N 9 octobre 1992
2202
Interpellation du groupe libéral
Präsident: Der Interpellant beantragt Diskussion.
Abstimmung - Vote Für den Antrag auf Diskussion Dagegen Verschoben - Renvoyé
60 Stimmen 48 Stimmen
92.3164
Interpellation der liberalen Fraktion Pilotversuch mit Drogenabhängigen Interpellation du groupe libéral Expérience pilote sur des drogués
Wortlaut der Interpellation vom 1. Juni 1992
Im Mai wurde der Beschluss des Bundesrates bekannt, in ei- nem Pilotversuch einigen hundert Drogenabhängigen unter ärztlicher Kontrolle Betäubungsmittel, darunter auch Heroin, abzugeben. Die liberale Fraktion stellt dem Bundesrat dazu folgende Fragen:
Wie werden die am Versuch teilnehmenden Personen über die damit verbundenen Risiken informiert?
Welche Informationen und Zusicherungen erhalten die Be- troffenen, um die von der medizinischen Ethik verlangte be- wusste Einwilligung geben zu können?
Wie vergewissert sich der Bundesrat, dass diese Einwilli- gung gegeben wurde?
Wird die Behandlung in geschlossenen Institutionen durch- geführt, um jedes Risiko für die Teilnehmenden und ihre Um- gebung zu vermeiden?
Welche Massnahmen sieht der Bundesrat für den Fall vor, dass ein Teilnehmer den Versuch abbricht?
Wie lange muss der Versuch mindestens dauern, damit dar- aus glaubwürdige Schlüsse gezogen werden können?
Unter welchen Bedingungen wird der Bundesrat das Ge- samtresultat als positiv bewerten?
Wird der Bundesrat, falls das Ergebnis des Versuchs nicht als positiv beurteilt wird, definitiv auf dessen Weiterführung verzichten?
Welche Massnahmen sieht der Bundesrat für die am Ver- such beteiligten Personen vor, wenn dieser beendet ist?
Texte de l'interpellation du 1er juin 1992
Ayant appris la décision du Conseil fédéral, en mai dernier, de soumettre plusieurs centaines de drogués à une expérience pilote comportant la prescription, sous contrôle médical, d'au- tres stupéfiants, dont l'héroïne, le groupe libéral pose au Conseil fédéral les questions suivantes:
De quelle manière les personnes soumises à l'expérience seront-elles informées des risques liés à l'expérience?
Quelles informations et quelles assurances les intéressés recevront-ils pour pouvoir donner le «consentement éclairé» requis par les normes d'éthique médicale?
Comment le Conseil fédéral s'assurera-t-il que le «consen- tement éclairé» a été donné?
Le traitement sera-t-il effectué en mileu fermé afin d'éviter tous les risques tant pour les volontaires que pour leur environ- nement?
Quelle(s) mesure(s) le Conseil fédéral prévoit-il lorsqu'un volontaire renoncera en cours d'expérience?
Quelle durée minimale l'expérience doit-elle avoir pour qu'un résultat crédible puisse être tiré?
A quelles conditions un résultat global sera-t-il jugé positif? 8. Si le résultat de l'expérience n'est pas jugé positif, le Conseil fédéral renoncera-t-il définitivement à cette expérience?
Quelle(s) mesure(s) le Conseil fédéral prévoit-il, en ce qui concerne les personnes soumises à expérimentation, lorsque cette expérience sera terminée?
Sprecherin - Porte-parole: Sandoz
Schriftliche Begründung
Obwohl diese Methode im Ausland keine überzeugenden Er- gebnisse zeitigte, will der Bundesrat einen Pilotversuch mit mehreren hundert Drogenabhängigen durchführen lassen; unter ärztlicher Kontrolle sollen neben Methadon auch andere Betäubungsmittel, namentlich Heroin, abgegeben werden. Bei der Abgabe dieser unter Umständen tödlichen Substanz stützt sich der Bundesrat auf eine unsichere Basis (vgl. Seite 1 und 2 oben des Pressecommuniqués vom Mai 1992).
Es ist unerlässlich, wenigstens die Menschen zu schützen, die an diesem Versuch teilnehmen. Der Versuch soll im Herbst 1992 beginnen; es ist dringend, vorher dafür zu sorgen, dass ein unerlässliches Minimum an Vorsichtsmassnahmen ergrif- fen wird, um die Rechte der Drogenabhängigen und den Schutz der Umgebung zu sichern. Dies ist das Ziel der dringli- chen Interpellation der liberalen Fraktion.
