N 8 mars 1993
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Heure des questions
Sechste Sitzung - Sixième séance
Montag, 8. März 1993, Nachmittag Lundi 8 mars 1993, après-midi
14.30 h
Vorsitz - Présidence: Herr Schmidhalter
Präsident: Ich eröffne die heutige Sitzung, für die wir ein rech- tes Mass an Arbeit traktandiert haben.
Erlauben Sie mir aber noch, auf das vergangene Abstim- mungswochenende zurückzukommen. Wir dürfen zufrieden und dankbar sein, dass die Stimmbürgerinnen und Stimmbür- ger so zahlreich an die Urnen gegangen sind. Die hohe Stimmbeteiligung bei den letzten Abstimmungen bestätigt, dass das Volk seine Rechte wahrnehmen und am politischen Geschehen mitwirken will.
Ich bin froh, dass die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger den Empfehlungen von Parlament und Bundesrat bei allen drei Vorlagen gefolgt sind. Dies muss für uns eine Verpflich- tung zu einer verantwortungsvollen Politik sein.
Die Erhöhung der Treibstoffzölle ist ein wesentlicher Beitrag zur Sanierung der Bundesfinanzen. Sie wird auch die Fertig- stellung des Nationalstrassennetzes und damit eine bes- sere Verbindung von Deutschschweiz und Westschweiz er- möglichen.
Mit der Aufhebung des Spielbankenverbots ist eine überholte Bestimmung aus unserer Verfassung gestrichen worden, wo- mit sich unserem Tourismus neue Möglichkeiten eröffnen.
Zum dritten Mal haben Volk und Stände eine zu weit gehende Initiative gegen Tierversuche abgelehnt und damit einer mass- vollen Forschung im Kampf gegen Krankheit und Tod das Wort gesprochen.
Diese Abstimmungsergebnisse zeigen, dass Kompromissbe- reitschaft und Verständigung unter den grossen Parteien zu befriedigenden Lösungen führen. Wieweit wir zu einer verant- wortungsvollen Politik fähig sind, werden wir schon in den kommenden Tagen unter Beweis stellen können. Ich hoffe sehr, dass wir dabei auch an die Würde und das Ansehen des Parlaments denken: Es geht um unsere Glaubwürdigkeit.
Fragestunde - Heure des questions
93.5009 Frage Steinemann Pro Helvetia. Unkorrekte «Umbuchung»? Question Steinemann Pro Helvetia. Modification de la prise en charge des coûts
Wortlaut der Frage vom 8. März 1993
Trifft es zu, dass die Kosten für das neueröffnete Büro der Pro Helvetia in Warschau infolge der Budgetkürzung für diese Or- ganisation jetzt einfach über die Osthilfe beglichen werden?
Texte de la question du 8 mars 1993
Est-il vrai que, en raison des réductions budgétaires dont Pro Helvetia a fait l'objet, les coûts occasionnés par le bureau que cette organisation vient d'ouvrir à Varsovie sont désormais couverts par l'aide aux pays de l'Est?
Bundesrat Cotti: Die im Rahmen des Osteuropakredites von Pro Helvetia neu eröffneten «Antennen» befinden sich in Prag
und Bratislava. Diese beiden Zentren wurden planungsge- mäss aus den Mitteln des Osteuropakredites finanziert, die der Pro Helvetia jährlich in enger Zusammenarbeit mit dem EDA zur Realisierung von kulturellen Projekten zur Verfügung ste- hen. Das ordentliche Budget der Pro Helvetia wird damit nicht belastet.
93.5031
Frage Zwahlen EWR. Beteiligung der Schweiz an europäischen Forschungsprogrammen
Question Zwahlen EEE. Participation de la Suisse aux programmes européens de recherche
Wortlaut der Frage vom 8. März 1993
Wir erleben heute die verhängnisvollen Folgen, welche die Ab- lehnung des EWR-Abkommens für unsere Beteiligung an eu- ropäischen Forschungsprogrammen nach sich zieht.
Während die Unternehmen aus dem übrigen Europa direkt daran teilnehmen und in den Genuss individueller Subventio- nen kommen, sind die schweizerischen Unternehmen isoliert; die schweizerischen Forschungszentren werden übergangen und sind von den Ausschüssen, denen sie bisher angehört ha- ben, ausgeschlossen.
Wo stehen die Verhandlungen, welche die schweizerische Delegation bei der EG im Rahmen der Efta führt?
