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Reaktorunfälle (Dringliche Interpellationen)
Elfte Sitzung - Onzième séance
Dienstag, 17. Juni 1986, Vormittag Mardi 17 juin 1986, matin
8.00 h Vorsitz - Présidence: Herr Bundi
Dringliche Interpellationen betreffend Reaktorunfälle Interpellations urgentes concernant les accidents nucléaires
Fortsetzung - Suite
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Diskussion - Discussion
Präsident: Es haben sich insgesamt mehr als 70 Einzelvo- tanten eingeschrieben. Wir hoffen, dass sie auf die bereits gefallenen Voten Rücksicht nehmen und bereits Gesagtes nicht wiederholen bzw. auf das Wort allenfalls verzichten.
Giger: Der Reaktorunfall von Tschernobyl hat uns alle betroffen. Wir sind über das Ausmass der radioaktiven Ver- strahlung überrascht. Ich will den Vorfall nicht verharmlo- sen, aber mir scheint, wir sind auf dem besten Weg, den Kopf zu verlieren und übereilig zu reagieren! Von einem Tag auf den anderen verketzern wir die Nukleartechnik, wie wenn sie des Teufels wäre; die Kernenergie wird nicht mehr rational, sondern emotional beurteilt, vor allem ist sie zum Politikum geworden. Nach Vorstellung gewisser Kreise kön- nen wir auf die Kernenergie verzichten, obwohl sie heute 40 Prozent unserer Stromproduktion ausmacht.
Wir wollen aber gleichzeitig - und hier kommt mein Problem - auch teilweise auf erneuerbare Energien verzichten. Mit einem dringlichen Bundesbeschluss sollen die Restwasser- mengen sowohl für neue wie für bestehende Wasserkraft- werke neu festgelegt werden. Angesichts dieser Nuklearde- batte sei höflich daran erinnert, dass wir es bei der Wasser- kraft mit einer erneuerbaren Energie zu tun haben, die weder Luft noch Gewässer verschmutzt, keine Abwärme und keinen Lärm erzeugt und, was heute vielleicht wichtig ist, keine Radioaktivität ausstrahlen kann.
Nach Aussagen von Fachleuten soll der Ausfall an elektri- scher Energie durch die erwähnten Restwasserforderungen im Bereiche von 1000 Megawatt liegen, also in einer Grössenordnung des Kernkraftwerkes von Leibstadt. Das bedeutet, dass wir gegebenenfalls auf 800 bis 1000 Mega- watt Gratisenergie verzichten müssen. Mit der Stillegung oder sukzessiven Abschaltung der Kernkraftwerke würden uns gesamthaft etwa 4000 Megawatt verloren gehen. In star- kem Gegensatz dazu steht die Tatsache, dass der Stromver- brauch stark ansteigt. Selbst mit grössten Sparanstrengun- gen ist eine weitere Zunahme unvermeidlich. Nehmen Sie doch bitte nur einmal den Energieanstieg im Bereiche öffentlicher Bauten. Was wird in diesem Sektor heute nicht alles gebaut und durchrationalisiert! Auch die «Bahn 2000» wird kaum mit sanften Technologien betrieben werden kön- nen, und das Umsteigen auf den öffentlichen Verkehr ruft nach zusätzlicher elektrischer Energie. Jede Anwendung von Alternativenergien erfordert mehr Strom, und zwar in beachtlichen Mengen. Im Klartext: Das Einsparen ausländi- scher fossiler Energieträger erfolgt zu Lasten von mehr einheimischer elektrischer Energie.
Ich bin absolut der Meinung, dass in unserem Lande noch
viel Energie eingespart werden könnte; aber gerade als regionaler Energieverteiler kenne ich die Begehrlichkeiten unserer Abnehmer zu gut: hier ein Industriebetrieb, der durchrationalisiert wird, dort eine Tunnelbelüftung und -beleuchtung, weil man die Autobahn aus Umweltschutz- gründen unter Tag gedrängt hat, hier ein Oberstufenzen- trum, dort eine Skiliftanlage usw. Zu guter letzt kommt die Landwirtschaft; ich spreche von der von uns allen geliebten Berglandwirtschaft: Kennen Sie den Nachholbedarf und die damit verbundenen Forderungen nach elektrischer Energie allein in diesem Sektor? Ich kenne sie sehr gut!
Tschernobyl hat uns auf eindrückliche Weise aufgezeigt, dass die Machbarkeit durch den Menschen begrenzt ist, dass bei grosstechnologischen Anlagen äusserste Vorsicht am Platze ist. Das heisst für mich aber nicht Verzicht auf Kernenergie, denn das können wir uns schlicht und einfach nicht leisten. Wir können nicht alle zu Aussteigern werden, zu Schafhirten. Hiefür haben wir zu wenig Weideplätze! Ein Aussteigen aus der Kernenergie hätte für uns wirtschaftlich und damit in bezug auf Arbeitsplätze katastrophale Folgen. Was nützt es uns, wenn wir heldenmütig aus der Kernener- gie aussteigen, aber in den umliegenden Ländern neue Werke gebaut werden und Strom munter drauflos produ- ziert wird? Wir machen uns nur von einem weiteren Energie- träger aus dem Ausland abhängig und riskieren zudem, dass uns von ausländischen, mit weniger Sicherheitsvorkehren gebauten Werken die radioaktive Asche auf den Kopf fällt. Ich setze mich für weitere Energiesparmassnahmen ein, wenn auch nicht unbedingt auf dem Gesetzesweg. Ferner stehe ich der Forschung nach Alternativenergien positiv gegenüber. In diesem Zusammenhang darf ich immerhin bemerken, dass wir in unserem EW ein Solarpilotprojekt für die Alpwirtschaft mit einem beachtlichen Betrag (zusammen mit der Elektrowatt und dem Kanton) mitfinanziert haben. Ich stehe wie gesagt zur Kernenergie, denn ich trage Mitver- antwortung für eine gesicherte Energieversorgung, dies als Bürger einerseits und als Parlamentarier im speziellen. Was ich aber besonders hervorheben möchte: Ich habe Ver- trauen in unsere Gesetzgebung, das heisst in unseren Rechtsstaat. Ich habe gleichermassen Vertrauen in unsere Industrie und vor allem in das freie und Verantwortung tragende Unternehmertum der Schweiz, welches unsere Reaktoren baut und betreibt.
Meine Frage an den Bundesrat: Teilt er nicht die Auffas- sung, dass ein Verzicht auf die schweizerische Kernenergie im heutigen Zeitpunkt wirtschaftlich nicht zu verantworten wäre, und zweitens, dass der dringliche Bundesbeschluss über die Festlegung der Restwassermenge bis zur Abklä- rung der zukünftigen Energiepolitik der Schweiz nach Tschernobyl nicht in Kraft gesetzt werden sollte?
M. de Chastonay: Les relations de presse concernant les manifestations antinucléaires qui se sont récemment dérou- lées en Europe occidentale, en France, en Allemagne fédé- rale ou ailleurs m'ont étonné par leur ampleur, alors que les médias soviétiques ou ceux des pays de l'Est sont restés étonnement discrets sur les réactions des habitants concernés des régions sises derrière le rideau de fer. Ce rideau, s'il est imperméable à la diffusion d'une information objective en la matière, ne l'est malheureusement pas en ce qui concerne les radiations provenant de Tchernobyl. Cela m'incite à examiner brièvement ce qui différencie les cen- trales suisses de la centrale de Kiev.
Il y a trois différentes techniques principales. Tout d'abord, le réacteur de Tchernobyl est constitué de graphite et d'eau et ce mélange a contribué à la gravité de l'accident de deux manières: l'eau réagit avec le graphite chaud en formant de l'hydrogène explosif qui a détruit le bâtiment du réacteur, bâtiment de type conventionnel. L'incendie du graphite à permis de vaporiser une partie du combustible et d'en disperser les substances radioactives dans l'atmosphère. Deuxièmement, Tchernobyl - et cela me paraît grave - ne possède pas de cuve de réacteur en acier épais qui permette de refroidir le coeur en cas de dégât dans la géométrie de celui-ci - fusion notamment - et de combattre l'incendie,
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soit par noyade du même coeur, soit par étouffement. Enfin, Tchernobyl - et cela frise l'irresponsabilité - ne possède pas de bâtiment de sécurité, dit bâtiment de confinement, capa- ble de retenir les substances radioactives qui, en cas extrême, auraient réussi à s'échapper du coeur et du circuit primaire, soit des cuves et des conduites.
La question s'est dès lors posée de savoir si cet accident était de nature à remettre en cause l'exploitation des cen- trales nucléaires en activité ou en projet. Après examen approfondi de la question, les milieux autorisés sont arrivés à la conclusion très claire que nous n'avions rien à changer au programme nucléaire et cela pour deux raisons.
Tout d'abord, les exigences de sécurité très élevées appli- quées en Suisse, et d'une manière générale dans le monde occidental, ne sont pas remises en cause par Tchernobyl, car ces exigences n'étaient pas appliquées dans la centrale soviétique. Deuxièmement, les différences techniques entre Tchernobyl et les centrales suisses excluent le développe- ment d'un accident identique à celui qui a eu lieu en URSS. De ce fait, l'on ne saurait remettre en question, dans notre pays, la sécurité de nos installations basée sur les objectifs suivants: Premièrement, rendre aussi improbable et difficile que possible une fusion de tout ou d'une partie des élé- ments combustibles constituant le coeur du réacteur. Deuxièmement, dans la cas hypothétique de fusion de tout ou d'une partie du coeur, éviter tout relâchement de radioactivité à l'extérieur de la centrale. Troisièmement, même en cas de défaillances ultimes des enceintes de sécurité, un relâchement de substances radioactives doit rester limité. Un plan de secours, destiné à protéger la population doit évidemment être prêt à fonctionner à la moindre alerte. D'autre part, les recherches les plus récentes, auxquelles notre pays a participé étroitement, indiquent que les installations du type existant en Suisse présentent des garanties suffisantes, à savoir: la fusion du coeur peut être maîtrisée avec une grande probabilité, sans relâchement de substances radioactives à l'extérieur, et même en cas extrême de défaillance simultanée des enceintes de sécurité, la proportion de substances radioac- tives qui pourrait atteindre l'atmosphère libre serait pour les isotopes les plus critiques - iode et césium - au moins 100 fois et probablement plus, inférieure au cas extrême de Tchernobyl.
Dès lors, en regard des très fortes charges de polluants contenues dans l'utilisation intensive du mazout et du char- bon, je suis d'avis que, face à l'augmentation constante de la consommation d'énergie - les faits sont têtus - il convien- dra bien, à long terme, de stabiliser l'utilisation des combus- tibles fossiles et de développer des énergies dites alterna- tives. Je doute fort cependant que cela suffise, le soleil brillant fort inégalement sur les différentes régions du pays. Dès lors et dans le cas des indispensable précautions que j'ai relevées, il conviendra de développer l'énergie nucléaire dans notre pays, dans un contexte qui rassure à la fois les populations et leur garantisse en même temps une énergie qualitative aussi bien que quantitative. Je reste persuadé en effet qu'en Occident, comme dans les pays de l'Est, nous n'aurions rien à gagner d'un manque d'énergie, qui compor- terait des conséquences économiques incalculables. Alors, gardons nous à cette tribune de faire le procès de la produc- tion nucléaire suisse d'électricité sous la seule lorgnette et selon la comparaison trop simpliste d'une installation sovié- tique dont on sait maintenant qu'elle était peu sûre et surtout à la merci d'une simple erreur humaine. Nous nous garderons d'autant plus de condamner la production nucléaire de notre pays en électricité qu'il paraît vraiment politiquement insoutenable d'ériger en dogme l'incompé- tence de quelques irresponsables de la région de Kiev.
M. Brélaz: La catastrophe de Tchernobyl doit être riche d'enseignements pour nous. Tout d'abord, il est intéressant de constater que certaines gens veulent démontrer qu'elle serait impossible en Suisse.
Dans notre pays, les réacteurs sont munis d'un confinement. Cependant, il faut savoir que ceux-ci sont insuffisants en cas
de perte d'énergie maximale, car ils sont dimensionnés aussi fortement qu'économiquement supportable. Si un accident très grave se produit, le confinement ne peut pas y parer. Aujourd'hui, certains chercheurs américains dévelop- pent quelques concepts qui permettraient de retenir la tota- lité de l'énergie possible issue d'un réacteur, mais cela coûterait au moins dix fois plus cher. Pourrait-on financière- ment se le permettre ? Il faut encore savoir que, si le confine- ment a la faculté de retenir l'énergie ou les polluants poten- tiels dans un certain nombre de cas, il fera l'effet d'un bouchon de champagne dans les situations très graves. Il retiendra peut-être les pertes durant un certain temps, mais lorsque finalement il cédera, l'expulsion d'éléments radioac- tifs sera encore beaucoup plus importante que dans les cas d'accidents survenus dans des réacteurs dépourvus de confinement. Ainsi, le confinement représente une sécurité dans bien des situations, mais lors d'un accident relative- ment grave, il pourrait faire l'effet inverse.
A propos de ces centrales si sûres que l'on nous décrit, à propos de l'affaire de Tchernobyl, il faut se rappeler que les Suédois, qui en possèdent d'aussi bonnes que les nôtres, étaient persuadés au début que l'augmentation de la radioactivité provenait de leurs propres installations nucléaires. C'est ensuite seulement qu'ils ont décelé une origine soviétique. Si tel a été le cas - je le dis à l'intention de M. de Chastonay en particulier - cela prouve que les Sue- dois n'avaient pas une confiance si grande en la sécurité absolue de leurs réacteurs.
Il faut aussi savoir que la catastrophe de Tchernobyl n'est pas un accident maximal. D'après le bilan établi, nous aurons surtout eu des retombées d'iode, de césium et d'un petit peu de strontium. Heureusement pour nous, nous n'avons pas reçu de plutonium. Pire cas peut encore se produire. Certaines études montrent qu'en cas de catas- trophes maximales on subit encore une dose létale de 600 rems à une centaine de kilomètres du lieu de l'accident. Hier, M. Ogi a exprimé ses craintes à propos de la pollution qui persiste encore dans la nature six semaines après la catastrophe. Au cas où nous aurions eu des retombées de plutonium, la pollution ne durerait pas six semaines mais 60 ou 500 000 ans, ce qui n'est pas tout à fait comparable.
Malgré cet accident, dont le degré n'est pas maximal du tout, on imagine ce qui se serait passé s'il était survenu à la centrale du même type, celle de Leningrad, située en pleine ville, au cours d'une journée où les conditions atmosphéri- ques auraient été mauvaises. En effet, les Russes ont eu beaucoup de chance avec Tchernobyl, car beaucoup d'élé- ments radioactifs ont été disseminés à l'étranger. S'ils avaient eu des conditions climatiques, avec inversion des courants à 100 ou 200 mètres d'altitude et une forte pluie, le bilan n'aurait pas été de 28 ou 30 morts, mais plutôt de quelques dizaines de milliers, voire de quelques centaines de milliers de victimes dans leur pays. Bien sûr, cela serait également lié au fait qu'ils annoncent les choses trois ou quatre jours après les chutes de pluie.
Qu'en est-il de l'état de non-préparation ? On nous a affirmé qu'en Suisse nous étions très bien préparés. Hier, M. Egli, président de la Confédération, nous a dit que tout avait formidablement bien marché. J'ai plutôt eu l'impression que, étant donné les informations dont on disposait en la matière, on a accompli beaucoup d'efforts mais avec beau- coup de peine. En ce sens, la Commission de radio-protec- tion, qui change ses normes un peu en fonction de l'inspira- tion du moment, a fait une démonstration assez brillante de ce que peut être l'état de non-préparation de la Suisse. L'importance des faibles doses n'est pas à dédaigner. On nous a dit hier qu'il y aurait 0,025 pour cent de cancers supplémentaires prévisibles, ce qui fait tout de même quel- ques centaines de cas. Ce nombre de cancers, par rapport à quelques dizaines dans d'autres pays, est une mesure directe de l'estime portée par les gouvernants à la santé de la population comparativement à la prise en compte d'au- tres intérêts. Dorénavant, la Suisse se doit de défendre les normes les plus dures, comme elle le fait en matière de pollution de l'air, même si elle a des intérêts économiques
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dans ce secteur. La déclaration de M. Huber disant: «Je n'aurais jamais pensé qu'une catastrophe aussi lointaine puisse avoir de pareils effets en Suisse», démontre, pour ceux qui auraient encore des doutes, l'état de non-réflexion dans lequel s'est effectué le programme nucléaire de ces dernières années. On a fait ce que l'on a pu, mais on ne savait pas grand-chose, ce qui n'a pas empêché la prise de décision. Ceci est la preuve qu'un moratoire est actuelle- ment indispensable, de manière à pouvoir approfondir la question avant de prendre des décisions d'une pareille portée.
Pour terminer, je m'adresse à M. Künzi qui nous a parlé hier de réserves de combustible dans le domaine nucléaire de 5000 à 60 000 ans, suivant les technologies utilisées. Je n'ai jamais entendu ce genre de chiffres. Les plus optimistes, avec l'emploi du thorium, étaient de l'ordre du millier d'an- nées. Ces déclarations doivent certainement provenir de l'époque où les pronucléaires américains, il y a une ving- taine d'années, disaient que l'énergie nucléaire serait si bon
marché qu'il ne serait pas rentable économiquement de . sind und der Praxis über Ausbildung und Beratung weiter-
poser un compteur pour la facturer. Dans ce cas, les faits ont démontré à quel point tout ce qui s'est dit en la matière jusqu'à présent était fort mal fondé du côté des incondition- nels du nucléaire.
Präsident: Es haben sich nebst den 70 Rednern, die auf der Liste stehen, noch 7 weitere eingetragen. Ich beantrage Ihnen, hier die Rednerliste zu schliessen.
Zwingli: Das gestrige Sammelsurium von Verdammungs- und Lobreden auf die Kernenergie stand in einem eigentüm- lichen Gegensatz zur realen Situation. Tschernobyl ist zwei- fellos ein handfester Anlass zur Besinnung, vor allem zur Neubesinnung.
Mich bewegen insbesondere zwei Problemkreise:
Wir wurden gestern bis in den Abend hinein nicht müde, die Risiken der friedlichen Nutzung der Kernenergie in den Vordergrund zu stellen. Mich erstaunte, dass kaum jemand unter uns darauf hinwies, dass wir nicht nur durch die friedliche Nutzung der Atomenergie bedroht sind. Neben den 374 Kernkraftwerken, die uns Energie liefern, lagern auf der ganzen Welt Tausende von atomaren Sprengköpfen, bereit, unseren Erdball über Nacht in eine atomare Winter- landschaft zu verwandeln. Es scheint mir, wir ziehen uns zum Puppenspiel zurück, weil wir der atomaren Wirklichkeit so ohnmächtig gegenüberstehen. Bereits zwei Vorredner wiesen darauf hin, wie wir mit unserer Problematik des Ausstieges aus der Kernenergie fertig werden sollen. Auch ich frage Sie allen Ernstes: Was nützt uns und der Welt das Stillegen unserer fünf Kernkraftwerke, wenn gleichzeitig 369 weitere in Betrieb bleiben? Wenn Tschernobyl Anlass zu einer Denkpause gibt und aus dieser Katastrophe weltweit mehr Sicherheit gewonnen wird, haben wir für uns alle mehr erreicht als mit dem Abstellen unserer Kernkraftwerke.
Das zweite Problem beginnt mit der Erkenntnis, dass wir mit oder ohne eigene AKW mit der Atomenergie leben müssen. Die Katastrophe von Tschernobyl hatte unerwartet rasch auch bei uns eine allerdings geringe, aber doch mess- bare Erhöhung der Radioaktivität - namentlich im Frischge- müse und in der Frischmilch und etwas später auch im Fleisch - zur Folge. Schliesslich mussten bestimmte Konsu- mentengruppen vorübergehend vor dem Genuss von Frischgemüse und Frischmilch gewarnt werden. Es steht hier nicht zur Diskussion, ob diese Warnung berechtigt und notwendig war. Aber es bleibt äusserst unbefriedigend, wenn Produzenten ihr ganzes Können und ihre ganze Sorg- falt in die Produktion gesunder und bekömmlicher Nah- rungsmittel setzen, diese dann aber als gesundheitsgefähr- dend bezeichnet werden müssen.
Als Landwirtschaftslehrer und Berater, aber auch als Präsi- dent eines kantonalen Bauernverbandes und Politiker, stelle ich mir die Frage: Gäbe es allenfalls praktikable Massnah- men in der landwirtschaftlichen Produktion, um die Radio- aktivität der Erzeugnisse tief zu halten? Ich gelangte mit dieser Frage auch an Hochschulinstitute, an unsere For-
schungsanstalten und an weitere Fachleute. Ich wollte unter anderem wissen, wie sich die radioaktiven Stoffe im Boden verhalten, wie sie von den Pflanzen über die Wurzeln aufge- nommen werden, wie sie sich bei verschiedenen Ernte-, Verarbeitungs- und Konservierungsverfahren verhalten und wie sie schliesslich über das Futter in den tierischen Stoff- wechsel und in tierische Erzeugnisse gelangen. Offenbar fehlen gegenwärtig auch in Fachkreisen die Kenntnisse, um auf solche Fragen sachdienliche Antworten geben zu können.
Ich hoffe sehr, dass sich Tschernobyl in keiner Weise wie- derholt. Trotzdem müssen wir aus der Verantwortung als Nahrungsmittelproduzenten möglichst rasch wissen, ob und allenfalls welche produktionstechnischen Massnahmen in einer ähnlichen oder gar noch schlimmeren Katastrophe eine möglichst tiefe Strahlenbelastung der landwirtschaftli- chen Erzeugnisse gewährleisten. Ich ersuche den Bundes- rat mit einem Postulat, dafür besorgt zu sein, dass die erforderlichen Kenntnisse innert nützlicher Frist verfügbar gegeben werden können.
M. Jeanneret: En déposant une interpellation selon la pro- cédure ordinaire, le groupe libéral a voulu démontrer que, après l'accident de Tchernobyl, les débats dans notre pays devraient d'abord être empreints de sérénité, sous peine de tirer des conclusions hâtives qui pourraient donc être par- tiellement erronées, et, ensuite, qu'ils devraient avoir lieu lorsque le monde occidental bénéficiera enfin de réponses crédibles sur ce qui s'est passé dans ce pays dictatorial qu'est l'URSS.
Ce qui nous intéresse, c'est de savoir quelle est l'influence réelle que peuvent avoir les autorités helvétiques et non pas de nous gargariser de propos souvent démagogiques. Si un virage économique et énergétique devait être pris, il ne pourrait l'être qu'après un large débat démocratique où tous les aspects, positifs et négatifs, de l'utilisation de l'énergie nucléaire devraient être examinés froidement et à fond par tous les partenaires suisses à cette source d'énergie. Pour nous, ce virage n'a pas à être pris et, à tout le moins, pas de façon brusque, et les positions prises hier par le Conseil fédéral nous ont satisfaits. Ceux qui condamnent aujour- d'hui à cor et à cri le nucléaire civil sont les mêmes qui incriminent d'autres sources d'énergie et ils seraient plus convaincants s'ils avaient le courage de dire au peuple suisse que c'est son mode de vie qu'ils ont l'intention de remettre en cause, son confort et ses habitudes.
Non! Ce qui intéresse les libéraux c'est de connaître les résultats de la critique approfondie de l'exercice, à laquelle se livre le Conseil fédéral, et de savoir comment l'organisa- tion a fonctionné dans notre pays depuis fin avril 1986. Sur ce point, le Conseil fédéral nous a fourni hier de nombreux éclaircissements, mais nous avons encore un certain nom- bre de doutes quant à la bonne marche future de l'état- major de crise. Si nous sommes persuadés que, dans notre pays, chacun des collaborateurs engagés dans cette entre- prise a travaillé dans son secteur au plus proche de sa conscience, nous pensons que la coordination et la syn- thèse n'ont pas été suffisantes. Dans de tels cas, seule l'autorité directoriale et exécutive du pays a compétence pour s'engager et nous demandons au Conseil fédéral d'in- tervenir à l'avenir plus directement lui-même, comme auto- rité gouvernementale, pour diriger les opérations en relation étroite avec les gouvernements cantonaux. Nous faisons confiance au Conseil fédéral, quant à son interprétation de la gravité de la situation. Ce n'est pas la première fois dans notre histoire qu'il doit faire une pesée d'intérêts entre le risque de susciter la panique et celui d'être léger. Mais alors il faut le dire sans équivoque, sinon nous aboutissons à la situation dont nous avons eu hier la démonstration ici. Ce qui est le plus grave c'est l'utilisation que certains doctri- naires extrémistes veulent faire de cet accident, jusqu'à troubler la vie démocratique et parlementaire. Si c'est vrai- ment le débat que nous préparent pour ces prochaines années les gauchistes et autres écologistes, entretenus par
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certains médias germaniques, alors nous aurons la preuve de ce que peuvent être les dictatures de minorité qui font fi de toute réelle démocratie.
Ce que nous voulons, ce sont des exécutifs prêts à faire face à toutes les conséquences d'une catastrophe, même si elle n'a pas lieu sur notre territoire. Si l'on admet que les cen- trales suisses sont plus sûres, parce que construites avec le sérieux qui est de mise dans notre pays, nous risquons d'être contaminés à l'avenir par la radioactivité de pays totalitaires. Là la Suisse peut et doit jouer un rôle internatio- nal plus actif et nous attendons du Conseil fédéral qu'il suive avec ténacité la ligne qu'il a tracée devant nous hier soir. Enfin, nous avons appris que la collaboration avec l'armée avait été positive. Nous en sommes heureux. Que voilà de la graine pour ceux qui ne cessent de critiquer notre défense nationale et son organisation et qui sont ensuite les pre- miers à se plaindre si l'armée n'est pas mise de suite à disposition des autorités civiles!
Nous remercions le Conseil fédéral de poursuivre une sereine analyse de notre politique énergétique, au vu des leçons à tirer de cet accident et une collaboration poussée et dirigée de tous les organes fédéraux et cantonaux, civils et militaires, appelés à prévoir les conséquences de tels phénomènes et à résoudre les problèmes qui en découlent.
Sager: Es war hier von verschiedenen Votanten zu hören, Tschernobyl könne sich als Unfall in jedem AKW wiederho- len. Das ist wohl schon das Ergebnis einer Informations- überflutung, die uns zum Schein dem Zwang enthebt, Infor- mationslücken zu schliessen und Nachrichten zu gewich- ten. Daher hier der Versuch, in allzu kurz bemessener Zeit einige Tatsachen in Erinnerung zu rufen.
Im Jahre 1979 wurde bekanntgegeben - ich beziehe mich auf die sowjetische Zeitschrift «Planowoje Chosiajstwo» -, dass die Energieversorgung Weissrusslands in erster Linie mit AKW bewerkstelligt werde. Die Presseagentur Novosti stellte am 25. Juni 1979 fest, dass bis 1990 in mehreren hundert Städten Weissrusslands AKW errichtet werden sol- len. Die sowjetischen Behörden haben Mitte Mai bestätigt, dass sie den Bau von AKW ungebrochen weiterverfolgen. Wie sehen diese AKW aus? Die Sowjetpresse ist seit Jahren voll der Kritik wegen der grossen Mängel bei Planung, Bau und Betrieb von AKW. Dafür einige Beispiele:
Am 9. Juli 1983 berichtete die Gewerkschaftszeitung «Trud», dass beim Reaktorbau in Smolensk die Komponenten zur Herstellung des besonders starken Betons fehlten. Die glei- che Zeitung stellte am 15. März 1985 fest, dass ebenfalls in Smolensk die Dispositionspläne zur Materialbestellung nicht vorhanden waren. Die Arbeitsunterbrüche mussten später durch zusätzliche Arbeitseinsätze eingeholt werden, worüber die Arbeiter sich beklagten: «Wie können Pla- nungsorgane in solcher Weise vorgehen?»
Die Zeitung «Sozialistischeskaja Industrija» nahm sich des AKW-Baus in Rostow an. 1982 wurde die Hälfte der Arbeiter zum AKW-Bau in Tschernobyl und Kursk abgeordnet. Als Folge ergaben sich Verzögerungen, die sogar «eine der wichtigsten Voraussetzungen für solche Bauten - den unun- terbrochenen Guss des Betons - gefährdeten». Nach Fertig- stellung des Rohbaus in Rostow wurde festgestellt, dass die Lichtweite zur Einführung des Brennelementes um 38 mm zu niedrig war. Weder konnte ein niedrigerer Wagen gebaut, noch die Decke angehoben werden; wie man sich behalf, wurde nicht mitgeteilt.
Die Zeitung «Sowjetskaja Rossija» bezeichnete am 30. Mai 1982 die Stahlrohre für das AKW von Balakowo als Aus- schussware. Im Jahre 1983 erhielt die Baustelle nicht die benötigte Menge Materialien, und was sie bekam, genügte den Spezifikationen nicht, was «besondere Bedenken» er- weckte.
Die Zeitung «Stroitelnaja Gaseta» kritisierte am 27. Septem- ber 1981 zahlreiche Planänderungen beim Bau des süd- ukrainischen AKW und Fehllieferungen für das AKW auf der Krim.
Beim Bau des AKW in Odessa sind Mängel vorgekommen, über die Radio Moskau-1 am 2. Januar 1986 berichtet hat.
Einer der Brigadechefs äusserte sich wie folgt: «Wir werden durch die unzulängliche Planung behindert: Die Leute leben nur für den Tag; dass das Unglück morgen eintreten kann, ist ihnen gleich.»
