N 3 mars 1992
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Interpellation Reimann Maximilian
Präsident: Der Interpellant ist von der Antwort des Bundesra- tes teilweise befriedigt.
91.3375
Interpellation Reimann Maximilian Cornu-Bericht zu P-26. Desinformation durch SRG-Sendungen Rapport Cornu sur la P-26. Désinformation de la part de la TV
Wortlaut der Interpellation vom 4. Oktober 1991
Im Vorfeld der Einsetzung einer PUK EMD und während der laufenden Untersuchung haben sich die SRG und insbeson- dere das Fernsehen DRS mit Informationen an die Oeffentlich- keit gewandt, die im Cornu-Bericht ein Nachspiel gefunden haben. Der vom Neuenburger Untersuchungsrichter Pierre Cornu im Auftrag des Bundesrates erstattete Schlussbericht über die Auslandbeziehungen von P-26 hat nämlich, gemäss der am 19. September 1991 der Oeffentlichkeit präsentierten Kurzfassung, beträchtliche Zweifel an der Glaubwürdigkeit der von der SRG beigezogenen Informanten zutage gefördert. Im Kapitel «Die (Des-)informanten» sind Einzelheiten aufge- deckt worden, die kaum mit den konzessionsrechtlich gefor- derten «anerkannten Regeln der journalistischen Berufsaus- übung» in Einklang zu bringen sind. So legten sich - zum Teil maskierte - SRG-Interviewpartner Funktionen zu, die sie nie innegehabt hatten, wurden vom Bericht als «Nachrichten- schwindler», «Wirrkopf» oder «Phantast» bezeichnet oder wi- derriefen im nachhinein früher abgegebene Erklärungen. In diesem Zusammenhang frage ich den Bundesrat an:
Ist der Bundesrat der Meinung, Sendungen mit derart frag- würdigen Informanten seien mit dem in Artikel 4 der SRG-Kon- zession statuierten Programmauftrag noch vereinbar? 2. Ist der Bundesrat als Konzessionsbehörde willens, in der auf den 1. Januar 1993 zu erneuernden SRG-Konzession den Programmauftrag neu so zu definieren, dass ein Monopolme- dium bei besonders brisanten Themen einer erhöhten journa- listischen Sorgfaltspflicht untersteht?
Ist der Bundesrat bereit, bei der SRG darauf hinzuwirken, dass sie ihre im Zusammenhang mit der PUK EMD und P-26 ausgestrahlten Desinformationen berichtigt?
Welche Möglichkeiten sieht der Bundesrat, damit sich die ir- regeführte Oeffentlichkeit in Fällen, wo journalistische Fehllei- stungen erst nach Ablauf der 30tägigen Beschwerdefrist als solche erkennbar sind, doch noch mit einer Konzessionsbe- schwerde an die UBI wenden kann?
Sind gegen die durch den Cornu-Bericht als «Desinforman- ten» entlarvten Personen Strafuntersuchungen eingeleitet worden?
Ist die Identität des im Cornu-Bericht unter dem Decknamen «Razin» erwähnten und in einem «10 vor 10»-Bericht als an- geblicher CIA-Brigadegeneral maskiert vorgeführten «Desin- formanten» dem Bundesrat bekannt? Enthält der als geheim klassierte Cornu-Originalbericht Einzelheiten über diese zwie- lichtige Person, oder ist davon auszugehen, es handle sich bei ihr um eine reine Erfindung? Ist der Bundesrat gewillt, den «Fall Razin» bei der SRG restlos aufzuklären?
Texte de l'interpellation du 4 octobre 1991
Avant la constitution de la CEP DMF et pendant l'enquête, la SSR, et plus particulièrement la télévision alémanique DRS, ont diffusé des informations dont il a été fait état dans le rap- port Cornu. Le rapport final sur les relations étrangères de la P-26, rédigé par le juge d'instruction neuchâtelois Pierre Cornu sur mandat du Conseil fédéral, a émis des doutes sur la crédibilité des sources de la SSR qui sont à l'origine de la pré- sentation abrégée du 19 septembre 1991. Le chapitre intitulé
«Die (Des-)informanten» révèle deux détails d'une manière qui n'est guère compatible avec la conformité aux règles de la pro- fession de journaliste que prescrit la concession. C'est ainsi que des interlocuteurs de la SSR - parfois masqués - se sont attribué des fonctions qu'ils n'avaient jamais eues. Ils ont été qualifiés dans le rapport d'«escrocs de l'information», de «tê- tes brûlées» ou d'«illuminés», tandis que d'autres ont renié leurs propos.
