Entscheiddatum: 02.05.2013Publikationsdatum: 21.05.2013
BundesverwaltungsgerichtTribunal administratif fédéralTribunale amministrativo federaleTribunal administrativ federal Abteilung IIIC-815/2013
Teilentscheid vom 2. Mai 2013 Besetzung Richterin Franziska Schneider (Vorsitz),Richterin Elena Avenati-Carpani, Richter Francesco Parrino, Gerichtsschreiber Tobias Merz. Parteien 1. CSS Kranken-Versicherung AG, Tribschenstrasse 21, 6002 Luzern, 2. Aquilana Versicherungen, Bruggerstrasse 46, 5401 Baden, 3. Moove Sympany AG, Jupiterstrasse 15, Postfach 234, 3000 Bern 15, 4. Kranken- und Unfallkasse (Bezirkskrankenkasse) Einsiedeln, Hauptstrasse 61, Postfach, 8840 Einsiedeln, 5. PROVITA Gesundheitsversicherung AG, Brunngasse 4, Postfach, 8401 Winterthur, 6. Sumiswalder Krankenkasse, Spitalstrasse 47, 3454 Sumiswald, 7. Krankenkasse Steffisburg, Unterdorfstrasse 37, Postfach 138, 3612 Steffisburg, 8. CONCORDIA Schweizerische Kranken- und Unfallversicherung AG, Bundesplatz 15, Postfach, 6002 Luzern, 9. Atupri Krankenkasse, Zieglerstrasse 29, 3000 Bern 65, 10. Avenir Assurance Maladie SA, rue du Nord 5, 1920 Martigny, 11. Krankenkasse Luzerner Hinterland, Luzernstrasse 19, 6144 Zell LU, 12. ÖKK Kranken- und Unfallversicherungen AG, Bahnhofstrasse 9, Postfach, 7302 Landquart, 13. Vivao Sympany AG, Peter Merian-Weg 4, 4052 Basel, 14. Krankenversicherung Flaachtal AG, Bahnhofstrasse 22, Postfach 454, 8180 Bülach, 15. Easy Sana Assurance Maladie SA, Rue du Nord 5, 1920 Martigny, 16. Glarner Krankenversicherung, Säge, 8767 Elm, 17. Cassa da malsauns LUMNEZIANA, Postfach 41, 7144 Vella, 18. KLuG Krankenversicherung, Gubelstrasse 22, 6300 Zug, 19. EGK Grundversicherungen, Brislachstrasse 2, Postfach, 4242 Laufen, 20. sanavals Gesundheitskasse, Haus ISIS, Postfach 18, 7132 Vals, 21. Krankenkasse SLKK, Hofwiesenstrasse 370, Postfach 5652, 8050 Zürich, 22. sodalis gesundheitsgruppe, Balfrinstrasse 15, 3930 Visp, 23. vita surselva, Glennerstrasse 10, Postfach 217, 7130 Ilanz, 24. Krankenkasse Zeneggen, 3934 Zeneggen, 25. Krankenkasse Visperterminen, 3932 Visperterminen, 26. Caisse-maladie de la Vallée d'Entremont société coopérative, Place centrale, Case postale 13, 1937 Orsières, 27. Krankenkasse Institut Ingenbohl, 6440 Brunnen, 28. Stiftung Krankenkasse Wädenswil, Schönenbergstrasse 28, 8820 Wädenswil, 29. Krankenkasse Birchmeier, Hauptstrasse 22, 5444 Künten, 30. kmu-Krankenversicherung, Bachtelstrasse 5, 8400 Winterthur, 31. Krankenkasse Stoffel Mels, Bahnhofstrasse 63, 8887 Mels, 32. Krankenkasse Simplon, 3907 Simplon Dorf, 33. SWICA Krankenversicherung AG, Rechtsdienst, Römerstrasse 38, 8401 Winterthur, 34. GALENOS Kranken- und Unfallversicherung, Militärstrasse 36, Postfach, 8021 Zürich, 35. rhenusana Die Rheintaler Krankenkasse, Heinrich-Wild-Strasse 210, Postfach, 9435 Heerbrugg, 36. Mutuel Assurance Maladie SA, Rue du Nord 5, 1920 Martigny, 37. AMB Assurance-maladie et accidents, Rue du Nord 5, 1920 Martigny, 38. INTRAS Assurance-maladie SA, rue Blavignac 10, 1227 Carouge GE, 39. PHILOS Assurance Maladie SA, rue du Nord 5, 1920 Martigny, 40. Visana AG, Weltpoststrasse 19/21, Postfach 253, 3000 Bern 15, 41. Agrisano Krankenkasse AG, Laurstrasse 10, 5201 Brugg AG, 42. sana24 AG, Weltpoststrasse 19, 3015 Bern, 43. Arcosana AG, Tribschenstrasse 21, 6005 Luzern, 44. vivacare AG, Weltpoststrasse 19, 3015 Bern, 45. Sanagate AG, Tribschenstrasse 21, Postfach 2568, 6002 Luzern, alle vertreten durch tarifsuisse ag, Römerstrasse 20, 4500 Solothurn, alle vertreten durch lic. iur. Felix Weber, Rechtsanwalt, chkp. Conrad Höchli Kink & Partner, Sonnengut 4, 5620 Bremgarten AG, Beschwerdeführerinnen, gegen Geburtshaus A._______,Beschwerdegegnerin, Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt, Staatskanzlei, Marktplatz 9, 4001 Basel, handelnd durch Gesundheitsdepartement des Kantons Basel-Stadt, Gerbergasse 13, Postfach 564, 4001 Basel, Vorinstanz . Gegenstand Festsetzung der Infrastrukturpauschale für ambulante Geburten im Geburtshaus A._______.
Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass der Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt am 15. Januar 2013 den Entscheid zur Festsetzung der Infrastrukturpauschale bei ambulanten Geburten im Geburtshaus zwischen dem Geburtshaus A._______ und den durch tarifsuisse AG vertretenen Krankenversicherungen traf,
dass in Ziffer 1 des Dispositivs des Regierungsratsbeschlusses folgendes festgehalten wurde:
«Der Regierungsrat setzt die Infrastrukturpauschale für ambulante Geburten im Geburtshaus zwischen dem Geburtshaus A._______, vertreten durch die Interessengemeinschaft der Geburtshäuser der Schweiz (IGGH-CH®) und der tarifsuisse AG mit Wirkung ab 1. Januar 2012 fest»,
dass der Beschluss inklusive dessen Begründung dem Geburtshaus A._______, der Interessengemeinschaft der Geburtshäuser der Schweiz und der tarifsuisse AG am 16. Januar 2013 schriftlich mit eingeschriebenem Brief eröffnet wurde,
dass das Dispositiv des Beschlusses am 19. Januar 2013 im Kantonsblatt des Kantons Basel-Stadt publiziert wurde,
dass die Beschwerdeführerinnen 1 - 45 den Tariffestsetzungsbeschluss mit Beschwerde vom 15. Februar 2013 anfochten und im Wesentlichen beantragten, 1. es sei festzustellen, dass der angefochtene Entscheid nichtig sei, 2. eventualiter sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, 3. subeventualiter sei der angefochtene Beschluss aufzuheben und der Infrastrukturbeitrag für die Nutzung des Gebährzimmers bei einer ambulanten Geburt im Geburtshaus A._______ sei auf maximal CHF 360.- festzusetzen,
dass die Beschwerdeführerinnen ihren Antrag auf Feststellung der Nichtigkeit wie folgt begründeten:
mit dem angefochtenen Entscheid sei kein Tarif festgesetzt worden, und der Beschluss habe keinen Inhalt,
der Mangel des Entscheids wiege besonders schwer, sei offensichtlich und leicht erkennbar und die Rechtssicherheit würde durch die Annahme der Nichtigkeit nicht ernsthaft gefährdet,
dass die Vorinstanz, vertreten durch das Gesundheitsdepartement des Kantons Basel-Stadt, in ihrer Vernehmlassung vom 22. März 2013 beantragte, sowohl das Hauptbegehren auf Feststellung der Nichtigkeit des angefochtenen Beschlusses als auch das Eventualbegehren und das Subeventualbegehren der Beschwerdeführerinnen seien vollumfänglich abzuweisen,
dass die Vorinstanz ihren Antrag auf Abweisung des Hauptbegehrens wie folgt begründete:
es treffe zu, dass der Betrag der Infrastrukturpauschale im Dispositiv versehentlich nicht genannt worden sei,
dabei handle sich nicht um einen schwerwiegenden Verfahrensfehler, sondern um ein offensichtliches Versehen in Form eines Kanzleifehlers, welcher nicht die Nichtigkeit des Beschlusses zur Folge habe,
der auf CHF 700.- festgesetzte Betrag der Infrastrukturpauschale bei ambulanten Geburten im Geburtshaus sei mehrmals in der Begründung des Entscheides sowie bei der Gewährung des rechtlichen Gehörs genannt worden und sei aus dem Entscheid ersichtlich,
und erwägt,
dass das Bundesverwaltungsgericht gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) in Verbindung mit Art. 33 Bst. i VGG und Art. 53 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG, SR 832.10) in Verbindung mit Art. 90a Abs. 2 KVG Beschwerden gegen Verfügungen des Regierungsrates beurteilt,
dass sich das Beschwerdeverfahren grundsätzlich nach dem Verwaltungsverfahrensgesetz vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) richtet, wobei Art. 53 Abs. 2 KVG jedoch - im Sinne der Verfahrensstraffung - verschiedene Ausnahmen statuiert,
dass die Beschwerdelegitimation für den vorliegend zu prüfenden Antrag zweifellos gegeben ist (Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass die Beschwerde frist- und formgerecht eingereicht wurde (vgl. Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG) und darauf einzutreten ist,
dass der Betrag der festgesetzten Infrastrukturpauschale im Dispositiv des angefochtenen Beschlusses fälschlicherweise nicht aufgeführt wurde und dieser daher dem im Kantonsblatt publizierten Entscheiddispositiv nicht entnommen werden kann,
dass dieser jedoch zweifelsfrei der Begründung des Entscheids entnommen werden kann,
dass unmittelbar oberhalb des Dispositivs des angefochtenen Entscheids unter dem Titel «Schlussfolgerungen» festgehalten ist, die Festsetzung der Infrastrukturpauschale in der Höhe von CHF 700.- sei rechtmässig, wirtschaftlich und sozialverträglich,
dass die Fehlerhaftigkeit einer Verfügung in der Regel deren Anfechtbarkeit, nicht aber deren Nichtigkeit, bewirkt (BGE 98 Ia 568 E. 4, 132 II 21 E. 3.1),
dass die Rechtsprechung bei der Abgrenzung zwischen Anfechtbarkeit und Nichtigkeit der Evidenztheorie folgt, wonach eine Verfügung nichtig ist, wenn der ihr anhaftende Mangel besonders schwer und offensichtlich oder zumindest leicht erkennbar ist, und zudem die Rechtssicherheit dadurch nicht ernsthaft gefährdet wird (BGE 133 II 366 E. 3.2, 132 II 21 E. 3.1, 130 III 430 E. 3.3, 98 Ia 568 E. 4),
dass als Nichtigkeitsgründe hauptsächlich funktionelle und sachliche Unzuständigkeit einer Behörde sowie schwerwiegende Verfahrensfehler in Betracht fallen (BGE 132 II 21 E. 3.1, vgl. zudem die Zusammenfassung der Rechtsprechung bei Ulrich Häfelin / Georg Müller / Felix Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl., Zürich 2010, N. 958 ff.),
dass der Inhalt des Entscheides und der festgesetzte Tarif ohne Weiteres und zweifelsfrei der Begründung entnommen werden können,
dass die Nichtaufnahme des Betrags der festgesetzten Infrastrukturpauschale in das Entscheiddispositiv als redaktionelles Versehen zu qualifizieren ist, welches aufgrund eines allgemeinen bundesrechtlichen Verfahrensgrundsatzes jederzeit berichtigt werden kann (vgl. BGE 99 V 62 E. 2b; Stefan Vogel in: Auer/ Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, Bern 2008, Art. 69 N. 20 und 24),
dass den Parteien des vorliegenden Beschwerdeverfahrens der Entscheid inklusive der Begründung mittels persönlich adressierter Verfügung eröffnet wurde und ihnen durch das redaktionelle Versehen somit kein Nachteil erwachsen ist,
dass weiteren interessierten Personen aus der mangelhaften Publikation im Kantonsblatt kein Nachteil erwächst, da diesen der Fristenlauf nicht entgegengehalten werden könnte (Art. 38 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021),
dass der Mangel des angefochtenen Entscheides nicht besonders schwer wiegt und damit eine notwendige Hauptvoraussetzung der Nichtigkeit fehlt,
dass die Voraussetzungen zur Annahme einer Nichtigkeit nach der Evidenztheorie kumulativ gegeben sein müssen und damit die Nichtigkeit im vorliegenden Fall zu verneinen ist,
dass über die Verfahrens- und Parteikosten betreffend dieses Teilurteil im Endentscheid zu befinden sein wird,
dass die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht gegen Entscheide auf dem Gebiet der Krankenversicherung, die das Bundesverwaltungsgericht gestützt auf Art. 33 Bst. i VGG in Verbindung mit Art. 53 KVG getroffen hat, gemäss Art. 83 Bst. r des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (BGG, SR 173.110) unzulässig und der vorliegende Entscheid somit endgültig ist.
Es wird festgestellt, dass der angefochtene Beschluss nicht nichtig ist.
Dieses Teilurteil geht an:
die Beschwerdeführerinnen (Gerichtsurkunde; Beilage: Vernehmlassung der Vorinstanz vom 22. März 2013)
die Beschwerdegegnerin (Gerichtsurkunde; Beilage: Vernehmlassung der Vorinstanz vom 22. März 2013)
die Vorinstanz (Gerichtsurkunde)
Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Franziska Schneider Tobias Merz
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