N 9 juin 1992
884
Interpellations urgentes. Exposition universelle de Séville
92.3173
Dringliche Interpellation der SD/Lega-Fraktion Schweizer Pavillon an der Weltausstellung in Sevilla Interpellation urgente du groupe DS/Ligue Exposition universelle de Séville. Pavillon suisse
92.3174
Dringliche Interpellation der Fraktion der Schweizerischen Volkspartei Schweizer Pavillon an der Weltausstellung in Sevilla Interpellation urgente du groupe de l'Union démocratique du centre Exposition universelle de Séville. Pavillon suisse
Wortlaut der Interpellation vom 2. Juni 1992
An der Weltausstellung «Expo 92» in Sevilla werden die Besu- cher vor dem Schweizer Pavillon von Damen empfangen, die ein T-Shirt mit der Aufschrift «Suiza no existe» tragen. Dies ist typisch für den geistigen Zustand einiger Leute in unserem Lande, das nach offizieller Lesart offenbar langsam, aber si- cher seiner Auflösung entgegen gehen soll. Es ist unglaublich, dass unser Land auf eine dermassen erniedrigende Art und Weise der Weltöffentlichkeit präsentiert wird. Die SD/Lega- Fraktion fordert den Bundesrat auf, dem heimatverachtenden Wirken dieser «Schweizer» Ausstellungsmacher sofort ein Ende zu setzen!
Wir fragen den Bundesrat:
Wer ist für diese «Gestaltung» des Schweizer Pavillons ver- antwortlich?
Kennt die sogenannt «künstlerische Freiheit» keine Gren- zen mehr, wo Regeln des elementaren Anstands verletzt werden?
Wie vertragen sich solch schweizerfeindlich-rassistische Bestrebungen mit den Intentionen des geplanten Antirassis- musgesetzes?
Auf welchen Termin hin wird dieser geschmacklose Tief- schlag «schweizerischen Kulturschaffens» korrigiert?
Texte de l'interpellation du 2 juin 1992
A l'exposition universelle «Expo 92» de Séville, les visiteurs sont accueillis, devant le pavillon suisse, par des dames por- tant un t-shirt sur lequel il est inscrit «Suiza no existe». Voilà qui est typique de l'état d'esprit qui anime certaines personnes dans notre pays qui, selon l'interprétation officielle, semble al- ler lentement mais sûrement vers sa dissolution. Il est incroya- ble que notre pays soit présenté sous un jour aussi dégradant sur la scène internationale. Le groupe des Démocrates suis- ses et de la Ligue des Tessinois exhorte le Conseil fédéral à mettre immédiatement un terme aux agissements des «Suis- ses» qui ont conçu ce pavillon, dénigrant ainsi «leur» pays! Nous posons les questions suivantes au Conseil fédéral:
Qui est responsable de l'«aménagement» du pavillon suisse?
La «liberté artistique» ne connaît-elle plus de limites, même lorsqu'elle viole les règles de la bienséance la plus élémen- taire?
Dans quelle mesure ces efforts, qui ont un relent de racisme et d'hostilité à l'égard de la Suisse, sont-ils compatibles avec les objectifs du projet de loi contre le racisme?
A quelle date réparera-t-on ce coup bas de mauvais goût, qui est l'oeuvre des «créateurs suisses»?
Sprecher - Porte-parole: Keller Rudolf
Wortlaut der Interpellation vom 2. Juin 1992
Unmut über die Darstellung der Schweiz anlässlich der «Expo 92» in Sevilla macht sich breit. Massive Kritik an der Ausgestaltung des Schweizer Pavillons und die dadurch ver- mittelte Botschaft über die Schweiz äussern nicht nur die schweizerische Presse und der Verband Schweizerischer Ver- kehrsvereine, sondern vor allem die Besucher. Die Meinung, die eingesetzten Gelder seien verschleudert, die Schweiz lä- cherlich gemacht und dem Besucher verächtlich dargestellt worden, überwiegt
Fragen an den Bundesrat:
Wer war verantwortlich für die praktische Umsetzung des seinerzeit von Bundesrat und Parlament beschlossenen Kon- zepts «Ikarus» für die Beteiligung an der «Expo 92»? Wer war insbesondere verantwortlich für die Innenausstattung des Schweizer Pavillons und für die Auswahl der den Besuchern zu vermittelnden Aussagen und Botschaften?
Erachtet der Bundesrat negative Aussagen über die Schweiz wie «Suiza no existe» (Bild am Eingang des Pavillons und als Aufdruck auf den T-Shirts der CH-Hostessen) oder «700 Jahre sind genug» (Leuchtschrift im Parterre des CH- Pavillons) als repräsentativ für die Schweiz und als geeignete Botschaft unseres Landes an die Welt?
Erachtet der Bundesrat die Darstellung von schweizeri- schen Qualitätsprodukten in Form von primitiven Lehm- oder Tongegenständen als aussagekräftig und informativ? Wird mit solchen und anderen Ausstellungsgegenständen wie der «Galerie aus verlotterten Stühlen» oder des «Kehricht-Glas- bodens» am Eingang zum Restaurant dem unvoreingenom menen Besucher nicht ein destruktives Bild der Schweiz ver- mittelt?
Wurden die eingesetzten Gelder bewusst lediglich für die Darstellung eines Teiles der schweizerischen Kultur bereitge- stellt? Warum kam die kulturelle Vielfalt unseres Landes nicht besser zum Ausdruck?
Beurteilt der Bundesrat den CH-Pavillon in Sevilla insge- samt als gelungen im Sinne seiner Botschaft vom 24. Oktober 1990? Oder teilt er unsere Meinung, dass der vom Parlament bewilligte Kredit von 28 Millionen Franken optimaler hätte ein- gesetzt werden können?
Ist der Bundesrat bereit, unverzüglich Sofortmassnahmen in die Wege zu leiten, um den CH-Pavillon so umzugestalten, dass der Weltöffentlichkeit ein der Wirklichkeit besser ent- sprechendes Bild über die pluralistische Schweiz vermittelt wird?
Ist der Bundesrat bereit, aus dem «Vorfall Sevilla» in dem Sinne Konsequenzen zu ziehen, als er die Kontrolle über die Ausgestaltung künftiger schweizerischer und mit Steuergel- dern finanzierter Pavillons an internationalen Ausstellungen besser gewährleistet?
Texte de l'interpellation du 2 juin 1992
L'image donnée de la Suisse à l'occasion d'«Expo 92» à Sé- ville a suscité un mécontentement général. Les critiques acer- bes formulées à l'égard de l'aménagement du pavillon suisse et du message qu'il véhicule émanent non seulement de la presse suisse et de l'Union des sociétés suisses de dévelop- pement, mais aussi des visiteurs eux-mêmes. D'une manière générale, on considère que les fonds mis à disposition ont été
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Dringliche Interpellation der SD/Lega-Fraktion Schweizer Pavillon an der Weltausstellung in Sevilla Interpellation urgente du groupe DS/Ligue Exposition universelle de Séville. Pavillon suisse
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Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale
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Jahr
1992
Année
Anno
Band
III
Volume
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Session
Sommersession
Session
Session d'été
Sessione
Sessione estiva
Rat
Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
06
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 92.3173
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Datum 09.06.1992 - 14:30
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