Interpellation Leutenegger Oberholzer
2458
N
14 décembre 1990
arlberg. Macht der Ausländer in dieser Befragung keine asyl- rechtlich relevante Gefährdung im Heimatland geltend, so wird er nach den geltenden ausländerrechtliche Bestimmun- gen behandelt. Ueber die Einvernahme des zurückgeschobe- nen Ausländers und deren Resultat werden die schweizeri- schen Behörden nicht unterrichtet, da dies weder im Abkom- men vorgesehen ist, noch datenschutzrechtliche Bestimmun- gen einen derartigen Informationsaustausch zulassen wür- den.
Die Ueberprüfung der Einhaltung der Konvention über die Rechtsstellung der Flüchtlinge durch die Signatarstaaten ob- liegt dem Uno-Hochkommissariat der Vereinten Nationen. Von seiten dieser internationalen Organisation wurde den schweizerischen Behörden nie berichtet, unser Nachbarland würde sich nicht an die aus dem Abkommen fliessenden Ver- pflichtungen halten. Schon allein aus diesem Grunde ergibt sich keine Notwendigkeit, an der Vertragstreue im Einzelfall und im generellen zu zweifeln.
Nach dem vom Helsinki-Komitee publizierten Bericht fordert das Büro des Vertreters des UNHCR «laut eigener Auskunft in Vorarlberg 'stichprobenartig' Niederschriften in Fällen an, in denen Hinweise von Verwandten oder Schweizer Flüchtlings- organisationen eingehen, dass zurückgestellte Asylbewerber in ihren Heimatländern Verfolgung befürchten müssten. Da die Behörden immer mit einem solchen Verlangen rechnen müssten, trägt dieser faktische Mechanismus nach Ansicht des UNHCR zu einem sorgfältigeren Verhalten der Vorarlber- ger Sicherheitsbehörden bei». Die Tatsache, so fährt die Stel- lungnahme des UNHCR fort, dass es Personen gegeben habe, die sich weigerten, die Erklärung zu unterschreiben, wo- nach sie keinerlei Gefährdungen im Heimatland ausgesetzt seien, werde auch vom UNHCR als Zeichen gewertet, dass wirklich Verfolgte bei dieser Vorgehensweise nicht unter die Räder kommen.
Im Falle von Rückweisungen an der Grenze wie auch von Rücküberstellungen in Anwendung der bilateralen Abkom- men über die Uebernahme von Personen an der Grenze wer- den die Behörden des Drittstaates nicht darüber orientiert, ob der Ausländer ein Asylgesuch an die schweizerischen Behör- den gerichtet hat. Dies ergibt sich einerseits aus der Tatsache, dass es keinerlei Rechtsgrundlage für einen derartigen Infor- mationsaustausch gibt. Andererseits obliegt es jedem einzel- nen Staat, selbst die Vereinbarkeit von Entfernungs- und Fern- haltemassnahmen mit den völkerrechtlichen Verpflichtungen zu prüfen. Die Massnahmen des einen Staates können dabei keinen extraterritorialen Effekt bewirken. Eine Veränderung der Situation im Sinne der Fragestellung wird sich erst dann ergeben, wenn Rückweisungen den Regeln eines Abkom- mens über die Zuständigkeit zur materiellen Prüfung eines Asylgesuches folgen werden. Diese Ueberlegung ist ein Grund, weshalb die Schweiz seit Jahren aktiv auf den Ab- schluss des sogenannten «Erstasylabkommens» hinarbeitet.
Präsident: Die Interpellantin ist von der Antwort des Bundes- rates befriedigt.
