Revision denied for no overlooked facts in prior federal judgment

6F_7/2010Bundesgericht / Strafrechtliche Abteilung14.05.2010Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Swiss Federal Court rejected an application for revision of its earlier judgment 6B_219/2010. It held that no fact had been overlooked within the meaning of Art. 121 lit. d BGG: the prior decision already showed that the appeal was directed against the Standeskommission's decision, and the applicant had not raised adequate arguments against the alternative reasoning. The Court also denied free legal aid because the request was hopeless, and it ordered court costs of CHF 800 against the applicant.

Omnilex-Regeste

Art. 121 lit. d BGG; revision only if the court overlooked decisive allegations or facts already contained in the record and capable of affecting the outcome. A revision application cannot be used to reargue insufficiently substantiated complaints or to challenge the legal assessment of the prior judgment. Where the impugned decision contains an alternative, independent reasoning that is not meaningfully attacked, the court may refrain from examining the main reasoning (consid. 1). Art. 64 BGG; free legal aid requires non-haplessness of the requested relief (consid. 2). Art. 66 Abs. 1, Art. 65 Abs. 2 BGG; costs are borne by the losing party, with the fee assessed taking account of financial circumstances (consid. 2).

Gesamter Gesetzestext

{T 0/2}
6F_7/2010

Urteil vom 14. Mai 2010
Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Favre, Präsident,
Bundesrichter Wiprächtiger,
Bundesrichterin Jacquemoud-Rossari,
Gerichtsschreiber Monn.

Verfahrensbeteiligte
X._______,
Gesuchsteller,

gegen

Landesfähnrich des Kantons Appenzell Innerrhoden, Honeggstrasse 4, 9413 Oberegg,
Gesuchsgegner.

Gegenstand
Revisionsgesuch gegen das Urteil des Schweizerischen Bundesgerichts 6B_219/2010 vom 30. März 2010.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
Das Bundesgericht trat mit Urteil 6B_219/2010 vom 30. März 2010 auf eine Beschwerde des Gesuchstellers nicht ein, weil sie in Bezug auf die Auslegung von § 171 der kantonalen Strafprozessordnung nicht hinreichend begründet war.

Der Gesuchsteller bezieht sich auf den Revisionsgrund von Art. 121 lit. d BGG. Er macht erstens geltend, das Bundesgericht habe im Verfahren 6B_219/2010 übersehen, dass sich die Beschwerde ausschliesslich gegen den Entscheid der Standeskommission vom 19. Januar 2010 gerichtet habe. Somit sei Beschwerdegegnerin die Standeskommission und nicht der Landesfähnrich (Gesuch S. 2 Ziff. 3). Wie sich aus dem auf S. 1 des Urteils 6B_219/2010 angegebenen "Gegenstand" des Verfahrens ergibt, hat das Bundesgericht nicht übersehen, dass sich die Beschwerde gegen den Entscheid der Standeskommission vom 19. Januar 2010 richtete. Inwieweit eine Änderung der Gegenpartei etwas daran zu ändern vermöchte, dass die Beschwerde gegen den Entscheid der Standeskommission nicht hinreichend begründet war, ist im Übrigen nicht zu sehen.

Zweitens macht der Gesuchsteller geltend, das Bundesgericht habe im Verfahren 6B_219/2010 übersehen, dass er "keinen Erlass" verlangt habe, "sondern ausdrücklich einen Entscheid über einen Erlass" (Gesuch S. 2 Ziff. 3). Es sei ihm nur um die Frage gegangen, ob die Standeskommission auf sein Gesuch hätte eintreten müssen (Gesuch S. 1 Ziff. 2). Der Entscheid der Standeskommission beinhaltete indessen eine materielle Eventualbegründung (vgl. Urteil 6B_219/2010 vom 30. März 2010). In Bezug auf diese Eventualbegründung enthielt die Beschwerde des Gesuchstellers keine tauglichen Vorbringen. Bei dieser Sachlage musste sich das Bundesgericht mit der Hauptbegründung der Standeskommission nicht befassen (vgl. den im Urteil 6B_219/2010 ausdrücklich zitierten BGE 133 IV 119 E. 6).

Das Revisionsgesuch ist abzuweisen.

2.
Die Gerichtskosten sind dem Gesuchsteller aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 1 BGG). Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ist in Anwendung von Art. 64 BGG abzuweisen, weil die Rechtsbegehren aussichtslos erschienen. Der finanziellen Lage des Gesuchstellers ist bei der Bemessung der Gerichtsgebühr Rechnung zu tragen (Art. 65 Abs. 2 BGG).

3.
Der Gesuchsteller wird darauf aufmerksam gemacht, dass weitere Eingaben in dieser Sache und insbesondere weitere unbegründete Revisionsgesuche ohne förmliche Erledigung und ohne Antwort zu den Akten gelegt werden.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Das Revisonsgesuch wird abgewiesen.

2.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen.

3.
Die Gerichtskosten von Fr. 800.-- werden dem Gesuchsteller auferlegt.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und der Standeskommission des Kantons Appenzell I.Rh. schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 14. Mai 2010

Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Favre Monn

Schlagwörter

revisioninsufficient reasoningoverlooked factslegal aidcourt costs

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the revision ground under Art. 121 lit. d BGG was met because the Court allegedly overlooked that the appeal had been directed only against the Standeskommission and that the relief sought concerned a decision on remission.

Extrahierter Entscheid

No. The prior judgment did not overlook the challenged decision, and the asserted change of respondent would not cure the insufficient reasoning. The Court also did not need to address the main reasoning because the appeal failed regarding the alternative reasoning.

Extrahierte Begründung

The record of the prior judgment already showed that the appeal targeted the Standeskommission's decision. As to the requested remission, the applicant's submissions did not adequately challenge the alternative reasoning of the Standeskommission; therefore the Court could refrain from dealing with the main reasoning.

Kernrechtsfrage

Whether the applicant was entitled to free legal aid in the revision proceedings.

Extrahierter Entscheid

No, because the revision request had no prospect of success.

Extrahierte Begründung

Under Art. 64 BGG, legal aid is denied when the requested relief appears hopeless.

Kernrechtsfrage

Who bears the court costs and in what amount.

Extrahierter Entscheid

The applicant bears the costs, set at CHF 800, taking account of his financial situation.

Extrahierte Begründung

Costs were imposed on the losing applicant under Art. 66 Abs. 1 BGG, with the fee reduced under Art. 65 Abs. 2 BGG in light of his financial circumstances.

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