhaupt bei A. übernachtet habe, obwohl sein eigener Wohnort bloß 4-5 km entfernt gelegen sei (vgl. S 15 in OZ 4; s.a. AS 132). Auch der Beschwerdeführer konnte dafür keinen stichhaltigen Grund nennen, sondern meinte bloß, dass es dort „schön und angenehm“ gewesen sei (vgl. AS 134). Zudem erklärte der Beschwerdeführer in der freien Erzählung seines Fluchtgrundes vor der belangten Behörde noch, dass er bei seiner Cousine gewohnt habe und er A. aufgrund des Platzmangels angeboten habe, dass dieser im Zimmer des Beschwerdeführers schlafen könne (vgl. AS 130). Im Zuge der Beschwerdeverhandlung meinte der Beschwerdeführer demgegenüber, dass A. zu ihm gesagt habe, dass der Beschwerdeführer zu ihm kommen könne (vgl. S 13 in OZ 4). Vom Beschwerdeführer wäre aber zu erwarten gewesen, dass er übereinstimmend nennen kann, ob er im Zimmer des A. geschlafen habe oder er von seiner Cousine ein Zimmer zur Verfügung gestellt bekommen und dort A. aufgenommen habe.
2.2.6. Zudem fällt auf, dass der Beschwerdeführer erklärte, A. habe ihn gegenüber dessen Mutter und anderen Verwandten als seinen Freund vorgestellt (vgl. S 16 in OZ 4). A. verneinte jedoch über Nachfrage, dass er den Beschwerdeführer gegenüber seiner Mutter und den anderen Familienmitgliedern vorgestellt habe. Soweit A. über Vorhalt der anders lautenden Angabe des Beschwerdeführers seine Darstellung in Sinn dessen Aussage abänderte (vgl. S 39 in OZ 4), ist dies als bloße Schutzbehauptung zu bewerten. Hätte A. den Beschwerdeführer gegenüber seinen Verwandten als – wenn auch rein platonischen – Freund vorgestellt, so wäre zu erwarten gewesen, dass A. dies bereits von sich aus auf dahingehende Frage des erkennenden Richters hätte anführen können. Im Übrigen vermochte der Beschwerdeführer nicht nachvollziehbar darzulegen, weshalb A. nicht auf das Verwandtschaftsverhältnis zwischen ihnen hingewiesen habe (vgl. S 16f in OZ 4, arg. „R: Wieso Freund? Wieso hat er nicht gesagt, Sie sind ein Verwandter? BF1: Normal halt als Freund und außerdem wissen die ja, dass ich im Haus daneben zu Besuch kam.“). Zumal sich der Beschwerdeführer und A. erst im Zuge dieses Besuchs kennengelernt hätten, wäre bei lebensnaher Betrachtung anzunehmen gewesen, dass A. gegenüber seiner Familie darauf hingewiesen hätte, dass es sich beim Beschwerdeführer um den Cousin der Kindesmutter bzw. der Frau des Cousins des A. handle.
2.2.7. Ferner weisen die Darlegungen über den fluchtauslösenden Vorfall Anfang November 2021 eine massive Diskrepanz auf. Dazu schilderte der Beschwerdeführer gegenüber der belangten Behörde, dass sie geschlagen und an einen Baum gefesselt worden seien, wobei A. gleich wieder von den Fesseln gelöst und mitgenommen worden sei, weil dessen Bruder die Fischer gekannt habe (vgl. AS 130). A. erklärte über Befragung des erkennenden Richters jedoch, dass vom Beginn der körperlichen Übergriffe bis zum Eintreffen seines Bruders etwa eine halbe Stunde oder 40 Minuten vergangen seien (vgl. S 42 in OZ 4), und schätzte die Zeitspanne zwischen dem Festbinden am Baum und seiner Befreiung durch seinen Bruder auf 20-25 Minuten ein (vgl. S 43 in OZ 4). In Anbetracht dieses zeitlichen Ablaufs kann jedoch nicht gesagt werden, dass A. gleich danach von seinem Bruder abgeholt worden sei.
2.2.8. Im Übrigen sind die Schilderungen des A. über das Vorgehen der Dorfbewohner in diesem Zusammenhang als nicht plausibel zu bewerten. Dazu beschrieb dieser zunächst, dass sie anfangs geschlagen und danach an einen Baum angebunden worden seien (vgl. S 42 in OZ 4). Zum Grund für das Festbinden wies er darauf hin, dass sie befragt worden seien, weshalb sie sexuell verkehrt hätten, warum so spät in der Nacht und warum am Boot. Ferner hätten sie gefragt, weshalb er dies nicht zu Hause mache, sondern am Boot (vgl. S 42 in OZ 4). Über Nachfrage, ob sie danach noch einmal geschlagen worden seien, wies A. zunächst nur darauf hin, dass sie dann am Baum angebunden gewesen seien (vgl. S 42 in OZ 4). Erst in der weiteren Befragung macht A. erneute Eingriffe in die körperliche Integrität geltend, indem er darauf hinwies, dass ihnen nicht erlaubt worden sei, etwas zu sagen; wenn etwas gesagt worden sei, seien sie geschlagen worden (vgl. S 43 in OZ 4). Angesichts dieser Darstellung wäre aber anzunehmen, dass die Dorfbewohner bloß ein Problem mit der grundsätzlichen Vornahme intimer Handlungen an einem öffentlichen Ort und nicht mit dem Umstand, dass diese zwischen zwei Männern erfolgt seien, gehabt hätten. Ferner erschließt sich nicht, dass einerseits Fragen an sie gerichtet worden seien, sie aber anderseits nicht hätten sprechen dürfen und dafür mit Schlägen bestraft worden seien. In dem Sinn wies der Beschwerdeführer am Ende der Beschwerdeverhandlung auch darauf hin, dass sie nicht befragt worden seien, weshalb sie nicht zu Hause, sondern am Boot sexuell verkehrt hätten und dies keinen Sinn ergebe (vgl. S 52 in OZ 4). Seine weitere Argumentation, wonach A. dies vermutlich aus Angst so dargestellt habe (vgl. S 52 in OZ 4), kann jedoch nicht nachvollzogen werden, zumal nicht ersichtlich ist, weshalb A. aus einer Verängstigung diese Fragen anführen sollte.
2.2.9. Gegen die behauptete Beziehung zwischen dem Beschwerdeführer und A. spricht auch, dass ihre Darstellungen über die jeweils andere Person grobe Abweichungen aufweisen. Einerseits divergieren ihre Angaben über die Anzahl der Brüder des jeweils anderen. A. erklärte wiederholt, dass der Beschwerdeführer zwei Brüder habe (vgl. S 82 aus dem Behördenakt des A. und S 46 in OZ 4), während der Beschwerdeführer laut seiner eigenen Darstellung nur einen Bruder habe (vgl. AS 125). Andererseits erklärte der Beschwerdeführer, dass A. vier Brüder habe (vgl. S 21 in OZ 4), obwohl es tatsächlich nur zwei Brüder sind (vgl. S 73 aus dem Behördenakt des A.). Außerdem führte A. anlässlich seiner ersten behördlichen Einvernahme sowie im Rahmen der Beschwerdeverhandlung an, dass der Beschwerdeführer ein Steingeschäft betrieben habe (vgl. S 81 aus dem Behördenakt des A. und S 46 in OZ 4). Aus den Darstellungen des Beschwerdeführers ergibt sich jedoch, dass er bloß neben dem Studium im Natursteinhandel seines Vaters mitgeholfen habe (vgl. AS 126). Am Ende der mündlichen Verhandlung vor dem Bundesverwaltungsgericht wies der Beschwerdeführer auch selbst auf diese Unrichtigkeit hin, woraufhin A. einen Fehler einräumte (vgl. S 51 in OZ 4). Da A. jedoch zwei Mal eine gleichlautende Behauptung aufstellte, ist nicht von einer bloß missverständlichen Darstellung oder einem versehentlichen Versprechen auszugehen, sondern vielmehr anzunehmen, dass er fälschlich der Annahme war, der Beschwerdeführer und nicht dessen Vater habe den Steinhandel betrieben. Hätten der Beschwerdeführer und A. über mehr als zwei Jahre eine gleichgeschlechtliche Beziehung geführt, wäre aber zu erwarten gewesen, dass sie über diese grundlegenden Informationen des jeweils anderen Bescheid wüssten, zumal sie von sich aus weder auf eine etwaige Unsicherheit hinwiesen, noch erklärten, darüber nicht gesprochen zu haben.
2.2.10. Außerdem sind die Darstellungen des Beschwerdeführers über seinen ersten Freund in Bangladesch nicht plausibel. Insbesondere betreffend den behaupteten physischen Angriff, nachdem sie in flagranti erwischt worden sei, vermochte der Beschwerdeführer nicht zu erklären, wie er ins Spital gekommen sei, obwohl er durch die Schläge sein Bewusstsein verloren habe und erst im Spital aufgewacht sei (vgl. AS 129). Über dahingehende Frage des erkennenden Richters erklärte der Beschwerdeführer bloß, dass er das nicht wisse, weil er bewusstlos gewesen sei. Der Beschwerdeführer vermochte im Übrigen auch nicht darzulegen, weshalb er nicht das Krankenhauspersonal oder seine Mutter danach gefragt frage, sondern verwies im Wesentlichen bloß darauf, erst nach der Verlegung von Kumilla nach Dhaka wieder das Bewusstsein erlangt zu haben (vgl. S 12 in OZ 4). Damit konnte der Beschwerdeführer jedoch nicht darlegen, weshalb er nicht zumindest versucht habe, dies über seine Mutter herauszufinden, die auf Anraten der Ärzte auch für seinen Transport von Kumilla nach Dhaka gesorgt habe (vgl. S 12 in OZ 4 und AS 129).