90.657
Interpellation Leutenegger Oberholzer Staatsschutzkrise in Baselland Sécurité de l'Etat. Crise à Bâle-Campagne
Wortlaut der Interpellation vom 22. Juni 1990
Im Kanton Basel-Landschaft haben die Ereignisse um den Staatsschutz zu tragischen Ereignissen geführt. Der zustän- dige Beamte wählte den Freitod, fast 1300 Fichen sind ver-
schwunden. In diesem Zusammenhang wird der Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen gebeten:
Anfangs Mai 1990 wurde das eingeleitete Strafuntersu- chungsverfahren wegen Unterdrückung von Staatsschutzak- ten sistiert und die Einsetzung eines ausserordentlichen Un- tersuchungsrichters durch die Bundesanwaltschaft angekün- digt. Wann wurde der ausserordentliche Untersuchungsrich- ter durch den Bund nun tatsächlich eingesetzt, um damit ei- nen Beitrag zur Aufklärung der Baselbieter Staatsschutzaffäre zu leisten?
Ist der Bundesrat nicht auch der Meinung, dass die von Liestal nach Bern transferierten Karteikarten zumindest als Ko- pie in Baselland der kantonalen Geschäftsprüfungskommis- sion zur Verfügung stehen sollten? Wenn ja, ist der Bundesrat bereit, den Sonderbeauftragten anzuweisen, solche Kopien nach Liestal zu schicken?
Wie kann gewährleistet werden, dass in der Zwischenzeit die Umstände des Tatbestandes der Aktenunterdrückung nicht verwischt werden können?
Welche Massnahmen wurden anfänglich durch den zustän- digen untersuchenden Statthalter in dieser Sache ergriffen? Was geschieht mit allfällig aufgenommenen Untersuchungs- ergebnissen?
Ist es möglich, dass die im Kanton Basel-Landschaft ver- schwundenen Staatsschutzakten beim Bund wieder eruiert werden können?
Wie ist es zu erklären, dass Personen in den Kantonen wie z. B. in Baselland auf Anfrage bei Bund und Kanton unter- schiedliche Angaben über den Tatbestand ihrer Registrierung erhalten, indem z. B. der Kanton bestätigt, dass eine Staats- schutzakte bestehe, der Sonderbeauftragte dies aber ver- neint?
Texte de l'interpellation du 22 juin 1990
Dans le canton de Bâle-Campagne, les événements touchant à la sécurité de l'Etat ont conduit à une tragédie, puisque le fonctionnaire responsable s'est donné la mort et que quelque 1300 fiches ont disparu. Dans ce contexte, le Conseil fédéral est invité à répondre aux questions suivantes:
Au début mai 1990, nous avons appris la suspension de la procédure d'enquête pénale entamée pour cause de suppres- sion de dossiers de la sécurité de l'Etat ainsi que la nomination d'un juge d'instruction extraordinaire par le Ministère public de la Confédération. Quand la Confédération a-t-elle effective- ment donné à ce juge pour mandat de participer à l'enquête sur le dossier de la sécurité de l'Etat de Bâle-Campagne?
Le Conseil fédéral est-il également d'avis que la commis- sion de gestion du canton de Bâle-Campagne devrait dispo- ser au moins de copies des fiches remises par Liestal à Berne? Dans l'affirmative, le Conseil fédéral est-il prêt à faire faire le né- cessaire par le préposé spécial?
De quelle manière peut-on empêcher que toute trace des éléments permettant d'établir les responsabilités de la sup- pression des fiches ne disparaisse dans l'intervalle?
Quelles mesures le préfet chargé de l'enquête a-t-il prises au départ? Qu'adviendra-t-il des conclusions auxquelles ce- lui-ci a pu arriver?
Les fichiers de sécurité de l'Etat disparus dans le canton de Bâle-Campagne pourraient-ils être retrouvés dans les dos- siers que possède la Confédération?
Comment se fait-il que des personnes qui s'adressent à la fois à la Confédération et à leur canton (celui de Bâle-Campa- gne, par exemple) obtiennent des réponses différentes sur l'existence ou non d'une fiche sur leur compte? Il est notam- ment arrivé que le canton confirme qu'il existe un dossier sur une personne donnée alors que le préposé spécial nie son existence.
