Non-entry on subsidiarity constitutional complaint for insufficient reasoning

5D_123/2011Bundesgericht / II. zivilrechtliche Abteilung21.07.2011Inadmissible

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Supreme Court held that the subsidiarity constitutional complaint was inadmissible to the extent it attacked the first-instance foreclosure judgment and the earlier advance-payment request. As to the challenged cantonal order requiring a CHF 375 advance for the appeal, the appellant did not adequately substantiate any violation of constitutional rights. The court also noted abusive litigation behavior. The request for free legal aid was denied because the complaint was hopeless, and court costs of CHF 100 were charged to the appellant.

Omnilex-Regeste

Art. 113 ff. BGG, Art. 116 BGG, Art. 106 Abs. 2 BGG; subsidiarity constitutional complaint against a cantonal order requiring payment of an advance on costs. Such a complaint lies only against final cantonal decisions and is inadmissible against first-instance decisions or earlier procedural steps. The complaint must, under the strict substantiation requirement, identify the constitutional rights allegedly violated and demonstrate the violation in a manner referable to the impugned cantonal decision; mere invocation of constitutional or convention guarantees is insufficient (consid. 1). Manifestly unsubstantiated and abusive submissions justify non-entry under Art. 108 Abs. 1 lit. b and c BGG; hopelessness excludes free legal aid under Art. 64 Abs. 1 BGG, and costs follow the losing party under Art. 66 Abs. 1 BGG.

Gesamter Gesetzestext

{T 0/2}
5D_123/2011

Urteil vom 21. Juli 2011
II. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichterin Hohl, Präsidentin,
Gerichtsschreiber Füllemann.

Verfahrensbeteiligte
X.________,
Beschwerdeführer,

gegen

  1. Kanton Aargau,
  2. Einwohnergemeinde Y.________,
  3. Römisch katholische Kirchgemeinde Y.________,
  4. Reformierte Kirchgemeinde Y.________,
    alle 4 vertreten durch die Finanzverwaltung der Gemeinde Y.________,
    Beschwerdegegner.

Gegenstand
Aufforderung zur Leistung eines Kostenvorschusses (für eine Beschwerde gegen einen Entscheid betreffend definitive Rechtsöffnung),

Verfassungsbeschwerde gegen die Verfügung vom 16. Juni 2011 des Obergerichts des Kantons Aargau (Instruktionsrichter des Zivilgerichts, 4. Kammer).

Nach Einsicht
in die Verfassungsbeschwerde gegen die Verfügung (ZSU.2011.113/pv) vom 16. Juni 2011 des Obergerichts des Kantons Aargau, das den Beschwerdeführer (für seine Beschwerde gegen einen erstinstanzlichen Entscheid betreffend definitive Rechtsöffnung für Steuerforderungen) gestützt auf Art. 98 und 101 Abs. 3 ZPO (unter Androhung des Nichteintretens bei Säumnis) zur Leistung eines Kostenvorschusses von Fr. 375.-- innerhalb einer letzten Frist von 10 Tagen seit Zustellung aufgefordert hat,
in das sinngemässe Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege für das bundesgerichtliche Verfahren,