2.2.11. In diesem Kontext erschließt sich auch nicht, weshalb der Beschwerdeführer und sein erster Freund überhaupt bei intimen Handlungen erwischt worden seien, obwohl sie dies in einem Hinterzimmer des Geschäfts bei heruntergelassenen Rollos vor Beginn der Öffnungszeiten um ca. 6 Uhr in der Früh getan hätten (vgl. AS 129). Der Beschwerdeführer konnte auch nicht stichhaltig erklären, weshalb die 8-10 Personen genau an diesem Tag gewaltsam in das Geschäft eindringen sollten. Zunächst berief er sich dazu auf den Umstand, dass man sie vermutlich gesehen habe. Über Nachfrage, wie dies möglich gewesen sei, änderte er seine Begründung jedoch dahingehend ab, dass er von jemanden beobachtet oder verfolgt worden sein könnte (vgl. S 9 in OZ 4). Aber auch seine diesbezügliche Argumentation ist nicht überzeugend. Insbesondere erklärte der Beschwerdeführer zunächst noch, dass er deshalb vor 6 Uhr in der Früh in das Geschäft gegangen sei, weil dann üblicherweise keine Leute dort seien (vgl. S 8f in OZ 4). In weiterer Folge berief er sich jedoch plötzlich darauf, dass sich in der Nähe eine Moschee befunden habe und dort vermutlich das Morgengebet abgehalten worden sei (vgl. S 9f in OZ 4). Da dieses Gebet immer in der Moschee stattfinde (vgl. S 10 in OZ 4), müsste aber vorhersehbar gewesen sein, dass sich gläubige Muslime in der Gegend um das Geschäft aufhalten können. Der Beschwerdeführer gab zudem an, dass er bereits zuvor einige Male um dieselbe Uhrzeit mit seinem Freund sexuell verkehrt habe und sie sehr vorsichtig gewesen seien aus Angst, erwischt zu werden (vgl. S 9 in OZ 4). Daher hätte ihnen aber bekannt sein müssen, dass am frühen Morgen Moscheebesucher in der Gegend unterwegs seien. Dies widerspricht jedoch seinem vorangegangenen Hinweis, wonach dort niemand sei. Ferner wäre auch aufgrund der vom Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang angesprochenen Vorsicht zu erwarten gewesen, dass sie die üblichen Gebetszeiten der nahegelegenen Moschee bei der Planung ihrer Treffen berücksichtigt hätten, um eine Begegnung mit den Gläubigen möglichst zu vermeiden.
2.2.12. Zudem steigerte der Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang vor dem erkennenden Richter seine Darstellung, indem er erstmals geltend machte, die Verwandten seines ersten Freundes seien gekommen, um den Beschwerdeführer zu schlagen, wobei ihnen dies wegen seines Vaters und seines Onkels nicht möglich gewesen sei (vgl. S 12 in OZ 4). In der behördlichen Einvernahme machte der Beschwerdeführer aber eine solche Bedrohung nicht geltend, sondern verwies infolge dieses Vorfalls „nur“ darauf, dass der Gemeinderat anfangs befohlen habe, dass der Beschwerdeführer nicht wieder in sein Viertel kommen dürfe, und er zu Hause von der Polizei gesucht worden sei, wobei sein Vater und sein Onkel die Gemeindeoberen hätten umstimmen können (vgl. AS 130). Angesichts seiner damals umfangreichen Darlegungen über die fluchtkausalen Ereignisse wäre aber zu erwarten gewesen, dass der Beschwerdeführer diese beabsichtigten körperlichen Übergriffe auf seine Person schon vor der belangten Behörde angesprochen hätte, um die gegen seine Person gerichtete Gefährdung zu bekräftigen.
2.2.13. Ferner wird nicht übersehen, dass der Beschwerdeführer diverse Urkunden vorlegte, welche seine medizinischen Behandlungen in Bangladesch belegen würden. Dazu ist aber darauf hinzuweisen, dass diese aus dem Zeitraum von 09.06.2019 bis 14.08.2020 stammen (vgl. AS 125ff) und er damit entgegen seiner anderslautenden Behauptungen (vgl. S 19 in OZ 4) nicht auch seine zweite medizinische Behandlung nach dem fluchtkausalen Vorfall im November 2021 nachweisen konnte. Etwaige Gründe, weshalb dem Beschwerdeführer eine Vorlage der Dokumente über die Versorgung seines neuerlichen Beinbruchs nicht möglich sein sollte, sind nicht ersichtlich. Daher kann aber entgegen seiner Behauptung nicht angenommen werden, dass der Beschwerdeführer im Vorfeld seiner Ausreise ein zweites Mal stationär im Krankenhaus aufgenommen worden sei. Im Übrigen kann die Tatsache, dass sich der Beschwerdeführer im Jahr 2019 eine Verletzung an seinem Bein zugezogen habe, nicht seine sonst nicht glaubhafte Schilderung über deren Zustandekommen belegen. Aufgrund der oben aufgezeigten Ungereimtheiten ist vielmehr davon auszugehen, dass sich der Beschwerdeführer sein rechtes Bein aus einem anderen Grund gebrochen habe und er diese Verwundung nutzte, um darauf aufbauend eine Fluchtgeschichte zu konstruieren.
2.2.14. Die Schilderungen des Beschwerdeführers über seine Erfahrungen als homosexueller Mann in Bangladesch weisen außerdem insofern einen gravierenden Widerspruch auf, als er über Nachfrage der belangten Behörde verneinte, dass seine Familie oder sein soziales Umfeld versucht habe, ihn von seiner homosexuellen Neigung abzubringen (vgl. AS 379). In seiner früheren Einvernahme schilderte er jedoch im Zuge der freien Erzählung seines Fluchtgrundes, dass einerseits sein Onkel ihn im Zuge sowie nach dem Gespräch mit dem Direktor seiner Uni betreffend die Annäherungen des Beschwerdeführers an andere Studenten geschlagen habe. Der ebenfalls dort anwesende Imam habe zudem gesagt, dass Homosexuelle in Bangladesch nicht überleben dürften, und habe seinen Onkel und seine Mutter darüber belehrt, dass dies die letzte Chance des Beschwerdeführers sei (vgl. AS 129). Andererseits habe seine Mutter infolge des ersten Erwischt-Werdens des Beschwerdeführers bei intimen Handlungen gesagt, dass dies eine Krankheit sei und der Beschwerdeführer wieder „herauskommen“ könne, wenn man es probieren würde (vgl. AS 130). Somit kann aber keinesfalls angenommen werden, dass keine Versuche unternommen worden seien, gleichgeschlechtliche Handlungen des Beschwerdeführers zu unterbinden. Es ist anzunehmen, dass die vom Beschwerdeführer in der freien Erzählung seines Fluchtgrundes beschriebenen Reaktionen seiner – ihm zum Teil persönlich nahestehenden – Mitmenschen auf seine sexuelle Orientierung besonders einprägsame Erlebnisse darstellen, weshalb sich nicht erschließt, dass der Beschwerdeführer später jegliche Bemühungen, seine homosexuellen Interessen abzustellen, verneinte.
2.2.15. Vor dem Hintergrund dieser gravierenden Diskrepanzen konnte der Beschwerdeführer nicht glaubhaft machen, in Bangladesch gleichgeschlechtliche Beziehungen geführt zu haben und beim Geschlechtsverkehr von anderen Personen entdeckt worden zu sein.
2.2.16. Darüber hinaus sind die Darstellungen des Beschwerdeführers über seine homosexuelle Orientierung auch insofern nicht überzeugend, als er nicht nachvollziehbar darlegen konnte, wie er sich seiner Homosexualität bewusst geworden sei. Dazu wies er über Befragung des erkennenden Richters bloß abstrakt darauf hin, dass die ganzen Freunde immer nur über Mädchen gesprochen hätten, er habe sich aber zu Jungs angezogen gefühlt und Mädchen hätten ihm nicht gefallen (vgl. S 5 in OZ 4). Auch über Nachfrage, weshalb ihm Mädchen nicht gefallen würden, wies der Beschwerdeführer bloß allgemein darauf hin, dass sie ihm nicht gefallen würden und er „vom Gefühl her“ Jungs gemocht habe (vgl. S 5 in OZ 4). Dem Beschwerdeführer wäre aber zumutbar gewesen, sein Interesse an Männern näher zu begründen und beispielsweise konkrete Situationen anzuführen, in denen er eine Anziehung zu Männern verspürt habe. Dabei wird nicht übersehen, dass der Beschwerdeführer schon vor der belangten Behörde erklärte, im College und auf der Uni andere Burschen in den Arm genommen, ihnen ein „Bussi“ gegeben und sie an der Hand gehalten oder sonst berührt zu haben (vgl. AS 128). Darauf angesprochen und befragt, ob es üblich sei, sich auf diese Weise in der Öffentlichkeit zu verhalten, wies der Beschwerdeführer jedoch lediglich darauf hin, dass er nicht Händchen haltend spaziert sei, aber die Hand gehalten habe; es sei nicht üblich, aber es sei „halt“ im Unterricht gewesen (vgl. S 6 in OZ 4), ohne auch nur ansatzweise auf die von ihm erwähnten Bussis einzugehen. Konkret darauf angesprochen, räumte er wiederum ein, dass auch dies nicht üblich sei, aber ihm plötzlich danach gewesen sei, einen Kuss vorzunehmen. Ferner verwies er auf einen Vorfall, bei dem er einen Freund an der Brust angefasst und daraufhin beim Direktor über ihn eine Beschwerde erstattet worden sei (vgl. S 6 in OZ 4). Die Aussagen in diesem Kontext sind jedoch insofern nicht schlüssig, als der Beschwerdeführer vor der belangten Behörde noch beschrieb, dass er während dem College im Internet über die Probleme von „solchen“ (gemeint: homosexuellen) Männern gelesen habe und deswegen „immer sehr aufgepasst“ und jemanden gesucht habe, der wie er auf Männer stehe (vgl. AS 128). Seinen weiteren Ausführungen über seine Zeit auf der Uni lässt sich aber nicht entnehmen, dass er sich um allfällige Konsequenzen aufgrund seiner Annäherungsversuche gesorgt habe. Vielmehr wies er darauf hin, immer wieder sehr nahe an Burschen herangerückt zu sein, diese in die Arme genommen, an der Hand gehalten oder sonst irgendwie berührt zu haben, wobei er dazu anmerkte, dass dies „eigentlich die ganze Zeit“ so gewesen sei und er bezweckt habe, jemanden zu finden, der ihn verstehe und auch so sei (vgl. AS 128). Demzufolge ist aber nicht ersichtlich, inwiefern der Beschwerdeführer entsprechend seiner vorangegangenen Behauptung „immer aufgepasst“ habe. Vielmehr erweckte er mit dieser weiteren Darstellung den Eindruck, als habe er in der Öffentlichkeit bewusst die Nähe zu anderen Männern gesucht. Auch wenn man entsprechend der Darstellung des Beschwerdeführers vor dem erkennenden Richter davon ausginge, dass er sich in diesen Situationen nicht habe beherrschen können (vgl. S 6 in OZ 4), wäre zu erwarten gewesen, dass er dahingehend ein widerspruchsfreies Vorbringen erstatten kann und schon in seiner umfassenden freien Erzählung aufgrund der ihm bekannten Problemen von Homosexuellen in Bangladesch darauf hingewiesen hätte, dass es trotz der drohenden Konsequenzen nicht möglich gewesen sei, aufzupassen.
