N 20 mars 1992
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Interpellation Ruf
stand der Berliner Konferenz und eines Anfang dieses Jahres durchgeführten Folgetreffens in Graz.
Die in der Begründung der Interpellation zur Frage 4 skizzier- ten Ideen zur Entlohnung arbeitender Asylbewerber sind teil- weise bereits umgesetzt. So sieht Artikel 18 Absatz 2 der Asyl- verordnung 1 über Verfahrensfragen vor, dass Teilnehmern an gemeinnützigen Beschäftigungsprogrammen eine Tages- entschädigung ausgerichtet werden kann. Mit dem Inkrafttre- ten des 9. Kapitels der Asylverordnung 2 über Finanzierungs- fragen am 1. Januar 1992 ist der Arbeitgeber aber künftig ver- pflichtet, 7 Prozent des Erwerbseinkommens eines Asylbe- werbers zur Deckung der Fürsorge- und Vollzugskosten auf ein Sicherheitskonto zu überweisen. Eine weitergehende Ab- schöpfung des Lohnes würde die Arbeitsaufnahme für Asylbe- werber unattraktiv machen und gegen das in der Verfassung verankerte Gleichbehandlungsgebot verstossen.
Geprüft wird gegenwärtig die Frage, inwieweit die Bewe- gungsfreiheit illegal eingereister oder abgewiesener Asylbe- werber eingeschränkt werden kann. Falls eine Einschränkung zulässig ist, wird entsprechend den Forderungen des Interpel- lanten auch zu überlegen sein, ob Asylbewerber, die an ge- meinnützigen Beschäftigungsprogrammen teilnehmen, dies- bezüglich besserzustellen sind.
Mit dem Erlass der Verordnung über die schweizerische Asylrekurskommission (ARK) hat der Bundesrat in organisato- rischer und personeller Hinsicht die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass die Asylentscheide in zweiter Instanz inner- halb der gesetzlich und politisch gebotenen Zeitvorgaben be- wältigt werden können. Die ARK wird insgesamt 217 Stellen umfassen und eine Erledigungskapazität von 20 000 Ent- scheiden pro Jahr erreichen. Dies entspricht im Vergleich zum Jahr 1990 nahezu einer Verdoppelung.
Wegen des in der Europäischen Menschenrechtskonven- tion verankerten Grundrechts der persönlichen Freiheit sind Inhaftierungen nicht voraussetzungslos möglich. Wie wir be- reits zu Frage 4 ausgeführt haben, wird die Frage der Freiheits- beschränkung für illegal eingereiste oder abgewiesene Asyl- bewerber zurzeit einlässlich geprüft.
Im Fall eines Krieges im benachbarten Ausland, der Mas- senflüchtlingsströme auslösen und zu einem Notstand in der Schweiz führen würde, könnten die in den Fragen 4 und 6 an- gesprochenen freiheitsbeschränkenden Massnahmen ge- stützt auf Artikel 9 Asylgesetz und die Notstandsklausel der Europäischen Menschenrechtskonvention verfügt werden. Bei allen übrigen Punkten der Interpellation ist Artikel 9 Asyl- gesetz ohne Relevanz.
Präsident: Der Interpellant beantragt Diskussion.
Abstimmung - Vote Für den Antrag auf Diskussion Dagegen
Verschoben - Renvoyé
offensichtliche Mehrheit Minderheit
91.3287
Interpellation Ruf Asylpolitik. Vorwürfe der kantonalen Fremdenpolizeichefs
Politique d'asile. Reproches des chefs des polices cantonales des étrangers
Wortlaut der Interpellation vom 17. September 1991
In ihrem Bericht «Der Vollzug des Asylrechts aus der Sicht der Fremdenpolizeibehörden» - Ende August 1991 Bundesrat Koller zugestellt - erhebt die Vereinigung der kantonalen Fremdenpolizeichefs gegenüber den Bundesbehörden schwere Vorwürfe zur Anwendung des Asylgesetzes. Zitate aus der Zusammenfassung des Berichts:
«Der Bericht .... stützt sich auf die Erfahrungen der kantonalen Fremdenpolizeibehörden, die seit nunmehr über zehn Jahren am unmittelbarsten mit der Asylproblematik konfrontiert sind. Er weist auf verschiedene Mängel und Unzulänglichkeiten hin, die zum Scheitern der Asylpolitik des Bundes beigetragen ha- ben, und richtet mehrere Forderungen an die Adresse des Bundes.»