Mitunterzeichner - Cosignataires: Keine - Aucun
Schriftliche Begründung - Développement par écrit Die Urheberin verzichtet auf eine Begründung und wünscht eine schriftliche Antwort.
2459
Interpellation Spielmann
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 24. September 1990 Rapport écrit du Conseil fédéral
du 24 septembre 1990
2./5. Der Vorsteher des EJPD hat der Geschäftsprüfungskom- mission des Kantons Basel-Landschaft alle Ersuchen bewil- ligt. Die Art der Dossieranlage in Bern, die in erster Linie nach den Ereignissen und nicht nach dem Absender erfolgt, erlaubt jedoch nicht, eindeutig festzustellen, ob in Liestal Akten ver- nichtet wurden und, wenn ja, welche. Die mit den Abklärungen betraute Kommission des Kantons Basel-Landschaft hat an- lässlich ihres Besuches bei der Bundesanwaltschaft Gelegen- heit gehabt, entsprechende Vergleiche anzustellen und die notwendigen Fichen zu konsultieren. Was die im Rahmen des nun abgeschlossenen Ermittlungsverfahrens nach Bern trans- ferierten Akten betrifft, so wird der besondere Vertreter des Bundesanwaltes die vollständigen Akten an das Bezirksstatt- halteramt Liestal zurücksenden.
Es ist vom besonderen Vertreter des Bundesanwaltes bzw. vom kantonalen Untersuchungsrichter zu beurteilen, ob Kollu- sionsgefahr besteht. Im Bereich der Bundesanwaltschaft sind durch die Einsetzung des Sonderbeauftragten für die Behand- lung der Staatsschutzakten die Massnahmen getroffen, um das Verschwinden von Akten zu verhindern.
Der Bundesrat kann über kantonsinterne Verfahren keine Auskunft erteilen. Die Information über strafrechtliche Ermitt- lungen erfolgt zudem immer durch die zuständigen richterli- chen Behörden.
Bei der Bundesanwaltschaft werden die eingereichten Ak- ten richtigerweise nicht nach allen von den Kantonen gemel- deten Personen erschlossen, sondern nur nach jenen, deren Erfassung nach den zur betreffenden Zeit massgebenden prä- ventiv-polizeilichen Kriterien notwendig erscheint. Dieser Grundsatz hat mit dem Erlass der Negativliste an Bedeutung gewonnen, indem alle Meldungen genau überprüft werden, ob die personenmässige Erschliessung wirklich notwendig sei.
Präsident: Die Interpellantin ist von der Antwort des Bundes- rates teilweise befriedigt.
90.751
Interpellation Spielmann Rückkehrhilfe für Chilenen und Chileninnen Aide au retour pour les Chiliens
Wortlaut der Interpellation vom 1. Oktober 1990
Seit einiger Zeit kehren viele Chilenen und Chileninnen, wel- che nach dem Putsch von Pinochet im Jahre 1973 als aner- kannte politische Flüchtlinge in der Schweiz gelebt haben, mit ihren Familien in ihre Heimat zurück, und dies ohne offizielle Hilfe der Schweiz oder der Hilfswerke. Da kein Sozialversiche rungsabkommen mit Chile besteht, verlieren sie ihre Ansprü- che auf künftige AHV/IV-Renten. Sie können lediglich ihre ein- bezahlten Arbeitnehmerbeiträge zurückverlangen. Auf die zu- rückerstatteten Pensionskassenbeiträge legt gar noch der Fis-
kus die Hand. Beim DFW existiert lediglich eine Ziffer 3.4.3., die die Richtsätze vom 12. Juni 1987 für die Bemessung der materiellen Hilfe an Flüchtlinge festlegt. Es sind mir keine Fälle bekannt, wo die Hilfe mehr beinhaltete als die Bezahlung der Flugtickets in die Heimat. Trotz Interesse von seiten gewisser Hilfswerke an Rückkehrhilfeprojekten gibt es bis heute keine solchen. Es bestand lediglich ein zeitlich befristetes Projekt für rückkehrende Asylbewerber (nicht Flüchtlinge). Die Hilfs- werke werden von sich aus nicht aktiv. Sie warten auf Geld für ein solches Projekt vom DFW.
