N 11 mars 1991
384
Motion Ziegler
89.756 Interpellation Scherrer Bestrafung schweizerischer Carchauffeure im Ausland Chauffeurs de cars condamnés à l'étranger
Siehe Jahrgang 1990, Seite 746 - Voir année 1990, page 746
Diskussion - Discussion
Scherrer: Auf meine Interpellation hat der Bundesrat perfekt geantwortet, das muss ich zugeben. Vom juristischen Stand- punkt aus ist nichts dagegen einzuwenden. Nur, Sie schrei- ben hier, der Carführer, der in Italien - meistens ist es Italien, mitunter auch Frankreich - gebüsst wird, weil er in der Schweiz mit den zulässigen 100 km/h gefahren ist - in Italien und Frankreich gelten nur 90 km/h -, könne sich auf den Rechtsweg begeben. Herr Bundesrat, wie stellen Sie sich das vor? Ein Carchauffeur fährt in Italien, z. B. in der Gegend von Mailand, das Fahrzeug ist mit Fahrgästen besetzt. Jetzt wird er angehalten, er muss die Tachoscheibe öffnen, das dauert schon 5 bis 10 Minuten, das gibt eine Verspätung; die ist nicht tragisch. Aber jetzt büsst ihn die italienische Polizei, weil auf der Tachoscheibe 100 km/h aufgezeichnet sind, die er viel- leicht im Raum Zürich oder Luzern gefahren ist. Diese 100 km/h sind in der Schweiz erlaubt. Er erklärt das dem Polizi- sten, und dieser sagt: Interessiert mich nicht, in Italien sind 90 km/h die Höchstgeschwindigkeit, du bezahlst jetzt die Busse, oder du fährst nicht weiter.
Ja, wie soll sich dieser Carchauffeur jetzt auf den Rechtsweg begeben? Er bezahlt die Busse, knirscht mit den Zähnen, der Arbeitgeber ersetzt ihm das Geld, das ist auch nicht das Pro- blem. Aber ein Rechtsweg kann doch da nicht beschritten wer- den! Ich kenne die Fälle - ich habe selbst in einem Carunter- nehmen gearbeitet -, wenn die Chauffeure mit den Bussen nach Hause kommen; sie können doch nichts unternehmen. Die Busse bezahlen sie einfach, weil sie, wenn sie den Rechts- weg beschreiten und in Italien Rekurs machen, ohnehin keine Chance haben. Bezahlt der Chauffeur die Busse nicht, dann kann er einfach nicht weiterfahren.
Ich möchte Sie also schon bitten, Herr Bundesrat, beim näch- sten Treffen mit dem Verkehrsminister in Italien diesen Punkt einmal anzusprechen oder zu intervenieren, damit solche Missbräuche des ausländischen Rechts zuungunsten unserer Carchauffeure vermieden werden. Ich wäre Ihnen dafür sehr dankbar.
Blocher: Ich möchte Herrn Scherrer unterstützen und Herrn Bundesrat Koller bitten, dieses Problem bei den betreffenden ausländischen Staaten zur Sprache zu bringen. Es ist doch ei- genartig, dass jemand aufgrund eines Kilometeranzeigers be- straft wird, für Dinge also, die in einem anderen Land getan wurden und dort ein richtiges Verhalten darstellen. Natürlich kann man den Rechtsweg beschreiten. Aber es ist für einen Carchauffeur oder für einen Lastwagenfahrer keine einfache Sache, wegen einer Busse in Frankreich oder in Italien den Rechtsweg zu beschreiten. Erstens kostet es sehr viel, zwei- tens weiss er sich auch nicht recht zu helfen und weiss nicht, wie man dies macht. Ich halte das Ganze für der europäischen Rechtstradition unwürdig.
Bundesrat Koller: Mit dem Rechtsstaat Italien habe ich eine persönliche Erfahrung gemacht; er arbeitet oft leider sehr langsam, aber oft arbeitet er doch: Vor sehr vielen Jahren wurde ich in Italien selber das Opfer eines Verkehrsunfalls, und zu meinem grossen Erstaunen wurde mir die Rechnung nach zwei Jahren dann doch noch bezahlt. Aber ich will gerne
meinem Kollegen Ogi einmal mitteilen, dass er den Verkehrs- minister auf diesem Wege auf diese Probleme aufmerksam macht.
89.796
Motion Ziegler Unfälle durch Lastwagen Accidents provoqués par des camions
Wortlaut der Motion vom 14. Dezember 1989
Der Bundesrat wird beauftragt, mit einer Verordnung oder mit einer Aenderung des Strassenverkehrsgesetzes einen seitli- chen Unterfahrschutz für die Lastwagen, die auf Schweizer Strassen verkehren, vorzuschreiben. Die Erfahrungen des Auslandes haben gezeigt, dass solche Vorrichtungen das Le- ben von Verkehrsteilnehmern auf Zweiradfahrzeugen, die mit Lastwagen kollidieren, schützen können.
