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Nachdruck unterstrichen, dass hier viel geschehen ist, weil wir sonst einen falschen Eindruck erwecken.
Weitere Förderung ist aber noch nötig. Ich denke an Berufe, die noch keine Meisterprüfung kennen: ein dankbares Feld sozialpartnerschaftlicher Betätigung, an die auch die öffent- liche Hand beisteuern kann. Aber der Hauptimpuls muss aus der Sozialpartnerschaft selbst erwachsen.
Ein Wort zu den höheren Fachschulen. Das Berufsbildungs- gesetz gibt die Möglichkeit, neben den traditionellen Tech- niker- und Ingenieurschulen sowie höheren Wirtschafts- und Verwaltungsschulen auch andere höhere Fachschulen eidgenössisch anzuerkennen. In diesem Sinn haben wir die höheren Fachschulen für Gestaltung und die höheren haus- wirtschaftlichen Fachschulen geschaffen. Weitere Schulen im Bereich des Tourismus und der Gastronomie stehen zur Regelung an. Die Schaffung einer externen Betriebsökono- menprüfung, die der Diplomprüfung an einer höheren Wirt- schafts- und Verwaltungsschule entsprechen soll, steht bevor. Die Nachfrage nach solchen Bildungsgelegenheiten ist enorm. Die Absolventen sind auf dem Arbeitsmarkt gesucht. Wir handeln hier also marktkonform. Wenn ich festhalte, dass das Angebot noch zu knapp ist, dann meine ich, dass hier in der Praxis eine Art numerus clausus besteht, der uns beschäftigt. Sie wissen, dass wir an den Hochschulen immer noch die Lösung haben: jeder kann studieren. Im praktischen Bereich der Berufsbildung kennen zahlreiche höhere Fachschulen faktische Zulassungsbe- schränkungen. Wir stehen auch hier in engem Kontakt mit der Wirtschaft und den Kantonen, um Lösungen zu finden. Der Bund ist gewillt, Akzente zu setzen. In diesem Sinne werte ich noch einmal das Sonderförderungsprogramm für die Ingenieurausbildung an Hochschulen und Höheren Technischen Lehranstalten als positiv, worüber der Natio- nalrat gestern in Uebereinstimmung mit dem Bundesrat Beschluss gefasst hat.
Berufsbildungspolitik soll nicht spektakulär sein. Ich glaube nicht, dass man sie als Show-Geschäft betreiben kann; sie muss vom tiefen Ernst getragen sein, die jungen Menschen in unserem Land einzuführen in die Herausforderungen des · Erwerbslebens und ihnen die Mittel in die Hand zu geben, diese stets wechselnden Herausforderungen zu meistern. Es wurde gefragt, wie es denn mit den Töchtern und jungen Ausländern stehe. Ich darf hier Madame Bauer antworten: In der Arbeitsgruppe Jugendliche und Arbeitsmarkt, die unter dem Vorsitz von Direktor Hug vom BIGA steht - er und Herr Vizedirektor Natsch haben hier tagaus, tagein ein unerhört wichtiges Betätigungsfeld -, sahen wir, dass in diesen Monaten - also jetzt - erneut gegen 65 000 Burschen und Mädchen, die die obligatorische Schulzeit absolviert haben, in die Berufslehre eintreten wollen, in einen der ungefähr 300 Lehrberufe. Und der grosse Teil hat eine Lehrstelle in Aussicht. Ich werte mit den Vorrednern das Berufsbildungs- gesetz und die Art, wie wir es anwenden, als direkt entschei- dend für das praktische Nichtexistieren einer Jugendarbeits- losigkeit. Das können wir nicht hoch genug veranschlagen. Nach übereinstimmenden Aussagen der Sozialpartner und der kantonalen Berufsbildungsämter bewegt sich die Nach- frage nach Lehrstellen weiterhin auf einem sehr hohen Niveau, und diese Entwicklung vollzieht sich trotz schrump- fender Jahrgänge bei den Schulaustretenden. Fast zwei von drei Mädchen, das war die präzise Frage von Madame Bauer, und vier von fünf Knaben, füge ich bei, entscheiden sich heute für die Berufslehre. Gegenüber 1975 hat sich die Neigung, eine Berufslehre zu machen, bei den weiblichen · Jugendlichen um 44 Prozent verbessert, bei den Knaben um 12 Prozent, also innert einem Jahrzehnt der Durchbruch in die Richtung, von der Sie zu Recht sagen, sie sei für unsere Mädchen von entscheidender Bedeutung. Diese hohe Nach- frage setzt ein entsprechendes Angebot voraus. Mit der Ausbildungsbereitschaft von Wirtschaft und öffentlichen Betrieben und Verwaltungen darf aber auch in Zukunft gerechnet werden.
Das Lehrstellenangebot ist nach unserer Gewichtung aus- reichend. Es bestehen allerdings nach Region, Berufs- gruppe oder Beruf teilweise beträchtliche Ungleichheiten.
Das führt dann zu praktischen Schwierigkeiten, die wir noch überwinden wollen. Die Nachfrage übersteigt das Angebot an Lehrstellen hauptsächlich bei den kaufmännischen Beru- fen, bei den Berufen der Elektronik, des Kunsthandwerks sowie teilweise des Verkaufs. In folgenden Berufsgruppen haben wir aber zuwenig Lehrlinge: Bauhauptgewerbe und Baunebengewerbe, Gastgewerbe, Textilgewerbe und Bekleidungsindustrie, zum Teil auch Druckindustrie sowie neuerdings Metall- und Maschinenindustrie. Einzelne Berufszweige bekunden Mühe, Jugendliche zu finden, die den erhöhten Anforderungen von Betrieb und Berufsschule gewachsen sind. Das führt dann gelegentlich zum Lehrab- bruch.
Ich darf hier zusammenfassend sagen: In Uebereinstim- mung mit den Fragestellern, in Uebereinstimmung mit dem Präsidenten, auch mit der Wirtschaft, besteht bei uns in der Regierung und im BIGA die Ueberzeugung, dass die kleiner werdenden Jahrgänge von Lehranwärtern eine Chance bedeuten, die Qualität der Ausbildung noch zu heben. Die- ses Vorteils sollen auch die jugendlichen Ausländer teilhaf- tig werden, die sich bei uns um Integration bemühen. Das ist die Antwort auf die zweite Frage von Frau Bauer.
Ich halte abschliessend fest: Ich habe mich bemüht, nicht nur kurz zur Initiative Stellung zu nehmen, sondern einzelne Akzente unserer Berufsbildungspolitik sichtbar zu machen. Wir sind überzeugt, dass wir mit dem System, das wir gewählt haben - schwergewichtig Berufslehre, ergänzt durch Lehrwerkstätten, Weiterbildung als Daueraufgabe -, zum Erfolg kommen werden. Ich halte mit Blick auf die Initiative fest - wie Herr Affolter es zitiert hat -: Sie ist nicht nötig, sie ist wirtschaftspolitisch unnötig, sie ist gesell- schaftspolitisch unerwünscht. Bleiben wir uns selbst treu und nehmen wir das Gute auch aus diesen Anregungen heraus, im Interesse einer dauernden Verbesserung unserer Berufsbildung in enger Zusammenarbeit mit der Wirtschaft.
Eintreten ist obligatorisch L'entrée en matière est acquise de plein droit
Detailberatung - Discussion par articles
Titel und Ingress, Art. 1 und 2 Titre et préambule, art. 1 et 2
Angenommen - Adopté
Gesamtabstimmung - Vote sur l'ensemble
Für Annahme des Beschlussentwurfes 36 Stimmen (Einstimmigkeit)
An den Bundesrat - Au Conseil fédéral
86.002 Aussenwirtschaftspolitik 1985 Politique économique extérieure 1985
Bericht und Beschlussentwurf vom 15. Januar 1986 (BBI 1, 472) Rapport et projet d'arrêté du 15 janvier 1986 (FF 1, 474)
Antrag der Kommission Kenntnisnahme vom Bericht, Eintreten und Zustimmung zum Entwurf des Bundesrates
Proposition de la commission Prendre acte du rapport, entrer en matière et adhérer au projet du Conseil fédéral
M. Jelmini, rapporteur: Si l'on pense que la moitié de notre produit national brut est tributaire des échanges économi-
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ques internationaux, on peut se rendre compte de l'impor- tance d'une présence active de l'Etat dans le domaine de l'économie extérieure.
Le rapport qui nous est présenté par le Conseil fédéral, après avoir résumé les traits essentiels de l'évolution de l'économie mondiale et de notre pays durant l'année écou- lée, nous présente l'éventail des activités du Département de l'économie publique et de l'Office fédéral des affaires éco- nomiques extérieures dans les secteurs qui leur sont confiés. En effet, la liberté constitutionnelle du commerce et de l'industrie fixe des limites assez étroites à l'intervention de l'Etat et s'épanouit dans une politique économique exté- rieure libérale qui interdit entre autres, de manière presque absolue, toutes sortes de protectionnismes.
