Asylpolitik. Interpellationen
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einen ersten Modellvorentscheid getroffen. Wir arbeiten heute an einem Modell, das von einer Kommission mit sieben Kam- mern und einer Verwaltungsabteilung ausgeht. Die Kapazität soll wie gesagt mindestens 20 000 Beschwerden pro Jahr um- fassen. Die Kommission wird 21 vollamtliche Richter und 100 juristische Sachbearbeiter umfassen, neben 92 Personen für den administrativen Bereich.
Dieses Modell wird nun gezielt vorangetrieben. Es sind die nö- tigen Räumlichkeiten bereitzustellen. Die Ausführungsverord- nung liegt in einem Entwurf vor; sie wird demnächst in Ver- nehmlassung gehen. Damit sind alle Voraussetzungen ge- schaffen, damit die unabhängige Rekurskommission auf den 1. April des nächsten Jahres ihre Arbeit aufnehmen kann.
Man muss sich bewusst sein, dass diese unabhängige Re- kurskommission eine Aufgabe zu bewältigen hat, die wir bis- her in keinem Rechtsgebiet in unserem Land kennen. Deshalb war eine sehr sorgfältige Planung unausweichlich notwendig, um so mehr, als vor allem der Gefahr begegnet werden muss, dass der Uebergang vom Beschwerdedienst meines Departe- mentes in diese unabhängige Rekurskommission auf diesem sehr delikaten Gebiet des Asylwesens nicht zu einem Lei- stungsabbau führt. Heute sind aber alle planerischen Voraus- setzungen dafür geschaffen, dass dieser Uebergang auf den 1. April 1992 ohne Leistungsabbau möglich sein wird.
Noch ein Wort zur OG-Revision: Nach dem negativen Aus- gang der Volksabstimmung im letzten April gab es zwar Leute - und dazu gehörte auch das Bundesgericht -, die sagten, man sollte möglichst rasch die gleiche Revision ohne diese beiden besonders umstrittenen Punkte dem Parlament erneut unterbreiten. Mir persönlich und dem Bundesrat schien aber eine Lagebeurteilung doch notwendig, vor allem deshalb, weil das Bundesgericht zwar eine solche unveränderte Revision wünschte, andererseits aber ebenso klar festhielt, dass damit die Probleme, die das Bundesgericht hat, nicht gelöst seien. Deshalb haben wir geprüft, ob im Rahmen dieser Neuauflage der OG-Revision nicht gewisse Revisionsanliegen, die das Bundesgericht sowieso noch hat, in diesem Revisionsschritt mitbewältigt werden könnten. Es gab diesbezüglich auch mehrere parlamentarische Vorstösse, vor allem den Vorstoss betreffend der Einrichtung eines eigenen Steuergerichtsho- fes. Die Abklärungen haben jedoch ergeben, dass selbst eine solche Lösung, also die Neuorganisation und Neueinrichtung eines Steuergerichtshofes, die ganze Vorlage zeitlich doch zu sehr belastet hätte.
Aufgrund dieser Analyse haben wir dann im letzten August den Entscheid getroffen, Ihnen diese unveränderte Gesetzge- bungsvorlage zu unterbreiten. Es musste aber eine total neue Botschaft geschrieben werden. Was vorauszusehen war: Es sind sowohl verwaltungsintern wie verwaltungsextern doch sehr viele sogenannte kleine Revisionsanliegen geltend ge- macht worden, die wir jetzt alle konsequent abgelehnt haben, so dass der Nationalrat in der letzten Woche dieser Session diese unveränderte Vorlage beraten kann.
Ich hoffe, dass die unveränderte Vorlage nun sowohl im Natio- nal- wie im Ständerat noch in dieser Legislatur verabschiedet werden kann. Dazu ist es allerdings unbedingt erforderlich, dass wir an dieser Revisionsvorlage grundsätzlich überhaupt nichts mehr ändern, was natürlich für das Parlament auch keine reine Freude ist.
