Postulat Gadient
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Postulat Gadient Krise im Straf- und Massnahmenvollzug Crise dans l'exécution des peines et des mesures
Wortlaut des Postulates vom 3. März 1992
Die grosse Zahl drogenabhängiger und aus den verschieden- sten Staaten stammender ausländischer Insassen, die andau- ernde Ueberbelegung vieler Anstalten und Vorfälle wie Fluch- ten und Streiks von Gefangenen machen deutlich, dass sich unser Straf- und Massnahmenvollzug in einer noch vor weni- gen Jahren kaum vorhersehbaren krisenhaften Situation be- findet, die nicht länger tatenlos hingenommen werden darf. Die insbesondere im Bereich der Untersuchungshaft teilweise notstandsähnlichen Verhältnisse erfordern eine umfassende Lageanalyse, welche auch die im Zusammenhang mit der Auf- gabenneuverteilung zwischen Bund und Kantonen getroffe- nen Entscheide im Lichte der neuen Ausgangslage auf ihre Angemessenheit überprüft und neben rechtlichen, planeri- schen und finanziellen Gesichtspunkten namentlich die Anfor- derungen an die Ausbildung des Personals der Strafanstalten einbezieht
Der Bundesrat wird deshalb eingeladen,
einen umfassenden Bericht über die heutige Situation im Straf- und Massnahmenvollzug vorzulegen,
zu prüfen, mit welchen Massnahmen der Bund wirkungsvoll dazu beitragen kann, die gegenwärtigen Probleme zu lösen, und welche Modelle für das Zusammenwirken von Bund und Kantonen im Straf- und Massnahmenvollzug in einer längerfri- stigen Perspektive geeignet scheinen,
Vorschläge dazu vorzulegen, wie eine zeitgerechte Ausbil- dung des Gefängnispersonals, allenfalls unter finanzieller Mit- beteiligung des Bundes, etwa in Form von Betriebsbeiträgen, sichergestellt werden kann.
Texte du postulat du 3 mars 1992
Le grand nombre de drogués et les détenus originaires des pays les plus divers, le surpeuplement constant de beaucoup d'établissements pénitentiaires et des incidents comme la fuite et les grèves de prisonniers sont la preuve que notre sys- tème d'exécution des peines et des mesures est en proie à une crise qui n'était guère prévisible il y a quelques années en- core. Les conditions parfois très critiques qui existent notam- ment dans le domaine de la détention préventive, exigent une analyse globale de la situation; cette analyse doit porter aussi sur les décisions prises dans le cadre de la nouvelle répartition des tâches entre la Confédération et les cantons et déterminer l'opportunité de ces décisions à la lumière des conditions ac- tuelles, en tenant compte outre des considérations d'ordre ju- ridique et d'ordre financier, de la planification et des exigences concernant la formation du personnel des établissements pé- nitentiaires.
Le Conseil fédéral est invité
à présenter un rapport circonstancié sur la situation actuelle en matière d'exécution des peines et des mesures,
à déterminer les mesures par lesquelles la Confédération peut efficacement contribuer à résoudre les problèmes qui se posent et à examiner les modèles qui favoriseraient une coo- pération à longue échéance entre la Confédération et les can- tons en matière d'exécution des peines et des mesures,
à soumettre des propositions sur la façon de garantir une for- mation moderne du personnel pénitentiaire, le cas échéant avec le soutien financier de la Confédération, par exemple sous la forme de subventions à l'exploitation.
Mitunterzeichner - Cosignataires: Bühler Robert, Cavelty, Cot- tier, Frick, Jagmetti, Kündig, Loretan, Onken, Schüle, Seiler Bernhard, Simmen, Uhlmann, Weber Monika, Zimmerli (14)
Gadient: Es geht im vorliegenden Postulat nicht darum, die Situation in den schweizerischen Anstalten zu dramatisieren, aber ich kann nicht umhin, Sie mit den harten Fakten des An- staltsalltages zu konfrontieren, Sie in den Hinterhof des schweizerischen Anwesens zu führen, der leider von der Oef- fentlichkeit weitgehend unbeachtet geblieben ist
Ich habe die schweizerischen Anstalten des Straf- und Mass- nahmenvollzuges angeschrieben, Stellungnahmen erhalten und ausgewertet und Gespräche mit Sachverständigen und Direktoren auch vor Ort geführt. Der Sachverhalt ist alarmie- rend. Es ist so, dass sich unser Straf- und Massnahmenvollzug in einer noch vor wenigen Jahren kaum vorhersehbaren kri- senhaften Situation befindet, die unter keinen Umständen län- ger tatenlos hingenommen werden darf. Die insbesondere im Bereich der Untersuchungshaft teilweise notstandsähnlichen Verhältnisse erfordern eine umfassende Lageanalyse und ent- sprechende Massnahmen.