Je prie le Conseil fédéral de répondre aux questions suivan- tes:
Est-il d'avis que des émissions recourant à des sources aussi peu crédibles sont encore compatibles avec le mandat défini à l'article 4 de la concession de la SSR?
En tant qu'autorité concédante, entend-il redéfinir ce man- dat lors du renouvellement de la concesion le 1er janvier 1993, de manière à imposer un devoir de vigilance particulièrement strict lorsque la SSR, qui jouit d'un monopole dans le domaine audiovisuel, aborde des thèmes particulièrement brûlants?
Est-il disposé à user de son influence auprès de la SSR pour qu'elle rectifie les informations incorrectes qu'elle a diffusées en relation avec la CEP DMF et la P-26?
Quelles possibilités envisage-t-il pour que le public induit en erreur par de tels cas de désinformation, mais qui ne s'en aperçoit qu'après l'échénce du délai de 30 jours, puisse re- courir auprès de l'autorité indépendante?
Les personnes démasquées comme «désinformateurs» par le rapport Cornu ont-elles fait l'objet d'enquêtes pénales?
Le «désinformateur» mentionné sous le nom de code «Ra- zin» dans le rapport Cornu et qui est apparu masqué dans une émission de «10 vor 10» comme prétendu général de brigade de la CIA est-il connu du Conseil fédéral? Le rapport, classé secret, contient-il des détails sur cette individu douteux, ou considère-t-il que ce personnage a été fabriqué de toutes piè- ces? Le Conseil fédéral entend-il faire élucider le cas «Razin» au sein de la SSR?
Mitunterzeichner - Cosignataires: Aregger, Aubry, Auer, Ber- ger, Bezzola, Blocher, Bonny, Bühler Simeon, Burckhardt, Cincera, Dreher, Eppenberger Susi, Feigenwinter, Fischer- Hägglingen, Fischer-Seengen, Frey Walter, Früh, Giger, Graf, Gysin, Hess Otto, Hösli, Houmard, Jeanneret, Loretan, Luder, Müller-Wiliberg, Neuenschwander, Oehler, Portmann, Reich- ling, Ruf, Rüttimann, Rychen, Sager, Scherrer Jürg, Schwab, Seiler Hanspeter, Spälti, Steffen, Stucky, Tschuppert, Weber- Schwyz, Widmer, Wyss Paul, Wyss William, Zwingli (47)
Schriftliche Begründung - Développement par écrit Der Urheber verzichtet auf eine Begründung und wünscht eine schriftliche Antwort.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 22. Januar 1992 Rapport écrit du Conseil fédéral du 22 janvier 1992
Es ist daran zu erinnern, dass die Bundesverfassung (Art. 55- bis Abs. 3) die Unabhängigkeit von Radio und Fernsehen so- wie die Autonomie in der Programmgestaltung gewährleistet. Der Bundesrat darf deshalb in diesem Bereich keinen Einfluss ausüben; es ist auch nicht an ihm, die Glaubwürdigkeit der Quellen, auf die sich die Sendungen stützen, zu kontrollieren. Für die Programmaufsicht ist bekanntlich die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen (UBI) gemäss Bundesbeschluss vom 7. Oktober 1983 (SR 784.45) zustän- dig. Diese Instanz hat in mehreren Fällen die Sorgfaltspflich- ten, die von den Verantwortlichen bei der Realisierung einer
Interpellation Cavadini Adriano
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Sendung zu beachten sind, präzisiert. Auch der Bundesrat ist der Auffassung, dass bei besonders brisanten Themen eine erhöhte Sorgfaltspflicht zu fordern ist. Unter diesem Gesichts- punkt mag das Auftreten von vermummten Informanten in der fraglichen Sendung konzessionsrechtlich in der Tat fragwür- dig sein.
