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Fragestunde
Achte Sitzung - Huitième séance
Montag, 16. März 1992, Nachmittag Lundi 16 mars 1992, après-midi
14.30 h
Vorsitz - Présidence: Herr Nebiker
Fragestunde - Heure des questions
Frage 45: Steffen. Schwarzarbeit Travail au noir
In der Zeitschrift «Der Steuerberater» Nr. 84/92 erhalten Arbeit- geber, die Schwarzarbeiter beschäftigen, folgenden Rat: «Es ist nicht ratsam, Schwarzarbeiter zu beschäftigen. Doch wer es schon tut, der soll wenigstens Quellensteuern und Sozialversi- cherungsbeiträge korrekt abliefern. Dazu braucht es keine AHV-Karten. Es genügt, auf den Lohnlisten Name, Vorname und genaues Geburtsdatum einzutragen .... Auf die Strafbarkeit der Vorgesetzten, die Schwarzarbeiter beschäftigen, hat die Ablie- ferung von AHV-Beiträgen und Quellensteuern keinen Ein- fluss .... Ausgleichskassen und Steuerverwaltungen melden keine Verstösse.»
Ist dem Bundesrat diese Praxis bekannt?
Ist er bereit, dahin zu wirken, dass dieser Missachtung gesetz- licher Vorschriften durch Amtsstellen ein Ende bereitet wird?
Welche konkreten Massnahmen gedenkt der Bundesrat zu ergreifen?
Bundesrat Cotti: Einkünfte, Herr Steffen, die aus einem rechts- widrigen Vertragsverhältnis fliessen, sind in der Sozialversi- cherung bekanntlich beitragspflichtig. Was also die Sozialver- sicherung anbelangt, können die einzelnen Versicherungen Kenntnis von solchen Einkünften - aus Schwarzarbeit z. B. - erhalten. Die Ausgleichskassen aber missachten die gesetzli- chen Vorschriften nicht, wenn sie diese Verstösse nicht mel- den. Es besteht keine generelle Anzeigepflicht für die Sozial- versicherung.
Eine Aenderung der bestehenden Normen wäre nach Mei- nung aller Spezialisten kontraproduktiv. Arbeitgeber, die Schwarzarbeiter beschäftigen, würden dann einfach auf deren Löhnen keine Sozialversicherungsbeiträge mehr abrechnen - wie sie es heute tun - und so sowohl die Versicherungswerke schädigen als auch den sozialen Schutz dieser Arbeitnehmer, die immerhin Menschen sind, gefährden. Das Problem wird aber weiterhin geprüft, denn wir sehen durchaus ein, dass hier eine echte Fragestellung besteht.
Question 46:
Brunner Christiane. Ratifizierung der Europäischen Ord- nung der sozialen Sicherheit (revidiert)
Ratification du Code européen de sécurité sociale révisé
Le Comité des ministres du Conseil de l'Europe a adopté en juin 1990 le Code européen de sécurité sociale révisé et a dé- cidé d'ouvrir cet instrument à la signature des Etats membres le 6 novembre 1990. La Suisse a ratifié la convention de base, mais dans son rapport annuel sur les activités de la Suisse au Conseil de l'Europe en 1990, le Conseil fédéral n'annonce pas ses intentions à l'égard du Code européen de sécurité sociale révisé. Le Conseil fédéral peut-il nous dire s'il a l'intention de ra- tifier également le Code révisé et, si tel ne devait pas être le cas, pour quelles raisons il y renoncerait?
M. Cotti, conseiller fédéral: Le Conseil fédéral exprime sa po- sition à l'égard des conventions du Conseil de l'Europe dans le rapport «sur la Suisse et les conventions du Conseil de l'Eu- rope» qu'il présente au début de chaque législature. Le 5e rapport va être publié très prochainement. Un passage de celui-ci est consacré au Code européen de sécurité sociale ré- visé. Le Conseil fédéral range ce code parmi les conventions à priorité C, c'est-à-dire celles qui présentent un intérêt certain pour la Suisse, mais dont la ratification pourrait poser des pro- blèmes juridiques, politiques ou pratiques.
En ce qui concerne le code révisé, une étude sera entreprise afin de déterminer si notre pays peut envisager la ratification de cet instrument. Je rappelle que le rapport sera publié dans la Feuille fédérale du 24 mars 1992.
Frage 47: Fankhauser. Aktion «Kinder der Landstrasse» Enfants de la grand-route
1986 wurde eine Stiftung «Naschet Jenische» gegründet zum Zweck der Wiedergutmachung der Folgen der Aktion «Kinder der Landstrasse» gegenüber einzelnen Betroffenen und der be- troffenen Volksgruppe insgesamt. Unter anderem hätten die Wahrung des Rechtes auf Akteneinsicht gefördert, die Betroffe- nen in persönlichen Belangen beraten und die Bemühungen der Betroffenen und Organisationen der Fahrenden finanziert werden sollen. Der Bund hat namhafte finanzielle Beiträge ge- leistet bis zum Zeitpunkt von sichtbaren Konflikten innerhalb der Stiftung.
Nun soll auf Ende März dieses Jahres die Ausrichtung von Bei- trägen an die inzwischen neu konstituierte Stiftung eingestellt werden.
Wie will der Bundesrat die Wiedergutmachung der Folgen der Aktion «Kinder der Landstrasse» weiter sichern?
Bundesrat Cotti: Wie Sie wissen, Frau Fankhauser, gibt es drei Organisationen, die sich mit der Frage der Wiedergutma- chung gegenüber den sogenannten Kindern der Landstrasse beschäftigen, einer Aufgabe, für die sich der Bund ganz allge- mein verpflichtet hat:
Es gibt eine Aktenkommission. Die Bezeichnung sagt, was sie beinhaltet. Sie sollte spätestens in der ersten Hälfte 1993 ihre Tätigkeiten beenden.
Es gibt eine Stiftung zur Wiedergutmachung für die Kinder der Landstrasse, die sich sehr konkret mit der Frage der Entschä- digungsleistungen beschäftigt. Diese Stiftung ist Trägerin der Fondskommission, die unter dem Präsidium Ihrer Kollegin, Frau Leni Robert, den Fonds zur Wiedergutmachung verwal- tet. Die anfänglichen Mittel von 3,5 Millionen Franken schei- nen nun aufgebraucht worden zu sein. Ein neues Begehren für eine zusätzliche und letzte Bundesleistung in der Höhe von 7,5 Millionen Franken ist in diesen Tagen dem Bundesrat un- terbreitet worden.
Letztlich gibt es die Stiftung «Naschet Jenische». Sie ist prak- tisch nicht mehr im Sinne der ursprünglichen Aufgaben tätig. Der Bundesrat hat auf Ende März 1992 die finanziellen Bei- träge eingestellt, nachdem die Stiftung nebst internen Proble- men für eine Neukonstituierung die Frage der zweckmässigen Verwendung der Bundesmittel in der Vergangenheit bisher nicht ausreichend klären konnte. Abklärungen um die Vorfälle in der Stiftung sind zurzeit Gegenstand mehrerer Verfahren. Die GPK des Ständerates - Sie wissen es wahrscheinlich auch - befasst sich mit diesen Fragen.
Frau Fankhauser: Sie haben dargestellt, wie finanzielle Mittel für die Wiedergutmachung zur Verfügung gestellt werden kön- nen. Es wurde nicht klar aus Ihrer Antwort, wie die Unterstüt- zung, die Beratung für die Fahrenden im Sinne der Wiedergut- machung, konzeptionell sichergestellt werden soll. Es hat sich herausgestellt, besonders nach der Einsicht in die Akten, dass diese Beratung absolut notwendig ist.
Können Sie jetzt eine Aussage über die Sicherung dieser Bera- tung für die Fahrenden machen?
Bundesrat Cotti: Ich kann Ihnen bestätigen, dass die Bera- tung auf alle Fälle weitergeführt werden muss, denn es ist klar,
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Heure des questions
dass viele Begehren, die hier gestellt werden, ohne Beratung gar nicht gestellt werden könnten.
Frage 48: Stamm Judith. Bericht über Kindsmisshandlungen Rapport sur les mauvais traitements infligés aux enfants Im Juni 1987 wurde der Bundesrat mit einem Postulat gebeten, einen Bericht über Kindsmisshandlungen in der Schweiz zu er- statten. Es wurde eine Expertenkommission eingesetzt, deren Arbeit dem Vernehmen nach abgeschlossen ist.
Bis wann kann mit einer Veröffentlichung des Berichts gerech- net werden?
Bundesrat Cotti: Der Bericht, Frau Stamm, befindet sich zur- zeit in der Endphase der Redaktion und wird auf alle Fälle im Sommer 1992 veröffentlicht.
Question 49: Friderici Charles. WWF. Aufruf zu Gewalt und illegalen Ak- tionen
WWF. Appel à la violence et aux actions illégales
Dans le cadre du programme Pandiamo 92 s'adressant à la jeu- nesse, le WWF a édité un opuscule commenté et illustré par des actions qui portent atteinte à la propriété et troublent l'ordre pu- blic. Le responsable du programme des activités de jeunesse du WWF Suisse est, jusqu'à fin avril 1992, le futur directeur de l'OFEFP en personne. Il est donc indéniable que celui-ci porte une responsabilité dans cet appel à des actions violentes et illé- gales.
Le Conseil fédéral prendra-t-il des sanctions contre un futur fonctionnaire fédéral qui préconise de telles méthodes, quel- ques semaines seulement avant d'endosser ses nouvelles charges?
De telles activités de jeunesse sont-elles subventionnées par la Confédération dans le cadre des activités de jeunesses extra-scolaires ou par tout autre programme de soutien aux acti- vités du WWF?
En cas de réponse affirmative à la deuxième question, des sanctions sont-elles prévues pour éviter le renouvellement de tels appels à la violence?
Frage 50:
Scherrer Jürg. Aufforderung zu Straftaten durch den WWF Appel du WWF à la violence
Im Magazin «Pandiamo» fordert der WWF mehr oder weniger of- fen zu Gewaltakten gegen den Privatverkehr auf. Mit zwei Fotos wird durch Aktivisten das Umkippen eines PW vordemonstriert. Mitverantwortlich für die Publikation ist Philippe Roch, der künf- tige Buwal-Direktor.
Ich bitte den Bundesrat um Beantwortung der folgenden Fragen:
Warum setzt der Bundesrat einen sogenannten «Umwelt- schützer» als Buwal-Direktor ein, der sich offensichtlich mit Ge- waltakten identifiziert?
Zieht der Bundesrat aufgrund dieser Tatsache in Erwägung, Philippe Roch im Amt nicht einzusetzen und an seiner Stelle eine Person als Buwal-Direktor zu bestimmen, welche sich klar von illegalen Aktionen fernzuhalten weiss?
M. Cotti, conseiller fédéral: L'opuscule «Pandiamo 92>> ne peut en aucune manière, de l'avis du Conseil fédéral, être interprété comme incitant à des actes violents et illégaux. Il est vrai cependant que l'éditorial incriminé est assorti d'illustra- tions de mauvais goût mais qui n'ont aucun rapport avec le reste de l'opuscule. Interpellé à leur sujet, M. Roch a d'ailleurs déclaré ne pas avoir eu connaissance de ce choix de photos. Je tiens à signaler que cet opuscule présente une série d'élé- ments excellents permettant un contact accru de notre jeu- nesse avec la nature. L'avis du Conseil fédéral sur cet opus- cule ne peut être que très positif. D'ailleurs, j'en ai fait mettre à la disposition du Conseil national un certain nombre d'exem- plaires qui se trouvent dans la salle attenante et chacun pourra évaluer si la position du Conseil fédéral est acceptable en la matière.
Je le répète, notre jeunesse peut y trouver la possibilité d'avoir davantage de contact avec la nature en un monde qui la me- nace de façons multiples.
Ni la brochure ni les activités du WWF ne sont directement sub- ventionnées par la Confédération. La section jeunesse WWF, cependant, qui projetait une longue série de mouvements de jeunesse, reçoit un soutien annuel de la Confédération, selon les articles 3 à 6 de l'ordonnance d'application de la loi concernant l'encouragement des activités de jeunesse extra- scolaires.
M. Friderici Charles: Il ne s'agit pas d'une question complé- mentaire, je prends acte de votre réponse. Je doute que les commerçants de Zurich, lors de manifestations de jeunes, soient toujours d'accord avec votre appréciation de cet opus- cule qui contient justement des atteintes à la propriété privée.
Scherrer Jürg: Herr Bundesrat, glauben Sie nicht, dass es an der Zeit wäre, den WWF, der zu solchen Gewaltakten indirekt auffordert, endlich von der Liste der in Umweltfragen be- schwerdeberechtigten Organisationen zu streichen?
Bundesrat Cotti: Herr Scherrer Jürg, es ist Ihr gutes Recht, diese These zu vertreten. Ich komme noch einmal auf die Bro- schüre zurück. Wenn Sie sie genau durchlesen, Herr Scherrer, werden Sie feststellen, dass es sich um eine ausgezeichnete Broschüre für unsere Jugend handelt.
Question 51: Tschopp. Umweltgipfel in Rio. Grünhelme Conférence des Nations Unies sur l'environnement et le développement à Rio de Janeiro. Casques verts
Est-ce que le Conseil fédéral est disposé à charger ses repré- sentants au Sommet de la Terre, à Rio, de soutenir et défendre le projet «Casques verts» pour apporter une contribution posi- tive à cette conférence et éviter qu'elle ne se perde en déclara- tions d'intention sans lendemain?
M. Cotti, conseiller fédéral: L'idée des Casques verts mérite d'être soutenue. Le Conseil fédéral est d'ailleurs prêt à la pour- suivre, soit à Rio de Janeiro, soit à l'imminente conférence du suivi d'Helsinki, le 24 mars.
Le Centre des Nations Unies pour l'assistance environne- mentale d'urgence, qui vient d'être créé à Genève, repré- sente une excellente base pour y intégrer l'initiative en ques- tion. La Suisse soutient financièrement et intensivement le centre lui-même. A l'échelon national également, il convien- drait de créer les conditions d'une coopération plus vaste à un tel projet
En ce qui concerne notre pays, cette problématique peut être abordée dans le cadre de nos efforts en matière d'aide en cas de catastrophes. Le Conseil fédéral a du reste déjà de- mandé que, dans ce secteur, la collaboration de l'Office cen- tral de la défense avec le Centre des Nations Unies pour l'as- sistance environnementale d'urgence soit encouragée et in- tensifiée.
M. Tschopp: Je suis très content de l'importance que vous at- tachez à ce double projet «Croix verte/Casques verts», et ma question complémentaire a trait au degré d'urgence que l'on reconnaît au fait que nous avons manifestement besoin à Ge- nève de redorer quelque peu la place internationale que nous représentons. C'est la raison pour laquelle je crois qu'il est im- portant que ce projet novateur soit traité avec la diligence voulue.
En outre, je ne vous cache pas que le problème posé par la désintégration totale des mesures de sécurité - je pense en particulier au domaine nucléaire dans la Communauté des Etats indépendants - me suggère que l'on trouve rapidement des solutions.
M. Cotti, conseiller fédéral: J'ai pris note des considérations en deuxième partie de l'intervention de M. Tschopp.
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Fragestunde
Frage 52: Gonseth. Rückstand in der Luftreinhalte-Politik Lutte contre la pollution atmosphérique
Nach Angaben des Buwal vom Februar 1992 «können die Ziele des LRK mit einer Verzögerung von einigen Jahren erreicht wer- den, unter der Voraussetzung, dass alle offenen Massnahmen auf Bundesebene fristgerecht und ohne Abstrich realisiert und die kantonalen Massnahmenpläne in Kraft gesetzt und vollzo- gen werden können».
Die Emissionsprognosen insbesondere für NO„ müssen jedoch angezweifelt werden, da das Verkehrswachstum viel stärker als im EWI-Bericht angenommen zunimmt. Anstelle eines Wachs- tums von 10 Prozent (1985-1990) zeigen Messungen im Kan- ton Zürich zum Beispiel eine Zunahme von 25 Prozent. Hinzu kommen die ernüchternden Daten des TüV über die Wirksam- keit von Katalysatoren. Ernüchternd ist z. B. auch, dass die Jah- resmittelwerte für NO, in den Kantonen Basel-Landschaft und Basel-Stadt 1991 wieder zugenommen haben.
Wird der Bundesrat seine offensichtlich zu positiven Emissions- prognosen überprüfen lassen? Welche Konsequenzen erge- ben sich für den Bundesrat aus dem aus ärztlicher Sicht unver- antwortlichen Rückstand in der Luftreinhalte-Politik? Um wie viele Jahre vergrössert sich der im letzten Jahr deklarierte Rück- stand von zwei bis drei Jahren?
Bundesrat Cotti: Die Ueberprüfung von Prognosen, Frau Gonseth, ist selbstverständlich eine Daueraufgabe. Neue Ver- kehrs- und Emissionserhebungen, wie Sie sie wünschen, sind zurzeit in meinem Departement - zusammen mit anderen - und ebenfalls in der Bundesrepublik Deutschland im Gange. Wir arbeiten mit der BRD eng zusammen. Alle bisherigen An- strengungen des Bundesrates zielten darauf hin, nachteilige Auswirkungen der Luftverunreinigung so rasch als möglich zu eliminieren; das bleibt die Hauptzielsetzung unserer Politik, die wir konsequent fortsetzen wollen.