In welchem Mass können wir weiterhin an den Programmen Esprit, Race, Eureka, Brite, Bridge usw. teilnehmen und in den leitenden Ausschüssen verbleiben?
Innerhalb welcher Frist wird es möglich sein, unsere Unter- nehmen für die konkrete Teilnahme an den genannten Pro- grammen zu subventionieren? Wird der im Herbst 1992 ge- sprochene Kredit von 477 Millionen Franken unseren Unter- nehmen und unseren Forschungszentren zur Verfügung ge- stellt?
Texte de la question du 8 mars 1993
Nous mesurons aujourd'hui les conséquences néfastes de re- jet de l'EEE quant à notre participation aux programmes euro- péens de recherche. Alors que les entreprises européennes participent directement et bénéficient de subventions indivi- duelles, les entreprises suisses sont isolées, les centres de re- cherche suisses mis à l'écart, exclus des comités auxquels ils participaient
Le Conseil fédéral peut-il nous dire:
où en sont les transactions de la mission suisse auprès de la CE par l'AELE?
dans quelle mesure pourrons-nous continuer de participer aux programmes Esprit, Race, Eureka, Brite, Bridge et rentrer dans les comités de gestion?
dans quel délai nos entreprises pourront-elles être subven- tionnées pour des participations concrètes aux programmes ci-dessus? Le crédit de 477 millions de francs voté en automne 1992 sera-t-il mis à disposition de nos entreprises et nos cen- tres de recherche?
M. Cotti, conseiller fédéral: Les conséquences du vote du 6 décembre ne signifient en soi pas formellement et globale- ment l'exclusion de la Suisse des programmes de recherche de la Communauté européenne. Deux accords bilatéraux nous garantissent la participation intégrale, aux deux pro- grammes de l'Euratom. En plus, nous continuons à participer à l'échelle de projets individuels selon l'accord existant remon- tant à 1986 pour les treize programmes restants du troisième programme-cadre, c'est-à-dire: Esprit, Race, Brite-Euram, Bridge, etc. J'ajoute qu'Eureka constitue un programme indé- pendant, en dehors de la Communauté européenne, et la Suisse en est membre de plein droit.
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Fragestunde
Vous savez également que le 3 mars 1993 le comité mixte, qui s'occupe de la recherche a siégé à Bruxelles. La délégation suisse a présenté à la commission la demande d'une partici- pation intégrale au programme-cadre de recherche. La com- mission a promis d'examiner cette proposition en vue de ce qu'elle appelle une «association pleine» de la Suisse, surtout au quatrième programme-cadre qui débutera en 1995. Entre temps, les conditions de participation de représentants suis- ses dans certains comités tels que Crest, Codest, Irdac pour- raient être améliorées. Par contre, la participation aux comités de gestion des différents programmes n'est pas prévue dans le cadre juridique en vigueur actuellement
Je le répète, l'objectif du Conseil fédéral sur la base du mandat que vous lui avez donné en décembre 1992 reste la participa- tion intégrale au programme-cadre et à tous les programmes de recherche. Cet objectif est rendu possible grâce aux crédits que vous avez octroyés à la fin du mois de décembre.
Pour participer aux projets de recherche, nos entreprises et nos institutions peuvent obtenir une subvention de la Confé- dération. Les sommes mises à disposition depuis 1992 ont at- teint jusqu'à aujourd'hui plus de 25 millions de francs: 10 mil- lions pour les entreprises, 15 millions pour les autres écoles. Pour ce financement et les financements futurs, le Conseil fé- déral entend débloquer progressivement les montants néces- saires mis à disposition par le crédit de 477 millions de francs que vous avez voté en décembre dernier.
93.5005
Frage Bischof Gebührenbefreiung bei SRG-Angestellten für Radio und Fernseher Question Bischof SSR. Employés dispensés du paiement de la redevance radio/TV
Wortlaut der Frage vom 8. März 1993
Da die SRG auch in Zukunft eine Gebührenbefreiung ihrer 3700 Angestellten beibehalten will, dies auf Kosten der kon- zessionspflichtigen Schweizerinnen und Schweizer, die das «Gewohnheitsrecht» der SRG-Mitarbeiter subventionieren, frage ich den Bundesrat:
Da Sie, lieber Herr Ogi, immer von «unternehmerischem Han- deln» reden, sollte man hier nicht diesen Sonderstatus ab- schaffen?