Développement par écrit
Bien que la méthode n'ait pas donné de résultats probants à l'étranger, le Conseil fédéral entend soumettre plusieurs cen- taines de drogués à une expérience pilote comportant sous contrôle médical la prescription d'autres stupéfiants que la méthadone et en particulier de l'héroïne. Pour distribuer offi- ciellement cette substance éventuellement mortelle, le Conseil fédéral s'appuie sur une base chancelante (voir pages 1 et 2 en haut du communiqué de presse de mai 1992). Il est indispensable de veiller au moins à protéger les humains, objets de cette expérience. Celle-ci devant débuter à l'au- tomne 1992, il est urgent de s'assurer qu'un minimum indis- pensable de précautions sera pris, permettant le respect des droits des drogués et la protection de leur environnement. Tel est le but de l'interpellation urgente du groupe libéral.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 15. Juni 1992
1 .- 3. Die wissenschaftlichen Versuche mit der ärztlichen Ver- schreibung von Betäubungsmitteln müssen obligatorisch der nationalen Ethikkommission der Schweizerischen Akademie der medizinischen Wissenschaften unterbreitet werden. Wie jeder andere klinische Versuch werden sie also den von dieser Akademie aufgestellten Richtlinien genügen müssen; darin sind die Anforderungen an die Aufklärung und des «informed consent» im einzelnen festgelegt.
Die strengen Anforderungen der Akademie müssen erfüllt sein, und eine schriftliche Einwilligung der Ethikkommission muss vorliegen, bevor der Kanton und das Bundesamt für Ge- sundheitswesen ihr Einverständnis geben. Eine dieser Anfor- derungen ist der Nachweis eines genügenden Haftpflichtver- sicherungsschutzes für die Probanden.
Die Probanden müssen namentlich über die Risiken von Ueberdosen aufgeklärt werden, denen sie sich aussetzen, falls sie daneben zusätzlich noch illegal Drogen konsumieren. Eine eingehende Information über die Wirkungsweise von He- roin und anderen Betäubungsmitteln wird ebenfalls erfolgen. Die Probanden werden weiter darüber aufgeklärt, dass sie je- derzeit die Möglichkeit haben, aus dem Projekt auszusteigen. Patienten, für die eine Teilnahme an einem solchen Projekt ein besonderes Risiko darstellen könnte, namentlich jene, die un- ter psychischen Störungen leiden (z. B. akute Schizophrenie, affektive Psychose, Epilepsie), werden nicht zugelassen.
Die Behandlung kann ebensogut ambulant wie auch statio- när durchgeführt werden, wie dies Erfahrungen aus dem Aus- land zeigen. Die Injektion von Betäubungsmitteln wird in je- dem Fall unter medizinischer Aufsicht erfolgen, so dass bei
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Interpellation Gonseth
Zwischenfällen sofort interveniert werden kann. Injizierbare Betäubungsmittel werden in keinem Fall an Abhängige zur Mitnahme abgegeben.
Die Projekte müssen derart in ein Behandlungs- und Be- treuungskonzept eingebettet werden, dass Personen, die bei diesen Programmen nicht zugelassen werden, wie auch jene, die sie verlassen, umgehend einer anderen Hilfe zugeführt werden können.
Die Fachexperten erachten eine Versuchsdauer von drei Jahren als notwendig, um wissenschaftlich fundierte Schlüsse ziehen zu können. Dies bedeutet indessen nicht, dass die Ver- suchsteilnehmer während drei Jahren Betäubungsmittel me- dizinisch verabreicht erhalten. Hier zeigen ebenfalls Erfahrun- gen aus dem Ausland wie auch jene, die mit Methadon ge- macht wurden, dass ein grosser Teil der behandelten Perso- nen zu anderen Behandlungsformen bewogen werden kann (orale Methadonaufnahme oder Entwöhnung), oder gar in kürzester Zeit den Drogenkonsum völlig aufgibt.
Die wichtigsten Erfolgsindikatoren für die Versuche sind fol- gende:
a. überprüfbare Verbesserungen des Risikoverhaltens bezüg- lich Ansteckung mit und Weiterübertragung von HIV;
b. überprüfbare Verbesserung des physischen und psychi- schen Gesundheitszustandes;
c. überprüfbare Verbesserung der Lebensbedingungen und der sozialen Integration (Arbeitsfähigkeit, Abstandnehmen von der Drogenszene, Verringerung des deliktischen Verhal- tens).
Diese Indikatoren sind individuelle Massstäbe. Im übrigen werden die Durchführbarkeit und die Annehmbarkeit der Pro- jekte im jeweiligen sozialen Umfeld erhoben.
Gewiss.
Diejenigen Teilnehmer, die alsdann noch in Behandlung mit verschriebenen Betäubungsmitteln stehen, sollen in andere sozialmedizinische Betreuungsprogramme aufgenommen werden können.
Rapport écrit du Conseil fédéral du 15 juin 1992
1 .- 3. Les essais scientifiquement contrôlés avec prescription médicale de stupéfiants devront obligatoirement être soumis à la Commission nationale d'éthique de l'Académie suisse des sciences médicales. Ils devront donc se conformer, comme tout essai clinique, aux règles standard établies par cette Aca- démie, qui précisent de manière détaillée les notions d'infor- mation et de «consentement éclairé».
Les exigences de l'Académie devront être strictement satisfai- tes et un avis écrit de la Commission d'éthique devra être ob- tenu avant que le canton et que l'Office fédéral de la santé pu- blique donnent leur accord. Une de ces exigences concerne l'attestation d'une couverture suffisante en responsabilité ci- vile quant aux risques des participants aux essais.