Frau Gonseth: Herr Bundesrat, geben Sie sich nicht einer Selbsttäuschung hin, wenn Sie nicht endlich einen Grundsatz- entscheid fällen? Wie wollen Sie die Konkurrenz zwischen dem Ziel einer gesunden Luft und dem ständig wachsenden Verkehr lösen? Da braucht es doch einen Grundsatzent- scheid! Wieweit wird dieser Grundsatzentscheid durch die ge- genwärtige Europapolitik des Bundesrates verzögert?
Bundesrat Cotti: Ueber die Europapolitik, Frau Gonseth, möchte ich mich in diesem Moment nicht äussern.
Es bleibt das Ziel des Bundesrates, die Ziele des Luftrein- halte-Konzepts zu erreichen. Das ist nicht illusorisch; das ist möglich. Es braucht noch etwas Zeit. Wer glaubt, hier von ei- nem Tag auf den anderen ein Problem, dessen Lösung einen langen Prozess voraussetzt, plötzlich vom Himmel gelöst zu bekommen, täuscht sich.
Question 53: Spielmann. Export von giftigen Abfällen Exportation de déchets toxiques
Plus de 20 000 tonnes de déchets toxiques (dioxine et métaux lourds) ont été expédiés de 1987 à 1990 à l'intention d'une entreprise portugaise chargée de les recycler. Or, cette entre- prise n'était en fait qu'une boîte-aux-lettres et les déchets ont été jetés dans une décharge à ciel ouvert.
Quels sont les moyens de contrôle de l'Office fédéral de l'envi- ronnement sur la destination et le traitement des déchets suis- ses exportés?
Quelles mesures le Conseil fédéral entend-il prendre pour empêcher la répétition de tels faits et quelles sont les mesures qui sont ou seront prises contre les responsables suisses de ce trafic?
M. Cotti, conseiller fédéral: Monsieur Spielmann, les bases lé- gales pour le contrôle des exportations de déchets spéciaux fi- gurent - vous le savez - dans l'ordonnance sur les mouve- ments de déchets spéciaux. L'Office de l'environnement contrôle ces exportations sur la base des documents qui lui sont préalablement remis. Dans ces documents, le destina-
taire à l'étranger doit apporter la preuve que les déchets sont éliminés d'une manière compatible avec l'environnement et conformément aux lois en vigueur dans son pays. En outre, ces documents doivent comporter une confirmation de la part des autorités du pays destinataire. Dans le cas de l'exportation des mâchefers en question, les garanties nécessaires avaient été fournies par les responsables portugais concernés. Toute- fois, il n'a pas été satisfait à ces garanties. La responsabilité in- combe donc au pays destinataire.
La Suisse est partie à la Convention de Bâle et j'ai le plaisir de vous signaler que cette convention entrera en vigueur le 5 mai 1992. Cette dernière prévoit - vous le savez - la possibilité d'exercer des contrôles encore plus restreints sur les éventuel- les exportations de déchets, en particulier vers les pays du tiers monde.
M. Spielmann: Monsieur le conseiller fédéral, je vous remer- cie pour votre réponse à la première partie de ma question. Il s'agit dans le cas particulier d'une exportation de plus de 20 000 tonnes de déchets et, parmi ceux-ci, de la dioxine. Pa- radoxalement, c'est seulement au moment où la loi portugaise sur les dépôts de déchets est entrée en vigueur qu'on a cessé l'envoi de ces matériaux au Portugal. C'est donc vrai qu'il y a un lien direct avec la loi portugaise. On savait du côté des entreprises suisses qui livraient ces déchets au Portugal qu'ils échappaient à la loi et, aujourd'hui, la question qui se pose par rapport à ces 20 000 tonnes de déchets déposées et recouver- tes de bâches en plastique depuis deux ans, c'est de savoir où ils vont aller? Il y a une réclamation de retour en Suisse et ma question précise est de savoir si des sanctions sont prises contre les entreprises qui, de façon notoire, exportent des dé- chets, sans qu'ils soient traités, dans des entreprises qui ne sont que des boîtes aux lettres et qui déposent ces déchets dans la nature, avec toutes les conséquences que cela peut avoir pour la population.
M. Cotti, conseiller fédéral: Il est possible qu'une demande de reprise des déchets par le «remettant» soit présentée. Dans ce cas, la demande sera examinée par l'Office fédéral et la ques- tion des responsabilités sera certainement établie. Toutefois, - je le répète - dans le contexte actuel, je ne pense pas qu'une responsabilité puisse être retenue soit contre l'Office fédéral soit contre les exportateurs suisses.
Question 54: Gardiol. Durch Mikrowellen erwärmte Lebensmittel Aliments chauffés aux micro-ondes
En se faisant l'écho de dangers dus à l'ingestion d'aliments trai- tés aux micro-ondes, soi-disant mis en évidence à l'Ecole poly- technique, la presse a semé le doute, voire la panique au sujet de l'innocuité de ce mode de cuisson. Ce type d'affirmation fait régulièrement surface en Suisse et à l'étranger.
L'OMS, l'Office fédéral de la santé publique et d'autres milieux ont tous démenti cette information, mais sans jamais se référer à des études précises étayant scientifiquement leurs affirma- tions. Je pose les deux questions suivantes:
L'OFSP possède-t-il de telles données?
Le Conseil fédéral n'estime-t-il pas indispensable de donner un mandat ou de se joindre à une étude internationale qui aurait pour but de comparer les méthodes de cuisson traditionnelles à la cuisson par micro-ondes pour déterminer la formation de composés toxiques et de substances mutagènes?
M. Cotti, conseiller fédéral: Les données scientifiques que vous invoquez, Madame Gardiol, émanent de l'Office fédéral de la santé publique. Aujourd'hui même, un article très com- plet est publié à ce sujet dans le bulletin de cet office, article qui ne traite pas seulement tous les aspects de la cuisson par micro-ondes mais qui cite également toutes les bases scienti- fiques qui sont largement connues dans ce domaine. Les études à disposition, non seulement de notre office mais aussi de l'OMS, étant tout à fait sérieuses, les autorités fédé- rales ne jugent pas du tout nécessaire d'ordonner un nouvel examen.
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Heure des questions
Mme Gardiol: Je suis informée du contenu de l'article qui a paru aujourd'hui. Il reprend toutes les connaissances tradi- tionnelles au sujet des micro-ondes, mais il ne fait aucune allu- sion aux modifications moléculaires que pourrait provoquer ce type de cuisson. Des travaux à ce sujet ont été effectués chez Nestlé, entre autres, ainsi qu'en France. Aucune des réfé- rences citées dans cet article ne fait allusion à ces travaux très pointus. Si l'Office fédéral de la santé publique possède ces données, je lui saurais gré d'en faire état et de les publier de manière claire.
M. Cotti, conseiller fédéral: Il s'agit plutôt d'une exhortation de votre part, Madame Gardiol, ce qui est tout à fait juste. Je ne sais pas si les éléments auxquels vous faites allusion sont en possession de l'Office fédéral. Ce que je puis répéter, c'est que les spécialistes de cet Office déclarent que les dangers parfois évoqués par les médias n'existent pas.
Frage 55:
Kern. Obligatorischer Fahrunterricht für Motorwagen- führer Formation obligatoire des conducteurs de voitures auto- mobiles
Die Schweiz ist das einzige Land in Europa, deren Regierung es nicht für nötig erachtet, die Verkehrssicherheit und den Umwelt- schutz mit einer in dieser Richtung gezielten obligatorischen Fahrausbildung für Motorwagenlenker in den Griff zu be- kommen.
Die gezielte Ausbildung (40 bis 50 Stunden) in Norwegen be- wirkt, dass dort trotz klimatisch schwierigen Verhältnissen pro Million Autofahrer im Jahr auf der Strasse etwa 100 Personen weniger sterben als in Mitteleuropa.
Die Anwärter auf einen Führerausweis für Motorräder haben ab 1. Januar 1993, gestützt auf Artikel 17b Absatz 1 VZV, einen praktischen Fahrkurs zu absolvieren, damit sie zur Führerprü- fung zugelassen werden.
Warum wird nicht auch für Anwärter auf Führerausweise für Mo- torwagen ein obligatorischer Fahrunterricht verlangt?
Bundesrat Koller: Der Bundesrat hat grundsätzlich Verständ- nis für das Anliegen des Fragestellers. So sah der 1983 vom Bundesamt für Polizeiwesen zur Vernehmlassung gestellte Vorschlag zur Ergänzung der Verkehrszulassungsverordnung unter anderem auch obligatorische Fahrstunden auf Motorwa- gen bei einem Fahrlehrer vor. Dieses Konzept stiess aber nicht nur bei den Kantonen, sondern unter anderem auch in Fahr- lehrerkreisen auf starke Opposition, weil man insbesondere befürchtete, dass dann nur noch das Minimum der obligato- risch vorgeschriebenen Fahrstunden besucht würde.
In der Folge hat das Bundesamt in engem Kontakt mit allen in- teressierten Kreisen nach einer möglichst breit abgestützten Lösung gesucht, die mit der vom Bundesrat am 13. Februar 1991 beschlossenen Verordnungsänderung verwirklicht wor- den ist. Diese schreibt einen theoretischen Verkehrskundeun- terricht bei einem Fahrlehrer für alle Fahrschüler vor, prakti- schen Fahrunterricht aber nur dort, wo sich dies in erster Linie sachlich aufdrängt, nämlich bei den Motorradfahrschülern. Dadurch wird für diese eine fachkundige Anleitung zu Beginn der Ausbildung sichergestellt, bevor sie - anders als die Inha- ber eines Lernfahrausweises für Motorwagen - Lernfahrten ohne Begleitperson unternehmen.
Kern: Ich stelle mit Bedauern fest, dass Herr Bundesrat Koller nicht gewillt ist, in der Schweiz einen obligatorischen Fahrun- terricht für Motorwagenlenker einzuführen. Ohne weiteres ist es möglich, die Geschwindigkeit zu reduzieren, um weniger Unfälle zu produzieren. Ich frage nur: Ist es richtig, dass die Schweiz das einzige Land ist, das keinen Fahrunterricht für Motorwagenlenker kennt?
Bundesrat Koller: Ich gebe Ihnen auf Ihre Frage gerne Ant- wort: Kein Fahrschulobligatorium kennen ausser der Schweiz auch Oesterreich, Belgien, Frankreich, Italien, die Nieder- lande, Spanien, Schweden und England. Im übrigen darf ich
Sie auch darauf hinweisen, dass trotz dieses fehlenden Obli- gatoriums in unserem Lande tatsächlich 90 Prozent aller Fahr- schüler Fahrstunden bei Fahrlehrern nehmen. Wir sind daher der Ueberzeugung, dass diese Ordnung in bezug auf die Ver- kehrssicherheit ein Optimum mit sich bringt.
Frage 56: Gonseth. Weniger Verkehrsopfer Limites de vitesse et accidents de la route
Der Rückgang der Zahl von Toten und Verletzten im Strassen- verkehr ist nach Aussagen der BfU unter anderem eine Auswir- kung des befristeten Tempoversuches sowie der Sensibilisie- rung der Autofahrer und Autofahrerinnen durch die intensiven Diskussionen der Tempolimiten in der Oeffentlichkeit.
Bisher hat es der Bundesrat leider versäumt, die sowohl im EWI-Bericht als auch im Bericht des Institutes für Verkehrspla- nung der ETH ausgewiesenen günstigen Auswirkungen des Tempoversuches auf die Verkehrssicherheit gebührend zu wür- digen oder für eine Oeffentlichkeitskampagne auszunützen. Der Blutzoll auf unseren Strassen mit 870 Toten und 28 000 Ver- letzten ist nach wie vor viel zu hoch und könnte nach Aussagen der BfU auf 500 bis 600 Tote im Jahr vermindert werden.
Welche Anstrengungen unternimmt der Bundesrat, um diesem Ziel näher zu kommen? Ist der Bundesrat bereit, durch Oeffent- lichkeitskampagnen vermehrt auf den sehr günstigen Einfluss von tieferen eingehaltenen Tempolimiten auf die Verkehrssi- cherheit hinzuweisen und für deren weitere und bessere Akzep- tanz zu werben?
Bundesrat Koller: Aufgrund provisorischer Zahlen ermittelte die BfU für letztes Jahr gegenüber 1990 einen Rückgang der Zahl der Verkehrstoten um 8,8 Prozent und der Verletzten um 4,7 Prozent. Als mögliche Erklärung verwies sie auf die Rezes- sion, den strengen Winter und auf den Tempoversuch 70/100, über dessen Beitrag die meisten Unsicherheitsfaktoren be- stehen.
So ist unter anderem zu beachten, dass sich das Unfallge- schehen 1991 auch in anderen Ländern verbessert hat. Zum Beispiel ging die Zahl der Verkehrstoten in Frankreich um 6,5 Prozent, in der ehemaligen BRD um 4,9 Prozent, die Zahl der Verletzten in Frankreich um 8,8 Prozent und in der ehema- ligen BRD um 6,3 Prozent zurück. In England wird sogar eine sensationelle Abnahme der Zahl der Verkehrstoten (im letzten Jahr um 19 Prozent) registriert, die vor allem durch die Monate Juli, August und September positiv beinflusst wurde.
Nach dem ETH-Bericht « .... können aus den von uns durch- geführten Erhebungen keine direkten Schlüsse auf die Verän- derungen der Verkehrssicherheit gezogen werden. Die Sen- kung des gesamten Geschwindigkeitspegels dürfte sich eher positiv auf die Unfallschwere auswirken.»
Diese erfreuliche Verbesserung des Unfallgeschehens ist zweifellos auf eine Mehrzahl von Faktoren zurückzuführen, un- ter anderem auch auf die seit Jahren auf verschiedenen Ebe- nen zielstrebig geleistete Arbeit im Bereich der Verkehrssi- cherheit. Vorgesehene Gesetzesänderungen sollen weitere Verbesserungen bringen, beispielsweise den Zweistufen-Füh- rerausweis, Alkoholkontrollen - und zwar neu auch ohne An- zeichen von Angetrunkenheit - und die Erhöhung der Ord- nungsbussen. Der Bundesrat wird die Anstrengungen zur Er- höhung der Verkehrssicherheit mit allen geeigneten Mitteln fortführen.
Frau Gonseth: Herr Bundesrat, Sie haben meine Frage nicht beantwortet, ob Sie auch bereit wären, mehr Oeffentlichkeits- arbeit bzw. - kampagnen durchzuführen.
Bundesrat Koller: Zunächst dürfen wir uns auch in der Politik einmal ehrlich freuen, wenn wir derart erfreuliche Zahlen be- treffend den Rückgang der Anzahl Toten und Schwerverletz- ten hören. Im übrigen wird die BfU im Rahmen ihrer Möglich- keiten zweifellos auch solche Kampagnen durchführen. Hin- gegen haben wir gerade heute morgen im Bundesrat be- schlossen, dass wir für solche Zwecke nicht weiterhin Bundes- mittel zur Verfügung stellen können.
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Fragestunde
Frage 57: Gonseth. Kompetenzwirrwarr mit Artikel 32 des SVG Article 32 de la loi sur la circulation routière. Conflit de compétence
Der gegenwärtige Kompetenzsalat um die Zuständigkeit der Festsetzung der Höchstgeschwindigkeiten auf Nationalstras- sen wird dazu führen, dass die Kantone noch länger auf ihre An- träge im Massnahmenplan warten müssen. Dies ist für die Kan- tone, die für saubere Luft sorgen wollen, unerträglich. Es wird sich leider auch auf die Luft, den Lärm, den Benzinverbrauch und die Verkehrssicherheit negativ auswirken.
Ist der Bundesrat bereit, die Motion der Urek und die parlamen- tarische Initiative von Ständerat Plattner, welche verlangen, dass die Kompetenz für Temporeduktionen auf Nationalstras- sen wieder allein dem Bund zu übergeben sind, dringlich zu be- handeln? Bis wann können wir mit einer Vorlage rechnen?
Bundesrat Koller: Die eidgenössischen Räte haben am 22. März letzten Jahres im Rahmen des zweiten Paketes von Vorschlägen zur Neuverteilung der Aufgaben zwischen Bund und Kantonen die Kompetenz zur Anordnung von Geschwin- digkeitsbeschränkungen auf Nationalstrassen 1. und 2. Klasse von meinem Departement auf die Kantone übertragen. Der geänderte Artikel 32 SVG tritt übrigens gerade heute in Kraft. Diese Kompetenzzuweisung ist im Vernehmlassungs- verfahren von den Kantonen einheitlich begrüsst worden. Auch in den eidgenössischen Räten hat diese Aenderung zu keiner Diskussion Anlass gegeben.
Der Bundesrat wird im Rahmen der Motion der nationalrätli- chen Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie vom 21. Februar 1992 betreffend Geschwindigkeitsbeschrän- kungen auf Nationalstrassen im normalen Verfahren zu die- sem Fragenkomplex Stellung nehmen.
Frau Gonseth: Mein Kanton, der Kanton Basel-Landschaft, hat schon vor zwei Jahren im Rahmen der Massnahmenpläne Antrag auf Temporeduktionen gestellt. Sie haben es verpasst, diesem Antrag Folge zu geben.
Was raten Sie nun unserem Kanton konkret, damit er nicht er- neut in einen langen juristischen Leerlauf verwickelt wird, weil am Schluss dann die Kompetenzen doch wieder wechseln?