Texte de la motion du 14 décembre 1989
Le Conseil fédéral est invité à obliger les camions circulant sur les routes suisses (par voie d'ordonnance ou par une révision partielle de la loi fédérale sur la circulation routière) à fixer deux barres latérales qui - selon toutes les expériences connues à l'étranger - peuvent préserver la vie des victimes de véhicules à deux roues impliqués dans une collision.
Mitunterzeichner - Cosignataires: Keine - Aucun
Schriftliche Begründung - Développement par écrit
Des centaines de personnes meurent tous les ans sur les rou- tes suisses. Beaucoup d'entre elles sont les usagers de véhi- cules à deux roues écrasés par des camions. Des expériences étrangères le prouvent: en posant deux barres latérales sur les camions, on permettrait la réduction du nombre des victimes et une baisse de la gravité des blessures.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 21. Februar 1990 Rapport écrit du Conseil fédéral du 21 février 1990
Le Conseil fédéral n'ignore pas ce problème. Le 13 avril 1989, la CE a en effet établi une directive concernant les dispositifs latéraux de protection pour les voitures automobiles lourdes et leurs remorques. Cette directive n'est toutefois pas applicable à certaines catégories de véhicules, tels que les tracteurs à sel- lette et les remorques servant au transport de longs matériaux ainsi qu'aux véhicules utilisés à des fins spéciales, sur les- quels il est impossible de monter de tels dispositifs de protec- tion, pour des raisons pratiques.
Financé par le Fonds de sécurité routière et organisé avec la collaboration de l'industrie suisse des transports routiers, un essai pratique est actuellement en cours. Il vise notamment à déterminer, pour diverses catégories de véhicules, non seule- ment les effets de protection que peuvent avoir des dispositifs de ce genre, mais également leurs conséquences sur la ma- niabilité, la projection d'embruns en cas de pluie ou de neige et les émissions de bruit. Au terme de cet essai, qui durera pro- bablement jusqu'à fin 1990, le Conseil fédéral fixera les exigen- ces techniques auxquelles les dispositifs latéraux de protec- tion doivent répondre et désignera les genres de véhicules qui doivent en être équipés. A cet effet, il sera nécessaire de modi- fier l'ordonnance sur la construction et l'équipement des véhi- cules routiers (RS 741.41).
Pour des motifs juridiques, la motion ne peut être acceptée en tant que telle. En effet, selon l'article 8 de la loi fédérale du 19 décembre 1958 sur la circulation routière (RS 741.01), la
385
Postulat Meier-Glattfelden
compétence d'édicter des prescriptions sur la construction et l'équipement des véhicules automobiles appartient au Conseil fédéral. Or, dans les domaines où le législateur habi- lite le Conseil fédéral à légiférer, c'est-à-dire dans le domaine législatif délégué, il n'est pas possible d'obliger, par voie de motion, le Conseil fédéral à faire usage de sa compétence.
Schriftliche Erklärung des Bundesrates Déclaration écrite du Conseil fédéral Le Conseil fédéral propose de transformer la motion en postu- lat.
Präsident: Der Bundesrat ist bereit, die Motion als Postulat entgegenzunehmen. Der Motionär ist damit einverstanden.
Ueberwiesen als Postulat - Transmis comme postulat
90.432
Postulat Meier-Glattfelden Treibstoffverbrauch für Personenwagen Voitures particulières. Consommation de carburant
Wortlaut des Postulates vom 20. März 1990
Der Bundesrat wird ersucht zu prüfen, ob der maximal zuläs- sige spezifische Norm-Benzinverbrauch pro 100 Kilometer für neu zugelassene Personenwagen begrenzt und, erstmals auf den 1. Januar 1991, auf 9 Liter (gemessen aufgrund des FTP- 75-Stadtwertes) festgelegt werden kann. Der obere Wert für andere Treibstoffarten und Motorräder wäre analog festzu- schreiben.
Texte du postulat du 20 mars 1990
Le Conseil fédéral est prié d'examiner s'il serait possible de li- miter la consommation maximale de carburant aux 100 kilomètres pour les nouvelles voitures particulières. La li- mitation devra être fixée à 9 litres (mesurée selon la norme US 75 «Federal Test Procedure FTP» applicable à la consom- mation urbaine) au premier janvier 1991. Cette valeur pourrait être imposée pour d'autres espèces de carburant et être éga- lement appliquée aux motos.