2.2.17. Zudem meinte der Beschwerdeführer in seiner zweiten Einvernahme vor der belangten Behörde auf die Frage nach der Bedeutung der staatlichen Strafdrohung bzw. gesellschaftlichen Ächtung von Homosexualität bei der Entwicklung seiner sexuellen Neigung, dass er eigentlich in der Zeit die staatlichen Probleme oder die Reaktion der Gesellschaft nicht im Kopf gehabt habe; ihm sei sein erster Freund wichtig und der Rest egal gewesen (vgl. AS 378). Auch neuerlich befragt, welche Gedanken er sich über die Konsequenzen der staatlichen bzw. gesellschaftlichen Ächtung seiner (sich entwickelnden) Identität für das eigene Leben, seine Bildung, seinen Beruf, die Beziehung zur eigenen Familie etc. gemacht habe, meinte der Beschwerdeführer bloß, dass Homosexualität für ihn eine „natürliche Sache“ und ihm alles egal gewesen sei. Wenn er mit seinem ersten Freund sexuell verkehrt habe, habe ihn alles andere nicht gekümmert (vgl. AS 328). Dabei kann aber nicht nachvollzogen werden, dass der Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang nicht einmal mehr ansatzweise etwa auf seine früher angesprochene Internetrecherche, welche ihn zur Vorsicht veranlasst habe, oder die Schwierigkeiten mit dem Direktor seiner Universität, die beiden körperlichen Übergriffe auf seine Person oder die Suche der Polizei nach ihm, einging.
2.2.18. Angesichts dieser massiven Diskrepanzen kann auch anhand der Darlegungen des Beschwerdeführers über sein Leben in Österreich nicht mit erforderlicher Sicherheit darauf geschlossen werden, dass er gleichgeschlechtlich orientiert sei und seine Homosexualität im Bundesgebiet auslebe.
In diesem Kontext fällt auf, dass der Beschwerdeführer der belangten Behörde am 06.06.2023 von sich aus Auszüge aus Chats vorlegte, welche von Dating-Apps für Angehörige der LGBTIQ-Community stammen würden (vgl. AS 141ff). In seiner Einvernahme vom 04.07.2023 wies er über Nachfrage nach homosexuellen Beziehungen/Kontakte aber nur auf den A. hin und verneinte ausdrücklich, dass es noch andere gebe (vgl. AS 382). Er erwähnte auch keinerlei Versuche, mit anderen homosexuellen Männern in Kontakt zu treten. In Anbetracht dessen ist aber davon auszugehen, dass die Registrierung ebenso wie die auf den Screenshots ersichtliche Konversation auf den Dating-Apps bloß aus verfahrenstaktischen Gründen erfolgte, um die Chancen auf internationalen Schutz zu erhöhen. Im weiteren Verlauf des Verfahrens – insbesondere nach der vorgeblichen Trennung von A. – brachte der Beschwerdeführer außerdem nicht mehr vor, auf etwaigen Plattformen aktiv zu sein, um andere Männer kennen zu lernen. Daher kann auch nicht angenommen werden kann, dass dies der Fall sei.
Aufgrund seines Aussageverhaltens kann im Übrigen nicht davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer derzeit auf der Suche nach einer Beziehung mit einem Mann sei. Auf ausdrückliche Frage seiner Rechtsvertretung in der Beschwerdeverhandlung vom 22.04.2026 bejahte der Beschwerdeführer dies zwar mit dem Hinweis, dass er noch niemanden gefunden habe (vgl. S 26 in OZ 4). Dazu führte er jedoch nicht aus, wie seine diesbezüglichen Bemühungen aussehen würden. Zudem verneinte der Beschwerdeführer noch die vorangegangene Frage des erkennenden Richters nach einer etwaigen Beziehung infolge der Trennung von A. mit der bloßen Anmerkung, dass er in die „Sauna“ gehe, wenn er das Bedürfnis nach Geschlechtsverkehr verspüre (vgl. S 23 in OZ 4). Würde sich der Beschwerdeführer jedoch eine Beziehung mit einem anderen Mann wünschen, dann wäre zu erwarten gewesen, dass er dies schon in diesem Kontext angesprochen hätte und nicht erst auf explizite Frage seiner Rechtsvertretung bejaht hätte. Vor diesem Hintergrund sowie der sonstigen Verfahrensergebnisse ist auch seine vage Anmerkung in der mündlichen Verhandlung vom 18.06.2026, wonach er keinen „Gefühlsmenschen“ finde und ihn „alle“ immer nach ein oder zwei Mal Sex wieder verlassen würden (vgl. S 6 in OZ 11), nicht ausreichend, um von einem Interesse an der Begründung einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft auszugehen, zumal er in der vorangegangenen Tagsatzung – wie bereits oben erwähnt – über Nachfrage nach einer etwaigen Beziehung nur auf „Sauna“-Besuche verwies, wenn er das Bedürfnis nach Geschlechtsverkehr verspüre (vgl. S 23 in OZ 4).
2.2.19. Betreffend die vom Beschwerdeführer angesprochenen Intimitäten mit anderen Männern wird nicht übersehen, dass der als Zeuge befragte Mitbewohner des Beschwerdeführers bestätigte, den Beschwerdeführer beim Geschlechtsverkehr mit anderen „Typen“ erwischt und gesehen habe, dass er auf Partys andere Männer geküsst habe (vgl. S 29 in OZ 4). Unter Berücksichtigung der weiteren Verfahrensergebnisse, insbesondere dem bereits oben aufgezeigten Umstand, dass der Beschwerdeführer nicht darlegen konnte, wie er sich seiner sexuellen Orientierung bewusst geworden sei, ist jedoch davon auszugehen, dass der Mitbewohner diese Aussage über homosexuelle Begegnungen des Beschwerdeführers aus freundschaftlicher Verbundenheit zu diesem tätigte. Dafür spricht auch seine Schilderung darüber, wie dem Mitbewohner die Homosexualität des Beschwerdeführers bekannt geworden sei, zumal er nach einem Verweis auf dessen anfängliche Schüchternheit nur abstrakt ohne nähere Darlegungen darauf hinwies, dass eine „schwule“ Person merke, ob eine andere Person ebenfalls „schwul“ sei. Sie hätten sich gesehen sowie miteinander gesprochen und dann habe er realisiert, dass der Beschwerdeführer homosexuell sei. Ferner verwies er darauf, dass sie sich nach etwa zwei Wochen einander geöffnet und mehr Zeit verbracht hätten. Anschließend zählte er diverse Lokale auf, die er mit dem Beschwerdeführer gemeinsam besucht habe (vgl. S 29 in OZ 4). Wäre dem Mitbewohner die Homosexualität des Beschwerdeführers jedoch bei der ersten Begegnung schon bewusst geworden, so wäre zu erwarten gewesen, dass er die für ihn dafür ausschlaggebenden Gründe von sich aus ins Treffen geführt hätte. Zudem lässt auch der Umstand, dass der Mitbewohner die Unterhaltung, in welcher sie sich gegenseitig offenbart hätten, nicht näher darlegte, sondern sich demgegenüber von der eigentlichen Fragestellung entfernte und zahlreiche Örtlichkeiten nannte, die auf Angehörige der LGBTIQ-Gemeinschaft ausgerichtet sind, darauf schließen, dass der Mitbewohner dabei nicht von wahren Erlebnissen berichtete. Hätte der Mitbewohner seine tatsächlichen Wahrnehmungen geschildert, so wäre anzunehmen, dass er die Konversation mit dem Beschwerdeführer über ihre jeweilige sexuelle Orientierung näher beschrieben hätte.
2.2.20. Ferner verkennt das Bundesverwaltungsgericht nicht, dass der Beschwerdeführer seit Dezember 2022 im Verein XXXX angebunden ist (vgl. AS 137) und an Veranstaltungen der LGBTIQ-Szene, etwa im Rahmen der Vienna Pride oder im Zuge seiner Vereinsmitgliedschaften, teilnahm. Dass die Vereine XXXX und XXXX von einer Zugehörigkeit des Beschwerdeführers zur LGBTIQ-Gemeinschaft ausgeht, wird zwar als Indiz für die geltend gemachte homosexuelle Orientierung des Beschwerdeführers gewertet. Unter Berücksichtigung der dargestellten Diskrepanzen zu seiner dahingehenden Behauptung, ist dies jedoch nicht ausreichend, um die geltend gemachte Homosexualität des Beschwerdeführers als glaubhaft erscheinen zu lassen.
