Interpellation Ruf-Bern
1513
85.109
Interpellation Ruf-Bern Affäre Trans-K-B Interpellation Ruf-Berne Affaire Trans-K-B
Wortlaut der Interpellation vom 20. Dezember 1985 Am 8. September 1985 fand der Schweizerische Juristentag in Basel statt. An dieser Tagung wurde ganz generell zum Ausdruck gebracht, dass die wuchernde Wirtschaftskrimina- lität eine Herausforderung für die Justiz sei (ich verweise auf die «Neue Zürcher Zeitung» vom 9. September 1985, S. 13). Frau Bundesrätin Kopp hat in einem Referat dem verstärk- ten Kampf gegen die Wirtschaftskriminalität das Wort ge- redet.
Da ein eminentes öffentliches Interesse an einer umfassen- den Aufklärung der Affäre Dr. Hans W. Kopp/Trans-K-B besteht, stelle ich aus Sorge um die Einhaltung der gelten- den Gesetze dem Bundesrat in diesem Zusammenhang die folgenden Fragen, nachdem Frau Bundesrätin Kopp meinen gleichlautenden «offenen Brief» vom 15. November 1985 bis heute nicht beantwortet hat (ich verweise auf die in der Begründung zitierten Stellen aus dem genannten «SI»-Be- richt):
b. Warum tut dies die Strafjustiz gerade beim Gatten von Frau Bundesrätin Kopp nicht?
c. Liegt nicht der Schluss nahe, dass Frau Bundesrätin Kopp persönlich direkt oder indirekt, insbesondere durch andere interessierte Personen, Einfluss nimmt zwecks Vertuschung strafbarer Handlungen ihres Gatten und anderer Personen, nachdem in der «Schweizer Illustrierten» auch ausgeführt worden ist: «Details aus der Verantwortlichkeitsklage könn- ten ihm und damit indirekt seiner Frau, Justizministerin Elisabeth Kopp, schaden» ?
3 a. Muss die Strafjustiz nicht eingreifen und eine Untersu- chung vorantreiben, wenn ein Täter geltend macht, er stehe in Vergleichsverhandlungen mit dem Geschädigten, es sich aber um ein Offizialdelikt handelt?
b. Kann etwa auch ein «gewöhnlicher» Bürger sich nach Begehung eines Offizialdelikts die Strafjustiz vom Halse halten, indem er geltend macht, er befinde sich in Ver- gleichsverhandlungen mit dem Opfer?
c. Ist die zitierte Begründung der Zürcher Staatsanwalt- schaft nicht derart gesetzeswidrig und absurd, dass es offensichtlich wird, dass die Hintergründe über die Untätig- keit der Strafjustiz ebenfalls vertuscht werden sollen?
d. Ist es nicht auch Sache des Bundesrates, aufgrund von Artikel 102 Ziffer 2 BV dafür zu sorgen, dass das eidgenössi- sche Strafrecht angewendet wird, und nötigenfalls einzu- greifen?
Texte de l'interpellation du 20 décembre 1985
Le 8 septembre 1985 s'est tenue à Bâle l'Assemblée des juristes suisses. Au cours de cette réunion on s'est plu généralement à relever que la criminalité économique qui ne cesse de se développer constituait un défi lance aux autorités judiciaires (cf. à ce propos la Neue Zürcher Zeitung du 9 septembre 1985, p. 13). Dans l'exposé qu'elle a fait,
Mme Kopp, elle-même, en a appelé à une intensification de la lutte contre cette forme de criminalité.
Conscient de l'intérêt public éminent qu'il y a à ce que toute la lumière soit faite sur l'affaire Hans W. Kopp/Trans-K-B et soucieux du respect de la législation en vigueur, je m'adresse au Conseil fédéral - si je me tourne vers lui, c'est parce que Mme la conseillère fédérale Kopp n'a jusqu'à présent pas répondu à ma lettre ouverte du 15 novembre, sur le même sujet - en le priant de répondre aux questions suivantes (j'attire notamment son attention sur les extraits de l'article de la Schweizer Illustrierte reproduits dans le développement):
L'article 4 de la constitution fédérale dispose que tous les Suisses sont égaux devant la loi. Ce principe fondamental qui régit notre Etat de droit n'est-il pas violé de manière flagrante lorsque l'on ménage l'époux de la conseillère fédérale Kopp, qui s'est rendu coupable d'acte pénalement répréhensibles, alors que l'on n'hésite pas à traduire un citoyen «normal» devant un juge pénal?
a. Dans un Etat fondé sur le droit, la justice pénale ne se veut doit-elle pas d'intervenir lorsque le préjudice causé se chiffre à plusieurs millions de francs et que les indices portant à croire que l'on se trouve en présence de délits poursuivis d'office sont si nombreux qu'ils ne sauraient être passés sous silence ?
b. Dans l'affirmative, pourquoi la justice pénale se garde-t- elle d'intervenir précisément dans l'affaire où l'époux de Mme Kopp est impliqué?