Genehmigt - Approuvé
Abschreibung - Classement
Antrag des Bundesrates Abschreiben der parlamentarischen Vorstösse gemäss Seite 85 der Beilage zum Bericht Proposition du Conseil fédéral
Classer les interventions parlementaires selon la page 82 de l'annexe du rapport
Angenommen - Adopté
Hier wird die Beratung dieses Geschäftes unterbrochen Le débat sur cet objet est interrompu
90.900
Interpellation Uhlmann Zunahme von Asylgesuchen Accroissement du nombre des demandes d'asile
Wortlaut der Interpellation vom 27. November 1990
Die Flut von Asylbewerbern erreichte im Oktober 1990 eine neue Rekordhöhe. Bis Ende 1990 dürften etwa 35 000 neue Asylgesuche vorliegen. Dies bedeutet im Vergleich zum Vor- jahr eine Zunahme von ca. 50 Prozent. Die äusserst kritische Situation ist entstanden, obwohl eine griffige Revision des Asylgesetzes vorgenommen wurde.
Bis heute ist es offensichtlich nicht gelungen, die Vollzugs- massnahmen wirksam voranzutreiben und vor allem die Nicht- eintretensentscheide kurzfristig durchzusetzen. Nur nach hartnäckigem Druck von aussen hat der Bundesrat zudem eine Liste der sogenannten Safe countries festgelegt.
Wenn wir eine innenpolitische Krise vermeiden wollen, müs- sen die Grenzwachtorgane verstärkt werden, um der Schlep- pertätigkeit endlich Einhalt zu gebieten. Ebenso gilt es, Pro- jekte der Entwicklungszusammenarbeit in den Herkunftslän- dern von Asylanten endlich zu realisieren, um das Uebel an den Wurzeln anzupacken. Auch ist alles zu unternehmen, um die säumigen Kantone, welche das neu revidierte Asylgesetz noch nicht oder nur sehr zögernd umgesetzt haben, aufzufor- dern, ihrer Pflicht nachzukommen.
Der Bundesrat wird deshalb eingeladen, folgende Fragen zu beantworten:
Wann gedenkt der Bundesrat das gesetzlich vorgeschrie- bene Beschleunigungsverfahren bei Nichteintretensentschei- den wirksam durchzusetzen?
Wann bezeichnet er weitere verfolgungssichere Staaten wie beispielsweise Bulgarien, Rumänien oder Jugoslawien (ohne Kosovo)?
Wann schafft er zusätzliche Empfangsstellen für Asylbewer- ber zur Entlastung der Standorte Basel, Chiasso, Genf und Kreuzlingen?
Wann verstärkt er die Grenzkontrollen, um den illegalen Uebertritt an der Grünen Grenze zu erschweren und die Tätig- keit der Schlepperorganisationen zu unterbinden?
Wann realisiert er Projekte zur Entwicklungszusammenar- beit in den Herkunftsländern von Asylbewerbern?
Wie gedenkt der Bundesrat, vollzugssäumige Kantone dazu zu bringen, die gesetzlichen Massnahmen endlich kon- sequent zu vollziehen?
Wie stellt sich der Bundesrat zur Möglichkeit einer den Ver- hältnissen der einzelnen Länder angepassten europäischen Quotenregelung?
Texte de l'interpellation du 27 novembre 1990
L'afflux de requérants a atteint de nouveaux records en octo- bre 1990. D'ici la fin 1990, quelque 35 000 nouvelles deman- des d'asile devraient avoir été déposées. Par rapport à l'année dernière, cela représente un accroissement d'environ 50 pour cent. La révision sérieuse de la loi sur l'asile n'a pas permis d'éviter cette situation extrêmement critique.
Jusqu'à présent, il n'a manifestement pas été possible d'accé- lérer efficacement les mesures d'exécution et, plus particuliè- rement, de faire appliquer à brève échéance les décisions de non-entrée en matière. En outre, ce n'est qu'à la suite d'une pression opiniâtre de l'extérieur que le Conseil fédéral a fini par établir une liste des pays dans lesquels il n'y a pas de persécu- tions.