Im einzelnen werden folgende Missstände gerügt:
«Die Einreisen der Asylbewerber in unser Land erfolgen fast ausnahmslos unkontrolliert und auf illegalem Weg, obwohl das Asylgesetz den Ort der Gesuchseinreichung klar um- schreibt. Die Missachtung der Einreisevorschriften wird aber nicht sanktioniert. Deshalb ist die Zahl der illegalen Grenz- überschreitungen sehr hoch. Dies hat dazu geführt, dass die Grenzüberwachung .... nicht mehr wirksam gewährleistet wer- den kann.»
«Die Asylbewerber fallen nach der (illegalen) Einreise in ein engmaschiges soziales Netz, das sie in den Genuss verschie- dener Leistungen bringt. Der ständige Ausbau der Betreueror- ganisation unterstützt diese Entwicklung, verbunden mit ei- nem immensen finanziellen Aufwand. Die Sozialgesetzge- bung und der Betreuungsaufwand müssen dem rechtlichen Status des Asylbewerbers angepasst werden. Auf Integrati- onsbemühungen .... ist zu verzichten.»
«Einer wirksamen Grenzkontrolle hat zweifellos ein konse- quenter Vollzug der Asyl- und Wegweisungsentscheide ge- genüberzustehen .... Die lange Dauer der in Bundeszustän- digkeit sich abwickelnden Asylverfahren erschwert häufig ei- nen Wegweisungsvollzug. Grosszügige Behandlungen von Begehren, Rechtsbehelfen und Interventionen tragen nicht unwesentlich zu Verfahrensverlängerungen bei. Auch wird ei- nem Missbrauch von Mehrfachgesuchen unter geänderter Identität nur zaghaft begegnet. »
«Die ungenügende Leistungskapazität der Bundesbehörden, die zu einem gewaltigen Anwachsen der Pendenzen geführt hat, darf nicht durch die zurzeit im Trend liegende Ueberwäl- zung der Verantwortung des Bundes auf die Kantone kompen- siert werden.»
Die Zusammenfassung schliesst wie folgt:
«Verschiedene Feststellungen der kantonalen Fremdenpoli- zeichefs führen zu Kritik und zu Forderungen an die Adresse von Bundesamt für Flüchtlinge, Beschwerdedienst und Bun- desamt für Ausländerfragen. Eine konstruktive Zusammenar- beit der Kantone mit diesen Bundesämtern ist nicht gewährlei- stet Die Wünsche und Bedürfnisse der Kantone bleiben weit- gehend unbeachtet. Schliesslich beanstanden die Fremden- polizeichefs den hohen Stellenwert, der den Hilfswerken im Asylverfahren zukommt. Gewisse Hilfswerke üben ihre gesetz- liche Mitwirkung nicht selten in Form einer Beaufsichtigung und Kontrolle der Behörden von Bund und Kantonen aus. Ge- legentlich werden sogar kantonale Beamte, die im Verfahren beteiligt sind, einer Qualifizierung durch Hilfswerksvertreter unterzogen.»
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Interpellation Ruf
Gemäss Presseberichten wollte Bundesrat Koller den Bericht vor der Oeffentlichkeit geheimhalten!
Diese bedenkliche Haltung erinnert nur zu deutlich an den Be- richt der Bundesanwaltschaft zur Asylpolitik aus dem Jahre 1985, der ebenfalls als vertraulich erklärt worden war, in der Absicht, dem Volk die Wahrheit über die schlimmen Missbräu- che in der Asylpolitik zu verheimlichen!
Fragen an den Bundesrat:
Wie rechtfertigt der Bundesrat seinen Versuch, den Bericht der kantonalen Fremdenpolizeichefs - und damit deren mas- sive Kritik an der bundesrätlichen Asylpolitik - dem Schweizer- volk vorzuenthalten?