Sur le plan de l'économie mondiale, l'évolution de la conjoncture et du commerce s'est considérablement affai- blie au cours du premier semestre. Néanmoins, à la suite d'une vigoureuse reprise au deuxième semestre, les pays de l'OCDE ont enregistré une croissance de près de 3 pour cent. L'inflation atteint un niveau relativement modeste grâce à l'application d'une politique monétaire tendant à la stabilité et à la correction du cours du dollar, à une politique salariale prudente qui, toutefois, pourrait influencer négati- vement la demande, et à une augmentation de la producti- vité de manière générale.
A court terme, les perspectives pourraient laisser percer un rayon d'optimisme, mais des présages moins favorables accompagnent les perspectives à plus longue échéance. Les déséquilibres budgétaires et de la balance commerciale des Etats-Unis, les risques protectionnistes liés en grande partie au chômage persistant dans plusieurs pays, et la difficulté de résoudre de façon convenable les problèmes d'endettement de nombreux pays en développement par exemple, contribuent à obscurcir l'avenir.
En ce qui concerne l'économie suisse, l'année écoulée n'a pas été mauvaise. En effet, compte tenu d'une croissance, en termes réels, supérieure à 3,5 pour cent, on a atteint le deuxième meilleur résultat après le premier choc pétrolier. La situation de l'emploi s'est améliorée avec la poussée des exportations. Le chômage partiel a presque disparu et le nombre des chômeurs a baissé depuis l'automne 1984. La marche des affaires s'est révélée favorable, surtout dans l'industrie horlogère et des machines. La stabilité du contexte économique, le développement favorable des coûts internes et surtout les efforts d'adaptation structurelle de notre industrie, même en tenant compte d'un léger flé- chissement de la reprise de l'économie intérieure, font pré- voir que l'économie suisse pourrait être ramenée, en 1986, à un niveau de croissance de l'ordre de quelque 2 pour cent. Il est indéniable que la prospérité de notre pays dépend en grande mesure de sa capacité d'étendre son activité au-delà des frontières, car les limites des marchés indigènes sont assez exiguës. Il en résulte, d'une part, la nécessité d'orien- ter notre politique commerciale vers le libre accès aux marchés étrangers et, d'autre part, de pouvoir disposer de ressources scientifiques et techniques suffisantes pour faire face à une concurrence sur le plan international dont la puissance augmente parallèlement à une évolution techni- que rapide. Ces deux éléments sont suivis avec beaucoup d'attention et un esprit d'initiative certain par les autorités fédérales compétentes, comme cela ressort de la lecture du rapport du Conseil fédéral.
Dans le domaine de la coopération scientifique et technique, la politique suisse en matière de recherche et de développe- ment vise en premier lieu l'accès aux programmes soutenus par l'Etat d'après le principe de libre accès et celui de la non- discrimination, en souhaitant que les entreprises puissent participer à l'une ou à l'autre partie d'un projet, selon leur intérêt et leur capacité, sans devoir s'engager dans des projets de grande envergure, d'après le principe de la géo- métrie variable.
Enfin, notre pays oriente sa participation dans le domaine civil, eu égard à notre politique de neutralité.
En effet, les projets et les installations destinés à la recherche exigent l'emploi de personnes et de moyens
financiers qui dépassent généralement les possibilités d'une seule entreprise ou d'un groupe d'entreprises d'un seul pays. La coopération internationale dans ce domaine devient donc de plus en plus importante. Il ne s'agit pas seulement de partager les frais et les risques, mais surtout d'assurer l'accès au savoir-faire et aux marchés étrangers. En plus des accords de coopération entre la Suisse et les Communautés européennes, qui datent de plusieurs années et qui ont donné des résultats appréciables dans le domaine de la recherche scientifique et technique, COST, et plus particulièrement dans le domaine de la fusion nucléaire, EURATOM, le rapport nous rappelle d'autres programmes plus récents auxquels les milieux suisses de l'économie et de la recherche paraissent particulièrement intéressés. Il s'agit des technologies de l'information, ESPRIT, de techno- logies de pointe dans le domaine des télécommunications, RACE, de la technologie fondamentale et de l'application des technologies nouvelles, BRITE. D'autres projets addi- tionnels, dans plusieurs branches, seront en outre mis en oeuvre dans le courant de cette année.
Le projet EUREKA, lancé par la France et qui vise le renfor- cement de la coopération entre les entreprises et les insti- tuts de recherche dans le domaine des hautes technologies en Europe, est caractérisé par son orientation commerciale. Enfin, l'initiative de défense stratégique (IDS), lancée par le président Reagan, comporte des buts stratégiques de défense. Contrairement à la Confédération, les entreprises suisses seront libres d'y participer.
Le rapport nous annonce encore la prochaine signature de l'accord-cadre de coopération suisse avec les Commu- nautés européennes (EURATOM), dont la conclusion est proposée par le chef de notre Département de l'économie publique à la Commission des Communautés européennes, afin d'assurer des échanges de vues réguliers sur des objec- tifs et des priorités politiques de recherche de la Suisse et de la Communauté européenne.
La coopération avec les pays en voie de développement occupe une partie importante du rapport et témoigne de la volonté de la Suisse de participer au programme d'aide financière de promotion commerciale. Il reste encore beau- coup à faire et beaucoup à donner si l'on veut accélérer la réalisation de l'équilibre ou tout au moins réduire les désé- quilibres en mesures acceptables. Le transfert de technolo- gies vers le tiers monde, qui devrait se produire parallèle- ment à l'acquisition de nouvelles technologies dans les pays industrialisés, dépend en partie du degré de croissance des différents pays et ne peut être réalisé que par l'implantation d'entreprises dans les pays qui en ont vraiment besoin. Une coordination appropriée des vues et des activités des pays industrialisés pourrait favoriser une meilleure intégration des pays en voie de développement au système économique mondial.
Le débat au sein de la commission a mis en évidence plusieurs aspects plus ou moins inhérents au thème de la politique économique extérieure. Je me bornerai à en évo- quer quelques-uns.
La charge fiscale moyenne de la Suisse est inférieure, avec ou sans les incidences sociales, d'environ 20 pour cent par rapport aux pays de l'OCDE. Toutefois, les prévisions d'une amélioration ultérieure de notre situation économique ne nous permettent pas - au moins à court terme - de proposer une réduction.
Il paraît indispensable de renforcer les rapports entre l'AELE, que le départ du Portugal a affaiblie, et la CEE afin d'éliminer les barrières encore existantes entre les deux communautés. Il est souhaitable que les relations entre la Suisse et le Portugal, en ce concerne nos échanges, puis- sent être réglées définitivement le plus tôt possible.
La réduction du prix du pétrole se traduit indirectement par une diminution de l'inflation et provoque des effets positifs sur le plan économique pour les pays qui ne sont pas producteurs. Mais une baisse des prix dans la précipitation pourrait avoir, pour les pays producteurs, des conséquences très négatives.
Enfin, la commission vous propose, à l'unanimité, de
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prendre acte du rapport, en exprimant sa satisfaction. Le Conseil fédéral nous propose ensuite d'adopter l'arrêté fédéral qui modifie l'ordonnance sur les exportations des marchandises. Cette mesure vise à interdire le transit illicite à travers le territoire suisse et la sortie illégale des entrepôts douaniers suisses, de certaines marchandises. L'arrêté pré- voit aussi de prolonger d'une année l'ordonnance concer- nant l'importation et l'exportation de barres d'armatures. La commission, à l'unanimité, vous propose d'adopter l'arrêté fédéral approuvant des mesures économiques extérieures.
Gadient: Im vorzüglichen Bericht zur Aussenwirtschaftspoli- tik, der Dank und Anerkennung verdient, ist der Hinweis enthalten, dass EG- und EFTA-Länder ihre Bemühungen fortsetzen, um den Schritt vom bestehenden Freihandelssy- stem zu einem homogenen und dynamischen westeuropäi- schen Wirtschaftsraum für industrielle Produkte vorzuberei- ten. Auf Seite 18 wird dabei auf die Entwicklung der Zusam- menarbeit näher eingetreten. Es wird sichtbar, dass unser Land ausgesprochen aktiv war und mehrere konstruktive Vorschläge in den multilateralen Förderungsdialog ein- brachte, die zum Teil auch Annahme fanden.
Nun sind im Bereich EG/EFTA Umgewichtungen im Gange, die bedeutende Folgen für die Schweiz haben könnten. Erlauben Sie mir daher vier Fragen.