Si nous voulons éviter une crise politique dans notre pays, il convient de renforcer les organes de surveillance de la fron- tière afin d'enrayer l'activité des passeurs. En outre, il s'agit de concrétiser enfin les projets de coopération au développe-
E 5 juin 1991
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Politique d'asile. Interpellations
ment dans les pays d'origine des demandeurs d'asile afin d'at- taquer le mal à la racine.
Il convient aussi de prendre toutes les mesures nécessaires pour exhorter les cantons négligents, qui n'ont pas encore mis en pratique la nouvelle loi sur l'asile ou ne l'ont fait qu'avec beaucoup d'hésitations, à donner suite à leurs obligations. C'est pourquoi je pose les questions suivantes au Conseil fé- déral:
Quand compte-t-il faire appliquer efficacement la procédure accélérée prescrite par la loi en cas de décision de non-entrée en matière?
Quand désignera-t-il de nouveaux pays exempts de persé- cutions tels que la Bulgarie, la Roumanie ou la Yougoslavie (sans le Kosovo)?
Quand créera-t-il des centres d'enregistrement supplémen- taires pour les demandeurs d'asile afin de décharger ceux de Bâle, Chiasso, Genève et Kreuzlingen?
Quand renforcera-t-il les contrôles à la frontière afin d'empê- cher les entrées illégales par des passages non surveillés et d'enrayer l'activité des organisations de passeurs?
Quand réalisera-t-il des projets de coopération au dévelop- pement dans les pays d'origine des demandeurs d'asile?
Comment le Conseil fédéral entend-il amener les cantons négligents à appliquer enfin systématiquement les mesures légales?
Que pense le Conseil fédéral de la possibilité d'instaurer une réglementation des quotas au niveau européen, régle- mentation qui serait adaptée à la situation des différents pays?
Mitunterzeichner - Cosignataires: Keine - Aucun
90.999
Interpellation Jagmetti Dringliche Asylgesetzrevision Révision urgente de la loi sur l'asile
Wortlaut der Interpellation vom 14. Dezember 1990 Im Dringlichkeitsverfahren hat die Bundesversammlung am 22. Juni 1990 das Asylgesetz revidiert. Ein halbes Jahr nach dem Inkrafttreten der neuen Bestimmungen drängt sich eine erste Bilanz auf. Ich frage daher den Bundesrat:
Von wann an und mit welchem Erfolg wurden die Bestim- mungen über Nichteintreten, die Safe-country-Klausel und die Regelung über die Triage offensichtlicher von näher abzuklä- renden Fällen angewendet? Welche Erfahrungen ergaben sich dabei?
Wann gedenkt der Bundesrat die Rekurskommission einzu- setzen?
Texte de l'interpellation du 14 décembre 1990
Par la voie de la procédure d'urgence, l'Assemblée fédérale a révisé le 22 juin 1990 la loi sur l'asile. Six mois après l'entrée en vigueur des nouvelles dispositions, il est indispensable d'ef- fectuer un premier bilan. C'est pourquoi je demande au Conseil fédéral:
Depuis quand et avec quels résultats a-t-on appliqué les dis- positions sur la non-entrée en matière, la clause sur les Etats dans lesquels il n'y a pas de persécutions et la réglementation concernant la distinction à faire entre les cas manifestes et ceux nécessitant d'autres mesures d'instruction? Quelles ex- périences a-t-on ainsi faites?
Quand le Conseil fédéral pense-t-il instituer la commission de recours?
