Standing in criminal complaint proceedings; non-entry and costs

6B_532/2010Bundesgericht / Strafrechtliche Abteilung16.07.2010Inadmissible

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Supreme Court treated the filing as a criminal-law appeal. It held that the appellant lacked standing to challenge the refusal to open proceedings for alleged abuse of office and attempted coercion by cantonal immigration officials. He was neither a private prosecutor nor a victim under the Victim Assistance Act, so the complaint was not entered into under Art. 108 BGG. The request for free legal aid was refused as manifestly hopeless, and court costs of CHF 500 were imposed on the appellant, taking his financial situation into account.

Omnilex-Regeste

Art. 81 Abs. 1 lit. b Ziff. 4 und 5 BGG, Art. 1 Abs. 1 OHG; standing to appeal against a refusal to open criminal proceedings. A complainant who merely alleges offenses against administrative officials and is neither a private prosecutor nor directly affected in his physical, psychological or sexual integrity lacks legitimacy to file a criminal-law appeal. In such constellations the appeal is inadmissible under Art. 108 BGG. Where the appeal is hopeless, legal aid must be refused under Art. 64 BGG; court costs are imposed on the appellant under Art. 66 Abs. 1 BGG, with the fee adjusted to financial capacity under Art. 65 Abs. 2 BGG.

Gesamter Gesetzestext

{T 0/2}
6B_532/2010

Urteil vom 16. Juli 2010
Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Favre, Präsident,
Gerichtsschreiber C. Monn.

Verfahrensbeteiligte
X.________, vertreten durch Rechtsanwalt Antonius Falkner,
Beschwerdeführer,

gegen

Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen, Schützengasse 1, 9001 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Eröffnung eines Strafverfahrens,

Beschwerde gegen den Entscheid der Anklagekammer des Kantons St. Gallen vom 29. April 2010.
Der Präsident zieht in Erwägung:

1.
Für die Rüge jeder Rechtsverletzung, die bei der Anwendung von materiellem Strafrecht oder Strafprozessrecht begangen wird, steht die Beschwerde in Strafsachen gemäss Art. 78 ff. BGG zur Verfügung. Die vom Beschwerdeführer als Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten bezeichnete Eingabe ist als Beschwerde in Strafsachen entgegenzunehmen.

2.
Der Beschwerdeführer wirft Mitarbeitern des Ausländeramts des Kantons St. Gallen vor, sie hätten ohne gesetzliche Grundlage von ihm verlangt, er müsse das Gesuch zur Erteilung der ihm bereits im Juli 2009 zugesicherten Aufenthaltsbewilligung persönlich in der Türkei bei der Schweizer Botschaft einreichen, obwohl das Gesuch bereits vollständig von seinem Anwalt schriftlich beim Ausländeramt eingereicht worden sei. Die Beschwerde vor Bundesgericht richtet sich dagegen, dass in Bezug auf seine Anzeige wegen Amtsmissbrauchs und versuchter Nötigung im angefochtenen Entscheid kein Strafverfahren eröffnet wurde.

Da die Staatsanwaltschaft am kantonalen Verfahren beteiligt war, ist der Beschwerdeführer kein Privatstrafkläger im Sinne von Art. 81 Abs. 1 lit. b Ziff. 4 BGG. Da er durch die angezeigten Straftaten in seiner körperlichen, psychischen oder sexuellen Integrität nicht unmittelbar beeinträchtigt wurde, ist er auch nicht Opfer im Sinne von Art. 81 Abs. 1 lit. b Ziff. 5 BGG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 OHG. Als Geschädigter, der nicht Opfer ist, ist er zur vorliegenden Beschwerde nicht legitimiert (BGE 136 IV 29). Darauf ist im Verfahren nach Art. 108 BGG nicht einzutreten.

3.
Die Gerichtskosten sind dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 1 BGG). Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ist in Anwendung von Art. 64 BGG abzuweisen, weil die Rechtsbegehren aussichtslos erschienen. Der finanziellen Lage des Beschwerdeführers ist bei der Bemessung der Gerichtsgebühr Rechnung zu tragen (Art. 65 Abs. 2 BGG).
Demnach erkennt der Präsident:

1.
Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

2.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen.

3.
Die Gerichtskosten von Fr. 500.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und der Anklagekammer des Kantons St. Gallen schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 16. Juli 2010

Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Favre C. Monn

Schlagwörter

standingcriminal complaintnon-entryvictim statusprivate prosecutorlegal aidcourt costs

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the appellant had standing to challenge the refusal to open a criminal investigation.

Extrahierter Entscheid

He lacked standing because he was neither a private prosecutor nor a victim within the meaning of the Federal Act on Victim Assistance, and as a non-victim injured party he could not appeal.

Extrahierte Begründung

The prosecution authority had participated in the cantonal proceedings, excluding private-prosecutor status under Art. 81(1)(b)(4) BGG. The alleged offenses did not directly affect the appellant's physical, psychological, or sexual integrity, so victim status under Art. 81(1)(b)(5) BGG in conjunction with Art. 1(1) OHG was absent.

Kernrechtsfrage

Whether legal aid should be granted.

Extrahierter Entscheid

Legal aid was refused because the appeal had no prospects of success.

Extrahierte Begründung

Under Art. 64 BGG, legal aid requires non-frivolous claims; here the lack of standing made the appeal hopeless.

Kernrechtsfrage

Who bears the court costs.

Extrahierter Entscheid

Court costs were imposed on the appellant, with the amount fixed at CHF 500 taking account of his financial situation.

Extrahierte Begründung

Costs follow the outcome under Art. 66(1) BGG, and the fee was moderated under Art. 65(2) BGG.

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