455
Postulat Rutishauser
Ländern aus. Sie wissen, dass die Regierungen dieser Län- der angesichts der wirtschaftlichen Situation nicht in der Lage sind, wirksame Massnahmen gegen diese Art von Geschäften zu ergreifen.
Bis jetzt wurde von offizieller Seite kaum in irgendeiner Form gegen die Verantwortlichen vorgegangen. Das Geschäft blüht. Die neue «Verordnung über die Begrenzung der Zahl der erwerbstätigen Ausländer», wonach nur noch Künstlern und Artisten sowie Tänzern, die eine künstlerisch- musikalische Darbietung erbringen, Aufenthalts- oder Arbeitserlaubnis erteilt werden soll, wird heute so umgan- gen, dass die Frauen und Mädchen gezwungen werden, Schweizer Männer zu heiraten. Skrupellos werden die Frauen in die Schweiz eingeführt, wo sie nachher in Konflikt mit dem bestehenden Straf-, Polizei- und Ausländerrecht kommen und deshalb um so leichter ausgenützt werden können.
In der Oeffentlichkeit regt sich Widerstand. Seit Jahren weisen Frauenorganisationen, die Erklärung von Bern u. a., auf die Missstände hin. Das FIZ (Fraueninformationszentrum Zürich), welches sich um die betroffenen Frauen kümmert, musste bereits nach einem Jahr wegen Arbeitsüberlastung ausgebaut werden.
Im Kampf um das Sexgewerbe geht es nicht um Moral und gute Sitte, sondern um Ausbeutung und Machtansprüche. So schreibt eine autonome Frauengruppe in Deutschland: «Sexismus und Rassismus sind so tief verankert, dass es für die weissen Männer eine Selbstverständlichkeit ist, sich die Frauen der Dritten Welt nach ihren Bedürfnissen anzueig- nen - wie die Rohstoffe und Naturschätze dieser Länder.»
Schriftliche Erklärung des Bundesrates vom 26. Februar 1986 Déclaration écrite du Conseil fédéral du 26 février 1986 Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen.
Ueberwiesen - Transmis
85.915
Postulat Schnider-Luzern Schweizergardisten. Befreiung vom Militärpflichtersatz Garde suisse du Vatican. Exemption de la taxe militaire
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 2. Dezember 1985
Rapport écrit du Conseil fédéral du 2 décembre 1985 Gemäss Artikel 11 der Bundesverfassung ist der Abschluss von Militärkapitulationen untersagt, d. h. von Staatsverträ- gen, welche die Anwerbung und Einteilung von Schweizern in fremden Armeen ermöglichen. Die päpstliche Schweizer- garde des Vatikans in ihrer heutigen Form ist nach gefestig- ter Auffassung von diesem Verbot nicht betroffen: Die Schweizergarde ist keine Armee, die mit der schweizeri- schen verglichen werden kann, denn Zweck, Ausrüstung, Führung, Einsatzmöglichkeiten und Rekrutierung entspre- chen denjenigen einer blossen Hausgarde mit rein polizeili- chem Charakter. Aus diesem Grunde wurde der Dienst in der päpstlichen Schweizergarde auch nie als fremder Mili- tärdienst militärstrafrechtlich verfolgt.
Vor allem aber ist der Dienst bei der päpstlichen Schweizer- garde keine Dienstleistung, die als befohlener Dienst von der schweizerischen Militärgesetzgebung erfasst und durch sie reglementiert wird, sondern eine Berufsausübung im Ausland, die mit anderen Erwerbstätigkeiten ausserhalb der Schweizergrenze verglichen werden muss. Dabei kommt der Gardist einer freiwilligen Arbeits- und Treueverpflich- tung nach, wie sie jeder Arbeitnehmer eingeht.
Dementsprechend werden Angehörige der päpstlichen Schweizergarde wie andere Auslandschweizer zur Ersatz- pflicht herangezogen, wenn sie ihren schweizerischen Mili- tärdienst versäumen, und haben Anspruch auf die Rücker- stattung der Ersatzabgabe, sobald sie den versäumten Dienst nachgeholt haben. Der Höhe ihrer Besoldung wird bei der Bemessung der Militärpflichtersatzabgabe Rech- nung getragen. Der Bundesrat ist nicht der Auffassung, dass an der geschilderten Rechtslage in bezug auf die Schweizer- gardisten etwas geändert werden sollte.
Schriftliche Erklärung des Bundesrates Déclaration écrite du Conseil fédéral Der Bundesrat beantragt, das Postulat abzulehnen.