Gibt sich der Bundesrat tatsächlich der Illusion hin, durch Verheimlichung das offensichtliche, immer schlimmere Asy- lantenschlamassel verdrängen zu können?
Wollte der Bundesrat nicht vielmehr erneut der Bevölkerung durch Verschweigen der Wahrheit Sand in die Augen streuen, um dadurch die bevorstehenden Parlamentswahlen zugun- sten der Bundesratsparteien zu beeinflussen, die notabene durch ihr krasses Versagen in der Asylpolitik weitgehend selbst für die entstandene Misere verantwortlich sind?
Wie nimmt der Bundesrat im einzelnen zu den Vorwürfen der kantonalen Fremdenpolizeichefs Stellung? (Es wird um eine detaillierte Antwort gebeten).
Ist der Bundesrat nun endlich bereit, von seinen Notrechts- kompetenzen (Artikel 9 des Asylgesetzes) Gebrauch zu ma- chen, um die seit langem bekannten sowie die nun von den Fremdenpolizeichefs gerügten Missstände im Asylbereich endlich zu beseitigen?
Ist er namentlich bereit, unverzüglich folgende Massnah- men zu treffen?
a. Verbesserung des Schutzes der «grünen Grenze» mit Hilfe der Armee zur Bekämpfung der illegalen Einwanderung von Scheinasylanten;
b. wirksame Straffung der Verfahren;
c. umgehende Rückschaffung - und zu diesem Zweck Fest- nahme - der illegal eingereisten Asylbewerber (keine Auf- nahme ins Verfahren!) sowie der kriminellen und der abgewie- senen Scheinasylanten (konsequenter Vollzug der negativen Entscheide);
d. drastische Reduktion der Attraktivität der Schweiz auf Wirt- schaftsasylanten, insbesondere durch die Unterbringung der Asylanten in Grosszentren ohne Bargeldleistungen, ohne Ar- beitsbewilligungen, ohne Kinderzulagen (statt dessen sind sie zu unentgeltlicher Arbeit im Dienste der Oeffentlichkeit beizu- ziehen);
e. Beseitigung der Vergewaltigung der Gemeinden zur Auf- nahme von Asylbewerbern;
f. wirksames Vorgehen gegen das illegale Verstecken von Asylanten und gegen die Sabotierung des Vollzugs der Weg- weisungen;
g. Kündigung (sofern erforderlich) widersprechender interna- tionaler Abkommen.
Texte de l'interpellation du 17 septembre 1991
Dans son rapport «L'application du droit d'asile selon le point de vue des autorités cantonales de police des étrangers» paru fin août 1991 (uniquement en version allemande), l'Associa- tion des chefs des polices cantonales des étrangers formule de sévères critiques à l'encontre des autorités fédérales au su- jet de l'exécution de la loi sur l'asile. Voici quelques passages tirés du rapport (traduction et adaptation de l'allemand):
Le présent rapport, s'appuyant sur les expériences faites par les polices cantonales des étrangers, qui sont confrontées de- puis plus de 10 ans aux problèmes liés à l'asile, met en évi- dence certaines insuffisances qui sont à l'origine d'échec de la politique d'asile de la Confédération, et formule diverses exi- gences à l'adresse des autorités fédérales.
Les défauts suivants ont été constatés:
L'entrée des demandeurs d'asile dans notre pays se fait presque sans exception de manière illégale et incontrôlée, quoique la loi sur l'asile contienne des prescriptions précises sur le lieu où doivent être déposées les demandes. L'inobser- vation des prescriptions d'entrée ne donne lieu toutefois à au- cune sanction. C'est pour cette raison que le nombre d'en-
trées illégales est très élevé. Actuellement, il n'est plus possi- ble d'assurer une surveillance effective des frontières.
Après leur entrée clandestine, les requérants ont accès à un réseau social qui leur fournit diverses prestations. Le dévelop- pement continu des organisations d'assistance soutient cette évolution, qui suppose des moyens financiers considérables. Il faut adapter la législation dans le domaine social et les servi- ces d'assistance au statut juridique des demandeurs d'asile, et renoncer aux efforts en vue de leur intégration.