Allein im Jahre 1984 wurden von den Kontrollkommissionen gemäss «Sozialistischeskaja Gaseta» vom 11. April 1985 insgesamt 136 erhebliche Verstösse gegen technische Vor- schriften und unerlaubte Planabweichungen festgestellt. Die Sowjetmedien sind natürlich nicht nur voller Kritik. Im gesamten überwiegt das Lob. Radio Kiew pries letztes Jahr das AKW von Tschernobyl als Beispiel für den in der UdSSR praktizierten Umweltschutz. Das AKW befinde sich am Rande eines Erholungsgebietes und sei umweltstechnisch absolut sicher. Anderseits listete die Zeitung «Literaturna Ukraina» noch am 27. März dieses Jahres die enormen Unzulänglichkeiten in Tschernobyl auf: dass technische Probleme ungelöst geblieben, die Arbeiter entmutigt und die Arbeitsdisziplin ungenügend seien. Als Fazit ergibt sich, dass jedes AKW in der Sowjetunion potentiell unfallanfällig ist wie Tschernobyl.
Landolt: Nach dem, was wir gestern von den Interpellanten und den beiden Herren Bundesräten gehört haben, bliebe als Alternative zur Kernenergie einzig das eine, nämlich Sparen, pickelhartes Sparen. Sonst müssen wir mit dem Bau von AKW weiterfahren. Ich sehe nämlich zurzeit keine ande- ren Möglichkeiten, wenn es uns mit dem Ziel ernst ist, die fossilen Brennstoffe tatsächlich zu ersetzen! Ich weiss zwar, dass unseren Technikern und Ingenieuren schwere Vor- würfe gemacht werden, weil noch nicht alle Möglichkeiten bezüglich Gebäudeisolationen, Wärmepumpen und der Konstruktion von Apparaten, die weniger Energie verbrau- chen, ausgeschöpft werden. Selbst die vorhandenen natürli- chen Energiequellen werden noch nicht genügend genutzt. Denken Sie an die Möglichkeiten an allen Orten, wo Ther- malwasser unerschöpflich zu uns emporquellen, ich meine in Städten und Dörfern wie Bad Ragaz, Baden, Rheinfelden, Leukerbad. Da müssten doch die gesamte Warmwasserver- sorgung und die Heizung über die Thermalquellen erfolgen. Dass Biogasquellen wie auch der Nutzen aus Solarzellen unergiebig sind, ist nun bekannt. Nicht wahr, Frau Morf? Ihr Kleinkraftwerk, das Sie uns gestern gezeigt haben, reicht nicht einmal aus, um Ihre elektrische Schreibmaschine oder Nähmaschine anzutreiben. Auch die Resultate der Stromer- zeugung in Almeria auf der spanischen Hochebene belegen, dass das alles eine Illusion ist, wie das Herr Künzi gestern schon gesagt hat.
Selbst wenn wir die mögliche Ausschöpfung der nicht genutzten Wasserkräfte schliesslich in Betracht ziehen, würde der Ausbau aller möglichen Stufen im Rhonetal nur die Energie eines halben AKW erbringen. Dabei wissen wir, welcher Widerstand dem entgegengestellt wird und dass die Möglichkeit, das auszuschöpfen, dreissig Jahre dauern würde. So komme ich zum Schluss, dass wir für die näch- sten 25 bis 50 Jahre tatsächlich keine anderen Alternativen haben als die Verwendung von Energie aus der Kernspal- tung oder pickelhartes Sparen!
Ich meine aber auch, dass wir eine Pause mit dem Bau der heute üblichen 800 bis 1000 Megawatt-AKW einschalten sollten. Uebrigens hat das Bundesrat Schlumpf gestern bereits gesagt, als er von einem Moratorium für Kaiseraugst sprach. Aber ich möchte von Ihnen, Herren Bundesräte, wissen, wieweit unsere Forschung an unseren beiden spe- zialisierten Instituten SIN und EIR gekommen ist, über die so viel Unrühmliches gesagt wurde. Wieweit ist die Forschung gekommen, und welches sind die Resultate über den mögli- chen Kleinreaktor, der absolut geeignet sein soll, Dörfer bis zu etwa 8000 Einwohnern mit der nötigen Energie zu versor- gen? Ebenso wichtig ist für mich die Antwort auf die Frage, ob diese Miniatomreaktoren tatsächlich ebenso ungefähr- lich beziehungsweise so sicher sind wie unsere Wasserkraft- werke. Sollten Sie mir diese Fragen sozusagen in positivem Sinne beantworten, müsste doch der Schluss gezogen wer- den, dass die Ausbeutung der Atomenergie technisch solange auf diese andere Art gelöst werden müsste, bis die
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gefährliche radioaktive Atomspaltung durch die ungefährli- che Atomfusion abgelöst wird.
Ich bin der Ueberzeugung, dass wir bis zu jenem Zeitpunkt nicht auf Atomkraft verzichten können, wenn wir tatsächlich Erdöl, Erdgas und Kohle als Energiespender ersetzen wol- len. Sollten Sie, Herren Bundesräte, uns bestätigen, dass die theoretischen Vorarbeiten für diesen möglichen Minireaktor tatsächlich so weit fortgeschritten sind, dass das Projekt verwirklicht werden kann, müsste dann nicht in Würenlin- gen ein Kleinreaktor im Massstab 1 zu 1 verwirklicht wer- den? Nach einem solchen Beweis für modernste Atomener- gie können wir ernsthaft und überzeugt ja zur weiteren Nutzung der Atomenergie sagen! Ich bin gespannt auf Ihre Ausführungen und danke für die Antworten, die Sie gestern auf die Interpellationen erteilt haben.
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Mme Aubry: Une précision tout d'abord: je n'appartiens à aucun lobby' ou conseil d'administration ayant des liens proches ou lointains avec l'énergie nucléaire.
J'ai pris conscience des risques que nous encourons non seulement en habitant près d'une centrale nucléaire mais à des milliers de kilomètres comme vient de nous le démon- trer la catastrophe de Tchernobyl. Il y a de quoi être effrayé et je comprends la peur qui se développe mais il y a égale- ment de nombreux autres risques dont il faudrait oser par- ler: les risques chimiques par exemple, que nous rappelle la terrible catastrophe de Bhopal en Inde. Je ne minimise pas l'ampleur de la tragédie de Tchernobyl dont de trop nom- breuses personnes risquent de subir les conséquences longtemps encore. Mais je me refuse à céder à la psychose qui est de mode en Allemagne et qui déborde largement chez nous. Si l'on se rappelle la dernière guerre mondiale, il n'est pas possible de suivre aveuglément les mouvements d'opinion allemands d'aujourd'hui.
Constatons en premier lieu qu'entre le monde libre et les pays de l'Est, il y a deux philosophies différentes qui ont leur expression dans la vie quotidienne. Dans nos pays à écono- mie libre, la responsabilité repose sur l'individu alors que dans les pays communistes, la masse a absorbé toute res- ponsabilité personnelle.
Peut-on dès lors s'étonner que l'URSS construise des cen- trales nucléaires vétustes dont le modèle n'existe plus dans les pays industrialisés. Les réacteurs de Tchernobyl sont situés dans un bâtiment industriel non étanche, dans des enceintes peu résistantes aux surpressions, le reste des installations étant dans une halle commune. Cela ressort du rapport «Institut de la protection et de sûreté nucléaire du Commissariat français à l'énergie atomique». En comparai- son, Leibstadt est construit pour supporter le choc d'un Boeing percutant de plein fouet le dôme protecteur. C'est cela la différence, notre pays a le sens de sa responsabilité envers la population du monde.
Constatons en deuxième lieu qu'en Suisse et dans la plupart des pays de l'Ouest, nous avons les plus hautes exigences de sécurité et nous pouvons nous en féliciter. Ces hautes exigences doivent, après Tchernobyl, être étendues à toutes les centrales installées ou en construction dans le monde si nous ne voulons pas revivre un pareil drame ou plus simple- ment vivre dans la peur d'être irradiés si nous ne sommes pas avertis à temps, comme ce fut le cas.
Notre voisine, la France a gardé la tête froide en envoyant des renforts d'experts et de spécialistes du nucléaire à Tchernobyl afin de limiter les dégâts. C'est ce qui s'appelle la solidarité. Elle vit depuis des années à l'heure de l'énergie atomique avec ses 43 réacteurs qui représentent au total 37 500 megawatts. A l'heure actuelle, 20 unités, représen- · tant 25 000 megawatts, sont en construction. Dernièrement, le syndicat d'obédience communiste, la CGT, a lancé un appel afin que l'on ne remette pas en cause le programme nucléaire «facteur de croissance constituant des éléments d'une issue à la crise».
Plutôt que de céder à la peur et à l'hystérie collective, prenons exemple sur ce qui est positif et préparons l'avenir énergétique de la Suisse qui, à mes yeux, devrait être l'édu- cation et la formation, apprendre à vivre avec l'atome,
apprendre à s'en protéger. Nos abris de PC sont près de chez nous. D'autres générations nous précédant ont vécu . l'ère des barrages où les risques d'accidents étaient aussi grands. Pensons à Malpasset, à Longarone.
Les économies d'énergie nous concernent tous et elles doivent encore être plus poussées si nous voulons lente- ment renoncer au nucléaire, atteindre un stade de diversifi- cation équilibré des sources d'énergie en consacrant encore davantage d'argent à la recherche, exiger que toutes les centrales nucléaires du monde soient visitées et contrôlées par l'Agence internationale de l'énergie atomique, qui a son siège à Vienne, ce qui jusqu'à ce jour n'était pas le cas, exiger pour les problèmes de sécurité du nucléaire une collaboration internationale et là, notre pays a un rôle pré- pondérant à jouer.
En conclusion pour nous tous, il en va du choix d'un mode de vie. La renonciation immédiate à toute énergie nucléaire nous mettra dans une situation de dépendance énergétique à l'égard de l'étranger et nous fera retourner au XVIIIe siècle. Mais entre les salades de Tchernobyl et le retour à la nature prôné par Jean-Jacques Rousseau, il y a place pour la raison, c'est l'attitude adoptée par le Conseil fédéral et le groupe radical que je vous demande de suivre. La liberté a des exigences.
Müller-Bachs: Unsere Demokratie ist intakt. Unsere Wirt- schaft ist gesund. Unsere Umwelt ist krank. Das ist eine sehr merkwürdige Bilanz. Es müsste nicht so sein. Stellen Sie sich vor, unsere Wirtschaft wäre ebenso krank wie die Umwelt (Krise, Arbeitslosigkeit, Hunger!). Wir würden nicht sagen, wir alle sind schuld, wir würden nach den Verant- wortlichen suchen, wir würden unfähige Leute zur Seite stellen, fähigeren eine Chance geben.
Auch für den Umweltschutz, für die Erhaltung von Werten wie Natur und Gesundheit gibt es eine Verantwortlichkeit. Diese Verantwortlichkeit ist in unserm Staate vorgesehen und liegt bei den Universitäten, bei den Hochschullehrern, die mit Einrichtungen, mit Möglichkeiten für Lehre und Forschung ausgerüstet sind, die aber vor allem die Freiheit in Lehre und Forschung besitzen.
Jede Freiheit muss täglich erhalten und zurückerobert wer- den, ob es nun in der Wirtschaft sei, in der Demokratie oder in der Wissenschaft. Sein oder Nichtsein hängt davon ab, ob unsere vom Staate besoldeten, mit Freiheit in Lehre und Forschung ausgerüsteten Wissenschafter das wahrnehmen, für ihre Freiheit kämpfen und sich für ihre Verantwortung einsetzen. Es gab schon immer bedeutende Physiker, bedeutende Biologen, die auf die Bedrohung der Umwelt hingewiesen haben, die wissenschaftliche Arbeiten vorge- legt haben, aber sie wurden von ihren eigenen Kollegen nicht akzeptiert; sie wurden als schwarze Schafe, ja als Nestbeschmutzer abgestempelt. Wenn einer aber möglichst unauffällig, arglos, harmlos und - wie soll ich sagen - ungefährlich ist, dann sind seine Chancen für eine wissen- schaftliche Karriere sehr gross. In Anbetracht der Umwelt- probleme müssen Sie mir es abnehmen: Unsere fixbesolde- ten Wissenschaftler an den Universitäten - ich möchte das Wort «feige» vermeiden, aber ich muss es trotzdem anwen- den - sind feige, unsolidarisch, verantwortungslos. Und wir werden einer ganz schlimmen Zukunft entgegengehen, wenn sich das nicht ändert und wenn die Leute, die für die Erhaltung dieser Werte vom Staate vorgesehen sind, ihre Verantwortung nicht wahrnehmen.
Im Bereiche der Freiheitswerte, die wir uns in der Demokra- tie, in der Wirtschaft und in der Forschung erkämpft haben, gibt es ein Ungleichgewicht zuungunsten der Wissenschaft. Das rührt nicht daher, dass unsere Wirtschaft zu stark ist; es gibt gar keine zu starke Wirtschaft, es gibt nur eine zu schwache Wissenschaft! Dieses Missverhältnis hat sich in unserem Rechtsstaat zementiert. Das geht soweit, dass wir rechtsstaatlich abgedeckte Verbrechen begehen. Es ist eine rhetorische Frage, ob Widerstand in einem Rechtsstaat erlaubt sei. Selbstverständlich, per definitionem ist Wider- stand nicht erlaubt. Es gibt kein Recht auf Widerstand in
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einem Rechtsstaat, aber es gibt die Pflicht zum Widerstand, auch in einem Rechtsstaat.
Schule: Der Einsatz der Technik ist immer Risiko und Chance zugleich. Doch in Tschernobyl ist der nicht mehr akzeptierbare Unfall eingetreten, die Welt hat sich verändert. Viele haben hier und auch in den Medien als erste Konse- quenz für uns den Verzicht auf Kaiseraugst gefordert. Doch vordringlich stellt sich nach Tschernobyl die Frage, ob wir es verantworten können, dass jetzt und heute fünf Kernkraft- werke in unserem Land in Betrieb stehen. Im Falle Kaiser- augst dagegen haben wir die Zeit, die Frage der Reaktorsi- cherheit neu zu beurteilen. Ich unterstreiche, was Herr Bun- desrat Schlumpf gestern gesagt hat: Für Kaiseraugst besteht faktisch ein mehrjähriges Moratorium. Ich füge hinzu: Bevor ein nächster Schritt unternommen und die nukleare Baubewilligung erteilt werden kann, sind die Kon- sequenzen aus Tschernobyl zu ziehen, sind alle Erkennt- nisse offenzulegen.
Aber wie steht es denn heute mit der Sicherheit der in Betrieb stehenden Kernkraftwerke? Herr Bundesrat Schlumpf hat versucht, eine erste und.dennoch kompetente Antwort zu geben. Ein ähnlicher Unfallablauf sei bei uns nach menschlichem Ermessen auszuschliessen. Fest steht, dass wir ein anderes, weniger risikobelastetes Reaktorkon- zept und vor allem ein besseres Sicherheitssystem mit einem doppelten Containment haben.
Diese Feststellung gibt uns die Zeit und die Möglichkeit, unsere Energiepolitik grundlegend zu überdenken und die Alternative eines längerfristigen Ausstieges aus der Kern- energie in allen ihren Auswirkungen zu prüfen. Eine solche Alternative liegt heute nicht vor. Von keiner Seite ist bisher ein brauchbares Konzept vorgelegt worden, das uns auch unter Nutzung des Sparpotentials in Zukunft eine genü- gende Versorgung mit Energie sicherstellen wird. Frau Morf hat sich für die Alternativenergien, vor allem für die Sonnen- energie, eingesetzt. Sie hat sich gestern zur Behauptung verstiegen, wir waren heute wohl am Ziel, hätte der Bund nur viel mehr für die Forschung und Förderung von Alterna- tivtechniken getan. Dazu ist festzuhalten, dass auf diesem Gebiet, vor allem seit dem Erdölschock 1973, weltweit immense Forschungsanstrengungen unternommen worden sind, die die Möglichkeiten eines Kleinstaates bei weitem übertreffen. Die Resultate waren bis anhin ernüchternd. Diese sogenannten Alternativenergien dürften bis weit ins nächste Jahrhundert hinein nur einen kleinen Teil unseres Energiebedarfes decken. Sie sind als sinnvolle Komplemen- tärenergien zu beurteilen, nicht aber als echte Alternativen. Ich bin aber der Meinung, dass wir wegen der Neubeurtei- lung der Risiken die Alternative Ausstieg aus der Kernener- gie weiter entwickeln und möglichst konkretisieren müssen. Aehnlich wie in Schweden, wo man allerdings bisher auch nicht über Deklamationen hinausgekommen ist, müssen wir auch für die Schweiz ein solches Modell studieren. Der Bürger hat Anspruch zu wissen, welches die Konsequenzen für unser Land, für seine Bevölkerung und seine Wirtschaft sind. Diese Konsequenzen sind vom Bundesrat auch gestern kaum aufgezeigt worden. Dazu nur ein Hinweis: 75 Prozent der Produktionsenergie unserer Wirtschaft entfällt auf die Elektrizität, die eine Schlüsselenergie ist. Und 69 Prozent der Elektrizität wird von der Wirtschaft und vom öffentlichen Verkehr genutzt. Der Bürger hat also Anspruch zu wissen, wie sich unsere Lebensgewohnheiten bei einem Verzicht auf die Kernenergie verändern würden, verändern müssten.
Ich bitte den Bundesrat dringend, dieses Konzept einer Energieversorgung ohne Kernenergie und die damit verbun- denen Folgen zu präsentieren, und zwar, bevor über eine nächste Atominitiative zu entscheiden sein wird.
Präsident: Herr Günter möchte eine kurze persönliche Erklärung abgeben.
Günter: Ich möchte nur noch einmal auf das Geschäftsver- kehrsgesetz Artikel 3quinquies hinweisen und alle Ratsmit-
glieder, die sich hier melden, bitten, doch diesen Artikel einzuhalten. Er lautet: «Ratsmitglieder, deren persönliche Interessen von einem Geschäft unmittelbar betroffen sind, weisen auf diese Interessenverbindung hin, wenn sie sich in einer Kommission oder im Rat äussern.» Das gilt für Herrn Schüle, der jetzt gerade gesprochen hat. Er ist ein leitendes Mitglied der Direktion eines Herstellers von nuklearen Kom- ponenten. Es gilt aber für viele andere auch, und ich möchte Sie bitten, sinngemäss diesen Artikel des Geschäftsver- kehrsgesetzes zu handhaben und zu sagen, wo Ihre Interes- senverbindungen hier, bei dieser Diskussion, sind. (Applaus auf der Tribüne)
M. Magnin: Je ne sais pas si, dans ce débat, nous perdons la tête, comme l'affirma tout à l'heure M. Giger, mais ce qu'il y a de certain, c'est que la majorité de la population de notre pays ne veut pas risquer de perdre la vie en laissant se poursuivre l'aventure du nucléaire - un sondage l'a prouvé. En effet, Tchernobyl démontre que le nucléaire est bien une aventure aux risques incalculables et dramatiques. Malgré les assurances que certains sont venus donner à cette tribune sur la sûreté des centrales nuclaires suisses, le risque existe aussi dans notre pays, même si d'aucuns voudraient nous faire croire que Tchernobyl ne serait que le fruit empoisonné de l'insouciance et de l'incompétence des Soviétiques. C'est oublier tous les autres accidents, certes moins graves, mais qui auraient pu l'être, qui se sont pro- duits dans les centrales nucléaires de divers pays.
Dans ce domaine, même le niveau de sécurité le plus élevé ne peut éliminer le risque et ceux qui affirment le contraire prennent une lourde responsabilité. Si ces affirmations doi- vent être prises tout aussi au sérieux que celles du Conseil fédéral qui considere que tout est pour le mieux dans le meilleur des mondes et que la situation et l'information étaient parfaitement maîtrisées pendant les jours cruciaux que nous avons vécus, cela n'est pas pour nous tranquil- liser!
Après la catastrophe de Tchernobyl, le moins que l'on puisse demander, même aux partisans de l'énergie nucléaire, c'est un moratoire de longue durée dans la cons- truction des centrales nucléaires. Je rappelle qu'un mora- toire ne mettrait pas en cause l'approvisionnement énergéti- que de notre pays, car il ne faut pas perdre de vue que des possibilités d'économies existent et peuvent être assez rapi- dement mises en pratique, ni oublier que, s'il est vrai que nous importons une petite quantité d'énergie, nous en exportons beaucoup plus. Là aussi, il serait bon d'examiner ce qu'il serait possible de faire.
Non seulement le moratoire ne mettrait pas en cause l'ap- provisionnement énergétique de notre pays, mais il ne signi- fie pas non plus l'abandon du nucléaire. Il permettrait toute- fois, d'une part de réexaminer tout le problème de la sécu- rité des centrales, en tirant les enseignements de Tcherno- byl et de tous les autres accidents qui se sont produits dans le monde; il permettrait peut-être, d'autre part, de trouver une solution au problème des déchets, solution qui comme vous le savez est loin d'être trouvée et qui posera certaine- ment à notre pays, du point de vue à la fois technique et démocratique, des problèmes très sérieux; il permettrait encore une réflexion approfondie sur les possibilités d'une autre politique énergétique, basée sur des économies mais aussi sur la recherche d'autres sources d'énergie. Je le répète, le moratoire constitue le minimum que l'on puisse exiger aujourd'hui, et même de la part des partisans du nucléaire.
En conclusion, je voudrais, comme l'ont fait d'autres députés à cette tribune, attirer l'attention sur un danger encore bien plus grave pour l'humanité, à savoir la menace pour notre pays et pour l'humanité tout entière du terrifiant arsenal nucléaire qui se trouve à nos portes. Tchernobyl devrait aussi sensibiliser la population de notre pays à cette dramatique menace.
Frau Gurtner: Ich gehöre zu jenen, welche die gestrigen Reden der Herren Bundesräte Egli und Schlumpf als skan-
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dalös bezeichnen. Sie haben nichts anderes getan, als die bisherige Politik in Sachen Atomenergie zu bestätigen. Nichts sehen, nichts hören und alles schnellstens verges- sen, scheint das Leitmotiv dieser Herren auf ihrem hohen Ross zu sein. Wut packt mich, wenn ich an die Tage nach Tschernobyl zurückdenke, wie sie insbesondere viele Frauen in meiner Umgebung erlebt haben. Morgens um 7 Uhr schon Nachrichten hören, um die Strahlenschutzemp- fehlungen nicht zu verpassen, dann Zeitung lesen, um auch die Empfehlungen der Nachbarländer mitzukriegen, auf dem Weg zum Einkauf, an die Kinder denkend, abwägen, was noch zu riskieren ist und was nicht. Ständig von Unsi- cherheit, mangelndem Wissen, Gefühlen von Ohnmacht und Ausgeliefertsein geplagt. Wie soll da das Vertrauen in den Bundesrat, wie das gestern Herr Schlumpf sich wünschte, noch hergestellt werden, wenn in ihren Reden nicht ein Ansatz zum Umdenken enthalten ist? Um so verständlicher werden denn auch Aktionen, wie sie gestern auf der Tribüne von Frauen vorgeführt wurden. Diese haben das Vertrauen in den Bundesrat verloren, und sie wollen und können nicht länger schweigen.
Bereits kurze Zeit nach Tschernobyl versicherte Bundesrat Schlumpf, die Katastrophe werde keinen Einfluss auf die Realisierung des schweizerischen Atomprogramms haben, und Bundespräsident Egli ist demgegenüber vor allem darum bemüht, das Vertrauen in seine Experten wiederher- zustellen, nachdem deren Aussagen sich für breiteste Bevöl- kerungsschichten als klar ersichtlich falsch erwiesen haben. Dies sind Reaktionen, Meinungen von Personen in höchster politischer Stellung, die eigentlich für das Wohl der Bevölke- rung grösste Verantwortung tragen müssten. Die Entwick- lungspsychologie lehrt uns, dass Menschen sehr stark von ihrer Umgebung geprägt werden und dass die Umgebung auf das Denken und Handeln einen starken Einfluss hat. Die alltägliche Umgebung der beiden Bundesräte sind sicher nicht kindererziehende und stillende Mütter. Es sind nicht Küchen, in denen wo immer möglich gesunde Nahrung zubereitet wird. Es sind auch nicht Krankenbetten, in denen leidende Menschen gepflegt werden. Die Umgebung der beiden Bundesräte sind Juristen, die ihnen Gesetze, Ver- träge und daraus folgende Sachzwänge erklären, sind Funk- tionäre und Wirtschaftsvertreter, die ihre Interessen bei den Entscheiden des Bundesrates berücksichtigt haben möchten.
Aehnlich reagierten die Herren der Strahlenschutzkommis- sion. Sie und ihre Umgebung haben sich in jahrelangen Sandkastenspielen in ihrem Kopf die schönsten Szenarien ausgedacht, wie sie atomare Katastrophen, ja selbst einen Atomkrieg überleben könnten. Die Menschen kamen darin nur noch als statische Grössen auf dem Papier vor. Die Herren aus der Bauwirtschaft entwarfen fleissig profitträch- tige Betonbunker, ohne auch nur einen Gedanken an das Leben und die notwendigen Lebensbedingungen zu ver- schwenden. Dieses technokratische männliche Denken, bei dem Profitinteressen und Sachzwänge im Mittelpunkt ste- hen und das tägliche Leben und die Bedürfnisse von Frauen, Kindern, betagten Menschen und der Natur nur am Rande vorkommen, dominiert unsere Politik, unsere Wirt- schaft und letztlich die ganze Bevölkerung und auch die Natur. Tschernobyl war möglicherweise die letzte grosse Warnung, dass wir mit diesem Denken in die endgültige Katastrophe mit der Vernichtung allen Lebens auf der Welt zusteuern. Deshalb müssen wir die Erfahrungen, die Wün- sche und die Anliegen all derjenigen, die sich um das Leben kümmern, ins Zentrum rücken. Und für diese Menschen gibt es die Sachzwänge der Atomlobby, der Technokraten und Experten nicht. Für diese gibt es nur eines: Weg mit der verheerenden natur- und menschenfeindlichen Atomtech- nologie.
Pini: Sarebbe, a mio modo di vedere, alquanto riduttivo ritenere che questo dibattito debba riproporre fra di noi un solo confronto quantitativo fra i pro e i contro l'energia nucleare. L'abbiamo già fatto in occasione dell'esame delle
iniziative energetiche sottoposte al voto popolare. In quel- l'occasione non avevo mancato di motivare la mia opposi- zione riguardo a quelle iniziative ritenendo, come tuttora ritengo, che non si poteva eludere l'opzione, meglio la considerazione dell'opzione energetica nucleare a livello costituzionale. Tuttavia, il grave incidente avvenuto nella centrale di Chernobyl impone a tutti, e soprattutto ai fautori dell'energia nucleare, una profonda e seria riflessione. Ho dichiarato recentemente, e dichiaro in questa sala, che sarebbe una inammissibile provocazione umana e una inammissibile provocazione politica forzare, oggi, una deci- sione che autorizzi la costruzione di una o di più centrali nucleari, di nuove centrali nucleari nel nostro Paese.
«Il est légitime dans toute société de discuter les options prises en matière de technologie et de se demander si l'une d'entre elles ne révèle pas des risques ou des méfaits inac- ceptables.» E' quanto ha affermato, all'inizio di questo mese, a Ginevra il direttore generale dell'agenzia internazio- nale dell'energia atomica Hans Blix. Oggi nel mondo e non solo in Svizzera, dove l'energia nucleare copre il 15 per cento del fabbisogno in elettricità, si deve costatare, e non solo porsi la domanda, se è vero o meno che questa opzione energetica può infatti determinare dei rischi e dei danni inaccettabili alla pubblica salute. Questo è il giudizio anche della commissione degli affari sociali della salute del Consi- glio dell'Europa che ho avuto l'onore di presiedere il 13 maggio u.s. sull'isola greca di Kos. «Si le nucléaire doit être maintenu comme une source énergétique, des cata- strophes telles que celle de Tchernobyl ne doivent plus se reproduire. A cette fin, chaque centrale qui n'est pas con- forme aux normes de sécurité internationalement recon- nues doit être mise hors service. Considérant surtout les menaces à la santé publique et à l'environnement naturel, cette commission du Conseil de l'Europe lance un appel aux gouvernements afin qu'ils coopèrent pour la mise sur pied d'une organisation qui doit élaborer les normes de sécurité nécessaires, contrôler l'application de ces normes, assurer enfin que l'opinion publique en soit pleinement informé.» La tragedia di Chernobyl, onorevoli colleghi, la più grave delle esperienze nucleari a scopi civili, ha dimostrato dram- maticamente l'insufficienza attuale delle misure che questa commissione europea chiede. Anche in Svizzera parte di queste lacune si sono evidenziate soprattutto a livello infor- mativo. «Les nuages nucléairs ne respectent pas les frontiè- res nationales» afferma ancora Hans Blix e aggiunge «la sécurité nucléaire doit être bonne partout dans le monde». Ci si può chiedere allora, onorevoli colleghi, se queste affermazioni e costatazioni non sono anch'esse drammati- camente tardive. C'è voluta la catastrofe di una centrale sovietica per imporre, ai livelli politici più responsabili, una rigorosa critica, quasi un'autocritica, su ciò che si è lasciato correre in avanti con disinvoltura e certezze non ancora confermate, che sono oggi, fra altro, la causa della caduta a picco della credibilità pubblica sulla sicurezza degli attuali impianti di sfruttamento civile dell'energia nucelare. La gente ha paura, e questa paura non è solo il frutto emotivo di un tragico episodio, fra i tanti che la crescita del progresso tecnico e scientifico ha subito e purtroppo subirà ancora nella storia dell'umanità. Questa paura è infatti legata a ragioni che vanno oltre alle emozioni. Per questo, onorevoli colleghi, noi oggi dobbiamo considerare queste ragioni senza velarne gli aspetti più gravi della verità che le contrad- distinguono scientificamente. La Svizzera deve rigorosa- mente rivedere la propria situazione a livello della politica nucleare. Ciò non vuol dire rinunciare a considerare que- st'opzione energetica di cui già viviamo - una ben precisa realtà - ma significa prioritariamente riconsiderare le nostre possibilità di economia energetica, rivolgendo altrettanto prioritariamente la nostra attenzione alla sicurezza della nostra vita prima che all'opportunità o meno di soddisfare i bisogni energetici quantitativi che possono diventare una irreversibile minaccia per la salute dell'uomo e del suo ambiente naturale. Dobbiamo questo rigore di sicurezza per il futuro delle nuove generazioni e dobbiamo ancora pro- muovere a livello internazionale questo rigore, senza atteg-
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giamenti prudenziali che altro non dimostrerebbero se non una volontà politica a rimorchio di altrui decise volontà. Colleghi, dobbiamo uscire dalla gora delle nostre reticenze e delle nostre indecisioni per evitare che, domani, un tale comportamento diventi magari una colpa indifendibile.