Bundesrat Koller: Wir haben diese kantonalen Anträge letztes Jahr aus einsichtigen Gründen zurückgestellt, weil wir die Er- gebnisse des Versuchs mit saisonalen Massnahmen kennen wollten. Jetzt empfehle ich Ihrem Kanton und Ihrer Regierung, Ihr Gesuch aufgrund der neuen Rechtslage noch einmal zu überprüfen. Ich kann Ihnen versprechen, dass wir ein entspre- chendes Gesuch in meinem Departement speditiv behandeln werden.
Frage 58: Bezzola. Zentrales Ausländerregister und Ripol Registre central des étrangers et Ripol
Offenbar ist kürzlich das ZAR (Zentrales Ausländerregister auf EDV) aus der On-line-Abfrage des Ripol-Systems entfernt wor- den. Ein kritischer Artikel in einer Wochenzeitung war Anlass für diese Massnahme.
Das lange erwartete ZAR wie auch die längst versprochene und noch nicht realisierte Drogendatenbank sind Mittel für polizeili- che Ermittlungen, wenn über ausländische Personen, deren wahre Identität, deren Aufenthaltsregelung und Arbeitgeber po- lizeiliche Abklärungen getroffen werden müssen. Zwar können diese Daten auch auf andere Weise erhoben werden, jedoch mit einem zehnfachen Aufwand.
Die Diskussion über die Verbreitung des ZAR dauerte etwa zweieinhalb Jahre. Nun hat offenbar ein Zeitungsartikel genügt, mindestens vorläufig einen anderen Entscheid zu treffen.
Der Bundesrat wird deshalb angefragt, ob das ZAR wieder un- verzüglich für Ripol zur Verfügung gestellt oder ob die «WoZ» über die Effizienz bei der Bekämpfung der Ausländerkriminalität entscheiden kann.
Bundesrat Koller: Die Schweizer Grenzposten benützten seit dem 19. Oktober letzten Jahres für direkte Anfragen an das
Zentrale Ausländerregister (ZAR) die gleiche Leitung und die gleichen Bildschirme wie für Anfragen an das Ripol. Das Ripol- und das ZAR-System sind indessen nicht miteinander ver- knüpft. Für den Zugriff sind unterschiedliche Passworte not- wendig.
Inzwischen wurde der Zugriff der kantonalen Polizeistellen über das Ripol auf das ZAR 3 gestoppt. Ebenso wurde die Ab- frage sensitiver Daten durch die Grenzdienststellen unterbun- den. Diese Massnahmen erfolgten aus Ueberlegungen des Datenschutzes, die einer nochmaligen vertieften Abklärung bedürfen. Zudem muss darauf hingewiesen werden, dass nicht das ZAR 3, sondern das Ripol der Kriminalitätsbekämp- fung dient. Die Aufgaben des ZAR liegen in erster Linie im Be- reich des Vollzugs des Ausländerrechts. Die geplante Drogen- datenbank steht dagegen in keinem Zusammenhang mit dem vorliegenden Fall. Neben offenen rechtlichen Fragen - auch dort in erster Linie Fragen des Datenschutzes - bestehen hier auch noch ungelöste konzeptionelle Probleme.
Inzwischen hat das Departement entschieden, dass der On- line-Zugriff kantonaler Polizeibehörden über das Ripol auf das ZAR durch eine Ergänzung der bestehenden Verordnung ge- regelt werden soll. Der entsprechende Antrag wird dem Bun- desrat demnächst unterbreitet.
Bezzola: Ich danke Ihnen, Herr Bundesrat, für Ihre Stellung- nahme. Ich möchte nur noch gerne wissen, was der Bundesrat konkret zu tun gedenkt, damit diese Mittel der Polizei mög- lichst schnell wieder zur Verfügung stehen, und wie lange es dauern könnte, bis diese Abklärungen abgeschlossen sind, damit das ZAR auf dem Ripol-Netz wieder verbreitet werden kann.
Bundesrat Koller: Herr Bezzola, ich danke Ihnen für Ihr Ver- ständnis: Wir können nicht ein Datenschutzgesetz erlassen, ohne mit dem guten Beispiel voranzugehen. In dieser Situa- tion befindet sich eben das federführende Justiz- und Polizei- departement. Ich kann Sie aber vergewissern, dass ich die notwendige Aenderung der ZAR-Verordnung dem Bundesrat möglichst rasch, d. h. in den nächsten Wochen, unterbreiten werde. Wenn diese Aenderung der Verordnung vom Bundes- rat genehmigt wird, dann werden auch die kantonalen Polizei- stellen möglichst rasch wieder Zugang zum ZAR haben.
Frage 59: Dreher. Notrecht für Asylantenstopp Droit de nécessité en matière d'asile
Die Mehrheit des Schweizervolkes steht bekanntlich nicht mehr hinter der Asylpolitik des Bundesrates. Nun hört man, dass für 1992 mit weiteren 30 000 Asylanten gerechnet wird.
Ist der Bundesrat nicht auch der Meinung, es sei angesichts ei- ner Anerkennungsquote von unter drei Prozent dringend gebo- ten, in Anwendung von Artikel 9 des Asylgesetzes oder gegebe- nenfalls von Notrecht den Zuzug von Asylanten sofort zu stoppen?
Bundesrat Koller: Die Anwendung von Artikel 9 Asylgesetz kann vom Bundesrat nicht nach Belieben verfügt werden. Den Materialien zum Asylgesetz ist zu entnehmen, dass von einer Ausnahmesituation im Sinne von Artikel 9 nur gesprochen werden darf, wenn die Schweiz mit einem plötzlichen und massiven Ansteigen der Asylbewerberzahlen konfrontiert wird, das mit den Mitteln des ordentlichen Rechts nicht mehr bewältigt werden kann. Eine solche Situation liegt glücklicher- weise im heutigen Zeitpunkt nicht vor. Vielmehr gibt es Anzei- chen, dass das bundesrätliche Aktionsprogramm 1991/92 und die gesetzgeberischen Massnahmen im Asylbereich Wir- kung entfalten. Jedenfalls entwickeln sich die Gesuchszahlen zum ersten Mal seit längerer Zeit rückläufig.
Der Bundesrat hat im übrigen keinerlei Anlass anzunehmen, das Schweizervolk stehe in seiner grossen Mehrheit nicht mehr hinter dieser Asylpolitik des Bundesrates.
Dreher: Herr Bundesrat Koller erklärt, dass der Bundesrat kei- nen Anlass habe zu glauben, das Schweizervolk stehe nicht mehr hinter seiner Asylpolitik. Auf welche Umfragen oder Tat-
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Heure des questions
sachen, Herr Bundesrat Koller, stützen Sie diese Be- hauptung?
Bundesrat Koller: Unter anderem auch wegen des soeben herausgegebenen Papiers der Regierungsparteien. Die Re- gierungsparteien haben in diesem Papier, das letzten Freitag der Oeffentlichkeit bekanntgegeben worden ist, ganz klar den Willen zum Ausdruck gebracht, dass eine Gesetzesänderung zurzeit nicht nötig ist, sondern dass es vor allem darum geht, dieses Aktionsprogramm, das wir mit beträchtlichem Erfolg eingeleitet haben, nun konsequent durchzuziehen.
Frage 60:
Keller Rudolf. Versteckte Ausländerkinder. Geheimnisvol- ler Brief von Bundesrat Koller
Enfants de ressortissants étrangers cachés par leur fa- mille. Lettre mystérieuse du conseiller fédéral Koller
Bundesrat Arnold Koller hat im Frühjahr 1991 den Kantonen zur Problematik der versteckten Ausländerkinder einen Brief zuge- sandt und darin für sogenannt «flexible Lösungen» plädiert. Urs Kramer, stellvertretender EDK-Generalsekretär, hat laut einer Zeitungsmeldung festgestellt, dass dieser Brief zum Glück nie publik geworden sei. Es gebe, laut Kramer, eben Lösungen, die man nicht an die grosse Glocke hängen wolle.
Was hat der Bundesrat den Kantonen in diesem geheimnisvol- len Brief empfohlen, und warum wurde er nie publik gemacht?
Bundesrat Koller: Es gibt keinen geheimnisvollen Brief von mir in Sachen versteckter Ausländerkinder.
Im Herbst 1990 fand zwischen dem Vorsteher des EJPD und einer Delegation der Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) eine Aussprache über die Einschulung von ausländischen Kindern ohne gültige Aufenthaltsbewilligung statt. Ueber das Ergebnis dieser Aussprache hat mein Pressedienst orientiert. Mit Kreisschreiben vom 19. März erläuterte daraufhin das Bun- desamt für Ausländerfragen im Einvernehmen mit dem Depar- tement den Fremdenpolizeichefs der Kantone die Rechtslage. In diesem Kreisschreiben wird insbesondere ausgeführt, dass aus humanitären Gründen sowie im Hinblick auf den EWR- Vertrag eine gewisse Flexibilität angezeigt sei.
Sodann sei auf die Stellungnahme des Bundesrates zum Po- stulat von Frau Nationalrätin Fankhauser über versteckte Kin- der verwiesen. Auch dort ist auf den Ermessensspielraum in Härtefällen hingewiesen worden.
Im Rahmen der Botschaft über die Genehmigung des Ueber- einkommens der Uno über die Rechte des Kindes werden sich der Bundesrat und schliesslich das Parlament mit diesem Pro- blem erneut befassen.
Keller Rudolf: Herr Bundesrat, sind Sie nicht auch der Mei- nung, dass mit solch «flexiblen Lösungen» unsere Ausländer- gesetzgebung rund und einfach unterlaufen wird und der Aus- länderbestand weiter zunimmt, was staatspolitisch äusserst bedenklich ist?
Bundesrat Koller: Die bei mir vorsprechenden Erziehungsdi- rektoren haben - gestützt auf ein Rechtsgutachten - die Mei- nung vertreten, dass das Recht auf Bildung ein Freiheitsrecht auf Verfassungsstufe sei, welches unserem Fremdenpolizei- recht vorgehe. Angesichts der Möglichkeiten, die das gel- tende Fremdenpolizeirecht im Rahmen von Härtefällen schon heute bietet, und angesichts des Umstandes, dass wir im Rah- men des EWR das Saisonnierstatut sowieso werden aufheben müssen, habe ich es für nicht zweckmässig gehalten, in dieser Rechtsfrage einen endgültigen Entscheid herbeizuführen. Ich habe die Kantone statt dessen gebeten, die möglichen Hand- lungsspielräume im Rahmen der Härtefälle auszunützen. Da- mit wird unser Fremdenpolizeirecht nicht unterlaufen.
Frage 61: Keller Rudolf. Tamilen nach Sri Lanka zurück Rapatriement des requérants d'asile tamouls
Indien hat mit der Rückführung von rund 200 000 tamilischen Flüchtlingen nach Sri Lanka begonnen. Offensichtlich hat sich die politische und militärische Lage auf Sri Lanka wesentlich
beruhigt, so dass sich Indien zu diesem Schritt entschliessen konnte.
Für die wegen der Asylfrage äusserst besorgte Mehrheit der Schweizer Bevölkerung drängt sich nun die Frage auf, wann un- ser Land endlich auch mit einer Rückführung beginnen wird.
Bundesrat Koller: Die Rückführung von Tamilen aus Indien basiert auf einer zwischen Indien und Sri Lanka am 7. Januar 1992 getroffenen Vereinbarung und betrifft lediglich Personen, die zur freiwilligen Rückkehr bereit sind. Dabei soll die Motiva- tion zur Rückkehr zum Teil mit dem Anreiz verbunden sein, eine früher ausgeübte Funktion im öffentlichen Dienst wieder einnehmen zu können. Seit Ende Januar wurden rund 5000 Personen aus Tamil Nadu vorwiegend in den Osten Sri Lankas zurückgeführt. Leider hat sich die militärische Lage in Sri Lanka noch keineswegs stabilisiert, und eine politische Lö- sung des ethnischen Konfliktes ist nach wie vor in weiter Ferne.
Die srilankischen Streitkräfte sind zwar vornehmlich im Osten und vor allem tagsüber in der Lage, die Sicherheit einigermas- sen zu gewährleisten. In der Nordprovinz Jaffna kontrollieren jedoch die Tamil Tigers die militärische Lage. Ueberfälle und terroristische Anschläge häufen sich entsprechend. Aus die- sen Gründen stehen sowohl das UNHCR als auch das IKRK der laufenden Repatriierung ablehnend gegenüber.
Ueber 90 Prozent der asylsuchenden Tamilen in der Schweiz geben an, aus dem in keiner Weise befriedeten Norden zu stammen.
Die Schweiz beobachtet die Situation in Sri Lanka aufmerk- sam, hält jedoch in Uebereinstimmung mit den europäischen Nachbarländern im jetzigen Zeitpunkt eine generelle Repatri- ierung nicht für angezeigt Die im Einzelfall adäquate erwei- terte Heimschaffungspraxis, welche bis anhin die Rückkehr von rund 900 Tamilen in ihre Heimat zufolge hatte, wird auch in Zukunft weitergeführt.
Frage 62: Fankhauser. Flüchtende aus dem Krisengebiet Jugosla- wien
Réfugiés en provenance de Yougoslavie
Eine Grosszahl von Flüchtenden aus dem Krisengebiet Jugo- slawien hat in der Schweiz Schutz gesucht und darf vorerst bis zum 22. März 1992 bleiben.
Der Ablauf der Frist naht, die Krise ist keinesfalls bewältigt. Die Leute leben nach wie vor in Angst und Schrecken.
Wird die angesetzte Ausreisefrist verlängert, bis Uno-Truppen die Sicherheit der Rückkehrenden gewährleisten können, und gibt es eine zusätzliche Verlängerung für Personen aus Krisen- gebieten, in denen kein Uno-Einsatz vorgesehen ist?
Frage 63:
Moser. Aufhebung des Bundesbeschlusses über die «vor- läufige Aufnahme» von jugoslawischen Staatsangehöri- gen aus den Krisengebieten Admission provisoire de ressortissants yougoslaves en provenance des régions d'affrontement. Abrogation de l'arrêté fédéral
Durch den kürzlichen Uno-Beschluss werden in Jugoslawien Blauhelme stationiert. Die Situation in Jugoslawien hat sich also klar positiv geändert, und dadurch verliert meines Erachtens der Bundesbeschluss vom vergangenen Dezember seine Not- wendigkeit. Der Bundesbeschluss besagt, dass jugoslawi- schen Staatsangehörigen aus den Krisengebieten in der Schweiz «vorläufige Aufnahme» zu gewähren sei.
Wann gedenkt der Bundesrat den Bundesbeschluss vom De- zember 1991 über die «vorläufige Aufnahme» von jugoslawi- schen Staatsangehörigen aufzuheben und die Personen, wel- che diesen Aufenthaltsstatus in der Schweiz erhalten haben, zum Verlassen unseres Landes aufzufordern»?
Frage 64: Bühlmann. Jugoslawen mit L-Bewilligung Ressortissants yougoslaves titulaires du permis L Im November letzten Jahres hat der Bundesrat beschlossen, den Jugoslawinnen und Jugoslawen aus den vom Krieg betrof-
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Fragestunde
fenen Gebieten eine Verlängerung ihres Aufenthaltes mit einer L-Bewilligung bis zum 22. März 1992 zu gewähren. Diese Frist läuft nächste Woche ab. Für die Betroffenen und für die für de- ren Betreuung zuständigen Ausländerberatungsstellen bedeu- tet das eine grosse Unsicherheit, weil sie nicht wissen, was nach dem 22. März geschehen wird.
Deshalb frage ich den Bundesrat an, ob und, falls ja, wie er ent- schieden habe und wann er dies der Oeffentlichkeit mitzuteilen gedenke.
Im weiteren interessiert mich, was mit den aus der ehemals au- tonomen serbischen Provinz Kosovo stammenden Männern passiert, die durch die Flucht in die Schweiz vor dem Einzug in die «jugoslawische» Armee geflohen sind und deren Rechtssta- tus unklar ist.
Bundesrat Koller: Das Waffenstillstandsabkommen vom 3. Januar 1992, die Anerkennung von Slowenien und Kroatien durch die Europäische Gemeinschaft und die Schweiz sowie der Entscheid des Uno-Sicherheitsrates zum Einsatz von Frie- denstruppen haben zu einer Entschärfung der Lage im Kon- fliktgebiet geführt. Ein Kriegszustand, wie er vor dem Waffen- stillstandsabkommen im Grenzgebiet zwischen Kroatien und Bosnien-Herzegowina herrschte, besteht trotz einzelner teil- weise gravierender Zwischenfälle nicht mehr. Der Bundesrat vertritt daher die Auffassung, dass eine unmittelbare und allge- meine Gefährdung von Personen aus diesen Gebieten heute nicht mehr gegeben und somit die generelle Sonderregelung nicht länger gerechtfertigt ist. Die ordentlichen ausländer- und asylrechtlichen Vorschriften gewährleisten heute in ausrei- chendem Masse, dass im Einzelfall der individuellen Gefah- renlage Rechnung getragen wird. Entsprechend hat der Bun- desrat an seiner heutigen Sitzung beschlossen, die gruppen- weise vorläufige Aufnahme gemäss Bundesratsbeschluss vom 18. Dezember 1991 auf den 22. März 1992 teilweise auf- zuheben.