Ebenso wenig konnte die Zeugenaussage des behandelnden Psychologen maßgeblich zur Glaubhaftmachung des Fluchtgrundes beitragen. Nicht nur erklärte der Beschwerdeführer, dass er dem Psychologen über seinen Fluchtgrund nicht alle Details und nur „kurz gefasst“ berichtete (vgl. S 7 in OZ 11), sondern wies auch der Psychologe selbst darauf hin, dass zwar die Homosexualität des Beschwerdeführers zur Sprache gekommen sei (vgl. S 16 in OZ 11), betreffend den Fluchtgrund führte er aber aus, dass es dabei wichtig sei, die Personen bzw. diese Gespräche bestmöglich „zu begrenzen“, um eine Retraumatisierung zu vermeiden (vgl. S 17 in OZ 11). Auch anhand seiner weiteren Angaben zeigt sich, dass er über den Fluchtgrund des Beschwerdeführers nicht näher informiert ist, zumal er etwa nicht wusste, dass der Beschwerdeführer „in flagranti“ erwischt worden sei (vgl. S 18 in OZ 11). Dabei ist auch in Betracht zu ziehen, dass der Fokus der Behandlung auf Stabilisierung und Ressourcenaktivierung liegt sowie hauptsächlich die Gegenwart betrifft (vgl. S 17 in OZ 11). Weder kann aufgrund seiner Angaben davon ausgegangen werden, dass der Psychologe die Fluchtgeschichte des Beschwerdeführers kritisch hinterfragte (vgl. S 17 in OZ 11), noch konnte der Psychologe ausschließen, dass die diagnostizierte Posttraumatische Belastungsstörung von traumatisierenden Erlebnissen herrühren, die nicht mit seiner geltend gemachten Homosexualität zusammenhängen (vgl. S 18 in OZ 11). Ebenso gab der Psychologe an, dass er mit dem Beschwerdeführer nicht im Detail über sein Sexualleben gesprochen habe, wobei sein Wunsch nach einer Partnerschaft Teil der Gespräche sei (vgl. S 18 in OZ 11). Vor diesem Hintergrund kommt jedoch dem Umstand, dass der behandelnde Psychologe dem Beschwerdeführer seine Homosexualität glaubt (vgl. S 17 in OZ 11), nur ein vergleichsweise geringer Beweiswert zu, zumal es nicht seinem Berufsbild entspricht, die Angaben des Beschwerdeführers über seine sexuelle Orientierung und seine Gründe für die Ausreise aus seiner Heimat in Zweifel zu ziehen. In diesem Zusammenhang wird auch in Betracht gezogen, dass sich der Beschwerdeführer erst im Oktober 2025 – und damit während des laufenden Beschwerdeverfahrens – in psychologische Behandlung begab. Auch wenn dem Beschwerdeführer grundsätzlich nicht angelastet wird, nicht schon früher nach seiner Ankunft in Österreich im Juli 2022 psychologische Hilfe aufgesucht zu haben, war bei seinem Behandlungsbeginn bereits ein Interesse vorhanden, den Anschein der von ihm im Asylverfahren geltend gemachte sexuelle Orientierung auch dort zu wahren.
Aufgrund der zutage getretenen Ungereimtheiten hinsichtlich der fluchtauslösenden Ereignisse sowie bezüglich seiner sexuellen Orientierung ist vielmehr davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer das Vorbringen bezüglich seiner Homosexualität aus asyltaktischen Erwägungen erstattete.
2.2.21. Im Ergebnis kann daher nicht mit der für das vorliegende Verfahren erforderlichen Wahrscheinlichkeit angenommen werden, dass der Beschwerdeführer homosexuell sei und daher bei einer Rückkehr nach Bangladesch gefährdet sein könnte.
2.2.22. In Anbetracht dessen ergaben sich im vorliegenden Verfahren keine Gründe, welche für eine Bedrohung des Beschwerdeführers im Fall seiner Rückkehr sprechen würden. Insbesondere ist angesichts der vorliegenden Länderinformation nicht anzunehmen, dass der über Schul- sowie Universitätsbildung und Arbeitserfahrung verfügende, junge und arbeitsfähige Beschwerdeführer mit familiärem Rückhalt in Bangladesch in eine existenzgefährdende Notlage geraten könnte.
2.3. Zur Lage im Herkunftsstaat:
Die getroffenen Feststellungen zur allgemeinen Lage im Herkunftsstaat ergeben sich aus dem Länderinformationsblatt der Staatendokumentation vom 13.01.2026 (Version 7).
Angesichts der Seriosität und Plausibilität der angeführten Erkenntnisquellen sowie dem Umstand, dass diese Berichte auf einer Vielzahl verschiedener, voneinander unabhängiger Quellen beruhen und dennoch ein in den Kernaussagen übereinstimmendes Gesamtbild ohne wesentliche Widersprüche darbieten, besteht kein Grund, an der Richtigkeit der Angaben zu zweifeln.
Die angeführten herkunftsstaatsbezogenen Erkenntnisquellen wurden in der mündlichen Verhandlung in das Verfahren eingebracht, wobei diesen nicht substantiiert entgegengetreten wurde.
Zu A)
Gemäß Art. 42 der Verordnung (EU) 2024/1347 des europäischen Parlaments und des Rates vom 14.05.2024 über Normen für die Anerkennung von Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen als Personen, denen internationaler Schutz gewährt wurde, für einen einheitlichen Status für Flüchtlinge oder für Personen mit Anspruch auf subsidiären Schutz und für den Inhalt des gewährten Schutzes, Abl. L 1347 idF der Berichtigung Abl. L 90016 vom 13.01.2026, (im Folgenden: StatusVO), gilt die Verordnung ab dem 12.06.2026.
Gemäß § 75 Abs. 32 AsylG 2005 sind alle Asylverfahren, deren verfahrenseinleitender Antrag vor dem 12.06.2026 eingebracht worden ist, vom Bundesverwaltungsgericht nach der Rechtslage vor Inkrafttreten des Bundesgesetzes BGBl. I 39/2026 mit der Maßgabe zu Ende zu führen, dass sich die inhaltlichen Voraussetzungen der Zuerkennung und des Entzugs der Flüchtlingseigenschaft und des Status subsidiären Schutzes nach der Statusverordnung richten und bei Nichtzuerkennung des Status subsidiären Schutzes auch die Erteilung eines Aufenthaltstitels gemäß § 54a in der Fassung jenes Bundesgesetzes zu prüfen ist.
Daraus folgt, dass auf den vorliegenden Fall, dessen verfahrenseinleitender Antrag vor dem 12.06.2026 eingebracht worden ist, materiell-rechtlich die StatusVO anzuwenden ist und nur die verfahrensrechtlichen Bestimmungen des AsylG 2005 sowie des BFA-VG nach der Rechtslage vor Inkrafttreten des Bundesgesetzes BGBl. I 39/2026 anzuwenden sind.
3.1. Zur Abweisung der Beschwerde gegen Spruchpunkt I. des angefochtenen Bescheides (Nichtzuerkennung der Flüchtlingseigenschaft):
3.1.1. Gemäß Art. 13 StatusVO ist einem Drittstaatsangehörigen oder einem Staatenlosen die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen, wenn er die Voraussetzungen der Kapitel II und III der StatusVO erfüllt.
Flüchtling ist gemäß Art. 3 Z 5 StatusVO ein Drittstaatsangehöriger, der sich aus der begründeten Furcht vor Verfolgung wegen seiner Rasse, Religion, Nationalität, politischen Überzeugung oder Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit er besitzt, und den Schutz dieses Landes nicht in Anspruch nehmen kann oder wegen dieser Furcht nicht in Anspruch nehmen will, oder einen Staatenlosen, der sich aus denselben vorgenannten Gründen außerhalb des Landes seines vorherigen gewöhnlichen Aufenthalts befindet und nicht dorthin zurückkehren kann oder wegen dieser Furcht nicht dorthin zurückkehren will, und auf den Art. 12 StatusVO (Ausschluss von der Anerkennung als Flüchtling) keine Anwendung findet.
Die begründete Furcht vor Verfolgung bezieht sich auf die Situation, dass eine hinreichende Wahrscheinlichkeit besteht, dass eine Person, die internationalen Schutz beantragt, bei ihrer Rückkehr in das Herkunftsland verfolgt wird, und dass die zuständigen nationalen Behörden für die Feststellung, ob eine solche Furcht besteht, eine individuelle, konkrete und objektive Beurteilung der persönlichen Umstände dieser Person sowie der Tatsachen und Umstände im Zusammenhang mit ihrem Antrag und der Lage in ihrem Herkunftsland vornehmen müssen (vgl. EuGH 04.06.2026, C-440/25, Ebilum).
Relevant kann nur eine aktuelle Verfolgungsgefahr sein, welche bei Erlassung der Entscheidung vorliegen muss (vgl. dazu die auf die StatusVO übertragbare Rsp VwGH 23.05.2023, Ra 2023/20/0110).
Entsprechend Art. 4 StatusVO trifft den Beschwerdeführer eine umfassende Mitwirkungspflicht während des gesamten Verfahrens, in Form der Darlegung aller ihm zur Verfügung stehenden Angaben, die den Antrag auf internationalen Schutz begründen. Gemäß Art. 4 Abs. 2 StatusVO handelt es sich dabei um die Aussagen des Beschwerdeführers sowie alle ihm zur Verfügung stehenden Unterlagen. Für den Fall, dass die Aussagen des Beschwerdeführers nicht durch Unterlagen oder andere Beweismittel belegbar sind, werden gemäß Art. 4 Abs. 5 StatusVO keine zusätzlichen Beweismittel verlangt, wenn sich der Beschwerdeführer offenkundig bemüht hat, seinen Antrag auf internationalen Schutz zu begründen; alle ihm zur Verfügung stehenden relevanten Angaben vorliegen und eine zufriedenstellende Erklärung für das Fehlen anderer relevanter Angaben gegeben wurde; seine Aussagen kohärent und plausibel sind und nicht im Widerspruch zu verfügbaren besonderen und allgemeinen Informationen, die im konkreten Fall relevant sind, stehen und er generell glaubwürdig ist, wobei auch der Zeitpunkt zu berücksichtigen ist, zu dem internationaler Schutz beantragt wurde.
3.1.2. Der Beschwerdeführer konnte – wie bereits in der Beweiswürdigung dargelegt – eine Verfolgung nicht glaubhaft machen. Er konnte seine Aussagen nicht durch Unterlagen oder Beweismittel belegen und seine Aussagen waren weder kohärent noch plausibel.
