Subsidiary constitutional complaint inadmissible for lack of reasoning

5D_153/2012Bundesgericht / II. zivilrechtliche Abteilung19.09.2012Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Supreme Court treated the filing as a subsidiary constitutional complaint in a definitive debt-enforcement release matter because the value in dispute did not reach the statutory threshold. It held the complaint inadmissible insofar as the appellant sought restoration of the cantonal time limit, because that request had to be addressed to the cantonal court, and insofar as she raised issues not covered by the challenged cantonal decision, including legal aid. The complaint also failed the strict constitutional reasoning requirements and was considered abusive. Free legal aid was denied and costs of CHF 300 were imposed on the appellant.

Omnilex-Regeste

Art. 113 ff., Art. 116, Art. 117, Art. 106 Abs. 2, Art. 108 Abs. 1 lit. a-c, Art. 64 Abs. 1, Art. 66 Abs. 1 BGG; subsidiary constitutional complaint: admissibility and reasoning requirements. A subsidiary constitutional complaint is confined to the challenged cantonal decision and to grievances properly raised and substantiated as violations of constitutional rights with reference to the decisive reasoning. Requests falling within the competence of the cantonal court, such as restoration of a cantonal deadline, are inadmissible before the Federal Supreme Court. If the complaint lacks a sufficient constitutional reasoning or is manifestly abusive, non-entry follows in simplified procedure; free legal aid is refused where the complaint is doomed to fail, and costs are borne by the losing party.

Gesamter Gesetzestext

{T 0/2}
5D_153/2012

Urteil vom 19. September 2012
II. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichterin Escher, präsidierendes Mitglied,
Gerichtsschreiber Füllemann.

Verfahrensbeteiligte
X.________,
Beschwerdeführerin,

gegen

Kanton Basel-Landschaft,
vertreten durch die Steuerverwaltung des Kantons Basel-Landschaft,
Beschwerdegegner.

Gegenstand
Definitive Rechtsöffnung,

Verfassungsbeschwerde gegen den Entscheid vom 6. August 2012 des Kantonsgerichts Basel-Landschaft (Abteilung Zivilrecht).

Nach Einsicht
in die Verfassungsbeschwerde gegen den Entscheid vom 6. August 2012 des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, das auf eine Beschwerde der Beschwerdeführerin gegen einen definitiven Rechtsöffnungsentscheid (Streitwert Fr. 3'740.45) nicht eingetreten ist,