En l'occurrence, il importera notamment de donner des infor- mations sur les risques d'overdose, qui pourraient survenir si les participants consomment en outre des drogues du marché noir. Une information précise sur les effets de l'héroïne ou de tout autre produit sera également donnée. Les participants se- ront également informés qu'ils pourront en tout temps quitter les programmes. Les patients pour qui la participation à un tel projet constituerait un risque, notamment ceux souffrant de troubles psychiques (p. ex. schizophrénie aigüe, psychose af- fective, épilepsie) ne seront pas acceptés dans ces projets.
Le traitement peut être aussi bien effectué de manière am- bulatoire qu'en milieu stationnaire, comme le montrent les ex- périences acquises à l'étranger. L'injection de stupéfiants aura toujours lieu sous surveillance médicale, de sorte de pou- voir intervenir en cas d'incident La remise aux toxicodépen- dants de stupéfiants injectables à emporter est exclue.
Les projets devront être intégrés dans un réseau de traite- ment et prise en charge, de sorte que les personnes qui ne se- ront pas acceptées dans ces programmes ainsi que celles qui décideront de les quitter puissent être prises en charge sans délai dans d'autres formes de programmes d'assistance.
Les experts admettent qu'une durée des essais de trois ans est nécessaire pour pouvoir tirer des conclusions scientifique-
ment fondées. Cela ne signifie pas toutefois que les partici- pants recevront pendant trois ans des stupéfiants sous contrôle médical. Là également, les expériences étrangères, ainsi que celles faites avec la méthadone, montrent qu'une proportion importante des personnes traitées peut être moti- vée à passer à une forme différente de traitement (méthadone orale ou sevrage, par exemple) ou même cessent de consom- mer des drogues, dans un délai plus court
a. amélioration vérifiable des comportements à risques relatifs à l'infection et à la retransmission du virus HIV;
b. amélioration vérifiable de l'état de santé physique et psychique;
c. amélioration vérifiable des conditions de vie et d'intégration sociale (capacité à travailler, distanciation de la scène de la drogue, diminution du comportement délictuel).
Ces paramètres sont des mesures individuelles. Par ailleurs, on évaluera la faisabilité et l'acceptabilité des projets dans leur environnement social.
Certainement.
Les participants qui seront encore en traitement avec pres- cription de stupéfiants devront pouvoir être intégrés dans d'autres programmes d'assistance et de prise en charge mé- dico-sociale.
Präsident: Die Interpellanten beantragen Diskussion.
Abstimmung - Vote Für den Antrag auf Diskussion Dagegen Verschoben - Renvoyé
offensichtliche Mehrheit Minderheit
92.3271
Interpellation Gonseth Auswirkungen von Gentech-Lebensmitteln
Denrées alimentaires transgéniques. Effets sur l'homme et l'animal
Wortlaut der Interpellation vom 18. Juni 1992
Die Gentechnologie ist eine noch sehr junge Wissenschaft Meines Wissens gibt es kaum wissenschaftliche Unterlagen über die Auswirkungen auf Mensch und Tier von Lebensmit- teln, in deren Verarbeitungsprozessen gentechnisch herge- stellte Stoffe eingesetzt werden, oder von Lebensmitteln aus gentechnologisch veränderten Pflanzen und Tieren (im fol- genden Gentech-Lebensmittel genannt). Als mögliche Aus- wirkungen werden diskutiert: Zunahme von Allergien, Kanze- rogenität, Nebenwirkungen auf die Verdauung, Nebenwirkun- gen des veränderten Nährstoffgehaltes auf Wachstum und Er- nährungszustand usw. Unbekannt ist auch, welchen Einfluss solche Lebensmittel auf die Nahrungsketten haben werden oder wie sich das Zusammenwirken verschiedener gleichzei- tig eingenommener Gentech-Lebensmittel auswirken wird. Fachleute schätzen, dass über die gesundheitlichen Auswir- kungen auf Mensch und Tier erst langfristig, das heisst in zehn bis zwanzig Jahren, geurteilt werden kann. Das Ausmass un- seres Unwissens ist heute also riesig und nicht abschätzbar. In einem Artikel von Mitarbeitern des Bundesamtes für Ge- sundheitswesen (A. Baumgartner und J. Schlatter: «Anwen- dung der Gentechnik in der Lebensmittelproduktion und -ver- arbeitung», Mitteilung Gebiete Lebensmittel-Hygiene, 2/1992) werden all diese ungeklärten Fragen nicht diskutiert. Statt des- sen werden KritikerInnen diffamiert; z. B .: «Die neue Technolo- gie fand dabei nicht nur Befürworter, sondern sie erzeugte
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
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Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale
Jahr
1992
Année
Anno
Band
V
Volume
Volume
Session
Herbstsession
Session
Session d'automne
Sessione
Sessione autunnale
Rat
Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
17
Séance
Seduta
Geschäftsnummer
92.3164
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum 09.10.1992 - 08:00
Date
Data
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2202-2203
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