N 10 juin 1991
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Interpellation Mühlemann
Bundesrat Koller: Nur kurz zu drei Punkten.
Herr Nationalrat Hess hat gesagt: Selbst wenn jetzt dieses Jahr die Chance bestehe, 27 000 Entscheide zu fällen, bliebe dann trotzdem noch eine Lücke, weil wir 50 000 Gesuche er- warten würden. Mit dem Aktionsprogramm werden wir errei- chen, dass wir eine Entscheidkapazität von rund 47 000 Ent- scheiden realisieren können; denn etwa 10 000 Entscheide werden uns die Entscheidvorbereitungen durch die Kantone bringen, eine Möglichkeit, die wir mit dem AVB letztes Jahr neu geschaffen haben. Für 10 000 werden wir zusätzlich Kapazität im Rahmen eines Personalantrages schaffen müssen, den ich dem Bundesrat bereits eingereicht habe. Ich glaube, damit sollten dann wirklich die Voraussetzungen erfüllt sein, dass die dissuasive Wirkung der raschen Entscheide wirkt, damit wir mit unseren Zahlen wieder auf Grössenordnungen herunter- kommen, die mit gewissen Nachbarländern auch einigermas- sen vergleichbar sind.
In bezug auf die Quotenregelung: Allen, die die Lösung des Problems in diesen Quoten oder Kontingenten sehen, möchte ich einfach zu bedenken geben, dass das mit den Konventio- nen nicht kompatibel ist. Ich hätte gerne, wenn mir jemand ein- mal erklären würde, wie wir diese Quotenregelung rein prak- tisch durchführen sollten; denn glauben Sie, dass jene Leute, die über die Quote hinaus in unser Land kommen, aus unse- rem Land leichter wieder wegzuweisen sind als jene, gegen die ein negativer Asylentscheid besteht? Eine Quotenrege- lung könnten Sie wirklich nur realisieren, wenn Sie eine viel, viel intensivere Ueberwachung bereits an der Grenze hätten. Sie wissen, dafür brauchten wir viel mehr Grenzwächter. Die finden wir nicht. Wer Quotenregelung sagt, muss also auch Ar- mee-Einsatz, Unterstützung der Grenzwacht durch die Armee sagen, nur damit wir uns wenigstens diesbezüglich einig sind. Ein letzter Punkt: Wer immer wieder auf die Kompetenz des Bundesrates hinweist, Artikel 9 Notrecht, den möchte ich ein- fach auch bitten, mir und dem Gesamtbundesrat zu sagen, was wir unter diesem Titel tun sollen; denn dieser Artikel 9 ist meiner Meinung nach heute weitgehend eine Leerformel ge- worden. Was im Rahmen der Konventionen und unserer Ver- fassung möglich ist, haben wir weitestgehend schon genutzt.
90.894
Interpellation Mühlemann Massnahmen für eine wirksame Asylpolitik Application de la politique d'asile
Wortlaut der Interpellation vom 27. November 1990
Die Flut von Asylbewerbern erreichte im Oktober 1990 die Re- kordmarke von 5000 Flüchtlingen. Es dürften deshalb bis Ende 1990 etwa 35 000 neue Asylbewerber in unser Land ein- reisen. Diese kritische Situation in der Asylpolitik ist entstan- den, obwohl die eidgenössischen Räte in der Junisession 1990 eine griffige Revision des Asylgesetzes vorgenommen haben und die entsprechende Verordnung auf den 1. Oktober 1990 sinngemäss angepasst wurde.
Es gelang dem Bundesrat bis jetzt nicht, die Vollzugsmass- nahmen wirksam voranzutreiben und vor allem die Nichtein- tretensentscheide kurzfristig durchzusetzen. Nur nach hart- nackigem Druck von aussen hat der Bundesrat Polen, Ungarn und die Tschechoslowakei als verfolgungssichere Länder be- zeichnet, in welche die Flüchtlinge ohne Gefährdung sofort zu- rückgewiesen werden können. Wenn wir eine innenpolitische Krise vermeiden wollen, muss der Bundesrat auch die Grenz- wachtorgane verstärken, um der Schleppertätigkeit Einhalt zu gebieten. Es gilt aber ebenso, Projekte der Entwicklungszu- sammenarbeit in den Herkunftsländern von Asylanten endlich
zu realisieren, um das Uebel an den Wurzeln anzupacken. Die neue Rekordzahl an Flüchtlingen sollte den Bundesrat zwin- gen, die abhaltende Wirkung gegenüber den Asylbewerbern deutlich zu erhöhen, damit er nicht zum schwer durchsetzba- ren Hilfsmittel notrechtlicher Massnahmen greifen muss.