Von der Aufhebung ausgenommen sind Deserteure und Re- fraktäre, deren Schicksal im Falle der Rückkehr weiterhin un- gewiss bleibt. Die vorläufige Aufnahme besteht somit fort für Deserteure und Refraktäre aus dem gesamten Gebiet des heutigen Jugoslawien - einschliesslich Kosovo. Ausgenom- men sind wie bisher Personen aus Mazedonien, da diese nicht in die Bundesarmee aufgeboten worden sind. Neu einbezo- gen in die gruppenweise vorläufige Aufnahme werden dage- gen Deserteure und Refraktäre aus Kroatien.
Für Personen, deren Ausreisefrist gemäss dem Bundesrats- beschluss vom 23. September letzten Jahres verlängert wurde, kann die Ausreisefrist mit Rücksicht auf eine allfällige befristete Erwerbstätigkeit bis zum 30. April erstreckt werden. Im übrigen wird der Bundesrat die künftige Entwicklung in Jugoslawien und Kroatien weiterhin mit Aufmerksamkeit ver- folgen und gegebenenfalls die notwendigen Massnahmen treffen.
Frau Fankhauser: Herr Bundesrat, Sie haben erwähnt, dass der Waffenstillstand zum Teil noch gravierend gebrochen wird. Damit ist die Sicherheit der Rückkehrenden - zumindest in Einzelfällen - keineswegs gewährleistet.
Zusatzfrage: Was passiert, wenn jeder einzelne vorläufig Aufgenommene ein Asylgesuch stellt?
Zusatzfrage: Ist die arbeitsmarktrechtliche Erwägung, wie Sie sie dargestellt haben, nicht plötzlich doch wichtiger als die Sicherheit dieser Leute?
Bundesrat Koller: Um das letzte gleich vorwegzunehmen: Das Arbeitsmarktproblem war nicht wichtiger, aber es war na- türlich ein Problem von Treu und Glauben. Nachdem wir im Rahmen dieser bundesrätlichen Beschlüsse eine Aufnahme der Erwerbstätigkeit erlaubt haben, konnten wir diese Ent- scheide nicht ohne Verstoss gegen Treu und Glauben wieder aufheben, ohne eine angemessene Ausreisefrist anzusetzen. Im übrigen, Frau Fankhauser, wissen Sie, dass gerade heute die Uno-Friedenstruppe ihre Tätigkeit in Jugoslawien aufge- nommen hat. Wir wissen natürlich, dass gewisse Unsicher- heitsfaktoren weiterbestehen, aber von einer generellen Ge- fährdung kann zweifellos nicht mehr die Rede sein. Ich kann
Sie versichern, dass der Bundesrat die Entwicklung in Jugo- slawien weiterhin aufmerksam verfolgen wird.
Moser: Herr Bundesrat, ich danke Ihnen für die vor allem auch in meinem Sinne positive Antwort.
Ich möchte aber auf den zweiten Teil meiner Frage nochmals zurückkommen. Sie haben nicht gesagt, ob Sie die Betroffe- nen auffordern werden, das Land zu verlassen. Und: Können Sie uns sagen, wie viele das statistisch gesehen betrifft?
Bundesrat Koller: Es ist klar, dass jetzt im Rahmen der Aufhe- bung der Beschlüsse vom September und Dezember letzten Jahres für alle Betroffenen - wie das im Rahmen des Auslän- derrechts generell gilt - Ausreisetermine verfügt werden.
In bezug auf die Zahl der Betroffenen haben - wenn mich mein Gedächtnis nicht schwer täuscht - in diesem Jahr rund 600 Gesuchsteller vom Status der provisorischen Aufnahme profitiert. Das waren - gemessen an unseren Erwartungen - relativ wenige. Das hängt damit zusammen, dass offenbar in einigen Kantonen entgegen unseren Intentionen nach wie vor relativ viele Leute ins Asylverfahren gewiesen worden sind.
Frau Bühlmann: Bei den Familien, die jetzt Ende April zurück- reisen müssen, hat es solche aus zerstörten Städten wie Vuko- var, Vinkovci usw.
Erste Frage: Sieht der Bundesrat eine Möglichkeit, nicht nur Leuten, deren Leben gefährdet war, Hilfe zu leisten? Das war die Hilfe, die man ihnen zukommen liess, indem man sie wäh- rend einigen Monaten in der Schweiz behielt.
Sehen Sie irgendwelche Möglichkeiten, den Leuten auch Rückkehrhilfen zu geben? Man kann doch die Leute nicht in eine zerstörte Stadt zurückschicken.
Zweite Frage: Den Refraktären hat man angeraten, kein Asyl- gesuch zu stellen, sondern einen F-Ausweis für vorüberge- hende Aufnahme zu beantragen. Was geschieht, wenn die Frist für eine vorübergehende Aufnahme abgelaufen ist? Be- steht die Möglichkeit, dann ein Asylgesuch zu stellen?
Bundesrat Koller: Um bei der letzten Frage zu beginnen: Wie ich vorhin ausgeführt habe, werden die Deserteure und die Refraktäre nach wie vor von der privilegierten Behandlung der provisorischen Aufnahme profitieren, weil in bezug auf ihr Schicksal im Falle einer Rückweisung tatsächlich noch zu viele Unsicherheiten bestehen. Hier wird also der bisherige Zustand vorläufig nicht geändert.
Was die Rückkehrhilfe anbelangt, möchte ich nicht irgendeine Antwort aus dem Handgelenk schütteln. Im Rahmen des Asyl- gesetzes kennen wir ja die Rückkehrhilfe. Ich möchte Ihnen jetzt aber keine Versprechungen machen, die ich dann nicht halten kann. Hingegen kann ich Ihnen garantieren, dass jeder Fall der Rückweisung von den Fremdenpolizeibehörden nach den asylrechtlichen und fremdenpolizeirechtlichen Grundsät- zen einzeln behandelt werden wird.
Question 65:
Ziegler Jean. Militärflugzeug in zivilem Luftkorridor Avion militaire égaré dans le couloir aérien civil
Le système radar Taflir et le système radar Florida ne sont que très insuffisamment intégrés. Un avion de combat Tigre péné- trant dans le couloir aérien civil a failli abattre un Airbus Swissair. Qui est responsable au DMF (ou dans l'industrie privée) de ces évidentes lacunes dans l'intégration de ces systèmes radars?
Frage 66: Hollenstein. Sicherheit im militärischen und zivilen Luft- verkehr
Trafic aérien militaire et civil. Sécurité intégrée
Fast-Zusammenstoss eines Airbus der Swissair mit einem Ti- ger-Jagdflugzeug am 5. März 1992:
Wenn es stimmt, dass ein Florida-Späher seinem Kollegen am Taflir-Radar vor der Fast-Kollision telefonisch durchgeben wollte, der Tiger befinde sich gefährlich nahe der zivilen Luft- strasse, die Meldung aber nicht erfolgen konnte, weil die Tele- fonleitung besetzt gewesen sei, frage ich den Bundesrat an, ob unsere militärischen Radarsysteme Florida und Taflir voll in das zivile Radarsystem unserer Flugsicherung integriert sind.
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16 mars 1992
Bundesrat Villiger: Ob der Beinahe-Zusammenstoss vom 5. März zwischen einem Linienflugzeug der Swissair und ei- nem Kampfflugzeug der Flugwaffe über dem Jura etwas mit dem Radarsystem Taflir bzw. dessen Integration in das Luft- überwachungssystem Florida oder die zivile Flugsicherung zu tun oder ob es sich um menschliches Versagen gehandelt hat, steht heute nicht fest. Eine militärgerichtliche und eine Admini- strativuntersuchung sollen Klarheit in diesen Fragen bringen. Ebensowenig kann heute gesagt werden, ob dieser Vorfall mit demjenigen vom 25. April 1990 im Wallis vergleichbar ist, wo der militärische Untersuchungsrichter feststellte, dass die Bei- nahe-Kollision nicht auf technische Mängel des Taflir-Systems zurückzuführen war.
Unabhängig davon hat das Kommando der Flieger- und Flie- gerabwehrtruppen sofortige Beschränkungen für den Einsatz von Taflir verfügt und Luftkampfübungen mit diesem System untersagt. Beim heutigen Stand der Untersuchungen hält es der Bundesrat für verfrüht, Mutmassungen über allfällige Ver- antwortlichkeiten anzustellen.
M. Ziegler Jean: C'est tout de même incroyable, ce que nous venons d'entendre. J'ai une seule question. Samedi matin, l'Associated Press et pratiquement toute la presse suisse ont rendu compte de votre conférence de presse du vendredi. Du- rant cette dernière, le colonel Carrel qui remplace le colonel Jung a affirmé: «L'intégration des systèmes <Florida, et
Bundesrat Villiger: Es kann sich hier nicht darum handeln, eine Debatte über unser Radar- und Luftsicherungssystem zu eröffnen. Ich kann Ihnen nur sagen, dass diese Fragen von ei- nem Fachmann mit einigen Gehilfen detailliert überprüft wer- den und dass wir die Oeffentlichkeit im Detail über alle Ergeb- nisse informieren werden.
Man kann nicht sagen, dass die Integration unmöglich sei. Sie geht nur in einer Richtung nicht so, wie man sich das vorher er- hofft hat. Der Taflir ist in gewissen Bereichen nach wie vor ein nützliches Instrument. Wir werden darüber im Detail Bericht er- statten.
Frau Hollenstein: Kann der Bundesrat versichern, dass die F/A-18 mit ihren amerikanischen Radarsystemen so in die zi- vile Luftlage integriert werden können, dass die Flugsicherheit in der Schweiz gleichzeitig sowohl im militärischen als auch im zivilen Flugverkehr gewährleistet und auch europakompatibel ist?
Bundesrat Villiger: Wenn ich jetzt, Frau Hollenstein, zuviel über den F/A-18 sage, sagen Sie wieder, ich würde mein Vo- tum für einen Werbespot missbrauchen. Ich kann Ihnen sa- gen, dass das Radar, vor allem das Kartendarstellungsgerät des F/A-18, es möglich macht, dass der Pilot jederzeit be- merkt, wenn er in eine Luftstrasse kommt, ja schon vorher. Das ist beim heutigen System nicht möglich, und bei einem Tiger kann das dazu führen, dass es der Pilot gar nicht merkt.
In diesem Sinne ist der F/A-18 in gewisser Weise sicherer. Ich glaube aber nicht, dass wir diese Radarsysteme und das neue Kampfflugzeug hier so verhängt diskutieren sollen. Das heu- tige System muss sicher sein und muss so gehandhabt wer- den, dass es sicher ist, mit oder ohne F/A-18, und zwar einfach deshalb, weil wir noch während vielen Jahren etwa 200 Kampf- flugzeuge mit alten Radars und Einrichtungen haben werden. Es muss selbstverständlich sichergestellt sein, dass auch mit den älteren Flugzeugen nichts passiert. Das ist unser Wille.
Frage 67: Meier Hans. Flughafen Kloten. Flüge in niedriger Höhe Aéroport de Kloten. Vols à basse altitude
Das Zürcher Unterland ist wegen der An- und Abflüge ziviler Flugzeuge vom Flughafen Kloten mit Fluglärm bis spät in die Nacht eingedeckt. Seit Jahren, und in letzter Zeit wieder ver-
stärkt, werden die Bewohner der Dörfer am Zürcher Rhein durch den Lärm von sehr tieffliegenden Militärflugzeugen er- schreckt.
Ich frage den Bundesrat an: Ist er bereit, diese Tiefflüge in der Flughafenregion einzustellen oder zumindest stark einzu- schränken?
Bundesrat Villiger: Der Bundesrat ist sich bewusst, dass Flug- lärm, sei er zivil oder militärisch, als störend empfunden wird. Ich wohne selber hier in Bern in der Einflugschneise eines Flugplatzes. Die militärischen Stellen sind deshalb bemüht, die Uebungen der Flugwaffe auf das unbedingt Notwendige zu beschränken und sie zeitlich und räumlich über das ganze Jahr und das ganze Land möglichst gleichmässig zu verteilen. Wegen der dichten Besiedelung unseres Landes ist es aber leider nicht zu umgehen, dass die Flugwaffe fast überall, wo sie übt, auch jemanden stört. Das Zürcher Unterland hat nicht mehr militärischen Fluglärm zu erdulden als andere Gegen- den unseres Landes, im Gegenteil. Wegen der Nähe des Flug- hafens Kloten kann der Raum nur sehr restriktiv für militärische Durchflüge benützt werden. Vollständig darauf zu verzichten ist aber leider nicht möglich.
Beizufügen ist, dass mit der vorgesehenen Erneuerung eines Teils unserer Flugwaffe die Zahl der Kampfflugzeuge wesent- lich (ungefähr um ein Drittel) gesenkt werden kann und damit die Zahl der militärischen Uebungsflüge weiter zurückgehen wird.
Meier Hans: Herr Bundesrat, trifft es zu, dass die Piloten unse- rer Flugwaffe die strenge Anweisung haben, über bewohntem Gebiet nicht unter 1000 Meter zu fliegen?
Bundesrat Villiger: Ich kann Ihnen eine so präzise Frage aus dem Stegreif nicht präzis genug beantworten. Ich werde ver- anlassen, dass Sie eine schriftliche Antwort bekommen.
Frage 68:
Rechsteiner. Finanzielle Vorleistungen für den F/A-18 Engagement financier au titre du F/A-18
Das EMD beabsichtigt offensichtlich, bestimmte finanzielle Vor- leistungen für den F/A-18 schon zu erbringen, bevor die Räte über die Beschaffung definitiv beschlossen haben.
Trifft dies zu? Falls ja, auf welche Rechtsgrundlage glaubt sich das EMD dabei stützen zu können?
Ist der Bundesrat bereit, zuzusichern, dass vor dem definitiven Entscheid beider Räte keine finanziellen Vorleistungen getätigt werden?
Bundesrat Villiger: Die aufgeworfenen Fragen bezüglich Vorengagements für die F/A-18 werden in der Botschaft in Zif- fer 66 beantwortet Ich gestatte mir deshalb, die Botschaft zu zitieren:
«Damit unsere Flugzeuge in der Gesamtbestellung für das US-Finanzjahr 1993 berücksichtigt werden können, sind spä- testens Ende März 1992 finanzielle Massnahmen in Form eines Vorengagements sowie im Juli 1992 eine feste Bestel- lung - also die Unterzeichnung des 'Letter of Offer and Accep- tance' - notwendig.
Ende März 1992, nach Zustimmung zur beantragten Beschaf- fung durch den ersten Rat und unter Vorbehalt der Zustim- mung der Finanzdelegation der eidg. Räte, sollen deshalb vor- zeitige Verpflichtungen von höchstens 50 Millionen Franken eingegangen werden. Dieser Betrag ist im angeforderten Ver- pflichtungskredit enthalten. Das Engagement erfolgt durch Unterzeichnung einer Absichtserklärung (Letter of Intent); ein allfälliger Rücktritt wäre unter Inkaufnahme entsprechender Rücktrittskosten - im schlechtesten Fall im Betrag des oben erwähnten Engagements - jederzeit möglich.
Sollten die oben erwähnten Termine von Ende März und Juli 1992 schweizerischerseits nicht eingehalten werden können, wäre ein Einschluss unserer Flugzeuge in die Bestellung für das Finanzjahr 1993 nicht mehr möglich. Eine Verschiebung der Beschaffung in das Finanzjahr 1994 hätte teuerungsbe- dingte Mehrkosten in der Grössenordnung von rund 200 Mil- lionen Franken .... zur Folge.»
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Fragestunde
Nun haben wir aber in der Zwischenzeit eine Möglichkeit gefun- den, im Produktionsjahr 1993 zu bleiben, auch wenn der Zweit- rat bis im Juni nicht entscheiden würde. Das könnte durch Lei- stung weiterer Vorengagements ermöglicht werden. Aber Ihre Kommissionen werden darüber eingehend beraten können. Wir sind in der Botschaft davon ausgegangen, dass man das mit einem Minimum an Vorengagements sollte tun können.
Das vom Bundesrat gewählte Vorgehen stützt sich - nach langjähriger Praxis - auf Artikel 31 Absatz 3 des Finanzhaus- haltgesetzes vom 6. Oktober 1989. Ein Artikel, der übrigens aus dem alten Finanzhaushaltgesetz wörtlich übernommen worden ist.
Rechsteiner: Artikel 31 des Finanzhaushaltgesetzes, auf das Sie sich glauben stützen zu können, regelt Ausgaben, wenn Vorhaben keinen Aufschub ertragen. Können Sie in allem Ernst der Auffassung sein, dass dieses Vorhaben keinen Auf- schub erträgt? Dieses Flugzeug ist bereits seit Jahren be- schaffungsreif! Beispielsweise Korpskommandant Werner Jung, der eben zurückgetretene Fliegerchef, hat bereits An- fang 1990 gesagt, dieses Flugzeug sei jetzt entscheidungs- und beschaffungsreif.
Bundesrat Villiger: Artikel 31 Absatz 3 des Finanzhaushaltge- setzes bezieht sich ausdrücklich auch auf solche Vorhaben. Es ist langjährige und unbestrittene Praxis, dieses Dringlich- keitsverfahren auch für neue Vorhaben anzuwenden, für die noch kein Kredit beschlossen worden ist. Beispiele dafür sind die 50 Millionen Franken für die Beschaffung der Tiger-Flug- zeuge zweiter Serie, 1982 die 15,7 Millionen Franken für Sau- rer-Lastwagen, 1986 die 8,3 Millionen Franken für die Panzer- jäger Tow/Piranha. Es ist also ein Standardverfahren, das im übrigen auch bei zivilen Bauten angewendet wird.