in Erwägung,
dass gegen den in einer vermögensrechtlichen Angelegenheit ergangenen Entscheid des Kantonsgerichts mangels Erreichens der Streitwertgrenze (Art. 74 Abs. 1 lit. b BGG) und mangels Vorliegens einer Ausnahme gemäss Art. 74 Abs. 2 BGG allein die subsidiäre Verfassungsbeschwerde nach Art. 113 ff. BGG offen steht, weshalb die Eingabe der Beschwerdeführerin als solche entgegengenommen worden ist,
dass die Verfassungsbeschwerde zum Vornherein unzulässig ist, soweit die Beschwerdeführerin um Wiederherstellung der kantonalen Kostenvorschussfrist ersucht, weil für die Behandlung eines Gesuchs nach Art. 148 ZPO nicht das Bundesgericht, sondern das Kantonsgericht zuständig wäre,
dass die Verfassungsbeschwerde auch insoweit unzulässig ist, als die Beschwerdeführerin Rügen erhebt, die nicht Gegenstand des angefochtenen Entscheids bildeten und daher auch nicht Gegenstand des bundesgerichtlichen Urteils sein können, was insbesondere für die Beschwerdevorbringen betreffend die unentgeltliche Rechtspflege gilt,
dass sodann in einer subsidiären Verfassungsbeschwerde die Rüge der Verletzung verfassungsmässiger Rechte vorzubringen und zu begründen (Art. 117 i.V.m. Art. 106 Abs. 2 BGG sowie Art. 116 BGG), d.h. anhand der Erwägungen des kantonalen Entscheids klar und detailliert darzulegen ist, welche verfassungsmässigen Rechte und inwiefern sie durch diesen Entscheid verletzt sein sollen (BGE 133 II 396 E. 3.1 S. 399), ansonst auf die Beschwerde nicht eingetreten wird (Art. 117 i.V.m. Art. 108 Abs. 1 lit. b BGG),
dass das Kantonsgericht im Entscheid vom 6. August 2012 erwog, die Beschwerdeführerin habe den ihr mit Nachfristansetzung vom 4. Juli 2012 verlangten Kostenvorschuss von Fr. 300.-- nicht bezahlt, weshalb androhungsgemäss auf die Beschwerde nicht einzutreten sei,
dass die Beschwerdeführerin in ihrer Eingabe an das Bundesgericht nicht in nachvollziehbarer Weise auf die entscheidenden kantonsgerichtlichen Erwägungen eingeht,
dass sie erst recht nicht anhand dieser Erwägungen nach den gesetzlichen Anforderungen, d.h. klar und detailliert aufzeigt, welche verfassungsmässigen Rechte und inwiefern sie durch den Entscheid des Kantonsgerichts vom 6. August 2012 verletzt sein sollen,
dass die Beschwerdeführerin ausserdem einmal mehr allein zum Zweck der Verzögerung der Zwangsvollstreckung und damit missbräuchlich prozessiert (Art. 42 Abs. 7 BGG),
dass somit auf die - offensichtlich unzulässige bzw. keine hinreichende Begründung enthaltende und überdies missbräuchliche - Verfassungsbeschwerde in Anwendung von Art. 117 i.V.m. Art 108 Abs. 1 lit. a bis c BGG nicht einzutreten ist,
dass der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Rechtspflege in Anbetracht der Aussichtslosigkeit der Verfassungsbeschwerde nicht gewährt werden kann (Art. 64 Abs. 1 BGG),
dass die unterliegende Beschwerdeführerin kostenpflichtig wird (Art. 66 Abs. 1 BGG),
dass in den Fällen des Art. 117 i.V.m. Art. 108 Abs. 1 BGG das vereinfachte Verfahren zum Zuge kommt und das präsidierende Abteilungsmitglied zuständig ist,
dass sich das Bundesgericht in dieser Sache vorbehält, allfällige weitere Eingaben in der Art der bisherigen, namentlich missbräuchliche Revisionsgesuche ohne Antwort abzulegen,
erkennt das präsidierende Mitglied:

1.
Auf die Verfassungsbeschwerde wird nicht eingetreten.

2.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen.

3.
Die Gerichtskosten von Fr. 300.-- werden der Beschwerdeführerin auferlegt.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Kantonsgericht Basel-Landschaft schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 19. September 2012
Im Namen der II. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Das präsidierende Mitglied: Escher

Der Gerichtsschreiber: Füllemann

Schlagwörter

subsidiary constitutional complaintnon-entryreasoning requirementsfree legal aidcourt costsdebt enforcementabuse of process

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the subsidiary constitutional complaint was admissible despite the appellant's request for restoration of the cantonal filing deadline.

Extrahierter Entscheid

The request concerned a matter for the cantonal court, not the Federal Supreme Court.

Extrahierte Begründung

A restoration request under Art. 148 CPC had to be decided by the cantonal court; the federal complaint was therefore inadmissible in that respect.

Kernrechtsfrage

Whether the complaint could rely on matters not covered by the cantonal decision, including free legal aid.

Extrahierter Entscheid

Such arguments could not be reviewed because they were not part of the challenged decision.

Extrahierte Begründung

Federal review is confined to the scope of the appealed decision; issues outside it cannot be raised for the first time before the Federal Supreme Court.

Kernrechtsfrage

Whether the subsidiary constitutional complaint met the reasoning requirements for alleging constitutional violations.

Extrahierter Entscheid

No; the complaint did not engage with the cantonal reasoning in a clear and detailed manner.

Extrahierte Begründung

Under Art. 117 in conjunction with Art. 106(2) and Art. 116 BGG, constitutional grievances must be specifically alleged and substantiated against the cantonal reasons; otherwise the court will not enter on the complaint.

Kernrechtsfrage

Whether the appellant was entitled to free legal aid before the Federal Supreme Court.

Extrahierter Entscheid

No, because the complaint had no prospects of success.

Extrahierte Begründung

Unsuccessful and manifestly inadmissible proceedings do not justify free legal aid under Art. 64(1) BGG.

Kernrechtsfrage

Allocation of federal court costs.

Extrahierter Entscheid

Costs were imposed on the appellant.

Extrahierte Begründung

As the losing party, the appellant had to bear the court costs under Art. 66(1) BGG.

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