A un contrôle efficace des frontières doit s'ajouter une applica- tion rigoureuse des décisions concernant l'asile ou le cas échéant le refoulement. La longueur des procédures relevant de la compétence fédérale rend souvent l'expulsion difficile. La largesse dont on fait preuve dans le traitement des requê- tes, des demandes d'assistance juridique et d'autres interven- tions contribue à allonger la procédure. En outre, on ne com- bat que mollement la pratique abusive des demandes multi- ples.
L'inefficience des autorités fédérales, qui a provoqué l'actuelle pléthore de dossiers en suspens, ne doit pas être pailliée par le simple transfert de responsabilité de la Confédération vers les cantons.
Et le rapport conclut comme suit:
Les constatations faites par les chefs des polices cantonales des étrangers amènent à formuler des critiques et des exigen- ces à l'adresse de l'Office fédéral des réfugiés, du Service des recours, et de l'Office fédéral des étrangers. La collaboration entre ces services fédéraux et les cantons laisse actuellement à désirer. Les requêtes des cantons sont restées jusqu'ici lar- gement sans réponse.
Les chefs des polices cantonales des étrangers critiquent en particulier l'importance donnée aux oeuvres d'entraide dans la procédure. Certains organismes en arrivent souvent à exer- cer un véritable contrôle des autorités fédérales et cantonales. Il y a même des cas où des fonctionnaires cantonaux engagés dans la procédure ont été récusés par les représentants des oeuvres d'entraide. (fin des citations du rapport)
Or on apprend par la presse que le conseiller fédéral Koller voulait cacher le rapport à l'opinion publique. Ce comporte- ment critiquable ne rappelle que trop l'attitude adoptée à l'égard du rapport de 1985 du Ministère public concernant la politique d'asile, lequel avait également été déclaré confiden- tiel dans l'intention de dissimuler la vérité au sujet des graves abus commis en relation avec la politique d'asile.
Questions au Conseil fédéral:
Comment justifie-t-il sa tentative de cacher au peuple suisse le rapport des polices cantonales des étrangers, et de ce fait les sévères critiques qu'il contient à l'égard de la politique fé- dérale d'asile?
Croit-il vraiment parvenir à masquer la gabegie qui règne dans le domaine de la politique d'asile en gardant ce rapport secret?
Ne voulait-il pas en taisant à nouveau la vérité influencer les prochaines élections parlementaires en faveur des partis gou- vernementaux, lesquels ont pourtant provoqué la crise ac- tuelle par leur inefficience?
Quelle réponse (circonstanciée) peut-il donner aux repro- ches formulés par les chefs des polices cantonales des étran- gers?
Est-il enfin disposé à faire usage de ses compétences rele- vant du droit d'urgence (article 9 de la loi sur l'asile) pour met- tre un terme aux insuffisances relevées par les chefs des poli- ces cantonales des étrangers dans le domaine de la politique d'asile?
Est-il disposé en particulier à prendre immédiatement les mesures suivantes:
a. renforcer la surveillance de la «frontière verte» en faisant ap- pel à l'armée pour combattre l'immigration clandestine de pseudo-réfugiés;
b. accélérer et simplifier la procédure;
c. refouler immédiatement - et au besoin arrêter à cette fin - sans appliquer la procédure normale, tout demandeur d'asile entré illicitement, ainsi que tout pseudo-réfugié coupable d'ac- tes criminels, et tout requérant débouté, en stricte application des décisions d'expulsion;
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Interpellation Moser
d. réduire drastiquement l'attrait de la Suisse sur les migrants économiques en les logeant dans de grands centres d'héber- gement, sans leur fournir aucune prestation en argent liquide, ni autorisation de travail, ni allocations d'enfant, mais en les mettant à contribution au service de la collectivité sans rétribu- tion;
e. cesser de violenter des communes en les obligeant à ac- cueillir des demandeurs d'asile;
f. sévir efficacement contre tout hébergement illicite de requé- rants et contre toute entorse à la procédure d'expulsion;
g. dénoncer au besoin les accords internationaux qui seraient contraires aux mesures décrites précédemment.