Mitunterzeichner - Cosignataires: Baerlocher, Bär, Diener, Fierz, Gardiol, Hafner Rudolf, Leutenegger Oberholzer, Re- beaud, Schmid, Stocker, Thür (11)
Schriftliche Begründung - Développement par écrit
Zu einem gut ausgebauten Netz des öffentlichen Verkehrs ge- hört ein vernünftiges Auto. Ein vernünftiges Auto ist in erster Li- nie ein Auto mit geringem Benzinverbrauch und kleinem Schadstoffausstoss. Die vorgeschlagene Massnahme ist in den USA bereits eingeführt. Die obere Benzinverbrauchslimite wäre stufenweise zu senken. Als Zielgrösse ist bis im Jahr 2000 ein spezifischer Benzinverbrauch von 3 Litern für Perso- nenwagen anzustreben.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 11. Juni 1990 Rapport écrit du Conseil fédéral du 11 juin 1990
Zurzeit ist eine gesetzliche Grundlage, die es dem Bundesrat erlauben würde, den höchstzulässigen Treibstoffverbrauch für Fahrzeuge vorzuschreiben, nicht vorhanden. Im Rahmen des Energienutzungsbeschlusses werden jedoch auch Zulas- sungsbeschränkungen für Fahrzeuge geprüft. Damit wird dem Anliegen des Postulats bereits Rechnung getragen. Die mehrfache Prüfung gleicher oder gleichartiger Vorschläge
ist angesichts der Ueberlastung der Bundesverwaltung nicht sinnvoll. Das Postulat ist ausserdem - schon rein hinsichtlich der vorgesehenen Termine - wenig realistisch.
Schriftliche Erklärung des Bundesrates Déclaration écrite du Conseil fédéral Der Bundesrat beantragt, das Postulat abzulehnen.
Meier-Glattfelden: In meinem Postulat bitte ich den Bundesrat zu prüfen, ob der maximal zulässige spezifische Norm-Benzin- verbrauch pro 100 Kilometer für neu zugelassene Personen- wagen begrenzt werden könne. Damit möchte ich ein vernünf- tiges Auto. Und ein vernünftiges Auto ist in erster Linie ein Auto mit geringem Benzinverbrauch und geringem Schadstoffaus- stoss.
Die vorgeschlagene Massnahme ist in den USA bereits einge- führt. Die obere Benzinverbrauchslimite wäre stufenweise zu senken; als Zielgrösse ist bis im Jahr 2000 ein spezifischer Benzinverbrauch von drei Litern für Personenwagen anzustre- ben.
Wie begründet nun der Bundesrat seine Ablehnung?
Erstens: Mein Ansinnen würde geprüft, und zwar im Rahmen des Energienutzungsbeschlusses; damit würde meinem An- liegen bereits Rechnung getragen. Zweitens schreibt der Bun- desrat, man könne nicht gleiche Anliegen mehrfach prüfen. Drittens sei das Postulat «schon rein hinsichtlich der vorgese- henen Termine wenig realistisch».
Herr Monteverdi, ein bekannter schweizerischer Autokon- strukteur, sagte in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» am 19. Oktober 1989: «So hat etwa die Firma Renault - hier- über wurde in der 'Automobil-Revue' berichtet - den Journali- sten ein Dreizylindermodell vorgestellt, das meine geforderten Werte» - er fordert diese Werte auch - «berücksichtigt und er- füllt. Die Pressevertreter wurden eingeladen, den Wagen zu fahren. Dabei sollte versucht werden, den Benzinverbrauch auf über drei Liter zu bringen. Der höchst ermittelte Verbrauch belief sich auf 2,8 Liter. Was ich als einzelner Automobilkon- strukteur kann, kann die Automobilindustrie mit ihren Compu- tern noch viel besser. Sie können mir aber auch einen VW-Golf oder einen grossen BMW bringen. Beide trimme ich im Rah- men meiner Formel auf einen Benzinverbrauch von drei Litern auf 100 km.»
Das sagt Monteverdi. Das gilt, so sagt er, bereits heute. Und der Bundesrat findet, eine Zeitlimite bis ins Jahr 2000 sei un- realistisch.
Eigentlich könnte ich ja zufrieden sein: Der Bundesrat sagt, mein Anliegen würde geprüft. Aber ich bitte Sie trotzdem, mein Postulat zu überweisen.
Bundesrat Koller: Wenn wir das Postulat zur Ablehnung emp- fehlen, dann einfach deshalb, weil wir im SVG keine gesetzli- che Grundlage haben.
Diese Frage wird aber im Rahmen des Energienutzungsbe- schlusses geprüft; insofern - das will ich Herrn Nationalrat Meier-Glattfelden zugestehen - wäre es vielleicht geschickter gewesen zu schreiben, das Postulat könne als erfüllt abge- schrieben werden.
Abstimmung - Vote Für Ueberweisung des Postulates 33 Stimmen Dagegen 34 Stimmen
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Motion Ziegler Unfälle durch Lastwagen Motion Ziegler Accidents provoqués par des camions
In
Dans
In
Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale
Jahr
1991
Année
Anno
Band
II
Volume
Volume
Session
Frühjahrssession
Session
Session de printemps
Sessione
Sessione primaverile
Rat
Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
06
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 89.796
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum 11.03.1991 - 14:30
Date
Data
Seite
384-385
Page
Pagina
Ref. No
20 019 670
Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.