N 17 décembre 1992
2698
Guerre en ex-Yougoslavie. Interpellations
Antrag der Kommission
Die Kommission beantragt deshalb, die Behandlungsfrist für die parlamentarischen Initiativen 90.240, 91.429 und 92.412 entsprechend zu verlängern.
Proposition de la commission
La commission propose de prolonger le délai pour le traite- ment des initiatives parlementaires 90.240, 91.429 et 92.412, dans les limites indiquées ci-dessus.
Angenommen - Adopté
92.3473
Dringliche Interpellation Haering Binder Krieg in Ex-Jugoslawien Interpellation urgente Haering Binder Guerre en ex-Yougoslavie
Wortlaut der Interpellation vom 1. Dezember 1992 Ein Ende des Krieges oder gar ein Frieden im ehemaligen Ju- goslawien ist nicht absehbar. Hunderttausende sind auf der Flucht vor Gewalt, systematischer Vernichtung, Vergewalti- gung, Hunger und Kälte. Unsere Möglichkeiten, die Not in Ju- goslawien zu mildern und zum Frieden beizutragen, mögen beschränkt sein - aber: Wir sind nicht ohnmächtig. Und es ist unsere moralische und politische Pflicht, alle Möglichkeiten der Hilfe auszuloten und zu ergreifen.
Wir stellen deshalb dem Bundesrat die folgenden Fragen:
Ist der Bundesrat bereit, die Anzahl Flüchtlinge, die in nächster Zeit bei uns aufgenommen werden, massiv zu erhöhen?
diese sexuelle Gewalt als Kriegsverbrechen zu verurteilen und sich mit allen zur Verfügung stehenden diplomatischen und politischen Mitteln dafür einzusetzen, dass Vergewalti- gung im Krieg zum Kriegsverbrechen erklärt und vor den Inter- nationalen Gerichtshof gebracht wird?
Vergewaltigung, sexuelle Gewalt und die Verletzung der se- xuellen Selbstbestimmung von Frauen endlich als Flucht- grund zu anerkennen und den Opfern dieser Gewalt Asyl zu gewähren?
Welche Massnahmen vor Ort hat der Bundesrat bereits ergrif- fen, und welche konkreten Möglichkeiten sieht er, um dieses Engagement auszubauen?
Ist der Bundesrat bereit, einen Sonderkredit in der Höhe von 20 Millionen Franken zuhanden des EDA zur verstärkten Hilfe vor Ort zu sprechen?
Ist der Bundesrat bereit, diese Kräfte zu unterstützen und sich dafür einzusetzen, dass diese Kräfte auch auf internationaler Ebene in alle Friedensverhandlungen einbezogen werden?
Ist der Bundesrat bereit, einen einmaligen Kredit zuhanden der Uno zu sprechen, damit die Stationierung von Uno-Blau- helm-Truppen in Kosovo und Mazedonien ermöglicht werden kann?
Texte de l'interpellation du 1er décembre 1992
La paix ou, du moins, la fin de la guerre en ex-Yougoslavie ne sont pas pour demain. Des centaines de milliers d'êtres hu- mains fuient la violence, la politique d'extermination systémati- que, les viols, la faim et le froid. Si nous ne disposons que de moyens limités pour atténuer ces souffrances et contribuer au rétablissement de la paix, nous ne sommes toutefois pas im- puissants. En outre, nous avons l'obligation morale et politi- que de faire tout ce qui est en notre pouvoir pour prêter main- forte à ces populations.
C'est pourquoi nous posons les questions suivantes au Conseil fédéral:
Le Conseil fédéral est-il prêt à augmenter massivement le nombre de réfugiés qui seront accueillis chez nous ces pro- chains temps?
Le Conseil fédéral est-il prêt
à condamner ces violences sexuelles au même titre que des crimes de guerre et à s'engager, par tous les moyens diploma- tiques et politiques, pour que les viols commis en temps de guerre soient considérés comme des crimes de guerre et que la Cour internationale puisse être saisie de ces cas?
à reconnaître enfin le viol, les violences sexuelles et les at- teintes à la libre détermination des femmes en matière sexuelle comme motifs de fuite et à accorder l'asile aux victi- mes de ces actes de violence?
Le Conseil fédéral est-il prêt à octroyer au DFAE un crédit spé- cial de l'ordre de 20 millions de francs pour lui permettre de renforcer l'aide sur place?
Le Conseil fédéral est-il prêt à soutenir ces efforts et à s'enga- ger afin qu'ils soient pris en compte dans toutes les négocia- tions de paix sur le plan international?
Le Conseil fédéral est-il prêt à débloquer un crédit unique en faveur de l'ONU afin de permettre le stationnement de cas- ques bleus au Kosovo et en Macédoine?