Mitunterzeichner - Cosignataires: Meier Fritz, Steffen (2)
Schriftliche Begründung - Développement par écrit Der Urheber verzichtet auf eine Begründung und wünscht eine schriftliche Antwort.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 12. Februar 1992 Rapport écrit du Conseil fédéral du 12 février 1992
Schon bei der ersten Durchsicht des Berichts der Vereinigung der kantonalen Fremdenpolizeichefs zeigte sich, dass ein Teil der darin geäusserten Kritik unbegründet ist. Teilweise wer- den Schwachstellen bemängelt, die den Asylbehörden be- kannt sind, die sich aber im Rahmen der geltenden Rechtsord- nung nicht beheben lassen. Andere Beanstandungen bezie- hen sich auf den Vollzug des Asylgesetzes durch die Kantone. Die Bundesbehörden nehmen den Bericht aber ernst. Gerade im Asylbereich liegt ihnen viel an einer guten Zusammenarbeit mit den Kantonen. Die aufgeworfenen Themen wurden des- halb einer eingehenden Prüfung unterzogen, um sie danach eingehend mit den Kantonen zu diskutieren.
1 .- 3. Der Bundesrat hat nichts zu verbergen. Hingegen will er im Interesse einer sachlichen Asylpolitik eine nutzlose Pole- mik zwischen den Behörden des Bundes und der Kantone ver- meiden. Im übrigen lag es an den Verfassern des Berichts, über dessen Veröffentlichung zu entscheiden.
Die Kritik der Vereinigung der kantonalen Fremdenpolizei- chefs wurde durch eine verwaltungsinterne Arbeitsgruppe auf ihre Stichhaltigkeit hin überprüft. Diese legte kürzlich einen ausführlichen Bericht vor. Demnächst wird entschieden, in welcher Form das EJPD die Oeffentlichkeit über die Ergeb- nisse informiert.
Die Entwicklung der letzten Monate verlief positiv. Zurzeit besteht kein Grund, Artikel 9 Asylgesetz anzuwenden.
6a. Der Bundesrat hat im vergangenen Februar eine Arbeits- gruppe damit beauftragt, die nötigen Grundlagen für eine Ver- stärkung des Grenzwachtkorps durch die Armee in ausseror- dentlichen Lagen auszuarbeiten. Er entscheidet demnächst über die Anträge dieser Arbeitsgruppe, vertritt jedoch seit je- her die Auffassung, ein Einsatz von Truppen an der Grenze komme nur in Frage, wenn alle anderen Möglichkeiten der Po- litik erschöpft sind. Dies wäre beispielsweise dann der Fall, wenn der Flüchtlingsstrom stark anstiege und die Schweiz kurzfristig mit einer sehr hohen Zahl zusätzlicher Immigranten konfrontiert würde. Diese Voraussetzungen erachtet der Bun- desrat im heutigen Zeitpunkt nicht als erfüllt.
6b. Mit dem dringlichen Bundesbeschluss über das Asylver- fahren vom 22. Juni 1990 wurde das Asylverfahren wirksam gestrafft. Zusammen mit dem Aktionsprogramm 1991/1992 des Bundesrates und den getroffenen personellen Massnah- men resultierte daraus eine wesentliche Beschleunigung der Asylverfahren.
6c. Nach dem Asylgesetz wird dann ein Asylverfahren eröffnet, wenn ein Ausländer in der Schweiz um Schutz vor Verfolgung nachsucht. Folglich darf die Durchführung eines Asylverfah rens nicht vom Vorliegen einer legalen Einreise abhängig ge- macht werden. Für den Vollzug von Wegweisungen sind die Kantone zuständig.
