Beschluss vom 6. Oktober 2021 Beschwerdekammer Besetzung Bundesstrafrichter Cornelia Cova, Vorsitz, Miriam Forni und Patrick Robert-Nicoud, Gerichtsschreiber Stephan Ebneter
Parteien
A., vertreten durch Rechtsanwalt Philippe Currat, Beschwerdeführer
gegen
BUNDESANWALTSCHAFT, Beschwerdegegnerin
KANTONALES ZWANGSMASSNAHMENGE- RICHT, Vorinstanz
Gegenstand Vollzug der Haft (Art. 235 StPO); amtliche Verteidigung im Beschwerdeverfahren (Art. 132 Abs. 1 lit. b StPO)
B u n d e s s t r a f g e r i c h t T r i b u n a l p é n a l f é d é r a l T r i b u n a l e p e n a l e f e d e r a l e T r i b u n a l p e n a l f e d e r a l
Ges c häft s n um m er: B H . 20 21. 3 N ebe nv erf ahr en : B P .2 02 1.7 9
Die Beschwerdekammer hält fest, dass:
die Bundesanwaltschaft (nachfolgend «BA») eine Strafuntersuchung gegen den gambischen Staatsangehörigen A. u.a. wegen Verdachts der Verbre- chen gegen die Menschlichkeit führt;
die Polizei A. am 26. Januar 2017 in der Schweiz festnahm;
das Regionale Zwangsmassnahmengericht Berner Jura-Seeland A. am
das Kantonale Zwangsmassnahmengericht des Kantons Bern (nachfolgend «ZMG BE») die Untersuchungshaft wiederholt verlängerte;
die Untersuchungshaft – soweit ersichtlich – bis heute andauert;
A. mit Eingabe vom 7. Dezember 2020 mit folgenden (materiellen) Anträgen an das ZMG BE gelangte (KZM 20 1442, nicht paginiert):
Constater l’illicéité des conditions dans lesquelles Monsieur A. a été détenu successive- ment à la Prison régionale de Z. puis à la Prison régionale de Y. pour une durée de cinq cent quatre-vingt-cinq (585) jours consécutifs, du 27 janvier 2017 au 4 septembre 2018, et pour une durée supplémentaire de deux cent cinquante-quatre (254) jours correspon- dant aux week-ends et jours fériés, entre le 4 septembre 2018 et le jour des présentes écritures, soit un total de huit cent trente-neuf (839) jours.
Réserver à Monsieur A. de faire valoir toute forme de compensation adéquate devant l’autorité de jugement ou toute autre autorité compétente.
Ordonner à la direction de la procédure de prendre toutes les mesures utiles à ce que cesse immédiatement toute Illicéité dans les conditions de détention de Monsieur A.
Condamner le Ministère public de la Confédération en tous les frais et dépens de l’ins- tance.
das ZMG BE mit Entscheid vom 10. September 2021 auf das Gesuch nicht eintrat; es den Entscheid mit einer Rechtsmittelbelehrung versah, wonach der Gesuchsteller Beschwerde beim Bundesstrafgericht einreichen kann (act. 1.1; KZM 20 1442, nicht paginiert);
gegen den Entscheid des ZMG BE vom 10. September 2021 A., vertreten durch Rechtsanwalt Philippe Currat, mit Beschwerde vom 23. September
3 -
2021 an die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts gelangt und pri- mär dessen Aufhebung verlangt (act. 1);
Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass:
die Beschwerdeinstanz Beschwerden gegen Verfahrenshandlungen und ge- gen nicht der Berufung unterliegende Entscheide des Zwangsmassnahmen- gerichts in den in der StPO vorgesehenen Fällen beurteilt (Art. 20 Abs. 1 lit. c StPO);
in Fällen der Bundesgerichtsbarkeit die Beschwerdekammer des Bun- desstrafgerichts die Entscheide trifft, für welche die StPO die Beschwer- deinstanz oder das Bundesstrafgericht als zuständig bezeichnet (Art. 37 Abs. 1 StBOG);
die Beschwerde gegen die Entscheide des Zwangsmassnahmengerichts in den in der StPO vorgesehenen Fällen zulässig ist (Art. 393 Abs. 1 lit. c StPO);
der angefochtene Entscheid des Zwangsmassnahmengerichts in Ausübung von Bundesgerichtsbarkeit (Art. 2 lit. c und Art. 65 StBOG) erlassen wurde;