Der Sachverhalt ist kaum entschuldbar; die Konferenz der Lei- ter von Anstalten des schweizerischen Straf- und Massnah- menvollzuges hat zu diesen dringenden Fragen bereits im Au- gust 1989 ein Grundlagenpapier erarbeitet und vorgelegt Von den Stellungnahmen der Anstaltsdirektoren, die praktisch in den wesentlichen Aussagen deckungsgleich sind, sei hier lediglich eine zitiert: «Häufig ist der in ein Untersuchungsge- fängnis Eingewiesene unvermittelt aus seiner gewohnten Um- gebung herausgerissen worden, seine Zukunft ist ungewiss und belastet ihn entsprechend. Die Suizidgefahr ist in der er- sten Haftzeit stark erhöht; zahlreiche Neueintretende sind ver- wahrlost, weisen Infektionen auf, sind krank. Da diese zumeist unter Drogeneinfluss stehen, nehmen sie die Schmerzen nicht oder nur schwach wahr. In den ersten drogenfreien Untersu- chungshafttagen drängt dann alles an die Oberfläche. Es folgt eine äusserst pflege- und personalintensive Zeit. Das Personal ist in aller Regel überfordert und nicht oder nur ungenügend ausgebildet.
Die stark angestiegene Zahl psychisch abnormer Insassen, die komplexe Drogenproblematik, Ausländer aus über 50 Na- tionen und aus allen Kulturkreisen, Ueberbelegungen bei un- terdotierten Personalbeständen lassen - als zwar nur unvoll- ständige Aufzählung - erkennen, dass wir den gegenwärtigen und auf uns zukommenden Problemen nicht gewachsen sind. Mit Notentlassungen sowie kulanter Ahndung von Verbrechen und Vergehen bekommen wir die desolate Situation im Voll- zugswesen nicht in den Griff. Derartige Massnahmen bringen zwar kurzfristig Entlastungen, sind aber rechtsstaatlich unhalt- bar und reine Symptombekämpfung.»
Die erwähnten Kontakte mit einzelnen Strafanstaltsdirektoren und der Konferenz der Leiter von Anstalten des schweizeri- schen Straf- und Massnahmenvollzugs veranlassen mich, mit aller Deutlichkeit auf diese staatspolitisch bedenkliche Situa- tion hinzuweisen, wobei ich mich auf die vier dringendsten Problemkreise in unserem Straf- und Massnahmenvollzug an Männern und Frauen beschränke:
die Ausbildungssituation und Personaldotation in den Straf- anstalten;
die lineare Kürzung der Bundessubventionen an Baubei- träge;
die Probleme der Ausländer im Strafvollzug;
schliesslich Probleme der Sicherheit, insbesondere die feh- lenden Sicherheitsabteilungen.
Das vom Laien als bedrohlichstes und zu oft vielleicht auch nur als einziges Moment erkannte Problem, nämlich die Unterbrin- gung von Insassen mit hohem Sicherheitsrisiko, steht in mei- ner Auflistung erst an vierter Stelle. Das soll jedoch nicht zur Annahme verleiten, dass die Situation also doch nicht so schlimm sein könne. Wir müssen die Nöte der Direktoren und ihres Personals vielmehr ernst nehmen, ebenso ernst nehmen wie die berechtigte Angst einzelner vor zu wenig sicher unter- gebrachten Straftätern.
Zu den erwähnten Problemkreisen:
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Postulat Gadient
braucht eine qualifizierte Berufsausbildung, braucht eine qua- lifizierte Fort- und Weiterausbildung und benötigt zudem eine permanente Begleitung und Stützung. Denn es ist das Perso- nal, es ist der Mensch im Strafvollzug, welcher den Zweck des Vollzugs, nämlich den Gefangenen auf den Wiedereintritt in die Gesellschaft vorzubereiten, zu erbringen hat.