Texte de la question du 8 mars 1993
Vu que la SSR entend continuer à dispenser ses 3700 em- ployés du paiement de la redevance radio/TV - aux frais des Suisses qui doivent être titulaires de la concession et qui sub- ventionnent ainsi cette «pratique» dont les collaborateurs de la SSR sont les bénéficiaires - je pose la question suivante: Monsieur Ogi, vous qui prônez toujours les principes de ges- tion propres aux entreprises, n'estimez-vous pas qu'il faudrait abolir ce statut spécial?
Bundespräsident Ogi: In der Tat sind die Angestellten der SRG seit dem 1. Januar 1993 nicht mehr von Gesetzes wegen von den Radio- und Fernsehempfangsgebühren befreit. Seit- her ist aber die SRG als Arbeitgeberin in die Lücke gesprun- gen, wozu sie gemäss geltendem Gesamtarbeitsvertrag ver- pflichtet ist. Im Budget 1993 sind deshalb unter der Rubrik «In- konvenienzen und übriger Personalaufwand» insgesamt 1,4 Millionen Franken eingeplant. Wir müssen in der ganzen Angelegenheit berücksichtigen, dass für die SRG-Journali- sten das Radio und der Fernseher Arbeitsinstrumente sind und nicht einfach der Unterhaltung dienen. Die Gebühren- übernahme durch die SRG darf deshalb nicht etwa als Neben- einkommen oder «fringe benefits» bezeichnet werden.
Es trifft zu, dass wir von der SRG unternehmerisches Handeln fordern. Gerade aus diesem Grund haben wir darauf verzich- tet, der SRG in der neuen Konzession Vorschriften über das Personalwesen und damit auch über Löhne und Spesen zu machen.
93.5006
Frage Keller Rudolf Unlautere Werbung der PTT
Question Keller Rudolf Publicité abusive des PTT
Wortlaut der Frage vom 8. März 1993
Die 111 ist eine segensreiche Telefonnummer für unser Land. Es ist deshalb unbestritten, dass dafür geworben werden muss. Wenn nun aber elementare Grundsätze der Werbung verletzt werden und ungefragt Werbung mit sogenannt promi- nenten Menschen gemacht wird, dann hat das Golden girl re- spektive die PTT-Verantwortlichen wohl ihre Pflicht nicht so ganz erfüllt.
Wie bewertet der Bundesrat diese Tatsache, und wurden Vor- kehrungen getroffen, damit so etwas nicht mehr vorkommt?
Texte de la question du 8 mars 1993
Le 111 est un numéro béni pour notre pays. Il est donc in- contestable qu'il faille faire de la publicité pour lui. Mais quand les principes les plus élémentaires de la publicité sont bafoués et que l'on en fait avec des personnes dites publiques sans le leur avoir demandé, la «golden girl», autrement dit les respon- sables de la régie, ont un peu failli à leur devoir.
Que pense le Conseil fédéral de ce fait et a-t-il pris des mesu- res pour que cela ne se reproduise plus?
Bundespräsident Ogi: Im Auftrag der PTT Telecom hat eine private Werbeagentur eine Plakatkampagne zur Bekanntma- chung der neuen Leistungen des Auskunftsdienstes 111 ent- wickelt und auch realisiert. Ausgewählt wurden zehn verschie- dene Sujets mit zehn prominenten Persönlichkeiten. Die PTT- Verantwortlichen haben die Kampagne nur unter der Voraus- setzung genehmigt, dass die erwähnten Personen einverstan- den sind.
Die Werbeagentur hat es aber unterlassen, dieses Einver- ständnis einzuholen. Sie ist für den begangenen Fehler voll verantwortlich. Obwohl von seiten der PTT keine Sorgfalts- pflichten verletzt worden sind, haben sie sich als Auftraggeber der Kampagne inzwischen brieflich für den Vorfall entschul- digt Die Kampagne wurde gestoppt.
93.5008
Frage Steinemann Konzept «Bahn 2000» nochmals vor das Parlament Question Steinemann «Rail 2000». Nouvelles délibérations du Parlement
Wortlaut der Frage vom 8. März 1993 Die Kosten des Konzeptes «Bahn 2000» scheinen völlig aus dem Ruder zu laufen. Sollte deshalb nicht das Parlament nochmals darüber befinden und Prioritäten festlegen?