c. Doit-on conclure que la conseillère fédérale use directe- ment ou indirectement - par l'intermédiaire d'autres per- sonnes concernées - de son influence dans le but de faire oublier les actes délictueux commis par son époux et par d'autres personnes, car comme on a pu le lire dans le Schweizer Illustrierte, la divulgation de détails concernant l'action en responsabilité pourraient nuire à M. Kopp et, indirectement, à son épouse, qui est ministre de la justice ? 3. a. N'est-il pas du devoir du juge pénal d'intervenir et de faire avancer l'instruction, lorsque l'auteur d'une infraction allègue qu'il est en train de négocier un arrangement avec le lésé, alors que cette infraction est en fait un délit poursuivi d'office ?
b. Le citoyen moyen qui a commis un délit poursuivi d'office peut-il se soustraire à l'action du juge pénal en faisant valoir qu'il a engagé une procédure de conciliation avec la victime de ce délit?
c. Les considérants du Ministère public zurichois que j'ai cités ne sont-ils pas illégaux et absurdes au point de laisser clairement entendre que les dessous qui sont à l'origine de la carence de la justice pénale doivent également être gardés secrets ?
d. L'article 102, chiffre 2, de la constitution fédérale ne com- mande-t-il pas au Conseil fédéral de veiller à l'observation du droit pénal fédéral et de prendre au besoin les mesures nécessaires pour faire respecter ce droit?
Mitunterzeichner - Cosignataire: Oehen (1)
Schriftliche Begründung - Développement par écrit Angesichts der nachfolgend geschilderten Umstände und der sich diesbezüglich stellenden Fragen, muss die Glaub- würdigkeit der Ausführungen von Frau Bundesrätin Kopp allerdings in Zweifel gezogen werden:
Unter dem Titel «Schonzeit für Hans W. Kopp» berichtete die «Schweizer Illustrierte» vom 22. Juli 1985 über die Millio- nenpleite der Trans-K-B, an der Dr. H. W. Kopp, der Gatte von Frau Bundesrätin Kopp, einer der Hauptverantwortli- chen ist, und dass diese grosse und spektakuläre Finanzaf- färe vertuscht werden soll.
Von besonderer Bedeutung ist dabei, dass offensichtlich die Justiz mitspielt, insbesondere auch die Strafjustiz, obwohl diese angesichts der Offizialmaxime von Amtes wegen tätig sein müsste.
58-N
Interpellation du groupe socialiste
1514
N
9 octobre 1986
Ermittlungen vorgenommen hätte. Eine zufriedenstellende Erklärung gibt es dafür nicht, weil der Tatbestand der unge- treuen Geschäftsführung ein Offizialdelikt ist, also von Amtes wegen zu verfolgen wäre».
«Dass die zuständigen Untersuchungsbeamten wenig Lust verspüren, sich des heissen Dossiers anzunehmen, liegt auf der Hand. Zum einen ist die Materie äusserst kompliziert, zum andern gilt es, sich mit dem prominenten Wirtschafts- anwalt und Bundesrätingatten Hans W. Kopp anzulegen». «Anstatt zu handeln, hat sich die Justiz aber auf das Ver- steck- und Verwirrspiel der Trans-K-B-Beteiligten einge- lassen».
Die «Schweizer Illustrierte» führte weiter aus, dass es den Aktionären nicht gelungen sei, gemeinsam gegen die ver- meintlichen Sündenbocke vorzugehen, und zwar «trotz eines Verlustes von 35 Millionen Franken und haufenweisen Indizien für strafbare Verfehlungen der Trans-K-B-Verant- wortlichen».
«Man wolle abwarten, 'um die Vergleichsverhandlungen nicht zu stören', wird dazu von der Staatsanwaltschaft er- klärt».
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 7. Mai 1986
Rapport écrit du Conseil fédéral du 7 mai 1986
Der Bundesrat und seine Mitglieder beantworten grund- sätzlich keine offenen Briefe.
Der Bundesrat lehnt es in ständiger Praxis ab, Stellung zu Angelegenheiten zu nehmen, die nach der bundesstaatli- chen Kompetenzordnung in den Entscheidungsbereich von kantonalen Behörden fallen.
Präsident: Herr Ruf möchte eine kurze Erklärung abgeben.
Ruf-Bern: Im Falle der Affäre Dr. Hans W. Kopp Trans-K-B bestätigt sich leider mit kaum zu überbietender Ironie das Sprichwort «Die Kleinen hängt man, die Grossen lässt man laufen».
Die Tatsache, dass die Zürcher Justiz in dieser Affäre nicht eingreift, obwohl offensichtliche Offizialdelikte vorliegen ....
Präsident: Herr Ruf, wir führen jetzt keine materielle Diskus- sion. Sie können erklären, ob Sie befriedigt sind oder nicht.
Ruf-Bern: Herr Präsident, ich mache Sie darauf aufmerk- sam, dass Sie vorhin Herrn Sager die Möglichkeit gegeben haben, eine Erklärung materieller Natur abzugeben, obschon das Reglement keine Diskussion vorsieht, wenn ein Vorstoss unbestritten ist. (Unruhe im Saal)
Präsident: Ich muss Sie berichtigen, es handelte sich dort um eine Angelegenheit, die von einer Kommission durchbe- raten worden war.