Somit ergibt sich, dass die behauptete Furcht des Beschwerdeführers, in seinem Herkunftsland aus den in der StatusVO genannten Gründen verfolgt zu werden, nicht begründet ist.
Auch vor dem Hintergrund der genauen und aktuellen Informationen zum Herkunftsland des Beschwerdeführers aus relevanten und verfügbaren nationalen Quellen, Unionsquellen und internationalen Quellen kann nicht erkannt werden, dass ihm aktuell in seinem Herkunftsland eine begründete Furcht vor Verfolgung droht.
Die Beschwerde gegen Spruchpunkt I. des angefochtenen Bescheides ist sohin als unbegründet abzuweisen.
3.2. Zur Abweisung der Beschwerde gegen Spruchpunkt II. des angefochtenen Bescheides (Nichtzuerkennung des Status subsidiären Schutzes):
3.2.1. Anspruch auf subsidiären Schutz hat nach Art. 3 Nr. 6 StatusVO ein Drittstaatsangehöriger, der die Voraussetzungen für die Anerkennung als Flüchtling nicht erfüllt, der aber stichhaltige Gründe für die Annahme vorgebracht hat, dass er bei einer Rückkehr in sein Herkunftsland tatsächlich Gefahr liefe, einen ernsthaften Schaden im Sinne des Art. 15 zu erleiden, und auf den die Ausschlussgründe des Art. 17 Abs. 1 und 2 keine Anwendung finden oder der den Schutz seines Herkunftslandes nicht in Anspruch nehmen kann oder wegen dieser Gefahr nicht in Anspruch nehmen will.
Gemäß Art. 15 StatusVO gilt als ernsthafter Schaden die Verhängung oder Vollstreckung der Todesstrafe (lit. a), Folter oder unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Bestrafung eines Antragstellers im Herkunftsland (lit. b) oder eine ernsthafte individuelle Bedrohung des Lebens oder der Unversehrtheit einer Zivilperson durch willkürliche Gewalt im Rahmen eines internationalen oder innerstaatlichen bewaffneten Konflikts (lit. c).
Die Art. 15 lit. a und b StatusVO entsprechen nach ihrem Wortlaut im Wesentlichen den Art. 2 EMRK (Recht auf Leben) und Art. 3 EMRK (Verbot von Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung). Die grundsätzliche Übereinstimmung von Art. 15 lit. b StatusVO und Art. 3 EMRK wurde bereits vom EuGH festgestellt (vgl. EuGH 17.02.2009, C-465/07, Elgafaji, zur StatusRL).
Nach Auffassung des EGMR müssen Misshandlungen, einschließlich Strafen, ein Mindestmaß an Schwere erreichen, um in den Anwendungsbereich des Art. 3 EMRK zu fallen. Die Bewertung dieses Mindestmaßes ist relativ. Sie hängt von der Gesamtheit der Umstände des Falles ab, z.B. Art und Kontext der Behandlung oder Bestrafung, Art und Weise ihrer Vollstreckung, ihre zeitliche Dauer, ihre physischen oder psychischen Wirkungen und in einigen Fällen Geschlecht, Alter und Gesundheit des Opfers (EGMR 07.07.1989, Nr. 14038/88, Soering/United Kingdom, Rz 100). Die Schwelle kann auch durch eine Kumulierung oder Kombination verschiedener Handlungen erreicht werden (EGMR 28.07.1999, Nr. 25803/94, Selmouni/France, Rz 82).
Bei der Beurteilung einer möglichen Verletzung des Art. 3 EMRK ist eine Einzelfallprüfung vorzunehmen, in deren Rahmen konkrete und nachvollziehbare Feststellungen zu der Frage zu treffen sind, ob einer Person im Fall der Rückkehr in ihr Herkunftsland die reale Gefahr einer gegen Art. 3 EMRK verstoßenden Behandlung droht. Es bedarf einer ganzheitlichen Bewertung der möglichen Gefahren, die sich auf die persönliche Situation des Betroffenen in Relation zur allgemeinen Menschenrechtslage im Zielstaat zu beziehen hat. Die Außerlandesschaffung eines Fremden in das Herkunftsland kann auch dann eine Verletzung von Art. 3 EMRK bedeuten, wenn der Betroffene dort keine Lebensgrundlage vorfindet, also die Grundbedürfnisse der menschlichen Existenz (bezogen auf den Einzelfall) nicht gedeckt werden können. Eine solche Situation ist nur unter exzeptionellen Umständen anzunehmen. Die bloße Möglichkeit einer durch die Lebensumstände bedingten Verletzung des Art. 3 EMRK reicht nicht aus. Vielmehr ist es zur Begründung einer drohenden Verletzung von Art. 3 EMRK notwendig, detailliert und konkret darzulegen, warum solche exzeptionellen Umstände vorliegen (VwGH 06.05.2022, Ra 2022/20/0108). Ein Leben im Herkunftsland in ärmlichen Verhältnissen führt für sich genommen nicht dazu, dass eine Verletzung des Art. 3 EMRK gegeben sein könnte (VwGH 01.09.2025, Ra 2025/20/0371). Ebenso wenig sind in der Regel schwierige sozio-ökonomische und humanitäre Bedingungen im Herkunftsland für sich genommen geeignet, eine unmenschliche oder erniedrigende Behandlung darzustellen (EGMR 28.06.2011, Nr. 8319/07, Sufi and Elmi/United Kingdom, Rz. 278).
Soweit es Erkrankungen betrifft, hat im Allgemeinen kein Fremder ein Recht, in einem fremden Aufenthaltsstaat zu verbleiben, bloß um dort medizinisch behandelt zu werden, und zwar selbst dann nicht, wenn er an einer schweren Krankheit leidet. Dass die Behandlung im Zielland nicht gleichwertig, schwerer zugänglich oder kostenintensiver ist, ist unerheblich, allerdings muss der Betroffene auch tatsächlich Zugang zur notwendigen Behandlung haben, wobei die Kosten der Behandlung und Medikamente, das Bestehen eines sozialen und familiären Netzwerks und die für den Zugang zur Versorgung zurückzulegende Entfernung zu berücksichtigen sind. Nur bei Vorliegen außergewöhnlicher Umstände führt die Abschiebung zu einer Verletzung von Art. 3 EMRK. Solche liegen jedenfalls vor, wenn ein lebensbedrohlich Erkrankter durch die Abschiebung einem realen Risiko ausgesetzt würde, unter qualvollen Umständen zu sterben, aber bereits auch dann, wenn stichhaltige Gründe dargelegt werden, dass eine schwerkranke Person mit einem realen Risiko konfrontiert würde, wegen des Fehlens angemessener Behandlung im Zielstaat der Abschiebung oder des fehlenden Zugangs zu einer solchen Behandlung einer ernsten, raschen und unwiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesundheitszustands ausgesetzt zu sein, die zu intensivem Leiden oder einer erheblichen Verkürzung der Lebenserwartung führt. Es ist Sache des Fremden, Beweise vorzulegen, die zeigen, dass stichhaltige Gründe für die Annahme bestehen, er würde im Fall der Durchführung einer aufenthaltsbeendenden Maßnahme einem realen Risiko einer gegen Art. 3 EMRK verstoßenden Behandlung unterzogen. Erst wenn solche Beweise erbracht werden, ist es Sache der Behörden des ausweisenden Staats, im Zuge der innerstaatlichen Verfahren jeden dadurch aufgeworfenen Zweifel zu zerstreuen und die behauptete Gefahr einer genauen Prüfung zu unterziehen, im Zuge derer die Behörden im ausweisenden Staat die vorhersehbaren Konsequenzen der Ausweisung auf die betroffene Person im Empfangsstaat im Lichte der dort herrschenden allgemeinen Lage und der persönlichen Umstände des Betroffenen erwägen müssen. Die Verpflichtungen des ausweisenden Staats zur näheren Prüfung werden somit erst dann ausgelöst, wenn die oben genannte (hohe) Schwelle überwunden wurde und infolge dessen der Anwendungsbereich des Art. 3 EMRK eröffnet ist (VwGH 06.05.2022, Ra 2022/20/0108, mit Verweis auf EGMR Nr. 41738/10, Paposhvili/Belgien, und EGMR 07.12.2021, Nr. 57467/15, Savran/Dänemark).
Die Gefahr der Verschlechterung des Gesundheitszustands eines an einer schweren Krankheit leidenden Drittstaatsangehörigen, die auf das Fehlen einer angemessenen Behandlung in seinem Herkunftsland zurückzuführen ist, ohne dass diesem Drittstaatsangehörigen die Versorgung absichtlich verweigert wurde, kann nicht ausreichen, um ihm den subsidiären Schutzstatus zuzuerkennen (vgl. EuGH 18.12.2014, C-542/13, M’Bodj).
Während die Tatbestände des Art. 15 lit. a und b StatusVO Situationen erfassen, in denen der Antragsteller spezifisch der Gefahr ausgesetzt ist, einen Schaden ganz bestimmter Art zu erleiden, umfasst Art. 15 lit. c StatusVO eine Schadensgefahr allgemeiner Art (vgl. EuGH 17.02.2009, C-465/07, Elgafaji).
Vom Vorliegen eines „innerstaatlichen bewaffneten Konflikts“ iSd Art. 15 lit. c StatusVO ist auszugehen, wenn die regulären Streitkräfte eines Staates auf eine oder mehrere bewaffnete Gruppen treffen oder wenn zwei oder mehrere bewaffnete Gruppen aufeinandertreffen, ohne dass dieser Konflikt als bewaffneter Konflikt, der keinen internationalen Charakter aufweist, im Sinne des humanitären Völkerrechts eingestuft zu werden braucht und ohne dass die Intensität der bewaffneten Auseinandersetzungen, der Organisationsgrad der vorhandenen bewaffneten Streitkräfte oder die Dauer des Konflikts Gegenstand einer anderen Beurteilung als der des im betreffenden Gebiet herrschenden Grads an Gewalt ist (Erwägungsgrund Nr. 51; vgl. EuGH 30.01.2014, C-285/12, Diakité).