In der Kommission erklärten Sie, Herr Bundesrat, dass der von der EG bis 1992 angestrebte geschlossene Binnenmarkt nicht zu einem für uns abgeschlossenen Markt werden dürfe. Als Nichtmitglied der EG könne man aber nicht alle Vorteile der Mitgliedschaft beanspruchen. Heisst das nun, dass der Bundesrat doch in absehbarer Zeit den Weg zur Mitgliedschaft in die EG beschreiten möchte?
Am 1. Januar 1986 werden Spanien und Portugal der EG beitreten. Die EG erfährt damit eine weitere bedeutende Ausweitung ihres Aktionsbereichs, während die EFTA schrumpft. Im Europarat sind wir von dieser Entwicklung ebenfalls betroffen, weil sich dadurch eine nicht verkenn- bare Gewichtsverlagerung zum EG-Parlament hin ergibt, die bedeutende Auswirkungen hat. EFTA-bezogen können wir, wie schon beim Uebertritt Grossbritanniens, die Schwä- chung der Organisation nicht übersehen, und so stellt sich die Frage der Lebens- beziehungsweise der Ueberlebensfä- higkeit der EFTA im Lichte dieser Austritte.
Die EG hat offenbar mit Spanien und Portugal besondere Uebergangsregeln für die Dauer von sieben Jahren ver- einbart, die zum Teil von den Freihandelsabkommen abwei- chen. Man fordert andererseits von der EFTA, dass die portugiesischen und spanischen Industrie- und Verarbei- tungserzeugnisse freien Zugang erhalten, ohne dass Rezi- prozität für aus dem EFTA-Raum stammende Produkte gewährleistet wäre. In der Botschaft ist zu lesen, dass dies für die Schweiz unannehmbar sei. Man habe deshalb ver- einbart, bis zum 28. Februar 1986 beim status quo zu blei- ben. In der Kommission erklärten Sie uns, dass die bezügli- chen Forderungen an der Ministerratskonferenz vom 17. Februar 1986 vorgebracht würden. Es interessiert dem- nach, zu erfahren, ob die betreffenden Verhandlungen statt- gefunden haben, ob sie erfolgreich verliefen und ob der Bundesrat die Auffassung teilt, dass an der Voraussetzung der Reziprozität unter allen Umständen festzuhalten ist.
Die EFTA-Länder haben beschlossen, den Industrie- Entwicklungsfonds für Portugal beizubehalten, der immer- hin über ein von den EFTA-Ländern geaufnetes Kapital von 100 Millionen Dollar verfügt. Meine Frage: Verfügt die EG nicht über ein adäquates Instrumentarium, und weshalb muss die EFTA - bei allem Verständnis für die portugiesi- schen Bedürfnisse - auch für denjenigen weiterhin solche Leistungen erbringen, der sich aus eigener Entscheidung und aus freien Stücken entschlossen hat, die EFTA zu ver- lassen, weil er offenbar die Vorteile der anderen Organisa- tion höher einstuft? Liegt darin nicht geradezu eine Aufmun- terung zum Uebertritt, wenn einem dabei die Vorteile beider Organisationen, beider Gemeinschaften zugesichert sind?
Hefti: Ich hoffe, dass der Vorstoss in Sachen passiver Ver- edelungsverkehr bald zu einem guten Ende geführt werden kann.
Cavelty: Ich möchte einige Fragen zur Exportrisikogarantie stellen. Der vorliegende Bericht behandelt dieses Thema kurz auf Seite 75. Die ERG wird jeweils unter verschiedenen Gesichtspunkten im Rat behandelt, beim Geschäftsbericht, beim Budget und hier beim Traktandum Aussenwirtschafts- politik. Das bringt mit sich, dass man sich vielleicht zu wenig konzentriert damit befasst.
Ich glaube, die eigentliche Heimat dieser Exportrisikogaran- tie wäre vor allem hier, wenn man die ERG als Schlüsselin- strument der Exportförderung betrachtet, wie es Herr Bun- desrat Furgler letztes Jahr sagte.
Darum hier meine Fragen:
Es geht darum, dass der Bund letztes Jahr ein Manko von ungefähr 600 Millionen Franken decken musste. Man nahm dann einige Veränderungen vor, indem man auf den 1. April 1985 eine spürbare Prämienerhöhung beschloss und aus den kurzfristigen Währungsrisiken ausstieg. Haben diese Vorkehrungen Früchte getragen?
Eine weitere Frage befasst sich mit der zunehmenden Ver- schuldung der Entwicklungsländer und mit der abnehmen- den Bereitschaft einiger Entwicklungsländer, die Schulden zu amortisieren. Ich erinnere an die Erklärung Perus in den letzten Tagen. Bedeutet diese Entwicklung nicht eine zu starke Belastungsprobe für die ERG?
Noch eine letzte Frage: Man hat in letzter Zeit vernommen, dass ein Schweizer Grossunternehmen ein Milliardenge- schäft unter den Schutz der ERG zu stellen beabsichtige. Kann und soll die ERG in unbegrenzter Höhe solche Risiken übernehmen? Wirken die Bedenken, die man letztes Jahr gegen die Investitionsrisikogarantie aussprach, nicht in dem Sinne nach, dass man jetzt etwas vorsichtig und bedächtig ist, vor allem deshalb, weil das gesetzliche Ziel der ERG wäre, selbsttragend zu sein?
In diesem Zusammenhang stiess ich auf ein Votum unseres Kollegen Belser als Präsident der Finanzkommission, das ich mit Blick auf gewisse Aeusserungen zur Landwirt- schaftspolitik ohne weiteren Kommentar wörtlich zitieren möchte. Herr Belser sagte letztes Jahr im Zusammenhang mit der ERG: «Auffallend ist, wie selbstverständlich einige bedeutende Unternehmen unseres Landes diese Hilfelei- stung des Bundes erwarten und auch erheblich in Anspruch nehmen, dann aber anderen Wirtschaftszweigen ab und zu vorrechnen, was sie kosten.»
Damit möchte ich die ERG keineswegs kritisieren oder in Frage stellen. Ganz im Gegenteil: Ich möchte mich nur vergewissern, dass sie auch für die Zukunft lebensfähig bleiben wird.
Letsch: Ich gestatte mir eine Frage an Herrn Bundesrat Furgler. Wir wissen, dass die Schweiz in bezug auf das Einhalten der Freihandelsvereinbarungen ihre weisse Weste hochhält. Das ist richtig, und daran möchte ich in keiner Weise Kritik üben. Aber es stellt sich nun die Frage - es ist eine Frage -, ob es nicht Ausnahmen geben kann. Ich denke daran, dass Schweizer Unternehmen durch ausländische Unternehmungen unterboten werden, durch Unternehmun- gen, die im eigenen Land staatlich verfügte Monopole besit- zen und die deshalb zu Dumping-Preisen im Ausland offerie- ren können. Das ist eine Situation, bei der ich mich einfach frage, ob dann nicht eine gewisse Toleranz bei der Beurtei- lung der Offerten vertretbar wäre. Ich kenne verschiedene Fälle aus der Praxis, und ich denke jetzt konkret an ein neuestes Beispiel, in dem die Regierung Ihres Kantons einen diesbezüglichen Antrag gestellt hat und die Bundes- behörden ihn unter Hinweis auf die Freihandelsvereinbarun- gen und auf die Notwendigkeit, sich daran zu halten, abge- lehnt haben.
Die Frage stellt sich also, ob in solchen Fällen nicht minde- stens eine gewisse Marge ausgeschöpft werden dürfte, innerhalb der auch schweizerische Angebote berücksichtigt werden könnten, obwohl sie vielleicht eben etwas teurer
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sind als die anderen. Im vorliegenden Fall wird dieses Dum- ping sogar von der Europäischen Gemeinschaft zugegeben. In ihrer Euro-Echo-Zeitschrift vom Oktober 1985 wird von der betreffenden Firma ausdrücklich gesagt, dass sie sich nun verpflichte, diese Dumping-Politik aufzugeben. Indirekt ist dort das Zugeständis enthalten, dass so etwas praktiziert wird.
Bundesrat Furgler: Ich bin froh, dass nach Ihrer Tradition die Behandlung des Aussenwirtschaftsberichtes auch zu einem Gespräch über besonders bedeutsame Gegenwarts- probleme Gelegenheit gibt. Gestatten Sie mir, bevor ich auf diese wichtigen Fragen antworte, vorauszuschicken, dass wir an und für sich in einer Wirtschaftssituation sind, die zu Optimismus berechtigt, selbst wenn die Bewältigung der Strukturprobleme uns auch in den nächsten zehn Jahren - ich denke vor allem an den Maschinen- und Apparatebau- sektor - noch voll in Anspruch nehmen wird. All das, was unter dem Stichwort «Einbringen der elektronischen Mög- lichkeiten in unsere Produktion» verstanden werden muss, ist eine Daueraufgabe. Wenn ich sage, dass der Optimismus berechtigt sei, so deswegen, weil wir die wirtschaftliche Lage so deuten dürfen, dass das kräftige Wachstum, das wir im letzten Jahr mit rund 4 Prozent real ausweisen konnten, sich fortsetzen dürfte, wenn auch leicht reduziert. Die welt- weiten Zusammenhänge müssen für ein Land, das derart stark exportabhängig ist, besonders hervorgehoben wer- den. Sie wissen, dass jeder zweite Franken durch den Export verdient wird und dass dementsprechend ein funda- mentales Interesse daran besteht, dass möglichst viele Part- nerländer existieren, die kaufkräftig und zahlungsfähig sind. Ich werde im Zusammenhang mit der Frage von Herrn Cavelty auf die nunmehr entstandene Situation eintreten, wie es sich denn verhält, wenn von Jahr zu Jahr mehr hochverschuldete Staaten an diesem Güteraustausch nicht mehr partizipieren können.
