Venue conflict in bankruptcy-related accounting offense

BG.2014.22Bundesstrafgericht / Beschwerdekammer03.09.2014Granted

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Criminal Court resolved a venue dispute between the prosecutors of Zug and Zurich concerning an alleged failure to keep accounts by the former managers of A. GmbH after bankruptcy. It held that Zug remained the competent forum because the prosecution at the bankruptcy venue was expedient: the relevant files were available there or with the Zug tax office, the bankruptcy administration had filed the complaint and could provide information, and the suspects’ residences were not decisive. No departure to the place of actual business activity was warranted. No court fees were charged.

Omnilex-Regeste

Art. 40 Abs. 2 StPO; venue in bankruptcy-related offenses where the company seat is merely formal. The ordinary forum at the place of bankruptcy may be retained if prosecution there is expedient, in particular where relevant files are available locally or with nearby tax authorities, the bankruptcy administration can provide essential information, and the witnesses or accused's residence does not outweigh these practical factors. A transfer to the place of actual business activity is justified only when such expediency factors are absent (consid. 2).

Gesamter Gesetzestext

Beschluss vom 3. September 2014 Beschwerdekammer Besetzung Bundesstrafrichter Stephan Blättler, Vorsitz, Emanuel Hochstrasser und Nathalie Zufferey Franciolli, Gerichtsschreiber Martin Eckner

Parteien

KANTON ZUG, Staatsanwaltschaft, Gesuchsteller

gegen

KANTON ZÜRICH, Oberstaatsanwaltschaft, Gesuchsgegner

Gegenstand Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO)

B u n d e s s t r a f g e r i c h t T r i b u n a l p é n a l f é d é r a l T r i b u n a l e p e n a l e f e d e r a l e T r i b u n a l p e n a l f e d e r a l

Ges c häft s n um m er: B G .20 14 .22

Sachverhalt:

A. Der Einzelrichter am Kantonsgericht Zug eröffnete am 21. Mai 2013 den Konkurs über die A. GmbH (Urk. 1/1/2). Am 6. Januar 2014 reichte das Konkursamt des Kantons Zug bei der Staatsanwaltschaft des Kantons Zug Strafanzeige ein gegen B. und C. wegen Unterlassen der Buchführung (Art. 166 StGB; Urk. 1/1). B. war gemäss Handelsregisterauszug Ge- schäftsführerin, C. sei gemäss Konkursamt ein faktisches Organ der A. GmbH gewesen (Urk. 1/1/2, 1/1 S. 2).

Gemäss Protokoll der Einvernahme des Konkursamtes Zug vom 29. August 2013 umfasste die Geschäftstätigkeit der A. GmbH den Vertrieb von Gesundheitsmatten und den Betrieb eines Coiffeur-Salons [...] (Urk. 1/1/3). C. war für die konkursite Gesellschaft zudem an der [...] tätig (Urk. 1/1/4; 1/4 S, 3). Die A. GmbH hatte aus steuerlichen Gründen ihren Sitz "c/o D. AG, [...]" (Urk. 1/1/1 HR-Auszug; Urk. 1/4 S. 7; 5/2 Antwort der D. AG auf die Editionsverfügung vom 7. Februar 2014).

C. wohnt an der [...] (Urk. 2/1 Einvernahme der Zuger Polizei vom 5. März 2014), B. an der [...] (Urk. 2/2 Einvernahme der Zuger Polizei vom 7. April 2014).

B. Der Kanton Zug richtete am 30. Juni 2014 eine Gerichtsstandsanfrage an den Kanton Zürich (Urk. 7/1). Dessen Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis lehnte die Übernahme am 7. Juli 2014 ab (Urk. 7/2). Der Meinungsaus- tausch mit der Zürcher Oberstaatsanwaltschaft führte zum gleichen Resul- tat (Urk. 7/3 Anfrage vom 9. Juli 2014, Urk. 7/4 Ablehnung vom 5. August 2014).

C. Nach Durchführung dieses Meinungsaustausches ersuchte der Kanton Zug am 11. August 2014 die Beschwerdekammer, den Kanton Zürich als zu- ständig zu bezeichnen. Der Kanton Zürich seinerseits verwies am 25. August 2014 auf seine Ausführungen im Meinungsaustausch und bean- tragt, die Zuständigkeit des Kantons Zug sei festzustellen (act. 3). Die Ge- suchsantwort wurde dem Kanton Zug am 25. August 2014 zur Kenntnis zugestellt (act. 4).

Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, so- weit erforderlich, in den nachfolgenden rechtlichen Erwägungen Bezug ge- nommen.