Das Personal ist zu stützen, zu begleiten, damit es die menschlich oft kaum zu verkraftende Doppelaufgabe als Er- zieher, als Exponent des Resozialisierungsauftrages und zu- gleich als Sicherheitsbeamter, als Exponent des Präventions- auftrages, überhaupt zu erbringen vermag. Das Ausbildungs- zentrum der Stiftung Schweizerisches Ausbildungszentrum für das Strafvollzugspersonal mit Sitz in Bern wurde mit seiner Gründung im Jahre 1977 durch den Bund und durch die Kan- tone finanziert Im Rahmen des ersten Paketes der Aufgaben- neuverteilung zwischen Bund und Kantonen hat sich der Bund aus dieser Aufgabe zurückgezogen. Die Folgen sind schwerwiegend; mir scheint, sie sind unannehmbar.
Das Ausbildungszentrum befindet sich heute in einer eigentli- chen Finanzklemme, obwohl wiederholt bei den Kantonen moniert wurde. Das hat zur Folge, dass die Zahl der Ausbil- dungsplätze dem momentanen Bedarf nicht mehr genügen kann; dass das weitere Ausbildungsangebot, wie etwa die Spezialkurse für Gruppenleiter und Sozialarbeiter im Strafvoll- zug, gestrichen werden musste; die Ausbildung des Strafan- staltspersonals, die berufsbegleitend geschieht, verlangt eine entsprechende Personaldotation. Die sogenannte Grundaus- bildung erfolgt jeweils in Kursen von zweimal drei Wochen pro Jahr. Die Zeit der Abwesenheit der Kursteilnehmer muss jeweils durch anderes, zusätzliches Personal überbrückt werden.
Damit neue Mitarbeiter auch nur in die Grundausbildung ge- schickt werden können, bedarf es solchen Ablösungsperso- nals; dasselbe gilt für den ebenso wichtigen Bereich der Wei- terbildung. Auch ist festzustellen, dass eine zentrale Ausbil- dung weniger kostenaufwendig und wohl auch effizienter sein dürfte, als wenn jedes Strafvollzugskonkordat ein eigenes Ausbildungsangebot organisieren würde.
Lineare zehnprozentige Kürzung der Bundessubventionen an Bauvorhaben: Aus Kreisen, die mit den Problemen des Strafvollzuges konfrontiert sind oder sich von Amtes wegen damit zu befassen haben, ist unüberhörbar, dass im Bereich der Strafvollzugssituation ein grosser Nachholbedarf bei der baulichen Erneuerung besteht Es sind aber nicht nur bauli- che Anpassungen nötig, sondern auch Umstrukturierungen konzeptioneller Art, beides bedingt durch die alarmierenden Ueberbelegungen sowie durch die stark veränderte Zusam- mensetzung der Insassengruppen. Es ist zu befürchten, dass die 10 Prozent Subventionskürzungen unter anderem nicht nur die dringenden Einrichtungen von Sicherheitsabteilungen in verschiedenen Strafanstalten verzögern oder gar verhin- dern, sondern auch dringend notwendige Umbau- und Erwei- terungsprojekte verschiedener Anstalten in Frage gestellt wer- den. Beispiele sind etwa das Zentralgefängnis Luzern, die Strafanstalten Lenzburg, Thorberg, La Stampa, Oberschön- grün, Schachen und Hindelbank. Zudem werden die mehr als prekären Platzverhältnisse in den Untersuchungsgefängnis- sen die Kantone bestenfalls veranlassen, hier zuerst Abhilfe zu schaffen und sich erst dann mit den Problemen der Vollzugs- anstalten zu befassen. Auch hier ist koordinierte Führungsar- beit angezeigt.
Probleme der Ausländer im Strafvollzug: Der Ausländeran- teil beläuft sich gesamtschweizerisch heute in Erstmaligen- Anstalten auf 30 bis 40 Prozent, in geschlossenen Anstalten auf 70 bis 85 Prozent. In Regensdorf befinden sich zurzeit In- sassen aus 42 verschiedenen Nationen. Im Prison centrale de Fribourg sollen es 1991 35 verschiedene Nationalitäten gewe- sen sein. Der dortige Direktor weist auf die grossen Schwierig- keiten hin, die dem Personal begegnen, insbesondere auch im Hinblick auf die verschiedenen Religionen, das unter- schiedliche Brauchtum, die Aggressivität der Insassen auf- grund der Ueberbelegung, die fehlende Verfügbarkeit des Personals zugunsten der Insassen infolge der Ueberbela- stung, das Drogenproblem. Um eine gewisse Entlastung her- beizuführen, wird zu überlegen sein, unter welchen Bedingun-
gen die Verbüssung von Strafen eventuell in den Herkunftslän- dern vollzogen werden könnte oder ob auf dem Weg der Ge- setzgebung bei speziellen Delikten - über veränderte Straf- masse - eine Reduktion der Belegungszahlen anzustreben wäre.