der angefochtene Entscheid indes keinen Gegenstand beschlägt, für wel- chen in der StPO die Beschwerde vorgesehen wäre;
der angefochtene Entscheid insbesondere nicht die Anordnung, die Verlän- gerung oder die Aufhebung der Untersuchungs- oder Sicherheitshaft zum Gegenstand hat (vgl. Art. 222 StPO), welche Entscheide die verhaftete Per- son gemäss Art. 222 StPO bei der Beschwerdeinstanz (unter Vorbehalt von Art. 233 StPO) anfechten kann;
sich die Beschwerde nach dem Gesagten als offensichtlich unzulässig er- weist, weshalb auf sie ohne die Durchführung eines Schriftenwechsels nicht einzutreten ist (vgl. Art. 390 Abs. 2 StPO e contrario);
selbst wenn auf die Beschwerde einzutreten wäre, diese abzuweisen wäre;
4 -
die Kantone die Beschwerdemöglichkeiten der inhaftierten Personen gegen den Haftvollzug regeln (Art. 235 Abs. 5 StPO);
die verfahrensgegenständliche Haft in den Regionalgefängnissen Z. und Y. vollzogen wurde;
gemäss Art. 1 Abs. 2 lit. a des Gesetzes über den Justizvollzug des Kantons Bern vom 23. Januar 2018 (Justizvollzugsgesetz, JVG/BE; BSG 341.1) die- ses Gesetz auf Untersuchungs- und Sicherheitshaft nach der StPO Anwen- dung findet, soweit der Vollzug in einer Vollzugseinrichtung nach diesem Ge- setz erfolgt und keine besonderen Bestimmungen bestehen;
dies auch in Verfahren der Bundesanwaltschaft gilt (Art. 2 Abs. 1 lit. c JVG/BE);
das Verfahren und der Rechtsschutz in Art. 48 ff. JVG/BE geregelt sind;
wie dies die Vorinstanz ausführlich und einleuchtend darlegt (E. 3 und 4), unter diesen Umständen kein Raum besteht für den allenfalls vom Bundes- gericht durch Richterrecht geschaffenen Rechtsschutz durch das Zwangs- massnahmengericht (vgl. BGE 140 I 125 E. 2.1, in: Pra 2014 Nr. 82 S. 605);
das Zwangsmassnahmengericht die Haftbedingungen nur im Rahmen der materiellen Haftvoraussetzungen bei Entscheiden über die Anordnung, Ver- längerung oder Aufhebung beurteilen kann bzw. muss, d.h., soweit sie die Haftentlassung zur Folge haben müssten; die Haftbedingungen im Übrigen auf dem kantonalrechtlichen Weg zu beurteilen sind (vgl. Urteil des Bundes- gerichts 1B_257/2014 vom 6. August 2014 E. 3.4; vgl. auch FORSTER, Basler Kommentar, 2. Aufl. 2014, Art. 220 N. 7 und Fn. 37);
wie die Vorinstanz ebenfalls zutreffend feststellt, diese rechtliche Ausgangs- lage dem Beschwerdeführer im Übrigen aufgrund des Urteils des Bundesge- richts 1B_456/2018 vom 2. November 2018 (E. 4.5) und des Meinungsaus- tauschs der Vorinstanz mit der Sicherheitsdirektion des Kantons Bern und mit dem Eidgenössischen Finanzdepartement (KZM 20 149, nicht paginiert) bekannt sein muss;
mithin nicht zu beanstanden wäre, dass die Vorinstanz auf das bei ihr ge- stellte Rechtsbegehren 1 mangels Zuständigkeit nicht eingetreten ist;
der Beschwerdeführer ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege stellt (BP.2021.79, act. 1);
5 -
sich aus den vorangehenden Erwägungen erschliesst, dass die vorliegende Beschwerde als aussichtslos zu bezeichnen ist, weshalb das Gesuch bereits aus diesem Grund abzuweisen ist;
bei diesem Ausgang des Verfahrens die Gerichtskosten dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (vgl. Art. 428 Abs. 1 StPO);
es sich vorliegend unter Berücksichtigung aller Umstände rechtfertigt, auf die Erhebung einer Gerichtsgebühr zu verzichten;
6 -
und erkennt:
Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen.
Es werden keine Kosten erhoben.
Bellinzona, 7. Oktober 2021
Im Namen der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts
Die Vizepräsidentin: Der Gerichtsschreiber:
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Rechtsmittelbelehrung Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.