in Erwägung,
dass gegen die in einer vermögensrechtlichen Angelegenheit ergangene Verfügung des Obergerichts mangels Erreichens der Streitwertgrenze (Art. 74 Abs. 1 lit. b BGG) und mangels Vorliegens einer Ausnahme gemäss Art. 74 Abs. 2 BGG allein die subsidiäre Verfassungsbeschwerde nach Art. 113 ff. BGG offen steht, weshalb die Eingabe des Beschwerdeführers als solche entgegengenommen worden ist,
dass die Verfassungsbeschwerde, die sich nur gegen letztinstanzliche kantonale Entscheide richten kann (Art. 113 BGG), zum Vornherein unzulässig ist, soweit der Beschwerdeführer auch den erstinstanzlichen Rechtsöffnungsentscheid anficht,
dass die Verfassungsbeschwerde ebenso unzulässig ist, soweit der Beschwerdeführer die erste Aufforderung zur Leistung des Kostenvorschusses beanstandet (Art. 100 Abs. 1 BGG),
dass sodann in einer subsidiären Verfassungsbeschwerde die Rüge der Verletzung verfassungsmässiger Rechte vorzubringen und zu begründen (Art. 117 i.V.m. Art. 106 Abs. 2 BGG sowie Art. 116 BGG), d.h. anhand des kantonalen Entscheids klar und detailliert darzulegen ist, welche verfassungsmässigen Rechte und inwiefern sie durch diesen Entscheid verletzt sein sollen (BGE 133 II 396 E. 3.1 S. 399), ansonst auf die Beschwerde nicht eingetreten wird (Art. 117 i.V.m. Art. 108 Abs. 1 lit. b BGG),
dass zwar der Beschwerdeführer in seiner Eingabe an das Bundesgericht eine Reihe von Bestimmungen u.a. der BV und der EMRK anruft und die Kostenvorschusspflicht bestreitet,
dass er jedoch nicht in nachvollziehbarer Weise dartut, welche verfassungsmässigen Rechte und inwiefern sie durch die auf der ausdrücklichen Gesetzesvorschrift der Art. 98 und 101 Abs. 3 ZPO beruhende Aufforderung zur Leistung eines Kostenvorschusses verletzt sein sollen,
dass insbesondere weder behauptet wird noch ersichtlich ist, dass der Beschwerdeführer bereits im obergerichtlichen Verfahren um die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ersucht hätte,
dass der Beschwerdeführer ausserdem missbräuchlich prozessiert (Art. 42 Abs. 7 BGG),
dass somit auf die - offensichtlich keine hinreichende Begründung enthaltende und überdies missbräuchliche - Verfassungsbeschwerde in Anwendung von Art. 117 i.V.m. Art 108 Abs. 1 lit. b und c BGG nicht einzutreten ist,
dass dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege für das bundesgerichtliche Verfahren in Anbetracht der Aussichtslosigkeit der Verfassungsbeschwerde nicht gewährt werden kann (Art. 64 Abs. 1 BGG),
dass der unterliegende Beschwerdeführer kostenpflichtig wird (Art. 66 Abs. 1 BGG),
dass in den Fällen des Art. 117 i.V.m. Art. 108 Abs. 1 BGG das vereinfachte Verfahren zum Zuge kommt und die Abteilungspräsidentin zuständig ist,
dass sich das Bundesgericht in dieser Sache vorbehält, allfällige weitere Eingaben in der Art der bisherigen, namentlich missbräuchliche Revisionsgesuche ohne Antwort abzulegen,

erkennt die Präsidentin:

1.
Auf die Verfassungsbeschwerde wird nicht eingetreten.

2.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen.

3.
Die Gerichtskosten von Fr. 100.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Aargau schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 21. Juli 2011
Im Namen der II. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Die Präsidentin: Der Gerichtsschreiber:

Hohl Füllemann

Schlagwörter

constitutional complaintinadmissibilitysubstantiationadvance paymentfree legal aidcourt costsabusive litigation

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the subsidiarity constitutional complaint against the cantonal order was admissible despite challenging the first-instance foreclosure decision and the earlier advance-payment request.

Extrahierter Entscheid

The complaint was inadmissible insofar as it attacked the first-instance foreclosure decision and the earlier advance-payment request; only the final cantonal decision could be challenged.

Extrahierte Begründung

A subsidiarity constitutional complaint may only be directed against final cantonal decisions; earlier procedural steps or first-instance judgments are not directly reviewable.

Kernrechtsfrage

Whether the appellant sufficiently invoked and substantiated violations of constitutional rights against the order requiring an advance payment.

Extrahierter Entscheid

No sufficient constitutional reasoning was provided.

Extrahierte Begründung

In a subsidiarity constitutional complaint, specific constitutional rights and their violation must be clearly and in detail shown; mere citation of constitutional and ECHR provisions and disagreement with the advance-payment duty is insufficient.

Kernrechtsfrage

Whether free legal aid for the federal proceedings should be granted.

Extrahierter Entscheid

Free legal aid was denied because the complaint had no prospects of success.

Extrahierte Begründung

An obviously unsubstantiated and abusive complaint is devoid of prospects of success, which precludes free legal aid.

Kernrechtsfrage

Whether court costs should be imposed on the appellant.

Extrahierter Entscheid

Court costs were imposed on the losing appellant.

Extrahierte Begründung

The unsuccessful party bears the costs under the Federal Supreme Court Act.

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