Texte de la question du 8 mars 1993
Les coûts du projet «Rail 2000» ne semblent plus pouvoir être maîtrisés. Ne faudrait-il pas, de ce fait, que le Parlement déli- bère une nouvelle fois à ce sujet et qu'il fixe des priorités?
N 8 mars 1993
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Heure des questions
93.5015
Frage Jaggi Paul Neues Konzept «Bahn 2000» Question Jäggi Paul Nouvelle conception du projet «Rail 2000>
Wortlaut der Frage vom 8. März 1993
Gegenwärtig läuft für die Neubaustrecke Rothrist-Mattstetten im Konzept «Bahn 2000» das Einspracheverfahren.
Die Aeusserungen von Vertretern der SBB über die Zukunft des Konzeptes «Bahn 2000» und die Plafonierung der Kosten verunsichern die Bevölkerung des betroffenen Gebietes. Wann liegt das neue, redimensionierte Konzept «Bahn 2000» vor, und bedeutet dies eine neue Vorlage ans Parlament mit ei- ner Referendumsmöglichkeit?
Texte de la question du 8 mars 1993
Prévue dans le projet «Rail 2000», la construction du tronçon Rothrist-Mattstetten fait actuellement l'objet d'une procédure d'opposition.
Les déclarations des représentants des CFF sur l'avenir de «Rail 2000» et sur le plafonnement des coûts sont loin de ras- surer la population des régions concernées.
Quand le remaniement de «Rail 2000» sera-t-il terminé? Un nouveau projet sera-t-il présenté aux Chambres et pourra-t-il faire l'objet d'un référendum?
93.5024
Frage Scheidegger «Bahn 2000». Wie weiter? Question Scheidegger «Rail 2000», quelles perspectives?
Wortlaut der Frage vom 8. März 1993
Wie sieht der Bundesrat die Zukunft der «Bahn 2000» ange- sichts zunehmend skeptischer Stimmen selbst von höchster SBB-Stelle oder des Präsidenten der nationalrätlichen Kom- mission für Verkehr und Fernmeldewesen? Wie stellt sich der Bundesrat insbesondere zur klaren Forderung von Politikern, dem Souverän sei eine neue «Bahn 2000»-Vorlage zu unter- breiten?
Texte de la question du 8 mars 1993
Comment le Conseil fédéral envisage-t-il l'avenir du projet «Rail 2000», compte tenu des déclarations de plus en plus sceptiques qui sont faites à ce sujet, même par la direction des CFF et par le président de la Commission des transports et des télécommunications du Conseil national? Que pense-t-il en particulier des voix émanant de politiciens et qui demandent qu'un nouveau projet «Rail 2000» soit soumis au peuple?
Bundespräsident Ogi: Ich fasse die Beantwortung der Fragen von den Herren Steinemann, Jäggi Paul, Binder und Schei- degger zusammen, werde dann aber die Zusatzfrage von Herrn Binder noch separat behandeln.
Das Schweizervolk hat am 6. Dezember 1987 in einer Referen- dumsabstimmung das Konzept «Bahn 2000» angenommen. Der bewilligte Kreditrahmen betrug 5,4 Milliarden Franken, was umgerechnet in heutige Kaufkraft rund 8 Milliarden Fran- ken sind. Die mit dem Kreditrahmen vergleichbaren Kosten für die Verwirklichung des Konzeptes «Bahn und Bus 2000» ha- ben sich dann fast verdoppelt; man spricht von 10,7 Milliarden Franken. Hinzu kommen weitere Kosten aus den ordentlichen Investitionen sowie das Rollmaterial, so dass die Totalkosten bei gegen 20 Milliarden Franken liegen. Die geplanten Mehr-
kosten lassen sich insbesondere auf die Teuerung, dann auf die Projektänderungen und auch zusätzliche Umweltauflagen zurückführen. Ich verweise hier auf die Einfache Anfrage Büh- rer Gerold und die Antwort des Bundesrates vom 24. Februar 1993.