Ich habe vorhin gesagt, man kann theoretisch oder praktisch, wenn das Parlament das will, diese Beschaffung auch ver- schieben, aber die Risiken steigen. Und zwar deshalb, weil die teuerungsbedingten Mehrkosten mindestens 200 Millionen Franken betragen werden und weil die grosse Frage ist, wel- che Serie die Amerikaner 1994 produzieren. Hier liegen noch einmal Preisrisiken in der Grössenordnung von 200 Millionen Franken, so dass sich einfach die Frage stellt, ob man durch eine Verschleppung des ganzen Vorhabens eine Verteuerung der Flugzeuge von 200 bis 500 Millionen Franken in Kauf neh- men will oder nicht.
Es scheint uns gerechtfertigt, den Weg vorzuschlagen, der ein Optimum bietet. Aber darüber können sich Ihre Kommissio- nen unterhalten.
Frage 69: Hämmerle. Kompensationsgeschäfte für den F/A-18 F/A-18. Opérations compensatoires
Unter den Firmen, die von Kompensationsgeschäften für den F/A-18 profitieren, befinden sich auch Unternehmungen von Nationalrat Christoph Blocher.
Ist der Bundesrat bereit, eine Liste der Nationalräte zu veröffent- lichen, die gleichzeitig als Verwaltungsräte an Kompensations- geschäften interessiert sind?
Frage 70: Bäumlin. Kompensationsgeschäfte für den F/A-18 F/A-18. Opérations compensatoires
Bisher wurden Kompensationsgeschäfte im Umfang von 460 Millionen Franken abgeschlossen. Diese Kompensationen schaffen wirtschaftliche und politische Abhängigkeiten. Ist der Bundesrat bereit, die Liste aller bereits getätigten und in Ver- handlung begriffenen Kompensationsgeschäfte zu veröffent- lichen?
Bundesrat Villiger: Die Kompensationen schaffen weder poli- tische noch wirtschaftliche Abhängigkeiten, im Gegenteil, sie bieten Chancen. In einem technologisch zukunftsträchtigen Bereich werden Schweizer Firmen neue und langfristig wert- volle Märkte eröffnet. Zudem sind die damit verbundenen rund 20 000 Mannjahre Arbeit bei der aktuellen Wirtschaftslage sehr willkommen.
Nachdem eine Wochenzeitung die Liste der Schweizer Fir- men, die in den letzten Jahren Kompensationsgeschäfte an- gebahnt haben, auszugsweise veröffentlicht hat, ist die Liste am vergangenen Freitag an einer Pressekonferenz des EMD mit Zustimmung der Betroffenen abgegeben worden.
Welche Firmen bei einer allfälligen Beschaffung des Kampf- flugzeuges F/A-18 Kompensationsgeschäfte abschliessen könnten, weiss heute noch niemand. Der weitaus grösste Be- trag ist ja noch völlig offen.
Welche Parlamentarier in welchen Verwaltungsräten figurie- ren, ist aus einer Liste ersichtlich, die bei den Parlamentsdien- sten aufliegt.
Frage 71: Hubacher. Bericht betreffend Militärjustiz Rapport sur la justice militaire
Der Nationalrat hat im Sommer 1991 eine parlamentarische In- itiative betreffend Abschaffung der Militärjustiz behandelt. Der Nationalrat hat dieser Initiative keine Folge gegeben, aber ein Postulat überwiesen, mit welchem der Bundesrat eingeladen wird, in einem Bericht darzulegen, welche Bereiche der Militär- justiz neu der zivilen Gerichtsbarkeit unterstellt werden könnten.
Ich frage den Bundesrat an, wer den Auftrag hat, diesen Bericht auszuarbeiten, und bis wann er vorliegen wird.
Bundesrat Villiger: Die Frage, ob bzw. welche Bereiche der Militärjustiz neu der zivilen Gerichtsbarkeit unterstellt werden können, soll von einer aus Experten des zivilen und militäri- schen Strafrechts zusammengesetzten Arbeitsgruppe geprüft werden. Ueber die Zusammensetzung dieser Kommission wird in den nächsten Wochen entschieden. Ihr Bericht ist auf Ende 1992 zu erwarten.
Wenn Volk und Stände am 17. Mai 1992 der Verfassungsände- rung über die Schaffung eines Zivildienstes zustimmen - was ich hoffe - und in der Folge ein Zivildienstgesetz erlassen wird, hat sich das Problem nach meiner Meinung weitgehend ent- schärft.
Frage 72: Bäumlin. Lage im Nahen Osten und in der Türkei Situation au Proche-Orient et en Turquie
In der Fragestunde vom 9. März 1992 behauptete Bundesrat Vil- liger, die Spannungen im Nahen Osten, vor allem im Osten der Türkei, könnten zurzeit nicht «als gefährlich qualifiziert werden», die Menschenrechte in diesem Land würden zu wenig schwer- wiegend und systematisch verletzt, um Waffenexporte zu ver- bieten, und die Situation sei in Verbesserung begriffen. Dies steht in eklatantem Widerspruch zu allen aktuellen Medienbe- richten.
Auf welche Informationen stützt der Bundesrat solche Behaup- tungen?
Bundesrat Villiger: Bei seiner Beurteilung der Lage in der Tür- kei stützt sich der Bundesrat auf alle ihm zur Verfügung ste- henden Informationen. Dazu gehören neben den Medienbe- richterstattungen auch Informationen humanitärer Organisa- tionen und insbesondere solche unserer diplomatischen Ver- treter in diesem Land.
Frau Bäumlin: Ich habe heute morgen mit Amnesty Internatio nal telefoniert und gehört, dass in den dreizehn dem Kriegs- recht unterstellten Provinzen sogenannte Özal-Teams operie- ren. Das sind Todesschwadronen, die für ihre Aktionen Ankara direkt und nicht einmal den Spezialgouvernements unterstellt sind.
Ich habe auch einen Zeitungsausschnitt aus «Milliyet» vom 1. Februar 1992, wo Staatspräsident Özal folgendes formuliert hat: «Ich sage es ganz offen, die türkische Armee wird in der vor uns liegenden Phase mit einem grösseren Potential in das Gebiet der dreizehn Provinzen eindringen. Diese Macht wird grösser sein als alles zuvor, d. h., sie werden keinen dieser so- genannten Banditen mehr am Leben lassen ... »
Es erschüttert mich schon ein bisschen, dass Sie die Antwort geben können, die Sie vorhin gerade gegeben haben.
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16 mars 1992
Ich empfehle Ihnen sehr, für Menschenrechtsbelange unbe- dingt auch Amnesty International zu konsultieren, dann kom- men Sie nicht mehr zu solchen Aussagen wie vor einer Woche.
Präsident: Die Zusatzfragen sind dazu da, Fragen zu stellen, und nicht, um zu argumentieren. Es tut mir leid, aber so steht es im Reglement.
Frage 73: Vollmer. Massenweise versenkte EMD-Munition im Thu- nersee
Munitions militaires déversées dans le lac de Thoune Wann kann der Bundesrat die Oeffentlichkeit über die Massnah- men orientieren, welche er zur Beseitigung der Risiken bezüg- lich Sicherheit und Umwelt im Zusammenhang mit der in frühe- ren Jahren massenweise im Thunersee versenkten Munition er- greifen muss?
Bundesrat Villiger: Vor drei Wochen habe ich die verantwortli- chen Gruppenchefs des EMD beauftragt, so rasch als möglich eine Analyse der in ihrem Bereich vorhandenen Umweltaltla- sten aus früheren Jahren vorzunehmen. Die Koordination die- ser Analyse und deren Auswertung liegen in den Händen der Umweltschutz- und Raumplanungsstelle des EMD; die Arbeit ist aber noch nicht abgeschlossen. Die Oeffentlichkeit wird zu gegebener Zeit über das Ergebnis und über die gegebenen- falls zu treffenden Massnahmen informiert.
Question 74: Pini. Umfahrung für Medeglia Route militaire de contournement de Medeglia
Bien qu'on parle de cette route depuis le début des années quatre-vingts, aucune décision n'a été prise par les autorités frédérales, et ce quoique les crédits qui relèvent de la compé- tence cantonale aient été approuvés en 1988 par le Grand Conseil tessinois. Le Conseil communal de Medeglia a pro- testé, à juste titre, avec vivacité contre ce retard dans les déci- sions. Cette route intéresse le trafic le long de la vallée qui mène aux casernes de l'école de recrues pour grenadiers d'Isone. Les poids lourds qui empruntent cette voie sont évidemment surtout des véhicules militaires. Il convient de prendre une déci- sion à brève échéance quant à la compétence exécutive de l'autorité fédérale. La commune tessinoise concernée attend depuis bien trop longtemps. Quand donc la décision fédérale viendra-t-elle enfin compléter la décision déjà prise par l'auto- rité cantonale?
Bundesrat Villiger: Im Jahre 1985 unterzeichneten das EMD und der Kanton Tessin eine Vereinbarung für ein Projekt zur Umfahrung der Ortschaft Medeglia. Diese Vereinbarung wurde im Jahre 1988 vom Tessiner Kantonsparlament ratifi- ziert. In der Folge führten verschiedene Umstände zu einer Verzögerung des Projektes. So musste bis im April 1990 auf den Entscheid des Bundesgerichtes zu einem aus Natur- schutzkreisen eingereichten Rekurs gewartet werden. Im No- vember 1991 machte der Kanton Tessin als Bauherr das EMD darauf aufmerksam, dass bis zur Realisierung des Projektes mit einer Zunahme der ursprünglich auf 16 Millionen Franken veranschlagten Kosten zu rechnen ist, und zwar auf nahezu 30 Millionen Franken. Davon würden 70 Prozent, d. h. rund 21 Millionen Franken, zu Lasten des Bundes gehen. Mit Rück- sicht auf die Finanzlage des Bundes und des Kantons Tessin wurde vereinbart, dass die Realisierung des Gesamtprojektes zurückzustellen sei.
Die Tessiner Behörden und das EMD prüfen gegenwärtig ein Programm zur Durchführung der am dringendsten notwendi- gen Ausbau- und Korrekturarbeiten in jährlichen Etappen.
Question 75:
Pini. Militärpflichtersatz. Befreiung für die Behinderten Taxe militaire. Exonération des invalides
Revenant aux motifs invoqués dans mon postulat du 3 mars 1982, approuvé par la conseil, je demande si les objectifs fixés en relation avec le problème qui y était soulevé sont pleinement atteints. Je salue à ce propos l'initiative de la République et
Canton du Jura, d'ailleurs approuvée par la commission com- pétente du Conseil national.
Me référant à la lettre a de mon postulat, je souhaite savoir si les invalides gravement atteints sont ou ne sont pas tous exonérés du paiement de la taxe militaire en raison de leur incapacité in- volontaire de servir dans notre armée.
Bundesrat Stich: Die Frage von Herrn Pini habe ich letzte Wo- che bereits beantwortet und kann ihm deshalb erneut bestäti- gen, dass wir noch in diesem Jahr eine Botschaft unterbreiten werden und Sie diese Frage dann selber entscheiden.
Frage 76:
Zölch. Ergänzungsleistungen AHV. Prüfung der Berechti- gung mittels Steuererklärung Droit aux prestations complémentaires AVS. Légitimité établie au vu de la déclaration fiscale
Mit meinem vom Rat überwiesenen Postulat vom 20. Juni 1991 beauftragte ich den Bundesrat, Möglichkeiten zu prüfen, die es erlauben, die Berechtigung zum Bezug von Ergänzungsleistun- gen zur AHV anhand der Steuererklärung durch die Steuerbe- hörde prüfen zu lassen.
Aus aktuellem Anlass frage ich den Bundesrat an, wieweit die diesbezüglichen Arbeiten fortgeschritten sind.
Bundesrat Stich: Im Rahmen der dritten Ergänzungslei- stungsrevision, die für die Legislatur 1991-1995 vorgesehen ist, wird die Frage des EL-Anmeldeverfahrens zweifellos be- handelt werden. Dabei wird geprüft werden müssen, ob eine mit zusätzlichen Angaben ergänzte Steuererklärung den Er- gänzungsleistungsstellen erlauben würde, die Rentner gezielt zu informieren, die Anspruch auf eine Ergänzungsleistung ha- ben könnten.
Frage 77: Reimann Maximilian. Generelles Nachtarbeitsrecht für Frauen
Travail de nuit des femmes
Ist der Bundesrat in der Lage, heute schon einen - zumindest unverbindlichen - Termin in Aussicht zu stellen, bis wann das Nachtarbeitsverbot für Frauen im Industriebereich beseitigt und die Rechtsgleichheit von Mann und Frau auch auf diesem Sek- tor verwirklicht sein wird? Ist der Bundesrat bereit, der Realisie- rung des generellen Nachtarbeitsrechts für Frauen zeitlich höchste Priorität einzuräumen?
Frage 78: Scheidegger. Nachtarbeit für Frauen Travail de nuit des femmes
Am 9. März 1992 wurde im Nationalrat ein Postulat zur Nachtar- beit für Frauen eingereicht (Lockerung der veralteten Verord- nung des Bundesrates von 1966). Bereits einen Tag später gab der Biga-Direktor in der Presse bekannt, dass er die Verord- nung nicht ändern werde.
Es ist unüblich und sehr erstaunlich, dass ein Amtsdirektor einen parlamentarischen Vorstoss beantwortet, bevor das Postulat durch den Bundesrat gelesen und geprüft worden ist oder er gar darüber entschieden hat. Die betroffene Industrie braucht jetzt bewegliche Lösungen und nicht irgendwann nach 1993. Es geht ja um Ausnahmeregelungen und nicht um eine definitive Lösung. Offenbar bezahlt man lieber Arbeitslosengel- der, als veraltete Verordnungen zu lockern.
Ist der Bundesrat gewillt, das Postulat zur Nachtarbeit für Frauen angesichts der aktuellen konjunkturellen Situation mit hohen Arbeitslosenzahlen in neuem Licht positiv zu prüfen?
M. Delamuraz, conseiller fédéral: Je répondrai tout d'abord à la question posée par M. Reimann Maximilian. La Suisse est liée par la Convention No 89 de l'Organisation internationale du travail jusqu'à fin février de l'année prochaine, laquelle sti- pule l'interdiction du travail de nuit des femmes dans l'indus-
471
Fragestunde
trie. Cette interdiction figurant également dans la loi suisse sur le travail, sa suppression exigerait évidemment la modification de la loi. La révision de cette loi est actuellement en cours et le travail de nuit des femmes n'est d'ailleurs que l'un des nom- breux éléments que nous devrons aborder afin d'adapter et de moderniser notre réglementation du travail.
Telles sont, Monsieur Reimann, les idées du Conseil fédéral en la matière. Il se propose de soumettre au Parlement un message et un projet de révision dès la deuxième moitié de la législature, mais il a bien entendu la volonté d'aller de l'avant et, s'il y arrive, de se présenter au Parlement avant ce délai. Il est en effet urgent d'adapter le droit du travail aux conditions de notre temps. Cependant, et j'insiste sur ce point, la coopé- ration des partenaires sociaux sera indispensable pour qu'une solution politiquement acceptable par tous puisse être trouvée. Telle est la réponse que je puis faire à la première par- tie des questions posées, notamment par M. Reimann.
Quant à M. Scheidegger, qui m'interroge sur l'intervention du directeur de l'OFIAMT dans ce domaine, je lui répondrai que ces déclarations concernent certes le travail de nuit des fem- mes, mais ne se referaient nullement à son postulat. Elles étaient placées dans l'intervention que le directeur en ques- tion a faite lors de la discussion publique sur le travail de nuit des femmes dans l'entreprise ETA à Granges. Le directeur de l'OFIAMT n'a d'ailleurs fait que reprendre les termes de la déci- sion du Conseil fédéral, annoncée et publiée le 19 février 1992 et consistant à dénoncer la Convention No 89.
Je le répète, en appui de ce que je viens de dire, la dénoncia- tion de la convention ne se traduira pas dans le droit suisse avant l'entrée en vigueur d'une loi sur le travail révisée, assu- rant une meilleure protection des personnes des deux sexes occupées à un travail de nuit. Donc, d'une part, la dénoncia- tion ne prend effet au niveau international que dans une année et, d'autre part, elle ne prendra effet en droit intérieur que lors- que vous aurez apporté la modification voulue à la loi sur le tra- vail, dans laquelle toute une série de modifications seront comprises.
Monsieur Scheidegger, le postulat que vous avez déposé sera naturellement traité dans le cadre de la procédure habi- tuelle et le Conseil fédéral se déterminera à son sujet en temps voulu.
Question 79: Pini. EWR. Wo stehen wir? EEE. Où en sommes-nous?
Le litige qui a bloqué la négociation finale relative à l'EEE conduit à se demander si l'accord prévu est «mort-né», à moins qu'ils soit «dans le coma». C'est pourquoi j'estime souhaitable que l'autorité fédérale compétente fasse le point et fournisse une information ample et objective au Parlement et au public.