Braunschweig: Meine Fragen und Ueberlegungen betreffen die vollständige Abwesenheit des Zivilschutzes und die weit- gehende Abwesenheit der Gesamtverteidigung in den letz- ten Wochen. Wir haben ein Lehrstück erlebt, dass Zivil- schutz, ausgerichtet auf Schutzräume und Bunker, und Gesamtverteidigung, so ehrgeizig und bürokratisch sie das ganze Leben zu erfassen sucht, nicht die Beweglichkeit und Spontaneität haben, um einer grosstechnologisch beding- ten Katastrophe zu begegnen. Und weil niemand auch eine zukünftige Katastrophe ausschliessen kann, dürfen wir die Entwicklung zur Atomenergie nicht weiterführen.
Im einzelnen war ich schon zu Beginn dieser Session enttäuscht, als die bundesrätliche Sprecherin bei der Behandlung des Geschäftsberichtes die Bereitschaft ablehnte, über den Zivilschutz nach der Katastrophe von Tschernobyl einen neuen Bericht zu erstellen und ihn zu überdenken. Der Zivilschutz vor Tschernobyl ist nicht mehr derselbe wie nach Tschernobyl.
Im Juni-Heft «Zivilschutz> erwartete ich eine Stellungnahme und eine Auswertung der Erfahrungen. Aber offenbar war dies bis Mitte Juni nicht möglich. Was müssen wir denn von einer Organisation halten, die bis Mitte Juni nicht in der Lage war, ihre eigene Aufgabe kritisch zu kommentieren? Vielleicht ist es kein Zufall, dass gerade in diesen Tagen der Redaktor und Zentralsekretär dieser Organisation zurückge- treten ist. Was sollen wir vom Zivilschutz im Kriegsfall erwar- ten, einer Katastrophe, ganz anders umfassend und grau- sam, die nicht verglichen werden kann mit dem, was wir erlebt haben?
Letzte Woche hat sich der Direktor des Bundesamtes für Zivilschutz zu Worte gemeldet - und wie: Massnahmen hätten sich nie aufgedrängt, es sei ja nicht so prekär gewe- sen. Was ist das für eine Auffassung? Ich zitiere wörtlich: «Sollte eine grössere Panne eintreten, dann wird die Bevöl- kerung vorsorglich darauf aufmerksam gemacht.» Was heisst denn das? Wir erlassen einen Aufruf an all jene Staaten und Kraftwerkbetreiber, die verantwortlich für eine Katastrophe sein könnten, und bitten sie, diese vorgängig bekanntzugeben, damit sich der schweizerische Zivilschutz rechtzeitig vorbereiten kann. Im übrigen sagt der Direktor des Bundesamtes: Bei erhöhter Radioaktivität solle man zu Hause bleiben, allenfalls in den Keller gehen, am besten die Schutzräume aufsuchen. Es stünde ja alles im Telefonbuch! Wir wissen, dass die Information der Bevölkerung Mängel aufwies. Herr Bundespräsident Egli, wir haben nicht die Quantität der Mitteilungen, sondern die Qualität einzelner Teile kritisiert: Wir haben konkrete Zahlen vermisst, den verharmlosenden Tonfall und andere Dinge kritisiert. Erfah- rene Journalisten und Psychologen haben gefehlt. Es fehlte die Kompetenz, die Vertrauen schafft.
Im Zwischenbericht 1983 über den Stand des Zivilschutzes - er wurde schon mehrmals erwähnt - ist ausdrücklich davon die Rede, dass der Information Priorität eingeräumt werden soll. In den Publikationen der Gesamtverteidigung steht dasselbe. Dort wird auf Führungsstrukturen in den Kanto- nen und in den Gemeinden verwiesen. Der Direktor des Bundesamtes für Zivilschutz hat mit entwaffnender Offen- heit zugegeben, dass man die Gemeinden nicht informiert habe, obwohl der Zivilschutz gerade dort über Strukturen verfügt. Vielleicht wäre es den Kantonen und Gemeinden gelungen, das Vertrauen zu schaffen, das in den letzten Wochen und Monaten gefehlt hat.
Ich habe den Rat befolgt und den Zwischenbericht 1983 nochmals durchgelesen. Ich lade Sie ein, es ebenfalls zu tun. Dann müssen Sie sich überlegen, ob Sie nicht doch kritischer darauf hätten reagieren sollen. In diesem Bericht gibt es Formulierungen, die nach Tschernobyl unerträglich sind. Es herrscht ein moralisierender Tonfall vor, den wir
nach den Erfahrungen der letzten Wochen nicht mehr er- tragen.
Abschliessend halte ich fest: Weil wir in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten gegenüber Zivilschutz und Gesamt- verteidigung so unkritisch waren, sind diese Organisationen verkommen. Weil sie in einseitiger Weise immer nur auf das eine ausgerichtet waren, auf die militärische Bedrohung, haben sie andere Bedrohungen im Umweltbereich, die bedeutungsvoller sind, übersehen und vernachlässigt.
Bäumlin: Die Antwort des Bundesrates ist ausserordentlich enttäuschend für alle, die bisherigen Erfahrungen zum Trotz noch darauf gehofft hatten, ein wirkliches Umdenken habe bei uns noch eine Chance. Das ist um so schlimmer, als in Tschernobyl bloss das eingetreten ist, was viele längst befürchtet hatten. Professor Freiherr von Weizsäcker schreibt in einem Brief, den ich vor mir habe, er tendiere schon seit zehn Jahren zu der Auffassung, Reaktoren seien nur dann sicher, wenn man sie unterirdisch baut. Heute ist von Weizäcker für einen Ausstieg aus der Atomenergie. Ich zitiere Carlo Rubbia, der der Schweizer Illustrierten Auskunft gegeben hat. Er sagte wörtlich: «Ich habe erwartet, dass so etwas früher oder später passiert.» Tschernobyl sei die mögliche Konsequenz einer bestimmten Technik respektive des Nicht-Funktionierens einer bestimmten Technik.
Beängstigend ist vor allem die Verharmlosung, die nach dem Unfall in Tschernobyl allenthalben betrieben worden ist, vielleicht weniger von seiten der Sowjetunion. Man muss gewiss ihre Informationspolitik kritisieren. Aber immerhin, in der Sowjetunion hat man auch gemerkt, dass man noch Glück im Unglück gehabt hat. Ich habe eine Zeitungsmel- dung in Erinnerung, in der von sowjetischer Seite gesagt wurde: Die grosse Katastrophe habe gedroht, aber jetzt habe man nicht mehr damit zu rechnen. Um nochmals Carlo Rubbia zu zitieren - er hat auch erklärt: Obschon Tscherno- byl ein Desaster sei, sei es nur ein halber Unfall gewesen, weil nur ein Bruchteil des radioaktiven Materials aus dem Reaktor entwichen sei.
Sind westliche Werke wirklich sicherer als östliche? Harris- burg? Bugey in Frankreich und so weiter? Hat man da nicht nur einfach mehr Glück gehabt? Das könnte so sein. Ich möchte daran erinnern, dass westliche Fachleute die sowje- tischen Werke zeitweise sehr positiv beurteilt haben. Das vergisst man heute. Ich zitiere die Zeitschrift «Atomwirt- schaft» vom Dezember 1983. Das ist das massgebende deutschsprachige Organ. In der zitierten Nummer wird von der sehr hohen Verlässlichkeit des Typs sowjetischer Kern- kraftwerke gesprochen, zu denen Tschernobyl gehöre. Tschernobyl wird in diesem Artikel ausdrücklich genannt. Im gleichen Artikel wird noch hinzugefügt: Die Sicherheit werde in der Sowjetunion durch die in Russland mögliche Standortauswahl erhöht, die es erlaube, die Werke in grös- serer Entfernung zu Städten zu errichten.
Am 23. Juli 1983 hat der sowjetische Atomenergiepapst Sty- rikowitch vor der Generalversammlung des Energieforums Schweiz die Besorgnisse wegen katastrophaler Schäden durch Kernkraftwerke als unbegründet dargestellt und von einem sehr hohen Grad an Sicherheit gesprochen. Diese Aeusserungen wurden damals von der schweizerischen Atomwirtschaft gerne entgegengenommen. Westliche und östliche Technokraten haben einander bestätigt und sich Sicherheit zugesprochen. Heute ist auf einmal die sowjeti- sche Atomkraft unzuverlässig und böse, westliche hingegen zuverlässig und gut. Wer über dem in Tschernobyl entbrann- ten Feuer das Süpplein des Kalten Krieges aufkochen möchte, argumentiert indessen ganz einfach unverantwort- lich.
Die möglichen Folgen sind immer wieder verharmlost wor- den. Ich hätte weitere Zitate aus dem Bulletin der Schweize- rischen Vereinigung für Atomenergie, in denen behauptet wird: Die Szenarien, mit denen man arbeite, seien viel zu pessimistisch. Insbesondere werden die Gefahren, die von radioaktivem Jod ausgehen, völlig bagatellisiert. Es heisst, nationale Katastrophen seien undenkbar. Aber man stelle
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sich vor: Wenn nur etwas annähernd so Schlimmes wie in Tschernobyl in Gösgen, in Kaiseraugst oder in Graben pas- sieren würde, wäre das die komplette nationale Katastrophe. Ich muss hier meine Zitate abbrechen, weil meine Redezeit abläuft. Aber die Verharmlosungen haben immer wieder stattgefunden.
Politiker, die nach der Katastrophe von Tschernobyl nicht umdenken können, leisten unserer Demokratie einen ausge- sprochen schlechten Dienst. Wir haben über das Wider- standsrecht diskutiert; seine rechtliche Problematik ist klar. Aber auch die Mehrheit - wenn es für die Atomwirtschaft überhaupt eine Mehrheit gibt (das ist eine andere Frage, aber wir wollen das einmal voraussetzen) - müsste sich, damit unsere demokratischen Institutionen wirklich funktio- nieren können, überlegen, was sie der Minderheit noch zumuten kann, ohne den gemeinsamen Grundkonsens in Frage zu stellen, ohne den dann wirklich nichts mehr geht.
Euler: Es wird behauptet, in Deutschland seien Atomkraft- werke am sichersten, in der Schweiz seien sie am sicher- sten, eine Unfallwahrscheinlichkeit sei äusserst gering, das sogenannte Restrisiko tragbar. Herr Schlumpf und andere Redner haben sich gestern ähnlich geäussert.
Dieser Auffassung muss ich entschieden widersprechen. Auch bei uns kann eine atomare Grosskatastrophe - auch wenn sie nicht gleich ist wie in Tschernobyl - jederzeit passieren. Das sogenannte Restrisiko ist viel grösser, als man denkt. Können bei uns etwa 250 000 Kinder evakuiert werden wie in der ukrainischen Stadt Kiew, 130 km von Tschernobyl entfernt, einer Stadt, in der es heute kein Kin- derlachen mehr gibt? Warum spricht niemand über diese menschliche Tragödie? Man will uns immer weismachen, dass ein Unfall wie in Tschernobyl anderswo nicht passieren könne, weil alle unsere Atomkraftwerke Sicherheitsgebäude (Containments) hätten: ein scheinbares Argument, dem Glauben geschenkt wird.
Zweifel entstehen aber sofort, wenn man weiss, dass dieses Sicherheitsgebäude - beispielsweise dasjenige von Beznau - nur für einen Innendruck von lächerlichen 2,5 bar konzi- piert ist, was in etwa dem Innendruck eines Autopneus entspricht. Niemals wird ein solches Containment einer Wasserstoffexplosion, wie sie in Tschernobyl mit einem extrem hohen Druck passiert ist, standhalten können. Schmilzt ein Reaktorkern durch - was bei jedem Schweizer Reaktor bei Versagen der Notkühlung vorkommen kann -, spaltet sich das Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff. Das entstandene Knallgas sammelt sich unter der Kuppel des Sicherheitsgebäudes. Kommt es zu einem Funken oder zu hoher Temperatur - die ist ja immer vorhanden -, dann gibt es das Gebäude nicht mehr. Auch bei einem Durchschmel- zen des Reaktorkerns in das Grundwasser würde sogar ein intaktes Sicherheitsgebäude nichts nützen, weil die zu erwartende Dampfexplosion im Grundwasser sich einen Weg nach oben ausserhalb der Sicherheitshülle suchen kann. Die Sicherheit eines Containments ist also sehr trüge- risch und höchstens für kleinere Störfälle genügend.
Nach dem Harrisburg-Unfall von 1979 haben Bundesrat und Behörden beteuert, es würden Konsequenzen in bezug auf die Sicherheit gezogen, es würden strengere Kontrollen durchgeführt, und so weiter und so fort.
Man sollte sich aber die Realität in Erinnerung rufen. Ein Beispiel: Das AKW Beznau hatte schon seit langem schwer- wiegende Materialprobleme: tiefe Risse in Druckrohren des radioaktiven Primärkreislaufes. Drei Jahre nach Harrisburg war dieses Sicherheitsproblem immer noch nicht behoben. In einem geharnischten Brief vom 16. März 1982 rügten die Kontrolleure vom schweizerischen Verein für Druckbehäl- terüberwachung das Kraftwerk Beznau. Ich zitiere: «Ihrer Schlussdokumentation entnehmen wir keinen Hinweis, aus dem wir folgern können, dass Sie sich um eine Lösung der Problematik bemühen. Wir sehen uns deshalb gezwungen zu erklären, dass wir den Schlussbericht in der Form nicht akzeptieren können.» Vier Jahre später - heute - wird in Beznau immer wieder geflickt; Tag und Nacht wird in Bez- nau hektisch geschweisst, um wahrscheinlich das Gröbste
zuzuflicken. Sieben Jahre nach Harrisburg sind die Sicher- heitskonsequenzen in Beznau offenbar immer noch nicht gezogen worden!
Was können wir Menschen dieses Landes von Bundesrat und zuständigen Behörden nach Tschernobyl denn noch erwarten, wenn die Sicherheitsprobleme nach Harrisburg unter den Teppich gekehrt worden sind? Das Vertrauen, dass nach Tschernobyl vom Bundesrat wirklich Konsequen- zen gezogen werden, fehlt mir und auch vielen anderen. Ganz offenbar müssen wir Menschen dieses Landes die Konsequenzen nach Tschernobyl selbst ziehen. Das heisst konkret: Wir müssen dafür sorgen, dass kein AKW Kaiser- augst und keine weiteren AKW gebaut werden; dass die zweite Elektrifizierung der Elektrizitätswirtschaft gestoppt wird; dass ein sukzessiver Ausstieg aus der lebensfeindli- chen Atomtechnologie ermöglicht wird. Eine neue Volksin- itiative gegen weitere AKW ist unterwegs. Sie wird mithelfen, dass die notwendigen Konsequenzen auch wirklich gezo- gen werden.
Basler: Die Umrisse unserer Energiepolitik nach Tscherno- byl möchte ich in einigen Leitsätzen skizzieren. Die bishe- rige Politik mit undifferenzierten Thesen wie «Diversifika- tion» ist nun zu verfeinern, denn die Umwandlung von Wärme in mechanische Energie und damit in Arbeit und von da aus wieder in Elektrizität erfolgt mit zu schlechtem Wir- kungsgrad. So werden in Gösgen oder Leibstadt dauernd 3000 Megawatt Wärme erzeugt; davon können nur 1000 Megawatt in Form von Elektrizität weggeführt werden; die restlichen 2000 Megawatt Wärme können aus unüber- windbaren physikalischen Gesetzen heraus nicht in Arbeit und damit nicht in Elektrizität umgewandelt werden. Sie werden bislang über Kühltürme nutzlos der Umwelt angela- stet.
Ersetzen wir nun Kernreaktoren durch eine oelbefeuerte Wärmequelle, dann braucht man in jedem Werk täglich - ich wiederhole: täglich - 6000 Tonnen Erdöl und 20 000 Tonnen Sauerstoff. Die Luftbelastung mit Verbrennungsprodukten wird dadurch noch höher sein als heute. Aber es gäbe eine Lösung ohne Mehrverbrauch aus fossilen Energien, indem der Gesamtwirkungsgrad zwischen Primär- und Nutzener- gie verbessert wird. Der Leitgedanke dazu heisst Wärme- Kraft-Kopplung. Die bei dieser Elektrizitätsgewinnung entstehende Abwärme soll dabei zur Raumheizung benutzt werden. Ihre Mitverwendung erbringt den Einspareffekt. Das führt uns zu zwei weiteren Leitsätzen: Zur Wärmeverteilung braucht es einerseits eine Fernwärmeversorgung; zu disku- tieren ist dabei noch die Netzgrösse. Sollen es wenige grosse Wärmekraftwerke sein oder viele kleine? Anderer- seits soll die hochwertige Energie, die in Form von Elektrizi- tät so kostbar ist, nicht weiterhin zum Beheizen von Räumen verwendet werden, denn Raumwärme ist eine niederwertige Energie.
James Watt zeigte, wie Wärme in Arbeit umzuwandeln ist. Mit seiner Dampfmaschine begann das technische Zeitalter. Die Entlohnung dieser mechanischen Arbeit, die einmal mit Tretrad zu leisten war, ist zu billig geworden. Um alle Mit- glieder der Bundesversammlung samt Sessel zur Bundes- kuppel hochzuheben, braucht es 1 Kilowattstunde Arbeit. Das kostet 13 Rappen. Aus solchen Betrachtungen leite ich auch folgende finanzpolitische Grundsätze ab: Es geht nicht mehr an, dass die Elektrizitätswerke weniger als 1 Promille ihres Erlöses an die Energieforschung beitragen. Meines Erachtens müssten auch die entsprechenden Aufwendun- gen für das Eidgenössische Institut für Reaktorforschung über den Strompreis getragen werden. Sollte der Fall eintre- ten, dass Vorinvestitionen eines Werkes wie Kaiseraugst sich aus politischen Gründen nicht realisieren lassen, so entsteht ein «nonvaleur», der zur Schwierigkeit, die kost- bare Elektrizität zu gewinnen, gehört. Die in den Leitsätzen 4 und 5 zusammengefasste Politik lautet somit: Wir müssen hier das Kausal- oder Verursacherprinzip im weitesten Sinne anwenden. Es ist die nutzniessende Generation, die bis und mit Entsorgung und Demontage der Werke die Kosten bereitzustellen hat.
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17 juin 1986
Es verbleibt die ethische Frage: Dürfen wir die Energievor- räte nach freiem Ermessen nutzen? Sollten wir nicht ver- mehrt im Gleichgewicht mit der Natur leben und unseren Energiebedarf mit erneuerbaren Energien decken?
Die aus Holzfeuerung gewonnene Wärme ist die uns aus der Kulturgeschichte des Menschen vertraute erneuerbare Energie. Wollten wir aber die Wärmequellen der jetzt laufen- den Kernkraftwerke mit Holz statt mit Uran speisen, so würde das jeden Monat die gesamte schweizerische Wald- nutzung von 4 Millionen Kubikmetern Stamm-, Industrie- und Brennholz verschlingen.
Und daraus folgt der letzte Leitgedanke: Ein rascher Aus- stieg aus der Kernenergie ist nicht machbar, aber noch weiter entfernen vom natürlichen Gleichgewicht, das mit erneuerbaren Energien gedeckt wird, dürfen wir uns nicht. Die Grenzen sind erreicht.
M. Houmard: La radioactivité libérée par la catastrophe de Tchernobyl continue de faire des ravages un mois et demi après l'accident. Outre les cas désespérés, 100 000 per- sonnes ont reçu des doses inquiétantes et un accord soviéto-américain prévoit pour elles une surveillance à vie. Je rappelle ceci uniquement pour préciser combien chacun d'entre nous se sent concerné par cette catastrophe.
En évoquant hier, de façon claire et objective, les problèmes auxquels il a été confronté et les solutions envisagées, le Conseil fédéral a certainement contribué à rassurer la couche de la population qui a été traumatisée mais qui ne veut pas politiser un sujet aussi grave. Dommage que le Conseil fédéral n'ait pas pris position plus tôt! Le peuple lui en aurait été reconnaissant.
Le moratoire de fait concernant la centrale nucléaire de Kaiseraugst nous permettra d'analyser très soigneusement jusqu'en 1988 toutes les données de l'énergie nucléaire. Nous pourrons alors tirer les conséquences en toute séré- nité.
La réponse des interpellateurs à la question de savoir s'ils étaient satisfaits ou non de la prise de position du Conseil fédéral montre à quel point le débat est passionnel. Nous avons vécu le même climat politique lors de la session extraordinaire réservée au dépérissement des forêts. Il y a ceux qui sont sincères et il y a ceux qui utilisent le sujet à des fins politiques uniquement.
A notre avis, si l'information donnée par le Conseil fédéral était absolument nécessaire, il est en revanche prématuré de discuter du fond du problème. Nous n'avons en effet pas les données nécessaires à une appréciation globale de la situa- tion. Ce dont nous sommes persuadés, en revanche, c'est qu'il n'est pas possible de prendre un virage hâtif lorsqu'il s'agit d'établir une politique à long terme, comme ce doit être le cas en matière énergétique. De grâce, chers collè- gues, ne cédons pas à l'hystérie verbale! Demandons au Conseil fédéral de tirer les conclusions qui s'imposent, tant sur le plan de la sécurité que dans le domaine des énergies de remplacement. Que sur le plan international il fasse clairement entendre la voix helvétique et qu'il mette tout en oeuvre pour que nos voisins respectent également les concepts de sécurité internationaux. En effet, on ne saura jamais souligner assez le fait qu'il ne sert à rien de parfaire la fiabilité de nos centrales si celle de Tchernobyl devait être remise en service cet automne alors qu'elle ne correspond pas aux normes de sécurité actuellement en vigueur en Suisse. Il en va donc de notre survie comme de l'avenir de notre économie.
Je conclurai en m'élevant contre l'exploitation politique de la catastrophe de Tchernobyl que pourraient en faire ceux qui ont mis des millions d'êtres humains en danger.
Herczog: Ueber das Risiko der Kernenergie wurde längst alles gesagt, schon vor Tschernobyl, zum hundertsten, zum tausendsten Mal. Mir geht es hier deshalb weder um eine deplazierte Rechthaberei noch um den tausendsten Vor- schlag für eine neue Energiepolitik, sondern es geht um die politische Borniertheit einer anmassenden Dreierallianz. Deren erste Gruppe besteht aus Staatsgläubigen inklusive
einiger ahnungsloser Provinzpolitiker, die sich ein bisschen Physik angelesen haben. Diese glauben, dass die Staatsrai- son vor der Gesundheit der Bevölkerung komme, sie glau- ben, bei uns seien die AKW sicherer, weil unser Staatssi- cherheitssystem besser funktioniere. Die zweite Gruppe in dieser Allianz sind die Technokraten, die glauben, bei uns seien die AKW viel sicherer, weil die bessere Technologie bei uns existiere. Die dritte Gruppe in dieser Allianz sind die kalten Krieger, die schon ewig alles durch die Ost-West- Brille gesehen haben und die glauben, dass die AKW bei uns viel sicherer seien, weil sie keine kommunistischen AKW sind. Der überzeugte Brustton dieser Dreierallianz heisst, Tschernobyl sei bei uns nicht möglich.
Es kann ja sein. Vielleicht könnte auch ich dieser Meinung sein. Aber wenn Tschernobyl nicht möglich ist, dann nur aus einem einzigen Grund. Es gibt einen einzigen Unterschied zwischen Kaiseraugst und Gösgen hier und Tschernobyl dort, nämlich die Anti-AKW-Bewegung. Diese Anti-AKW- Bewegung, die kritische Oeffentlichkeit, hat - wenn wir überhaupt eine Sicherheit bei den AKW haben - eine gewisse Sicherheit erstritten, und nicht die Technokraten, nicht die Staatsgläubigen und auch nicht diese Ost-West- «Politiker». Diese kritische Oeffentlichkeit, die leider nicht überall, aber bei uns Gott sei Dank existiert, hat auch erreicht, dass wir noch glauben dürfen, unsere Energiepoli- tik sei eventuell ein bisschen sicherer. Ich möchte Sie bitten, zu dieser kritischen Oeffentlichkeit mehr Sorge zu tragen, als das hier üblicherweise der Fall ist.
Gerade deshalb bin ich erschüttert über die Durchhalteparo- len des Bundesrates, namentlich von Herrn Bundesrat Schlumpf. Die Energiepolitik in unserem Land lebt bei uns, je länger je mehr, nur noch von einem Trägheitsgesetz. Das Bekenntnis zur Atomenergie ist hier längst zu einem Pflicht- ritual geworden, das nichts anderes darstellt als eine ker- nige Sturheit und eine Angst vor der Enthüllung der eigenen Schwächen.
Was wir nach Tschernobyl brauchen, ist eine neue politi- sche Moral. Eine politische Moral, die aus Erfahrungen lernen will und in der «Mut», «Leistung>> nicht im Durchstie- ren veralteter und gefährlicher Konzepte und Technologien besteht, sondern im Stoppen und Abbrechen; im Zugeben der eigenen Unsicherheit. Dies wären die politischen Tugen- den für unser Land nach Tschernobyl, und zwar nicht nur im Bereiche der Energie- und Atompolitik.
Frau Grendelmeier: Ich habe gestern während der Beant- wortung der Interpellationen gut zugehört. Ich muss schon sagen: Die Antworten, Herren Bundesräte, kommen mir reichlich treuherzig vor, so etwa: «Du hast zwar keine Chance, aber nutze sie!»
Herr Bundesrat Egli verspricht uns eine bessere Alarmie- rung, bessere und schnellere Messdaten, schnellere Infor- mation. Das ist sehr schön. Aber was fangen wir damit an? Wir wissen dann einfach etwas genauer, dass wir keine Chance haben. Wir wissen dann etwas genauer, dass die Diagnose bekannt ist und dass es dafür keine Therapie gibt. Wir müssen endlich zugeben, dass wir nichts wissen. Es ist nicht so, dass wir nichts wissen wollen oder dass wir zu spät gekommen sind mit der Information, sondern wir wissen nichts, wir stehen eigentlich vor dem Nichts. Wir haben etwas in Gang gesetzt, für das wir die Verantwortung nicht übernehmen können. Da hätten wir mindestens erfahrungs- gemäss etwas lernen können. Vor genau zehn Jahren gab es einen bis dahin unbekannten Ort, der plötzlich zum Symbol, zum Fanal für Umweltkatastrophen wurde, er hiess Seveso. «Seveso ist überall» hat es damals geheissen, und es ist durchaus richtig, wenn wir heute sagen «Tschernobyl ist überall». Tschernobyl ist die weit schrecklichere Katastro- phe, aber «Tschernobyl» und «Seveso» haben trotzdem etwas gemeinsam: Sie zeigen überdeutlich, dass wir die Grenzen des Wachstums nicht nur erreicht haben, Herr Basler, sondern ich glaube, wir haben sie überschritten. Wir wurden gewarnt. Es gab den «Club of Rome», der anfangs der siebziger Jahre die Grenzen des Wachstums deutlich genug beschrieben hat, und es gab auch die Warnung, dass
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eine Gefährdung grenzenlos sein kann - und sie ist grenzen- los. Machen wir uns nichts vor. Wir benehmen uns jetzt zwar fast so, als handelte es sich um eine Naturkatastrophe oder allenfalls um eine von irgendwelchen Menschen induzierte Katastrophe «weit hinten in der Türkei», die uns nichts angeht.
Es ist eine Katastrophe der Menschen wider die Natur - das ist der Unterschied - und eine Katastrophe, die wir Men- schen zu verantworten haben. Aber wir Menschen sind offensichtlich nur so weit bereit, unsere Intelligenz zu nut- zen, als sie den doch sehr kurzfristigen und doch meist wirtschaftsorientierten Interessen dient, eine Intelligenz ohne Verantwortung für die Folgen, eine Intelligenz auch der Hybris, eine Intelligenz, die sich anmasst, nicht nur nach den Sternen zu greifen, sondern schlicht nach der Sonne; denn wir müssen einsehen, dass die Sonne das grösste Kernkraftwerk überhaupt ist, ein Kernkraftwerk, das, in wei- ser Voraussicht dessen, der die Welt erschaffen haben mag, 150 Millionen Kilometer von der Erde entfernt «erstellt> ist. Und wir haben uns angemasst, mit dieser unendlichen Kraft zu spielen und unsere winzige Erde mit Kernkraftwerken zu überziehen. Damit haben wir unseren eigenen Untergang programmiert, wir brauchen dazu nicht einmal einen Krieg, wir machen das ganz von selbst mit Wohlstand und Wohl- standsansprüchen. Die Zerstörungskraft ist nicht nur in jeder Beziehung grenzenlos, sondern auch unfassbar, und das ist das Neue, das ist das, was wir verdrängen. Einmal entfesselt, egal auf welche Weise, z. B. in durchaus friedli- · cher Absicht, zerstört sie ja nicht nur uns Menschen, die Tiere, sämtliche Lebewesen, sondern die gesamte Lebens- grundlage überhaupt. Das alles ist das Resultat einer höchst eingleisigen Intelligenz. Was jetzt not tut, ist eine neue Intelligenz, eine andere Intelligenz, ist, Sie werden staunen, Phantasie, Vorstellungskraft und vor allen Dingen der Wille, 'diese Vorstellungskraft auch zu gebrauchen. Das ist unbe- quem, das ist verunsichernd, aber eine andere Chance haben wir nicht. Was das konkret heisst, habe ich bereits anlässlich der Walddebatte gesagt, ich kann es hier wieder- holen: Umdenken allein genügt nicht, wir müssen «um- handeln», und das heisst unter anderem und paradoxer- weise verzichten, auch auf Atomkraftwerke.