Abgelehnt - Rejeté
85.955 Postulat Rutishauser Eidgenössische Alkoholverwaltung. Strukturelle Aenderung Régie des alcools. Réorganisation fonctionnelle
Wortlaut des Postulates vom 4. Oktober 1985
Der Bundesrat wird beauftragt zu prüfen, ob das Korps der päpstlichen Schweizergarde im Vatikan nicht von der Mili- tärpflichtersatzabgabe befreit werden soll.
Texte du postulat du 4 octobre 1985 J'invite le Conseil fédéral à examiner si les soldats suisses de la garde pontificale du Vatican ne devraient pas être exemptés de la taxe militaire.
Schriftliche Begründung - Développement par écrit Die päpstliche Ehrengarde leistet einen von allen Nationen anerkannten Ehrendienst, auf den wir Schweizer stolz sein dürfen. Für ihren Dienst erhalten die Schweizergardisten einen kleinen Sold. Davon müssen sie in der Schweiz eine Militärpflichtersatzabgabe bezahlen, da sie ihre Wiederho- lungsdienstpflicht in unserem Land notgedrungen nicht erfüllen können. Für die Gardisten, die ja einen befohlenen Dienst leisten, bedeutet dieser Abzug von ihrem kleinen Militärsold eine grosse Einschränkung.
Wortlaut des Postulates vom 11. Dezember 1985 Laut Presse- und Radiomeldungen befassen sich der Bun- desrat und die Verwaltung mit dem Gedanken, die Zentral- stelle für häusliche und bäuerliche Obstverwertung in Affol- tern a. A. zu kantonalisieren oder sogar aufzulösen. Der Bundesrat wird gebeten, bei der Prüfung dieser Frage zu beachten, dass diese Institution wertvolle Dienste leistet, insbesondere für:
die brennlose Verwertung von Obstüberschüssen;
die Hebung der Volksgesundheit (Bekämpfung des Alko- holismus);
die Erhaltung der Infrastruktur für die Selbstversorgung in Zeiten gestörter Zufuhr;
die Pflege und Erhaltung einer Bauernkultur;
den Landschafts- und Vogelschutz (Hochstammobst- gärten).
Texte du postulat du 11 décembre 1985
A en croire certaines informations diffusées par la presse et la radio, le Conseil fédéral et l'administration envisagent de
Postulat Zwygart
456
N 21 mars 1986
cantonaliser, voire de supprimer l'Office central d'Affoltern a. Albis pour l'uilisation domestique des fruits sans distilla- tion.
Le Conseil fédéral est invité à prendre en considération, lorsqu'il examinera cette question à fond, que ladite institu- tion fournit de précieux services et notamment pour ce qui est de:
la mise en valeur d'excédents des récoltes fruitières, sans qu'il soit nécessaire de les faire distiller;
la promotion de l'hygiène publique (lutte contre l'alcoo- lisme);
la conservation de l'infrastructure, garante de l'auto- approvisionnement en période où le ravitaillement serait perturbé;
l'entretien et la sauvegarde d'une culture rurale;
la protection du paysage et des espèces d'oiseaux (ver- gers formés d'arbres fruitiers «haute tige»).
Mitunterzeichner - Cosignataires: Blunschy, Bühler- Tschappina, Dünki, Fehr, Fischer-Hägglingen, Geissbühler, Hösli, Jung, Kühne, Maeder-Appenzell, Müller-Bachs, Mül- ler-Wiliberg, Nebiker, Neuenschwander, Oester, Reichling, Risi-Schwyz, Robert, Rüttimann, Uhlmann, Weber Monika, Wick, Zwingli, Zwygart (24)
Schriftliche Begründung - Développement par écrit Die wertvollen Dienstleistungen der ZO dürfen im Interesse der Konsumenten, Produzenten und der gesamten Volks- wirtschaft nicht eingeschränkt werden.
Schriftliche Erklärung des Bundesrates vom 19. Februar 1986
Déclaration écrite du Conseil fédéral du 19 février 1986 Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen.
Ueberwiesen - Transmis
85.995 Postulat Zwygart Alkoholverwaltung und Bundesamt für Gesundheitswesen. Aufgabenneuverteilung Redistribution des tâches entre la Régie des alcools et l'Office de la santé publique
.
Wortlaut des Postulates vom 19. Dezember 1985 Der vom Eidgenössischen Finanzdepartement in Auftrag gegebene Bericht zur Reorganisation der Eidgenössischen Alkoholverwaltung (Bericht Germann) sieht unter anderem die Transferierung des Dienstes für Volksgesundheit und Statistik von der Eidgenössischen Alkoholverwaltung zum Bundesamt für Gesundheitswesen vor.