M. Delamuraz, conseiller fédéral: Monsieur Pini, je vois que vous avez changé de place: vous vous rapprochez de l'ex- trême droite! (Hilarité)
La négociation est, comme vous le savez, terminée depuis le 14 février. Il y a maintenant un texte complet sur l'Espace éco- nomique européen, mais voilà que la Commission des Com- munautés a décidé de demander encore à la Cour de justice de Luxembourg de confirmer si cet accord est compatible avec le Traité de Rome sur deux points qui sont encore en dis- cussion: le mécanisme de règlement des différents et les dis- positions concernant la concurrence. Nous nous trouvons donc actuellement dans une situation d'attente. Mais nous n'avons pas de motif - si inconfortable que soit une situation d'attente - de sombrer pour autant dans le pessimisme car la Cour pourrait bien prendre sa décision avant Pâques et, dans ces circonstances, la signature pourrait avoir lieu dans la pre- mière moitié du mois de mai prochain, pour autant naturelle- ment qu'une nouvelle et ultime négociation partielle ne soit pas demandée, ce qui aurait pour effet, peut-être, de prolon- ger quelque peu les délais.
Il serait hasardeux de me livrer à des pronostics maintenant. Je ne suis pas Madame Soleil et, d'ailleurs, le soleil brille plus au Tessin qu'à Bruxelles ou à Berne.
Frage 80:
Gross Andreas. Die Schweiz und der EWR. Schwedische Kritiken
La Suisse et l'Espace économique européen. Critiques de la Suède
Der schwedische Ministerpräsident hat die Haltung der Schweiz zum EWR heftig kritisiert und vor allem das direktdemo- kratische Entscheidungsverfahren der Schweiz und dessen zeitliche Folgen moniert.
Wie stellt sich der Bundesrat zu diesen Bemerkungen des schwedischen Ministerpräsidenten? Ist es nicht Ausdruck man- gelnden Verständnisses ausländischer Regierungen für die Er- fordernisse der hiesigen Demokratie, und sollte sich der Bun- desrat nicht mehr um dieses Verständnis in den europäischen Hauptstädten bemühen - so wie sich der schwedische Mini- sterpräsident offenbar überall in Europa für seine Interessen eingesetzt hat?
M. Delamuraz, conseiller fédéral: Le Conseil fédéral s'étonne, lui aussi, des propos tenus par le premier ministre suédois au sujet des délais que pourra entraîner en Suisse la soumission de l'Accord sur l'Espace économique européen au référen- dum populaire, obligatoire en la matière. C'est la raison pour laquelle le Conseil fédéral a chargé, le 9 mars dernier, les deux secrétaires d'Etat, MM. Blankart et Kellenberger, de citer l'am- bassadeur de Suède à Berne pour lui déclarer que les repro- ches formulés par son premier ministre sont simplement inac- ceptables. Ils constituent une ingérence dans les affaires inté- rieures de notre pays.
Le groupe nordique a fait une démarche formelle en vue du maintien de la date initiale prévue pour le référendum en Suisse. Nous lui avons fait savoir, en réponse, qu'une telle re- quête n'était pas acceptable, elle non plus, que vingt procédu- res de ratification de l'Accord sur l'Espace économique euro- péen étaient nécessaires et que, par conséquent, rien ne nous garantissait contre de nouvelles prolongations des délais à l'occasion de ces vingt autres démarches, de sorte qu'aucun reproche ne pourra nous être fait si le traité devait entrer en vi- gueur plus tard que prévu.
La seconde partie de votre question concerne les efforts dé- ployés par le Conseil fédéral pour faire connaître à tous les gouvernements européens de l'Ouest - ceux des pays de l'AELE et des douze pays de la Communauté - ainsi qu'au Parlement européen lui-même. Ces démarches pour que no- tre démocratie et nos spécificités soient connues ont eu lieu d'une manière incessante, je dirais presque obsédante, afin que nous soyons clairement compris. Nous avons expliqué cela à nos partenaires communautaires dans le cadre de l'AELE et de nos rencontres bilatérales et multilatérales, no- tamment lors des réunions ministérielles. Nos diplomates en ont fait de même.
Si ces particularités - je vous l'accorde, Monsieur Gross - ne sont peut-être pas encore suffisamment connues des capita- les européennes, cela nous incite à multiplier nos efforts. Tant M. Felber que moi-même serons dans ces capitales dès la se- maine prochaine, de même qu'incidemment et au passage M. Ogi sera à Stockholm lundi prochain. Mais, si certaines de ces capitales sont parfaitement au courant et n'ont pas besoin de nouvelles explications, d'autres ont une certaine propen- sion à vouloir les oublier. Il est décidément plus simple de faire porter le «Schwarzen Peter» à la Suisse qu'à d'autres quand les délais se prolongent.
Frage 81: Müller. Gatt. Stand der Verhandlungen GATT. Etat des négociations et offre de la Suisse
Seit längerer Zeit sind die Gatt-Verhandlungen im Gange. Die Oeffentlichkeit wird darüber nur sehr sporadisch und aus ver- schiedenen Blickwinkeln orientiert.
Wie ist der gegenwärtige Stand der Verhandlungen?
Hält der Bundesrat an der seinerzeit gemachten Offerte (Offer- te 90) fest?
33-N
Heure des questions
472
N 16 mars 1992
M. Delamuraz, conseiller fédéral: Monsieur Müller, le cycle de l'Uruguay lancé le 20 septembre 1986 à Punta del Este est évi- demment une négociation multilatérale des plus complexes, en tout cas la plus complexe que connaisse le GATT depuis sa création en 1947: réduction des tarifs, négociation des règles du jeu du commerce mondial, des services, des investisse- ments, de la propriété intellectuelle mais aussi et surtout, le vo- let agricole. Tout cela est matière à âpres négociations. Depuis qu'une projet d'acte final - je dis bien un projet - a vu le jour le 20 décembre 1991, la négociation se poursuit sur l'ensemble de cette matière. Il s'agit essentiellement d'améliorer, Mon- sieur Müller, le projet d'acte final en ce qui concerne le volet agricole. Les pourparlers entre les Etats-Unis et la Commu- nauté sont en cours. Leur réussite déterminera largement la suite du processus. La Suisse a fait comprendre avec clarté que ses revendications en vue de défendre nos intérêts au maximum - clause de sauvegarde, durée des périodes de transition, exceptions à la tarification voulue générale - étaient des éléments sur lesquels nous nous battions et nous conti- nuerions de nous battre. Ensuite les participants sont en train d'annoncer, les uns après les autres, quels pourraient être leurs engagements en matière industrielle, en matière de ser- vices et aussi en matière agricole. C'est ce qui se passe actuel- lement à Genève.
En consultation avec les milieux intéressés, nous sommes en train, dans le cadre de l'Administration fédérale, de dresser les listes suisses dans ces trois domaines. Lorsqu'elles auront été dressées, le Conseil fédéral examinera si, et dans quelle me- sure, l'offre qu'il a faite en 1990 doit être adaptée. Pour le mo- ment, le Conseil fédéral a donné cet ordre très simple à ses né- gociateurs à Genève: vous travaillez sur la base de l'offre que nous avons faite il y a plus d'une année et si maintenant le cours des affaires devait entraîner une modification de cet or- dre, c'est sur la base des listes de l'administration que le Conseil fédéral aurait à se prononcer mercredi prochain ou le mercredi suivant. Rien pour le moment ne me dit qu'il doive le faire.
Präsident: Ich gestatte mir, im Zusammenhang mit der Frage- stunde noch eine Bemerkung zu machen: Die Fragestunde wurde eingeführt, um den direkten und spontanen Kontakt der Parlamentarier mit den Regierungsmitgliedern zu gewährlei- sten. Dieser direkte Kontakt ist nur möglich, wenn die Frage- steller bei der Beantwortung auch im Saale anwesend sind. Das war heute leider zum Teil nicht der Fall.
Wenn Sie nicht anwesend sein können, steht Ihnen das Instru- ment der Einfachen Anfrage zur Verfügung.
Frage 82:
Gonseth. Freisetzungsversuche mit genmanipulierten Pflanzen
Essais de culture en plein champ de plantes transgéni- ques
Ende Januar 92 haben Herr Direktor J .- C. Piot und Herr E. Jo- seph vom BLW Frau Nationalrätin Bäumlin und mir anlässlich der Diskussion um die Risiken des Freisetzungsversuches von genmanipulierten Kartoffeln erklärt, dass die Schweiz der Firma Ciba-Geigy 1991 einen Freisetzungsversuch mit genmanipu- liertem Mais verboten hat, da dies zu risikoreich sei. Nun plant die gleiche Firma für 1992 im Kanton Freiburg erneut einen Frei- setzungsversuch von Mais mit eingepflanztem Antibiotikaresi- stenz-Gen.
Ist der Bundesrat auch der Ansicht, dass durch einen solchen Freisetzungsversuch Sachzwänge geschaffen würden, bevor die demokratisch geschaffenen, gesetzlichen Grundlagen be- stehen und vertiefte Risikostudien gemacht sind?
Ist der Bundesrat bereit, diesen Freisetzungsversuch durch die Industrie zu verbieten, bis die gesetzlichen Grundlagen be- stehen?
Wann und eventuell in welchem Sinn entscheidet der Bundes- rat über einen erneuten Freisetzungsversuch in Changins?
Frage 83:
Bäumlin. Freisetzungsversuche mit genmanipulierten Pflanzen Essais de culture en plein champ de plantes transgéni- ques
Die Herren Piot und Joseph vom BLW haben Frau Nationalrätin Gonseth und mir Ende Januar 1992 in bezug auf die Freiset- zungsversuche mit genmanipulierten Pflanzen erläutert, dass die Forschungen der eidgenössischen Forschsungsanstalt Changins unter anderem dazu da seien, um wirklich gefährliche Experimente, wie sie von der Privatindustrie bisher im Ausland betrieben wurden, kompetent im Auge zu behalten und bis zur Feststellung der Unbedenklichkeit in unserem Hoheitsgebiet verbieten zu können. Changins mache deswegen kontrollier- bare Kleinversuche zwecks wissenschaftlicher und methodi- scher Erkenntnis.
Weiss der Bundesrat, dass die Firma Ciba-Geigy bei Freiburg einen Grossfeldversuch mit antibiotikaresistentem Mais wieder- holen will, wie er bisher im Elsass durchgeführt wurde? Wird er diese Freisetzung erlauben, bevor die Resultate des Changins- Kleinversuches unumstösslich feststehen?
Réponse écrite du Conseil fédéral
La maison Ciba-Geigy n'a pas présenté en 1991 une de- mande officielle en vue d'établir un essai de maïs transgéni- que en Suisse. Il ne pouvait donc être question d'interdire un tel essai ni d'établir une évaluation officielle des risques qu'il comporte.
La maison Ciba-Geigy a présenté aux autorités du canton de Fribourg une demande d'autorisation en vue de réaliser, en 1992, un essai de maïs transgénique, en petites parcelles, sur son domaine de recherche de St-Aubin. Ce projet a fait l'objet d'une évaluation critique de la part de la Commission interdis- ciplinaire suisse pour la sécurité biologique dans la recherche et la technique (CSSB). Cette commission recommande, sous réserve de certaines conditions, l'exécution du dit essai. Nous n'avons pas connaissance de l'état des démarches relative à sa mise en place.
Le Conseil fédéral prévoit de soumettre au Parlement, dans le cadre du projet EUROLEX, des dispositions complémentai- res à la loi sur la protection de l'environnement. Ces disposi- tions serviront de base légale à l'introduction, dans la législa- tion suisse, de la directive 90/220/CEE relative à l'introduction intentionnelle dans l'environnement d'organismes génétique- ment modifiés. Dès lors, il sera possible de traiter des deman- des concernant des essais, du type de celui projeté par la mai- son Ciba-Geigy, selon une procédure légale.
Une demande d'autorisation en vue du renouvellement de l'expérimentation du clone de pommes de terre transgéniques à la Station fédérale de recherches agronomiques de Chan- gins/Nyon est en préparation au sein de l'Administration fédé- rale. Cette nouvelle demande a fait l'objet d'une évaluation cri- tique par la CSSB qui, à l'unanimité, approuve la poursuite de cette expérimentation.
Frage 84: Maeder. Schweizer Delegation an der Artenschutzkon- ferenz
Délégation suisse à la Conférence internationale sur la conservation des espèces
An der Artenschutzkonferenz in Kyoto hat der Schweizer Dele- gierte, Dr. Peter Dollinger, Leiter der Abteilung Internationaler Verkehr beim Bundesamt für Veterinärwesen, sich als einziger Delegierter für eine Wiederaufnahme der Abschlachtung von Elefanten eingesetzt. Verschiedene internationale Tierschutzor- ganisationen waren über diese Haltung der Schweiz empört. Wie beurteilt der Bundesrat die Stellungnahme des Schweizer Delegierten, der schon bei anderer Gelegenheit (Wale!) durch seine nicht sehr tierfreundliche Haltung aufgefallen war?
Réponse écrite du Conseil fédéral
Le Conseil fédéral a donné des instructions à la délégation suisse, en février dernier, en vue de la Conférence de Kyoto sur la conservation des espèces qui vient de s'achever. Elles laissaient une certaine liberté de manoeuvre s'agissant de l'at-
N
473
Fragestunde
titude à adopter concernant le degré de protection des élé- phants dans quatre pays d'Afrique dans lesquels leurs effectifs sont importants.
La délégation suisse devait dès lors tenir compte du contexte politique et de la tournure des échanges de vues entre les dé- légations à Kyoto.
Le chef de la délégation suisse, Peter Dollinger, de l'Office vé- térinaire fédéral, sera appelé à faire rapport sur les événe- ments survenus à Kyoto et à expliquer les raisons pour les- quelles il s'est exprimé en faveur de l'acceptation de la de- mande présentée par certains pays africains.
Si les circonstances le commandent, des mesures internes se- ront prises.
Frage 85: Baumann. Antibiotikaverseuchtes Milchpulver Lait en poudre contaminé par des antibiotiques
Wie die «SonntagsZeitung» zu berichten wusste, wird immer mehr Milch der Schweiz mit Antibiotika verseucht. Rund 300 Tonnen mit Antibiotika belastetes Milchpulver liegen ge- genwärtig am Lager, und niemand wisse, wohin mit dieser Trockenmilch.
Die Antibiotika-Anwendung ist die Folge der Hochleistungs- zucht.
Was gedenkt der Bundesrat gegen die zunehmende Antibio- tika-Anwendung in der Nutztierhaltung zu unternehmen?
Was geschieht mit dem kontaminierten Milchpulver?
Was kosten die Lagerung, Verwertung, Vernichtung dieses Milchpulvers den Bund (Milchrechnung)?
Réponse écrite du Conseil fédéral
Depuis 1986, les contrôles visant à détecter la présence d'anti- biotiques dans le lait ont été renforcés. Une méthode très pré- cise (test Delvo) est utilisée. Les contraventions sont sévère- ment punies.
Cela a conduit à une régression des cas d'infraction (737 en 1987; 355 en 1991). (Nous rappelons qu'il y a en Suisse envi- ron 60 000 producteurs de lait. )
Selon des renseignements fournis par l'Union centrale des producteurs suisses de lait et contrôlés par l'administration, les stocks actuels de poudre de lait contaminée par des anti- biotiques s'élèvent à 100 tonnes en chiffres ronds.
Cette poudre de lait n'est utilisée que pour préparer des ali- ments médicamenteux pour le bétail. Ces aliments ne sont ad- ministrés que sur ordonnance vétérinaire et ne le sont pas dans la thérapie des vaches laitières.
Le stockage, l'utilisation et la destruction éventuelle de cette poudre de lait contaminée ne coûtent rien à la Confédération, ces frais étant supportés par les responsables du dommage.
Frage 86: Wanner. Ausbau des Bahnhofs Olten Aménagement de la gare d'Olten
Seit längerer Zeit ist der Ausbau des Bahnhofs Olten vorgese- hen. Offenbar sind nun die Vorarbeiten ins Stocken geraten.
Wie ist der momentane Planungsstand?
Welche Ueberlegungen haben zu einer Verzögerung des Vor- habens geführt? Sind diese in erster Linie finanzieller Natur?
Wären allenfalls, wenn der Ausbau des Bahnhofs Olten vor- läufig nicht erfolgen sollte, negative Auswirkungen auf die Reali- sierung der «Bahn 2000» und der Neat zu erwarten?
Schriftliche Antwort des Bundesrates
Im Bahnhof Olten sind zwei «Ausbaupakete» geplant: einer- seits der Ausbau des Bahnhofs bezüglich Verbesserung der Publikums- und Verkaufsanlagen, anderseits die Erhöhung der Leistungsfähigkeit des Bahnhofs.
Wir gehen davon aus, die Frage beziehe sich auf die Verbesse- rung der Publikums- und Verkaufsanlagen.
Planungsstand: Es wurde ein Projektwettbewerb gemacht. Die Ergebnisse liegen vor. Weitere Planungsschritte unternah- men die SBB nicht.
Gründe für die Verzögerung: Hauptgrund ist tatsächlich die fi- nanzielle Lage. Die SBB mussten Prioritäten setzen. Hinzu kam die Unsicherheit, welche Auswirkungen die Hebung der
Leistungsfähigkeit des Bahnhofs auf das vorgesehene Projekt haben wird. Im Sinne einer zweckmässigen Etappierung ge- ben die SBB dem Ausbau der Leistungsfähigkeit den Vorzug. Auswirkung auf «Bahn 2000»: Die Verbesserungen der Publi- kums- und Verkaufsanlagen tangieren die Pläne der SBB zur Leistungssteigerung des Bahnhofs Olten nicht. Darum hat die vorläufige Sistierung dieses Vorhabens keine negativen Aus- wirkungen auf «Bahn 2000».