M. Rebeaud: Ce très long débat, qui n'aboutira à aucune décision, aura peut-être eu une certaine utilité, dans le sens où il permettra éventuellement de faire les premiers pas vers un déblocage de la discussion sur l'énergie nucléaire et de sortir des guerres de religion un peu stériles que nous avons connues ces dernières années. J'ai entendu avec beaucoup de plaisir les discours de MM. Ogi et Pini par exemple, ou encore celui, très subtil, de M. Basler sur les limites à ne pas dépasser entre la nature, ses possibilités de renouvellement et l'exploitation que nous en faisons. J'ai l'impression que quelque chose est en train de se passer. C'est peut-être le seul avantage que nous saurons tirer de la catastrophe de Tchernobyl.
En revanche, je ne cacherai pas que j'ai été consterné de la réponse que nous a faite hier soir le Conseil fédéral. Notam- ment lorsque M. Egli s'exprimait, je me sentais un peu comme au service militaire après un de ces exercices où tout «foire», où l'intendance ne suit pas, où les ordres ne sont pas compris, où les transmissions sont mal camou- flées, où les bleus vont à la place des verts, où les morts ne sont pas morts et où, finalement, à la fin de l'exercice, le colonel responsable félicite tout le monde en disant que tout a très bien marché. Le rôle de ce colonel a été tenu hier par M. Egli, en particulier à propos de l'information. Le Conseil d'Etat genevois a écrit au Conseil fédéral pour protester contre les carences et les incohérences de l'information dispensée au public et aux autorités cantonales. Je ne sais pas qui vous renseigne, Monsieur Egli, mais je peux vous affirmer qu'à l'autre bout de la Suisse la satisfaction que vous affichez ne rencontre aucune espèce de compréhen- sion. Je ne critique pas simplement le Conseil fédéral, car cela serait bien vain, mais je souligne que ce genre de
discours n'a aucune chance d'augmenter la confiance de la population envers le gouvernement.
Nous n'avons pas souffert autant que les gens de Tcherno- byl, loin de là. Les dommages que nous avons subis, j'en conviens, sont minimes. Mais, ce qui s'est passé montre qu'en cas d'accident grave nos systèmes de sécurité, d'éva- cuation et d'information fonctionneraient très mal, ce qui n'est pour nous rassurer. Si nous voulions avoir une sécurité satisfaisante étant donné la demande de la population, il ne faudrait pas seulement construire des enceintes dix fois plus coûteuses pour «couvrir» l'accident le plus grave, mais il faudrait aussi mettre au point des systèmes de prévision d'évacuation et effectuer chaque année des exercices tels qu'il deviendrait impossible d'exercer cette liberté de mou- vements et cette tranquillité civile qui nous sont si chères. C'est une raison profonde de ma conviction qu'il faut aban- donner à terme l'énergie nucléaire, le plus tôt possible, dans des conditions supportables par la population.
Tout à l'heure, M. Jeanneret nous a dit que les antinu- cléaires devraient avoir le courage de préciser clairement au peuple suisse que si l'on se passe d'énergie atomique, il faudra changer notre mode de vie. Cette affirmation ne requiert pas le moindre courage, car elle va de soi. Il est dommage que M. Jeanneret soit absent, mais enfin ses collègues lui raconteront ce que je vous dis maintenant. En deux ou trois générations, nous avons détruit le tiers, la moitié ou le quart, je ne sais pas, de réserves que la planète a mis des millions d'années à constituer. Si nous continuons à ce rythme, les générations suivantes, peut-être même la suivante, devront revoir brutalement leur mode de vie. Ce qui est en cause aujourd'hui, ce n'est pas la capacité de s'alimenter, ni de circuler, ni d'exercer les droits démocrati- ques, mais un gaspillage insensé de ressources précieuses et non renouvelables. M. Jeanneret s'est permis d'assimiler les gauchistes aux écologistes et l'on sait à quel point le terme de «gauchiste» est péjoratif pour lui. Il a dit: «Les gauchistes et autres écologistes ... ». Aujourd'hui, j'ai le sen- timent que les gens opposés à l'énergie atomique en Suisse représentent probablement la majorité du peuple. Ce lan- gage est un peu insultant. En outre, je trouve que c'est une langue de bois, ce qui me déçoit de la part d'un libéral. Pour, notre part, nous n'utilisons jamais des expressions du genre «les fascistes et autres libéraux ... ». Je vous prierai de ne pas répéter ce genre d'assimilation qui est injurieuse.
Je remercie d'avance M. Schlumpf d'éclairer une de ses affirmations d'hier à propos d'un moratoire de fait. Vous savez qu'une initiative est en voie d'être lancée demandant un moratoire de dix ans pour les nouvelles installations nucléaires. Plusieurs orateurs ont interprété ces paroles dans des sens différents. Évidemment, si le Conseil fédéral affirme que rien ne sera construit jusqu'en l'an 2000, l'initia- tive pourra être retirée.
Seiler: Ich werde mich in diesen fünf Minuten nur mit den Aeusserungen von Herrn Bundesrat Schlumpf beschäftigen und muss sagen: Ich bin tief enttäuscht von der Antwort des Bundesrates. Das sind doch keine Perspektiven für eine verantwortungsbewusste und menschliche Energiepolitik, was uns hier geboten wird, auch keine Perspektiven für unsere Jugend und für kommende Generationen. Statt auf die berechtigten Sorgen der Bevölkerung mit einem Zei- chen, das Hoffnung gibt, zu reagieren, beschwört man erneut Energielücken, man preist die Atomenergie als Retter an und malt das Schreckgespenst von wirtschaftlichen Schwierigkeiten und Verlust von Arbeitsplätzen an die Wand. Man verteidigt eine Energiepolitik der letzten Jahr- zehnte, eine Energiepolitik, die uns in die heutige Sackgasse geradezu hineingesteuert hat, und man tut dies heute noch, am 17. Juni 1986, als ob inzwischen überhaupt nichts geschehen wäre. Nichts soll geändert werden, man hat bisher alles richtig gemacht, an der Haltung zu Kaiseraugst wird nichts geändert, Kaiseraugst wird gebaut, lediglich bei Sicherheitsfragen sollen dann die Erkenntnisse aus Tscher- nobyl berücksichtigt werden! Ich hätte eigentlich gestern oder heute eine ganz klare Aussage des Bundesrates erwar-
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tet, dass Kaiseraugst nicht gebaut wird. Was muss eigentlich noch alles passieren und geschehen, bis sich an unserer verkehrten Energiepolitik etwas ändert? Was muss noch passieren, bis unsere Energiepolitik endlich auf eine andere Grundlage gestellt wird? Ich hoffe nicht, dass man sich mit dem deutschen Kernphysiker Maier-Leibnitz tröstet. Der hat einmal geschrieben - und es hat sich nun erwiesen, dass er recht gehabt hat: «Es wird Unfälle geben, auch grosse Unfälle mit Verseuchung, aber die Belastung weltweit wird sich in Grenzen halten.»
Wenn ich die Antwort des Bundesrates werte, werde ich den Eindruck nicht los, dass der Bundesrat das Atomenergiepro- blem als rein technokratisches Problem sieht. Er verkennt dabei die Aspekte der Humanität und der Gerechtigkeit. Handeln im Energiebereich ist aber nicht allein technischer, wirtschaftlicher und politischer Natur, sondern muss sich an ethischen, an moralischen Wertvorstellungen orientieren. In der Politik des Bundesrats vermisse ich das total. Diese Ueberlegungen führen zur Frage: Dürfen oder sollen wir alles tun, was wir können? Die Antwort auf diese schwierige Frage hat vor allem die Lebensbedingungen der künftigen Generationen zu berücksichtigen. Unsere Generation benimmt sich so, als ob sie die letzte wäre. Wir verbrauchen und verschwenden die Ressourcen und hinterlassen einen hochgiftigen Abfallhaufen. Ich bin der Meinung, dass wir auf diese Art und Weise einfach nicht weitermachen können. Wir brauchen eine Umkehr in der Energiepolitik, damit nicht noch mehr Sachzwänge entstehen, eine Umkehr in Rich- tung auf einen sanften Energieweg mit den Stichworten: vorhandene Energiequellen besser nutzen, keine Energie verschwenden und auf erneuerbare Energien umstellen. Tschernobyl ist in der Tat ein Mahnmal, und es gilt, die Botschaft aus Tschernobyl nicht nur zu hören, sondern auch auszuwerten. Was wir brauchen, ist eine Denkpause, und Denken braucht Zeit. Ohne grundlegendes Denken sollte aber keine Politik betrieben werden. Nach der Antwort des Bundesrates habe ich das Gefühl, der Bundesrat habe noch zuwenig lang nachgedacht. Tschernobyl ist nicht nur ein Mahnmal, Tschernobyl ist auch eine Herausforderung. Mit der Politik des Bundesrates sind wir dieser Herausforde- rung nicht gewachsen. Ich bin daher sehr froh, dass in absehbarer Zeit, je schneller desto besser, das Volk Gele- genheit bekommen wird zu bestimmen, wie es in unserer Energiepolitik weitergehen soll.
Zum Schluss, meine Damen und Herren, denken Sie daran: Die drängenden Probleme der Menschheit werden nicht durch immer mehr Energie gelöst, sondern nur durch mehr Vernunft.
Begrüssung - Bienvenue
Präsident: Ich habe die Ehre und das Vergnügen, auf der Diplomatentribüne eine Delegation des Schwedischen Reichstages begrüssen zu dürfen. Die Delegation wird ange- führt vom Präsidenten des Reichtstags, Herrn Bengtsson, und unternimmt auf Einladung der eidgenössischen Räte eine fünftägige Informationsreise in der Schweiz. Wir wün- schen den schwedischen Parlamentariern einen angeneh- men und interessanten Aufenthalt in unserem Land. (Beifall)
Maeder-Appenzell: «Der Unfall in Tschernobyl wird keine Auswirkungen auf die Kernenergiepolitik des Bundes haben», so Leon Schlumpf, der Vorsteher des EVED, wenige Tage nach der Katastrophe von Tschernobyl. «Nach Tscher- nobyl wird nichts mehr so sein, wie es einmal war», so Eddie Ryder, Berater der britischen Regierung in Nuklearfragen. Diese ungemein gegensätzlichen Aussagen mögen als Klammer dienen für einige Gedanken, die uns alle in diesem Saal beschäftigen müssen. Wir leben seit der Französischen Revolution und seit den grossen Durchbrüchen der Natur- wissenschaft in einem Zeitalter der Utopie. Eine entfesselte Technologie soll den Stern Erde umbauen helfen, Glück und Wohlstand für alle bringen. Die Frage ist nur, wie sich die Natur zu diesem Generalangriff verhält. Der Natur ist es egal, ob der Angriff von rechts oder von links kommt, der Angrei-
fer marxistisch oder bürgerlich-liberal ist. Die Frage ist nicht etwa, was der Mensch noch zu tun imstande ist, die Frage ist vielmehr, wieviel die Natur ertragen kann. Dass es hier Toleranzgrenzen gibt, wird immer sichtbarer. Diese Tole- ranzgrenzen liegen vielleicht weit unterhalb jener Grenzen, welche abstrakt-theoretisches Wissen festlegt. Sie werden fühlbar, wo die für den Menschen nachteiligen Nebenwir- kungen des sogenannten Fortschritts den Vorteil der Gewinne zu trüben beginnen. Die einseitige Ueberbeanspru- chung eines in heikler Balance sich befindenden Oeko- Systems treibt die Menschheit zur Katastrophe hin.
Dass die Katastrophe nicht nur im Prinzip möglich ist, son- dern für unser Raumschiff Erde nackte Realität darstellt, beweist Tschernobyl. Diese für viele neue Einsicht setzt einen bis dahin nicht bekannten Dämpfer auf jeden Fort- schrittsglauben. Nach Jahrhunderten prometheischer Euphorie sind dem galoppierenden Vorwärts die Zügel anzulegen. Weigern wir uns, dies zu tun, wird die Natur sich bald einmal auf schreckliche Weise rächen. Es wäre nicht mehr als kluge Vorsicht und schlichter Anstand gegen unsere Nachkommen, wenn wir heute einer Technologie Einhalt gebieten würden, die uns, nicht nur mit Tschernobyl, an den Rand des Abgrunds getrieben hat. Den grossen Utopien stellt der deutsch-amerikanische Philosoph Hans Jonas das Prinzip Verantwortung gegenüber. Jonas schreibt: «Die Furcht gehört zur Verantwortung so gut wie die Hoffnung, und da sie das weniger gewinnende Gesicht hat, sogar in besseren Kreisen in einem gewissen morali- schen und psychologischen Verruf steht, so müssen wir ihr . hier nochmals das Wort reden; denn sie ist heute nötiger als zu manchen anderen Zeiten, wo man in der Zuversicht des guten Ganges der menschlichen Angelegenheiten auf sie als eine Schwäche der Kleinherzigen und Aengstlichen her- abschauen konnte.»
Stehen auch Sie hier zum Prinzip der Verantwortung. Teilen auch Sie die Furcht breiter Kreise vor einer Technologie der Lebensfeindlichkeit. Helfen Sie mit, in diesem Rat eine Mehrheit zu schaffen für eine Energiepolitik der Lebensbeja- hung.
Martignoni: Gestatten Sie mir, einige Informationen zu ver- mitteln, die vielleicht auch zur Meinungsbildung beitragen können. Ich habe diese Informationen von der schweizeri- schen Elektrizitätswirtschaft erhalten, und ich möchte einem Wunsche meines Kollegen Paul Günter entgegen- kommen und gleich festhalten, dass ich Mitglied des Ver- waltungsrates der BKW bin. Allerdings äussere ich hier nicht die Meinung dieses Verwaltungsrates, sondern meine per- sönliche Meinung.
Eine erste Feststellung: Jeder Energiebezüger in der Schweiz, Sie und ich, ist im Besitze eines Energielieferungs- vertrages. In diesem Energielieferungsvertrag sind die Lie- ferbedingungen festgehalten, und zwar die gegenseitigen Rechte und Pflichten. Wenn Sie diesen Liefervertrag einmal genau ansehen, stellen Sie fest, dass das Elektrizitätswerk sich rechtsverbindlich verpflichtet, elektrische Energie ununterbrochen und in vollem Umfange zu liefern. Es besteht also ein Rechtsanspruch.
Eine zweite Bemerkung: Zur Erfüllung dieses Rechtsanspru- ches haben die Elektrizitätswerke Verträge abgeschlossen mit dem Ausland, beispielsweise mit Frankreich. Mit Frank- reich bestehen Verträge, wonach französischer Atomstrom im Verbund, in der Grössenordnung von zwei Kernkraftwer ken Mühleberg, in die Schweiz geliefert wird. Das ist eine sehr grosse Menge. Aber nicht genug damit. Die schweizeri- schen Elektrizitätswerke haben weitere Verträge abge- schlossen, um den steigenden elektrischen Energiebedarf ab 1989, 1990 sicherzustellen (Cattenom), Energiemengen im Gesamtbetrag von zwei Kernkraftwerken Mühleberg. In der ganzen Welt - und da möchte ich nun einfach einmal die Proportionen herstellen - sind 374 Atomreaktoren in Betrieb. Dazu kommen 160 Reaktoren im Bau. Frau Aubry hat in ihrem Votum darauf hingewiesen, dass allein in Frank- reich 43 Reaktoren in Betrieb und 20 Reaktoren im Bau sind. Alle liegen westlich unseres Landes, und sie wissen ja,
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woher der Wind kommt! Das sind Tatsachen. Ich möchte doch dem Bundesrat, der hier jetzt verschiedentlich stark angegriffen worden ist, gratulieren, dass er den richtigen, realistischen Weg geht, nämlich auf internationalem Wege eine Lösung dieser sehr schwierigen Frage zu finden. Auf eine andere Art und Weise, glaube ich, finden wir die Lösung auch für unser Land nicht. Wir können doch nicht einfach Atomstrom aus Frankreich beziehen und unsere Kraftwerke stillegen. Ich glaube, das will hier niemand ma- chen.
Was können wir aber in unserem eigenen Land tun? Da gäbe es natürlich auch Alternativen. In den schweizerischen Haushaltungen sind gegenwärtig nach Statistik 750 000 Abwaschmaschinen tätig. Und diese verbrauchen Energie, annähernd einen Fünftel wiederum des Kernkraftwerkes Mühleberg. Wenn man noch die Wäschetumbler, die Tief- kühltruhen, Tiefkühlschränke und die Kühlschränke plom- bieren, verbieten und gleichzeitig veranlassen würde, dass von Hand mit warmem Wasser abgewaschen werden müsse, könnte man Energie im Betrage ungefähr annäherungs- weise des Kernkraftwerkes Mühleberg einsparen. Wünscht das das Schweizervolk? Es wäre nämlich sehr interessant, nun einmal diese Alternative zu prüfen. Ich nehme nicht an, dass jene, die hier auf die Gefahren aufmerksam gemacht haben, mit Recht aufmerksam gemacht haben, die Bahnen stillegen möchten, die Fabriken und die ·landwirtschaftli- chen Betriebe ausser Betrieb setzen möchten oder wieder auf Handbetrieb umschalten wollen.
Es gibt eben keine absolute Sicherheit, wie es auch keinen absoluten Wohlstand gibt, und beides zusammen ist schon gar nicht möglich.
M. Martin: De très nombreuses questions viennent d'être posées au Conseil fédéral en relation avec l'accident nucléaire de Tchernobyl. Elles ont trait essentiellement à l'information, au contrôle des mesures, à la prévention, aux causes de la catastrophe et, surtout, à l'orientation que nous allons donner à notre politique énergétique. Je ne reviendrai donc pas sur l'aspect général, sinon pour dire que la confiance témoignée jusqu'à ce jour aux techniques et aux techniciens du nucléaire a été très sérieusement ébranlée. On peut et on doit parler de traumatisme.
Il serait faux dès lors, dans ce climat émotionnel, de prendre des décisions irréversibles, comme il serait faux et dange- reux de continuer dans le nucléaire, tête baissée. Il est temps de réfléchir, de faire le point, en analysant honnête- ment, consciencieusement, l'ensemble des données. Pour le faire, il faut du temps et surtout une volonté opiniâtre et inébranlable d'aller au fond des choses. En relation avec cette exigence, je suis partisan d'un moratoire à définir précisément conjointement avec les intérêts majeurs du pays.
Dans ce temps de réflexion, il me semble indispensable d'inclure le projet «garantie», projet déterminant le concept d'élimination des déchets nucléaires. Ce concept a été éla- boré sous la pression du temps, car il fallait faire face simultanément à la première initiative antinucléaire, à l'inter- diction de jeter des déchets moyennement radioactifs dans la mer et, enfin, à l'obligation de reprendre les déchets hautement radioactifs de l'usine de retraitement de La Hague. Le Conseil fédéral a pu donner des références. Il l'a fait sur la base de données théoriques, admises sous forme de dogme et de marche à suivre irréversible, mise en place aveuglément par la CEDRA.
C'est aussi le moment de réfléchir quant à la politique adoptée pour l'élimination des déchets. L'enfouissement définitif, avec l'impossibleté quel qu'il soit d'un contrôle ou d'une intervention n'est plus crédible. C'est une hérésie, niant et abandonnant toute responsabilité quant à l'avenir. On l'a vu, les certitudes d'il y a quelques années ne sont plus que fumée. Un accident dans un dépôt proche de l'Oural en URSS a démontré précisément la limite de certaines démonstrations théoriques. Mais, quand en plus des diffi- cultés d'appréhender l'évolution et la transformation de l'énergie nucléaire durant des centaines d'années, on intro-
duit l'analyse de conditions et de données géologiques qui échappent totalement à l'homme, aussi savant soit-il, on imagine facilement le pari lancé face à l'humanité.
Nous n'avons pas le droit de parier sur l'avenir de notre race, sur la vie de nos semblables. Il n'est plus pensable de continuer imperturbablement dans cette voie, comme l'au- truche cachant sa tête dans le sable. Il est temps de prendre conscience, globalement, de l'ensemble de nos responsabi- lités, de l'interconnexion des problèmes d'énergie et de ceux des déchets.
Il est temps surtout de trouver des solutions nous permet- tant à tout moment d'assumer ces responsabilités, sans nous en décharger sur les autres.
Neuenschwander: Einer der führenden Köpfe der schweize- rischen Elektrizitätswirtschaft hat letzte Woche in einem Zeitungsartikel unser Parlament beschworen, keine Tscher- nobyl-Debatte und keine Kaiseraugst-Debatte, sondern eine Energiedebatte abzuhalten. Unsere Nachkommen, so schrieb er weiter, würden uns später einmal daran messen, wie wir das nationale Energieproblem gelöst haben, nicht, wie wir es zerredet haben; denn tatsächlich sind wir alle, auch die wenigen Fachspezialisten unter uns, nicht in der Lage, aus technischer Sicht zu beurteilen, was in Tscherno- byl wirklich geschehen ist und was für konkrete Schlüsse wir für unsere eigene Nuklearwirtschaft daraus zu ziehen haben. Was uns obliegt und worauf unser Volk in seiner Mehrheit wartet, ist nicht ein möglichst lauter Chor von Verwünschungen gegen die Atomkraft -- dies bringt uns nämlich keinen einzigen Schritt weiter -, sondern eine mög- lichst breit abgestützte Meinung darüber, wie es mit unserer Energieversorgung weitergehen soll. Dies ist die Aufgabe einer Volksvertretung, nicht das Polemisieren. Viele Leute in unserem Rat - das hat der bisherige Verlauf der Debatte bewiesen - sind freilich nicht gesonnen, mit kühlem Kopf über die aus dem ukrainischen Unglück zu ziehenden Folge- rungen zu diskutieren. Für sie ist wegen Tschernobyl die gesamte Kernenergie in Bausch und Bogen zu verwerfen, noch bevor sie die genauen Hintergründe des Unglücks kennen. Man hat in der Nacht Schüsse gehört, kennt gleich den Täter und verurteilt ihn flugs zu lebenslänglichem Zuchthaus. Das ist in meinen Augen keine erspriessliche Art der Auseinandersetzung mit einem so ernsthaften Problem. Schärfstens muss ich als Präsident der Energiekommission auch die allzu kurzsichtige Tendenz verurteilen, am Feuer von Tschernobyl das eigene parteipolitische Würstchen zu braten. Man braucht nicht lange nach Beweisen zu suchen, dass dies nun landesweit und auch in diesem Rat versucht wird. Die parteipolitische Ausschlachtung von Tschernobyl ist so ziemlich das letzte, was unsere nationale Energiepoli- tik brauchen kann. Energiepolitik wird schliesslich nicht um ihrer selbst willen betrieben, sondern sie kann von unserer gesamten Wirtschaft und Sozialpolitik nicht losgelöst wer- den. Sie ist nur deren Dienerin.
Gerne vergisst man - hier und jetzt muss das wieder einmal gesagt sein -, dass die Energiewirtschaft kein selbständiger und auf sich selbst bezogener Wirtschaftszweig ist, sondern eine Dienstleistung an unserer gesamten Gesellschaft mit dem Zweck der Erhaltung unserer Vollbeschäftigung und unseres Wohlstandes. Wenn man es so betrachtet, mutet es unverantwortlich an, die Energieversorgung zum Spielball der Parteipolitik oder gar zum Wahlschlager zu machen. Was es jetzt braucht, ist ein Zusammenstehen möglichst breiter Kreise aus Wirtschaft, Technik und Politik, um nach den neuesten Erkenntnissen von Tschernobyl unsere natio- nale Nukleartechnik zunächst einmal im Hinblick auf ihre Sicherheit zu überprüfen. Dies kann nicht in der Hektik des parteipolitischen Getummels, sondern nur in Ruhe und mit Sorgfalt und vor allem unter Inanspruchnahme der erforder- lichen Zeit erfolgen.
Ebenso nötig ist es ferner, die Folgen eines eventuellen Verzichts auf die Kernenergie, wie er heute gefordert wird, dem Volke in glaubwürdiger Weise darzulegen - Folgen für unsere Beschäftigungslage ebenso wie Folgen für unseren Alltag.
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Einmal mehr appelliere ich - ich tat es an dieser Stelle auch schon früher - an die Fachleute unter den Atomgegnern, die immer wieder von ihrer Verantwortung gegenüber der Bevölkerung reden. Sie können diese Verantwortung auch wahrnehmen, wenn sie ihre Sachkenntnis und ihre Verstan- deskräfte für echte Lösungen anstatt für Polemik und für Verbreitung von Furcht und Schrecken einsetzen. Das wäre eine Tat, meine Damen und Herren Physiker, Mediziner und Ingenieure unter den Atomgegnern, vielleicht gar eine, für die Ihnen spätere Generationen eher danken werden.
Bürer-Walenstadt: Wir haben uns in diesem Saale ja schon einige Male mit der Kernenergie befasst, vor allem im Jahre 1980 nach dem Unfall von Harrisburg.
Als Mitglied der seinerzeitigen Arbeitsgruppe «Sicherheit der Kernkraftwerke» habe ich mich nochmals intensiv mit unserem damaligen Bericht befasst. Wie Sie wissen, hat die Geschäftsprüfungskommission nach dem Reaktorunfall Harrisburg eine Arbeitsgruppe von fünf Mitgliedern einge- setzt und beauftragt, aufgrund jenes Unfalls die Sicherheit der schweizerischen Atomkraftwerke abzuklären. Natürlich konnte sich diese Untersuchung nur mit unseren Werken befassen, obwohl wir auch ausländische Experten zugezo- gen haben.
Meine Beurteilung unseres Berichtes vom 14. November 1980 ist heute, nach dem Unfall von Tschernobyl, eindeutig positiv, das heisst: Die Erkenntnisse, die wir damals festge- halten haben, haben sicher weiterhin ihre Gültigkeit, wenn ich auch zugebe, dass heute dieser Bericht etwas differen- zierter ausfallen würde. Die Schwierigkeit für eine Beurtei- lung nach Tschernobyl liegt vor allem in der Tatsache, dass wir den genauen Hergang des Unfalls noch nicht kennen und auch das Ausmass der Schäden noch nicht überblick- bar ist.
Unser Bericht wies seinerzeit darauf hin, dass die Schweizer Kernkraftwerke hinsichtlich Sicherheit im internationalen Vergleich zu den besten zählen. Natürlich konnten die russi- schen AKW in diesen Sicherheitsvergleich aus bekannten Gründen nicht miteinbezogen werden. Wie unverfroren man dort mit der Kernenergie umgeht, zeigt die Tatsache, dass der neu ernannte Direktor von Tschernobyl - wie Sie am Samstag der Zeitung entnehmen konnten - erklärt hat, dass die beiden nicht beschädigten Reaktoren in Tschernobyl im kommenden Herbst wieder in Betrieb genommen würden. Ich bin der Meinung, dass ein Sicherheitsbericht im heuti- gen Zeitpunkt vor allem zwei wesentliche Punkte mehr in den Vordergrund stellen müsste:
Zum einen kann, wie die Experten zugeben und wie das auch vom Bundesrat bestätigt wurde, der Umfang der Strah- lenverseuchung weit grösser sein, als je angenommen wurde. Wir haben uns noch mit Verseuchungsellipsen vom Durchmesser von 15 bis 30 km befasst, müssen nun aber feststellen, dass diese weiter reichen können. Dies führt zum anderen unweigerlich zur Feststellung, dass es sich nicht nur um die Sicherheit oder Gefährlichkeit der Atomkraft- werke im eigenen Land handeln kann. Vielmehr muss man klar erkennen, dass alle AKW eine Gefahr für alle bedeuten können. Die Grenzen spielen keine Rolle. Deshalb müssen Sicherheit, Information, Kontrolle, Messdaten, Alarmorgani- sation usw. grenzüberschreitend wirken. Dasselbe haben wir beim Waldsterben erfahren. Der Kampf gegen die Luft- verschmutzung muss ebenfalls multinational geführt werden.
Die Schweizer Kernkraftwerke müssen sicher weiterhin in Betrieb bleiben. Eine Alternative ist mittelfristig nicht mög- lich, wie hier zur Genüge dargelegt wurde. Niemand hat eine praktikable andere Lösung vorgeschlagen.
Neue Atomkraftwerke müssen nach meiner Meinung aber äusserst kritisch beurteilt werden und sind im jetzigen Zeit- punkt nicht opportun. Leider hat der Stromverbrauch in den letzten Jahren, wie das vorhin Herr Martignoni dargelegt hat, trotz aller Sparappelle zugenommen. Das Sparen ist schon recht, wenn der andere spart, immer nach dem System: Jeder denkt nur an sich, nur ich denke an mich.
So komme ich zum Schluss, dass es in nächster Zeit nicht
möglich ist, ohne Atomkraftwerke auszukommen. Zugleich ist es klar, dass die Katastrophe von Tschernobyl unsere Sicherheitsbestrebungen nochmals verstärken muss, dies insbesondere in der Erkenntnis, dass die Ausmasse der Verseuchung weit grösser sein können und dass internatio- nal eine viel bessere Koordination angestrebt werden muss.