Wenn sich das organisierte Verbrechen und der Ausländeran- teil in den nächsten fünf Jahren wie bis anhin entwickeln, sind nach kompetenter Auskunft im Bereich der Männeranstalten 40 Plätze in Sicherheitsabteilungen mit hohem Sicherheits- grad erforderlich.
Ein zentrales Sicherheitsgefängnis für die ganze Schweiz - oder je eines für die Romandie und eines für die deutsche Schweiz - dürfte aus politischen Gründen, zudem aber auch aus Gründen der Führbarkeit, ausser Betracht fallen. Zudem soll sich häufig die Notwendigkeit aufdrängen, Strafgefan- gene, insbesondere solche mit einem hohen Sicherheitsri- siko, aus den verschiedensten Gründen umzuplazieren.
Die Dezentralisation wird von den Direktoren der geschlosse- nen Anstalten bejaht, und es besteht die einmütige Bereit- schaft aller Strafanstalten, sich im Bedarfsfall entsprechende Sicherheitsabteilungen anzugliedern und sofort eine koordi- nierte Planung an die Hand zu nehmen.
So weit meine exemplativen Hinweise auf eine Situation, die nicht nur aus Sicherheitsgründen, sondern aus Gründen der Menschenwürde, aber auch um unseres Rechtsstaates willen dringender Korrektur bedarf.
Ich bitte den Bundesrat, das Postulat entgegenzunehmen, und Sie alle, dasselbe zu überweisen, damit die geforderten Massnahmen auf der Grundlage umfassender Erhebung und Analyse möglichst bald in die Wege geleitet werden können.
Bundesrat Koller: Der Bundesrat teilt die Sorgen des Po- stulanten. Es ist tatsächlich so, dass in letzter Zeit im Straf- und Massnahmenvollzug besonders viele kritische Situationen und schwierige Probleme aufgetreten sind. Ich glaube, der Bundesrat kann sich dieser Aufgabe nicht ganz entziehen, ob- wohl natürlich gesagt werden muss, dass nach unserer Ver- fassung der Straf- und Massnahmenvollzug ganz klar Sache der Kantone und nicht des Bundes ist.
Aber dem Bund erwachsen ja schon gewisse Verpflichtungen aus den völkerrechtlichen Verträgen, die er eingegangen ist, beispielsweise im Rahmen der Folterkonvention, und wir lei- sten auch bereits heute im Erwachsenenvollzug massgebli- che Baubeiträge.
Ich gehe aufgrund einiger Anstaltsbesuche, die ich persönlich gemacht habe, mit Herrn Ständerat Gadient auch einig, dass vor allem der grosse Ausländeranteil in unseren Gefängnissen ganz besondere Probleme stellt und dadurch auch den Grundgedanken der Resozialisierung in Frage stellt. Vor die- sem Hintergrund sind wir bereit, das Postulat entgegenzu- nehmen.
Dazu noch einige wenige Bemerkungen. Im Nachgang zum Besuch des «Europäischen Ausschusses zur Verhütung der Folter und unmenschlicher und erniedrigender Behandlung oder Strafe» hat sich die Erarbeitung eines Konzeptes über die Zusammenarbeit zwischen Bund und Kantonen auf diesem Gebiete aufgedrängt Diese Arbeiten sind heute bereits im Gange. Ich hoffe, dass wir Ihnen dieses Konzept zu Beginn des nächsten Jahres vorlegen können. Dabei sind auch ver- fassungsmässige und völkerrechtliche Grundsatzfragen zu behandeln. Es geht dabei zudem um ein Konzept, das in en- ger Zusammenarbeit mit den Anstaltsleitern, den kantonalen und Konkordatsbehörden zu erarbeiten ist, damit es sich auf einen breiten Konsens stützen kann.