Question 87: Pini. SBB. «Bedretto-Fenster>> CFF. «Fenêtre de Bedretto»
La liaison ferroviaire avec Airolo par le Val Bedretto via le tunnel de la Furka a été l'objet de vives controverses pendant et après le réalisation de l'ouvrage pour lequel le regretté conseiller fé- déral Bonvin s'étant engagé. La sortie dite «fenêtre de Be- dretto» restera-t-elle définitivement bloquée, notamment à cause des projets RAIL 2000 et NLFA (ce dernier devant encore être soumis au peuple)?
Schriftliche Antwort des Bundesrates
Die Tunnel durch Furka (Autoverlad) und Gotthard gewährlei- sten eine ganzjährige Verbindung zwischen Goms und Tessin.
Die Kosten von über 100 Millionen Franken für den Ausbau des einen Durchmesser von bloss 9 m2 aufweisenden Be- dretto-Stollens stünden in keinem Verhältnis zum Nutzen; zu- dem ist die Route durchs Bedrettotal stark lawinengefährdet. Der überregionale Verkehr Wallis-Tessin läuft nicht durchs Goms, sondern über die kürzere Simplonroute.
Das Parlament vertrat immer die Auffassung, das «Bedretto- Fenster» solle keine Eigenbedeutung haben.
Frage 88:
Binder. «Bahn 2000». Brüttener Tunnel. Ueberwerfungs- bauwerk Hürlistein (Effretikon)
RAIL 2000. Tunnel de Brütten. Saut-de-mouton d'Hurli- stein (Effretikon)
Den SBB laufen die Kosten für die Realisierung ihrer Bauten im Rahmen des Projektes «Bahn 2000» davon. Diese Situation wird zu Rotstiftübungen führen. Im Raume Zürich sind zwei grosse Projekte geplant. Es sind dies das Ueberwerfungsbau- werk Hürlistein bei Effretikon und der Brüttener Tunnel. Beide Bauwerke haben grosse Bedeutung für den Bahnhof Effretikon. Hier passieren täglich gegen 600 Züge. Somit ist klar, dass die Bahnhofplanung Effretikon stark von den genannten Investitio- nen abhängt.
Werden die beiden erwähnten Bauwerke (Ueberwerfung Hürli- stein, Brüttener Tunnel) im Rahmen von «Bahn 2000» gebaut?
Schriftliche Antwort des Bundesrates 1. «Bahn 2000» (Brüttener Tunnel)
Parlament und Volk stimmten dem Bundesbeschluss über den Bau neuer Linien der SBB im Rahmen von «Bahn 2000» zu. Dieser Beschluss ist nach wie vor in Kraft
Demnach wird das Netz der SBB unter anderem mit der neuen Linie Zürich-Flughafen-Winterthur (Brüttener Tunnel) erwei- tert. Diese Neubaustrecke ist 10 km lang, davon entfallen rund 8 km auf den Brüttener Tunnel.
Das Parlament stimmte ebenfalls dem Bundesbeschluss über einen Verpflichtungskredit für die Verwirklichung des Konzep- tes «Bahn 2000», Teil SBB, zu. Dieser Beschluss ist nach wie vor gültig.
Somit sind finanzielle Mittel für den Bau der Neubaustrecke Zürich-Flughafen-Winterthur gesichert.
Dieses Projekt bildet Gegenstand der S-Bahn Zürich/2. Teiler- gänzung. Ueber den erforderlichen Kredit wurde 1989 abge- stimmt.
Zurzeit sind Planungs- und Projektierungsarbeiten im Gange. Ueber die Ausgestaltung einzelner Projekte - wie zum Beispiel die Ueberwerfung Hürlistein - können momentan keine Anga- ben gemacht werden.
N
16 mars 1992
474
Heure des questions
Frage 89: Schmid Peter. Kostenüberwälzung bei Verkehrsunfällen Accidents de la circulation. Répercussion des coûts
Eine Studie, die vom Verkehrs- und Energiewirtschaftsdeparte- ment in Auftrag gegeben wurde, kommt zum Schluss, dass knapp 1,5 Milliarden Franken oder fast 30 Prozent der Gesamt- kosten von Verkehrsunfällen nicht durch die Verursacher be- zahlt werden, sondern von Unfallopfern, deren Angehörigen und von der Allgemeinheit. Das Departement hat angekündigt, es werde im Frühling zu den Ergebnissen dieser Studie Stellung nehmen. Wann genau ist mit dieser Stellungnahme zu rechnen?
Schriftliche Antwort des Bundesrates
In der Pressemitteilung wurde am 25. November 1991 ange- kündigt, dass weitere Teilstudien zu den sozialen Kosten und Nutzen des Verkehrs bis etwa im Frühling 1992 abgeschlos- sen sein werden. Nachdem die Veröffentlichung der Sonder- studie über die Kosten der Verkehrsunfälle zu Missverständ- nissen geführt hat, wird auf die laufende Veröffentlichung der weiteren Einzelstudien verzichtet. Vielmehr sollen die Studien erst mit einer wissenschaftlichen Zusammenfassung und Ge- samtdarstellung der externen Kosten und Nutzen zur Verfü- gung gestellt werden. Erst nach Vorliegen dieser Gesamtdar- stellung wird die politische Diskussion beginnen können. Bis dahin nimmt das EVED zu den Einzelstudien nicht Stellung.
Question 90:
Pini. Schiffahrt auf dem Langensee. Aenderung der Kon- zession Navigation sur le lac Majeur. Modification de la conces- sion
Compte tenu des expériences peu encourageantes faites en relation avec la concession accordée à la société «Gestione Governativa Navigazione Laghi Maggiore, di Garda e di Como» de Milan pour la navigation sur le lac Majeur en particulier - ainsi que sur le lac de Lugano - l'autorité fédérale compétente ne pense-t-elle pas que le moment soit venu de réexaminer l'ac- cord passé avec la société susdite et qui échoit le 31 décembre 1996?
Par ailleurs, la Convention italo-suisse de 1923 -ratifiée respec- tivement par les Chambres fédérales le 9 avril 1924 et par l'Italie le 10 janvier 1926 - étant surannée et nécessitant une mise à jour, le but de la présente intervention est aussi de proposer une meilleure prise en considération des intérêts publics tradi- tionnellement liés du canton et de la Confédération dans la ré- gion du lac Majeur.
Schriftliche Antwort des Bundesrates
Gestützt auf das Postverkehrsgesetz und die Verordnung über die konzessions- und bewilligungspflichtige Schiffahrt bedarf die regelmässige gewerbsmässige Beförderung von Perso- nen mit Schiffen einer eidgenössischen Konzession.
Das Eidgenössische Verkehrs- und Energiewirtschaftsdepar- tement EVED erteilte der Gestione Governativa Navigazione Laghi Maggiore, di Garda e di Como (NLM) für die Reisenden- beförderung auf dem schweizerischen Teil des Langensees erstmals 1956 eine Konzession bis 1976. Diese wurde an- schliessend bis 1996 erneuert. Ihren sich aus Gesetz und Kon- zession ergebenden Verpflichtungen ist die NLM bisher nach- gekommen. Eine Neuüberprüfung der konzessionsrechtli- chen Grundlagen wird nach Ablauf der erteilten Konzessions- dauer vorgenommen.
Neben einer Konzession können, sofern keine wesentliche Konkurrenzierung zum konzessionierten Unternehmen be- steht, Bewilligungen für die Personenbeförderung mit Schiffen erteilt werden. Ein Verfahren zur Erteilung einer solchen Bewil- ligung auf dem Langensee ist zurzeit bei den zuständigen Be- hörden hängig.
Der schweizerisch-italienische Staatsvertrag von 1923 ist nach übereinstimmender Auffassung von Italien und der Schweiz revisionsbedürftig. Konkrete Revisionsbestrebungen sind im Gange.
Frage 91:
Maeder. Flugplatz Lugano-Agno. Weitere Linien-Konzes- sionen? Aérodrome de Lugano-Agno. Concessions pour de nou- velles lignes?
Erachtet es der Bundesrat nicht als Widerspruch, dass zwei weitere Linien-Konzessionen geprüft werden (ab 6.15 Uhr Agno-Zürich, an 22.45 Uhr Zürich-Agno und Agno-Mün- chen-Agno auf den 18. März),
a) obwohl eine Aufsichtsbeschwerde der Anrainergemeinde Bioggio wegen der Erweiterung des Flugbetriebs gegen das BAZL eingegangen ist und Bundesrat Ogi erklärt hat, dass ge- prüft werden muss, ob der heutige Flugbetrieb in Agno den ge- setzlichen Bestimmungen entspricht und ob allenfalls Mass- nahmen getroffen werden müssen, und
b) obwohl im Rahmen des Verfahrens um die Flughafen-Kon- zession eine UVP vorgesehen ist?
Schriftliche Antwort des Bundesrates
Es trifft zu, dass das Bundesamt für Zivilluftfahrt zurzeit mit der Prüfung von Gesuchen, einerseits für die Eröffnung einer Lini- enverkehrsverbindung zwischen Lugano und München durch die schweizerische Crossair und die Deutsche Lufthansa, an- derseits für die Vor- bzw. Nachverlegung von Linienflügen der Crossair zwischen Lugano und Zürich befasst ist.
Im Falle von Lugano-München handelt es sich um die Verwirk- lichung einer Flugverbindung, die im schweizerisch-deut- schen Luftverkehrsabkommen vorgesehen ist. Die Lufthansa möchte den ersten Retourflug mit «Dash 8» am 30. März durchführen, die Crossair ihre Linie mit «Saab 340» am 17. Mai eröffnen.
Beim Gesuch der Crossair um Genehmigung eines Flugpla- nes, der einen Frühabflug in Lugano mit «BAe 146-Jumbolino» um 06.15 Uhr und eine Spätankunft in Lugano um 22.10 Uhr vorsieht, geht es um eine Verbesserung der Verbindungen mit Zürich und darüber hinaus mit einer Vielzahl von weiteren Be- stimmungsorten.
Bei der Beurteilung der beiden neuen Vorhaben kommt der Stellungnahme des Staatsrates des Kantons Tessin gemäss der Luftfahrtgesetzgebung grosses Gewicht zu.
Zu Frage a: Gemäss langjähriger, ständiger Praxis ist der Um- stand, dass der Flugplatz Lugano-Agno gestützt auf eine Be- willigung und nicht auf eine Konzession betrieben wird, kein Hindernis für die Zulassung von Linienflügen. Der Flugplatz steht den Luftverkehrsunternehmen mit hierzu geeigneten Flugzeugen zur Verfügung. Die Tatsache, dass die Gemeinde Bioggio eine Aufsichtsbeschwerde eingereicht hat, die diese Praxis beanstandet, vermag rechtlich die Behandlung neuer Gesuche nicht aufzuschieben.
Zu Frage b: Die Prüfung der genannten Gesuche und der Ent- scheid darüber präjudizierten das Verfahren um Erteilung ei- ner Flughafenkonzession und die in Zusammenhang damit durchzuführende Umweltverträglichkeitsprüfung nicht.
Question 92:
Zisyadis. Betriebsbewilligung für KKW Mühleberg. Kon- sultation der Kantone
Permis d'exploitation de la centrale de Mühleberg
La plus vieille centrale nucléaire de Suisse, Mühleberg, a été mise en service dans le cadre de la loi de 1959 sur l'utilisation pacifique de l'énergie atomique. A cette époque, seul le canton de site devait donner son préavis. Depuis 1979, la notion d'au- torisation générale limitée dans le temps prévoyait la consulta- tion de tous les cantons.
Pourquoi le Conseil fédéral n'a pas ouvert auprès de tous les cantons la procédure de consultation?
Schriftliche Antwort des Bundesrates
Die Rahmenbewilligung wurde 1978 mit dem Bundesbe- schluss zum Atomgesetz eingeführt. Sie ist erforderlich für den Bau von neuen Kernanlagen. So braucht es zum Beispiel für
475
Fragestunde
das geplante zentrale Zwischenlager für radioaktive Abfälle in Würenlingen eine Rahmenbewilligung. Im Rahmenbewilli- gungsverfahren werden alle Kantone eingeladen, eine Ver- nehmlassung abzugeben.
Dagegen legt Artikel 12 des Bundesbeschlusses zum Atom- gesetz ausdrücklich fest, dass bestehende Kernanlagen kei- ner Rahmenbewilligung bedürfen. Wenn Bewilligungen beste- hender Kernanlagen geändert werden müssen, gilt das Atom- gesetz. In diesem Fall ist nach Artikel 7 Absatz 2 des Atomge- setzes einzig die Stellungnahme des Standortkantons einzu- holen.
Frage 93: Ruf. Kassier-Telefonstation «Telcastar» der PTT Appareil téléphonique «Telcastar» des PTT
In immer mehr öffentlichen Telefonkabinen wird die neue Kas- sier-Telefonstation «Telcastar» installiert. Eine Besonderheit dieses Apparats liegt in der Anzeige der gewählten Telefon- nummer auf einem auch aus Distanz gut erkennbaren Display - und zwar während der ganzen Gesprächsdauer. Für Aussen- stehende ist es somit ohne weiteres möglich, die vom Telefon- benützer angewählte Gegenstation - und damit deren In- haber - zu identifizieren. Dem Benützer der «Telcastar»-Station dient jedoch die Display-Anzeige wenig oder gar nicht.
Wie ist die quasi öffentliche Nummernanzeige beim «Telca- star» mit den Erfordernissen des Persönlichkeits- und des Da- tenschutzes zu vereinbaren?
Ist der Bundesrat bereit, bei den PTT dahingehend zu interve- nieren, dass die Display-Anzeige bei den öffentlichen «Telca- star»-Apparaten ausser Betrieb gesetzt wird?
Schriftliche Antwort des Bundesrates
Aus Sicht des Bundesrates stellen sich in Zusammenhang mit diesen Apparaten weder Fragen des Persönlichkeitsschut- zes noch Fragen des Datenschutzes. Die kritisierte Nummern- anzeige ist eher unauffällig plaziert und die Gefahr, dass Aus- senstehende diese ablesen könnten, recht gering. Wer trotz- dem die Preisgabe eines Geheimnisses fürchtet, kann sich leicht vor den Apparat stellen und das ominöse Anzeigefenster abdecken.
Im Interesse einer klaren Aufgabentrennung nimmt der Bundesrat keinen Einfluss auf rein operationelle Tätigkeiten der PTT. Anzumerken bleibt lediglich, dass die Anzeige der gewählten Telefonnummer auf dem Apparat ein modernes Leistungsmerkmal ist, das heutzutage bei den meisten Kom- fortapparaten anzutreffen ist. Sein Nutzen liegt darin, dass die gewählte Nummer nachträglich kontrolliert werden kann, na- mentlich wenn die Gegenseite abwesend oder besetzt ist oder wenn falsch eingetippt wurde.
Frage 94: Binder. Auszählung Neat-Referendum Référendum sur la NLFA. Dépouillement
Laut ersten Mitteilungen war das Referendum gegen die Neat nicht zustande gekommen. Auf Intervention wurde eine Nach- zählung veranlasst und durchgeführt. Heute, am 9. März 1992, ist über die Presse zu erfahren, dass das Referendum mit 50 051 gültigen Unterschriften zustande gekommen sei. Das er- neut knappe Resultat könnte wiederum Anlass geben zu einer nochmaligen Nachzählung. Wer weiss, welches Ergebnis dannzumal erreicht würde!
Das ganze Vorgehen veranlasst mich zu folgenden Fragen:
Wird bei der Auszählung und der Kontrolle von Unterschriften- bogen oberflächlich, um nicht zu sagen unseriös, gearbeitet?
Wird bei solch knappen Resultaten nicht bereits von der Ver- waltung eine Nachzählung veranlasst, um erst bei absoluter Si- cherheit das Ergebnis bekanntzugeben?
Welches waren genau die Fehler, die letztlich zu diesem neuen Resultat führten?
Welches sind die Konsequenzen, Lehren und Vorkehrungen für künftige Auszählungen, um gleiche Vorkommnisse zu ver- hindern?
Réponse écrite de la Chancellerie fédérale
En général et lorsque le nombre de signatures dépasse large- ment la limite des 50 000, nous effectuons un contrôle des si- gnatures des électeurs par sondages, étant donné que les communes ont déjà procédé à ce contrôle.
Le référendum contre la NLFA est, depuis l'introduction du référendum en 1874, le premier cas où quelques signatures pouvaient faire changer le résultat. Ainsi jusqu'ici nous n'avons jamais eu besoin de procéder à un nouveau comp- tage des signatures.
Les différences sont dues essentiellement au fait que certai- nes attestations collectives n'avaient pas été prises en compte, les listes n'étant pas toujours rattachées aux attesta- tions. Il a donc fallu ranger et enregistrer toutes les listes de si- gnatures par canton, par commune et par comité. Ceci a per- mis de découvrir des signatures multiples ainsi que de recons- tituter les dossiers de listes simples faisant l'objet d'attesta- tions collectives.
Les problèmes mis à jour lors du comptage supplémentaire ont été des problèmes d'appréciation.