M. Petitpierre: Que la Suisse ait échappé pour l'essentiel aux conséquences du drame ne doit pas nous permettre d'oublier ce qu'ont subi et ce que subiront encore long- temps de nombreux êtres humains qui ont eu la malchance de se trouver au mauvais moment au mauvais endroit. Quelle que soit l'importance de ce débat, les dimensions de ce drame dépassent de beaucoup le cadre helvétique, je tenais à le rappeler.
Il n'en reste pas moins qu'il dépend de nous de faire en sorte que cette catastrophe n'ait pas été entièrement vaine, et de ne pas manquer l'occasion qu'elle nous offre de rouvrir un débat général sur la politique énergétique. La querelle nucléaire a paralysé le développement réfléchi et concerté d'une politique d'ensemble ouverte et diversifiée. Elle a conduit l'autorité politique, gouvernement et parlement, à une sorte de résignation, de passivité, dont il faut savoir sortir aujourd'hui pour que l'avenir redevienne un peu notre affaire à tous.
Il s'est vérifié, lors de l'accident de Tchernobyl, que le développement de l'électricité nucléaire en Suisse ne dépend pas seulement de la qualité de nos installations ou de nos ingénieurs, mais que ce qui se passe hors de nos frontières est de nature à remettre en cause ce développe- ment. Dans les régimes non démocratiques, en revanche, ce développement peut se poursuivre comme si de rien n'était. Nous sommes ainsi deux fois vulnérables, et cela n'est pas acceptable, pas même à court terme.
L'importance des investissements dans la recherche et dans les installations nucléaires nous prive de ressources pour la recherche et le développement dans d'autres secteurs, stéri- lisant ainsi une bonne partie de l'imagination et de la créati- vité scientifiques, compromettant le développement des techniques qui économisent l'énergie. Voilà dessiné le cer- cle vicieux qui nous enferme en fait, sinon dans les discours, toujours plus durablement dans la résignation à une politi- que unilatérale, sans perspectives nouvelles et qui inquiète - c'est le moins qu'on puisse dire - la population. Nous avons, avec le gouvernement, la responsabilité de faire enfin passer dans les faits un peu du discours qui est dispensé depuis environ dix ans. Nous en avons aussi les moyens: le déve- loppement des économies d'énergie, en particulier de l'énergie électrique - à travers une loi sur l'économie électri- que - le développement de techniques éprouvées, tel le couplage chaleur-force dont M. Basler a parlé tout à l'heure, doivent désormais constituer les orientations principales d'une voie alternative qui nous permettra de réduire notre dépendance vis-à-vis de l'énergie nucléaire de fission, avant de nous en passer complètement sans toutefois compro- mettre notre activité économique. Ce qui est souhaitable est aussi possible; il nous reste encore à le vouloir et à le proposer sans tarder au pays.
Müller-Meilen: Gefragt sollten in dieser Tschernobyldebatte nicht die professionellen Ausrufer und Schaumschläger sein, auch nicht die Verharmloser und nicht die Panikma- cher; dafür ist das Problem zu ernst. Gefragt sind jene, die unvoreingenommen und offen, aber nüchtern die neue Situation prüfen und sich ernsthaft um realistische Lösun- gen bemühen. In der heutigen öffentlichen Diskussion bestehen drei Gefahren: die Verdrängungsgefahr, dass wir so tun, als ob nichts oder fast nichts passiert wäre und alles in der Energiepolitik beim alten zu bleiben habe; zweitens die Vogel-Strauss-Gefahr, dass wir laut im Brustton der Selbstgerechtigkeit nach dem Abstellen aller Kernkraft- werke rufen und den Kopf über die Folgen getrost in den Sand stecken. 38 Prozent unserer Elektrizität stammten 1985 aus Kernkraftwerken. Auf sie plötzlich zu verzichten, würde mengenmässig heissen, während drei Tagen in der
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Woche die Elektrizität abzustellen: die Maschinen, den Kochherd, die Heizung, das Bügeleisen, den Kühlschrank. Dass diese Forderung unrealistisch und unsinnig ist, müsste eigentlich jedem klar sein.
Die dritte und vielleicht grösste Gefahr ist, dass man gar nicht mehr zuhört, nur noch sich selbst produziert und die Dinge nicht bis in die Konsequenzen ausdiskutiert. Ein Musterbeispiel dafür bietet die gestern verteilte Mitteilung an die eidgenössischen Räte über ein Hearing. Sie ist unter anderem von Nationalrat Gunter und von Frau Leni Robert unterzeichnet, welche gemäss «Bund» in diesem Hearing als Regierungsrätin zum Widerstand aufgerufen haben soll. Gemäss dieser Mitteilung soll jede Radioaktivität schädlich sein, auch kleinste radioaktive Strahlungen können Krebs, Leukämie usw. hervorrufen. Unter dem Communiqué folgen die Namen der Experten und Expertinnen, die am Hearing teilnahmen, unter anderem Prof. Hedwig Fritz-Niggli und Dr. Loosli, ohne dass ein Wort darüber gesagt wird, dass ein Teil dieser Experten in wichtigen Punkten genau gegenteili- ger Ansicht sind als das Communiqué. Das ist für mich eine üble Manipulation, die keine Grundlage für ein fruchtbares Gespräch sein kann.
Drei Dingen gehört meines Erachtens in der künftigen Energiepolitik die Priorität. Sie sind schon genannt worden: 1. das Energiesparen;
die Beschleunigung der Erforschung von Alternativener- gien;
die Schaffung grösstmöglicher Sicherheit in den beste- henden Kernkraftwerken.
Um das Energiesparen zu fördern, werden wir auch neue Wege nicht scheuen dürfen. Ich habe deshalb ein Postulat eingereicht, das die Prüfung einer die fossilen und elektri- schen Energien gleichermassen erfassenden Lenkungs- steuer verlangt, mit deren Erlös gezielt Energiesparmass- nahmen und die Erforschung von Alternativenergien zu fördern wären. Meistens sind marktwirtschaftliche Massnah- men wie die hier vorgeschlagenen die wirksamsten.
Eine «Kropfleerete» wie die heutige im Rat mag das parla- mentarische Wohlbefinden verbessern, aber es darf ange- sichts der Ernsthaftigkeit und Schwere der Probleme dabei nicht sein Bewenden haben. Ueberlegte, konkrete Schritte sind heute zu tun, die auch vor einer Prüfung der Situation in einem oder in 10 Jahren noch Bestand haben und sich in eine langfristige Energiepolitik nahtlos einfügen.
Nebiker: Man kann sich schon fragen, wozu unsere kontro- verse Diskussion dient. Zur «Kropfleerete»? Das ist schon etwas. Die Katastrophe von Tschernobyl können wir damit nicht ungeschehen machen, die Folgen auch nicht; nament- lich nicht die Folgen auf die unmittelbar betroffene Bevölke- rung, die wegen des Systems, unter dem sie leben muss, noch unverhältnismässig mehr leiden muss.
Es hilft auch nicht weiter, wenn wir uns gegenseitig Vor- würfe machen, wenn Rücktritte von Bundesräten gefordert werden, wenn wir mit der Katastrophe politischen Wind machen, wenn wir noch mehr zur Verunsicherung beitra- gen, oder wenn wir uns um Grenzwerte streiten. Ich bin überzeugt, dass der Bundesrat bisher nach dem heutigen Stand der Wissenschaft richtig und verantwortungsbewusst gehandelt hat. Auch in Krisenlagen - hier besonders - gilt es, nüchtern und sachlich zu bleiben. Nur so lassen sich vernünftige Lösungen finden. Es kann aber nicht nur bei Worten bleiben. Auch Taten müssen folgen!
Diese sachlichen Ueberlegungen führen zu unserer Energie- politik. Ich bin überzeugt, dass sich nach dem Unfall von Tschernobyl die Energiepolitik ändern muss. Auch heute schon, bevor wir alles über Tschernobyl wissen. Wir wissen jetzt, dass das Restrisiko bei Kernenergieanlagen zu gross ist. Eine Energiepolitik, die weitere Kernkraftanlagen voraus- setzt, ist nicht optimal. Auch wenn unsere Anlagen hundert- mal sicherer sind als russische. Wir wissen, dass mittel- oder langfristig, wenn geeignete, sichere Energiequellen zur Ver- fügung stehen, auch auf die bestehenden Kernkraftanlagen verzichtet werden sollte. Wir erkennen auch, dass wir mit der Energie sparsamer umgehen müssen. Es ist nicht sinn-
voll, Energiebedürfnisse zu schaffen und jeden beliebigen Energiebedarf zu decken. Energieverbrauch ist nicht nur eine Frage des Preises - es ist auch eine Frage der Ethik und des Gewissens, wenn man die Umweltbelastung und die Gefährdung mitberücksichtigt.
Aus diesen Ueberlegungen ergeben sich für eine künftige Energiepolitik, die sofort angepackt werden muss, folgende Grundsätze:
Auf den Bau weiterer Kernkraftwerke ist zu verzichten, sei es durch Verzichtverhandlungen oder durch den Widerruf der Rahmenbewilligung. Schliesslich hat sich seit unserem letzten Beschluss einiges auf dieser Welt geändert. Das faktische Moratorium von zwei bis drei Jahren bis zur Ertei- lung der nuklearen Baubewilligung genügt nicht. Mit einem Zuwarten mit dem Entscheid schaffen wir nur neue Sach- zwänge, die in Richtung mehr Kernenergie führen. Wir brau- chen eine klare Vorgabe, eben die Vorgabe, keine weiteren Kernkraftwerke zu bauen, damit wir eine zielgerichtete Energiepolitik einleiten können.
Unsere Energiepolitik muss kohärent das ganze Land umfassen und zielgerichtet sein. Dazu braucht es zusätzli- che, angemessene Kompetenzen des Bundes, also einen Energieartikel in der Verfassung. Es geht leider nicht ohne. Freiwilligkeit und Einsicht reichen nicht aus. Marktwirt- schaft allein nimmt zu wenig Rücksicht auf. Umwelt und Gefahren. Alle bisherigen Massnahmen, Sparappelle und der gute Wille allein genügen nicht. Der Energieverbrauch ist trotz allem unverhältnismässig gestiegen, und die Pro- gnosen zeigen, dass das so ungefähr weitergehen soll. Ziel eines Energieartikels muss sein, das Sparpotential, das 20 bis 40 Prozent betragen soll, voll auszunützen. Das schafft uns die Möglichkeit, bei genügenden Reserven in Zukunft ohne zusätzliche Kernenergie auszukommen. Die For- schung ist sinnvoll zu fördern, und umweltgerechte Alterna- tiven sind zu begünstigen.
Die Energiepolitik kann nicht an unseren Landesgrenzen Halt machen. Die Probleme, gerade der Kernenergie, sind grenzüberschreitend, aber auch die Probleme der übrigen endlichen Energiequellen. Wir müssen also auch mit unse- ren Nachbarn, insbesondere Frankreich und der Bundesre- publik, verhandeln, und zwar nicht nur über Grenzwerte. Wir müssen auch bei den Russen protestieren, die in nächster Zeit kaltschnäuzig die Blöcke 1 und 2 in Tschernobyl wieder in Betrieb setzen wollen. Das geht uns alle an. Das ist keine unnötige Beeinflussung anderer Staaten. Reaktortypen wie in Tschernobyl sind unsicher. Wir haben das Beispiel, sie sind nicht mehr zu verantworten.
Unsere Diskussion ist also nur sinnvoll, wenn sie zu Konse- quenzen in der Energiepolitik führt. Diese ist zu überprüfen, und zwar heute. Heute gibt es noch gangbare Wege, später vielleicht nicht mehr.
Ott: Ich möchte Ihnen in aller Kürze etwas mitteilen über internationale Reaktionen. Vom 26. bis 31. Mai fand in Bonn die Parlamentarier-Konferenz der KSZE-Signatarstaaten statt, zu denen wir bekanntlich auch gehören, wo ich zusam- men mit Kollegen unser schweizerisches Parlament zu ver- treten hatte. Ich gewann den Eindruck, dass Tschernobyl so etwas wie ein Wendepunkt im europäischen Raum werden könnte. Das Gefühl der Interdependenz und der Wille zur Zusammenarbeit zwischen den Ländern sind um ein weite- res Feld erweitert worden, nämlich um das der nuklearen Energie.
In Bonn hatten wir für das Schlussdokument ein Papier der N+N-Staaten zu Tschernobyl als Diskussionsgrundlage, 'inspiriert durch ein Vorprojekt des Gastlandes, der Bundes- republik Deutschland, und schliesslich durch Konsens akzeptiert durch die NATO-Länder wie durch die Warschau- paktstaaten.
Man hatte eine zeitlang befürchtet, die sowjetische Delega -· tion und die Verbündeten könnten sich in Sachen Tscherno- byl querlegen, sich defensiv verhalten und die Sache zu verwässern versuchen. Das trat nicht ein. Der Konsens wurde unvermeidlich. Der Fall von Tschernobyl erwies sich als eine imperative Lehre für alle beteiligten Staaten. Ange-
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sichts eines solchen Ereignisses gibt es nur noch die Zusammenarbeit, das war allen klar.
Das Bonner Schlussdokument fordert von den Staaten, wel- che Kernkraftwerke haben, unter anderem Folgendes: «La Conférence souligne l'obligation de tous les pays dotés de centrales nucléaires d'assurer l'entière responsabilité de la sécurité de la conception, de la fabrication, du fonctionne- ment et de l'entretien de leurs installations nucléaires.»
Ferner fordert das Dokument die restlose und sofortige Transparenz der Information und sofortige gegenseitige Hilfe, falls sich je wieder ein Fall wie Tschernobyl ereignen sollte, kurz: die permanente Zusammenarbeit zwischen den KSZE-Staaten auf dem Gebiete der Energie. Und - das scheint mir besonders wichtig - das Dokument fordert die internationale Zusammenarbeit bei der Entwicklung neuer alternativer Energien. Der Gedanke des Ausstiegs aus der Atomenergie als mittelfristiges Ziel legt sich hier nahe und war im Grunde mitgemeint.
Tschernobyl erzeugte so international ein Klima des Kon- senses auf einem spezifischen Gebiet. Auch bei uns, trotz der leidenschaftlichen Töne, in denen wir über diese Materie reden, sollte eine Art Konvergenz möglich sein. Gerade darum war die gestrige bundesrätliche Antwort für viele enttäuschend. Der Bundesrat hat sich zu defensiv verhalten. Er hat seine bisherige Energiepolitik verteidigt, liess aber ein richtungweisendes Wort vermissen. Ein solches wäre mög- lich gewesen. Dass wir nicht gut von heute auf morgen aus der Nuklearenergie aussteigen können, ist jedem klar. Das hat wohl auch niemand in diesem Saal so gefordert. Aber man hätte das Ziel doch wenigstens entschlossener ins Auge fassen können, statt von vornherein zu erklären, das sei praktisch unmöglich. Statt nur darauf hinzuweisen, dass der Stromverbrauch in unserem Lande in den letzten Jahren ständig gestiegen sei, hätte man zugeben können, dass die Extrapolationen in Sachen künftiger Energiebedarf viel- leicht doch nicht der Weisheit allerletzter Schluss sind. Wir dürfen uns immerhin überlegen, dass wir vor zehn Jahren in diesem Lande auch gelebt haben und auch gut gelebt haben, und damals mit weniger Strom.
Statt zu sagen: Der Bundesrat kann die Rahmenbewilligung für Kaiseraugst «nicht von sich aus widerrufen oder sistie- ren», hätte man vielleicht sagen können: Das Parlament könnte sie gegebenenfalls widerrufen oder sistieren. Es bräuchte vielleicht ein wenig staatsmannisches Format im speziellen Falle, aber ich glaube, man könnte heute unter den gegebenen Umständen so reden, dass die ungezählten Mitbürgerinnen und Mitbürger, die auch bei uns durch den Fall Tschernobyl tief betroffen waren und sind, sich verstan- den fühlen und wieder neuen Mut fassen.
Rüttimann: Es gibt Gefahren in unserem Leben wie etwa Hochwasserkatastrophen oder Vulkanausbrüche und andere mehr, denen wir mehr oder weniger machtlos gegen- überstehen. Man operiert in diesen Bereichen mit soge- nannten Wahrscheinlichkeitsrechnungen und muss damit in gewissen Zeitabständen Schäden, ja sogar auch Tote und Verletzte in Kauf nehmen. Die besondere Gefährlichkeit der Kernkraftwerke ist auch von den Befürwortern der Atom- energie immer erkannt worden. Man konnte und kann aber Gegenmassnahmen ergreifen. Der Beweis dafür sind die mehrfachen Absicherungen unserer neuesten und insbe- sondere der schweizerischen Atomkraftwerke. Die Frage ist für mich die, ob eine mehrstufige Sicherheitsanlage, wie sie etwa in Leibstadt als Folge eines laufenden Sicherheits- denkprozesses verwirklicht wurde, eine Katastrophe nach menschlichem Ermessen verhindern kann oder nicht. Obwohl oder vielleicht weil ich persönlich nicht der vielzi- tierten Energielobby angehöre, wage ich aufgrund meines Informationsstandes und auch aufgrund objektiver Ueberle- gungen zur Kernenergie ja zu sagen. Selbstverständlich gehört zu diesem Sicherheitsdispositiv eine einwandfreie und ehrliche Information. In Tschernobyl ist sie ganz offen- sichtlich sträflich vernachlässigt worden, aber auch in der übrigen Welt bedarf sie noch der Verbesserung. Ich plädiere daher mit andern Kollegen und mit dem Bundesrat, dass er
auf diplomatischer Ebene und entschlossen daraufhin wirkt, dass international die gleich strengen Sicherheitsanforde- rungen und Messwerte durchgesetzt werden. Man wird mir entgegnen, das sei mit Rücksicht auf die ohnehin unter- schiedlichen politischen Philosophien in Ost und West kaum möglich. Ich hege trotzdem diese Hoffnung, da durch diesen Vorfall wohl doch auch die sorglosesten Länderre- gierungen den Ernst der Lage erfasst haben. Es geht hier und heute nicht um Kaiseraugst ja oder nein, sondern es geht darum, ob man Kernkraftwerke sicher bauen und betreiben kann oder nicht. Wenn dies der Fall ist, kann man sie überall hinstellen, wenn nicht, gehören sie auch nicht in abgelegene Gebiete. Wir Aargauer wissen, warum wir auf die Sicherheit derart hohes Gewicht legen. Es geht nämlich um den Schutz unserer Bevölkerung, die seit Jahrzehnten um und mit der Kernenergie leben muss. Es ist uns bekannt, dass allein für die Werke Beznau I und II von der Träger- schaft eine dreistellige Zahl von Millionen eingesetzt werden muss, um den gleichen Mehrfachsicherheitsstand zu errei- chen wie für das neue Werk Leibstadt. Wir verlangen daher allen Ernstes, dass diese Ausbauarbeiten unverzüglich - sowohl in Beznau als auch in den beiden eidgenössischen Nuklearforschungsinstituten Villigen und Würenlingen - vorgenommen werden. Technisch ist dies möglich; die finanziellen Folgen müssen verkraftet werden.
Man könnte nun tatsächlich sich alles viel einfacher machen, nämlich mit der Erfüllung der erhobenen Forde- rungen nach Abschaltung der Atomkraftwerke bis späte- stens im Jahre 2000. Dann könnten wir es uns alle wohl sein lassen und müssten uns diese Redeschlachten nicht liefern. Aber erstens können wir dies nicht weltweit durchsetzen und wären daher der Strahlungsgefahr ohnehin nach wie vor ausgesetzt. Und zweitens glaubt doch wohl niemand im Ernst daran, dass wir vierzig Prozent des gegenwärtigen Energieverbrauchs an elektrischer Energie einfach leichtfer- tig verpuffen. Einsparen in Ehren, auch ich bin voll dieser Ueberzeugung, aber das Sparen von zwei Fünfteln des gegenwärtigen Bedarfs müsste unzweifelhaft einschnei- dende Auswirkungen haben auf Industrie und öffentlichen Verkehr und mithin auf die Arbeitsplätze. Eine solche Zäsur müsste unweigerlich eine Energierationierung nach sich ziehen, und dies ausgerechnet in einer Zeit, da wir die Elektronik und den öffentlichen Verkehr gezielt fördern wol- len. Welche zwei von fünf Zügen wollen Sie dann nicht mehr auf unserem Bahnnetz zirkulieren lassen? Und welche zwei von fünf Spitälern wollen Sie denn stillegen, wenn wir so rigorose Massnahmen ergreifen müssen ? Zweifellos müsste damit vorwiegend die Freizeit, aber auch der Haushalt, das Gewerbe und die Landwirtschaft wieder zur Handarbeit zu- rückkehren.
Das sind nur einige Gründe, warum ich in der neu entbrann- ten Diskussion um die Kernenergie und Tschernobyl Sie im besondern dazu aufrufe, kühlen Kopf zu bewahren. Die nahe Zukunft wird uns zeigen, wo die wahren Probleme dieses Zwischenfalls liegen. So oder so bin ich nicht der Meinung, einfach zur Tagesordnung überzugehen, sondern die sich aufdrängenden Konsequenzen zu ziehen. Für heute bin ich aber der Auffassung, dass viele, die lauthals nach totaler Abkehr von der Kernenergie rufen, sich der Konsequenzen gar nicht bewusst sind oder sie gezielt andern zuschieben wollen.
M. Savary-Vaud: Si nous n'avions aujourd'hui que 10 pour cent d'électricité nucléaire, nous aurions un débat d'une toute autre portée et je serais prêt à soutenir toutes les mesures d'économies, de restrictions, que nous devrions prendre en abandonnant cette énergie. Avec plus de 40 pour cent de notre production d'électricité liée au nucléaire, la décision de l'abandonner n'est pas possible dans l'immé- diat. Il est clair, en effet, que si l'on s'engage dans cette voie ce n'est plus de restrictions qu'il faudra parler mais de paralysie. Or, pour moi, la paralysie de l'économie peut avoir des conséquences tout aussi dangereuses qu'un accident nucléaire.
Il y a encore une autre façon d'aborder le débat, c'est de
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relever l'ambitieux programme nucléaire de la plupart de nos voisins européens et de recenser le nombre de centrales atomiques et de réacteurs. Cette approche du problème nous démontre clairement que, même en renonçant, le danger resterait pratiquement le même pour notre pays, car il ne faut pas se bercer d'illusions: personne ne pourra contraindre l'URSS à abandonner son programme nu- cléaire.
Dès lors, voulons-nous être dépendants des autres? Vou- lons-nous être dépendants d'une autre énergie nucléaire que nous ne pourrions contrôler? Le bon sens m'oblige à répondre par la négative.
Certes, ce n'est pas de gaîté de coeur que je viens apporter mon soutien à la continuité. L'inquiétude a été grande, ces derniers temps, dans la population tout entière et notam- ment chez les agriculteurs qui ont craint que les retombées radioactives rendent inutilisables les cultures et les sols pour de nombreuses années. A ce propos, il serait bon que le Conseil fédéral dise comment il entend à l'avenir orienter et, le cas échéant, dédommager ceux qui cultivent le sol dans l'hypothèse d'un accident nucléaire. La réponse don- née hier soir nous laisse un peu sur notre faim.
Plusieurs orateurs ont rappelé que l'accent devra être mis, au cours des prochaines années, sur la sécurité, la recherche et la mise au point d'énergies nouvelles. Mme Morf a dit hier que l'avenir appartenait à l'énergie solaire. Il y a longtemps qu'on en parle et malgré tout le recours à cette énergie reste peu important. Tous ceux qui s'occupent de construction et d'urbanisme le savent: chaque fois qu'un projet comporte des panneaux solaires, les oppositions pleuvent, soit à cause de l'esthétique, soit à cause de l'éblouissement. Ce n'est donc pas demain que cette éner- gie remplacera le 40 pour cent d'électricité nucléaire.
Restons critiques, soyons fermes sur la sécurité, mais res- tons réalistes!
Wick: Kennen Sie einen Parlamentarier, der nicht Recht hat? Wenn Sie etwas herumfragen, werden Sie feststellen, dass ein solches Exemplar so selten ist wie ein weisser Rabe. Und kennen Sie einen Bundesrat, der nicht meistens am Schluss Recht bekommt? Warten wir das Ende der achtziger Jahre ab und damit das faktische Moratorium, das Herr Bundesrat Schlumpf so grosszügig angekündigt hat, Leichtwasserreaktoren sind relativ sicher. Dieser Satz ist umgekehrt leider auch wahr, Leichtwasserreaktoren der heutigen Bauart sind nie absolut sicher. Warum? Wir haben es mit einer Technologie zu tun, die ursprünglich für ein Unterseebot, nämlich den Nautilus des Admirals Rickover, entwickelt wurde. Hohe Energiedichte und kleiner Platzbe- darf waren die Planungsvorgaben. Als das Ding dann wirk- lich funktionierte, ist man auf die Idee gekommen, es etwas und dann immer mehr aufzublähen. So wurde aus einem relativ harmlosen Teufelchen mit der Zeit ein veritabler Beel- zebub. Die erste Gefahr ist also die hohe Energiedichte und damit ein hohes Schadenpotential.
Zur zweiten Gefahr: Solche Leichtwasserreaktoren her- kommlicher Bauart sind instabil. Instabilität war übrigens auch die Voraussetzung für die Katastrophe von Tscherno- byl. Instabilität bedeutet, dass wir es mit einem System zu tun haben, das, sich selbst überlassen, sofort aus dem Gleichgewicht gerät, genau wie wenn ein Jongleur mit einem Stab jongliert. Sie können noch so viele geschickte Jongleure aufbieten oder noch so viele aktive und teure Sicherheitseinrichtungen einbauen, ein stabiles und damit wirklich sicheres System erreichen Sie nicht.
Deswegen habe ich ein Postulat eingereicht: Nukleare Bau- bewilligungen sollen nur noch erteilt werden, wenn ein Reaktor so konstruiert ist, dass sein Verhalten stabil, d. h. nicht mehr von aktiven Sicherheitseinrichtungen abhängig ist. Diese Norm müsste selbstverständlich auch auf Kaiser- augst angewendet werden. Dieser Reaktor läuft zugegebe- nermassen noch nirgends. Entsprechende Projekte existie- ren aber schon seit einigen Jahren. Warum? Man hat eben feststellen müssen, dass sich eine Bevölkerung, die wirklich mitreden kann, ein AKW heutiger Bauart nicht mehr auf-
zwingen lässt. Deswegen konnte in den USA seit über zehn Jahren kein neues AKW in Auftrag gegeben werden, und deswegen sucht man in Schweden mit grossen Schwierig- keiten nach einem Ersatz für die Hälfte der heutigen Strom- produktion. Meine Herren Bundesräte, nehmen Sie bitte die Umfragen der Meinungsforscher zur Kenntnis. Nehmen Sie die Angst grosser Bevölkerungsteile zur Kenntnis. Wischen Sie diese Angst nicht einmal mehr unter den Tisch. Solche Angst ist eben eine existentielle Angst, ob zu Recht oder zu Unrecht tut gar nichts zur Sache, existentielle Angst kann nicht mit Beschwörungsformeln zum Verschwinden gebracht werden, existentielle Angst heisst eben, dass man sich an Leib und Leben bedroht fühlt, und dagegen hat sich der Schweizer noch immer gewehrt. Nehmen Sie auch diese historische Tatsache zur Kenntnis.
Mein Postulat annehmen hiesse, einem Moratorium von zehn bis fünfzehn Jahren zuzustimmen. Es hiesse auch, diese Zeit mit echtem Sparen - es darf durchaus auch etwas unseren Komfort betreffen - zu überbrücken. Dafür bedeu- tet dieses Postulat aber nicht einen sofortigen, unwiderrufli- chen Ausstieg aus der Kerntechnologie, bevor man die künftige Entwicklung überhaupt einschätzen kann. Es lässt ein Türchen offen. Durch stures Festhalten an der bisheri- gen Politik knallen Sie, meine Herren Bundesräte, und Sie, meine lieben Kolleginnen und Kollegen, auch dieses Tür- chen noch zu.
Ziegler: Ich bin Mitglied des Verwaltungsrates der Atel, ich habe das Mandat auf Vorschlag der CVP angenommen, als Nationalrat vertrete ich hier meinen persönlichen politi- schen Standpunkt.
Unsere Debatte ist Ausdruck der Betroffenheit und der Besorgnis darüber, dass die friedliche Nutzung der Kern- energie einen Rückschlag erlitten hat. Dass jeder Fortschritt seinen Preis und seine Opfer fordert, ist bisher als entwick- lungsnotwendig, gewissermassen als fälliger Tribut an die ökonomisch-technische Entwicklung hingenommen wor- den. Das Reaktorunglück von Tschernobyl mit seinen fata- len Kurz- und Langzeitfolgen und seinen grenzüberschrei- tenden Auswirkungen hat diese Philosophie in eine neue Dimension gestellt, die kritisch überprüft werden muss.