Mitunterzeichner - Cosignataires: Aubry, Bühlmann, Dor- mann, Aguet, Bär, Baumann, Baumberger, Bäumlin, Bégue- lin, Berger, Bircher Peter, Bircher Silvio, Blatter, Bodenmann, Brügger Cyrill, Brunner Christiane, Bundi, Bürgi, Caccia, Ca- robbio, Caspar-Hutter, Columberg, Comby, Cotti, Daepp, Da- nuser, Darbellay, de Dardel, Deiss, Diener, Dünki, Duvoisin, Eggenberger, Fankhauser, Fasel, von Felten, Fischer-Sursee, Gardiol, Gobet, Goll, Gonseth, Grendelmeier, Gross Andreas, Grossenbacher, Guinand, Hafner Rudolf, Hafner Ursula, Hal- ler, Hämmerle, Heberlein, Herczog, Hollenstein, Hubacher, Iten Joseph, Jaeger, Jeanprêtre, Jöri, Keller Anton, Kühne, Le- dergerber, Leemann, Leuenberger Ernst, Leuenberger Moritz, Loeb François, Maeder, Marti Werner, Matthey, Mauch Ursula,
Krieg in Ex-Jugoslawien. Interpellationen
2699
Meier Hans, Meier Samuel, Meyer Theo, Misteli, Mühlemann, Nabholz, Philipona, Raggenbass, Rebeaud, Rechsteiner, Ro- bert, Ruffy, Sandoz, Scheidegger, Schmid Peter, Schmied Walter, Seiler Rolf, Stamm Judith, Steiger, Strahm Rudolf, Su- ter, Theubet, Thür, Tschäppät Alexander, Tschopp, Wanner, Weder Hansjürg, Wiederkehr, Wittenwiler, Ziegler Jean, Zölch, Züger, Zwygart (101)
Schriftliche Begründung - Développement par écrit Die Urheberin verzichtet auf eine Begründung und wünscht eine schriftliche Antwort.
92.3474
Dringliche Interpellation Daepp Vergewaltigung als Kriegsverbrechen (Ex-Jugoslawien) Interpellation urgente Daepp Le viol considéré comme crime de guerre (ex-Yougoslavie)
Wortlaut der Interpellation vom 1. Dezember 1992
Monate schon dauert der Krieg im ehemaligen Jugoslawien, mit unverminderter Härte wird auch gegen die Zivilbevölke rung vorgegangen.
In den Medien häufen sich in letzter Zeit Berichte über unfass- bare und mit System ausgeführte Brutalitäten, denen Frauen ausgesetzt sind.
Die Massenvergewaltigungen und das bewusste Schwängern dieser Frauen als «ethnische Säuberungen» zu bezeichnen, ist reiner Zynismus.
Ich frage den Bundesrat an:
Sind Sie bereit, diese sexuelle Gewalt als Kriegsverbrechen zu verurteilen und sich mit allen zur Verfügung stehenden diplo- matischen und politischen Mitteln dafür einzusetzen, dass Ver- gewaltigung im Krieg zum Kriegsverbrechen erklärt wird und vor den Internationalen Gerichtshof gebracht wird?
Texte de l'interpellation du 1er décembre 1992
La guerre fait rage dans l'ex-Yougoslavie depuis de nombreux mois et la population civile en subit les violences sans disconti- nuer.
La presse a récemment rapporté à maintes reprises la manière dont les femmes sont systématiquement soumises à d'in- concevables actes de brutalité.
Qualifier les viols commis en masse et la fécondation intention- nelle de ces femmes d'«épurations ethniques» est d'un incom- mensurable cynisme.
Je demande donc au Conseil fédéral s'il est disposé à condamner cette violence sexuelle au même titre qu'un crime de guerre et à recourir à tous les moyens possibles, notam- ment sur les plans diplomatique et politique, pour que les viols en temps de guerre soient considérés comme des crimes de guerre et puissent, en tant que tels, être portés devant la Cour internationale de justice.