Der Bundesrat wird deshalb eingeladen, folgende Fragen zu beantworten:
Wann gedenkt er das gesetzlich vorgeschriebene Be- schleunigungsverfahren bei Nichteintretensentscheiden wirk- sam durchzusetzen?
Wann bezeichnet er weitere verfolgungssichere Staaten wie beispielsweise Bulgarien, Rumänien oder Jugoslawien (ohne Provinz Kosovo)?
Wann schafft er zusätzliche Empfangsstellen für Asylbewer- ber zur Entlastung der Standorte Basel, Chiasso, Genf und Kreuzlingen?
Wann verstärkt er die Grenzkontrollen, um den illegalen Uebertritt an der grünen Grenze zu erschweren und die Tätig- keit der Schlepperorganisationen zu unterbinden?
Wann realisiert er Projekte zur Entwicklungszusammen- arbeit in den Herkunftsländern von Asylbewerbern?
Texte de l'interpellation du 27 novembre 1990
L'afflux de demandeurs d'asile a atteint, en octobre 1990, la barre des 5000 requérants. A ce rythme, quelque 35 000 nou- veaux demandeurs devraient être entrés dans notre pays d'ici à fin 1990. La Suisse est en proie à cette situation critique, bien que les Chambres fédérales aient procédé, lors de la session de juin 1990, à une révision sérieuse de la loi sur l'asile et que l'ordonnance y relative ait été adaptée en conséquence avec effet au 1er octobre 1990.
Jusqu'à présent, le Conseil fédéral n'a manifestement pas réussi à accélérer efficacement les mesures d'exécution et, plus particulièrement, à faire appliquer à brève échéance les décisions de non-entrée en matière. Ce n'est qu'à la suite d'une pression opiniâtre de l'extérieur que le Conseil fédéral a fini par mettre la Pologne, la Hongrie et la Tchécoslovaquie sur la liste des pays dans lesquels il n'y a pas de persécutions et vers lesquels les requérants peuvent être immédiatement re- foulés, sans qu'une menace ne plane sur eux. Si nous voulons éviter une crise politique dans notre pays, le Conseil fédéral doit aussi renforcer les organes de contrôle à la frontière afin d'enrayer l'activité des passeurs. Mais il importe aussi de réali- ser enfin des projets de coopération au développement dans les pays d'origine des demandeurs d'asile afin d'attaquer le mal à la racine. Le nouveau chiffre record de demandeurs d'asile devrait amener le Conseil fédéral à renforcer sensible- ment l'effet dissuasif de la législation à l'égard des requérants afin de ne pas devoir recourir aux mesures relevant du droit de nécessité, qui sont difficiles à imposer.
C'est pourquoi je pose les questions suivantes au Conseil fé- déral:
Quand compte-t-il faire appliquer efficacement la procédure accélérée prescrite par la loi en cas de décisions de non- entrée en matière?
Quand désignera-t-il de nouveaux pays exempts de persé- cutions tels que la Bulgarie, la Roumanie ou la Yougoslavie (sans la province du Kosovo)?
Quand créera-t-il des centres d'enregistrement supplémen- taires pour les demandeurs d'asile afin de décharger ceux de Bâle, Chiasso, Genève et Kreuzlingen?
Quand renforcera-t-il les contrôles à la frontière afin d'empê- cher les entrées illégales par des passages non surveillés et d'enrayer l'activité des organisations de passeurs?
Quand réalisera-t-il des projets de coopération au dévelop- pement dans les pays d'origine des demandeurs d'asile?
