Art. 48 Civil Status and Marriage Act; Art. 54 Federal Constitution; remarriage waiting period after divorce. A waiting period may be imposed only on the culpable spouse and only within the statutory limits. Where divorce is granted solely for the husband's adultery, the innocent wife remains bound only by the statutory 300-day period under Art. 28 a.E. and may not be subjected to a longer judicial waiting period. A judgment clause imposing such a burden without legal basis is an arbitrary restriction of the constitutional right to marry and is void. Because the waiting-period rule serves a public-law interest, its unconstitutional application may be challenged even if no earlier ordinary appeal was filed; the clause is subject to annulment at any time (consid. 1-4).
beschränken, daß sie auch demjenigen Ehegatten, welcher, nach der eigenen Feststellung des Urtheils, die Scheidung nicht verschuldet hat, im Widerspruch mit Gesetz und Verfassung eine Wartefrist auflegen. Eine Urtheilsbestimmung, durch welche auf solche Weise das in Art. 54 der Bundesverfassung unter den Schutz des Bundes gestellte verfassungsmäßige Recht zur Ehe beeinträchtigt wird, leidet gerade so gut an unheilbarer Nichtigkeit, wie ein Erkenntniß, welches die Wartefrist über die gesetzlich zulässige Dauer von drei Jahren hinaus erstreckt, und kann daher jederzeit auf dem Wege des staatsrechtlichen Rekurses angefochten und vernichtet werden. (Vergl. amtliche Sammlung der bundesgerichtlichen Entscheidungen Bd. II S. 448 Erw. 4 a. E. und S. 203 Erw. 7.) Anders verhält es sich allerdings, wenn es sich bloß um die richtige Anwendung und Auslegung des citirten Art. 48 in dem Sinne handelt, daß die präjudi zielle Frage der Verschuldung oder die Dauer der Wartefrist innert den gesetzlichen Schranken streitig ist. In solchen Fällen kann ein kantonales Urtheil nur nach Maßgabe des Bundesge setzes über Civilstand und Ehe resp. Art. 29 und 30 des Bun desgesetzes über die Organisation der Bundesrechtspflege an das Bundesgericht gezogen werden und zwar in ersterm Falle selbst verständlich nur mit der Hauptsache. Demnach hat das Bundesgericht erkannt: Die Beschwerde ist begründet und demnach das Urtheil des Ehegerichtes des Kantons Appenzell A./Rh. vom 9. März 1877 soweit durch dasselbe auch der Petentin eine Frist zur Wieder verehelichung auferlegt worden, als verfassungswidrig aufgehoben.