Accidents nucléaires (interpellations)
364
E 17 juin 1986
Bundespräsident Egli: Frau Bührer, ich bedaure, dass ich Sie heute bereits zum zweiten Mal enttäuschen muss. Der Bundesrat hat nämlich beschlossen, die Ablehnung des Postulates zu beantragen. Ich schliesse dabei nicht aus, dass wir zu einem späteren Zeitpunkt auf Ihr Begehren zurückkommen müssen. Aber die Situation ist folgende: Wir haben soeben die Luftreinhalteverordnung in Kraft gesetzt; darin wird der Benzolgehalt aller Motorenbenzine auf höch- stens 5 Volumenprozent und der Bleigehalt der Motorben- zine auf höchstens 13 Milligramm pro Liter festgesetzt.
Der Bundesrat hat sich dabei vor allem vom Gedanken der Harmonisierung leiten lassen und Werte festgelegt, wie sie auch in anderen Ländern gelten. Wir möchten daher im heutigen Zeitpunkt diese Festsetzung in der Verordnung nicht ändern.
Frau Bührer: Ich bin natürlich enttäuscht, wenn Sie dieses Postulat ablehnen. Ich frage mich, wozu eigentlich die Gesetze da sind: Das Umweltschutzgesetz verlangt die Sen- kung der Belastung, soweit das technisch und betrieblich möglich ist. Bei meinen Vorgaben wäre das doch möglich. Das Argument der Harmonisierung mit den übrigen Ländern sticht nicht. Sollen wir auf die Rückständigkeit Rücksicht nehmen und damit unsere Gesundheit gefährden? Auch die Luftreinhalteverordnung sagt punkto Immissionsbegren- zung: «Die Immissionen von krebserzeugenden Stoffen sind unabhängig vom Risiko der durch sie verursachten krebser- zeugenden Belastung soweit zu begrenzen, als dies tech- nisch und betrieblich möglich und wirtschaftlich tragbar ist.»
Ich würde also eher sagen, dass die Luftreinhalteverord- nung - noch «druckfeucht» - mit der Festsetzung der Werte, so wie Sie sie vorgenommen haben, nicht eingehalten wird. Bei der Einführung der Frist für die US-83-Normen bei den Abgasen hat der Bundesrat diese Harmoniserung nicht berücksichtigt. Ich finde es erfreulich, dass er dort Schritt- macherdienste geleistet hat. Es ist nur schade, dass er in diesem Fall von seinem Mut verlassen wird und sich ins Schlepptau nehmen lässt!
Abstimmung - Vote
Für die Ueberweisung des Postulates Dagegen
5 Stimmen 15 Stimmen
86.428
Dringliche Interpellation Miville Energiepolitik. Strategie Interpellation urgente Miville Politique énergétique. Stratégie
Wortlaut der Interpellation vom 2. Juni 1986
Neueste Informationen von Aerzten, die mit der medizini- schen Betreuung von Opfern der Atomkraftwerk-Katastro- phe von Tschernobyl befasst waren, lassen erkennen, dass möglicherweise bis zu 100 000 Menschen an Spätfolgen dieses Gross-Unfalls zu leiden haben werden.
Weiteste Kreise unserer Bevölkerung sind beunruhigt über die nun klar ersichtliche Tatsache, dass auch für sicher erklärte und erachtete Kernkraftwerke zu einer immensen Gefährdung für ausgedehnte Landstriche und ihre Bewoh- ner werden können.
Diese Beunruhigung zeigt sich besonders deutlich in der Nordwestschweiz, wo man einer dicht besiedelten Region mit einer ausserordentlichen Massierung von Atomkraftwer- ken auch noch das Werk Kaiseraugst zumuten will. Die Stimmung der Bevölkerung, zu der widersprüchliche Anga- ben über Messresultate aus den verschiedensten Ländern
ihren Teil beigetragen haben, findet in einer Resolution des baselstädtischen Grossen Rates vom 15. Mai 1986 ihren Ausdruck.
Ich frage den Bundesrat,
wie er im Lichte der neuen Ereignisse die Sicherheitskon- zepte unserer erstellten und geplanten Kernkraftwerke beur- teilt;
ob er sich veranlasst sieht, diese Sicherheitskonzepte überprüfen zu lassen;
ob er auf diplomatischem Wege mit möglichst vielen Staa- ten einen schnellen, permanenten und technisch auf glei- chen Daten beruhenden Informationsaustausch für Fälle dieser Art anstreben will;
ob es jetzt nicht an der Zeit wäre, die Rahmenbewilligung für das Kernkraftwerk Kaiseraugst zu widerrufen und auf dieses Werk zu verzichten;
ob jetzt nicht im Sinne einer längerfristigen Strategie der «Ausstieg» aus der Atomenergie und ihr Ersatz durch eine alternative Energie- und Sparpolitik in die Wege zu leiten ist.
Texte de l'interpellation du 2 juin 1986
Les informations toutes récentes, fournies par des médecins qui ont été chargés de traiter les victimes de la catastrophe survenue à la centrale nucléaire de Tchernobyl, font appa- raître que près de 100 000 personnes peut-être auront à souffrir des séquelles lointaines de cet accident.
Dans notre population, de très larges milieux sont inquiets en raison d'un fait tout à fait clair à présent, à savoir que les centrales nucléaires dont la sécurité a été attestée, et qui sont donc considérées comme sûres, peuvent se transfor- mer en une menace immense pour de larges bandes de territoire et leurs habitants.
Cette inquiétude est ressentie de façon toute particulière dans la Suisse du Nord-Ouest, où l'on veut imposer encore la centrale de Kaiseraugst à une région très peuplée où la concentration des centrales nucléaires est déjà extraordi- naire. L'état d'esprit de la population, auquel ont contribué des indications contradictoires quant aux résultats des mesures effectuées dans les pays les plus divers, a été exprimé dans une résolution que le Grand Conseil de Bâle- Ville a votée le 15 mai 1986.
Je demande donc au Conseil fédéral:
Comment il apprécie, à la lumière des récents événe- ments, les conceptions de sécurité de nos centrales nucléai- res existantes et de celles qui sont projetées;
S'il se sent tenu de faire réexaminer ces normes de sécu- rité;
Si, par la voie diplomatique, il veut - pour de tels cas - tenter d'obtenir un échange d'informations avec le plus grand nombre possible d'Etats, un tel échange devant être rapide, permanent et fondé sur les mêmes données, du point de vue technique;
S'il ne serait pas enfin temps d'annuler l'autorisation géné- rale accordée au projet de centrale nucléaire à Kaiseraugst et de renoncer à cette centrale;
Si la renonciation à l'énergie atomique et le remplacement de celle-ci par une politique énergétique et économique de substitution ne devraient pas être envisagées, en guise de stratégie d'avenir à long terme.
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Dringliche Interpellation Miville Energiepolitik. Strategie Interpellation urgente Miville Politique énergétique. Stratégie
In
Dans
In
Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale
Jahr
1986
Année
Anno
Band
II
Volume
Volume
Session
Sommersession
Session
Session d'été
Sessione
Sessione estiva
Rat
Ständerat
Conseil
Conseil des Etats
Consiglio
Consiglio degli Stati
Sitzung
09
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 86.428
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum 17.06.1986 - 16:00
Date
Data
Seite
364-364
Page
Pagina
Ref. No
20 014 560
Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.