Der Begriff „willkürliche Gewalt“ iSd Art. 15 lit. c StatusVO umfasst jene Gewalt, die gegen Menschen ungeachtet ihrer persönlichen Umstände ausgeübt werden kann (Erwägungsgrund Nr. 50; vgl. EuGH 17.02.2009, C-465/07, Elgafaji).
Was den Nachweis angeht, der für die Feststellung einer „ernsthaften individuellen Bedrohung des Lebens oder der Unversehrtheit einer Zivilperson“ iSd Art. 15 lit. c StatusVO erforderlich ist, müssen Antragsteller nicht beweisen, dass sie aufgrund von Umständen, die mit ihrer persönlichen Situation zusammenhängen, spezifisch betroffen sind. Der Grad willkürlicher Gewalt, mit dem der Antrag begründet werden muss, ist jedoch geringer, wenn die Antragsteller belegen können, dass sie aufgrund von Umständen, die mit ihrer persönlichen Situation zusammenhängen, spezifisch betroffen sind. Darüber hinaus ist eine „ernsthafte individuelle Bedrohung“ ausnahmsweise als festgestellt anzusehen, wenn der den bewaffneten Konflikt kennzeichnende Grad willkürlicher Gewalt ein so hohes Niveau erreicht, dass stichhaltige Gründe für die Annahme bestehen, dass Zivilpersonen bei einer Rückkehr in das Herkunftsland oder den betreffenden Teil des Herkunftslandes allein durch ihre Anwesenheit dort tatsächlich Gefahr liefen, ernsthaften Schaden zu erleiden (Erwägungsgrund Nr. 52; vgl. EuGH 17.02.2009, C-465/07, Elgafaji; vgl. bezogen auf eine Verletzung des Art. 3 EMRK auch EGMR 28.06.2011, Nr. 8319/07, Sufi and Elmi/United Kingdom, Rz. 217 f).
Für die Feststellung, ob eine „ernsthafte individuelle Bedrohung“ gegeben ist, ist eine umfassende Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalls, insbesondere der die Situation des Herkunftslandes des Antragstellers kennzeichnenden Umstände, erforderlich, ohne dass das Verhältnis der Zahl der Opfer in dem betreffenden Gebiet zur Gesamtzahl der Bevölkerung dieses Gebiets eine bestimmte (Mindest-)Schwelle erreichen muss. Als Faktoren bei der Beurteilung der tatsächlichen Gefahr eines ernsthaften Schadens können insbesondere berücksichtigt werden: Die Intensität der bewaffneten Auseinandersetzung, der Organisationsgrad der vorhandenen bewaffneten Streitkräfte, die Dauer des Konflikts, das geographische Ausmaß der Lage willkürlicher Gewalt, der tatsächliche Zielort des Antragstellers bei einer Rückkehr in das betreffende Land oder Gebiet, sowie die Aggression der Konfliktparteien gegen Zivilpersonen, die eventuell mit Absicht erfolgt (vgl. EuGH 10.06.2021, C-901/19, CF und DN; vgl. bezogen auf eine Verletzung des Art. 3 EMRK auch EGMR 28.06.2011, Nr. 8319/07, Sufi and Elmi/United Kingdom, Rz. 241).
3.2.2. In der gegenständlichen Rechtssache konnte kein dem Beschwerdeführer im Falle einer Rückkehr nach Bangladesch drohender ernsthafter Schaden gemäß Art. 15 StatusVO festgestellt werden.
Die beweiswürdigenden Erwägungen haben ergeben, dass ihm dort weder aufgrund seiner vorgebrachten Fluchtgründe und Rückkehrbefürchtungen noch aufgrund der allgemeinen Lage die Verhängung oder Vollstreckung der Todesstrafe, Folter oder unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Bestrafung, oder eine ernsthafte individuelle Bedrohung des Lebens oder der Unversehrtheit als Zivilperson durch willkürliche Gewalt im Rahmen eines internationalen oder innerstaatlichen bewaffneten Konflikts droht.
Dem Beschwerdeführer gelang es nicht, seine Fluchtgründe und Rückkehrbefürchtungen glaubhaft zu machen, weshalb aus diesen auch keine Gefahr eines ernsthaften Schadens abgeleitet werden kann.
Auch die allgemeine Sicherheitslage in Bangladesch lässt nicht darauf schließen, dass der Beschwerdeführer als Zivilperson durch seine bloße Anwesenheit einer ernsthaften individuellen Bedrohung seines Lebens oder seiner Unversehrtheit durch willkürliche Gewalt im Rahmen eines internationalen oder innerstaatlichen bewaffneten Konflikts ausgesetzt ist.
Ebenso wenig läuft der Beschwerdeführer in Anbetracht der allgemeinen Versorgungslage und seiner individuellen Umstände Gefahr, in Bangladesch in eine materiell existenzbedrohende Situation zu geraten, welche als unmenschliche Behandlung zu charakterisieren wäre:
Im Hinblick auf die Feststellungen zur allgemeinen Situation ist die Grundversorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln gewährleistet, weshalb der in Bangladesch aufgewachsene Beschwerdeführer im Falle einer Rückkehr in keine ausweglose Lage geriete. Beim Beschwerdeführer handelt es sich um einen erwachsenen Mann, bei dem die grundsätzliche Teilnahmemöglichkeit am Erwerbsleben vorausgesetzt werden kann. Er verfügt darüber hinaus über eine Schulbildung, besuchte ein College und kann einen Bachelor-Abschluss vorweisen. Zudem unterstützte er seinen Vater beim Betrieb eines Natursteinhandels, wodurch er auch über Arbeitserfahrung verfügt. Der Beschwerdeführer wird daher im Herkunftsstaat in der Lage sein, zumindest durch Gelegenheitsarbeiten ein ausreichendes Einkommen zu erwirtschaften. Zudem lebt die Kernfamilie des Beschwerdeführers nach wie vor in Bangladesch, mit der er in Kontakt steht und von der anzunehmen ist, dass diese den Beschwerdeführer im Falle einer Rückkehr finanziell unterstützen kann und würde.
Hinsichtlich der vom Beschwerdeführer angegebenen psychischen Probleme ist zunächst darauf hinzuweisen, dass eine akut lebensbedrohende Krankheit des Beschwerdeführers, welche seine Überstellung nach Bangladesch gemäß der oben dargestellten Judikatur des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte unzulässig machen würde, im konkreten Fall jedenfalls nicht vorliegt (s.a. VwGH 24.01.2024, Ra 2021/20/0031, betreffend die fehlende Relevanz einer Posttraumatischen Belastungsstörung, sowie VwGH 25.04.2022, Ra 2022/20/0044, betreffend das Vorliegen einer rezidivierenden depressiven Störung mittleren Grades). Zudem ist in Bangladesch ist eine medizinische Grundversorgung gewährleistet bzw. sind psychische Erkrankungen insbesondere in Dhaka grundsätzlich behandelbar. Dass die diesbezüglichen Behandlungsmöglichkeiten im Zielland allenfalls schlechter sind als im Aufenthaltsland, und (allfällig) „erhebliche Kosten“ verursachen, ist gemäß der angeführten Rechtsprechung nicht ausschlaggebend. Der Beschwerdeführer hätte bei seiner Rückkehr nach Bangladesch auch Zugang zu einer medizinischen Versorgung.
Mangels ernsthaften Schadens bedarf es keiner weiteren Prüfung der Zurechnung zu einem Akteur nach Art. 6 StatusVO.
Die Prüfung der maßgeblichen Kriterien führt somit zum Ergebnis, dass die Voraussetzungen für die Zuerkennung des Status subsidiären Schutzes nicht erfüllt sind, weshalb die Beschwerde hinsichtlich Spruchpunkt II. des angefochtenen Bescheides als unbegründet abzuweisen ist.
3.3. Zur Nichterteilung eines „Aufenthaltstitels aus Gründen des Art. 2 oder 3 EMRK“ gemäß § 54a AsylG 2005:
Gemäß § 75 Abs. 32 AsylG 2005 hat das Bundesverwaltungsgericht bei Nichtzuerkennung des Status subsidiären Schutzes die Erteilung eines Aufenthaltstitels gemäß § 54a AsylG 2005 von Amts wegen zu prüfen.
Der mit „Aufenthaltstitel aus Gründen des Art. 2 oder 3 EMRK“ betitelte § 54a Abs. 1 AsylG 2005 sieht vor, dass einem im Bundesgebiet aufhältigen Drittstaatsangehörigen eine „Aufenthaltsberechtigung plus“ von Amts wegen zu erteilen ist, wenn dessen Abschiebung in das Herkunftsland gemäß § 50 Abs. 1 FPG nicht bloß vorübergehend unzulässig wäre. Dies gilt nicht, wenn der Drittstaatsangehörige gemäß Art. 17 StatusVO von der Zuerkennung subsidiären Schutzes ausgeschlossen ist.
Die Erläuterungen zum AMPAG (ErlRV 444 BlgNR XXVIII. GP, 39 f.) führen dazu aus, dass die Schaffung des neuen „Aufenthaltstitels aus Gründen des Art. 2 oder 3 EMRK“ vor dem Hintergrund der Umsetzung des Urteils des EuGH vom 18.12.2014, C-542/13, M’Bodj erfolge. Bislang erhielten Personen, denen im Herkunftsland eine reale Gefahr der Verletzung der Art. 2 oder 3 EMRK (Recht auf Leben und Verbot der Folter) drohte, gemäß § 8 Abs. 1 AsylG 2005 den Status subsidiären Schutzes, selbst wenn die Gefährdung nicht von einem Dritten (Akteur) ausging. So etwa im Falle allgemeiner Unzulänglichkeiten im Herkunftsland, zB wegen unzureichender medizinischer Versorgung oder Umweltkatastrophen wie Dürre. Der EuGH stellte im genannten Urteil jedoch klar, dass zur Erteilung des Status subsidiären Schutzes die Gefahr eines ernsthaften Schadens im Herkunftsland immer auf das Verhalten eines Akteurs zurückzuführen sein müsse. Grundlegende Missstände, zB in der medizinischen Versorgung, wenn sie dem Fremden nicht vorsätzlich von einem Akteur gemäß Art. 6 StatusVO verweigert wird, seien daher nicht vom subsidiären Schutz iSd StatusVO erfasst.