Wenn ich die erfreuliche wirtschaftliche Lage an den Anfang meiner Ausführungen stelle, so vor allem auch deshalb, weil wir ja in einem Marktbereich Europa leben, der rund 350 Mil- lionen Menschen umfasst, wenn ich an EG plus EFTA denke. Das hat mit der Frage von Herrn Gadient sehr viel zu tun. Es gilt nun - und hier erlaube ich mir, gleich schon auf seine erste Frage einzugehen -, das, was EG-intern sich vollzieht, mit dem Abbau der noch bestehenden Handels- schranken bis zum Jahre 1992 - also mit der Verwirklichung eines tatsächlich offenen Marktes, aus schweizerischer Sicht gestützt auf das Freihandelsabkommen vom Jahre 1972 - so mitzugestalten, dass wir nicht als eine Art «Etat tiers» ausserhalb dieses inneren Nukleus von Europa blei- ben, sondern dass wir mit der EG zusammen - auch wenn wir nicht Mitglied sind; ich möchte das ganz klar unterstrei- chen: Es ändert sich daran zurzeit sicher nichts - mitpartizi- pieren an diesem europäischen Markt. Ich bin auch hier zuversichtlich, aus dem einfachen Grund, weil die EFTA trotz der reduzierten Zahl von Mitgliedern heute nach wie vor der bedeutsamste Handelspartner der EG ist, also bedeutsamer als die Vereinigten Staaten, bedeutsamer als Japan. Mit einem Wort: Solange ein fundamentales Wirt- schaftsinteresse besteht in Brüssel und in allen EG-Staaten - auch in den jetzt auf zwölf angewachsenen EG-Staaten -, bin ich sicher, dass sich die EG nicht nur uns zuliebe, sondern aus eigenem Interesse um eine vertiefte Partner- schaft mit uns bemüht. Aber - und hier beginnt das «Aber» als Auftrag an uns - wir können uns natürlich nicht ohne unser eigenes Dazutun, ohne unser stetes Bemühen Tag für Tag und ohne hartes Ringen gegen jede Diskriminierung zur Wehr setzen, als ob wir quasi Mitglied wären. Es gilt, Opera- tion um Operation durchzuziehen aufgrund klarer Zielvor- stellungen.
Ich nenne ein Beispiel: Wir stellten fest, dass die bürokrati- schen Hemmnisse, die auch in Brüssel recht gross gewor- den sind, uns in vielem belasten. Denken Sie an den For- schungs- und Entwicklungsbereich, wo wir mit einer doch recht guten Basis in der Grundlagenforschung und in der
angewandten Forschung europäisch, ja sogar weltweit absolut mitzureden vermögen.
Wir wollen nun - das war eine klare Zielvorgabe - diese Prozedur vereinfachen und in ein dauerndes Einvernehmen mit Brüssel kommen. Das ist uns gelungen durch den Abschluss des Ihnen bekannten Rahmenvertrages, den ich im Januar zusammen mit Herrn de Clerq hier in Bern unter- zeichnen durfte. Das hat zu einer Verbesserung der Mög- lichkeiten geführt. Diese Möglichkeiten nun in konkreten Absprachen zu nutzen, wird Aufgabe der gemischten Kom- mission sein, die Mitglieder der Verwaltung, aber auch der freien Wirtschaft und der Wissenschaft umfassen wird. Ich denke hier an die Schwergewichtsbildungen, die in der Schweiz bestehen (Beispiel Neuenburg Mikrotechnik, Bei- spiel Biotechnik Chemie-Basel). Hier bestehen also echte Chancen. Wenn ich sage, wir hätten in dieses europäische Konzert voll eingestimmt, dann heisst das, dass wir unsere Instrumente auch zu spielen haben. Harmonie entsteht nur, wenn jeder Mitspieler sein Instrument meistert und sich in den Dienst einer grossen Aufgabe stellt.
Hier stehen wir bereits vor der Herausforderung, die ich im Technologiebereich zu erkennen vermag. Es kann nicht bestritten werden, dass die USA und Japan im Technologie- bereich während Jahren rascher, weil schwergewichtiger, mit viel mehr Mitteln und auch von den Hochschulen her mit gezielteren Vorgaben in diese Strukturveränderungen ein- getreten sind als Europa. Dass jetzt auch Europa kommt, werte ich als hochbedeutsam.
Ich verwies auf das Rahmenabkommen EG-Schweiz; ich verweise auf unsere bilateralen Bemühungen mit sämtli- chen europäischen Industriepartnern. Aber bitte vergessen Sie nicht, dass allein das Phänom SDI dazu führen wird, dass sämtliche Hochschulen auch in Europa und sämtliche jungen Ingenieure eine Zusatzchance im amerikanischen Raum zu erkennen vermögen. Sie müssen sich das einfache Bild aus dem Leben einmal vor Augen führen: Auf der einen Seite haben sie bereits klare Offerten, finanziert, und auf der anderen Seite haben sie nur die Idee. Wohin geht der junge Ingenieur? Vermutlich wählt er die erste Variante.
Dass wir in Ergänzung zu dem, was an Möglichkeiten besteht - Teilnahme am Programm Esprit, am Programm Race, am Programm Brite, Ausnutzung des erwähnten Abkommens mit Brüssel -, zusätzlich am Eureka-Prozess brennend interessiert sind, brauche ich nicht zu unterstrei- chen. Ich durfte es in der Kommission erwähnen. Hier stelle ich erfreut fest, dass die getroffenen Vorarbeiten, die sich an den Konferenzen in Paris und Hannover erstmals in Resulta- ten niederschlugen, zeigen, dass auch wir mit der schweize- rischen Industrie an mehreren Projekten die Chance zur Beteiligung haben. Ich verzichte darauf, sie hier vorzulesen. Diejenigen unter Ihnen, die es interessiert, können diese Zusatzinformation sofort erhalten. Ich stelle fest, dass wir gegenwärtig bei sechs Projekten unser Interesse angemel- det haben. Und noch gestern an einer Sitzung mit der Industrie durfte ich feststellen, dass auch in unserer Wirt- schaft das Interesse an der Teilnahme wächst. Ich erachte das als unerhört bedeutsam.
Wenn Sie die Projektfülle materiell zu deuten vermögen, dann verstehen Sie mein Anliegen. Da geht es um Informa- tik, um Laser, um Roboter-Probleme, da geht es um Fabrika- tionsautomation, «all-optronics». Also auch wieder: Wie ver- bessert man den Informatikbereich und den Kommunika- tionstechnologiebereich, wo wir etwas miteinbringen kön- nen? Hier haben sich bereits Partner aus der Industrie gemeldet, und ich bin überzeugt, dass wir in mehrere dieser Projekte einsteigen können. Das gleiche gilt für Chemiebe- reiche. Ich werde Sie laufend orientieren. Hausintern hat das zu einer vertieften Zusammenarbeit geführt zwischen mei- nem Departement, wo die angewandte Forschung domizi- liert ist, und dem EDI, dem die Grundlagenforschung unter- stellt ist und das die Querverbindung zu den ETH und den anderen technischen Lehranstalten sicherstellt; natürlich besteht auch immer die Querverbindung zum Aussenmini- sterium. Ich möchte die Arbeitsmethode verfeinern, sie schwergewichtig und auch leichter zugänglich machen. Das
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als Zwischenbemerkung, weil es mit der Entwicklung von Europa unerhört viel zu tun hat und weil ich meine, dass ein Industriestaat wie die Schweiz hier tatsächlich um seine Zukunft zu kämpfen hat. Unsere Jugend muss wissen, dass wir mit ihr zusammen jetzt alles instradieren, um bis Ende dieses Jahrhunderts die für uns unerlässliche Wettbewerbs- fähigkeit sicherstellen zu können.