Pour le surplus, il conviendra d'attendre les résultats de l'en- quête administrative et des investigations du Ministère publi- que. Le cas échéant, des modifications de la procédure pour- raient être ordonnées.
Frage 95: Wittenwiler. Auszählung Neat-Referendum Référendum sur la NLFA. Erreurs de dépouillement
Das Hin und Her um die Auszählung des Neat-Referendums hat in breiten Bevölkerungskreisen einen denkbar schlechten Ein- druck gemacht und war alles andere als vertrauensfördernd. Das Missgeschick ist nun passiert, und es hat keinen Sinn zu rechten. Dagegen sind Lehren zu ziehen.
Was gedenkt der Bundesrat zu tun, um in Zukunft solche «Un- fälle» zu vermeiden?
Réponse écrite de la Chancellerie fédérale
Il n'y a pas eu de va-et-vient dans le compte des résultats de la collecte de signatures pour le référendum NLFA. Respec- tueux de l'application de la loi, nous avons informé les trois co- mités référendaires des premiers résultats livrés par l'Office fé- déral de la statistique qui s'occupe du contrôle des signatures apportées à l'appui de référendums et d'initiatives depuis 1874 sans problèmes.
Le comité référendaire d'Uri nous a signalé une erreur d'ad- dition. L'Office fédéral de la statistique nous a confirmé qu'une erreur d'addition s'était en effet produite.
J'ai alors ordonné de refaire le contrôle complet des signa- tures déposées. Ce contrôle a abouti à la constatation qu'au moins 50 051 signatures valables avaient été déposées.
Les écarts entre les deux comptes sont dus à certaines diffé- rences dans l'élaboration des attestations communales qui ont conduit à l'élimination de certaines signatures effective- ment valables.
J'attends les résultats de l'enquête que le chef du Départe- ment fédéral de l'intérieur et moi-même avons ordonnée pour voir s'il est opportun de proposer au Conseil fédéral de nouvel- les directives sur la manière de traiter les référendums.
Heure des questions
476
N
16 mars 1992
Question 96: Pini. Konflikt in Nagorny-Karabach. Gute Dienste der Schweiz
Conflit du Haut-Karabakh. Bons offices de la Suisse
Concernant le tragique conflit qui se déroule actuellement dans la région du Haut-Karabakh et qui oppose les républiques d'Ar- ménie et d'Azerbaïdjan, je demande à l'autorité fédérale com- pétente si la Suisse pourrait offrir sa médiation pour appuyer dans ses efforts la Fédération de Russie, afin de trouver une so- lution pacifique qui serait conforme aux principes de la Conven- tion européenne des droits de l'homme.
Réponse écrite du Conseil fédéral
Le conflit au Nagorny-Karabakh s'est malheureusement accé- léré ces derniers temps. On est tenté de parler d'une véritable guerre entre l'Arménie et l'Azerbaidjan. La médiation entre les deux parties s'avère extrêmement difficile comme l'ont montré les tentatives des présidents du Kasachstan et de la Fédéra- tion russe. Néanmoins, nous croyons que le Président Jelzin reste le mieux placé pour encourager, voire persuader les deux côtés à trouver une solution.
Quant à la Suisse, nos collaborateurs compétents ont reçu ré- cemment des hauts responsables des deux parties. Les pro- pos intransigeants des deux côtés ne laissent, au moins pour le moment, pas beaucoup d'espoir. Une tentative bilatérale de médiation ne promet guère de résultats. Nous sommes néan- moins prêts à participer à chaque effort sérieux pour résoudre le conflit. Ainsi, nous avons, sous réserve des modalités à ré- gler, répondu positivement à une demande émanant de la CSCE nous priant de participer à une opération de «maintien de la paix» de la CSCE qui pourrait notamment prendre la forme d'une participation d'observateurs d'un cessez-le-feu. Toute tentative dans cette direction présuppose pourtant un cessez-le-feu durable, ce qui n'est pas le cas en ce moment.
Frage 97:
Loeb François. Schweizer Menschenrechtsdelegation in Tibet. Folgen Visite au Tibet de la Délégation suisse des droits de l'homme
In der englischen Zeitung «The Guardian» vom 11. Januar 1992 wird in einem Bericht darauf hingewiesen, dass ein Gefangener, der sich anlässlich des Gefängnisbesuchs in Lhasa der Schwei- zer Menschenrechtsdelegation bemerkbar machte, anschlies- send von den chinesischen Behörden grausam gefoltert wurde. Ich frage den Bundesrat an, was er zu diesem Vorfall unternom- men hat und ob er nicht auch der Ansicht ist, dass eine solche Reaktion auf einen Menschenrechts-Kontroll-Besuch unhaltbar und für unser Land nicht akzeptabel ist.
Réponse écrite du Conseil fédéral
En décembre passé, le Département fédéral des affaires étran- gères a envoyé en mission en Chine et au Tibet une délégation d'experts en matière de droits de l'homme. Cette délégation a eu l'occasion de se rendre dans trois lieux de détention, dont l'un à Lhasa (Tibet). Au cours de leur visite dans ce lieu, nos experts ont entendu un prisonnier politique tibétain leur crier sa profession de foi religieuse et politique. En janvier dernier, plusieurs organisations de défense des droits de l'homme ont allégué que ce détenu avait fait, suite à son geste, l'objet de graves sévices et été placé en isolement total. Or, le droit inter- national interdit de punir une personne pour le seul motif d'avoir fait un usage pacifique de ses droits fondamentaux, tels le droit à la liberté d'expression et de religion.
Le Département fédéral des affaires étrangères est intervenu une première fois auprès des autorités chinoises en faveur de cette personne. Nous continuons à suivre ce cas avec la plus grande attention et nous interviendrons à nouveau si le sort de ce détenu ne devait pas s'améliorer.
Frage 98: Cincera. Hilfe an die mittel- und osteuropäischen Staaten und Finanzplanung Aide aux pays d'Europe centrale et orientale et planifica- tion financière
Ein Teil des vom Parlament bewilligten Kredites für die Hilfe an die mittel- und osteuropäischen Staaten ist für die technische Zusammenarbeit vorgesehen. Diese sollte sofort greifen, um die erwartete und auch eine optimale Wirkung zu erzielen.
In der Finanzplanung des Bundes für die Jahre 1992-1995 sind nun aber die grossen Beiträge erst für den Schluss dieser Peri- ode vorgesehen. Das ist mindestens für den Bereich der techni- schen Zusammenarbeit nicht logisch. Hier sollten die finanziel- len Mittel vor allem am Anfang gross und dann abnehmend bud- getiert sein.
Ich frage deshalb den Bundesrat, ob er im Interesse einer bes- seren Wirkung bereit ist, im Finanzplan die Zahlungsermächti- gung für den Teil der technischen Zusammenarbeit für die Jahre 1992/1993 zu erhöhen und bereits jetzt die Restsumme mit einzubeziehen.
Réponse écrite du Conseil fédéral
Compte tenu de leur ampleur limitée et de leur nature particu- lière (essentiellement mandats d'experts), les mesures adop- tées dans le cadre de la coopération technique avec les pays d'Europe centrale et orientale se traduisent par des paiements plus rapides que ce n'est le cas pour les projets réalisés dans le cadre de la coopération technique avec les pays en déve- loppement.
Or, c'est précisément le rythme plus lent d'exécution des pro- jets de coopération technique avec les PVD qui, faute d'expé- rience en l'occurrence, a été pris en considération pour l'éta- blissement de la planification de ces paiements. C'est ce qui explique que les crédits de paiements les plus importants aient été prévus pour les dernières années du plan.
Le rythme d'exécution plus rapide constaté maintenant ren- drait, en effet, souhaitable une certaine redistribution des cré- dits de paiements sur les années 1992 à 1995. Cette redistribu- tion est actuellement à l'étude. Pour ce qui est du présent exer- cice, il semble que les moyens absolument nécessaires pour- ront être trouvés par le biais d'un report de crédit de l'année passée, ainsi que par un transfert budgétaire interne. Pour ce qui est, par contre, de 1993, une augmentation pure et simple de crédit se heurterait aux directives que le Conseil fédéral vient d'édicter pour l'établissement du prochain budget. Ces directives prévoient, en effet, que les crédits inscrits actuelle- ment au plan financier sont, en principe, à considérer comme de stricts plafonds.
Il nous paraît difficile, dans ces circonstances, de nous pro- noncer maintenant déjà, sans réserve, sur une augmentation de ces crédits pour 1993. Nous n'entendons pas non plus l'ex- clure d'emblée. Il conviendra, à notre avis, d'en considérer la possibilité et l'ampleur dans le contexte plus large des travaux d'établissement du budget, soit dans les mois à venir.
Question 99: Aguet. Desengagement der Schweiz in der Westsahara Désengagement suisse au Sahara occidental
La Suisse s'est engagée de plusieurs manières pour aider à ré- soudre le problème du Sahara occidental. Elle a envoyé du per- sonnel et du matériel dans le cadre de la Minurso. De plus, c'est un Suisse, Monsieur l'ambassadeur Manz, qui a reçu du Secré- taire général des Nations Unies la responsabilité d'organiser le référendum planifié pour le début de 1992. M. Manz, paralysé par les forces marocaines, a démissionné à la fin de l'an der- nier. Le Conseil fédéral peut-il renseigner le Parlement sur les dispositions qu'il a prises après cette démission?
Question 100: Gardiol. Westsahara - Sahara occidental
Le Conseil fédéral suit l'évolution de la situation au Sahara occi- dental. La Suisse est présente sur place par l'intermédiaire de l'Unité médicale suisse. Dans ce contexte, je pose les ques- tions suivantes:
Quels sont ses canaux de contact et d'information avec les représentants du peuple sahraoui?
Le Conseil fédéral estime-t-il que la Suisse puisse contribuer à faire avancer l'application du plan de paix, en particulier en in- sistant dans ce sens auprès des autorités marocaines?
Dringliche Interpellation Bonny
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Réponse écrite du Conseil fédéral
Le Conseil fédéral a décidé la participation à la Mission des Nations Unies pour le référendum au Sahara occidental indé- pendamment de la nomination de l'Ambassadeur Manz au poste de représentant spécial du Secrétaire général des Na- tions Unies pour le Sahara occidental. M. Manz a mis fin à son mandat, afin de pouvoir se consacrer entièrement à sa nou- velle fonction de chef de la Mission permanente d'observation de la Suisse auprès des Nations Unies. Cette démission n'a eu aucune influence sur l'engagement de la Suisse au sein de la Minurso La présence de notre pays au Sahara occidental est assurée par une unité chargée de la couverture médicale des troupes de l'ONU participant à cette mission.
La mise en place des trois cliniques prévues étant achevée, la Suisse a ramené en conséquence de 84 à 61 le nombre de nos compatriotes sur le terrain, ce qui ne diminue nullement les prestations de l'Unité médicale suisse.
Nous regrettons que des difficultés politiques aient retardé la date du référendum initialement fixée au mois de janvier de cette année. Nous restons en étroit contact avec les Nations Unies à ce sujet et faisons pleinement confiance au nouveau Secrétaire général, avec lequel nous nous sommes entretenu de cette question le 25 février dernier.
M. Boutros Ghali a d'ailleurs publié au début de ce mois son premier rapport sur le Sahara occidental, dans lequel il fixe aux parties un délai de trois mois pour lever les obstacles qui ont retardé l'organisation du référendum. Il compte nommer pro- chainement un nouveau représentant spécial afin d'intensifier les consultations avec les parties. Il reverra la situation à la fin du mois de mai. C'est là une attitude que nous appuyons.
La Suisse estime qu'il incombe en premier lieu aux Nations Unies de mettre en oeuvre le plan de paix approuvé par le Conseil de Sécurité et par les parties au conflit. Elle entretient de surcroît des relations à titre propre avec les parties au conflit afin de s'informer de première main de leurs dispositions et afin également de leur exposer les vues du Conseil fédéral sur cette question.
Les Ambassadeurs de Suisse à Rabat et à Alger, ainsi que les responsables des services concernés au Département fédéral des affaires étrangères sont régulièrement en contact avec l'une et l'autre partie. la dernière rencontre avec la partie maro- caine a eu lieu le 11 février, et avec la partie sahraouie le 9 mars dernier. D'autres contacts auront lieu prochainement.
Question 101: Ruffy. Uebergriffe auf die kurdische Minderheit Exactions commises envers la minorité kurde en Turquie
Fort du rôle qui lui est confié dans la Proche-Orient comme membre de l'OTAN, rôle renforcé depuis l'effondrement de l'URSS, le nouveau gouvernement turc issu des élections de l'année dernière, multiplie les exactions envers les populations kurdes, en toute impunité, dans un silence international qui est à la limite de la complaisance.
La Suisse assume actuellement la présidence du Comité des ministres du Conseil de l'Europe, donc plus que jamais cores- ponsable d'une politique européenne respectueuse des droits de l'homme et des minorités.
Comment le Conseil fédéral juge-t-il, sur le plan humanitaire, l'évolution de l'affrontement entre Turcs et Kurdes qui risque de déboucher en guerre civile?
Le Conseil fédéral est-il disposé à tout mettre en oeuvre pour aborder ce dossier des plus brûlants au sein du Conseil de l'Eu- rope?
Question 102: Zisyadis. Völkermord an den Kurden Génocide à l'encontre de la population kurde
Chaque jour, des civils innocents sont assassinés au Kurdistan turc par des bombardements massifs de l'Etat turc. De même, des incursions régulières ont lieu de l'aviation turque en Irak du nord, dans le but évident d'exterminer la population kurde. Comment le Conseil fédéral entend-il prendre position face à ce génocide perpétré par un pays membre du Conseil de l'Eu- rope?
Réponse écrite du Conseil fédéral
Suite à des attentats terroristes dans les grandes villes de la Turquie occidentale, les autorités turques ont sensiblement augmenté leur pression contre les forces antigouvernementa- les turques et kurdes. Dans le cadre de ces opérations, des bombardements ont également été effectués contre des villa- ges kurdes en Irak du Nord.
Le Conseil fédéral suit ce développement avec grande préoc- cupation. Lors des contacts directs avec des membres du gouvernement turc ainsi que par la voie diplomatique nous avons à maintes reprises souligné les obligations dans le do- maine des droits de l'homme incombant à la Turquie, notam- ment comme membre du Conseil de l'Europe et de la CSCE. A cette même occasion nous avons clairement exprimé notre condamnation aux atteintes portées à l'intégrité de la popula- tion civile kurde tant en Turquie orientale qu'en Irak du Nord.
92.3054
Dringliche Interpellation Bonny Aufstockung des Rahmenkredites zur Weiterführung der verstärkten Zusammenarbeit mit ost- und mitteleuropäischen Staaten
Interpellation urgente Bonny Coopération avec les pays d'Europe centrale et orientale. Augmentation du crédit de programme
Wortlaut der Interpellation vom 3. März 1992
Ist der Bundesrat bereit, dem Parlament eine Vorlage zu unter- breiten, welche eine wesentliche Erhöhung - wenn möglich eine Heraufsetzung um 600 Millionen Franken - des Rahmen- kredites gemäss Bundesbeschluss über die Weiterführung der verstärkten Zusammenarbeit mit ost- und mitteleuropäi- schen Staaten, insbesondere für die Bereitstellung von Kredit- garantien, vorsieht?
Ist der Bundesrat bereit, diese Vorlage mit Blick auf die aus- sen- und auch innenpolitische Dringlichkeit so zu beschleuni- gen, dass sie bereits in der Junisession behandelt werden kann?
Texte de l'interpellation du 3 mars 1992
Le Conseil fédéral est-il disposé à soumettre au Parlement un projet aux termes duquel le crédit de programme prévu par l'AF sur la poursuite de la coopération renforcée avec les Etats d'Europe centrale et orientale serait massivement augmenté (si possible de 600 millions de francs), surtout sous forme de garanties de crédits?
Le Conseil fédéral est-il prêt, vu le caractère urgent du projet, tant sur le plan de la politique extérieure que sur celui de la po- litique intérieure, à le préparer assez vite pour qu'il puisse être traité dès la session de juin?
Mitunterzeichner - Cosignataires: Berger, Bührer Gerold, Caccia, Camponovo, Cavadini Adriano, Cincera, Comby, Cotti, Couchepin, David, Deiss, Dettling, Eggly, Frey Claude, Fritschi Oscar, Früh, Giger, Gobet, Gros Jean-Michel, Gui- nand, Hegetschweiler, Jaeger, Loeb François, Mauch Rolf, Miesch, Mühlemann, Perey, Philipona, Pidoux, Poncet, Scheidegger, Theubet, Tschuppert Karl, Wanner, Wittenwiler, Wyss, Zwahlen, Zwygart (38)
Schriftliche Begründung - Développement par écrit
Der Nationalrat hat in der Dezembersession 1991 und der Ständerat während der ausserordentlichen Session im Januar 1992 praktisch einstimmig dem Bundesbeschluss über den Rahmenkredit zur Weiterführung der verstärkten Zusammen-
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Fragestunde
Heure des questions
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In
Jahr
1992
Année
Anno
Band
II
Volume
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Session
Frühjahrssession
Session
Session de printemps
Sessione
Sessione primaverile
Rat
Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
08
Séance
Seduta
Geschäftsnummer
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Datum
16.03.1992 - 14:30
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461-477
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20 021 022
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