6d. Die Schaffung von Grosszentren wird vom Bundesrat ab- gelehnt, weil sie enorme organisatorische und führungsmäs- sige Probleme zur Folge hätte. Mit der Anpassung der entspre-
chenden Weisungen wurde aber dafür gesorgt, dass Asylbe- werber in aller Regel in Kollektivunterkünften untergebracht werden. Die Fragen der Erwerbstätigkeit und der Kinderzula- gen für Asylbewerber wurden im Rahmen der letzten Geset- zesrevision im Parlament ausführlich diskutiert. Die getroffe- nen Regelungen stellen den Willen des Gesetzgebers dar. Der Bundesrat hat nicht die Kompetenz, sie zu ändern. Der gefor- derte unentgeltliche Beizug von Asylbewerbern für Arbeiten im Dienste der Oeffentlichkeit würde gegen das Verbot der Zwangsarbeit verstossen, wie es in Artikel 4 der Europäischen Menschenrechtskonvention verankert ist Der Bund bemüht sich aber, sowohl kommunale Behörden als auch private Or- ganisationen zur Durchführung gemeinnütziger Beschäfti- gungsprogramme zu animieren.
6e. Nach Artikel 14a Absatz 3 Asylgesetz verteilt der Bund die Asylbewerber auf die Kantone. Inwieweit diese ihre Gemein- den zur Aufnahme von Asylbewerbern verpflichten können, ist eine Frage kantonaler Kompetenzordnungen.
6f. Wer das rechtswidrige Verweilen in der Schweiz erleichtert oder vorbereiten hilft, wird nach Artikel 23 Anag mit Gefängnis bis zu sechs Monaten und mit Busse bis zu 10 000 Franken bestraft. Wird das Delikt in Bereicherungsabsicht verübt, kön- nen Strafen bis zu drei Jahren Gefängnis und Bussen bis zu 100 000 Franken ausgesprochen werden. Die Verfolgung die- ser Tatbestände obliegt den Kantonen.
6g. Der Bundesrat ist gewillt, die humanitäre Tradition der Schweiz weiterzuführen. Eine Kündigung internationaler Ab- kommen wird deshalb nicht erwogen.
Präsident: Der Interpellant beantragt Diskussion.
Abstimmung - Vote Für den Antrag auf Diskussion Dagegen
19 Stimmen 30 Stimmen
91.3386
Interpellation Moser Umwandlung von Asylbewerbergesuchen in B-Aufenthaltsbewilligungen Transformation de demandes d'asile en permis de séjour B
Wortlaut der Interpellation vom 28. November 1991 Mit Schreiben vom 21. Dezember 1990 des Vorstehers des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements (EJPD) an die Polizeidirektionen der Kantone wurden diese aufgefordert, Asylbewerbergesuche, die Ende 1990 älter als vier Jahre wa- ren, dahingehend zu untersuchen, ob diese Gesuche aus hu- manitären Gründen in B-Aufenthaltsbewilligungen umgewan- delt werden könnten.
Ich erlaube mir deshalb, dem Bundesrat folgende Fragen zu stellen:
Was hat den Bundesrat veranlasst, den Kantonen in seinem Schreiben vom 30. Dezember 1989 eine abweichende Verfah- renspraxis in der Anwendung von Artikel 13 Buchstabe f der Verordnung über die Begrenzung der Zahl der Ausländer (BVO) zu empfehlen?
Wie viele Gesuche (von Asylgesuchstellern deren Verfahren älter als vier Jahre alt waren) wurden per 31. März 1991 dem Bundesamt für Ausländerfragen (BFA) aus den Kantonen zur Erteilung von B-Aufenthaltsbewilligungen aus sogenannten humanitären Gründen zur Gewährung vorgelegt?
Wie vielen ehemaligen Asylgesuchstellern wurde per 30. November 1991 tatsächlich eine B-Aufenthaltsbewilligung für die Schweiz erteilt?
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Interpellation Ruf Asylpolitik. Vorwürfe der kantonalen Fremdenpolizeichefs Interpellation Ruf Politique d'asile. Reproches des chefs des polices cantonales des étrangers
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Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale
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1992
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Anno
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Frühjahrssession
Session
Session de printemps
Sessione
Sessione primaverile
Rat
Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
12
Séance
Seduta
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Datum 20.03.1992 - 08:00
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