Ich sage, dass sich hier Diverses positiv entwickelt hat. Ich rechne damit, dass die Schwierigkeiten, die ich Ihnen nun auch nenne, überwindbar sind, aber nicht von heute auf morgen. Wo gibt es solche Schwierigkeiten? Wir haben einmal die Währungsszene kurz miteinander zu betrachten. Seit vergangenen September ist sie von einem - wie ich in der Kommission sagte - «geordneten Rückzug» des Dollars geprägt. Wenn Sie den Dollar seit dem Höhepunkt vor einem Jahr gewichten, dann hat er im handelsgewogenen Mittel rund einen Viertel, im Vergleich zum Franken sogar gut einen Drittel an Terrain eingebüsst. Andererseits hat der Aufwertungsdruck auf die Deutsche Mark auch zu Spannun- gen im Europäischen Währungssystem geführt. Ich bin des- halb nicht überrascht, dass in dieser Gesprächsrunde mit Brüssel die ECU-Situation im Vordergrund steht und dass sich die dort partizipierenden Staaten um die Neugewich- tung der Bandbreite und der einzelnen Währungen inner- halb der Bandbreite bemühen. Trotz der markanten Aufwer- tung gegenüber dem Dollar lag der reale, exportgewichtete Frankenkurs im Januar nur um rund 3 Prozent über dem Vorjahresstand. Dies, weil sich der Franken in allerjüngster Zeit gegenüber den ECU-Währungen, wie auch im Verhält- nis zum Yen, wieder abschwächte.
Die Korrektur des Dollarkurses und der Trend zu ausgegli- chenen Währungsverhältnissen, all das hat die Aussichten auf ein stetiges, regional ausgeglichenes Wirtschaftswachs- tum in den Industriestaaten verbessert. Die Aussichten der schweizerischen Wirtschaft vermitteln das positive Bild, das ich Ihnen schilderte - die Auftriebskräfte verlagern sich deutlich spürbar auf die inländische Nachfrage. Die Unter- nehmerinvestitionen scheinen auf einen etwas ruhigeren Expansionskurs einzuschwenken. Im Zuge der günstigen gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und zunehmender Realeinkommen werden dagegen die Konsumausgaben der privaten Haushalte immer mehr zum eigentlichen Konjunk- turmotor.
Die Exporte erreichten im zweiten Halbjahr 1985 die Dyna- mik des ersten Semesters nicht mehr ganz. Mit einem realen Zuwachs von 9,1 Prozent expandierten sie im vergangenen Jahr gleichwohl deutlich stärker als die ausländischen Ab- satzmärkte.
Was mich besonders freute: Erstmals seit langen, langen Jahren einer eher mässigen Entwicklung konnte unsere Industrie wieder Marktanteilgewinne auf den internationalen Märkten verbuchen. Die positive Entwicklung erstreckt sich auf alle Bereiche, besonders auch auf bisherige Problembe- reiche. Ich meine damit die Uhren- und Maschinenindustrie, die mit wertmässigen Exportsteigerungen von 12 Prozent beziehungsweise 15 Prozent gebucht werden konnten. Gerade in der Uhrenbranche bestehen Firmen mit sehr gutem Geschäftsgang, allerdings auch weiterhin Unterneh- mungen, die ums wirtschaftliche Ueberleben kämpfen. Bitte vergessen Sie unsere sehr «facettenreiche» Wirtschaft nie. Man muss ja Tal um Tal, Branche um Branche immer sehr detailliert beleuchten.
Perspektiven für das Jahr 1986: Mit Blick auf die veränderte Wechselkurslage dürfte sich der Exportverlauf normalisie- ren. Ohne weitere einschneidende Aenderungen auf dem Devisenmarkt dürfte der Zuwachs rund 5 Prozent, also etwa das Ausmass des Welthandelswachstums, erreichen, wäh- rend die Dynamik der Inlandkonjunktur kaum nachlassen wird - ich sagte es -, weil der private Konsum stärker expandiert als vor einem Jahr. So rechnen wir im Bundesrat damit, dass uns das Jahr 1986 ein erneutes Realwachstum bringen dürfte: rund 2,5 Prozent. Die Arbeitslosigkeit wird sich noch einmal leicht zurückbilden, die Engpässe auf dem Arbeitsmarkt dürften sich weiter verschärfen, und ich
rechne mit einem Blick auf die Inflationsrate auch mit einem diesbezüglichen Absinken.
Wenn ich Ihnen die neuesten Zahlen in Berücksichtigung des Monats Februar nenne, dann unter der Annahme, dass. der Landesindex für Konsumentenpreise aufgrund der pro- visorischen Ergebnisse Februar 1986 gegenüber dem Vor- monat stabil bleibt oder sich um 0,1 Prozent zurückbildet, verglichen mit einen unveränderten Index im Januar 1986 und einem Anstieg um 0,1 Prozent im Dezember 1985. Da im Februar 1985 eine monatliche Teuerung von 0,8 Prozent ausgewiesen worden war, wird die aktuelle Jahresrate erneut sinken und vermutlich bei 1,3 bis 1,4 Prozent liegen (sogenannter Basis-Effekt). Sie erinnern sich daran, dass die entsprechenden Werte im Januar 1986 2,2 Porzent, im Februar 1985 4 Prozent betrugen. Die Stabilität oder der leichte Rückgang des Landesindexes gegenüber dem Vor- monat ist wie im Januar vor allem auf die erneut stark gesunkenen Heizöl- und Benzinpreise zurückzuführen. Dämpfend auf den Landesindex wirken ebenfalls sinkende Preise im Fleischbereich sowie die tiefere Indexziffer für Post und Telefon, wo die Auslandgespräche billiger wurden. Das als kleine Zwischenschaltung, weil ja letzten Endes eine solche Berichterstattung auch dazu dienen soll, Ihnen die allerneuesten Fakten anzudienen.
Die Anliegen der internationalen Zusammenarbeit sind enorm gross. Die recht positiven, kurzfristigen Perspektiven der internationalen Konjunktur vermögen nicht zu verdek- ken, dass viele zentrale Anliegen der internationalen Zusam- menarbeit, auf die Kommissionspräsident Jelmini zu Recht hingewiesen hat, weiterhin einer Lösung harren. Die jüngste Vergangenheit hat einzelne Hoffnungsschimmer erkennen lassen, die letztlich den Weg zum Ziel auszuleuchten schei- nen. Ich nenne im Verschuldungsbereich die Baker-Initiative mit der Philosophie, die der unseren sehr nahe kommt, nämlich einer wachstumsorientierten Bewältigung der Schuldenprobleme. Das hören nicht alle gern, aber es ist die conditio sine qua non. Nur mit einem die Ressourcen sehr schützenden, aber doch regelmässigen Wachstum wird es gelingen, in den Industriestaaten die Arbeitslosigkeit zu bewältigen und in den Staaten der Dritten Welt aus dieser Notlage herauszukommen. Dann ist neben der Baker-Initia- tive das New Yorker Uebereinkommen der sogenannten Fünfer-Gruppe über eine engere wirtschafts- und währungs- politische Zusammenarbeit zu nennen.
Darf ich hier nun auf die Frage von Herrn Cavelty näher eintreten: Wie steht es mit der Verschuldungsproblematik? Wenn im Laufe der letzten Jahre wegen der hohen Verschul- dung von Entwicklungsländern auch unser Exportanteil in die Dritte Welt deutlich zurückgegangen ist - von ungefähr 25 Prozent unter 20 Prozent - (woraus auf die Abhängigkeit unserer Arbeitsplätze mit der Lage in weit entfernten Län- dern geschlossen werden muss), dann ergibt sich daraus für uns in der Regierung die Verpflichtung, dem Parlament Red' und Antwort zu stehen, wie wir diese internationalen Pro- bleme besser lösen können. An erster Stelle drängt sich also eine vermehrt wachstumsorientierte Anpassung in den Schuldnerländern auf. Eine dauerhafte Lösung ist nur mög- lich, wenn die Schuldner aus ihren finanziellen Verpflichtun- gen «herauswachsen» können. Dazu brauchen wir zwei Dinge: Einem Land, das einfach nichts mehr hat und am Güterstrom nicht mehr partizipieren kann, muss in einer ersten Phase mit öffentlicher Hilfe - Stichwort IDA - dieses Minimum an Infrastruktur geschaffen werden, das ihm in einer zweiten Phase gestattet, in normalen Kreditverhältnis- sen, aber korrekt mit Zinsen belastet - nicht überbelastet! - in den internationalen Handel neu einzusteigen und sich dort Devisen zu erwirtschaften. Das hat für uns auch die Bedingung zur Folge, dass man unsere Märkte öffnen muss. Wenn ich irgendwohin Textilmaschinen verkaufe, ist es ganz klar, dass der Abnehmer produzieren will und dass die Produkte irgendwo abgesetzt werden müssen. An dieser Diversifizierung haben auch wir zu partizipieren.