Mitunterzeichner - Cosignataires: Bühler, Burckhardt, Bürgi, Couchepin, Dietrich, Dubois, Ducret, Dünki, Eppenberger Susi, Fäh, Fierz, Fischer-Seengen, Frey Claude, Frey Walter, Friderici, Gros, Hänggi, Kohler, Kuhn, Loretan, Martin, Müller- Meilen, Müller-Wiliberg, Neuenschwander, Perey, Philipona, Pidoux, Portmann, Revaclier, Rohrbasser, Rutishauser, Sa- vary-Vaud, Schnider, Steinegger, Wanner, Weber-Schwyz, Wellauer, Widrig, Wyss William, Zwingli (40)
Interpellation Mühlemann
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Schriftliche Begründung - Développement par écrit Der Urheber verzichtet auf eine Begründung und wünscht eine schriftliche Antwort.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 15. Mai 1991 Rapport écrit du Conseil fédéral du 15 mai 1991
1./2. Die mit Verabschiedung des dringlichen Bundesbe- schlusses neu geschaffene Möglichkeit zur Fällung von Nichteintretensentscheiden soll auf der einen Seite die Be- kämpfung individueller Missbrauchsfälle erlauben, auf der an- dern Seite das Asylverfahren insofern in grösserem Ausmass entlasten, als Gesuche von Asylbewerbern, die aus sogenann- ten Safe countries stammen oder solche, zu deren Behand- lung - vorab im Hinblick auf ein künftiges Erstasylabkommen - ein anderer Staat prädestiniert ist, ebenfalls durch Nichtein- tretensentscheide erledigt werden können.
Die neue Bestimmung kommt seit Inkrafttreten bei Missbräu- chen konsequent zur Anwendung.
Nachdem der Bundesrat im Oktober 1990 eine erste Feststel- lung über verfolgungssichere Länder getroffen hat und dabei Ungarn, Polen und die CSFR als Safe countries bezeichnete, hat er am 18. März 1991 eine entsprechende Feststellung für Indien, Algerien und Bulgarien getroffen. Damit wurde der An- wendungsbereich von Nichteintretensentscheiden erheblich erweitert. Dies schlägt sich auch in der Statistik nieder: Wäh- rend von Juli bis Dezember 1990 887 Nichteintretensent- scheide gefällt wurden, beläuft sich deren Zahl für die ersten vier Monate im Jahre 1991 auf 1420.
Der Anwendungsbereich im Rahmen eines Erstasylabkom- mens, von welchem zahlenmässig am meisten zu erwarten ist, steht derzeit noch nicht zur Verfügung. Der Abschluss eines solchen Abkommens kann frühestens auf Ende 1991/Anfang 1992 erwartet werden. Damit kann die Neuerung von Artikel 16 im Asylgesetz ihre Wirkung erst 1992 voll entfalten.
Die Empfangsstellen wurden per 1. Januar 1988 in Betrieb genommen. Zur Bewältigung der Zuwachsrate, welche bis Ende 1990 rund 50 Prozent pro Jahr betragen hat und im er- sten Quartal des laufenden Jahres auf über 80 Prozent hoch- geschnellt ist, wurde den Transitzentren Goldswil, Arbedo, Gorgier und Altstätten auch Empfangsstellenfunktion übertra- gen. Im Planungskonzept 1991 ist die Vergrösserung der Empfangsstelle Basel und die Eröffnung weiterer Transitzen- tren vorgesehen.
Die Bewachung der grünen Grenze wird in den neuralgi- schen Gebieten seit 1989 durch personelle Schwergewichts- bildung des Grenzwachtkorps verstärkt. Damit kann das Ri- siko für die Schlepper punktuell vergrössert und ihre Organi- sation gestört werden. Eine verstärkte Bekämpfung der illega- len Grenzübertritte liesse sich mit zusätzlichem Grenzwacht- personal erreichen. Eine deutlich spürbare Bestandeserhö- hung ist jedoch wegen des ausgetrockneten Arbeitsmarktes nicht realisierbar. Ein Versuch zur Verstärkung des Grenz- wachtkorps und der Grenzpolizeidienste mit Formationen der Armee wurde im Rahmen der Uebung «Limes» im März dieses Jahres durchgeführt. Nach Auswertung der Ergebnisse wird über das weitere Vorgehen entschieden.
Die Entwicklungszusammenarbeit der Schweiz ist ganz grundsätzlich auf Massnahmen zur Eindämmung der Migra- tion ausgerichtet. Kurzfristig spielt die humanitäre Hilfe eine vergleichbare Rolle, indem sie den Flüchtlingen die Möglich- keit gibt, im Erstaufnahmegebiet zu bleiben.
Verschiedene Aktivitäten der Entwicklungszusammenarbeit erstrecken sich auf Projekte in Herkunftsländern von Asylbe- werbern, beispielsweise in Sri Lanka und Pakistan. In der Tür- kei sind neue Aktivitäten in Vorbereitung, insbesondere hin- sichtlich der Intensivierung der Zusammenarbeit mit der «De- velopment Foundation of Turkey», hinsichtlich der Finanzie- rung eines Projektes der FAO auf dem Gebiet der Forstwirt- schaft im Rahmen von Dorfgenossenschaften sowie hinsicht- lich der Hilfeleistung bei der Berufsbildung und Unterstützung von Handwerkern und Kleinunternehmern in Zusammenar- beit mit der Weltbank und der BIZ. All diese Aktivitäten werden voraussichtlich im laufenden Jahr beginnen.