Dem Beschwerdeführer droht aus den bereits oben ausgeführten Gründen in seinem Herkunftsland kein ernsthafter Schaden.
Die Definition des ernsthaften Schadens entspricht den Art. 2 EMRK (Recht auf Leben) und Art. 3 EMRK (Verbot von Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung), weshalb im Fall des Beschwerdeführers auch keine Verletzung von Art. 2 oder Art. 3 EMRK droht und somit seine Abschiebung in sein Herkunftsland gemäß § 50 Abs. 1 FPG auch nicht bloß vorübergehend unzulässig wäre.
Aus diesem Grund ist dem Beschwerdeführer mangels Vorliegens der Voraussetzungen kein Aufenthaltstitel gemäß § 54a Abs. 1 AsylG 2005 zu erteilen.
3.4. Zur Beschwerde gegen Spruchpunkt III. des angefochtenen Bescheides (Nichterteilung eines Aufenthaltstitel aus berücksichtigungswürdigen Gründen gemäß § 57 AsylG 2005):
Gemäß § 57 Abs. 1 AsylG 2005 ist im Bundesgebiet aufhältigen Drittstaatsangehörigen von Amts wegen oder auf begründeten Antrag eine „Aufenthaltsberechtigung besonderer Schutz“ zu erteilen:
„1. wenn der Aufenthalt des Drittstaatsangehörigen im Bundesgebiet gemäß § 46a Abs. 1 Z 1 oder Abs. 1a FPG seit mindestens einem Jahr geduldet ist und die Voraussetzungen dafür weiterhin vorliegen, es sei denn, der Drittstaatsangehörige stellt eine Gefahr für die Allgemeinheit oder Sicherheit der Republik Österreich dar oder wurde von einem inländischen Gericht wegen eines Verbrechens (§ 17 StGB) rechtskräftig verurteilt. Einer Verurteilung durch ein inländisches Gericht ist eine Verurteilung durch ein ausländisches Gericht gleichzuhalten, die den Voraussetzungen des § 73 StGB entspricht,
2. zur Gewährleistung der Strafverfolgung von gerichtlich strafbaren Handlungen oder zur Geltendmachung und Durchsetzung von zivilrechtlichen Ansprüchen im Zusammenhang mit solchen strafbaren Handlungen, insbesondere an Zeugen oder Opfer von Menschenhandel oder grenzüberschreitendem Prostitutionshandel oder
3. wenn der Drittstaatsangehörige, der im Bundesgebiet nicht rechtmäßig aufhältig oder nicht niedergelassen ist, Opfer von Gewalt wurde, eine einstweilige Verfügung nach §§ 382b oder 382e EO, RGBl. Nr. 79/1896, erlassen wurde oder erlassen hätte werden können und der Drittstaatsangehörige glaubhaft macht, dass die Erteilung der „Aufenthaltsberechtigung besonderer Schutz“ zum Schutz vor weiterer Gewalt erforderlich ist.“
Der Aufenthalt des Beschwerdeführers im Bundesgebiet ist nicht geduldet. Er ist weder Zeuge noch Opfer von strafbaren Handlungen und auch kein Opfer von Gewalt. Die Voraussetzungen für die amtswegige Erteilung eines Aufenthaltstitels gemäß § 57 AsylG 2005 liegen daher nicht vor, wobei dies weder im Verfahren noch in der Beschwerde auch nur behauptet wurde.
Da somit die Voraussetzungen für die Erteilung eines Aufenthaltstitels nach § 57 AsylG 2005 nicht gegeben sind, ist die Beschwerde gegen Spruchpunkt III. des angefochtenen Bescheides als unbegründet abzuweisen.
3.5. Zur Beschwerde gegen Spruchpunkt IV. des angefochtenen Bescheides (Erlassung einer Rückkehrentscheidung):
3.5.1. Gemäß § 125 Abs. 32 FPG richtet sich in Asylverfahren, auf die § 75 Abs. 32 AsylG 2005 anzuwenden ist, die Verbindung der verfahrensabschließenden Entscheidung mit einer aufenthaltsbeendenden Maßnahme nach § 52 Abs. 2 Z 1 und 2 in der Fassung vor Inkrafttreten des Asyl- und Migrationspakt-Anpassungsgesetzes (AMPAG).
Gemäß § 52 Abs. 2 Z 2 FPG idF vor Inkrafttreten des AMPAG hat das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl gegen einen Drittstaatsangehörigen unter einem (§ 10 AsylG 2005) mit Bescheid eine Rückkehrentscheidung zu erlassen, wenn dessen Antrag auf internationalen Schutz sowohl bezüglich der Zuerkennung des Status des Asylberechtigten als auch der Zuerkennung des Status des subsidiär Schutzberechtigten abgewiesen wird und ihm kein Aufenthaltsrecht nach anderen Bundesgesetzen zukommt. Dies gilt nicht für begünstigte Drittstaatsangehörige.
Der Beschwerdeführer ist kein begünstigter Drittstaatsangehöriger und es kommt ihm auch kein Aufenthaltsrecht nach anderen Bundesgesetzen zu.
3.5.2. Wird durch eine aufenthaltsbeendende Maßnahme in das Privat- oder Familienleben des Fremden eingegriffen, so ist gemäß § 9 Abs. 1 BFA-VG die Erlassung der Entscheidung zulässig, wenn dies zur Erreichung der im Art. 8 Abs. 2 EMRK genannten Ziele dringend geboten ist.
Nach Art. 8 Abs. 2 EMRK ist der Eingriff in die Ausübung des Rechts auf Privat- und Familienleben nur statthaft, insoweit dieser Eingriff gesetzlich vorgesehen ist und eine Maßnahme darstellt, die in einer demokratischen Gesellschaft für die nationale Sicherheit, die öffentliche Ruhe und Ordnung, das wirtschaftliche Wohl des Landes, die Verteidigung der Ordnung und zur Verhinderung von strafbaren Handlungen, zum Schutze der Gesundheit und der Moral oder zum Schutz der Rechte und Freiheiten anderer notwendig ist.
Gemäß § 9 Abs. 2 BFA-VG sind bei der Beurteilung des Privat- und Familienlebens im Sinne des Art. 8 EMRK insbesondere zu berücksichtigen: die Art und Dauer des bisherigen Aufenthaltes und die Frage, ob der bisherige Aufenthalt des Fremden rechtswidrig war (Z 1), das tatsächliche Bestehen eines Familienlebens (Z 2), die Schutzwürdigkeit des Privatlebens (Z 3), der Grad der Integration (Z 4), die Bindungen zum Heimatstaat des Fremden (Z 5), die strafgerichtliche Unbescholtenheit (Z 6), Verstöße gegen die öffentliche Ordnung, insbesondere im Bereich des Asyl-, Fremdenpolizei- und Einwanderungsrechts (Z 7), die Frage, ob das Privat- und Familienleben des Fremden in einem Zeitpunkt entstand, in dem sich die Beteiligten ihres unsicheren Aufenthaltsstatus bewusst waren (Z 8) und die Frage, ob die Dauer des bisherigen Aufenthaltes des Fremden in den Behörden zurechenbaren überlangen Verzögerungen begründet ist (Z 9).
Über die Zulässigkeit der aufenthaltsbeendenden Maßnahme ist jedenfalls begründet, insbesondere im Hinblick darauf, ob diese auf Dauer unzulässig ist, abzusprechen. Die Unzulässigkeit einer aufenthaltsbeendenden Maßnahme ist nur dann auf Dauer, wenn die ansonsten drohende Verletzung des Privat- und Familienlebens auf Umständen beruht, die ihrem Wesen nach nicht bloß vorübergehend sind.
3.5.3. Der Begriff des „Familienlebens“ in Art. 8 EMRK umfasst nicht nur die Kleinfamilie von Eltern und (minderjährigen) Kindern und Ehegatten, sondern auch entferntere verwandtschaftliche Beziehungen, sofern diese Beziehungen eine gewisse Intensität aufweisen, etwa wenn ein gemeinsamer Haushalt vorliegt.
Der erwachsene Beschwerdeführer ist ledig, hat keine Kinder und lebt in keiner Ehe, eheähnlichen Beziehung oder in einer dem gleichkommenden Partnerschaft. Es besteht somit kein Familienleben im Sinne des Art. 8 EMRK in Österreich, weshalb die Rückkehrentscheidung nicht in das Recht auf Achtung des Familienlebens eingreifen würde.
3.5.4. Unter dem Privatleben sind nach der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte persönliche, soziale und wirtschaftliche Beziehungen, die für das Privatleben eines jeden Menschen konstitutiv sind, zu verstehen (vgl. EGMR 16.06.2005, Fall Sisojeva ua, Appl 60.654/00, EuGRZ 2006, 554). In diesem Zusammenhang kommt dem Grad der sozialen Integration des Betroffenen eine wichtige Bedeutung zu. Die persönlichen Interessen nehmen dabei zwar mit der Dauer des bisherigen Aufenthalts des Fremden zu, die bloße Aufenthaltsdauer allein ist jedoch nicht maßgeblich, sondern ist vor allem anhand der jeweiligen Umstände des Einzelfalles zu prüfen, inwieweit der Fremde die in Österreich verbrachte Zeit dazu genützt hat, sich sozial und beruflich zu integrieren (VwGH 28.09.2020, Ra 2020/20/0348).
Im vorliegenden Fall fällt die gemäß Art 8 Abs. 2 EMRK gebotene Abwägung nach Ansicht des Bundesverwaltungsgerichtes insgesamt zu Lasten des Beschwerdeführers aus. Die Rückkehrentscheidung stellt keinen unzulässigen Eingriff im Sinne des Art. 8 Abs. 2 EMRK dar:
Der Beschwerdeführer reiste illegal nach Österreich ein und stellte in weiterer Folge im Juli 2022 einen Antrag auf internationalen Schutz. Er verfügte nie über ein Aufenthaltsrecht außerhalb des bloß vorübergehenden Aufenthaltsrechts in seinem Asylverfahren (vgl. dazu EGMR 08.04.2008, 21878/06, Nnyanzi/Vereinigte Königreich, demzufolge der Gerichtshof es nicht erforderlich erachtete, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, ob während des fast zehnjährigen Aufenthalts des betreffenden Beschwerdeführers ein Privatleben im Sinne des Art. 8 EMRK entstanden ist).