Es ist eindeutig, dass seinerzeit die Komplexität des gesamten Vorhabens unterschätzt wurde. Die Detailberatung hat ge- zeigt, dass die vorgesehene Kapazitätserhöhung auf dem ganzen Netz über hundert Bauprojekte zum Teil grösseren Ausmasses erfordert. Es ist eindeutig, dass die Kosten einzel- ner Objekte völlig unterschätzt wurden. Es ist auch eindeutig, dass die SBB im Management des Projektes Fehler begangen haben. Es ist aber ebenso klar, dass auch von den SBB nicht- beeinflussbare Faktoren zur heutigen Situation beigetragen haben. Das gleiche gilt übrigens auch im Nationalstrassen- bau, nur fliesst dort das Geld durch die Treibstoffzölle. Hier ist es anders, hier müssen diese Kredite jeweils vom Parlament genehmigt werden.
Ein ausserordentlich starkes Verkehrswachstum hat die Kapa- zitätssituation und damit die Basis für die Dimensionierung einzelner Bauobjekte entscheidend verändert. Der Personen- verkehr hat, insbesondere als Folge der Verbilligung des Halb- taxabonnementes, von 1985 bis 1991 um 32 Prozent zuge- nommen, der Güterverkehr um 15 Prozent. Damit wurden be- reits 1991 die in der Botschaft «Bahn 2000» für das Jahr 2000 ohne «Bahn 2000» prognostizierten Werte erreicht.
Das enorme Kostenwachstum als Folge der Umweltgesetzge- bung war zur Zeit der parlamentarischen Beratung nicht vor- hersehbar. Das Parlament hat dem Projekt «Bahn 2000» auf der Basis der heute kritisierten Linienführungen für Neubau- strecken zugestimmt. Für Verbesserungen im Umweltschutz hat das Parlament 1986 und 1987 für alle vier Neubaustrecken 50 Millionen Franken beschlossen. Allein für Mattstetten- Rothrist stehen heute zusätzliche 700 Millionen Franken zur Diskussion.
Nachdem die SBB im Herbst 1990 erstmals über die drohende Kostenüberschreitung orientiert haben, hat das EVED umge- hend gehandelt. Die SBB wurden bereits am 8. November 1990 beauftragt, sämtliche Möglichkeiten zur Kostenreduktion aufzuzeigen. Die Resultate dieser Arbeiten waren ernüch- ternd.
Die von den SBB aufgezeigten Kostenreduktionen von 1,5 bis 2 Milliarden Franken hätten keine substantielle Verbesserung gebracht. Die Rentabilität des Projektes, seinerzeit eine Basis der parlamentarischen Beschlüsse, wäre nicht mehr gesichert gewesen. Deshalb haben wir erneut rasch und verantwor- tungsbewusst gehandelt. Beschränkungen auf das für die Ver- wirklichung der ursprünglichen Konzeptidee Notwendige sind unerlässlich. Es geht nicht zuletzt um unsere Steuergelder. Das EVED hat deshalb rechtzeitig von den SBB eine Ueberar- beitung des Projektes verlangt. Wir mussten es verlangen. Wir mussten handeln, und wir haben gehandelt. Es muss aufge- zeigt werden, was sich für den ursprünglich bewilligten Kredit realisieren lässt. Die Ergebnisse dieser Neuorientierung sind uns von den SBB bis Ende Juni 1993 vorzulegen. Mit diesem Vorgehen sind die SBB gezwungen, auf alles Wünschbare zu verzichten und nur das Notwendige zu planen und zu realisie- ren. Das Projekt soll - mit anderen Worten - auf den Kern der in der Botschaft von 1985 versprochenen Leistungen zurückge- führt werden, d. h. erstens landesweiter Stundentakt mit Ver- dichtung zum Halbstundentakt - aber nur bei Bedarf - und zweitens möglichst viele Anschlussspinnen in möglichst vie- len Knoten.
Aus gesamtwirtschaftlicher und politischer Sicht haben wir den SBB ferner folgende vier Auflagen gemacht:
Die Suisse romande darf nicht benachteiligt werden. So ist die Jurasüdfuss-Linie der Mittellandlinie fahrzeitmässig gleich- zustellen.
Den Kapazitätsanforderungen für den Alpentransit-Zulauf- verkehr ist Rechnung zu tragen.
Die Anforderungen der Einbindung der Schweiz in das eu- ropäische Hochleistungs-Geschwindigkeitsnetz sind auf den betroffenen Linien zu erfüllen.
Die Wirtschaftlichkeitsrechnung für das ganze Projekt muss erstellt werden.
März 1993 N
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Fragestunde
Gestützt auf die Planungsergebnisse ist dann zu überprüfen, ob allenfalls der Bundesbeschluss geändert werden und das Parlament über eine entsprechende Vorlage mit Referen- dumsmöglichkeit befinden muss.