Ich frage den Bundesrat an:
Wie viele Chilenen und Chileninnen sind schon zurückge- kehrt?
Wie viele Beiträge von Chilenen und Chileninnen hat die AHV schon «verdient»?
Was unternimmt der DFW, um rückkehrwillige Chilenen und Chileninnen zu unterstützen, richtig zu informieren und zu be- raten?
Wird der Bundesrat mit Chile Verhandlungen für ein umfas- sendes Sozialversicherungsabkommen aufnehmen?
Ist der Bundesrat bereit, Rückkehrhilfeprojekte finanzieren zu helfen?
Texte de l'interpellation du 1er octobre 1990
Depuis un certain temps, de nombreux Chiliens et Chiliennes, qui sont venus habiter la Suisse au lendemain du coup d'Etat de 1973 dirigé par Pinochet et qui disposent du statut de réfu- gié politique, retournent dans leur pays avec leur famille, et cela, sans bénéficier d'une aide des autorités suisses et des oeuvres d'entraide. Comme il n'existe pas de convention avec le Chili en matière d'assurances sociales, ils perdent leurs droits à de futures rentes AVS/Al. Ils peuvent tout au plus récu- pérer les cotisations d'employés qu'ils ont versées. En outre, le fisc prélève encore des impôts sur les cotisations rembour- sées par les caisses de retraite. Au DAR, il n'existe qu'un texte portant sur l'aide à la réinstallation, à savoir le chiffre 3.4.3 des normes du 12 juin applicables à l'aide financière des réfugiés. Je ne connais personne qui ait bénéficié d'une aide supé- rieure à l'équivalent d'un billet d'avion gratuit pour retourner dans son pays. Bien que certaines oeuvres d'entraide se soient intéressées à des projets d'aide au retour, rien de con- cret n'a été réalisé jusqu'à ce jour, à part un projet limité dans le temps en faveur des requérants d'asile (et non des réfugiés) rentrant dans leur pays. Pour ceux-ci, les oeuvres d'entraide n'entreprennent rien de leur propre gré et attendent que le DAR leur donne des fonds pour financer un tel projet.
A ce sujet, je pose les questions suivantes au Conseil fédéral:
Combien de Chiliens et Chiliennes sont déjà rentrés dans · leur pays?
A combien s'élève le montant des cotisations de Chiliens et Chiliennes «empoché» par les caisses de l'AVS?
Qu'entreprend le DAR pour soutenir les Chiliens et Chilien- nes désirant rentrer dans leur pays, pour les informer correcte- ment et pour leur donner des conseils?
Le Conseil fédéral compte-t-il engager avec le Chili des né- gociations portant sur une convention détaillée en matière d'assurances sociales?
Le Conseil fédéral est-il prêt à contribuer au financement de projets d'aide au retour?
Mitunterzeichner - Cosignataires: Keine - Aucun
Schriftliche Begründung - Développement par écrit L'auteur renonce au développement et demande une réponse écrite.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 21. November 1990 Rapport écrit du Conseil fédéral du 21 novembre 1990
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Interpellation Leutenegger Oberholzer Staatsschutzkrise in Baselland Interpellation Leutenegger Oberholzer Sécurité de l'Etat. Crise à Bâle-Campagne
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Jahr
1990
Année
Anno
Band
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Volume
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Session
Wintersession
Session
Session d'hiver
Sessione
Sessione invernale
Rat
Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
15
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 90.657
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum 14.12.1990 - 08:00
Date
Data
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2458-2459
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20 019 376
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