Es braucht im Zusammenhang mit der Entschuldung eine stabilitätsorientierte Politik in den entsprechenden Ländern. Das muss ganz klar gefordert werden. Es braucht einen
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Politique économique extérieure 1985
verstärkten und besser koordinierten Einsatz der multilate- ralen Finanzierungsinstitutionen (Weltbank, Währungs- fonds). Sie haben uns gestattet, in die Allgemeinen Kredit- vereinbarungen einzusteigen - Beitrag der Schweiz: Erhö- hung von 865 Millionen auf etwa 2,3 Milliarden Franken -, aber dort, wo die Konditionen ausgehandelt werden - im Währungsfonds -, sind wir zurzeit noch nicht dabei.
Für uns in der Regierung steht fest - das ist die Idee auch im Baker-Plan, das ist die Idee in vielen Direktabsprachen, die ich mit dem privaten Bankengewerbe hier in der Schweiz bereits geführt habe und weiterhin führen werde -, dass die Lage sich nur verbessert, wenn die vorgenannte Weltbank mit dem Währungsfonds, mit den Schuldnerländern, mit den Industriestaaten und deren Regierungen und mit dem privaten Bankensystem zusammen zu einer koordinierten Operation kommen. Nicht nur Hilfeleistungen auf kurze Zeit, sondern mittelfristige Strategien müssen entwickelt werden. Ich nenne Ihnen nachher noch ein paar Details.
Die Wirtschaftspolitik muss selbstverständlich unter diesen Aspekten überwacht werden: Es hat keinen Sinn, Geld zu geben, das dann einfach in Löcher ohne Boden hinein- fliesst. Es ist lebensgefährlich, wenn die Ressourcenströme falsch fliessen! Gerade am Beispiel Amerikas zeigt es sich, wie bedeutsam es ist, dass letzten Endes wirtschaftlich so starke Nationen - die jetzt in der merkwürdigen Situation eines unerhörten Budgetdefizits stehen (200 Milliarden Dol- lar), mit einem rund 130 Milliarden betragenden Handels- bilanzdefizit selbst wieder in Richtung Stabilitätspolitik genesen (Zielvorgabe der Reagan-Administration bis 1991), und dass auf diese Weise die Attraktivität, dort Gelder zu plazieren, sich leicht absenkt. Das führt dann auch zu einer Zinsverbilligung; die direkte Folge für die Schuldnerländer ist natürlich evident. Normalerweise fliesst ja das Geld vom Starken zum Schwächeren. Sobald es umgekehrt fliesst, entstehen, wie diese Bilder zeigen, unerhörte weltwirtschaft- liche Probleme.
Der Bundesrat begrüsst diese Baker-Initiative. Wir werden darüber ohne Zweifel an der nächsten OECD-Jahresver- sammlung sehr intensiv zu sprechen haben. Dass sich .die USA als wirtschaftlich bedeutsame Macht zu dieser neuen Rolle bekennen, ist unerhört wichtig. Aber bitte vergessen Sie nicht (wir werden darüber zu gegebener Stunde zu sprechen haben): Auch die Teilnahme der anderen Indu- striestaaten - also auch der Schweiz - wird gefordert sein. Wir tragen nach dieser Philosophie in drei Stossrichtungen Verantwortung für eine gute Wirtschaftspolitik, für ein dau- erhaftes Wachstum der Volkswirtschaft. Das heisst über- setzt:
bei uns gute Standortbedingungen, stabilitätsorientierte Politik, möglichst wenig Kaufkraftschwund, möglichst sta- bile Preise, angenäherte Vollbeschäftigung;
die Verantwortung für unsere Handelspolitik mit besse- rem und gesichertem Zugang zu unseren Märkten für Pro- dukte der Schuldnerländer;
unsererseits auch Fechten gegenüber jeder Marktverzer- rung.
Ich beantworte die Frage von Herrn Hefti: Es ist für mich völlig klar, dass wir nicht ruhen werden, bis auch diese passive Textilveredlungsproblematik endlich eine Lösung gefunden hat. Ich habe das erneut mit Herrn Bangemann und Herrn de Clercq besprochen: Ich habe nachgewiesen, dass unsere Firmen durch Differenzzölle in diesem Vered- lungsprozess benachteiligt sind. Das führt unweigerlich zur abnehmenden Verwendung von schweizerischem Vormate- rial durch EG-Konfektionäre. Wir werden hier also ganz beharrlich im Sinne Ihrer Fragestellung weiterfechten.
Ich kann Ihnen leider nicht in Form einer Blankoerklärung sagen, wann das vom Tisch sein wird. Aber die Leute in Brüssel wissen, dass wir nicht nachgeben. Es geht hier um unsere eigene Zukunft.
So verstehe ich die Handelspolitik im Kampf gegen jede protektionistische Tendenz in allen Regierungen.
Schliesslich müssen wir uns fragen, ob wir nicht auch im finanziellen Bereich ein Mehreres zu einem ausgewogenen
burden sharing - gemeinsamen Lastentragen - beisteuern können.
Hier komme ich auf die Frage von Herrn Cavelty: grosszü- gige Gewährung der Exportrisikogarantie für dringend benötigte Investitionsgüter. Haben wir hier noch zusätzliche Chancen? Ueber die längerfristigen Umschuldungen habe ich bereits gesprochen. Ich bleibe für einen Moment bei der ERG. Herr Cavelty hat natürlich voll und ganz recht, wenn er sagt: «Dieses Problem macht uns zu schaffen.» Wir stehen im Vorschuss, Sie wissen es. Ich habe eine Rechtslage, die verlangt, dass man in zu bestimmenden Zeiten - es ist ja kein Jahr fixiert - eine ausgeglichene ERG präsentiert. Aber im ehrlichen Gespräch mit dem Parlament und mit der Finanzdelegation habe ich nie ein Hehl daraus gemacht, dass ich zurzeit diese Phase nicht zu erkennen vermag. Nachdem das so ist, wird man bei dieser Vorschuss-Situa- tion, die sich langsam aber sicher in den Raum der Milliarde entwickelt, die Frage stellen und auch beantworten müssen: Was machen wir vor allem mit den 600 Millionen Franken, die definitiv fort sind, weil das, was im Währungsrisikobe- reich fortgegangen ist, nie zurückkommen wird?
Sie wissen, dass wir bei der ERG-Revision, nach deren Wert sich Herr Cavelty erkundigt, diese kurzfristigen Währungsri- siken eliminiert haben. Dessen ungeachtet bleibt aus der Zeit, da wir sie deckten, dieser Verlust von 600 Millionen; und wenn wir ihn zurzeit noch mit der Zinszahlung fortfüh- ren, dann bin ich doch mit Ihnen der Meinung: Früher oder später kommt die Stunde der Wahrheit, da das zu überneh- men ist.
Wir haben mit der Revision durch die Erhöhung der Gebüh- ren um 50 Prozent natürlich Erfolge erzielt. Ich kann Ihnen nachher - es sprengt sonst den Rahmen meiner Ausführun- gen - die genauen Zahlen schriftlich geben. Die Lage ist so, dass wir Ende 1985 vor einer Garantiesumme von grob 14 Milliarden standen, Fakturabetrag rund 18,5 Milliarden, und dass die grundsätzlichen Zusagen für Geschäfte im Offertstadium 12 Milliarden ausmachten.
Die Einnahmensituation ist uns ebenfalls bekannt. Sie wird - auch wenn die Schadenzahlungen sich normal entwickeln - so zu gewichten sein, dass auf längere Frist der von mir erwähnte Vorschuss wohl bestehen bleibt. Der Bundesrat wird zu entscheiden haben, ob und wann er Ihnen mit Blick auf die vorher erwähnten 600 Millionen gesondert Bericht erstattet - in klarer Zusammenarbeit mit der Finanzdelega- tion.
Die Grundfrage, die Herr Cavelty ganz am Schluss stellte, ruft doch noch nach einigen Worten: Ohne ERG kann unsere Industrie zurzeit nicht arbeiten. Ich glaube, diese unité de doctrine besteht. Trotzdem muss eine sorgfältige Prüfung jedes Einzelfalls erfolgen. Das Bestehen der ERG darf nicht dazu führen, dass uns ein Unternehmen einfach erklärt, ohne die ERG mache es ein Geschäft nicht! Das möchte ich mit aller Deutlichkeit erklären. Denn die ERG ist ja geschaffen für die Abgeltung politisch dem Einzelnen nicht zumutbarer, übergrosser Risiken. Es soll also in Zukunft auch Normalgeschäfte geben. Hier haben Sie ein konkretes genannt.
Sie haben ebenfalls zu Recht erwähnt, Herr Cavelty, dass einzelne Leute im Laufe von zwölf Monaten ihre Philoso- phien etwas überdacht haben und dass sie diesbezüglich nicht unbedingt unter das Kapitel Logik, das ja auch zur Philosophie gehört, fallen. Dessen ungeachtet kann man hier sagen, dass die innere Bereitschaft, die ERG zu bezie- hen, natürlich grösser ist, als das bei anderen Vorlagen der Fall war.