Das Gewicht des bestehenden Privatlebens wird damit vor allem auch dadurch erheblich gemindert, dass die Begründung des Privatlebens zu einem Zeitpunkt erfolgt ist, als der Beschwerdeführer sich seines unsicheren Aufenthaltes bewusst sein musste.
Außerdem geht der Verwaltungsgerichtshof bei einem dreieinhalbjährigen Aufenthalt im Allgemeinen von einer eher kürzeren Aufenthaltsdauer aus (vgl. Chvosta, ÖJZ 2007/74 unter Hinweis auf die VwGH 08.03.2005,2004/18/0354;27.03.2007,2005/21/0378), und geht im Erkenntnis vom 26.06.2007, 2007/01/0479, davon aus, „dass der Aufenthalt im Bundesgebiet in der Dauer von drei Jahren […] jedenfalls nicht so lange ist, dass daraus eine rechtlich relevante Bindung zum Aufenthaltsstaat abgeleitet werden könnte“. Darüber hinaus hat der Verwaltungsgerichthof bereits mehrfach zum Ausdruck gebracht, dass einer Aufenthaltsdauer von weniger als fünf Jahren für sich betrachtet noch keine maßgebliche Bedeutung für die durchzuführende Interessenabwägung zukommt (vgl. VwGH 30.07.2015, Ra 2014/22/0055 ua. mwH).
Die Aufenthaltsdauer des Beschwerdeführers in Österreich seit seiner Einreise beträgt ungefähr vier Jahre und ist somit in diesem Sinne als eher kurz zu bewerten. Aufgrund dessen kommt der Aufenthaltsdauer nur geringes Gewicht zu.
Der Beschwerdeführer bezieht Leistungen aus der Grundversorgung, besuchte Deutschkurse, arbeitet ehrenamtlich, baute sich einen Freundes- und Bekanntenkreis auf und ist Mitglied in Vereinen. Sonstige konkrete Hinweise auf eine zum Entscheidungszeitpunkt vorliegende Integration des Beschwerdeführers in sprachlicher, beruflicher und gesellschaftlicher Hinsicht sind nicht hervorgekommen.
Die Unbescholtenheit des Beschwerdeführers fällt bei der vorzunehmenden Abwägung nach der Judikatur des Verwaltungsgerichtshofes nicht ins Gewicht. Laut Judikatur bewirkt die strafrechtliche Unbescholtenheit weder eine Stärkung der persönlichen Interessen noch eine Schwächung der öffentlichen Interessen (vgl. VwGH 21.01.1999, 98/18/0424). Der Verwaltungsgerichtshof geht wohl davon aus, dass es von einem Fremden, welcher sich im Bundesgebiet aufhält als selbstverständlich anzunehmen ist, dass er die geltenden Rechtsvorschriften einhält.
Vor diesem Hintergrund kann im vorliegenden Fall nicht angenommen werden, dass in Bezug auf die im Bundesgebiet erlange Integration eine „außergewöhnliche Konstellation“ vorliegt (vgl. VwGH 16.7.2020, Ra 2020/21/0133; VwGH 16.2.2021, Ra 2019/19/0440).
Nach Maßgabe dieser Interessensabwägung im Sinne des § 9 BFA-VG ist daher davon auszugehen, dass das öffentliche Interesse an der Einhaltung der die Einreise und den Aufenthalt von Fremden regelnden Bestimmungen und an der Beendigung des Aufenthalts des Beschwerdeführers im Bundesgebiet das persönliche Interesse des Beschwerdeführers am Verbleib im Bundesgebiet überwiegt und durch die angeordnete Rückkehrentscheidung eine Verletzung des Art. 8 EMRK nicht vorliegt.
Die Beschwerde gegen Spruchpunkt IV. des angefochtenen Bescheides ist somit als unbegründet abzuweisen.
3.6. Zur Beschwerde gegen Spruchpunkt V. des angefochtenen Bescheides (Zulässigkeit der Abschiebung):
Mangels einer Übergangsbestimmung ist § 52 Abs. 9 FPG in der Fassung BGBl. I 39/2026 anzuwenden. Demnach ist mit der Rückkehrentscheidung gleichzeitig festzustellen, dass die Abschiebung des Drittstaatsangehörigen gemäß § 46 FPG in einen oder mehrere bestimmte Staaten zulässig ist. Dies gilt nicht, wenn die Feststellung des Drittstaates, in den der Drittstaatsangehörige abgeschoben werden soll, aus vom Drittstaatsangehörigen zu vertretenden Gründen nicht möglich ist.
Diesbezüglich hat der VwGH bereits festgehalten, dass für die Feststellung der Zulässigkeit der Abschiebung nicht das Vorliegen der Voraussetzungen des § 46 FPG gegeben sein müsse. Gemeint sei vielmehr, ob der genannten Feststellung ein „Verbot der Abschiebung“ iSd § 50 FPG, insbesondere unter dem Gesichtspunkt des Art. 3 EMRK, entgegenstehe (vgl. VwGH 15.09.2016, Ra 2016/21/0234, Rz 13).
Weiters stellt der VwGH in seiner Rechtsprechung bereits klar, dass die Feststellung über die Zulässigkeit der Abschiebung nur die Konsequenz der Nichtgewährung von Asyl und von subsidiärem Schutz ist und ihr demnach nur die Funktion zukommt, den Zielstaat der Abschiebung festzulegen (vgl. VwGH 08.05.2025, Ra 2024/21/0151 mwN).
Infolge der Ablehnung des Antrags auf internationalen Schutz sowie der Nichterteilung des Aufenthaltstitels nach § 54a AsylG 2005 und der dabei erfolgten Prüfung einer Gefährdung des Beschwerdeführers, ist somit die Zulässigkeit seiner Abschiebung nach Bangladesch festzustellen. Im Sinne des § 50 Abs. 3 FPG steht der Abschiebung auch keine Empfehlung einer vorläufigen Maßnahme durch den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte entgegen.
Daher ist die Beschwerde gegen Spruchpunkt V. des angefochtenen Bescheides als unbegründet abzuweisen.
3.7. Zur Beschwerde gegen Spruchpunkt VI. des angefochtenen Bescheides (Frist für die freiwillige Ausreise):
Mangels einer Übergangsbestimmung ist § 55 FPG in der Fassung BGBl. I 39/2026 anzuwenden. Demnach wird mit einer Rückkehrentscheidung zugleich eine Frist für die freiwillige Ausreise eingeräumt. Die Frist für die freiwillige Ausreise beträgt nach § 55 Abs. 2 FPG 14 Tage ab Durchsetzbarkeit der Rückkehrentscheidung oder, wenn die Durchsetzbarkeit gemäß § 59 Abs. 2 oder 4 FPG aufgeschoben ist, ab Wegfall des Aufschiebungsgrundes. Bei Überwiegen besonderer Umstände, die der Drittstaatsangehörige bei der Regelung seiner persönlichen Verhältnisse zu berücksichtigen hat, kann die Frist gemäß § 55 Abs. 3 FPG für die freiwillige Ausreise einmalig mit einem längeren Zeitraum als 14 Tage festgesetzt werden. Diese Umstände sind vom Drittstaatsangehörigen unter Bekanntgabe eines Ausreisetermins nachzuweisen.
Derartige Gründe wurden im Verfahren nicht vorgebracht und es liegen auch keine Anhaltspunkte vor, die eine längere Frist erforderlich machen würden.
Da somit die Voraussetzungen für die gesetzte 14-tägige Frist für die freiwillige Ausreise vorliegen, ist auch die Beschwerde gegen Spruchpunkt VI. des angefochtenen Bescheides als unbegründet abzuweisen.
Es ist daher insgesamt spruchgemäß zu entscheiden.
Da § 12 BFA-VG idF BGBl. I 39/2026 gemäß § 58 Abs. 8 BFA-VG auch in den am 12.06.2026 beim Bundesverwaltungsgericht anhängigen Verfahren anzuwenden ist und dieser eine Übersetzung von Spruch und Rechtsmittelbelehrung einer Entscheidung des BVwG nicht mehr vorsieht, kann von einer Übersetzung des Spruchs und der Rechtsmittelbelehrung abgesehen werden.
Zu B)
Gemäß § 25a Abs. 1 VwGG hat das Verwaltungsgericht im Spruch seines Erkenntnisses oder Beschlusses auszusprechen, ob die Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG zulässig ist. Der Ausspruch ist kurz zu begründen. Die Revision ist gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird.
Die Revision ist im vorliegenden Fall gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zulässig, weil die Entscheidung nicht von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt. Weder weicht die gegenständliche Entscheidung von der bisherigen Judikatur des Verwaltungsgerichtshofes ab noch ist die vorliegende Rechtsprechung des Gerichtshofes als uneinheitlich zu beurteilen. Zwar ist Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes zu den entscheidungsrelevanten Bestimmungen der Statusverordnung und des Asylgesetzes 2005 idF BGBl. I 39/2026 noch nicht vorhanden. Diese Bestimmungen sind im Lichte des vorliegenden Falles, in dem primär beweiswürdigende Überlegungen zum geltend gemachten Fluchtgrund anzustellen waren, allerdings nicht näher auslegungsbedürftig bzw. lassen sich die sich stellenden Fragen eindeutig aus ihnen beantworten. Wenn die Rechtslage nach den in Betracht kommenden Normen – wie im vorliegenden Fall – klar und eindeutig ist, liegt eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung im Sinne des Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht vor, und zwar selbst dann nicht, wenn zu einer der anzuwendenden Normen noch keine Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes ergangen ist (VwGH 14.04.2021, Ra 2019/06/0167; VwGH 14.08.2020, Ro 2020/06/0006, jeweils mwN).
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