Mühlemann: Die Asylpolitik ist eine Sisyphusarbeit. Herr Bun- desrat Koller kann den berühmten Stein des Sisyphus den Berg hinaufrollen, soviel er will, er wird ihn nie nach oben brin- gen. In diesem Sinne müssen wir Verständnis für seine wirk- lich schwierige Aufgabe haben.
Wenn ich von der Antwort auf meine Interpellation trotzdem nur teilweise befriedigt bin, hängt das damit zusammen, dass die Antworten zwar alle in die richtige Richtung gehen, aber meines Erachtens zu wenig entschlossen und zu wenig be- herzt vorangetrieben werden.
Die Entwicklungszusammenarbeit in den Herkunftsländern der Asylanten steht seit dem Jahre 1984 an. Ich habe damals einen ersten Vorstoss gemacht. Wenn wir hier eine Stichpro- benkontrolle durchführen, stellen wir fest, dass ausserge- wöhnlich wenig geschehen ist. Das ist nicht die Aufgabe von Herrn Bundesrat Koller, sondern die Aufgabe des Departe- mentes für auswärtige Angelegenheiten. Aber der Wechsel von der klassischen Entwicklungshilfe zur Entwicklungszu- sammenarbeit im Asylbereich scheint ausserordentliche gei- stige Umstellbewegungen auszulösen. Wenn wir etwa in der Türkei feststellen, dass bis jetzt praktisch keine richtigen Pro- jekte zustande gekommen sind, hängt das nicht nur mit der türkischen Regierung zusammen, sondern auch mit dem Wil- len unseres Landes, etwas zu tun.
Wir können auch unsere Entwicklungszusammenarbeit in Ost-Europa nur dann sinnvoll durchführen, wenn wir diese Zu- sammenarbeit mit dem Prinzip der verfolgungssicheren Län- der koppeln. Der Bundesrat hat hier Ansätze gemacht, aber sie sind meines Erachtens zu wenig weit ausgedehnt worden. Die Bundesrepublik Deutschland hat jetzt die Sowjetunion zu einem Safe country erklärt. Was Deutschland kann, das kön- nen wir an sich auch. Wenn wir die osteuropäischen Länder mit Milliardenkrediten aufzurüsten versuchen, dann müssen wir auch verlangen, dass die Menschen dort bleiben und die Aufbauarbeiten betreiben.
Auch die Kontrolle an unseren Grenzen bringt eine mühselige Triage zwischen Einwanderern und Flüchtlingen. Diese Triage kann nur erfolgen, wenn zuvorderst in den Empfangsstellen Menschen die Leitung übernehmen, die fähig sind, auch Nichteintretensanträge durchzusetzen. Wir haben im ersten Quartal des Jahres 1991 fast 20 000 Einwanderer und Flücht- linge. Davon sind rund 15 Prozent, annähernd 3000, direkt zu- rückgewiesen worden. Das ist ein erster Ansatz, aber seinerzeit, vor einem Jahr, wurde uns eine wesentlich grössere Zahl in Aus- sicht gestellt. Das hängt damit zusammen, Herr Bundesrat, dass entgegen der Verordnung die Hilfswerke beigezogen wer- den. Das führt zu einer Verzögerung. Die Triage muss unmittel- bar durch einen verantwortlichen Leiter erfolgen können, der hier entscheidet. Demzufolge muss auch die Zahl der Emp- fangsstellen vergrössert werden. Wenn wir diese Triage sorgfäl- tig vornehmen wollen, kommen wir nicht darum herum, die Grenze gegen Schlepperorganisationen mehr zu überwachen. Sie können dieses heisse Thema drehen, solange Sie wollen, die Zahl der Grenzwächter ist nicht vermehrbar. Also brauchen sie eine Unterstützung durch militärische Kräfte. Das braucht keine Totalmobilmachung. Wer, wie Bundesrat Koller und ich, in Grenzbrigaden militärisch aufgewachsen ist, weiss, dass man diese Probleme ganz einfach und schlicht lösen kann, nämlich mit Neutralitätsschutzdienstübungen. Die Truppe kann das, sie muss nicht ausgebildet werden. Es geht nicht darum, irgendwo und überall zu sein, sondern es geht darum, an gewissen neuralgischen Stellen eindämmende Wirkung zu erzielen. In dieser Beziehung kommen wir nicht darum herum, auch dieses Mittel zu ergreifen. Ich glaube, dass der Bericht, der strategische Akzente setzt, sehr sinnvoll und sehr gescheit ist. Aber er hat in sich auch die Gefahr, dass er uns vom tatsächli- chen Sofortprogramm ablenkt, von diesen Aktionen, die nicht Reflexion bedeuten, sondern Tat und Handeln.
