Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale
Jubiläumssession - Session commémorative
1991
Erste Sitzung - Première séance
Donnerstag, 2. Mai 1991, Nachmittag Jeudi 2 mai 1991, après-midi
15.00 h Vorsitz - Présidence: Herr Bremi
Präsident: Die Festsitzung der Vereinigten Bundesversamm- lung zum 700-Jahr-Jubiläum der Schweizerischen Eidgenos- senschaft ist eröffnet.
Francis Schmidhäusler, Trompete - trompette René Schmidhäusler, Trompete - trompette Stanley Clark, Posaune -trombone Josef Zink, Posaune - trombone
Franz Rechsteiner
Bläserserenade
Präsident: Die Welt ist in Bewegung geraten. Ganz besonders Europa erwacht und ist in Bewegung geraten. Wir Schweize- rinnen und Schweizer haben uns davon überraschen lassen. Heute hat auch die Schweiz Tritt gefasst. Spät vielleicht, aber wir haben die äusseren und inneren Herausforderungen an- genommen.
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Von aussen drängt Europa mit der Frage, wo wir stehen. Es drängt die Natur mit der Frage, wie wir mit ihr umgehen. Es drängen Millionen Menschen, für die auch unser Land zu den unvorstellbar glücklichen Inseln gehört, mit der Frage, wie wir helfen. Von innen drängt unser Volk nach beherzten, coura- gierten Behörden und nach demokratischen Entscheiden. Ausgerechnet in ihrem siebenhundertsten Jahr wird die Schweiz zum Thema für uns alle. Nicht deshalb, weil sie zu den ältesten Nationen der Welt gehört. Siebenhundert Jahre Erfah- rung sind nicht genug, um die Gegenwart zu bewältigen. Er- fahrung ist nie genug. Es braucht immer Ideen, Lösungen, Lei- stungen.
Viel politische Führung ist hier versammelt. Das Schweizervolk sieht uns zu. Erfahrung traut es uns zu. Erwartet werden aber · neue Ideen, neue Lösungen, neue Leistungen.
Heute ist ein Tag, an dem wir nicht nur von Erfahrungen und Leistungen sprechen wollen - ich kann es auch nicht. Mein Land hat siebenhundert Jahre Geschichte hinter sich. Ich liebe dieses Land und möchte es an diesem Geburtstag zei- gen. Es ist meine Heimat, ohne Wenn und Aber, es ist meine Heimat. Eine wahre Heimat ist unsere Schweiz, weil sie es nicht nur für die einen ist, weil sie Heimat ist für alle Schweizer, weil sie so viel Verschiedenartigkeit umschliesst und ein- schliesst. Es gibt kaum eine Beschreibung, die auf alle oder auf die meisten Schweizer zutrifft. Wir schreiben vier Sprachen und sprechen vierzig Mundarten. Wir streiten uns unablässig, politisch und kulturell, und wir besinnen uns immer wieder auf gemeinsame Wege. Viele sagen, die Schweiz sei eine Willens- nation, und das ist sie wohl auch. Sicher ist sie aber ebenso eine Freundschaftsnation. Was meine ich damit? Emotionen verbinden uns stärker als der politische Wille. Gefühle lassen sich nicht durch unterschiedliche Argumente zerstören. Zei- gen wir unsere Gefühle, zeigen wir sie offen und ohne Scheu, man darf es sehen.
Im Namen der Bundesversammlung danke ich Ihnen für Ihr Erscheinen zu unserer Feier, die eine Arbeitsgruppe aus allen Fraktionen unter der Leitung unseres verstorbenen Kollegen und Ständeratspräsidenten Dr. Max Affolter vorbereitet hat.
Feiern wollen wir, indem wir zeigen, von wo bis wo die Schweiz reicht. Wir zeigen dies im Jahre 1991 mit kulturellen, politi- schen, aussenpolitischen, kirchlichen und auch sportlichen Anlässen in allen Landesteilen. Wir wollen die Schweiz mit sich selbst konfrontieren. Das heisst auch, wir wollen uns mit uns selbst konfrontieren. Heute geschieht dies durch Musik, durch Gedanken von Exponenten unserer Behörden und durch eine kritische Komödie.
Von wo bis wo reicht die Schweiz? Die Frage provoziert Ant- worten und Widerrede. Die Schweiz lässt niemanden gleich- gültig. Unser Geburtstagsjahr ist ein fruchtbares Jahr. Auch unser Parlament trägt zur Diskussion bei; nicht erst jetzt, seit Wochen schon. Der Entscheid, Friedrich Dürrenmatts Komö- die «Herkules und der Stall des Augias» aufzuführen, hat zu Kritik und Widerrede geführt. Wir haben Briefe erhalten und mündliche Ratschläge, von links und von rechts. Alle, die an uns herangetreten sind, Kulturschaffende und Politiker, woll- ten das gleiche: den Verzicht auf die Aufführung des Dürren- matt-Stückes in diesem Saal. Das Ziel war das gleiche, die Mo- tive allerdings waren sehr entgegengesetzt. Erlauben Sie mir deshalb einige Worte zu diesen Vorgängen, die mich einer- seits nachdenklich gemacht haben, die mich andererseits aber auch in meinem liberalen Credo herausforderten. Zu- nächst zu den Einwänden aus konservativer Sicht, also aus
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Anno
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Jubiläumssession
Session
Session commémorative
Sessione
Sessione commemorativa
Rat
Vereinigte Bundesversammlung
Conseil
Assemblée fédérale
Consiglio
Assemblea federale
Sitzung
00
Séance
Seduta
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Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum
02.05.1991
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Seite
37-37
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