Marmara - Sie erkundigten sich danach - ist zurzeit noch in Prüfung. Ich habe es bedauert, dass in öffentlichen Briefen - auch einzelner Institutionen, die wir an und für sich hoch schätzen, wie Fastenopfer, Brot für Brüder - so getan wurde, als ob man die Wirtschafts- und Entwicklungspolitik gleichsam aus der Hand des Bundesrates in die Hand sol- cher Organisationen legen könnte. Das geht daneben. Ich masse mir auch nicht an, so zu tun, als ob wir hier in Bern die Innenpolitik sämtlicher Länder dieser Welt besser zu
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Aussenwirtschaftspolitik 1985
beurteilen vermöchten, als es die dort zuständigen Regie- rungen tun.
In der Türkei, die sich in den letzten Jahren ohne Zweifel positiv entwickelt hat, auch wenn uns noch vieles unter Demokratieaspekten Sorge bereitet, besteht nun der Wille des zusätzlichen Kraftwerkbaues. Wir werden darüber zu befinden haben, ob bei der BBC alle mit Baden zusammen- hängenden Werke hier zum Zug kommen sollen - und damit auch aus schweizerischer Sicht die Weiterentwicklung und Marktteilnahme im Kraftwerkbau über diesen Auftrag hinaus bis gegen Ende des Jahrhunderts gewünscht wird - oder ob notfalls dieser Konzern den Auftrag den Werken in Mann- heim und anderswo überlässt und man sich schweizeri- scherseits langsam, aber sicher aus diesen Räumen zurück- zieht, mit entsprechenden Folgen für die Arbeitsplätze.
Ich kann hier nicht die im Bundesrat in naher Zukunft wieder aufzunehmende Diskussion vorwegnehmen. Aber wesent- lich ist, dass wir die Massstäbe unserer eigenen Industrie - lies: das eigene Wirtschaftsinteresse der Schweiz - mit dem Wirtschaftsinteresse des Käufers oder Abnehmers in Ein- klang zu bringen versuchen, wo nötig unter Wahrung der entwicklungspolitischen Zielvorgabe. Das Exportrisikoga- rantiegesetz verlangt übrigens in keiner Art und Weise, dass in allen Exportrisikofällen Abklärungen, die für die eigentli- chen Drittweltländer nötig sind, gemacht werden müssen. Wir haben uns hier selbst an die gesetzlichen Leitlinien zu halten. - Soviel zur Frage von Herrn Cavelty, also zum ERG- Prinzip.
Es wird weitergearbeitet, um die ERG finanzpolitisch konso- lidiert in die Zukunft zu führen und sie auch verstärkt benutzbar zu machen; mit Blick auf die Finanzsituation werde ich Sie später orientieren.
Ich komme zur Frage von Herrn Letsch: Ich verstehe Ihre Bedenken. Es gibt tatsächlich Industriepartner, die alles andere als marktwirtschaftlich operieren. Ich versichere Ihnen, dass wir in jedem dieser Fälle bilateral und multilate- ral vorgehen, bin aber mit Ihnen der Meinung, dass eine schweizerische Manövriermasse nötig ist, weil wir denjeni- gen, die uns gegenüber mit - ich möchte fast sagen - vergifteten Waffen kämpfen, nicht tapfer die Brust entge- genhalten, um vergiftet zu werden, sondern uns überlegen, wie wir zu reagieren haben. Wie das im Einzelfall zu gewich- ten ist, werden Sie als Industrieller wissen. Es wird schwer sein, aber ich erachte es als machbar. Es hat aber keinen Sinn, dass wir bei jedem protektionistischen Zerrbild auslän- discher Regierungen unsererseits den gleichen Fehler bege- hen, weil sonst der Erosionsprozess in der Weltwirtschaft munter vorangehen wird. Das Wichtigste ist für uns, gegen die Ursachen anzugehen. Nur im Extremfall werden wir sagen müssen: «Solange du das nicht beseitigst, kannst du bei uns nicht in der Weise partizipieren, wie wir es an und für sich gerne täten.» Ich hoffe, dass ich damit die Frage beant- wortet habe. Ueber den konkreten erwähnten Fall können wir nachher noch sprechen.
Damit komme ich zu den letzten Fragen, die noch offenge- blieben sind, EFTA, EG: Ich sagte bereits, dass der wirt- schaftliche Markt insgesamt diese 350 Millionen umfasse und wir die bedeutsamsten Partner seien. Dementspre- chend glaube ich nicht an den Erosionsprozess der EFTA, es sei denn, dass jetzt noch einzelne Staaten ausscheiden. Das erachte ich im Moment als wenig wahrscheinlich. Oesterreich wird das nicht tun, Island wird es nicht tun, Finnland wird es nicht tun, Schweden nicht. Zur Diskussion stand während langer Zeit Norwegen im Zusammenhang mit der NATO und anderem mehr. Das eigene Parlament entschied, den Weg der EFTA weiterhin zu beschreiten.
Wir haben selbstverständlich den Weggang Portugals und den EG-Zutritt Spaniens nicht einfach über uns ergehen lassen, sondern sehr hart mit Brüssel verhandelt. Ich konnte am Schluss, nach dieser Sitzung vom 17., auf die Sie verwie- sen haben, dem Bundesrat erklären, dass wir praktisch alle Begehren in Brüssel durchgebracht haben. Das würde ich als fair play betrachten; die Uebergangsregelung spielt sich also nicht einfach auf dem Rücken der Schweiz ab, sondern
es ist jetzt ein echtes gemeinsames Lastentragen zustande gekommen.
Die Bestimmungen der Zusatzprotokolle sehen zwei Haupt- bereiche vor: einerseits den Industriebereich und anderer- seits den Agrarbereich. Die bestehenden Zollabgaben auf Industrieprodukten im Handelsverkehr zwischen Spanien und Portugal einerseits und der Schweiz andererseits wer- den während der Uebergangszeit von sieben Jahren genau nach dem gleichen Zeitplan wie zwischen der EG der Zehn - und jetzt der Zwölf - stufenweise und nach dem Grundsatz der Reziprozität - ich teile Ihre Auffassung, dass die Rezi- prozität unerlässlich sei - abgebaut. Ab 1992 wird damit der Freihandel mit Spanien und Portugal verwirklicht sein. Da der Deckungsbereich der Stockholmer Konvention breiter ist als derjenige der Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und der EG, müssen im Handelsverkehr mit Portu- gal bei einer bestimmten Anzahl von Industrie- und verarbei- teten Agrarprodukten wieder Zollabgaben - stufenweise - eingeführt werden. Wir liessen uns also in keiner Weise einfach in die Ecke drängen.
Ich halte dafür, dass Ihre diesbezügliche dritte Frage, Herr Gadient, damit beantwortet ist, ebenfalls die zweite Frage nach der Ueberlebensfähigkeit der EFTA und die erste betreffend den geschlossenen EG-Binnenmarkt, sofern Sie nicht eine Ergänzungsfrage stellen. Die etwas grosszügige Behandlung, bezogen auf Ihre vierte Frage des Industrieent- wicklungsfonds für Portugal, lässt sich bei dieser ausgehan- delten Reziprozität rechtfertigen. Die EG ihrerseits wird noch viel mehr zur Bewältigung der unerhörten Unter- schiede zwischen ihren nördlichen und südlichen Mitglied- staaten einwerfen müssen. Ich habe darüber lange mit Herrn Delors gesprochen. - Dies zu Ihren Fragen.
Ich komme zum Schluss: Die Aussprache zeigt Ihnen, dass wir sehr stark mit der weltwirtschaftlichen Entwicklung ver- knüpft sind und bleiben werden. Ich hoffe, dass es uns gelingt, hier im laufenden Jahr Lösungen anzustreben, die für uns Erfolg versprechen, aber auch für die mitbetroffenen Staaten. Und ich gestehe Ihnen, dass mein allergrösstes Sorgenkind zurzeit das Problem der internationalen Ver- schuldung ist. Wie kommen wir bei einer Gesamtverschul- dung von praktisch 900 Milliarden Dollar zu Lösungen, die mehr sind als nur Entspannungsoperationen im Sinne der Konsolidierung auf ganz kurze Zeit? Welche Finanzierung, welche Kostenelemente? Wie können wir eine Genesungs- politik in den einzelnen Ländern fördern und wie können wir dazu beitragen, dass diese nicht zu outsidern of society, zu Verfemten werden? Für den Wiedereintritt in die Völkerge- meinschaft braucht es das von mir jetzt bereits mehrfach erwähnte Verbundsystem zwischen Privatbanken, Wäh- rungsfonds, Weltbank, Regierungen der Schuldnerländer, aber auch Regierungen der Gläubigerstaaten.