Ich bitte Sie, Herr Bundesrat, im Sinne der Antworten, die Sie mir gegeben haben, noch tatkräftiger, noch konsequenter ein- zugreifen, um eine innenpolitische Krise zu verhindern.
Bundesrat Koller: Nur kurz Antwort auf ein Problem, das Herr Mühlemann angesprochen hat, die Frage der Safe countries. Ich kann Ihnen versichern, dass wir die Lage in den betreffen-
Postulat Longet
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N
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den Ländern ständig aufmerksam verfolgen. Aber es liegt na- türlich in der Natur der Sache, dass wir nicht Länder als verfol- gungssicher erklären können, wo nicht grundsätzlich - wenig- stens bei kleinen und mittleren Ländern - eine befriedigende Menschenrechtssituation herrscht. Wir haben letzten Som- mer, als wir den AVB erlassen haben, geglaubt, wir könnten demnächst alle osteuropäischen Länder als verfolgungssi- cher erklären. Sie kennen die seitherige Entwicklung. Das war in bezug auf einzelne osteuropäische Länder nicht möglich, und wir haben jüngst mit Algerien erlebt, wie rasch eine Situa- tion wieder umschlagen kann. Dass wir alle Möglichkeiten nut- zen, zeigt Ihnen vor allem das Beispiel von Indien. Indien ha- ben wir bewusst als verfolgungssicher erklärt, obwohl wir wis- sen, dass in diesem riesigen Land in gewissen Provinzen die Menschenrechtssituation nicht voll befriedigt. Aber in einem so grossen Land - diesen Standpunkt vertreten wir - gibt es genügend innerstaatliche Ausweichmöglichkeiten, um das Land als verfolgungssicher erklären zu können.
90.974
Postulat Longet Aufnahmezentren für Asylbewerber. Zugang für Delegierte der Hilfswerke Centres d'enregistrement pour requérants d'asile. Accès des oeuvres d'entraide
Wortlaut des Postulates vom 14. Dezember 1990
Der Bundesrat wird ersucht, dafür zu sorgen, dass die Dele- gierten der Hilfswerke auch in Zukunft freien Zugang zu den Aufnahmezentren für Asylbewerber haben.
Texte du postulat du 14 décembre 1990
Le Conseil fédéral est prié de maintenir dans les centres d'enregistrement pour requérants d'asile l'accès libre pour les délégués des oeuvres d'entraide.
Mitunterzeichner - Cosignataires: Burckhardt, Danuser, Dar- bellay, Ducret, Fankhauser, Gardiol, Grassi, Grendelmeier, Gros, Guinand, Hafner Ursula, Keller, Petitpierre, Pini, Pitte- loud, Ruffy, Schmid, Weder-Basel (18)
Schriftliche Begründung - Développement par écrit Depuis bientôt trois ans, les centres d'enregistrement pour re- quérants d'asile sont visités régulièrement par des délégués des oeuvres d'entraide membres de l'Office suisse d'aide aux réfugiés (OSAR), cela dans le cadre de procédures concrètes mais aussi indépendamment de celles-ci.
Le 17 septembre 1990, le Délégué aux réfugiés faisait connaî- tre par lettre à l'OSAR sa décision de mettre unilatéralement fin à ces visites. Une rencontre entre les oeuvres d'entraide et M. Koller, conseiller fédéral, n'a pas abouti à une décision claire, M. Koller demandant cependant aux oeuvres d'en- traide et à l'administration de trouver une solution satisfaisante pour toutes les parties. Une nouvelle réunion est prévue pour janvier en vue d'évaluer la situation et les expériences faites avec la pratique des oeuvres d'entraide.
Les signataires du présent postulat ne comprennent pas pour quelles raisons on cherche à supprimer un fonctionnement qui a donné satisfaction. Il est important que la collaboration entre administration et oeuvres d'entraide ait lieu sur le terrain, et qu'en particulier les centres d'enregistrement fonctionnent dans la transparence. La situation actuelle avait beaucoup contribué à créer la confiance et à rassurer l'opinion sur la ges- tion desdits centres.