Persönlich bin ich jedoch überzeugt, dass sich das Konzept «Bahn 2000» zum heutigen Preis von rund 8 Milliarden Fran- ken im wesentlichen realisieren lässt. So oder so werden wir jedoch die eidgenössischen Räte stets auf dem laufenden halten.
Die Entwicklung von «Bahn 2000» soll nicht beschönigt wer- den. Aber immerhin sprechen wir noch von «erwarteten Ko- sten». Damit ist der Steuerzahler noch nicht zu Schaden ge- kommen. Bis heute sind lediglich 96 Millionen Franken ausge- geben worden; das ist 1 Prozent. Für weitere 640 Millionen Franken hat man sich verpflichtet. Vergleiche mit Furkatunnel und ähnlichem sind daher nicht zulässig. Von Debakel zu sprechen, wie es in einer Zeitung gestern getan wurde, ist ver- antwortungslos, ist ungerecht und unfair. Alles, was wir jetzt zusammen mit den SBB unternehmen, geht ja gerade dahin, ein Debakel mit allen Mitteln zu verhindern und die «Bahn 2000» zu einem guten Ende zu führen.
Sie müssen wissen: Wir sind ins Gelingen verliebt, nicht ins Scheitern.
Steinemann: Herr Bundespräsident, können Sie uns hier an dieser Stelle glaubhaft versichern, dass die Neat nicht ähnlich wie «Bahn 2000» planerisch und finanziell in den Abgrund rol- len wird, weil auch dort die Kosten viel zu tief und die Komplexi- tät falsch eingeschätzt wurden?
Bundespräsident Ogi: Ich kann Ihnen glaubhaft erklären, Herr Steinemann, dass wir diese Neat glaubhaft, ehrlich und kor- rekt geplant haben und dass wir aus den Erfahrungen mit der Fart, also mit der Locarno-Centovalli-Bahn, und mit der «Bahn 2000» die notwendigen Konsequenzen gezogen haben - in mannigfacher Hinsicht.
Ich will Ihnen ein Beispiel geben: Die Oesterreicher haben die Umfahrung von Innsbruck jetzt in einem Tunnel fertig gebaut. Sie haben pro Tunnelkilometer rund 30 bis 50 Millionen Fran- ken gebraucht. Wir haben aufgrund der Angaben der Inge- nieure für den Lötschberg pro Kilometer 80 Millionen Franken und für den Gotthard 100 Millionen Franken vorgesehen. Sie wissen, dass wir das Controlling für die Neat auch anders vor- gesehen haben, ebenso die Finanzierung. Sie wissen es, denn wir haben uns darüber bereits mehrmals unterhalten.
Jäggi Paul: An der schlechten Vorbereitung des Konzepts «Bahn 2000» auf der Kostenseite trägt ja nicht die Bevölkerung die Schuld. Ist es nicht ein Versuch, Herr Bundespräsident, mit der Vorgehensweise, die man nun wählt, und mit der Plafonie- rung der Kosten die dringend notwendigen Verbesserungen zugunsten der betroffenen Bevölkerung zu verhindern?
Bundespräsident Ogi: Herr Jäggi Paul, wenn Politiker zusätzli- che Forderungen an «Bahn 2000» stellen, die über das Not- wendige hinausgehen, und das Wünschbare verlangen, dann müssen Sie auch so ehrlich sein und den entsprechenden Zu- satzkrediten zustimmen. Ich sage es Ihnen ganz offen: Wenn Sie den Oesch-Oenz-Tunnel auch wollen, wenn er aufgrund des Umweltschutzrechts nicht notwendig ist, dann müssen Sie auch den Mut haben, zusätzliche Kredite zu verlangen. Für die Planung der Jurasüdfuss-Linie Solothurn-Biel-Neuen- burg-Yverdon-les-Bains-Lausanne hat man seinerzeit rund 200 Millionen Franken vorgesehen, und jetzt kommt man mit 1,25 Milliarden Franken. Sie werden begreifen, dass wir solche Entwicklungen nicht zulassen können und dass wir hier das Signal auf Stop stellen.
Wir können heute ja gar nicht umweltfeindlich bauen, sondern wir können nur noch umweltfreundlich bauen. Die Auflagen, die uns aus Ihrem Gebiet gemacht werden, müssen auch ir- gendwie bezahlt werden.