Die geschilderte Aufgabenteilung hat sich bewährt. Sie wurde ins Bundesgesetz über Radio und Fernsehen (RTVG), das vom Parlament am 21. Juni 1991 verabschiedet worden ist, übernommen.
Die erwähnte Unabhängigkeit von Radio und Fernsehen und die Autonomie in der Programmgestaltung erlauben es dem Bundesrat nicht, im Sinne des Interpellanten auf die SRG einzuwirken.
Der Bundesrat weist den Interpellanten darauf hin, dass ne- ben dem geschilderten Verfahren vor der UBI auch noch die Möglichkeit besteht, den ordentlichen zivil- oder strafrechtli- chen Weg zu beschreiten.
Im Zusammenhang mit den Enthüllungen in den Medien über die Widerstandsorganisation sind Militärstrafverfahren hängig. Die Untersuchungsergebnisse sind noch nicht be- kannt.
Aus den Akten der Administrativuntersuchung Cornu ergibt sich kein schlüssiger Hinweis auf die wahre Identität von «Ra- zin». Die Behauptung, «Razin» sei «echt», blieb unbewiesen. Weitere Abklärungen in dieser Richtung erachtet der Bundes- rat jedoch nicht als vordringlich.
Reimann Maximilian: Ich bin von der Antwort zu den Fragen 1 bis 4 und 6 befriedigt. Hingegen bin ich von der Antwort zur Frage 5 nicht befriedigt. Ich bitte Sie, mir die Möglichkeit zu geben, mich zur Frage 5 zu äussern, indem Sie einer Diskus- sion zustimmen.
Präsident: Der Interpellant ist von der Antwort des Bundesra- tes teilweise befriedigt. Er beantragt Diskussion.
Abstimmung - Vote Für den Antrag auf Diskussion Dagegen
offensichtliche Mehrheit Minderheit
Reimann Maximilian: Zuerst danke ich dafür, dass Sie mir das Wort erteilt haben. Ich werde mich sehr kurz fassen. Ich habe eine Erklärung und ein Zusatzfrage zur Frage 5.
Zunächst danke ich aber dem Bundesrat für die Feststellung, dass er von der SRG bei besonders brisanten Themen eine er- höhte Sorgfaltspflicht verlangt und dass er das Auftreten von vermummten Informanten in derartigen Sendungen als kon- zessionsrechtlich fragwürdig deklariert hat. Es ist nur zu hof- fen, dass diese klaren Worte des Bundesrates auch von jenen SRG-Programmschaffenden zur Kenntnis genommen wer- den, die sich bis anhin weitgehend darum foutiert haben.
Zur Zusatzfrage: In seiner Antwort zur Frage 5 räumt der Bun- desrat ein, dass im Zusammenhang mit den Enthüllungen über die Widerstandsorganisation P-26 Militärstrafverfahren hängig sind. Mehr sagt der Bundesrat nicht zu diesem Punkt, und ich sehe nicht ein, warum das Parlament in diesem Punkt nicht konkreter informiert wird.
Ich frage Sie, Herr Bundesrat: Warum erfahren wir nicht, was das für konkrete Fälle sind? Ist es ein Fall, sind es mehrere Fälle? In welchen Fällen sind Strafverfahren hängig?
Bundesrat Ogi: Ich muss ganz offen gestehen, dass ich die Frage, die Herr Reimann Maximilian gestellt hat, nicht spontan beantworten kann. Ich möchte Sie um Verständnis bitten. Die Frage geht nicht direkt mein Departement an, sondern das De- partement meines Kollegen Kaspar Villiger hat sich dieser An- gelegenheit angenommen. Ich werde bei sich bietender Gele- genheit gerne auf die Frage zurückkommen, aber ich bitte Sie um Verständnis dafür, dass ich mich zunächst im EMD noch klar informieren muss.