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:

  1. Die Eintretensvoraussetzungen (durchgeführter Meinungsaustausch zwi- schen den involvierten Kantonen und zuständigen Behörden, Frist und Form, vgl. Beschluss des Bundesstrafgerichts BG.2014.7 vom

  2. März 2014, E. 1) sind vorliegend erfüllt und geben zu keinen Bemer- kungen Anlass.

2.1 Strittig ist, ob das Unterlassen der Buchführung am Ort der Konkurseröff-

nung zu verfolgen sei oder ob vorliegend dort nur ein rein fiktiver Ge-

schäftssitz bestehe. Weiter ist strittig, ob diesfalls unter der Schweizeri-

schen Strafprozessordnung BGE 118 IV 296 zu folgen sei, der einen Ge-

richtsstand am Ort der tatsächlichen Geschäftstätigkeit vorsieht (act. 1

  1. 4 f.; Urk. 7/4 Ablehnung des Kantons Zürich vom 5. August 2014,
  2. 1 f.).

2.2 Die Beschwerdekammer wendete verschiedentlich die bisherige Praxis zum Gerichtsstand bei Konkursdelikten auch unter der Schweizerischen Strafprozessordnung an und zwar unter dem Gesichtspunkt, ob ein Abwei- chen vom gesetzlichen Gerichtsstand des Art. 36 Abs. 2 StPO angezeigt sei (TPF 2011 178 E. 3.3; Beschluss des Bundesstrafgerichts BG.2011.5 vom 1. Juni 2011, E. 2.1). BGE 118 IV 296 E. 3d räumt dem Ort der tatsächlichen Geschäftstätigkeit den Vorrang ein gegenüber dem Konkursort mit fiktiver Geschäftstätigkeit. Fiktiv ist sie namentlich dann nicht, wenn (BGE 118 IV 296 E. 3c, 107 IV 75 E. 2)  sich die Akten, auf die die Untersuchung zurückgreifen muss, am Ort der Konkurseröffnung befinden,  die in der Untersuchung zu befragenden Zeugen am Konkursort oder in dessen Nähe wohnen und  von der Konkursverwaltung für das Strafverfahren allenfalls wichtige Auf- schlüsse zu erhalten sind. Wenn diese Elemente der Zweckmässigkeit fehlen, ist auf den Ort der tat- sächlichen Geschäftstätigkeit abzustellen (BGE 118 IV 296 E. 3c, 106 IV 31 E. 4b, Beschluss des Bundesstrafgerichts BG.2011.5 vom 1. Juni 2011, E. 3.1/3.2). Dieser läge vorliegend im Kanton Zürich.

2.3 Vorliegend ist eine Strafverfolgung am Konkursort nach den dargestellten Kriterien zweckmässig. A. GmbH führte keine Buchhaltung. Unterlagen be- finden sich, wenn überhaupt, beim Zuger Steueramt (Urk. 1/1/3; 1/1/5; 1/1/8; 2/1 S. 7, 10 f.). Sodann erstattete die Konkursverwaltung Strafanzei- ge und kann unter Umständen erforderliche Aufschlüsse geben. Der Wohnort der Beschuldigten ist schliesslich für die Frage der Zweckmässig- keit nicht in erster Linie massgebend. Ein ausnahmsweises Abweichen vom ordentlichen Gerichtsstand des Art. 36 StPO ist insgesamt nicht angezeigt.

  1. Damit ist der Kanton Zug berechtigt und verpflichtet, die strafbaren Hand- lungen, welche Gegenstand des staatsanwaltschaftlichen Meinungsaus- tausches sind (obige Erwägung lit. B), zu verfolgen und zu beurteilen.

  2. Es sind keine Gerichtskosten zu erheben (Art. 423 Abs. 1 StPO).

Demnach erkennt die Beschwerdekammer:

  1. Die Strafbehörden des Kantons Zug sind berechtigt und verpflichtet, die im Zusammenhang mit dem Konkurs der A. GmbH begangenen Straftaten zu verfolgen und zu beurteilen.

  2. Es werden keine Gerichtsgebühren erhoben.

Bellinzona, 4. September 2014

Im Namen der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Zustellung an

  • Staatsanwaltschaft des Kantons Zug
  • Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich

Rechtsmittelbelehrung Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.

Schlagwörter

venue conflictbankruptcy offensefailure to keep accountsexpediencyformal seatactual business activitycourt costs

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Which canton has jurisdiction to prosecute the accounting offense connected with A. GmbH's bankruptcy?

Extrahierter Entscheid

The criminal authorities of Canton Zug are competent and obliged to investigate and adjudicate the offenses.

Extrahierte Begründung

Although the company had a merely formal seat, prosecution at the place of bankruptcy was still appropriate because the files were there or with the Zug tax office, the bankruptcy administration had initiated the complaint and could provide relevant information, and the residence of the suspects was not decisive.

Kernrechtsfrage

Whether a departure from the ordinary venue rule was warranted in favor of the place of actual business activity.

Extrahierter Entscheid

No exceptional departure from the ordinary venue was justified.

Extrahierte Begründung

The criteria developed in prior case law for preferring the place of actual business activity were not decisive here; the prosecution at the bankruptcy venue remained expedient.

Kernrechtsfrage

Court costs

Extrahierter Entscheid

No court fees are levied.

Extrahierte Begründung

The court ordered no costs under Art. 423(1) StPO.

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