Der Bundesrat wird gebeten, bei der Prüfung dieses Trans- fers nicht nur administrative und finanzielle Konsequenzen, sondern vor allem die Auswirkungen auf die volksgesund- heitlich orientierte Alkoholpolitik des Bundes in Betracht zu ziehen. Insbesondere sollte der Frage nachgegangen wer- den, ob der vorgeschlagene Transfer die Erreichung dieses Hauptzieles nicht beeinträchtigt. Da der Bericht Germann diesen wesentlichen Aspekt nicht berücksichtigt, ist eine zusätzliche Prüfung dringend notwendig.
Texte du postulat du 19 décembre 1985
Le rapport sur la réorganisation de la Régie fédérale des alcools (rapport Germann), commandé par le Département des finances, envisage notamment de faire transférer à l'Office fédéral de la santé publique le service de santé
publique et de statistique qui dépend de la Régie des al- cools.
Le gouvernement est prié, lors de l'examen de ce rapport, de prendre en considération non seulement les conséquences administratives et financières d'un tel transfert, mais aussi et surtout, les répercussions qu'il pourrait avoir sur la politique fédérale en matière d'alcools, politique qui a pour objectif la sauvegarde de la santé publique. Il devrait examiner en particulier si le transfert proposé ne compromet pas la réalisation de cet objectif primordial. Le fait que le rapport Germann ne tienne nul compte de cet aspect essentiel rend un nouvel examen de la question d'autant plus nécessaire.
Mitunterzeichner - Cosignataires: Ammann-St. Gallen, Blunschy, Candaux, Dünki, Grendelmeier, Günter, Hösli, Mauch, Müller-Aargau, Neukomm, Oester, Rutishauser, Stamm Judith, Steffen, Weber Monika, Weder-Basel (16)
Schriftliche Begründung - Développement par écrit
Die Zielsetzung der Eidgenössischen Alkoholverwaltung ist gemäss Artikel 32bis BV klar auf die Förderung der Volksge- sundheit ausgerichtet. Die auf den gebrannten Wassern erhobenen Fiskalabgaben haben primär zum Ziel, den Kon- sum zu senken und nicht dem Bund respektive der AHV zu vermehrten Einnahmen zu verhelfen. Wenn nun die engeren gesundheitspolitischen Funktionen von der EAV zum BAG transferiert werden, so wird der EAV ein wichtiges Instru- ment der Selbstdarstellung und der Förderung der Volksge- sundheit weggenommen. Die Alkoholverwaltung würde der- art zur Fiskal- und Agrarinterventions-Behörde. Dies wider- spricht klar dem Auftrag der Bundesverfassung.
Nachdem auch im Bericht Germann der Alkohol als die «wichtigste und schädlichste Droge» bezeichnet wird, scheint es alles andere als sinnvoll, der EAV ein Arbeitsin- strument zur Verhütung von Alkoholproblemen wegzuneh- men. Dies schliesst eine Verstärkung der Gesundheitsförde- rung durch das BAG keineswegs aus. Allfällige Aufgabenü- berschneidungen werden schon heute in der Eidgenössi- schen Kommission für Alkoholfragen zufriedenstellend ver- mieden.
Die Schaffung einer Sektion für Prävention im BAG mit dem Ziel einer verstärkten Gesundheitsförderung ist natürlich sehr zu begrüssen. Es stellt sich jedoch die Frage, ob diese Sektion ihr Hauptziel der Gesundheitsförderung bei der Bevölkerung tatsächlich optimal durchführen kann, wenn - wie im Bericht Germann vorgeschlagen - zum vorneherein zahlreiche Stellen mit Sekretariats- und Verwaltungsaufga- ben, wie Ueberwachung des Alkoholzehntels usw., betraut werden.
Schriftliche Erklärung des Bundesrates vom 19. Februar 1986 Déclaration écrite du Conseil fédéral du 19 février 1986 Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen.
Ueberwiesen - Transmis
85.944 Postulat Zwygart Intensivierung der landwirtschaftlichen Produktion. Abgaben Agriculture intensive. Prélèvements fiscaux
Wortlaut des Postulates vom 5. Dezember 1985 Der Bundesrat wird eingeladen, Massnahmen in die Wege zu leiten, um Abgaben auf intensitätssteigernden Produk- tionsmitteln zu erheben. Im 6. Landwirtschaftsbericht wird
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Postulat Rutishauser Eidgenössische Alkoholverwaltung. Strukturelle Aenderung Postulat Rutishauser Régie des alcools. Réorganisation fonctionnelle
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Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale
Jahr
1986
Année
Anno
Band
I
Volume
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Session
Frühjahrssession
Session
Session de printemps
Sessione
Sessione primaverile
Rat
Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
17
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 85.955
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum
21.03.1986 - 08:00
Date
Data
Seite
455-456
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Pagina
Ref. No
20 014 209
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