Eine kurze Bemerkung zur Ausbildungsproblematik: Sie wis- sen, dass mein Departement bis zur Neuverteilung der Aufga- ben zwischen Bund und Kantonen im Rahmen des «Bundes- gesetzes über Beiträge an Strafvollzugs- und Erziehungsan- stalten» das Ausbildungszentrum für das Strafvollzugsperso- nal finanziell unterstützt hat. Mit der Aufgabenneuverteilung ist
Postulat Jagmetti
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diese Subvention dann aber dahingefallen. Im Rahmen der parlamentarischen Beratung hat man es auch ganz klar abge- lehnt, auf diese Frage zurückzukommen. Aber wir werden im Rahmen des Berichtes, den Sie wünschen, auch diese Frage noch einmal prüfen. In diesem Sinne bin ich im Namen des Bundesrates bereit, das Postulat entgegenzunehmen.
Ueberwiesen - Transmis
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Postulat Jagmetti Verschärfte Emissionsbegrenzungen für Fahrzeuge Limitations plus sévères des émissions de gaz d'échappement des véhicules
Wortlaut des Postulates vom 20. März 1992
Der Bundesrat wird eingeladen, den nächsten Schritt zur Sen- kung der Abgasemissionen von Motorfahrzeugen zu prüfen, damit in Auswertung neuer technischer Erkenntnisse wenig- stens die verstärkte Belastung der Atmosphäre durch die grös- sere Zahl von Fahrzeugen kompensiert werden kann. Na- mentlich ist auf nationaler und internationaler Ebene zu sor- gen für:
die Verschärfung der Emissionsgrenzwerte für Kohlenmon- oxid, Kohlenwasserstoffe und Stickoxid sowie die Gewährlei- stung ihrer Einhaltung auch ausserhalb von Prüfbedingun- gen;
die Gestaltung der Prüfung in einer Weise, welche die Dau- erbelastung der emissionsrelevanten Bauteile und Einstellun- gen besser erfasst;
die konsequente Bevorzugung verbrauchsarmer Fahr- zeuge bei der fiskalischen Belastung und bei anderen Anord- nungen, um auf diesem Weg auch den Ausstoss von Kohlen- dioxid zu senken.
Texte du postulat du 20 mars 1992
Le Conseil fédéral est invité à examiner comment franchir un nouveau pas dans la réduction des émissions de gaz d'échap- pement des véhicules à moteur, afin de compenser au moins l'accroissement de la pollution atmosphérique due au nombre toujours plus grand de véhicules par l'application des nouvel- les connaissances techniques. Il faut notamment, aux niveaux national et international:
abaisser les valeurs limites des émissions de monoxyde de carbone, d'hydrocarbures et d'oxydes d'azote et faire en sorte qu'elles soient respectées même en dehors des contrôles;
concevoir les contrôles de telle sorte que la pollution perma- nente inhérente aux éléments de construction et aux réglages soit enregistrée plus précisément;
imposer moins lourdement les véhicules consommant peu de carburant et les favoriser également par d'autres disposi- tions, afin de réduire aussi de cette façon les émissions de dioxyde de carbone.
Mitunterzeichner - Cosignataires: Beerli, Bühler Robert, Bütti- ker, Loretan, Petitpierre, Salvioni, Schiesser, Schüle (8)
Jagmetti: In Rio sind Tausende von Menschen am Umwelt- Erdgipfel versammelt. Wir sind etwas weniger zahlreich, um über Umweltprobleme zu sprechen. In Rio geht es um die glo- balen Probleme im Zusammenhang mit dem Kohlendioxid- Kreislauf, während mein Postulat die Umweltbelastung in un- serem unmittelbaren Umfeld mit Kohlenmonoxid, Stickoxid und Kohlenwasserstoffen betrifft, also den Ausgangsstoffen für Ozon, das uns dann in einigen Wochen vermutlich wieder beschäftigen wird.
Globale Probleme und Probleme in unserer unmittelbaren Nähe sind nicht gegeneinander auszuspielen, sondern müs- sen uns beide beschäftigen. Wenn mein Postulat dabei nur eine Emissionsquelle betrifft, so verkenne ich die Bedeutung der anderen Emissionsquellen damit natürlich nicht. Mein Wunsch umfasst nationale Massnahmen und ein Engage- ment auf der internationalen Ebene.
Wir können für uns entscheiden. Nur reicht das nicht, denn wir wissen natürlich, dass wir Fahrzeuge über den Welthandel be- ziehen und demgemäss auch auf internationale Entwicklun- gen angewiesen sind. Nach Auskunft von Fachleuten besteht in der Industrie ein Orientierungsmangel, weil sie nicht weiss, welche Entwicklungen mit Schwergewicht zu fördern sind. Klarheit ist im Hinblick auf den Zeit- und Geldbedarf für Neue- rungen von grosser Bedeutung. So lade ich den Bundesrat ein, auch auf internationaler Ebene zu wirken. Ich denke dabei insbesondere an die Wirtschaftskommission Europa der Ver- einten Nationen, wo ja sämtliche europäischen und nordame- rikanischen Staaten zusammenarbeiten und wo auch bisher die Umweltprobleme im kontinentalen Bereich erörtert wor- den sind.