In einigen Interpellationen wird mit Recht ein international verbindlicher und kontrollierter Sicherheitsstandard für alle Kernkraftwerke in der Welt gefordert. Diese Forderung ist absolut berechtigt, aber schwer durchsetzbar, denn die Optimierung der Sicherheit muss getragen sein von einer weltweiten Optimierung der ethischen Verantwortung als Maxime gesellschaftspolitischer Wertvorstellungen. Das Fanal von Tschernobyl hat uns erneut bewusst werden las- sen, dass es in dieser Welt nicht nur Sicherheitsgefälle, sondern auch ethische Gefälle gibt. Stalin hat gesagt, dass Sowjetmacht und Elektrizität gleich Sozialismus seien. Diese Gleichung kann aber nicht stimmen, sie hat zu wenig Glieder. Politische Macht und Energie führen nicht zwangs- läufig zu einer sozialen, humanen Gesellschaft. In dieser Gleichung fehlen die Elemente Humanität, Recht, Demokra- tie und Eigenverantwortung als wesentliche Voraussetzun gen einer materiellen und geistigen Entwicklung, die das Menschsein in einer fortgeschrittenen Zivilisation verbür- gen. So hat sich am Fall Tschernobyl bestätigt, dass dort aus Gründen der Staatsraison eine forcierte Energieerzeugung der menschlichen Sicherheit vorangestellt wurde. Dafür gibt es Dokumente, so die von der «Neuen Zürcher Zeitung» publizierte Reportage einer Kiewer Zeitschrift, in der bereits am 27. März scharfe Kritik an Mängeln und Unzulänglichkei- ten, aber auch an fehlendem Verantwortungsbewusstsein beim Bau der Anlage von Tschernobyl geübt wurde, ganz abgesehen davon, dass die Sicherheitsphilosophie, wie sie der sowjetischen Kerntechnik zugrunde liegt, unseren Mass- stäben bei weitem nicht entspricht.
Die ersten Reaktionen auf das Unglück haben Parolen auf- kommen lassen wie «Tschernobyl ist überall». Solche Schlagworte sind sehr eingängig, sie bedeuten aber gar nichts ausser der Forderung nach Abkehr von der Kernener- gie. Eine solche Abkehr, ein Ausstieg aus der Kernenergie,
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wäre meines Erachtens zumindest eine voreilige Schlussfol- gerung. Man wird aus dem Fall Tschernobyl in bezug auf die Reaktortechnik kaum wesentlich neue Erkenntnisse gewin- nen, und zwar deshalb nicht, weil die in der Sowjetunion angewandte Reaktortechnik von den im Westen verwende- ten Systemen völlig verschieden ist. Das soll uns aber nicht hindern, erneut über die Bücher zu gehen und allfällige Sicherheitsergänzungen vorzunehmen. Wir haben Tscher- nobyl sehr ernst zu nehmen. Als moderner Industrie- und Wohlfahrtsstaat dürfen wir aber unsere energiepolitische Zukunft nicht verbauen und unsere Versorgungsautonomie nicht gefährden, indem wir so tun, als ob wir auf die Kern- energie leichthin verzichten könnten. Es gilt, die Realitäten zu beachten. Die Energie in jeder Form ist unser Lebens- nerv, und sie berührt auch soziale Errungenschaften. Auch das ist zu bedenken. Wir müssen die Energieforschung intensivieren und alle Kräfte bzw. alles politische Handeln auf der Grundlage der Gesamtenergiekonzeption verstärkt auf eine optimale, sparsame und umweltgerechte Energie- verwendung ausrichten. Dabei sind wir uns bewusst, dass eine solche Energiepolitik ohne Einschränkungen im Lebensstil und der persönlichen Freiheit undenkbar ist.
Zwygart: Leider schleckt es keine Geiss weg: Das scheinbar rein theoretische Restrisiko ist zur traurigen Tatsache geworden. Ein halber Kontinent mit Millionen von betroffe- nen Menschen ist verstrahlt worden. Das gibt auch uns EVP- Parlamentariern Anlass zu grundsätzlichen, nicht nur zu energiepolitischen Ueberlegungen. Wir stehen unter dem Eindruck, dass die Kräfte sich nicht ohne weiteres beherr- schen lassen, die der Mensch in seinem Machbarkeitswahn entfesselt hat. Die EVP stellt sich nicht gegen den Fort- schritt. Zu unserem Fortschrittsbegriff gehört aber auch die Ehrfurcht vor dem Schöpfer und die Achtung menschlicher Grenzen. Aber jetzt dürfen wir nicht in politisch kurzsichtige Forderungen ausarten wie in die Aufforderung an den Bun- desrat, jetzt die Restwassermengen freizugeben. Das hat Herr Nationalrat Giger ja heute gefordert. Denken wir nur an den Trinkwasserschutz. Wir fordern den Bundesrat und das Parlament auf, den Weg zu öffnen, um die Rahmenbewilli- gung des AKW Kaiseraugst rückgängig zu machen, auch wenn es Entschädigungsforderungen nach sich zieht. Das wäre ein erster Schritt in die richtige Richtung. Ein Festhal- ten am Kaiseraugst-Projekt würde zu einer Zerreissprobe führen und wäre staatspolitisch nicht zu verantworten.
Die Forderung nach einem sofortigen und totalen Ausstieg aus der Atomtechnik ist aber auch unrealistisch. Dies kann nur stufenweise geschehen. Bis ein echtes Alternativkon- zept, abgestützt auf einen sachgerechten Verfassungsarti- kel, zum Tragen kommt, gibt es keine andere Lösung, als Energie zu sparen. Das Sparpotential ist bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Darum muss das Energiespargesetz unbedingt sofort ausgearbeitet werden. Damit verschaffen wir uns die nötige Zeit zur Erschliessung neuer Kraftquellen. Zwischen Extremlösungen, Abschalten oder Weiterausbau des AKW-Betriebes, gibt es einen dritten Weg, den wir in unserer Partei in Uebereinstimmung mit Fulvio Caccia, dem Präsidenten der Eidgenössischen Energiekommission, für gangbar erachten.
Was mich persönlich beschäftigt, sind alle die Menschen, die durch das Ereignis offen oder heimlich in Aengste hin- eingetrieben worden sind, nicht zuletzt durch widersprüchli- che oder unverständliche Erklärungen von Wissenschaftern und Amtsstellen. Gestern hat der Bundesrat uns zugerufen: Das schwere Unglück von Tschernobyl hat auch in unserem Lande tiefe Betroffenheit, Besorgnis und Angst ausgelöst. Oder wir hatten einen Brief der Eidgenössischen Kommis- sion für Jugendfragen auf unserem Tisch, in dem es hiess, dass die Politiker mithelfen sollen, die tiefsitzende Angst um die Zukunft in ihrer parlamentarischen Debatte über die Folgen von Tschernobyl ernst zu nehmen.
Nun, ernst zu nehmen sind vielleicht die Krebstoten, die in der medizinischen Statistik in einigen Jahren feststellbar sein werden. Aber es gibt eben noch andere Langzeitfolgen, und zwar auf seelischem Gebiet. Die existentielle Bedro-
hung des Menschen kann krank machen. Aus diesem Grunde ist es ebenso wichtig, schrittweise von der Atom- energie wegzukommen. Es ist unsere Aufgabe, eine Energiepolitik zu formulieren und durchzusetzen, die umweltverträglich und überdies geeignet ist, die vorhande- nen Aengste abzubauen. Machen wir uns nichts vor. Für eine solche Politik braucht es mehr als ein paar neue Geset- zesartikel. Jeder einzelne Energiekonsument ist angespro- chen. Es geht um eine ethische Haltung; aber auf welcher Basis? Wir müssen alle auf unnötigen Luxus verzichten, auf unseren letztlich zerstörerischen Lebensstil. Das setzt aller- dings Einsicht voraus, dass der Sinn des Lebens nicht in masslosem Konsum besteht. Gefragt sind heute Zuversicht, Hoffnung und Zukunftsglaube, und dafür sind wir verunsi- cherten Menschen auf eine Kraftquelle angewiesen, die ebenso unsichtbar wie real ist, aber noch stärker als Atom- energie, aus meiner Ueberzeugung nämlich die Kraft Gottes. Politisch brauchen wir jetzt ein Klima der Besonnenheit, nicht der Konfrontation. Nur so werden auf diese Rede- schlacht bald Taten folgen, wird eine Politik möglich, die geeignet ist, neues Vertrauen zu schaffen und die Situation zu entkrampfen. Dazu möchten wir beitragen helfen.
Robbiani: Diese Debatte war nicht überflüssig; aber wir haben etwas anderes erwartet: konkrete Massnahmen. Darum verlangen die sozialdemokratische Fraktion, die POCH, PSA, PdA, der Landesring und die Grünen eine ausserordentliche Session. Wie bei der Walddebatte, sollte diese ausserordentliche Session aufgrund eines speziellen Berichtes des Bundesrates erfolgen. Ebenso könnten in diesem Zusammenhang die entsprechenden persönlichen Vorstösse behandelt werden. Als Regierungspartei werden wir selbstverständlich das Gespräch mit den übrigen Bun- desratsparteien suchen, um mögliche gemeinsame Positio- nen zu finden.
Dopo questa dichiarazione a nome del mio gruppo, permet- tetemi alcune osservazioni quale deputato ticinese.
Le risposte alle interpellanze sono state ampie, ma non profonde. Tutto previsto, tutto in ordine, non è sucesso niente: comunque, se è successo, è avvenuto molto lontano! La certezza burocratica e tecnocratica fa paura quanto la nube radioattiva.
Non sono mai stato un antinucleare praticante, ma adesso lo sono e per tre motivi:
Vorrei che i miei figli e i miei nipoti continuassero a giocare nei prati. I bambini che giocano nei prati sono, iconograficamente, il simbolo della vita.
Gli esperti ci hanno ingannati o ci siamo lasciati ingan- nare dagli esperti. Il cosiddetto sfruttamento pacifico dell'a- tomo è una bomba installata in giardino.
Dopo Chernobyl, la gente ha paura, specialmente nelle nostre regioni più colpite - e il Ticino e il Mendrisiotto sono le mie regioni.
La paura è irrazionale, nasce anche dalla scarsa conoscenza della tecnologia nucelare e dall'impalpabile minaccia insita nei radionucledi. Ma i sentimenti - in questo caso la paura, che diventa addirittura angoscia - i sentimenti fanno parte della natura umana e pertanto della sfera politica. Del resto, anche la tecnica e la scienza, e lo ha dimostrato un recente seminario svoltosi a Locarno, anche la tecnica e la scienza non sono totalente razionali e pertanto impermeabili ai dubbi e all'angoscia.
Prima di Chernobyl, quella nucleare era una ideologia. Que- sto dibattito ha quanto meno evidenziato la fine della fede nel nucleare. Vi sono molti nuclearisti pentiti o dissociati, vi sono degli antinucleari, pragmaticamente e non ideologica- mente, più convinti.
Quando, signori consiglieri federali, faremo assieme la sin- tesi di questa discussione, che forse meritava maggior rison- anza e ridondanza attraverso la diffusione televisiva in diretta, quando con la sessione straordinaria passeremo alla politica delle cose, ci renderemo conto che l'illuminismo oggi significa scindere il rischio dalla vera o pretesa esi- genza, e significa scindere i progresso, quello vero, dal profitto, magari mascherato da clausola del bisogno.
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Frau Stamm Judith: Wenn ich über Tschernobyl spreche, möchte ich zuerst das Bild benützen: «Es fiel mir wie Schup- pen von den Augen». Das sogenannte verantwortbare Restrisiko wurde plötzlich Wirklichkeit und damit nicht län- ger verantwortbar. Die Radioaktivität überschritt die geogra- phischen Grenzen und verband in makabrer Weise Ost und West. Wir können heute noch nicht sicher wissen, was für Gesundheits- und genetische Schäden die Folgen sein wer- den. Dass wir in der Schweiz nicht mehr betroffen wurden, war eine Glückssache und ist niemandes Verdienst. Wir bedenken mit Schrecken, was bei noch mehr erhöhter Radioaktivität in der Schweiz passiert wäre.
Wie gestern einmal mehr bestätigt wurde, könnte sich auch in unseren Kernkraftwerken eine Katastrophe ereignen. Absolute Sicherheit gibt es bekanntlich nicht. Wir gefährden also nicht nur unsere, sondern auch die Bevölkerung der Nachbarstaaten. Auch die schweizerische Radioaktivität würde Kinder und Kindeskinder treffen. Die Fragen der Entsorgung sind nicht gelöst. Die Probleme sind Ihnen bekannt. Das können wir doch nicht mehr verantworten. Dieser Einsicht können wir uns heute nicht mehr verschlies- sen. Es muss doch jedem verantwortungsbewussten Politi- ker klar geworden sein, dass wir hier umdenken müssen. Was ist zu tun?
Es nützt uns nichts zu beklagen, was wir in der Vergangen- heit in der Energiepolitik verpasst haben, wie uns dies Herr Bundesrat Schlumpf gestern sehr eindrücklich vor Augen geführt hat. Was wir von unserer Regierung benötigen, sind neue Unterlagen über Sparen, Forschen, Ersetzen, mit Zeit- plan, Kostenberechnungen, Berechnungen über die Auswir- kungen auf unsere Wirtschaft, dies für einen raschen, einen mittelfristigen und einen langfristigen Ausstieg aus der Kernenergie. Die Kosten einer Reaktorkatastrophe sind unermesslich. Wie hoch sind denn im Vergleich dazu die Kosten eines Ausstiegs? Darüber benötigen wir präzise Daten und Fakten. Das wird uns die Entscheidung ermögli- chen. Einen Ausstieg aus der Kernenergie müssen wir reali- stischerweise ins Auge fassen. Wir können nach Tscherno- byl nicht zur Tagesordnung übergehen. Wir können uns nicht auf die Trägheit der Herzen verlassen. Die Bevölkerung ist wachgerüttelt. Wir wollen doch nicht als Politiker den Vorwurf einstecken, dass wir weiterschlafen. Wieso überlas- sen wir es Schweden allein, ein Modell für den Ausstieg zu entwickeln? Schweizer sind in vielen Bereichen Pioniere. Im Bereich der Kernenergie geht es - hart ausgedrückt - um Tod oder Ueberleben. Unsere humanitäre Tradition verlangt von uns, dass wir in diesem Bereich mutige Schritte tun. Reden ist wichtig, das haben wir gestern getan und tun es heute zur Genüge. Was aber wirklich not tut, das ist Han- deln.
Bonny: Was nach Tschernobyl not tut, ist eine neue Lagebe- urteilung im Lichte dieses schweren Unfalls. Nicht über- stürztes Handeln, sondern nüchternes, verantwortungsbe- wusstes, realistisches Abwägen aller Fakten wird uns in der Energiepolitik weiterbringen. Dazu gehört auch das Einbe- ziehen der Erfahrungen aus Tschernobyl, von dem wir - wie Herr Bundespräsident Egli zu Recht gesagt hat - noch zuwenig wissen.
Was können wir aber jetzt schon machen? Unzweifelhaft muss die internationale Zusammenarbeit zur Vereinheitli- chung der Sicherheitsnormen vorangetrieben werden. Die Kunst wird aber sein, international einen effizienten Weg zu finden. Meines Erachtens ist es fast aussichtslos, die UdSSR und die USA auf einen gleichen Nenner zu bringen. Primär muss eine Einigung im westeuropäischen Raum gesucht werden. Dazu braucht es nicht grosse Weltorganisationen und schöne Konferenzen, sondern eine Organisation mit einer gewissen Durchschlagskraft. Hier denke ich in erster Linie an die Europäische Gemeinschaft in Brüssel, unter deren Führung über ihren Mitgliederkreis hinaus Lösungen angestrebt werden müssen. Dabei geht es mir vor allem auch darum, dass durch diese Sicherheitsnormen die 44 Kernkraftwerke im Nachbarstaat Frankreich erfasst werden können.
Ein Zweites müssen wir auch jetzt schon intensiver als bisher an die Hand nehmen: die Förderung der Alternativ- energie. Ich bin selber beruflich auch im Bereich der Wär- mepumpen tätig. Hier geht es zwar vorwärts, aber immer noch bereiten gerade bei Erdsonden gewisse Kantone - die gleichzeitig auch die Alternativenergie predigen - Schwie- rigkeiten. Hier sollte rasch Abhilfe geschaffen werden.
Im übrigen müssen die Gegner der Kernenergie zur Kennt- nis nehmen, dass das, was sie bisher bei der Alternativener- gie geboten haben, sehr dürftig ist. Die Kernenergie ist für mich und für viele Schweizer nicht eine Religionsfrage. Entscheidend für das weitere Schicksal der Kernenergie wird sein, ob wir im Gebiet der Alternativenergie den schö- nen politischen Reden auch Taten folgen lassen können. Ein Letztes: Die Informationspolitik der Behörden wurde in dieser Debatte als Desinformation qualifiziert. Das Gebot der seriösen Information gilt aber auch für die Kernkraftgegner. Ein negatives Musterbeispiel hat gestern Herr Kollega Gün- ter geliefert. Herr Günter hat gemäss dem Amtlichen Bulletin gestern gesagt: «Wir haben am letzten Freitag an der Uni Bern ein Hearing mit bestandenen Experten des Bundes, aber auch kritischen Fachleuten durchgeführt. Dabei haben sich erstaunlicherweise sogar Uebereinstimmungen erge- ben, nämlich folgende:», und es folgen dann sechs Punkte. Ich habe mir gestattet, bei zwei dieser Experten, nämlich bei Frau Professor Fritz-Niggli, Universität Zürich, und bei Herrn PD Dr. Loosli von der Universität Bern, recherchieren zu lassen. Herr Günter, das Resultat ist niederschmetternd. Beide wurden unabhängig über diese sechs Thesen befragt, und übereinstimmend und unabhängig voneinander konn- ten sie sich mit keinem einzigen Ihrer Punkte, wo soge- nannte Uebereinstimmung bestand, einverstanden erklären. Bei der Hälfte der Punkte wurde gesagt, dass diese Fragen überhaupt nicht besprochen wurden.
Wir stehen vor schwierigen Fragen. Um diese schwierigen Fragen zu lösen, braucht es nicht Konfrontation, wie Herr Zwygart zu Recht gesagt hat, sondern eine konstruktive und demokratische Diskussion. Diese setzt aber unzweifelhaft eine gewisse intellektuelle Redlichkeit voraus wie auch ein Ernstnehmen der Argumente der anderen Seite.
Hier möchte ich auch sagen, dass Desinformation auch mit gewissen Aussagen von Bundesrat Schlumpf betrieben wurde; ich habe mich selber anhand des Textes des Radio- gesprächs davon überzeugen können. Schliesslich möchte ich hier in aller Form festhalten, dass einem seriösen Gespräch auch ein Polittheater, wie es gestern hier unter gütiger Mitwirkung von Frau Fetz aufgeführt wurde, nicht förderlich ist.
Mühlemann: Das atomare Unglück im Lenin-Kraftwerk am fernen Dnjepr hat uns in eine schwierige politische Lage gebracht. Es ist im Verlaufe dieser Debatte heftige Kritik geübt worden, auch an den Massnahmen und Gegenaktio- nen in unserem Lande. Wer in einer betroffenen Grenzland- schaft dieses atomare Unglück erlebt hat, ist durch die unterschiedliche Informationspolitik und die verschiedenar- tigen Massnahmen, die im westeuropäischen Raume getrof- fen wurden, irritiert worden. Die Universität Konstanz hat in mustergültiger Weise jeden Abend die Bevölkerung objektiv orientiert. Die politischen Instanzen waren zur Stelle, und die Medien haben lagegerecht die Nachrichten weiterge- geben.
Ich darf sagen, dass dieses Musterbeispiel auf schweizeri- scher Seite leider keine Nachahmung fand. Der Nachrich- tenfluss aus Bern war zu dünn und manchmal zu wenig glaubwürdig. Umgekehrt muss man feststellen, dass mit deutscher Gründlichkeit Massnahmen getroffen wurden, die unverständlich sind. Man wird sich noch über Generationen hinaus daran erinnern, dass die Gemüsebauern auf der Reichenau ihre Ernte umpflügen mussten, während in einer Distanz von 2 km, im Gemüseparadies südlich von Kon- stanz, keinerlei Einschränkungen vorgenommen wurden. Es ist höchste Zeit, im internationalen Bereich zu koordinieren und Informationswirrwarr und unverständliche Massnah- menpakete zu verhindern.
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Diese Kritik mag angebracht sein, aber stärker sollten wir unsere Kritik an die Sowjetunion richten.
Wenn heute noch eine Nation mit minimalistischen Sicher- heitsvorkehrungen Kraftwerke betreibt und bei einem mon- dialen Unglück dies in leichtfertiger Weise zu kaschieren versucht, gehört diese Nation stärker an den Pranger gestellt, als das in diesem Saale getan worden ist.
Nun können wir nicht nur bei der Kritik stehenbleiben, sondern haben uns den grundsätzlichen Fragen zuzuwen- den. Soll tatsächlich mittel- oder langfristig aus der Kern- energie ausgestiegen werden ? Können die fossilen Energie- träger trotz ihrer ökologisch schädlichen Wirkung Ersatz sein ? Sind Sonnen- und Wasserkraft genügend ausgenützt? Ist unser zivilisatorisch verwöhntes Volk bereit, durch rigo- rose Sparmassnahmen das Wohlstandsniveau zu senken? Wir könnten diese grundsätzlichen Fragen beliebig verlän- gern. Zu ihrer Beantwortung brauchen wir meines Erach- tens keine Denkpause. Wir haben alles schon hundertmal durchexerziert, und wir kennen die Grenzen und Möglich- keiten unserer Energiepolitik. Was wir leider brauchen, ist ein Marschhalt. In Krisen soll man weiterdenken; aber wir müssen die Säcke ablegen und warten, bis tatsächlich genaue und gesicherte Ergebnisse vom Unglück in Tscher- nobyl vorliegen. Wir müssen wissen, ob sich der Reaktor in der Erdkruste noch durchfressen kann. Wir müssen wissen, ob der schwache Bor- und Bleimantel tatsächlich hilft. Wir müssen wissen, ob aus dem Kraftwerk-4 nicht doch der Funke ins Kraftwerk-3 überspringen kann. Das sind aktuelle Fragen, die ein menschenverachtendes System bis jetzt leider nicht beantwortet hat. Wir müssen auch wissen, was die Ursachen dieses Unglücks waren und welche techni- schen Möglichkeiten bestehen, diese Sicherheitsvorkehren zu verstärken.
Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, wird das Volk wieder irgendwelchen Wissenschaftern, Politikern und anderen Trägern der öffentlichen Meinung Glauben schen- ken. Diese Zeit müssen wir nützen, um unsere Informations- mittel zu verbessern; wir müssen die Chance benützen, um sachlich und offen zu informieren; wir müssen auch heikle Fragen stellen. Herr Kollege Martignoni hat darauf hingewie- sen, dass wir heute Atomstrom aus Frankreich in der Grös- senordnung von zwei Atomkraftwerken beziehen. Weiss das Volk, dass wir damit in einem weiteren Bereich auslandab- hängig geworden sind, und stimmt das Volk dieser weitge- henden aussenpolitischen Entscheidung zu? Das sind alles Fragen, die wir in dieser Marschhaltpause beantworten kön- nen. Der Bundesrat hat Ansätze dazu gezeigt; er verdient keine masslose Kritik, wie sie gestern geübt worden ist. Ein Parlament ist kein Panikorchester. Wir sind keine Apoka- lyptiker. Seit Max Frischs «Chinesischer Mauer>> von 1946 wissen wir, dass die atomare Sintflut herstellbar ist. Wir sind aber auch keine Sandmänner, die dem Volk Sand in die Augen zu streuen haben und Vogel-Strauss-Politik betrei- ben müssen. Wir sind realistische Politiker, die nicht nur Fragen zu stellen haben, sondern wir müssen Antworten geben. Die Stunde wird kommen, wo man von uns realisti- sche, glaubwürdige Antworten verlangt und nicht utopische Fragen, die im Raume stehen bleiben.
M. Berger: L'accident de Tchernobyl est grave, nous ne le contestons pas: plusieurs dizaines de morts et de nombreux blessés. Un accident grave, certes, mais tout de même limité dans ses conséquences néfastes comparé à d'autres catas- trophes d'origine technologique que notre planète a déjà vécues. Ce qui a déclenché les plus violentes réactions, c'est certainement l'étendue des territoires touchés par les retom- bées radioactives et surtout le fait que notre pays n'ait pas été épargné.
Le Conseil fédéral a informé l'opinion, il a cherché à rassu- rer chacun tout en prenant des mesures de précaution élémentaires à l'égard des personnes les plus vulnérables - les femmes enceintes et les enfants en bas âge - mais il faut croire que le message n'a pas passé. Aujourd'hui, nombreux sont ceux qui s'interrogent et qui souvent s'engagent tous azimuts quant à l'orientation à prendre dans le domaine de
l'énergie nucléaire. Pour certains, il s'agit de renoncer à construire de nouvelles centrales, de prévoir même l'arrêt des installations existantes. D'autres reconnaissent que jus- qu'à ce jour l'énergie nucléaire a beaucoup apporté à notre société, mais souhaitent de meilleures garanties à l'égard des exigences de sécurité de chaque centrale et demandent que chacun soit préparé à faire face à un éventuel accident toujours possible.
Cet accident me rappelle, dans ses conséquences, celui que j'ai intensément vécu en tant que tout proche voisin de la centrale expérimentale de Lucens. Suite à l'accident de Lucens, tout a été dit en son temps, et j'ai l'impression de revivre aujourd'hui toutes les déclarations passionnées de l'époque. Ces interventions proches de la polémique, pour la majorité d'entre elles, se sont révélées par la suite basées sur de fausses données. C'est à ce moment-là que je me suis rendu compte qu'il était plus facile de traumatiser l'opinion publique que de l'informer objectivement. C'est pourquoi nous regrettons amèrement que l'information objective ait tellement de peine à se faire entendre en de telles circons- tances. A l'époque déjà, l'opposition était telle, les réactions négatives si vives, que même lors d'assemblées publiques, les personnes informées qui étaient à même d'apporter quelques renseignements rassurants ont été accueillies dans le tapage et les sifflements. Vingt ans nous séparent de l'accident de Lucens. Le temps nous permet aujourd'hui, contrairement aux très nombreuses déclarations de l'épo- que, d'affirmer que l'accident de cette centrale expérimen- tale n'a laissé aucune trace sur l'environnement, sur le plus proche voisinage, tant au niveau des eaux ou des plantes que des êtres vivants.
J'ai entendu tellement de déclarations inexactes, j'ai même subi à l'époque, avec d'autres, la pression de quelques correspondants peu scrupuleux souhaitant que nous nous engagions à déclarer tel dégât irrémédiable pour nos ani- maux domestiques et nos cultures, qu'aujourd'hui je for- mule un seul voeu: que nous analysions sans passion, une fois l'orage passé, toute les mesures à prendre pour éviter de nouveaux accidents, sans nous perdre en vaines polémi- ques.
Le recours à l'énergie nucléaire exige des mesures de sécu- rité toutes particulières, c'est-à-dire à la taille de sa puis- sance. Engageons-nous dans cette voie très activement, tant au niveau de la concertation internationale qu'à celui de la sécurité propre à chaque centrale et surtout cherchons à promouvoir une information aussi large et objective que possible, afin de sécuriser l'opinion publique. N'oublions pas que, en comparaison avec d'autres technologies modernes, l'utilisation de l'énergie nucléaire comporte plus d'aspects positifs que négatifs et que les générations futures en auront encore besoin. Nous partageons donc l'optique du Conseil fédéral, dont il nous a fait part hier, et nous emprunterons la voie qu'il entend suivre dans ce domaine afin que l'utilisation de l'énergie nucléaire soit mise au profit de la population tout entière.
Loretan: Gestern sind in diesem Saal praktisch keine Rufe nach einem Weiterausbau der Wasserkräfte laut geworden. Herr Bundesrat Schlumpf hat vielmehr festgehalten, dass die Wasserkräfte in der Schweiz bereits zu rund 90 Prozent für die Gewinnung elektrischer Energie genutzt werden. Wohl lässt sich da und dort durch Modernisierung und Ausbau bestehender Werke und durch - als Ausnahme zu betrachtende - Neuanlagen von Wasserkraftwerken noch etwas zusätzliche Energie gewinnen. Es wird indessen teure Energie sein, und sie wird überwiegend im Sommer an- fallen.
Es geistern nach wie vor einige Dutzend Projekte für den Neubau und für die Erweiterung von Wasserkraftwerken in den Schubladen herum, in die sie vor gut zehn Jahren - laut den damaligen energiepolitischen Zielsetzungen des VSE (Verband Schweizerischer Elektrizitätswerke) - versorgt worden sind. Damals, 1975, wurde der Weiterausbau der Wasserkraft vom VSE aus Gründen der Wirtschaftlichkeit und des Landschaftsschutzes als nicht tunlich und möglich
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bezeichnet. Viele dieser in die energiepolitischen Schubla- den versenkten Projekte und Studien sind in den letzten Jahren angesichts des sich versteifenden Widerstandes gegen die Kernenergie wieder auferstanden oder haben dies wenigstens versucht.
Was brächten diese Projekte und Studien, wenn sie realisiert würden?
Selbst ein forcierter Ausbau des überhaupt noch zur Verfü- gung stehenden Wasserkraftpotentials würde nur etwa 10 Prozent der gegenwärtigen Stromerzeugung und keine 1 1/2 Prozent des Gesamtenergieverbrauches unseres Lan- des zusätzlich liefern. Am Schluss hätte man so auch noch die letzten nutzbaren Flusslandschaften verbaut und das hinterste der noch wenigen natürlichen Bergtäler seiner Wasser beraubt oder Landschaften wie Greina, Gletsch und andere unter Wasser gesetzt, ohne an der Gesamtenergiesi- tuation viel geändert und ohne einen wesentlichen Beitrag an die Lösung eines der grössten Umweltprobleme, die Substituierung von Erdöl, geleistet zu haben. Man hätte also für ein energetisches Linsengericht unwiederbringliche Werte geopfert, Werte im übrigen, mit denen für die Schweiz als Ferien- und Touristenland mindestens noch auf den Postkarten und Prospekten geworben wird und die deswe- gen auch von wirtschaftlicher Bedeutung sind, gerade für unsere Bergregionen.