Dans le dossier délicat entre tous de l'asile, il importe de ne pas créer des problèmes là où il n'y en a pas, et dans le cas particulier, la diminution de la présence et de la marge de ma-
noeuvre des délégués des oeuvres d'entraide dans les cen- tres constitue un recul que rien ne justifie. La mesure unilaté- rale de l'administration ne peut que créer tension et méfiance. Rappelons enfin que, s'agissant de la présence des délégués des oeuvres d'entraide au centre de Genève-Cointrin, le Grand Conseil, en date du 29 novembre 1990, et le Conseil d'Etat genevois se sont prononcés pour le maintien de la prati- que actuelle.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 15. Mai 1991 Rapport écrit du Conseil fédéral du 15 mai 1991
Lors de la mise en service des centres d'enregistrement en 1988, les oeuvres d'entraide ont eu la possibilité de se faire une idée du but et du fonctionnement de ces institutions fédé- rales par une présence régulière de leurs représentants. Après plusieurs années de fonctionnement durant lesquelles les ex- périences faites ont pu être évaluées et prises en compte dans la pratique, il est aujourd'hui possible de renoncer à la pré- sence permanente de ces délégués, d'autant plus que, selon l'article 15a de la loi sur l'asile, les organisations reconnues d'aide aux réfugiés envoient l'un de leurs représentants aux auditions sur les motifs d'asile et que ces auditions ont égale- ment lieu au centre d'enregistrement. Vu leur rôle dans la pro- cédure d'asile, les oeuvres d'entraide ont librement accès aux centres d'enregistrement dans la mesure de ce qui est prévu par la loi. Afin de renforcer la confiance entre les autorités fédé- rales chargées des questions d'asile et les oeuvres d'entraide reconnues, on examine à l'heure actuelle comment aménager l'accès aux centres des représentants de l'Office central suisse d'aide aux réfugiès dans le cadre de leurs activités de coordination. Les autorités fédérales ont déjà communiqué à l'OSAR une proposition sur ce point.
Schriftliche Erklärung des Bundesrates Déclaration écrite du Conseil fédéral Le Conseil fédéral propose de rejeter le postulat.
M. Longet: Il s'agit d'un point concret d'une chose que l'on peut considérer comme n'étant pas absolument essentielle mais qui a toute son importance, et dans laquelle notre inter- vention peut être décisive. La situation dans le domaine de l'asile, nous l'avons encore redit cet après-midi, est déjà assez compliquée comme cela. Il ne faut pas la compliquer inutile- ment. La situation dans l'asile - cela aussi a été dit - nécessite la collaboration de toutes les forces de bonne volonté, et non pas l'exclusion. Or, l'Office fédéral pour les réfugiés s'est mis en tête, dans cette situation compliquée et où on a besoin de la collaboration de toutes les forces, de démanteler quelque chose qui donnait entière satisfaction, à savoir la présence des oeuvres d'entraide dans les centres d'enregistrement. Cela fonctionnait parfaitement. Il n'y avait pas de problème et voilà que dans un premier temps on a voulu tout simplement refuser la présence à des oeuvres d'entraide dans ces centres.
Dans un deuxième temps, après de nombreux échanges de lettres et de polémique, on a mis sur pied un soi-disant com- promis - je dis soi-disant compromis parce que ce n'est nulle- ment un compromis. On a accordé aux oeuvres d'entraide non pas un collaborateur, mais deux collaborateurs pour tous les quatre centres, soit un demi-poste par centre, et on trouve normal que ces collaborateurs doivent passer la moitié de leur temps à traverser le pays pour venir plus tard à l'endroit où on les a appelés. Solution compliquée, solution hybride, qui ne permet plus cet accès direct et cette confiance qui devraient régner. Décision ridicule, inefficace, bureaucratique, on exclut sans le dire des organisations que par ailleurs on prétend vou- loir associer de plein droit.
Faisons donc simplement: donnons satisfaction à une reven- dication légitime; permettons cet accès par des moyens de bon sens, c'est-à-dire veillons à maintenir la situation qui ré- gnait jusqu'au début de cette année, à savoir que les oeuvres d'entraide ont un accès quand cela est nécessaire, et quand elles l'estiment nécessaire, par une personne au moins qui puisse aller voir ce qui se passe. C'est une question de
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Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
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06
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Datum 10.06.1991 - 14:30
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