91.3390
Interpellation Cavadini Adriano Empfang des Tessiner Fernsehens in Italien
Interpellanza Cavadini Adriano Sollecitare all'Italia la possibilità di rivedere in Italia la Televisione della Svizzera italiana
Interpellation Cavadini Adriano Réception en Italie de la télévision tessinoise
Wortlaut der Interpellation vom 3. Dezember 1991
Bis vor ein paar Jahren gehörte das Tessiner Fernsehen zum italienischen Alltag. Das Aufkommen des Privatfernsehens in Italien hat aber zusehends zu einer Ueberlastung der Frequen- zen geführt, die noch immer anhält. Dadurch wurde das TSI aus dem Empfangsbereich in Italien verdrängt. Im Interesse einer besseren Kenntnis der grenzübergreifenden Wirklichkeit zwischen der italienischsprachigen Schweiz, der Lombardei und dem Piemont ist es aber wünschenswert, dass die Pro- gramme des RTSI auch in Italien empfangen werden können. In Italien sind im übrigen gerade in letzter Zeit wiederholt ent- sprechende Anfragen formuliert worden. So beispielsweise
das Interesse, dem der italienische Senatspräsident am 13. August 1991 Ausdruck gegeben hat;
die schriftliche Anfrage vom 24. September 1991 von vier Abgeordneten aus Como an die Kammern, aus der deutlich hervorgeht, dass die italienische Bevölkerung, die die Pro- gramme des RTSI mit Interesse verfolgte, unzufrieden darüber ist, dass sie diese nicht mehr empfangen kann;
die Eingabe vom 8. Oktober 1991 der ständigen Konferenz der schweizerischen und italienischen Handelskammern im Grenzgebiet, mit der die italienische Regierung ersucht wird, dem TSI zumindest in der Lombardei und im Piemont eine be- stimmte Frequenz zuzuteilen;
die Unterstützung der italienisch-schweizerischen Konsulta- tivkommission;
die während seines jüngsten Besuchs in der Schweiz an den italienischen Präsidenten gerichteten Bitten.
Die Forderung rechtfertigt sich aber auch aus Gründen der Gegenseitigkeit, denn die italienischsprachige Schweiz emp- fängt die Programme des öffentlichen und des privaten Fern- sehens aus Italien.
Es geht im wesentlichen also darum, dem Tessiner Fernsehen Frequenzen zuzuteilen, die die internationale Fernmeldever- einigung für die Schweiz vorgesehen hat, die aber von priva- ten italienischen Sendern besetzt sind.
Der Bundesrat wird darum
angefragt, ob er es nicht als notwendig erachtet, schnell und erneut bei der italienischen Regierung zu intervenieren, damit diese Situation endlich einer Lösung zugeführt wird und die Programme des RTSI zumindest in der Lombardei und im Piemont empfangen werden können; und
ersucht, den Nationalrat über den Ausgang seiner Bemü- hungen und allfällige Zusicherungen zu orientieren.
Testo dell'interpellanza del 3 dicembre 1991
Fino a qualche anno fa la Televisione della Svizzera italiana era una realtà quotidiana in Italia. L'avvento delle televisioni pri- vate in Italia aveva però portato a un sovraffollamento delle fre- quenze - che perdura tuttora - di cui aveva fatto le spese an- che la RTSI.
Nell'interesse di una migliore conoscenza della realtà trans- frontaliera tra Svizzera italiana, Lombardia e Piemonte è auspi- cabile che i programmi della RTSI possano ancora giungere anche in Italia, dove proprio in questi ultimi tempi si sono avute ripetitive richieste in tal senso. Cito:
10-N
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Interpellation Reimann Maximilian Cornu-Bericht zu P-26. Desinformation durch SRG- Sendungen Interpellation Reimann Maximilian Rapport Cornu sur la P-26. Désinformation de la part de la TV
In
Amtliches Bulletin der Bundesversammlung
Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale
In
Jahr
1992
Année
Anno
Band
II
Volume
Volume
Session
Frühjahrssession
Session
Session de printemps
Sessione
Sessione primaverile
Rat
Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
02
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 91.3375
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum 03.03.1992 - 08:00
Date
Data
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286-287
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Pagina
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20 020 979
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