Mitunterzeichner - Cosignataires: Keine - Aucun
91.3020
Interpellation Zimmerli Vollzug des Asylrechts Exécution de la loi sur l'asile
Wortlaut der Interpellation vom 23. Januar 1991
Die Situation im Asylbereich ist gekennzeichnet durch einen ungebremsten Zuwachs an Gesuchen. Offenkundig «greift» die dringliche Revision des Asylgesetzes vom Juni 1990 vor al- lem deshalb nicht, weil das neue Recht bisher höchstens an- satzweise vollzogen wurde. Insbesondere ist es nicht gelun- gen, die Kräfte so zu konzentrieren, dass potentiellen Ge- suchstellern aus Gebieten ohne Verfolgung oder sonstigen Gefährdungen mit genügender Deutlichkeit signalisiert wird, dass sich ein Asylantrag in der Schweiz nicht lohnt, weil das Verfahren sehr schnell abgeschlossen ist. Solche Signale sind wohl die einzigen wirklich wirksamen «Abschreckungsmittel.» Die Erfahrung hat gezeigt, dass Massnahmen im Bereich von Arbeit, Sozialleistungen usw. nichts nützen oder gar kontra- produktiv sind. Das Asylrecht darf nicht weiter zur Verschleie- rung von rein ökonomischen Migrationsmotiven missbraucht werden. Der Bund muss gegenüber den Kantonen und Ge- meinden deutliche Zeichen setzen.
Ich bitte deshalb den Bundesrat, folgende Fragen zu beant- worten:
Könnte die Behandlung der Asylgesuche von Einreisenden mit erfahrungsgemäss wenig Aussichten auf Asyl (zum Bei- spiel Jugoslawen mit Ausnahme von Kosovo-Albanern; In- dern usw.) nicht wesentlich beschleunigt werden, wenn jeder Empfangsstelle mindestens 5 bis 10 Sachbearbeiter zugeord- net würden, damit solche Gesuche noch am Tag der Anmel- dung oder am nächsten Tag erstinstanzlich im Verfahren ohne weitere Abklärung erledigt werden können?
Könnte diese Massnahme vom Bundesamt für Flüchtlinge mit dem vorhandenen Personal getroffen werden? Wenn nein: um wie viele Personaleinheiten müssten die zuständigen Bun- desstellen (inkl. Beschwerdedienst) ausgebaut werden?
Wie gedenkt der Bundesrat dem Prinzip «last in, first out» vermehrt Nachachtung zu verschaffen, d. h. dafür zu sorgen, dass vor allem die neuen Fälle möglichst rasch erledigt wer- den?
Wie will der Bundesrat dafür sorgen, dass die Kantone die gesetzliche Anhörungsfrist von 20 Tagen gemäss Artikel 15 AsyIG einhalten und den ihnen vom Bundesgesetzgeber über- tragenen Pflichten besser nachkommen?
Drängt sich nach der Entwicklung der letzten Monate und angesichts der Pendenzen nicht doch eine «Globallösung» für alte Asylfälle auf, damit die Kräfte auf eine möglichst rasche und überzeugende Behandlung der neuen Gesuche konzen- triert werden können?
Texte de l'interpellation du 23 janvier 1991
Le nombre de demandes d'asile est en constante augmenta- tion. Il est notoire que si la révision urgente de la loi sur l'asile, qui date de juin 1990, ne déploie pas encore tous ses effets, c'est que seule une partie du nouveau droit est appliquée à l'heure actuelle. Plus particulièrement, les services chargés de l'exécution de la loi n'ont pas su concentrer leurs forces de manière à ce qu'il apparaisse clairement aux requérants po- tentiels provenant de régions où ils ne sont ni persécutés ni ex- posés à des dangers, qu'ils n'ont pas intérêt à déposer une demande en Suisse en raison de la rapidité avec laquelle la procédure se déroule dans notre pays. Il faut savoir que ce genre d'information est le seul moyen efficace de décourager les requérants potentiels, car l'expérience a montré que les mesures en relation avec le travail, les prestations sociales, etc. n'apportent rien et vont même parfois à fins contraires. Il faut mettre un terme aux abus qui font que le droit d'asile est utilisé par les migrants pour de purs motifs économiques.
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Interpellation Uhlmann Zunahme von Asylgesuchen Interpellation Uhlmann Accroissement du nombre des demandes d'asile
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Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale
Jahr
1991
Année
Anno
Band
III
Volume
Volume
Session
Sommersession
Session
Session d'été
Sessione
Sessione estiva
Rat
Ständerat
Conseil
Conseil des Etats
Consiglio
Consiglio degli Stati
Sitzung
03
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 90.900
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum 05.06.1991 - 08:00
Date
Data
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381-382
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Pagina
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20 020 188
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