Auch Herr Bundesrat Schlumpf hat gestern hier eingeräumt, dass wohl nur ein Teil der diskutierten Projekte erstellt werden könne. Ich habe mich über diese Feststellung, Herr Bundesrat, gefreut. Ich teile diese Ihre Meinung, möchte aber diesen Teil doch als sehr klein bezeichnet wissen. Um das etwas plastisch zu formulieren: Tschernobyl und das nun faktisch eingetretene Moratorium für Kernkraftwerke in unserem Land dürfen nicht dazu führen, dass nun der Run auf den Weiterausbau unserer Wasserkräfte erst recht los- geht und dass einzigartige und seltene Landschaften auf dem Altar einer falschen Energiepolitik geopfert werden. Dagegen würden wir uns mit aller Entschiedenheit - und mit «wir» meine ich unter anderem die Stiftung für Landschafts- schutz - zur Wehr setzen. Denn die natürlichen kulturellen und geistigen Werte dieser Landschaften sind nicht ersetz- bar, ihr Verlust wäre endgültig. Der Weg muss also anderswo durchführen. In welcher Richtung hat nebst ande- ren gestern hier auch Kollege Villiger für die FdP-Fraktion aufzuzeigen versucht. Sparen, vermehrtes Sparen, wissen- schaftlich erarbeitetes Sparen steht im Vordergrund, ferner die Forschung nach Alternativenergien sowie die Verbesse- rung der Sicherheit und Umweltverträglichkeit der her- kömmlichen Energien. Darauf hat für den Aargau, für mei- nen Kanton, Kollege Rüttimann soeben hingewiesen.
Ich bitte Herrn Bundesrat Schlumpf, vor allem nach dem heutigen Votum von Kollege Giger, ausdrücklich dazu Stel- lung zu nehmen, ob der Bundesrat bereit ist, den in jüngster Zeit eingeschlagenen Kurs in Sachen Wasserkraftnutzung auch nach Tschernobyl einzuhalten, also:
festzuhalten an der Absicht, mit einem Bundesbeschluss - er ist zur Zeit in der Vernehmlassung - angemessene Restwassermengen in allen künftigen Konzessionen ab sofort sicherzustellen, also die künftige Restwassergesetz- gebung im neuen Gewässerschutzgesetz überall vorzube- halten,
bei den Kantonen auf eine zurückhaltende Konzessionie- rungspraxis für neue Wasserkraftwerke hinzuwirken und notfalls bei Landschaften von nationaler Bedeutung - ich habe Beispiele genannt - die Mittel des Raumplanungsge- setzes und des Natur- und Heimatschutzgesetzes einzu- setzen.
Steinegger: Gestern haben gewisse Redner mehr oder weniger deutlich behauptet, dass man in der Schweiz nach der Katastrophe von Tschernobyl auf erforderliche Mass- nahmen verzichtet habe, weil man auf wirtschaftliche Inter- essen Rücksicht genommen habe. Es wurde von Beschwichtigungslügen, von monströsen Falschspielern usw. geredet. Es handelt sich hier um ein Problem, das uns beschäftigen muss, und zwar unabhängig davon, ob wir
beschliessen, aus der Kernenergie auszusteigen. Der Strah- lenschutz muss wegen den möglichen Auswirkungen vom Ausland her funktionieren, auch wenn wir alle unsere Kern- kraftwerke abstellen würden.
Der Bundesrat hat gestern die Vorwürfe an unsere Strahlen- schutzorganisation zurückgewiesen. Auch die FdP-Fraktion ist der Meinung, dass rechte Arbeit geleistet worden ist und dass der monströse Vorwurf, wonach man aus Rücksicht auf die Wirtschaft und die Atomlobby auf erforderliche Massnahmen verzichtet habe, verantwortungslose Panikma- che ist. Das Strahlenschutzkonzept hat sich als tauglich erwiesen. Gewisse Probleme sind beim Informationsfluss zwischen Experten und Laien entstanden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Kommission für AC-Schutz bisher keinen Informationsauftrag hat. Die Informationspflicht liegt beim Departement und beim Bundesrat. Man mag an dieser Information Kritik üben. Festzuhalten ist aber auch nach Durchsicht der Informationsbulletins, dass von diesen Infor- mationen in einem Teil der Medien kaum oder völlig unzu- reichend Gebrauch gemacht worden ist. Man wollte eben auch in bezug auf die Auswirkungen in der Schweiz Horror- und Katastrophenmeldungen und weniger Sachinformation. Bewährt hat sich auch das Dosismassnahmenkonzept. Dass mit diesem Konzept der Hunger nach «bad news» schlech- ter gestillt werden konnte als mit überrissenen Grenzwerten des Auslandes, muss uns nicht irre machen.
Dieses Konzept ist seit 1983 publiziert, es ist nach diesem Konzept gehandelt worden, es kann deshalb von einer situa- tiven Anpassung an die Bedürfnisse der Wirtschaft und der Atomlobby keine Rede sein. Wenn heute teilweise ein Gegensatz zwischen der schweizerischen Gesamtdosisme- thode und ausländischen Strahlungsgrenzwerten konstru- iert wird, so ist dies irreführend. Auch die ausländischen Grenzwerte müssen aufgrund von Gesamtdosismethoden festgelegt werden. Für die Schweiz bestand zudem eine Besonderheit, indem wir durch die Ausläufer der radioakti- ven Wolke betroffen waren. Während in Bayern verbindliche Massnahmen notwendig waren und Frankreich praktisch nicht betroffen war, befanden wir uns in einer Uebergangs- zone bezüglich Massnahmen, also im oberen Bereich der Empfehlungen, aber noch nicht im Bereich von verbindli- chen Massnahmen. In diesem Zusammenhang darf auch daran erinnert werden, dass der Frühwarnposten Weissfluh- joch erhöhte Werte festgestellt hat, bevor wir entsprechende Meldungen aus Oesterreich oder Deutschland hatten. Im Vergleich zum Ausland hat die schweizerische Messorgani- sation einen höheren Standard. Wir sind überdies zu sehr präzisen Messungen in der Lage, weshalb auch differen- zierte Massnahmen getroffen werden können. Schliesslich ist der Vorbereitungsstand für die Auswertung der Messda- ten höher. Wir besitzen entsprechende EDV-Programme, welche die rasche Auswertung des komplizierten Datenma- terials erlauben, so dass die Auswirkungen auf die Gesamt- dosis laufend beurteilt werden können. Im Gegensatz zur Bundesrepublik Deutschland, wo man ausschliesslich das relativ kurzlebige Jod verfolgt hat, wurde in der Schweiz von Anfang an auch das langlebige Cäsium einbezogen. Wenn man sich die entsprechenden Auswertungen einmal ange- schaut, ist dies sofort ersichtlich. Es ist deshalb sonderbar, wenn man unserer Methode mangelnde Berücksichtigung der Langzeitwirkung vorwirft, obwohl sie im Gegensatz zu andern · Ländern alle Nukleide des Unfallgemisches von Anfang an berücksichtigt hat.
Man kann sich natürlich fragen, ob es richtig ist, im Rahmen des Dosismassnahmenkonzeptes Vorschriften erst vorzuse- hen, wenn eine Belastung von über 500 Millirem erwartet wird. Zunächst ist es aber richtig, dass bei der Evaluation von Massnahmen bei Strahlungsunfällen nicht völlig andere Massstäbe verwendet werden als gegenüber andern techno- logischen Risiken. Wer heute kritisiert, dass wir die Milch nicht ausgeschüttet und das Gemüse nicht vernichtet haben, müsste konsequenterweise das Rauchen, das Auto- fahren, die Holznutzung - jedes Jahr haben wir tödliche Holzerunfälle -, den Flug von Paris nach Los Angeles, wo ich auf dem Hin- und Rückflug zehn Millirem erhalte, und
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das Wohnen in Disentis auf einem Granitboden, Herr Colum- berg, verbieten. Letzteres bringt nämlich etwa 900 Millirem im Jahr. Gerade bei einem Strahlenunfall darf das Verhält- nismässigkeitsprinzip nicht unbeachtet bleiben. Es ist des- halb völlig böswillig, wenn im Zusammenhang mit unsern 500 Millirem von Rücksicht auf die Milchwirtschaft geredet wird, dem dann Krebstote gegenübergestellt werden. Eine besondere Absurdität stellt der Versuch dar, das Dosismass- nahmenkonzept, das wie erwähnt 1983 publiziert worden ist, mit Hilfe der Strahlenschutzverordnung zu bekämpfen. Die Strahlenschutzverordnung regelt nämlich den Umgang mit radioaktiven Stoffen in der Schweiz und nicht die Schutzvor- kehrungen gegen Auswirkungen eines Strahlenunfalles in der Sowjetunion. Hier ist nach dem neusten Stand von Wissenschaft und Technik vorzugehen, wie es Artikel 10 des Atomgesetzes verlangt. Was hätte Herr Günter wohl gesagt, wenn sich die Kommission für AC-Schutz beispielsweise bei einem Plutoniumunfall an die Strahlenschutzverordnung gehalten hätte, obwohl gemäss neuesten ICPR-Regeln unsere Werte 125 mal zu hoch sind?
Die FdP-Fraktion ist durchaus der Meinung, dass unser Strahlenschutzkonzept einer Beurteilung aufgrund der neuesten Erfahrungen zu unterziehen ist. Wir wenden uns aber dagegen, wenn unsere Schutzvorkehrungen ohne sachliche Begründung kritisiert werden, einzig um Panik zu verbreiten.
Frau Uchtenhagen: Ich möchte zuerst all jenen Kolleginnen und Kollegen danken, die hier an diesem Rednerpult ihrer Betroffenheit Ausdruck gegeben haben. Einige haben zuge- geben, dass sie ihre Urteile revidiert haben, andere haben zumindest angetönt, dass sie sich die Sache überlegen wollen.
Betroffen - ja traurig - haben mich aber andere Voten gemacht, aus denen sehr wenig hervorgeht, dass Tscherno- byl irgendeine Auswirkung hat. Geradezu grotesk einfach machen es sich jene Kollegen wie etwa Herr Humbel oder Herr Spälti, für die Tschernobyl einfach ein Beweis der Minderwertigkeit des sowjetisch-kommunistischen Wirt- schaftsregimes ist. So einfach kann man es sich nicht machen. Ich bin weiss Gott keine Anhängerin der Planwirt- schaft oder irgendeiner Diktatur, sei sie rechts oder links, aber Harrisburg oder Lucens sagen nichts über unser Wirt- schafts- und Staatssystem aus, weder die Tatsache, dass es die Unfälle gab, noch die Tatsache, dass wir sie in Grenzen halten konnten. Seien wir hier doch etwas bescheidener. Auch betroffen haben mich die Argumentationen der mei- sten Freisinnigen gemacht, wie zum Beispiel diejenige des Fraktionssprechers Herrn Villiger. Da wird nach einer Denk- pause gerufen, aber ich weiss nicht, für was Sie eine Denk- pause brauchen, denn das Resultat kennt man, es wird bereits vorweg genommen: Der Ausstieg ist nicht machbar. Man muss nur aus politischen Gründen für einen kleinen Marschhalt plädieren; man kann ja nach Tschernobyl nicht gut einfach weitergehen; aber eigentlich weiss man, dass es keine Alternative zur Kernenergie gibt.
Aber das stimmt nicht: Es gibt Alternativen. Wir haben noch nie mit Sparen begonnen. Unser Forschen in Alternativener- gien und ihren Anwendungen ist rudimentär. Wir machen keine echten Versuche. Wir haben ein Szenarium, dass man mit Wärmekraftkoppelung 24 000 Megawatt Energie erzeu- gen könnte. Das ist mehr als sämtliche Kernkraftwerke heute produzieren. Es ist nichts davon da. Wieso nicht?
Solange jede Art der Energie reichlich und billig zur Verfü- gung steht, gibt es keine Möglichkeit, weder für die Forscher noch für die Wirtschaft, Neues zu entwickeln. Necessity is the mother of invention, sagen die Briten. Die Notwendigkeit ist die Mutter der Erfindung. Wenn wir wollen, dass etwas Neues passiert, dann müssen wir die Sache knapp machen. Solange Atomstrom billig zu haben ist, kann doch kein Mensch in unserm Wirtschaftssystem Alternativen entwik- keln. Aber alle unsere Forderungen nach Lenkungssteuern, ja sogar die ganz kleine Heizölsteuer, die auch wieder eine Energie etwas verteuert hätte, werden unter den Tisch
gewischt. Man will davon nichts wissen. Ich bin überzeugt, dass der Ausstieg eben mit dem langsamen Abstellen der Kernkraftwerke vor sich gehen muss. Damit wird Druck auf Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung ausgeübt, Neues zu entwickeln.
Es wird uns immer wieder gesagt, wir sähen die Realitäten nicht, wir sollten keinen Utopien nachhangen, sondern die Realitäten sehen.
Wissen Sie, die Realitäten sind die Folgen der Entscheide, aber auch der Fehlentscheide der Vergangenheit, nichts anderes. Und wenn es Fehlentscheide sind, müssen wir sie revidieren, und dann ist es nicht ein unsinniges, utopisches Denken, sondern es ist echter Realismus, der eben alles einbezieht, zum Beispiel auch die Menschenwürdigkeit des Lebens und auch die Innovationsfähigkeit der Wirtschaft. Wieso sind es eigentlich immer die Wirtschaftsvertreter in diesem Haus, die keinen Glauben an die Wirtschaft haben, die nicht an die Innovationsfähigkeit glauben, an die Verän- derbarkeit, an das Neue? Genau Sie haben offensichtlich diesen Glauben nicht. Ich habe einen sehr viel stärkeren Glauben, dass, wenn Anreize da sind, die Wirtschaft sehr, sehr innovativ wird. Geben wir der Wirtschaft und uns allen eine Chance und machen wir endlich Schluss mit dieser Atomenergie, indem wir langsam, aber sicher aussteigen. (Beifall im Saal und auf der Tribüne)
M. Gautier: Depuis hier, ce débat porte sur un grand nom- bre de sujets, soit de technique, soit de politique de l'énergie et nous y avons entendu des déclarations aussi péremp- toires que contradictoires. Vous me pardonnerez n'étant pas un expert en la matière, contrairement à un certain nombre de nos collègues, de redescendre à un problème simple- ment pratique puisqu'il s'agit de la santé publique et notam- ment de la santé des enfants, sujet qui me préoccupe depuis un certain nombre d'années comme pédiatre.
Je voudrais, Monsieur le président de la Confédération, vous poser quelques questions sur le rôle de l'Office fédéral de la santé publique dans cette affaire. Cela en mon nom, bien sûr, mais aussi au nom de nombreux confrères pédiatres et ce qui est encore plus important, au nom de beaucoup de mères de famille.
Quelques jours après Tchernobyl, la Commission de protec- tion AC a émis la recommandation de ne plus donner de lait frais aux femmes enceintes et aux enfants de moins de deux ans. Dans les jours qui ont suivi, les pharmacies, en tout cas à Genève, se sont trouvées assez rapidement en rupture de stock de lait en poudre. Les médias ont successivement appuyé puis relativisé l'importance de cette recommanda- tion, ce que l'on ne saurait leur reprocher, les journalistes n'ayant fait que suivre les imprécisions des déclarations officielles et refléter l'inquiétude du public.
Tout cela a amené une insécurité grandissante, voire une angoisse des mères de famille et d'innombrables appels aux pédiatres, qu'ils soient privés ou qu'ils travaillent dans une institution publique. Par exemple, le central téléphonique de la Clinique universitaire de pédiatrie de Genève est resté bloqué pendant plusieurs heures. Or, ni les pédiatres ni les chefs de service hospitalier n'avaient pu obtenir de rensei- gnements ou de directives plus clairs et plus complets que le grand public et se trouvaient démunis face à l'angoisse des mères de famille.
Ce n'est que le 15 mai, soit presque trois semaines après la catastrophe de Tchernobyl, que l'Office fédéral de la santé publique a publié un communiqué dans son bulletin hebdo- madaire dont j'extrais deux phrases: «Les recommanda- tions émises par les différents services fédéraux sont suffi- santes. Même en cas d'inobservation de ces recommanda- tions, les petits enfants ne recevraient que des doses d'irra- diation inoffensives pour la santé». Ce que l'on peut traduire en plus bref par: «Les recommandations étaient donc inu- tiles».
Cela qui m'amène à vous poser les deux questions suivantes qui vont dans le même sens que celles que la Société suisse de pédiatrie a adressées à l'Office fédéral de la santé publi- que. Premièrement, pourquoi l'Office fédéral de la santé
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publique a-t-il attendu trois semaines pour manifester publi- quement sa position vis-à-vis des conséquences de l'acci- dent de Tchernobyl sur la santé publique? Deuxièmement, l'Office de la santé publique ne devrait-il pas, à l'avenir, dans des circonstances semblables si elles devaient se repro- duire, réagir rapidement et publier directement des recom- mandations et des directives, au moins pour le corps médi- cal, de jour en jour ou au moins plusieurs fois par semaine pendant la période de crise, et cela sans passer par le canal de la Commission de protection AC?
J'ai l'impression que l'opinion publique serait plus rassurée par l'avis de spécialistes de la santé que par celui d'experts en radiations, si savants soient-ils. Peut-être qu'ainsi l'on éviterait bien des angoisses, même si pour cela il fallait revoir un certain nombre d'ordonnances. Je vous remercie d'avance, Monsieur le président de la Confédération, de votre réponse.
Wyss: Ich spreche in erster Linie zur dringlichen Interpella- tion betreffend eines Elektrizitätswirtschaftsgesetzes, wel- che von Frau Mauch im Namen der sozialdemokratischen Fraktion vertreten worden ist. Unsere Fraktion glaubt nicht, dass ein Elektrizitätswirtschaftsgesetz ein geeignetes Mittel ist, um die vor uns liegenden Probleme zu lösen. Elektrizi- tätssparmassnahmen könnten allenfalls im Rahmen von Energiesparmassnahmen geprüft werden, und zwar als Folge einer gesamtheitlichen Betrachtung sämtlicher Energieträger. Dies wäre aber nicht Sache eines Gesetzes, sondern müsste im Zusammenhang mit einem entsprechen- den Artikel in der Bundesverfassung geschehen. Bekannt- lich hat unsere Partei 1983 den Energieverfassungsartikel befürwortet. Die Wirtschaft war eher dagegen, und die Stände - nicht das Volk, ich muss daran erinnern - haben diesen Verfassungsartikel abgelehnt. Viele wären heute froh, wir hätten diesen Verfassungsartikel. Ob ein neuer Verfassungsartikel über Energie geschaffen werden soll, muss genau überlegt werden, haben doch schon viele Kan- tone Energiesparmassnahmen getroffen oder gar Gesetze eingeführt. Persönlich befürworte ich einen neuen Anlauf zu einem Verfassungsartikel, wie ihn Bundesrat Schlumpf in Aussicht gestellt hat. Wenn es darum gehen sollte, ein Abstellen der KKW durch Sparmassnahmen zu kompensie- ren, käme ja nur Notrecht in Frage, zum Beispiel Rationie- rungen. Anders ist es nicht möglich, kurzfristig 40 Prozent des Stromes - so viel stammte in der Schweiz etwa aus KKW - einzusparen. Betroffen von solchen Massnahmen wäre in erster Linie die Wirtschaft, welche zirka zwei Drittel des Stromes verbraucht und deren Sparmassnahmen nachweis- bar mehr Einsparungen erzielt haben als die privaten Haus- halte. Die Konsequenzen für jeden einzelnen sind leicht einsehbar. Wichtig scheint mir zu betonen, dass vom gesamten Energieverbrauch rund 80 Prozent aus Oel, Kohle und Gas stammen und nur 20 Prozent elektrische Energie ist. Für nur 20 Prozent des gesamten Energieverbrauchs ein Elektrizitätswirtschaftsgesetz zu fordern, scheint unserer Fraktion falsch zu sein.
Der Unfall von Tschernobyl ist auch mir aus nationaler, vor allem aber aus eher internationaler Sicht Anlass zur Besorg- nis und vor allem zum Nachdenken. Mit anderen Worten: Eine Pause zum Nachdenken - Frau Uchtenhagen hat das hier philosophisch etwas abgehandelt - betrachte ich als notwendig, nicht als Denkpause, aber zum Nachdenken über die Energiepolitik unseres Landes, zum Ueberprüfen der offenen Fragen und Verfertigen einer eingehenden Ana- lyse. Es ist mir klar, dass eine solche Nachdenkpause im Sinn eines schöpferischen Marschhaltes nicht zu lange gehen kann. Aber man muss doch einzelne Schritte überle- gen, insbesondere, wenn wir weitere Schritte, eventuell auch Richtungsänderungen in der bisherigen Energiepolitik einschlagen wollen. Und da nur eben aus der Hüfte heraus zu schiessen und im Sattel zu entscheiden, Frau Uchtenha- gen, geht nicht.
Es braucht nun eine Versachlichung der Energiediskussion, vor allen Dingen auch eine rasche Sammlung aller Kräfte, welche in die Zukunft schauen. Deshalb habe ich eine
Motion mit über 100 Unterschriften eingereicht, welche den Bundesrat beauftragt, die schöpferischen Kräfte unserer Gross-, Mittel- und Kleinbetriebe zu sammeln und die Initia- tive zu ergreifen, um unter Berücksichtigung der privatwirt- schaftlichen Anstrengungen sowie einer veränderten Schwerpunktsbildung im bisherigen Finanzrahmen der For- schungspolitik eine europäische Energiekonferenz nach dem Muster der EUREKA einzuberufen. Damit könnten koordinierte Massnahmen zur Verbesserung der Sicherheit von Energieerzeugungs-Anlagen erarbeitet werden sowie aussichtsreiche Forschungsprojekte für die Energieerzeu- gung und die Energieeinsparung bis zur kommerziellen Reife beschleunigt werden. Ich glaube hier an die Kraft unserer Industrie, ich glaube an die Kraft der Klein- und Mittelunternehmungen, und vielleicht hätte ich auch von Frau Uchtenhagen eine weitere Unterschrift erhalten, um diese über 100 Unterschriften noch zu untermauern, denn das ist tatsächlich eine Kraft unseres Landes, die wir ausnüt- zen müssen.
Damit komme ich eigentlich auf den Anfang meiner Ausfüh- rungen zurück. Es geht nicht nur allein um Elektrizität, sondern um unsere gesamte Energiekonzeption. Mit meiner Motion sollen schöpferische Kräfte gesammelt und auf inter- nationaler Ebene unter Schweizer Leitung Initiativen ergrif- fen werden. Ferner ist grundsätzlich zu prüfen, ob ein Energieverfassungsartikel, Energiesteuern im Sinne von Lenkungssteuern, die vom Lebenskostenindex ausgenom- men werden, und andere Massnahmen notwendig sind. Um eine solche Marschrichtung festzulegen, braucht es eine Nachdenkpause, bevor weitere Entscheide getroffen wer- den. Wir wollen keine Sattelentscheide.
M. Salvioni: Non seulement une grande partie de la popula- tion et des députés, mais aussi des hommes de science, des physiciens ont été ébranlés par l'accident de Tchernobyl. Pensant que ces débats doivent être l'occasion d'offrir au gouvernement des informations supplémentaires, et ne doi- vent pas être seulement des «débats-alibi» en vue de donner à la population uniquement l'impression que l'on agit, je me permettrai ici de résumer quelques réflexions que le Prix Nobel de physique, le Professeur Carlo Rubbia, a adressées au président du Conseil de la République italienne, M. Craxi, le 22 mai 1986, après l'accident de Tchernobyl.
M. Rubbia relève qu'à la fin de 1985 370 réacteurs sont en activité dans le monde entier, pour un total de 4000 années de fonctionnement. Bientôt et jusqu'à la fin du siècle, ils seront au nombre de 550, avec un total de 10 000 années de fonctionnement. Les risques de l'énergie nucléaire sont aujourd'hui politiquement et socialement acceptables, seu- lement dans le cas où ils sont réduits à zéro, ce qui est impossible étant donné l'état actuel de la recherche scienti- fique. En effet, nonobstant les efforts exemplaires des tech- niciens, il y aura certainement, affirme le Professeur Rubbia, dans les années à venir, de nouveaux incidents et de nou- velles frayeurs. Le verdict populaire sera alors sans appel. C'est la raison pour laquelle il faut s'apprêter à sortir de l'engrenage nucléaire. Deux intérêts se présentent pratique- ment à nous: d'une part, le bien-être économique de la population, d'autre part, sa santé. Pour moi, le choix ne fait aucun doute. Cependant, si l'on veut se libérer de cet engrenage, ce n'est pas pour tout de suite, car il est évident que notre dépendance actuelle du nucléaire nous empêche de le faire. On peut toutefois se fixer un délai, jusqu'à 2010, par exemple. Dans ce cas, il faudrait se décider aujourd'hui déjà et préparer un programme d'action bien précis, axé sur cette décision - comme l'a fait la Suède.
En outre, il y aurait lieu de préparer encore des solutions alternatives, c'est-à-dire - et là je reprends les propos de M. Rubbia- sortir du processus nucléaire de l'uranium et du plutonium qui sont extrêmement dangereux. En effet, le plutonium sera la conséquence logique de l'uranium, ce dernier ne suffisant pas. Or, le plutonium est extrêmement dangereux. Il suffit de vous rappeler qu'un millième de gramme d'uranium aspiré est une cause certaine de mort dans les semaines qui suivent. Je n'ose pas penser à ce qui
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pourrait arriver si un accident se produisait à Creys-Malville où 2000 tonnes de sodium à 600 degrés et 5000 tonnes de plutonium sont entreposées, et cela pour les besoins de la technique. Dans un tel cas, la Suisse pourrait être rayée de la surface terrestre, vous pouvez en être certain, M. de Chas- tonay.
Toujours selon le Professeur Rubbia, il faut tout particulière- ment étudier la fusion nucléaire, notamment la fusion iner- tiale qui ne reçoit pas des autorités l'attention qu'elle mérite, ou encore l'exploitation de l'énergie solaire qui requiert des technologies d'appui étudiées actuellement seulement dans des laboratoires ou à d'autres fins.
L'Europe n'investit pas suffisamment dans les énergies alternatives. Cette tendance ne pourra être modifiée qu'en cas de volonté politique claire d'investir les moyens finan- ciers et les ressources humaines comme, c'était le cas pour des projets désormais fameux, tels que le projet Manhattan ou l'homme sur la lune de Kennedy, au cours des années soixante.
La Suisse devrait assumer cette tâche historique avec l'ob- jectif de libérer l'humanité de la dépendance de la technolo- gie de l'uranium. Eurêka ou IDS sont des projets qui revêtent une telle dimension, mais Eurêka manque de spécificité et l'IDS est un projet à caractère militaire. Le monde scientifi- que et industriel européen peut se charger d'une telle tâche. Ce message d'un homme de science universellement connu et apprécié sera-t-il entendu par notre gouvernement? Je l'espère, car l'étendue des conséquences de l'accident nucléaire nous rendrait pleinement coupables et sans cir- constances atténuantes aux yeux des générations futures en cas de récidive.
Hess: Mit einem Schlag ist am 26. April sehr viel Vertrauens- kapital zerstört worden, und stattdessen sind Angst und Unsicherheit vor einer kaum wahrnehmbaren neuen Art von Bedrohung aufgekommen. Wie immer in solchen Situatio- nen haben wir ungeduldig nach jeder verfügbaren Informa- tion Ausschau gehalten, um uns ein Bild über den Stand und mögliche Auswirkungen des Reaktorunglücks von Tscher- nobyl zu machen. Dem Bundesrat und seinen Experten oblag in dieser Zeit die Pflicht, nach verantwortungsbewuss- tem Ermessen die vorhandenen Werte und Erkenntnisse zu analysieren, um dann sofort die erforderlichen Massnahmen und Verhaltensregeln zu beschliessen. Aus heutiger Sicht beurteilt, verdient der Bundesrat für die Wahrnehmung sei- ner Aufgabe das Prädikat genügend bis gut, vor allem, wenn wir bedenken, wie lange Moskau mit sachdienlichen Infor- mationen zurückgehalten und stattdessen bewusst eine Desinformationskampagne gegenüber seiner eigenen, direkt betroffenen Bevölkerung, aber auch gegenüber dem Ausland geführt hat.
Heute sind wir Parlamentarier aufgerufen, unserem Volke glaubwürdige Antworten auf ungezählte bedrückende Fra- gen zu geben. Man erwartet von uns, dass wir Führungsver- antwortung übernehmen und neue Verhaltensmassstäbe für die Zukunft setzen. Ich fürchte sehr, dass wir diesem Auftrag bis jetzt nur ungenügend nachgekommen sind; denn mit pauschaler Verunglimpfung und mit Hasstiraden, wie wir sie gestern teilweise gehört haben, lässt sich kein neues Ver- trauen aufbauen. Hüten wir uns aber auch davor, Illusionen zu wecken, indem wir nun selbstgefällig verkünden, wir hätten ja immer gesagt, dass es zu einem Unglück kommen müsse, oder wir hätten ja schon vor Jahren auf alternative Energietechniken hingewiesen. Die Ursachen liegen tiefer. Vergessen wir angesichts des Tschernobyl-Traumas nicht, dass wir weiterhin epochale Aufgaben wahrzunehmen haben. Wir müssen den Ausstieg aus der nur begrenzt verfügbaren Erdöltechnologie sicherstellen, denn das Erdöl ist zu hochwertig und zu schädlich zugleich, um weiterhin unbegrenzt verbrannt zu werden. Wir müssen zur Bewälti- gung der dringlichen Vorhaben des Umweltschutzes weiter- hin einen erhöhten Bedarf an Energie sicherstellen. Und schliesslich müssen wir beim Ausbau der Wasserkraft auf berechtigte Anliegen des Landschaftsschutzes Rücksicht nehmen. Eine wirksame Hilfe bei der Bewältigung dieser
Ziele ist also nur ein rasches und konsequentes Umdenken bei der gesamten Bevölkerung. Alle jene, die heute der Politik misstrauen und sich desillusioniert abwenden, sind eindringlich aufgerufen, jetzt und sofort spürbare Sparan- strengungen einzuleiten, etwa durch Verzicht auf unnütze Autofahrten oder durch Verzicht auf übertriebenen Komfort. Herr Martignoni hat einleuchtend auf dieses Problem hinge- wiesen.
