Art. 87 Ziff. 1 OG; Beschwerde wegen Anwendung kantonalen oder ausländischen Rechts nur gegen Entscheide in Zivilsachen. Der Begriff des Entscheides in einer Zivilsache setzt voraus, dass über einen zivilrechtlichen Anspruch materiell befunden wird; prozessleitende Verfügungen über Bewilligung oder Verweigerung des Armenrechts betreffen lediglich einen prozessualen Anspruch und sind daher nicht mit zivilrechtlicher Beschwerde anfechtbar. Dass dabei zivilrechtliche Vorfragen zu prüfen sind, ändert an der Natur des angefochtenen Aktes nichts (vgl. Erw. 1).
452 Prozessrecht. N° 56. weil es für dessen Gelten imachung zur Zeit an der not- wendigen Voraussetzung, nämlich an einem Beschlusse des Kleinen Rates, der die Konzession als verwirkt er- klären würde, fehlt. Demnach hat das Bundesgericht erkannt: Auf die Klage wird nicht eingetreten. 56. Orteil der II. Zivilabteilung vom 4. Juli 1917 i. S. Wyss gegen Bern. Unzulässigkeit der zivilrechUichen Beschwerde gegenüber Entscheiden über Bewilligung oder Verweigerung des Armenrechts. Die vorliegende, unter Berufung auf Art. 87 ZifT. 1 OG eingereichte Beschwerde richtet sich gegen einen, angeb- lich um 25. Mai 1917 vom Appellationshof des Kantons Beru gefällten, der Beschwerde nicht beigelegten Ent- scheid über ein von der Beschwerdeführerin in einem Vaterschaftsprozesse gegen Joseph Pinchet gestelltes Armenrechtsgesuch. Nach der Behauptung der Beschwer- deführerin hat der Appellationshof das Armenrechtsgesuch mit folgender Begründung abgewiesen : Aus den Akten scheint sich zu ergeben, dass zur Zeit der Konzipierung des in Frage stehenden Kindes die aussereheliche Mutter und auch der Schwängerer in Mailand domizi- l liert waren. Gemäss Art. 2 Niederlassenengesetz - der auf den vorliegenden Fall per analogiam anzu- ) wenden ist -wäre das Recht des Wohnsitzstaates massgebend (vergl. BG Praxis 2, Nr. 246), also das italienische Recht, nach welchem ein günstiger, Apsgang des von den Gesuchstellern anzuhebenden Va:terschafts- ) prozesses nicht als wahrscheinlich bezeichnet werden ) kann, weil die im italienischen Codice civile statuierten Prozessrecht. N° 5 1. diesbezüglichen Voraussetzungen in casu Hieht zu- treffen. Das Bundesgericht zieht inErwägung: Nach Art. 87 Ziff. 1 OG ist ai zivilrechtliche Be- schwerde wegen Anwendung kantonalen oder auslän- dischen anstatt eidgenössischen Rechts zulässig gegen letztinstanzliche, der Berufung nicht unterliegende Entscheide in Zivilsachen . Nun ist zwar durch den bundesgerichtlichen Plenarentscheid vom 16. November
i. S. Siegenthaler gegen Stofer (AS 41 II Nr. 101) der hier verwendete Ausdruck. Entscheide in Zivilsachen dahin interpretierl worden, dass es sich nicht um einen Entscheid der sog. streit.igen Gerichtsbarkeit zu handeln brauche, sondern dass die Beschwerde auch gegen Ent- scheide der sog. freiwilligen Gerichtsbarkeit, sowie genell Administrativentscheide zulässig sei. Daraus folgt lll- dessen nicht, dass auch blosse prozessleitende Dek:ete, als welche die Beschlüsse über Bewilligung oder VerweIgerung des Annenrechts erscheinen, als Entscheide in Zivil- sachen im Sinne des Art. 87 OG zu betrachten SeieIl. Der Begriff des Entscheides in einer Zivilsache sntzt voraus, dass, wenn auch nicht notwendig in Form e.mes gerichtlichen Ur t eil s , so doch immerhin ber emen z i v i Ire c 11 t 1 ich e 11 A 11 S P r u c h entschIeden wor- den sei (wie z. B. in dem angeführten Falle : über den v? Beschwerdebeklagten erhobenen Anspruch auf wIlh gung eines Notwegrechts). Ein Entscheid übe:' BewIlhgun oder Verweigerung des Armenrechts stellt sIch lUn aber nicht als Entscheid über einen z i v i Ire c h t 11 ehe n , sondern höchstens als solcher über einen pro z e s s - I' e c h t I ich e II Anspru,ch dar. Er erscheint. daher ebensowenig als ein Entscheid in Zivilsachen , w. 1e z. B. nach BGE 42 II NI'. 83 die Bewilligung oder VerweIgerung der definitiven oder provisorischen R e c 11 t .s ö.f nun g. Dass dabei zivilrechtliche Fragen von präjudIZIeller Be- AS 43 II -1 117
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deu tung sein können (wie z. B. gerade der vorliegel1dc I'all zeigt) ändert nichts an der Natur des Entscheides als solchen. Demnach hat das Bundesgericht erkannt: uf die Beschwerde wird nicht eingetreten. 57. Arrit de 1a. IIrne Seetion civile du 4 juillet 1917 dans Ia cause dame BosaUe Zwahlen-Bartlome, demanderesse, eontre Hans Zwahlen, defendeur. OJF art. 56 ct SS. -Inadmissibilile d'un recours en reforme interjete par Ie plaideur auquel I'instance cantonale a accorde toutes ses conclusions. -Application de ce prin- 'ipe en matiere de divorce. A. -Par jugement du 5 mai 1917 depose le 12 du meme mois, le Tribunal cantonal de Neuchätel a prononce, aux torts du defendeur, Ie divorce entre la recourante dame Hosalie Zwahlen ure Bartlome au Locle et son mari Hans Zwahlell, restaurateur eIl' cette ville; ce dernier avait du reste acquiesce aux conclusions prises par sa femme. Les trois enfants issus du mariage ont ete remis leur nHnrc a laquelle le defendeur etait condamne a payer une pension alimentaire de 20 fr. par mois et par l'ufant. Le 15 mai 1917, soit quelques jours apres le depöt du jugement au greffe, Ie defendeur Hans Zwahlen est (hncede a Lohnstorf (eanton de Berne). B. --Par memoire du 29 mai 1917, dame Rosalie Zwahlen IHne Bartlome adepose au greife du Tribunal nl.lltonal de Neuchatel une (declaration ecrite de recours t'1l röfol'me au Tribunal ft'.dcral dans laquelle elle expose que k th'ces dc Zwahlen rend impossible Ia confirmatioll du jugemcnl a l'egard d'un conjoillt decede et qu'elle ades inlerets d'ordre finallcier el moral a ce que le mariage
prenne fin plutöt par la mort de son cOlljoint que ar le divoree. Elle annonce en eonsequellce aUaquer le Juge- ment du 5 juin ( avant qu'il soit devenu definitif et demande au Tribunal federaI de reconnaltre qu'iI n'y a pas lieu de confirmer la rupture des liens matrimoniaux par le divorce, le mariage etant dissous par la mort .du defendeur. Sur demande du President de la IIe seCbOll civile du Tribunal federal, la recourante a annonce, par leUre du 11 juinl917, que sa declaration doit etre inter- prHee comme impliquant desistement des. eonclusinns en divorce renfermees dans sa demallde mtroducbve d'instanee. Statuant sur ces faits ct eonsidcrant en droit: