Information duty between spouses under Art. 170 ZGB

OG 1993 4Übriges Gericht05.09.1993Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The applicant in a family-law measure proceeding sought fuller disclosure from her spouse under Art. 170 ZGB. The first-instance judge had already questioned the parties under truth obligation and ordered the requested evidentiary measures at the hearing. The appellate court held that this satisfied the judge’s duty and that the applicant had to formulate concrete questions or evidence requests herself. Because she did so, including regarding X. GmbH, no further appellate inquiries were necessary. The court also noted that future information requests can still be made in divorce proceedings. The appeal was dismissed.

Omnilex-Regeste

Art. 170 ZGB; disclosure between spouses in protection and interim proceedings: the judge satisfies the statutory duty to assist fact-finding by questioning the parties under truth obligation and by ordering requested evidentiary measures, and if necessary by taking further evidence ex officio. The requesting spouse remains subject to a duty of concrete procedural cooperation and must formulate specific evidentiary motions or targeted questions capable of clarifying the other spouse’s financial situation. In appellate written proceedings, no broad evidentiary supplementation is required where such opportunities were already available in the first instance. Future requests for information under Art. 170 ZGB remain admissible in later divorce proceedings.

Gesamter Gesetzestext

Gemäss Art. 170 Abs. 1 ZGB kann jeder Ehegatte vom andern Auskunft über dessen Einkommen, Vermögen und Schulden verlangen. In Eheschutz- und Massnahmeverfahren geschieht dies regelmässig dadurch, dass der Richter die Parteien einer Befragung unter Wahrheitspflicht unterzieht und beantragte Editionen verfügt, eventuell auch Zeugen einvernimmt oder Amtsauskünfte einholt. Dies ist auch im vorliegenden Fall anlässlich der Verhandlung vor dem Amtsgerichtspräsidenlen geschehen. Damit hat der Vorderrichter seine ihm gesetzlich auferlegte Pflicht erfüllt. Da die Gesuchstellerin einen formellen Antrag auf Auskunftserteilung gestellt hatte, wäre es an sich wünschenswert gewesen, wenn der Amtsgerichtspräsident in seinen Erwägungen darauf hingewiesen hatte, dass dem Begehren mit den getroffenen Beweisvorkehren stattgegeben worden sei.

Die Rüge der Gesuchstellerin, der Gesuchsgegner habe ihr lediglich teilweise Auskunft gegeben, ist unbehelflich. Wenn schon im Verwaltungsrecht, wo die Untersuchungs- und die Offizialmaxime zur Anwendung kommen, den Parteien konkrete Mitwirkungspflichten zur Ermittlung des Sachverhalts obliegen (vgl. Fellmann Walter, Berührungspunkte zwischen Verhandlungs- und Untersuchungsgrundsatz und ihre Bedeutung für die Ausgestaltung des Zivilprozesses, in: Richter und Verfahrensrecht, Festgabe Luzerner Obergericht, Bern 1991, S. 103), so muss dies erst recht im vorliegenden Zivilverfahren, in dem es um Ehegattenunterhalt geht, gelten. Daran ändert § 342quater Abs. 3 ZPO, wonach der Gerichtspräsident von Amtes wegen ergänzende Abklärungen treffen kann, nichts. Im einzelnen bedeutet dies, dass es der auskunftsersuchenden Partei obliegt, während des Verfahrens konkrete Beweisanträge zu stellen oder dann anlässlich der Gerichtsverhandlung konkrete Fragen vorzubringen, die geeignet sind, Aufschluss über die finanziellen Verhältnisse der Gegenpartei zu geben. Aus den vorinstanzlichen Akten ergibt sich, dass die Gesuchstellerin entsprechende Zusatzfragen auch gerade bezüglich der X. GmbH gestellt hat. Es besteht daher im Rekursverfahren für Weiterungen keinerlei Notwendigkeit; dies um so weniger, als das Rekursverfahren grundsätzlich schriftlicher Natur ist und eine Verhandlung nur in Ausnahmefällen durchgeführt wird.

Die Gesuchstellerin wirft der Vorinstanz ferner vor, sie habe die Frage nicht behandelt, wie weit der Gesuchsgegner in Zukunft über seine Vermögensverhältnisse Auskunft zu geben habe. Es versteht sich indes von selbst, dass es auch im Rahmen eines Scheidungsverfahrens den Parteien freisteht, entsprechende Begehren um Auskunftserteilung gemäss Art. 170 ZGB zu stellen.

Schlagwörter

spousal information dutyfamily lawevidentiary cooperationinterim measuresappellate proceduretruth obligation

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the first-instance court complied with the spouse’s right to information under Art. 170 ZGB by ordering evidence measures at the hearing.

Extrahierter Entscheid

The court had fulfilled its legal duty by questioning the parties under truth obligation and ordering the requested evidentiary measures.

Extrahierte Begründung

In protection and interim proceedings, information is typically obtained through party questioning, production orders, and if needed witness testimony or official inquiries. That was done here at the hearing before the Amtsgerichtspräsident.

Kernrechtsfrage

Whether the respondent’s alleged only partial disclosure required additional appellate fact-finding.

Extrahierter Entscheid

No further appellate investigation was required.

Extrahierte Begründung

The requesting party must make concrete evidentiary requests or specific questions during the proceedings. The records showed that the applicant did so, including regarding X. GmbH; in addition, appellate proceedings are generally written and hearings are exceptional.

Kernrechtsfrage

Whether the first-instance court had to address the spouse’s future duty to provide information.

Extrahierter Entscheid

The omission did not warrant intervention; parties remain free to file such requests under Art. 170 ZGB in divorce proceedings.

Extrahierte Begründung

The possibility of future information requests under Art. 170 ZGB follows from the law itself and does not require special discussion in the impugned decision.

Setzen Sie Ihre Recherche in ChatGPT oder Claude fort

Verbinden Sie Omnilex, um den Rechtskorpus über Ihren KI-Assistenten zu durchsuchen.