Ruf-Bern: Dann mache ich Sie darauf aufmerksam, dass unter Ihrem Präsidium bei früheren Gelegenheiten Erklärun- gen von einer Minute Dauer oder sogar länger abgegeben werden konnten. Wenn Sie mir dies nicht auch zugestehen wollen, dann bestehe ich auf einer persönlichen Erklärung. Die Tatsache, dass die Zürcher Justiz in dieser Affäre nicht eingreift, obwohl offensichtliche Offizialdelikte begangen worden sind, und diese sogar noch selbst vertuscht, spottet jeder rechtsstaatlichen Ueberzeugung und Gesetzgebung Hohn. Es ist skandalös, wie krass Artikel 4 der Bundesver- fassung, wonach alle Schweizer vor dem Gesetze gleich seien, in diesem Fall missachtet wird. Offensichtlich gibt es in diesem Lande Bürger, die gleicher sind als andere, und dies ist ebenso skandalös wie die Antwort des Bundesrates, der sich in Missachtung des Parlaments bewusst um eine
Stellungnahme zu den genannten Missständen drückt. Wir werden darauf zurückkommen. Ich bin völlig unbefriedigt von der Antwort. (Unruhe im Saal)
Präsident: Sie werden, Herr Ruf, in diesem Rat genau gleichbehandelt wie alle übrigen Parlamentarier auch; aber Sie müssen sich daran gewöhnen, sich auch an die Usanzen unseres Geschäftsreglementes zu halten. Herr Ruf hat keinen Antrag auf Diskussion gestellt.
86.401
Interpellation der sozialdemokratischen Fraktion Marcos-Gelder in der Schweiz
Interpellation du groupe socialiste Avoirs déposés en Suisse par Marcos
Wortlaut der Interpellation vom 20. März 1986 Wir ersuchen den Bundesrat um Beantwortung folgender Fragen:
Wie beurteilt er den Interessengegensatz zwischen dem höheren Staatsinteresse der Schweiz und der Philippinen einerseits und der durch das Bankgeheimnis geschützten Fluchtgelder von Ferdinand Marcos anderseits?
Ist er willens, von den in Artikel 102 Absatz 8 der Bundes- verfassung verankerten Befugnissen zur Wahrung der Inter- essen der Eidgenossenschaft nach aussen im Sinne des höheren Staatsinteresses Gebrauch zu machen, bzw. sieht er darin eine Rechtsgrundlage, bei einem allfälligen Rechts- hilfegesuch die erwartete Hilfeleistung zu gewähren?
Ist er dazu bereit, im Sinne einer vorsorglichen Mass- nahme die auf schweizerischen Bankkonten liegenden Mar- cos-Gelder mit einem sofortigen Arrest zu belegen bzw. die entsprechenden Stellen zu einem solchen Arrest zu veran- lassen?
Wie beurteilt er ganz allgemein die Möglichkeiten, dem philippinischen Staat bei der Rückerstattung der Marcos- Fluchtgelder wirksam zu helfen, um damit u. a. auch zu verhindern, dass die Schweiz international erneut in ein landesschädigendes «Gerede» gerät?
Wäre es nicht angebracht, die freiwillige Sorgfaltsverein- barung der Banken zu überprüfen bzw. gesetzlich zu veran- kern, da nach Aussagen eines Direktors einer Grossbank gemäss AP-Meldung vom 19. März 1986 «bereits die Ein- schaltung eines Anwalts genügt, um die Banken von ihrer Sorgfaltspflicht zur Ueberprüfung der Identität des wirt- schaftlich Berechtigten zu entbinden»? Hält er diesen ein- deutigen Missstand für verantwortbar?
Texte de l'interpellation du 20 mars 1986
Nous prions le Conseil fédéral de répondre aux questions suivantes:
Que pense-t-il du conflit d'intérêts entre l'intérêt supérieur de l'Etat, soit de la Suisse et des Philippines, d'une part, et le secret bancaire qui protège les capitaux en fuite de Ferdi- nand Marcos, d'autre part?
Est-il prêt à faire usage, dans le but de sauvegarder l'intérêt supérieur de l'Etat, des attributions que lui confère l'article 102, 8e alinéa, de la constitution, à savoir le soin de veiller aux intérêts de la Confédération au-dehors; en d'au- tres termes, estime-t-il que cette disposition constitue une base légale lui permettant, si une demande d'entraide judi- ciaire lui est présentée, de fournir en l'occurrence l'assis- tance voulue?
Est-il disposé, à titre de meusre préventive, à mettre immédiatement sous séquestre les avoirs déposés par Mar- cos sur des comptes bancaires en Suisse ou à faire séques- trer ces avoirs par les institutions concernées ?
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Interpellation Ruf-Bern Affäre Trans-K-B Interpellation Ruf-Berne Affaire Trans-K-B
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Jahr
1986
Année
Anno
Band
III
Volume
Volume
Session
Herbstsession
Session
Session d'automne
Sessione
Sessione autunnale
Rat
Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
15
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 85.109
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Numero dell'oggetto
Datum 09.10.1986 - 08:00
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Data
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