Gestatten Sie mir, in dieser Schlussbemerkung darauf hin- zuweisen, dass allein der jetzt entstandene Abfall im Oel- preissektor für die ölproduzierenden Entwicklungsländer katastrophale Folgen hat und natürlich für die importieren- den Staaten entsprechende positive Wirkungen. Aber auch hier sind Massnahmen weltweit unerlässlich. Und ich nenne sie noch einmal, diese drei Aktionslinien, die ich zu erken- nen glaube: Verstärkung des Ressourcenzuflusses und Ver- ringerung des Ressourcenabflusses auf allen Ebenen; Ver- besserung und Stärkung der Koordination zwischen den einzelnen Akteuren, die ich nannte und zu denen wir gehö- ren; instrumentell Suchen nach neuen Formen der Koordi- nation und Kooperation zwischen der Weltbank und dem Währungsfonds. So kommen wir voran, und da hinein gehört auch, wie Herr Cavelty es gesagt hat, der verstärkte Einbezug der ERG. Voraussetzung aber ist die juristische Ueberarbeitung des Instrumentes. Das alles wird nur gelin- gen, wenn in allen Ländern der politische Wille zur Verwirkli- chung dieser Interdependenz besteht. Sie werden auch auf- gerufen, davon Zeugnis abzulegen.
Präsident: Die Kommission beantragt uns Kenntnisnahme vom Bericht. Sind dazu Wortbegehren? - Dies ist nicht der Fall. Sie haben so beschlossen.
Mesures tarifaires 1985 et accord avec la CEE
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E 4 mars 1986
Eintreten wird ohne Gegenantrag beschlossen Le conseil décide sans opposition d'entrer en matière
Detailberatung - Discussion par articles
Titel und Ingress, Art. 1 und 2 Titre et préambule, art. 1 et 2
Angenommen - Adopté
Gesamtabstimmung - Vote sur l'ensemble
Für Annahme des Beschlussentwurfes 33 Stimmen (Einstimmigkeit)
An den Nationalrat - Au Conseil national
86.003
Zolltarifarische Massnahmen 1985 und Zollabkommen mit der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft Mesures tarifaires 1985 et accord tarifaire avec la Communauté économique européenne
Bericht, Botschaft und Beschlussentwurf vom 15. Januar 1986 (BBI I, 384) Rapport, message et projet d'arrêté du 15 janvier 1986 (FF 1, 378)
Antrag der Kommission Kenntnisnahme vom Bericht, Eintreten und Zustimmung zum Entwurf des Bundesrates Proposition de la commission Prendre acte du rapport, entrer en matière et adhérer au projet du Conseil fédéral
M. Jelmini, rapporteur: La Suisse et la CEE ont passé, sous forme d'échange de lettres, un accord qui améliore le régime des échanges concernant les soupes, sauces et condiments. Depuis le 1er janvier 1986, la Communauté a aboli les droits de douane de 10 pour cent qu'elle percevait sur les produits avec tomate et de 6 pour cent sur les produits sans tomate en provenance de la Suisse. A son tour, la Suisse a aboli les droits de douane de 27,50 francs pour 100 kilos lourds sur les produits avec tomates en provenance des pays de la Communauté. Le commerce des soupes, sauces et condiments entre la Suisse et la Commu- nauté est, par conséquent, libéré de tout droit de douane. Cet accord satisfait un désir que la Suisse cherchait à concrétiser depuis les négociations de l'accord de libre- échange avec la Communauté en 1972. L'industrie alimen- taire suisse tirera de cet accord des avantages considera- bles. L'abolition de ces droits de douane est entrée en vigueur provisoirement, en vertu de l'article 4, alinéa 1, de la loi sur le tarif douanier, au 1er janvier 1986, sous réserve de l'approbation ultérieure par les Chambres fédérales. Ces concessions réciproques correspondent à un moins perçu de droits de douane de l'ordre de 1 million de francs par an. La commission vous propose, à l'unanimité, d'entrer en matière sur le projet et l'approbation de l'arrêté fédéral portant approbation de mesures touchant le tarif des douanes et de l'accord tarifaire avec la CEE.
Präsident: Die Kommission beantragt Kenntnisnahme vom Bericht. Wird das Wort dazu gewünscht? - Dies ist nicht der Fall. Sie haben so beschlossen.
Wir kommen zur Behandlung des Bundesbeschlusses.
Eintreten wird ohne Gegenantrag beschlossen Le conseil décide sans opposition d'entrer en matière
Detailberatung - Discussion par articles
Titel und Ingress, Art. 1 und 2 Titre et préambule, art. 1 et 2
Angenommen - Adopté
Gesamtabstimmung - Vote sur l'ensemble
Für Annahme des Beschlussentwurfes 32 Stimmen (Einstimmigkeit)
An den Nationalrat - Au Conseil national
Ordnungsantrag Schmid - Motion d'ordre Schmid
Schmid: Ich beantrage Ihnen, die Traktandenliste der dritten Sessionswoche zu entlasten.
Es ist im Sessionsprogramm vorgesehen, in der dritten Woche das Geschäft 83.043 zu behandeln. Dieses Geschäft umfasst einen Teil A, das Bundesgesetz über die Steuerhar- monisierung, und einen Teil B, das Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer. Insgesamt sind das 288 Artikel, die man uns zur Beratung vorlegt. Wir haben diese Fahne am letzten Samstag erhalten. Man mutet uns zu, innerhalb von zwei Wochen ein derart umfassendes Gesetzeswerk gründlich vorbereiten zu können, und das während zwei Wochen, die durch die Session ohnehin schon belastet sind. Die Kommission hat rund zwei Jahre und, soviel mir bekannt ist, 28 Tage getagt. Man sieht, was für ein Aufwand betrie- ben werden musste, um diese Vorlage gründlich vorzuberei- ten. Uns mutet man zu, nun einfach in einem schnellen Trab die entsprechende Vorbereitung durchzuführen. Ich muss Ihnen sagen, es ist mir bei dieser Uebung nicht wohl. Wir haben eine enorme Zeitknappheit, viele von uns werden keine Möglichkeit haben, sich à fonds vorzubereiten und Rücksprache zu nehmen, zum Beispiel bei den eigenen Kantonen. Damit ist eine seriöse Beratung nicht gewährlei- stet. Wir haben in der Sache selbst keine Zeitnot. Es ist nicht unbedingt notwendig, dass wir dieses Geschäft während dieser Session beraten. Wenn wir es tun, wenn wir also auf diese beiden Anträge eintreten und sie beraten, komme ich mir persönlich, zumindest als Nichtkommissionsmitglied, als reiner «Mehrheitsbeschaffer» oder «Händeaufhalter» vor. Wir sind Statisten in einem Spiel, das die Kommission unter sich spielt. Ich glaube, das dürfen wir nicht zulassen. An sich hätte ich gerne den Antrag gestellt, diese ganze Geschichte 83.043 von der Traktandenliste abzusetzen. Ich bin mir allerdings rasch darüber klar geworden, dass das gegenüber der Oeffentlichkeit einen denkbar schlechten Eindruck gemacht hätte. Man hätte dann gesagt, nament- lich, weil wir keine anderen Pendenzen mehr haben, die dritte Woche sei flötengegangen. Das kann man nicht ver- antworten.
Aus der Ueberlegung heraus, dass uns das Gesetz über die direkte Bundessteuer - obwohl es das grössere ist - nicht ganz fremd ist, komme ich dazu, dessen Behandlung vorzu- schlagen. Es beschlägt eine Materie, die bereits geregelt ist. Wir haben den Wehrsteuerbeschluss. Eine direkte Bundes- steuer gibt es heute bereits. Von der Sache her dürfte also die Beratung dieses Teiles B nicht so anspruchsvoll sein wie der andere Teil A, obwohl er kleiner ist; dort würden wir Neuland beschreiten. Die Harmonisierung der Steuern in Kantonen und Gemeinden ist neu! Hier bin ich der Auffas- sung, dass wir uns Zeit nehmen und das wohl und gründlich überlegen sollten, denn ganz so einfach ist die Sache nicht. Verfassungsrechtlich stellt sich die Frage, was eine formelle und was eine materielle Harmonisierung der Steuern sei; das ist noch lange nicht ausgemacht.
Ich bin also der Auffassung, dass wir die ganze Geschichte «Steuerharmonisierung» vertagen sollten, um Zeit zu haben, uns mit der Sache selber zu befassen. Ich appelliere an Sie, der Sorgfalt dieses Rates gebührend Rechnung zu tragen. Man sagt uns immer nach - vor allem wir selber -, wir seien
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Jahr
1986
Année
Anno
Band
I
Volume
Volume
Session
Frühjahrssession
Session
Session de printemps
Sessione
Sessione primaverile
Rat
Ständerat
Conseil
Conseil des Etats
Consiglio
Consiglio degli Stati
Sitzung
02
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 86.002
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum 04.03.1986 - 08:00
Date
Data
Seite
17-24
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Pagina
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20 014 291
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