Ich weiss, auch dieser Appell wird erneut wirkungslos ver- hallen, denn der Schweizer wird sich nur regen, wenn er den Druck in seinem Portemonnaie verspürt. So werden wir nicht darum herumkommen, mit nicht indexwirksamen Len- kungsabgaben und Energiesparvorschriften ein Umdenken zu erzwingen. Im Bereich der Kernenergie aber gilt es, nüchtern und unvoreingenommen eine Bestandesaufnahme zu machen und so neue Entscheidungsgrundlagen aufzube- reiten. Dabei ist überstürztes, kopfloses Handeln schädli- cher als gründliches, international abgestütztes Vorgehen. In diesem Zusammenhang gestatte ich mir, eine Frage vor- zutragen. Es scheint sich zu bestätigen, dass in Tschernobyl nebst technischem Ungenügen einmal mehr menschliches Versagen auslösender Faktor war. Können Sie uns versi- chern, Herr Bundesrat, dass sämtliches Personal, das in unseren Kernkraftwerken die permanente Ueberwachung sicherstellt, sachgerecht ausgebildet und für alle erdenkli- chen Krisenszenarien geschult ist? Ist der Bundesrat bereit, diesen Aspekt erneut kritisch zu prüfen und im Falle von Lücken sofort und ohne Rücksicht auf Person und Ansehen Abhilfe zu leisten? Ist der Bundesrat gegebenenfalls bereit, die Ausbildungskonzepte den neusten Erkenntnissen anzu- passen und damit auch in diesem Bereich dem Sicherheits- bedürfnis gerecht zu werden?
Blocher: Nachdem ich während Stunden diese Diskussion verfolgt habe, habe ich den Eindruck bekommen, man wisse eigentlich nicht mehr, wo der Unfall passiert ist. Nur zur Klärung: Er ist in der UdSSR passiert und nicht bei uns. Das will nicht heissen, dass wir deswegen nun Russland nach Strich und Faden verurteilen müssen. Aber - Herr Hubacher und Herr Bäumlin - Sie haben die Sache nun doch etwas zu schön dargestellt. Herr Hubacher: Sie haben den russischen Opferwillen gepriesen, und Herr Bäumlin hat gesagt, man nehme dort diesen Unfall ernster als bei uns. Sie scheinen die Mitteilung aus der Sowjetunion vergessen zu haben, man werde selbstverständlich die andern Reaktoren - weil es ja ein Viererblock ist - sofort wieder in Betrieb setzen. Diese verfügen über die gleiche Technologie und die glei- che Sicherheit wie der schadhafte Reaktor. Die Sowjetunion hat in einem ungeheuren Tempo nach dem Krieg die wirt- schaftliche Entwicklung vorangetrieben. Sie hat Kernkraft- werke gebaut mit einem andern Sicherheitskonzept. Näm- lich: weniger bauliche Massnahmen, dafür die Kernkraft- werke in abgelegenen Regionen. Sie hat sich auf das Kon- zept der Evakuation gestützt. Aehnliche Sicherheitskon- zepte gibt es übrigens bei einzelnen amerikanischen Kern- kraftwerken auch.
Für uns steht fest, dass wir die betreffende Graphittechnolo- gie nicht gewählt haben, weil sie zu gefährlich ist. Aber wir haben immer gewusst, dass auch bei uns zwar nicht Reak- torbrände, aber Reaktorunfälle vorkommen können, und darum haben wir die grossen Sicherheitsmassnahmen getroffen. Wir haben - so meine ich wenigstens - an alles gedacht, auch an menschliches Versagen, denn damit müs- sen wir rechnen. Die Anlage muss also sicher sein, auch bei menschlichem Versagen. Die Anlage muss so sicher sein, dass wenn etwas am Reaktor passiert, nicht derartige Fol- gen entstehen. An das haben wir gedacht. Wir haben Unter- suchungen machen lassen bezüglich Erdbeben, Bombarde- ments usw. Wir haben uns gesagt: Unfälle können passie- ren, aber es dürfen nicht diese schweren Folgen entstehen, und darum haben wir diese Sicherheitsmassnahmen getrof- fen. Nun, es ist eigenartig, dass die Sicherheit unserer Kern- kraftwerke auch von den Kernkraftgegnern - bis und mit Herrn Euler - eigentlich anerkannt wird, auch wenn Sie sie bestreiten. Wenn Sie nämlich davon überzeugt wären, dass
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unsere Kernkraftwerke so unsicher sind, dann müssten Sie die Forderung aufstellen, sie morgen stillzulegen, und zwar morgen, nicht in 30 Jahren. Herr Jaeger hat gesagt, es sei einer ein Mörder, der solche Kraftwerke nach Tschernobyl noch betreibe. Alle, die erst für eine spätere Stillegung der Kernkraftwerke sind, müsste man dann zu den Mördern zählen. Auch Sie können dies politisch nicht tun, weil Sie befürchten, dass wir auf diese 40 Prozent Energie nicht verzichten können, ohne grossen Schaden anzurichten. Aber wer gibt Ihnen die Unbescheidenheit zu sagen: Im Jahre 2010, da werden wir dies auf jeden Fall können? Vielleicht können wir's, dann können wir's tun; vielleicht können wir's nicht, dann können wir's nicht tun. Ich glaube nicht, dass Schweden im Jahre 2010 aussteigt. Es werden dann andere Regierungen bestehen. Wir kennen das von der NATO-Diskussion in Spanien her. Es ist nicht wahr, dass auf Alternativen weltweit nicht hingearbeitet wird. Es wird enorm gearbeitet, auch mit Hunderten von Millionen Fran- ken. Schauen Sie mal diese Forschungsfonds an, die welt- weit bestehen. Da geht es um andere Energien als die Kernenergie. Glücklich, wenn wir sie finden. Zur Informa- tion: Herr Bundespräsident Egli, Sie sind da kritisiert wor- den. Das wird Sie hoffentlich nicht sehr kümmern. Ich habe die Informationen verfolgt in Italien, in der Bundesrepublik Deutschland und in Oesterreich. Ich muss Ihnen sagen, und das anerkennen auch die Ausländer, mit denen ich gespro- chen habe: Das schweizerische Informationskonzept gehört zu den besten. Natürlich hat es auch Mängel. Ich glaube, der Mangel liegt darin, dass zwar oben sehr gut gearbeitet worden ist, dass aber unten nicht ganz das verstanden worden ist, was man oben sagen wollte. Das ist auch nichts Neues. Ich glaube, in einem solchen Fall kann man nicht alle zwei Stunden irgendeine andere Meldung, die wir nicht verstehen und nicht verstehen können, durchgeben, son- dern das Volk interessiert: Ist etwas passiert, was ist pas- siert, ist es für uns gefährlich? Wenn ja, was müssen wir tun? Und dann müssen wir alle zwei Stunden dasselbe sagen, und dann versteht es das Volk. Ich weiss, das ist bei unserer Pressefreiheit vielleicht schwierig. Ich habe nach den ersten Tagen gehört, dass sich die Journalisten gestrit- ten haben, ob sie schreiben dürfen, was sie wollen, oder ob die Pressefreiheit mehr oder weniger aufgehoben sei. Sie war nicht aufgehoben.
Ich komme zum Schluss. Es ist hier von Alternativen gespro- chen worden. Gehen Sie doch in diese Alternativen, spre- chen Sie doch nicht nur davon. Man sagt «sanfte Energien», wie wenn das eine Energie wäre. Sparen, sparen Sie doch! Herr Jaeger sollte hinausgehen aus diesen schönen Häu- sern. (Zwischenruf Frau Fetz: Ihre Redezeit ist abgelaufen.) Ich bin gleich fertig. Durchziehen! (Frau Uchtenhagen: Das habe ich ja gesagt.)
(Le vice-président: Je vous prie, nous ne sommes pas au cirque!)
Nur Ideen aufzuzeigen, das ist doch keine Alternative. Es müssen Projekte sein, und zwar müssen Sie diese durch- führen.
Nauer: Meine Gefühle der Hoffnungslosigkeit sind seit gestern nicht kleiner geworden. Aufgebaut auf einer unge- heuerlichen Risikophilosophie soll die von uns bewohnte Umwelt auch in Zukunft ein Experimentierfeld der bisher gefährlichsten Technologie bleiben. Integraler Bestandteil unseres Verschwendungssystems ist dabei weiterhin die Kernenergie. Vage habe ich gehofft, dass uns der Bundesrat wenigstens einen Weg aus der immer totaler werdenden Abhängigkeit von der Kernenergie vorgibt. Nichts, aber gar nichts von meiner Hoffnung ist in Erfüllung gegangen. Aus- ser dem Bedauern mit den Opfern von Tschernobyl und der Rechtfertigung unseres Sicherheitssystems hörte ich nur vom Ausbau der Sicherheit und dass Kaiseraugst nicht verhindert werden könne. Wir sind offensichtlich auf dem besten Weg, von der Kernenergie unumkehrbar abhängig zu werden. Die Ausführungen der Bundesräte bedeuten doch nichts anderes, als dass wir uns mit der Kernenergie weiter- hin riesige Wechsel auf die Zukunft ausstellen, welche zu
einer Summe auflaufen, die keine der uns folgenden Gene- rationen mehr aufbringen kann. Ein fast unbegrenzbares Risiko wird fälschlich einem begrenzbaren Risiko angenä- hert und damit auf eine schlimme Weise verharmlost. Dieser Griff in die Zukunft ist zudem belastet mit der Tatsache, dass die Entscheidung für die Kernenergie nicht so vergänglich ist wie die heutige Menschheit. Unsere Nachwelt muss unbegrenzte Zeit mit den atomaren Abfällen, den Tausen- den von Tonnen radioaktiver Substanzen leben. Damit stellt sich die Frage, ob wir nicht gegen ein demokratisches Grundrecht verstossen, indem unsere Kinder und Kindes- kinder kein Mitspracherecht an der Gestaltung dieser von uns geschaffenen atomaren Zukunft haben.
In den Antworten der Bundesräte ist auch das Kriterium der Sozialverträglichkeit der Kernenergie mit keinem Wort erwähnt worden. Ich bedaure das. Eine Wertung der Sozial- verträglichkeit hätte den Aussagen der Bundesräte, die ja nur auf eine Verteidigung der Kernenergie ausgerichtet waren, eine andere Dimension gegeben, eine Dimension für eine menschlichere Zielsetzung in bezug auf die künftige industriegesellschaftliche Entwicklung.
Es scheint mir, dass unsere Fähigkeit zu verdrängen grösser ist als die Fähigkeit zu einem Umdenken. Seit meiner Zuge- hörigkeit zu diesem Rat habe ich mich gegen die zivile Anwendung der Kernenergie gewandt, ohne Erfolg. Gestern hoffte ich, dass ein Fenster aufgestossen werde. Kein Fen- ster ist aufgegangen. Mir bleibt mit vielen anderen Men- schen nur die Verzweiflung. Ich hätte so gerne meine Worte mit dem Satz geschlossen: Wir sehen und hören uns späte- stens wieder bei der nächsten Kernenergiekatastrophe. Das ist gar nicht so sicher. Kollege Salvioni hat uns gesagt warum. Betrachten Sie diesen Satz besser als nicht gesagt. (Beifall)
Hubacher: Ich möchte eigentlich, was gestern abend nicht mehr möglich war, zur Beantwortung der Interpellation Stel- lung nehmen. Vorher aber ein Wort zu Herrn Blocher.
Sie verlangen und sagen: Sparen Sie, legen Sie Alternativen vor! Herr Schüle hat erklärt: Es gibt keine Alternativen. - Es gibt nicht nur das Schwedenmodell. Es gibt das Buch «Grenzen der Atomwirtschaft», entstanden aus einem Auf- trag des seinerzeitigen Forschungsministers Volker Hauff von 1980, einem Regierungsauftrag, ein Modell «Ausstieg aus der Atomenergie» zu berechnen. Die Regierung Kohl hat dann diesen Forschungsauftrag abgeblockt. Die Ver- einigung deutscher Wissenschafter hat diesen Auftrag zu Ende geführt und mit diesem Buch öffentlich vorgelegt und zur Diskussion gestellt. Die deutsche Wochenzeitung «Die Zeit», die ja nicht unbedingt bekannt ist als eine linke Zeitung, sondern als eine sehr liberale, offene Zeitung, fasst ihr Urteil in einem Satz zusammen: «Wirtschaftswachstum und ein hoher Lebensstandard sind in der Bundesrepublik längerfristig mit oder ohne Atomenergie denkbar.» Es wird hier, selbstverständlich für die Bundesrepublik, nicht ein- fach tel quel übertragbar auf die Eidgenossenschaft, auf sehr detaillierte Art nachgewiesen, dass eben auch eine Alternative für diese Volkswirtschaft längerfristig möglich ist. Sie ist sogar - ich könnte Ihnen viele Zitate vorlesen - nicht nur machbar, sondern auch besser, bekömmlicher. Zum Informationsproblem der Politiker: Wir leiden alle unter Zeitnot, aber man sollte nicht immer so schnell mit dem Urteil bereit sein «es gibt das und es gibt jenes nicht»; es gibt sehr viel mehr. Es gibt beispielsweise ganze Buchläden mit solcher Literatur.
Herr Blocher, Sie haben gesagt, unsere Atomkraftwerke müssen so sicher sein, dass nichts passieren darf. Das ist eben der Irrtum. Wenn nicht einmal diese Lautsprecheran- lage so funktioniert, dass Journalisten zur Linken und zur Rechten richtig hören, was wir reden, kann man doch nicht davon ausgehen, dass Technik unfehlbar sei. Es darf keine Technik existieren, die darauf abgestellt ist, dass der Mensch nie einen Fehler machen darf. Das ist bei der Kernenergie der Fall!
Zur Interpellationsbeantwortung: Wir müssen aufpassen, dass wir nicht ein Verein werden, der völlig neben der
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Bevölkerung steht. Das meine ich zur Beantwortung der vielen Interpellationen durch die beiden Bundesräte; ich möchte sie unter dem Stichwort zusammenfassen: Aus dem Bundesrat nichts Neues! (Nach dem ersten Weltkrieg ist ein Buch erschienen, welches den Titel «Aus dem Westen nichts Neues» trug.) Wenn wir so weitermachen, provozie- ren wir allerdings Spaltmaterial für die politische Demokra- tie. Wenn wir meinen, die Probleme vom Tisch fegen zu können und sie damit zu lösen, täuschen wir uns. So betrachtet bin ich einigermassen erschüttert, wie sicher sich Bundesräte in ihrer Unsicherheit geben. Es war zu wenig Betroffenheit dabei, zu wenig Wille spürbar, über die Bücher zu gehen; es wurde zu wenig politisches Sensorium gezeigt, damit wir nicht bloss in geschwätziger Sprachlosigkeit mit- einander verkehren. Die Fragen sind nicht beantwortet. Es scheint ein ungeschriebenes Reglement für regierende Menschen, für Exekutivmitglieder zu geben, das Reglement nämlich, nie einen Fehler zuzugeben, immer so zu tun, als ob man alles wisse und sogar besser wisse, auf Fragen mit Ausflüchten zu reagieren. Herr Bundesrat Schlumpf, wenn Sie behaupten - ich nehme nur eine Ihrer Behauptungen auf -, in Kaiseraugst könnten Sie à la Tschernobyl in einer Umgebung von 30 km die Menschen, die heute dort leben, evakuieren und für Jahre irgendwo plazieren - denn das bedeutet eine solche Evakuation -, verstehen Sie entweder nichts von dem, was passiert ist, oder Sie wollen uns etwas vormachen. Sind wir hier zur Kinderstunde versammelt? Solche Antworten dürfen Sie nicht mehr geben.
Allenspach: Ich stimme all jenen zu, welche die Auffassung vertreten haben, der Reaktorunfall müsste für uns eine Mah- nung sein, ein Anlass zur Besinnung über die Möglichkeiten und Grenzen der Technik, aber auch über die Grenzen unseres eigenen Wohlstandes. Ich sage: Anlass zur Besin- nung. Besinnung heisst überlegen, analysieren, prüfen. Besinnung ist das Gegenteil von emotionalem Handeln. Dieser Reaktorunfall darf uns nicht veranlassen, emotional zu handeln, Massnahmen zu beschliessen, ohne zu über- legen.
Ich habe Verständnis für emotionale Regungen, aus denen heraus man verlangt, nach diesem Reaktorunfall müsse die Schweiz aus der Kerntechnologie aussteigen. Diese Regung einer existentiellen Angst einer verunsicherten Bevölkerung muss ernst genommen werden, auch wenn wir wissen, dass diese Angst von bestimmten Kreisen aus politischen und ideologischen Gründen angeheizt und aufgeputscht worden ist. Vermag aber die Forderung, keine AKW in der Schweiz mehr zu bauen oder bestehende stillzulegen, Angst und Unsicherheit abzubauen? Wenn wir die Dinge objektiv betrachten, müssen wir feststellen, dass es nicht der Fall ist. Es wäre meines Erachtens ein gefährliches Unterfangen zu glauben, mit Energiesparmassnahmen - so notwendig diese auch sind - könnten die Probleme gelöst werden. Es geht nicht um ein nationales, sondern um ein globales Problem. In der ganzen Welt stehen Atomkraftwerke: in Europa, in der Sowjetunion, in Entwicklungsländern. Jeder Reaktorunfall in irgendeinem Staate kann auch für uns Folgen haben. Gerade Tschernobyl zeigt deutlich, dass die Bedrohung in erster Linie von jenen Kernkraftwerken kommt, die nicht ein höchstmögliches Mass an Sicherheitsbestimmungen ken- nen oder diesen Sicherheitsbestimmungen nicht nachkom- men. Wir müssen allen Kernkraftwerken dieses höchstmög- liche Mass an Sicherheitsbestimmungen auferlegen. Allen und nicht nur jenen in der Schweiz! Das setzt eine interna- tionale Norm über die Sicherheit von Kernkraftwerken vor- aus sowie eine weltweite Kontrolle darüber, ob die beschlos- senen Normen auch eingehalten werden, selbst wenn dies zu einem gewissen Verlust an nationalen Souveränitäten führen würde. Auch die Schweiz müsste sich einer derarti- gen internationalen Kontrolle unterziehen, wenn unsere Kernkraftwerke nicht mit einem höchstmöglichen Mass an Sicherheit ausgebaut würden. Der Bundesrat müsste mei- nes Erachtens in dieser Richtung aktiv werden. Ich frage ihn an, ob er dazu bereit ist.
Der einseitige Ausstieg Oesterreichs aus der Kernenergie
hat unserem Nachbarland nichts eingebracht als Abhängig- keit von im Ausland produziertem Atomstrom. Er führte zum Versuch, die letzten Wasserkräfte zum Schaden der Natur und der Landschaft auszubauen. Das kann nicht Ziel unse- rer eigenen Politik sein. Wir müssen globale, nicht einseitig nationale Lösungen anstreben. Es hat wirklich keinen Sinn, die sichersten Kernkraftwerke zu verteufeln, die unsicheren aber - beispielsweise in der Sowjetunion oder anderen Ländern, die ich nicht nennen möchte - bestehen zu lassen, womöglich unsere eigene Energieversorgung noch von die- sen unsicheren Werken abhängig zu machen. Es wäre die unsinnigste Folgerung aus der Tschernobyl-Katastrophe, unsere sicheren Kraftwerke abschalten zu müssen, dafür von den unsicheren in den benachbarten Staaten oder auch in anderen Regionen abhängig zu werden. Solches darf nicht geschehen!
M. Butty: Permettez-moi trois réflexions en cette fin de débat. La première concerne la collaboration internationale et plus particulièrement le rôle du Conseil de l'Europe en cette matière. La seconde se rapportera au moratoire dont nous avons parlé, notamment le représentant du groupe démocrate chrétien, M. Schmidhalter. La troisième se réfé- rera au rôle de la science, c'est-à-dire aux responsabilités de celle-ci et des scientifiques face à l'Homme.
Tout d'abord, examinons la solidarité nécessaire au niveau international. L'accident extrêmement grave, qui vient de se produire, a démontré combien nous sommes interdépen- dants, tant sur les plans européen que mondial. D'ailleurs, l'Agence internationale de l'énergie agit dans ce sens. L'un de ses vice-directeurs est même soviétique.
Il faut souligner son rôle auquel la Suisse devra de plus en plus s'associer de manière à le renforcer, car c'est une agence dont tous les grands pays sont membres et même les pays de l'Est et l'Union soviétique.
Il ne faut pas laisser la CEE seule s'occuper de ces ques- tions. Tous les pays européens sont concernés. D'ailleurs, les vingt et un pays membres du Conseil de l'Europe se sont préoccupés des déchets radioactifs et des concentrations de centrales nucléaires, plus particulièrement aux fron- tières. Ils ont agi de même en matière d'environnement.
Il faut aussi tenir compte des pays de l'Est. Je pense en ce moment à tous leurs peuples, et non à leurs gouvernements qui sont télécommandes par Moscou. La Pologne, la Hon- grie, la Roumanie, la Tchécoslovaquie et les pays baltes ont été très touchés par la catastrophe qui vient de se produire. Cela démontre combien nous devons être solidaires au plan européen.
Je note à l'intention de nos collègues socialistes qu'au Conseil de l'Europe, nous constatons certaines divergences dans la prise de position des Partis socialistes.
M. Hubacher, qui vient de Bâle, connaît fort bien l'attitude du SPD allemand. Mais, songeons aussi à la position des socialistes français qui est diamétralement opposée à celle des socialistes allemands car favorable au nucléaire. Il y a donc une diversité d'opinion qui existe, même dans le parti de M. Hubacher. D'ailleurs, il en va de même dans la démo- cratie chrétienne. C'est la démonstration que ce problème doit être analysé solidairement dans l'intérêt de nos peuples et du bien commun.
Ma deuxième réflexion concerne le moratoire. Je crois, avec plusieurs de nos amis, qu'il est nécessaire de faire une pause afin d'effectuer une nouvelle analyse. J'appuierai les efforts du Conseil fédéral allant dans ce sens. Il faut trouver une solution qui puisse à la fois maintenir le niveau et la qualité de vie des gens, assurer leur sécurité et permette de découvrir des énergies de remplacement en évitant une dépendance trop forte de l'étranger.
Si nous arrêtions les centrales nucléaires, nous ne satisfe- rions de toute façon plus à nos besoins en électricité. Où irions-nous chercher les 40 pour cent indispensables au fonctionnement de nos industries? En France. Or, ce pays produit de l'électricité avec des centrales nucléaires. Alors, est-ce la solution que recherchent les opposants ? Cela vous démontre notre interdépendance et la nécessité d'une
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Reaktorunfälle (Dringliche Interpellationen)
réflexion commune. J'estime qu'une pause est nécessaire. II faut maintenir ce qui a été fait et tenter d'améliorer la sécurité des centrales actuellement en fonctionnement. Pour l'instant, il ne faut rien décider d'irréversible et tenir compte de l'avis du peuple.
Ma troisième réflexion. Ce débat doit nous faire prendre conscience - cela est déjà un enseignement extrêmement important - du rôle de plus en plus important de la science qui permet des progrès inouis mais peut présenter égale- ment d'énormes dangers. C'est la raison pour laquelle je voudrais remercier et non pas blâmer nos hommes de science. Il faut soutenir ceux qui se consacrent à la recherche et en même temps leur demander de mettre, plus que jamais, la science au service de l'homme. Il ne faut pas séparer les sciences dites exactes des sciences morales, car elles sont complémentaires. Cet élément est fondamental dans les réflexions résultant de ce débat.
Ceci est déjà un grand enseignement pour nous tous, que nous soyons des hommes de science ou simplement des politiciens et citoyens engagés dans la vie économique ou sociale de ce pays. En ce qui me concerne, je n'ai aucun intérêt dans le nucléaire. Néanmoins, je tiens à dire qu'il faudra soutenir les efforts de recherche qui seront accom- plis, car le problème est trop grave pour en faire une exploi- tation politique, économique ou sociale. L'homme doit res- ter au centre de nos préoccupations.
Dorénavant et plus que jamais, il faudra que les scientifiques se rendent compte que leur collaboration avec les gens qui sont les représentants authentiques du peuple (exécutif et législatif) est indispensable. Nous les soutiendrons et les assurons, s'ils vont dans cette voie, de notre reconnais- sance. Nous demandons au Conseil fédéral d'agir de même.
Renschler: Bundesrat Schlumpf hat gestern an uns und das Schweizervolk appelliert, wir sollen in die Energiepolitik des Bundesrates Vertrauen haben. Ich frage Sie, Herr Bundesrat Schlumpf: Wie können wir Vertrauen haben, wenn Tscher- nobyl beim Bundesrat überhaupt nichts bewirkt hat, wenn lediglich - was Sie gestern mehrmals getan haben - die bisherige Energiepolitik bestätigt wird? Punkto Kernenergie genügt nicht einmal mehr der altbekannte Leitsatz von Lenin: «Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.» Bezogen auf die Kernenergie ist das Verbot eindeutig das bessere.
Nach Tschernobyl hat die Abkürzung für «grösster anzuneh- mender Unfall» - GAU - eine gesellschaftspolitische impera- tive Neudefinition erhalten, nämlich: grundsätzlicher Aus- stieg unumgänglich. Was bis zu Tschernobyl Theorie für 20 000 Reaktorbetriebsjahre war, wurde plötzlich zur tödli- chen Wirklichkeit. Man stand ihr hilflos gegenüber und wird ihr auch weiter hilflos ausgesetzt sein, auch dann, wenn ein ähnlicher Unfall in unmittelbarer Nähe passieren wird. Dar- über können dümmliche Suggestivfragen nicht hinwegtäu- schen wie etwa: Wollen Sie im Dunkeln sitzen? Meine Ant- wort auf diese blöde Frage ist: Ich sitze lieber im Dunkeln, als dass ich im Dunkeln strahle.
Eine Eintragung ins Guiness-Buch der Weltrekorde verdient der zynisch-dumme Kommentar in der «Arbeitgeberzei- tung> vom 5. Juni 1986. Darin schrieb der verantwortliche Redaktor zu einer Publikumsumfrage des aargauisch-solo- thurnischen Lokalradios über die Auswirkungen von Tschernobyl auf die Einstellung der Bevölkerung zum Bau des Kernkraftwerks Kaiseraugst: «Wahrscheinlich wurden die Angsthasen und Angsthäsinnen im Wellenkreis dieses Regionalstudios befragt, nachdem die elektronischen Medien sich sattsam gütlich taten an zahllosen Tendenzmel- dungen von und über Tschernobyl. Warten wir ein paar Wochen ab. Auch die Aargauer werden bald wieder zu ihren eigenen, verseuchten Rüeblis zurückkehren.» Herr Allenspach, wenn Sie hier appellieren, man solle nicht emo- tionell handeln, wäre Ihnen entgegenzuhalten, man solle auch nicht demagogisch schreiben; Sie tragen ja eine Mit- verantwortung für die eben zitierte Zeitung. (Allenspach: Das stimmt nicht.)
Dass in der «Schweizer Illustrierten» von 118 Ratsmitglie- dern, die vor Jahresfrist den Bau des AKW Kaiseraugst
befürworteten, nach Tschernobyl drei die Meinung änderten und 22 sich der Stimme enthalten würden, lässt immerhin die Hoffnung zu, dass in diesem Rat der Zweifel an der Sicherheit der Kernenergie mehrheitsfähig werden könnte. Immerhin muss ich sagen: ein Lichtblick, wenn auch ein strahlenbedingter.
Diejenigen, die Tschernobyl noch nicht von der Notwendig- keit des Ausstiegs aus der Kernenergie zu überzeugen ver- mochte, sollten doch wenigstens die wirtschaftliche Unsin- nigkeit der Kernenergie zur Kenntnis nehmen. Kernenergie ist die einzige Technologie, bei der hohe Kapitalkosten sowohl am Anfang als auch am Ende des Produktionspro- zesses entstehen. Bei einem AKW können die Abbruchinve- stitionen nach 20- bis 30jähriger Betriebsdauer höher zu Buche schlagen als die Investitionen für den Bau. Die Kern- energie stellt das Gesetz der Massenproduktion auf den Kopf. Die durchschnittlichen Kosten nehmen mit dem Bau zusätzlicher AKW nicht ab, sondern zu. Je mehr Kernkraft- werke vorhanden sind, desto teurer werden die gesellschaft- lichen und betrieblichen Zusatzkosten, wie beispielsweise für die Sicherung, die Entsorgung, die Wiederaufbereitung und spätere Stillegung.
Immer mehr radioaktives Material muss auf Generationen hinaus kostspielig gelagert werden. Nach meiner Meinung können wir den folgenden Generationen diese Hypothek nicht überlassen. Wir können auch nicht das unkontrollierte Risiko der AKW - wie Tschernobyl bewiesen hat - akzeptie- ren. Darum heisst die Schlussfolgerung für mich: Ausstieg aus der Kernenergie. Herr Blocher, man muss dafür einen Termin festsetzen. Mein Termin ist 2010. Denn nur, wenn man einen Termin festlegt, kennt man auch die Zeitspanne, in der dieses Ziel zu erreichen ist.
Hier wird die Beratung dieses Geschäftes unterbrochen Le débat sur cet objet est interrompu
Schluss der Sitzung um 13.00 Uhr La séance est levée à 13 h 00
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Dringliche Interpellationen betreffend Reaktorunfälle Interpellations urgentes concernant les accidents nucléaires
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Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale
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Année
1986
Anno
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Sommersession
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Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
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Datum 17.06.1986 - 08:00
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