Seizure of gaming machine upheld despite transfer to third party

8G.123/2003Bundesgericht / IV. öffentlich-rechtliche Abteilung09.12.2003Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Supreme Court’s Anklagekammer dismissed, insofar as it entered into the matter, a complaint against an ESBK order seizing a gaming machine and requiring the production of documents. The appellant argued that it had transferred its contractual rights to Z________ GmbH and sought to have both the order and the investigation declared void. The court held that the complaint procedure covered only the seizure and edition order, not the investigation itself, and that a concrete suspicion against a third party was sufficient for administrative criminal coercive measures. The machine’s ownership by the appellant did not prevent the seizure. Costs of CHF 500 were imposed on the appellant.

Omnilex-Regeste

Art. 26 VStrR; seizure and production order in administrative criminal proceedings; admissibility and threshold of suspicion. A complaint under Art. 26 VStrR may challenge only the coercive measure itself, not the underlying investigation. For coercive measures such as seizure, a sufficient, objectively substantiated concrete suspicion is required; it need not concern exclusively the owner or holder of the seized asset. It is enough that the suspicion relates to a third party involved in the relevant conduct. Where such suspicion exists, the measure is sustainable even against the owner of the seized object (consid. 2-3). Costs follow the unsuccessful complaint under Art. 25 Abs. 4 VStrR and Art. 156 Abs. 1 OG.

Gesamter Gesetzestext

{T 0/2}
8G.123/2003 /kra

Urteil vom 9. Dezember 2003
Anklagekammer

Besetzung
Bundesrichter Karlen, Präsident,
Bundesrichter Fonjallaz, Vizepräsident,
Bundesrichter Marazzi,
Gerichtsschreiber Monn.

Parteien
Firma X.________,
Beschwerdeführerin, vertreten durch A.________,

gegen

Eidgenössische Spielbankenkommission, 3003 Bern.

Gegenstand
Beschlagnahme,

AK-Beschwerde gegen die Verfügung der Eidgenössischen Spielbankenkommission vom 7. November 2003.

Die Kammer zieht in Erwägung:
1.
Gestützt auf polizeiliche Feststellungen, nach denen im Bistro Y.________ in Pratteln mit zwei Spielautomaten vom Typ Super Cherry 600 verbotene Glücksspiele durchgeführt würden, eröffnete die Eidgenössische Spielbankenkommission (ESBK) gegen den Wirt des Bistros, B.________, und gegen die Firma X.________, vertreten durch A.________, eine Strafuntersuchung wegen des Verdachts auf Widerhandlung gegen das Spielbankengesetz (SBG). Mit Verfügung vom 7. November 2003 wurden einer der Spielautomaten, der sich direkt neben der Bar befand, beschlagnahmt und die Firma X.________ aufgefordert, verschiedene Unterlagen und Gegenstände der ESBK herauszugeben.

Mit Eingabe vom 13. November 2003 führt A.________ von der Firma X.________ Beschwerde bei der Anklagekammer des Bundesgerichts und beantragt, die Verfügung vom 7. November 2003 und die Strafuntersuchung gegen die Firma X.________ seien als nichtig zu erklären.

In ihrer Vernehmlassung vom 17. November 2003 beantragt die ESBK, die Beschwerde sei abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei.

Am 18. November 2003 wurde der Beschwerdeführerin Gelegenheit gegeben, sich bis zum 28. November 2003 zur Vernehmlassung der ESBK zu äussern. Davon hat sie innert Frist keinen Gebrauch gemacht.
2.
Im vorliegenden Beschwerdeverfahren gemäss Art. 26 VStrR geht es nur um die Beschlagnahme- und Editionsverfügung vom 7. November 2003. Soweit die Beschwerdeführerin beantragt, die Strafuntersuchung sei nichtig zu erklären, kann darauf nicht eingetreten werden.
3.
Voraussetzung für eine Zwangsmassnahme im Verwaltungsstrafrecht, zu denen z.B. die Beschlagnahme eines Spielautomaten gehört, ist ein hinreichender, objektiv begründeter konkreter Tatverdacht gegenüber dem Inhaber der beschlagnahmten Vermögenswerte oder gegenüber einem Dritten (BGE 124 IV 313 E. 4).

Die Beschwerdeführerin macht geltend, sie habe zwar am 28. August 2000 mit dem Wirt des Bistros Y.________ eine Vereinbarung über die Aufstellung des Spielautomaten abgeschlossen. Am 1. Juni 2003 habe sie aber diese Vereinbarung der Z.________GmbH übertragen.

Damit ist die Beschwerdeführerin im vorliegenden Verfahren nicht zu hören, denn sie bestreitet nicht, dass sie nach wie vor Eigentümerin des beschlagnahmten Spielautomaten ist (wovon im Übrigen gemäss Ziff. 2 der Vereinbarung vom 1. Juni 2003 zwischen ihr und der Z.________GmbH auch auszugehen ist) und dass zumindest gegenüber dem Wirt des Bistros oder allenfalls gegenüber der Z.________GmbH der Verdacht besteht, sie könnten gegen das SBG verstossen haben. Da ein solcher Verdacht gegenüber einem Dritten genügt, ist die Beschlagnahme- und Editionsverfügung, auch soweit sie sich gegen die Eigentümerin des beschlagnahmten Automaten richtet, nicht zu beanstanden.
4.
Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die Beschwerdeführerin die bundesgerichtlichen Kosten zu tragen (Art. 25 Abs. 4 VStrR; Art. 156 Abs. 1 OG).

Demnach erkennt die Kammer:
1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.
2.
Die Gerichtsgebühr von Fr. 500.-- wird der Beschwerdeführerin auferlegt.
3.
Dieses Urteil wird der Beschwerdeführerin und der Eidgenössischen Spielbankenkommission schriftlich mitgeteilt.
Lausanne, 9. Dezember 2003
Im Namen der Anklagekammer
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Schlagwörter

seizuregambling machineadministrative criminal lawsuspicion thresholdthird partyadmissibilitydocuments productioncourt costs

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the request to declare the criminal investigation null is admissible in this appeal

Extrahierter Entscheid

The challenge is inadmissible insofar as it seeks to annul the criminal investigation; only the seizure and order to produce items could be reviewed.

Extrahierte Begründung

Under Art. 26 VStrR, the complaint procedure concerns the seizure and edition order alone.

Kernrechtsfrage

Whether the seizure and order to produce documents were unlawful because no sufficient suspicion existed against the appellant

Extrahierter Entscheid

The seizure and production order were not objectionable; a concrete, objectively justified suspicion against a third party is sufficient, and the appellant remained owner of the machine.

Extrahierte Begründung

A coercive measure under administrative criminal law requires a sufficient concrete suspicion, but it need not be directed solely against the holder of the seized assets. Since suspicion existed at least against the innkeeper or possibly the transferee company, the measure was permissible even against the owner.

Kernrechtsfrage

Who bears the costs of the federal proceedings

Extrahierter Entscheid

The appellant must bear the costs.

Extrahierte Begründung

Because the complaint failed, costs were charged to the appellant under the applicable procedural rules.

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