Mein Postulat gilt erstens den Autoabgasen in der Schweiz. Wir gelten hier als vorbildlich; indessen hat dieses Vorbild Krat- zer. Wir haben die Emissionsgrenzwerte nur relativ durch Be- stimmung der höchstzulässigen Schadstoffkonzentration fest- legen können. Das war nicht anders möglich. Wenn aber im- mer mehr Fahrzeuge in Verkehr gesetzt werden und es Mode wird, nur noch mit einem Grossfahrzeug mit Vierradantrieb herumzufahren, steigen eben der Verbrauch und damit die Be- lastung. Dabei schreitet aber die Technik rasch voran. In ei- nem Staat, der zweifellos nicht rückständig ist, werden denn auch neue Regeln geplant und in Kraft gesetzt
Ich möchte vor allem auf die kalifornischen Entwicklungen hin- weisen, die auf das «low emission vehicle» ausgerichtet sind, und das Programm, das dort für die Jahre 1994 bis 1997 ge- plant ist. Ich bin der Meinung, dass wir ruhig unsere Vorbild- funktion weiterführen und uns diesen modernen Techniken und Möglichkeiten anschliessen sollten.
Zum zweiten visiere ich das Prüfverfahren an, das meines Erachtens seinerseits geprüft werden muss. Die ursprüngli- chen Annahmen haben sich nicht alle als zutreffend erwiesen, weil das Fahrverhalten anders war, als man angenommen hatte. So drängt sich hier eine Untersuchung auf, um das zu erfassen, was tatsächlich geschieht. Dabei gilt es vor allem, die emissionsstarken Bauteile und die Wirkung in der Dauer- belastung zu prüfen, damit wir am Schluss nicht nur gute Re- geln, sondern auch Fahrzeuge haben, die nicht nur am An- fang ihrer Betriebsdauer in Ordnung sind, sondern auch in der Dauerbelastung.
Zum dritten visiere ich die fiskalische Belastung an, die meines Erachtens nach Umweltgesichtspunkten abgestuft werden sollte. Das mache ich nicht zum ersten Mal. Für die vor einem Jahr gescheiterte Finanzvorlage hatte ich das schon in der Kommission empfohlen. Ich bin damals gescheitert. Aber ich bin der Meinung, «nöd lugg lah günnt», und ich werde wieder- kommen, wenn es notwendig ist. Denn mir scheint das eine sehr zweckmässige Art zu sein, das Verursacherprinzip zu ver- wirklichen.
Ich möchte mit meinem Postulat zeigen, dass wir auch auf dem bisher eingeschlagenen Weg fortfahren könnten. Das ist heute nicht durchweg Mode. Die einen wollen einfach verbie- ten, die anderen empfehlen marktwirtschaftliche Mittel, wie zum Beispiel eine massive Erhöhung der Kosten des Motor- fahrzeugverkehrs.
Ich habe gegen marktwirtschaftliche Mittel an sich nichts ein- zuwenden, zweifle allerdings daran, ob wir dabei mit sehr viel weniger Vorschriften auskommen als auf dem bisher einge- schlagenen Weg. Vor allem aber sind marktwirtschaftliche Mit- tel meines Erachtens keine Gegenposition zu Grenzwerten, sondern sollten diese ergänzen. Denn wir müssen festlegen, welche Emissionen statthaft sind und welche nicht; damit schaffen wir rein marktwirtschaftlich auch die Bedingungen für die Teilnahme am Markt. Mit der Abstufung der Abgaben nach den Emissionsstärken werden wir im übrigen auch einen Bei- trag marktwirtschaftlicher Art leisten.
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1992
Année
Anno
Band
III
Volume
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Session
Sommersession
Session
Session d'été
Sessione
Sessione estiva
Rat
Ständerat
Conseil
Conseil des Etats
Consiglio
Consiglio degli Stati
Sitzung
04
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 92.3060
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum
04.06.1992 - 08:00
Date
Data
Seite
389-391
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Pagina
Ref. No
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