Jurisdiction by submission and Swiss law choice under IPRG

BO.2013.42Übriges Gericht26.03.2014Other

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The court addressed only jurisdiction. It held that even if submission under Art. 18 aLugÜ were unavailable because neither party had domicile in a LugÜ state, the Kreisgericht St. Gallen still had jurisdiction under the IPRG. The defendant had appeared without raising the jurisdictional objection and sought a ruling on the merits, and the parties’ conduct showed an implied choice of Swiss law. Because such a choice is admissible for unjust enrichment and tort claims, the court could not decline jurisdiction under Art. 6 IPRG.

Omnilex-Regeste

Art. 18 aLugÜ; Art. 6, 5 Abs. 3, 116 Abs. 2, 128 Abs. 2 und 132 IPRG; jurisdiction by submission and implied choice of law. The personal and territorial scope of Art. 18 aLugÜ remains contested where neither party is domiciled in a LugÜ state. If that provision is inapplicable, jurisdiction of the Swiss court may nonetheless arise under Art. 6 IPRG through unreserved appearance. The court may refuse jurisdiction only if both cumulative exceptions of Art. 6 IPRG are met, namely absence of domicile or habitual residence in the canton and application of non-Swiss law. Where the parties’ conduct clearly discloses an implied choice of Swiss law, and such choice is permissible for unjust enrichment and tort claims, the court must accept jurisdiction; a defendant’s merits-based participation constitutes a valid jurisdictional submission.

Gesamter Gesetzestext

Aus den Erwägungen

III.

5.    Auch unter den Titeln Gebrauchsleihe, unerlaubte Handlung oder ungerechtfertigte Bereicherung könnte sich unter dem aLugÜ die Zuständigkeit des Kreisgerichts St. Gallen einzig aus Art. 18 aLugÜ (rügelose Einlassung) ergeben, da keine der Parteien in einem LugÜ-Staat Wohnsitz hat (sh. die nicht bestrittenen Ausführungen der Vorinstanz, vi-Entscheid, S. 4, wonach der Kläger Wohnsitz in Costa Rica hat, die Beklagte gemäss Angaben des Klägers im Zeitpunkt der Stellung des Vermittlungsbegehrens unbekannten Aufenthalts, aber ohne schweizerischen Wohnsitz war, mittlerweile ihren Wohnsitz jedoch in den USA angegeben hat).

a)    Nach seinem Wortlaut findet Art. 18 aLugÜ (entspricht Art. 24 im revidierten LugÜ) Anwendung, wenn ein Gericht eines LugÜ-Staates angerufen wird, ohne dass es auf den Wohnsitz/Sitz der Parteien ankommt. In der Lehre wird hingegen vorausgesetzt, dass der Beklagte in einem Vertragsstaat zu wohnen hat, um sich gestützt auf Art. 18 aLugÜ auf eine Klage einlassen zu können. Ein anderer Teil der Lehre ist der Auffassung, dass – in Analogie zu Art. 17 aLugÜ (entspricht Art. 23 im revidierten LugÜ) – zumindest eine der Parteien in einem LugÜ-Staat ihren Wohnsitz haben muss. Der EuGH hat sich zur Frage des räumlichen-persönlichen Anwendungsbereichs bisher noch nicht mit der erforderlichen Klarheit geäussert (Schnyder, LugÜ-Grolimund/      Bachofner, N 7 ff. zu Art. 24 LugÜ; BSK IPRG-Vasella, N 17 zu Art. 6 IPRG; vgl. auch EuGH-Urteil, C-111/09, wonach die Einlassung als eine stillschweigende Prorogation zu verstehen sei und damit zumindest eine der Parteien Wohnsitz in einem LugÜ-Staat haben müsste).

b)    Ist Art. 18 aLugÜ, nach dessen Wortlaut das Kreisgericht St. Gallen, vor welchem sich die Beklagte auf die Klage eingelassen hat, zuständig wäre, nicht anwendbar, so ergibt sich die Zuständigkeit des Kreisgerichts aus dem IPRG, wie im Folgenden auszuführen ist.

c)    Gemäss Art. 6 IPRG begründet in vermögensrechtlichen Angelegenheiten die vorbehaltlose Einlassung die Zuständigkeit des angerufenen schweizerischen Gerichts. Indessen darf aufgrund des klaren Gesetzestextes das Gericht seine Zuständigkeit ablehnen, wenn keine Partei ihren Wohnsitz oder ihren gewöhnlichen Aufenthalt im entsprechenden Kanton hat und wenn nicht schweizerisches Recht anwendbar ist (Art. 5 Abs. 3 IPRG), wobei beide Voraussetzungen erfüllt sein müssen (BSK IPRG-Vasella, N 13 zu Art. 6 IPRG).

Vorliegend hat zwar keine der Parteien Wohnsitz oder ihren gewöhnlichen Aufenthalt in der Schweiz, doch ergibt sich aus ihrem prozessualen Verhalten unmissverständlich (vgl. Art. 116 Abs. 2 IPRG), dass sie schweizerisches Recht anwenden wollen. Eine solche Rechtswahl ist unter den Titeln ungerechtfertigte Bereicherung (Art. 128 Abs. 2 IPRG) und unerlaubte Handlung (Art. 132 IPRG) nicht ausgeschlossen, weshalb das Kreisgericht St. Gallen seine Zuständigkeit gestützt auf Art. 6 i.V.m. Art. 5 Abs. 3 IPRG nicht ablehnen darf, zumal ohnehin auch die Arrestprosequierungsklage in international gelagerten, aber nicht unter das LugÜ subsumierbaren Fällen am Arrestort erhoben werden kann, sofern das IPRG keinen anderen Gerichtsstand in der Schweiz vorsieht (Art. 4 IPRG, Kren Kostkiewicz/Penon, Zur Arrestprosequierung im nationalen und internationalen Kontext, BlSchK 2012, S. 213). Die Beklagte hat sich – indem sie die Einrede der Unzuständigkeit nicht erhoben, sondern im Gegenteil sogar die materielle Durchführung beantragt hat – gültig und zuständigkeitsbegründend auf die Klage eingelassen (Klageantwort, S. 2; vi-act. 42, S. 2; B/16).

Schlagwörter

jurisdictionsubmissionimplied choice of lawinternational jurisdictionunjust enrichmenttortarrest enforcement

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the Kreisgericht St. Gallen had jurisdiction based on submission under the LugÜ or, subsidiarily, under the IPRG.

Extrahierter Entscheid

If Art. 18 aLugÜ does not apply, jurisdiction follows from Art. 6 IPRG because the defendant validly entered an appearance and the parties’ conduct shows an implied choice of Swiss law; the court could therefore not decline jurisdiction under Art. 6 in conjunction with Art. 5(3) IPRG.

Extrahierte Begründung

The court notes that Art. 18 aLugÜ is controversial as to its territorial-personal scope, but even assuming it is inapplicable, Art. 6 IPRG governs. Although neither party is domiciled or habitually resident in Switzerland, the record shows an unambiguous implied choice of Swiss law. A choice of law is possible for unjust enrichment and tort claims, so the prerequisite of foreign law is absent. In addition, the defendant waived the objection to jurisdiction and requested a decision on the merits.

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