Mitunterzeichner - Cosignataires: Aregger, Aubry, Bär, Baum- berger, Bäumlin, Binder, Borer Roland, Borradori, Bortoluzzi, Bühlmann, Danuser, Dormann, Dünki, Fankhauser, Fehr, Fischer-Hägglingen, Frey Walter, Grossenbacher, Haering Binder, Hari, Jaggi Paul, Jenni Peter, Kühne, Leuenberger Ernst, Maspoli, Oehler, Robert, Ruckstuhl, Rutishauser, San- doz, Schmied Walter, Seiler Hanspeter, Spoerry, Stamm Ju- dith, Stucky, Suter, Vetterli, Wick, Wittenwiler, Wyss William, Zölch, Zwygart (42)
Schriftliche Begründung - Développement par écrit Die Urheberin verzichtet auf eine Begründung und wünscht eine schriftliche Antwort.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates zu den Vorstössen 92.3473 und 92.3474 vom 14. Dezember 1992 Rapport écrit du Conseil fédéral concernant les interventions 92.3473 et 92.3474
du 14 décembre 1992
Zunächst ist festzustellen, dass sich insgesamt zurzeit rund 300 000 Menschen aus dem früheren Jugoslawien in unserem Land befinden. Darunter sind über 70 000 Personen, deren Aufenthalt unmittelbar als Kriegsfolge zu bezeichnen ist und entsprechend unbürokratisch geregelt wurde. Daneben nimmt die Schweiz im Rahmen von bereits beschlossenen und teilweise noch in Ausführung begriffenen Sonderaktionen rund 3500 Bürgerkriegsopfer auf, denen aus humanitären Gründen, ohne Rücksicht auf ihren Aufenthaltsstatus, der Nachzug ihrer Familienangehörigen bewilligt wird. Auch ohne einen zusätzlichen Aufnahmebeschluss des Bundesrates wird deshalb die Zahl der im Rahmen von Sonderaktionen aufge- nommenen Bürgerkriegsopfer gegen 12 000 steigen. In ab- sehbarer Zeit wird der Familiennachzug abgeschlossen und sein, und damit werden zahreiche Unterbringungsplätze in der Asylinfrastruktur belegt sein.
International hat die Schweiz bekanntlich auf einen dringen- den Hilferuf des Uno-Hochkommissariats reagiert und ihre Be- reitschaft erklärt, 1500 ehemalige Insassen aus Internierungs- lagern im Rahmen einer der erwähnten Sonderaktionen vor- übergehend aufzunehmen. Diese Aufnahmeaktion ist im Gange; dabei zeigte es sich, dass sich oft Menschen, die un- serer Hilfe am meisten bedürften, im Kriegsgebiet selbst befin- den, was einen Transport sehr erschwert und teilweise verun- möglicht. Der Bundesrat hat sich zudem an allen bisherigen internationalen und europäischen Konferenzen für eine kon- zertierte Aufnahmeaktion von weiteren Bürgerkriegsopfern eingesetzt. Am Rande der Trevi-Konferenz vom 30. November 1992 in London zeigten die Teilnehmerstaaten die Bereit- schaft, bei der Lösung des dringenden Problems der Kriegs- gefangenen Hand zu bieten. Eine direkte Quotenregelung scheiterte jedoch am Widerstand der meisten europäischen Staaten.
Der Bundesrat ist angesichts der eklatanten Not im ehemali- gen Jugoslawien für weitere Hilfsbegehren - sei es vor Ort oder in Form einer Aufnahme schutzsuchender Menschen - weiterhin offen.
2.1 (Da die Frage 2.1 in der Interpellation Haering Binder wört- lich der Fragestellung in der Interpellation Daepp entspricht, gilt die folgende Antwort für beide Interpellationen.)
In der Erklärung des Bundespräsidenten im Namen des Bun- desrates vor der Vereinigten Bundesversammlung am 9. De- zember 1992 über die Verletzungen des humanitären Völker- rechts im Krieg auf dem Territorium des ehemaligen Jugosla- wien führte der Bundespräsident aus: «Ich möchte hier zudem ganz speziell das Verbrechen hervorheben, das gegen Frauen begangen wird. Es handelt sich um systematische, bestiali- sche Vergewaltigungen. Dieser Krieg gegen die Frauen ist ein Aspekt der ethnischen Säuberungen, welche wir nur aufs schärfste verurteilen können. Er erfüllt uns mit grösster Ab- scheu.»
Sexuelle Gewalt ist ein Kriegsverbrechen, dies in der Perspek- tive sowohl des Gewohnheitsrechts als auch der 4. Genfer Konvention über den Schutz der Zivilbevölkerung (Art. 147 und Art. 11 Zusatzprotokoll). Zur Ahndung solcher Verbre- chen wird, wiederum in der erwähnten Erklärung, folgendes gesagt: «In der gegenwärtigen Ermangelung einer massiven Intervention von aussen unterstützen wir heute eine andere Form von Abschreckung. Ich meine damit die Abschreckung durch die klare Feststellung der individuellen Verantwortlich- keit eines jeden Täters für diese Kriegsverbrechen, diese Ver- brechen gegen die Menschlichkeit, diese konstanten Verlet- zungen aller Menschenrechte. Der Bundesrat wird mit der vom Generalsekretär der Uno eingesetzten Expertenkommis- sion eng zusammenarbeiten. Sie hat die Aufgabe, alle zur Ver- fügung stehenden Informationen über Verletzungen des hu-
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Dringliche Interpellation Haering Binder Krieg in Ex-Jugoslawien Interpellation urgente Haering Binder Guerre en ex-Yougoslavie
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In
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Jahr
1992
Année
Anno
Band
VI
Volume
Volume
Session
Wintersession
Session
Session d'hiver
Sessione
Sessione invernale
Rat
Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
14
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 92.3473
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum 17.12.1992 - 15:00
Date
Data
Seite
2698-2699
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Pagina
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20 022 086
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