Deshalb wollen und müssen wir diese Forderungen - ich habe heute morgen 5200 Einsprachen zur Strecke Mattstetten- Rothrist bekommen - auch gegenüber den Steuerzahlern ganz genau analysieren und beurteilen können.
Scheidegger: Ich habe damals, 1987, genau wie Sie, Herr Bundespräsident, für diese Vorlage gekämpft, und es geht um die Redlichkeit eidgenössischer Politik. Wir haben einen Ko- stenrahmen beschlossen, und dieser wurde der Bevölkerung «verkauft». Nun entstehen viel, viel höhere Kosten, und es wird ganz sicher auf gewisse Strecken verzichtet und auf ein Minimum gefahren werden müssen. Es geht - mit anderen Worten - um die Entleerung des Konzeptes, beispielsweise um die Variante «Süd plus» oder auch um den Oesch-Oenz- Tunnel. Umwelt- und Raumplanungsgesetze sind Auflagen, die vom gleichen Bundesstaat erlassen wurden. Dieser Staat muss die Bundesgesetzgebung auch einhalten, und es kann nicht der Souverän, der mit Einsprachen für die Einhaltung der Gesetze kämpft, für die Teuerungen verantwortlich gemacht werden.
Deshalb meine ganz klare Frage: Wäre es nicht sinnvoll, eine neue Vorlage vor das Parlament und vor den Souverän zu brin- gen, eine Vorlage, die wir tatsächlich auch finanziell verkraften können?
Noch einmal: Ich stand ganz hinter der «Bahn 2000». Was sie heute ist, ist nicht mehr das, was wir «verkauft» haben.
Bundespräsident Ogi: Ich möchte die Frage von Herrn Scheidegger ganz klar mit Nein beantworten und das kurz be- gründen.
Es ist nicht möglich, in der heutigen Zeit eine neue Vorlage vor- zulegen, die weniger kostet; es ist eine Illusion, das zu glau- ben. Nehmen wir beispielsweise den Abschnitt Mattstetten- Rothrist. Da hat man verlangt: Wildquerung Buchiwald, 14,5 Millionen Franken; Verlängerung der Emmenquerung nach Süden, 11 Millionen Franken; Oesch-Oenz-Tunnel, 175 Millio- nen Franken usw.
Wir wollen zuerst wissen, ob man beispielsweise diesen Tun- nel bauen muss oder ob die Strecke auch ohne den Tunnel umweltfreundlich genug wäre. Noch ist nichts entschieden. Dann kommt noch der Munibergtunnel dazu, für diese 7 Kilo- meter rechnet man mit rund 220 Millionen Franken.
Ich muss dieses Parlament auf die Kosten aufmerksam ma- chen. Irgend jemand muss das bezahlen - Sie und ich. Des- halb sollte man diese Situation auch nüchtern beurteilen und nicht nur immer fordern, sondern auch überlegen, wo das Geld eigentlich herkommt. Der Steuerzahler hat ein Anrecht darauf, dass wir mit jedem Franken verantwortungsbewusst und umweltgerecht umgehen.
93.5019
Frage Binder Projekt «Bahn 2000». Strecke Zürich-Winterthur
Question Binder Projet «Rail 2000». Tronçon Zurich-Winterthour
Wortlaut der Frage vom 8. März 1993
Das Projekt «Bahn 2000» wird überprüft, Die finanziellen Auf- wendungen sollen neu auf 8 Milliarden Franken begrenzt wer- den. Dabei muss auf geplante Bauten verzichtet werden.
Wird die Neubaustrecke Zürich-Winterthur und damit der Brüttemer Tunnel im Rahmen dieses «Kernprojektes» reali- siert?
Sind die SBB bereit, innert nützlicher Frist im Bereich des Bahnhofs Effretikon, auf dem täglich zwischen 530 und 550 Züge (wovon etwa 70 Schnellzüge mit einer Geschwindigkeit von bis zu 125 km/h) verkehren, die nötigen Massnahmen zur Einhaltung der Bedingungen der Lärmschutzverordnung zu treffen?
N 8 mars 1993
142
Heure des questions
Texte de la question du 8 mars 1993
Le projet «Rail 2000» fait l'objet d'un réexamen. Les dépenses seront limitées à 8 milliards de francs. En conséquence, il fau- dra renoncer à certains ouvrages qui avaient été prévus. Réalisera-t-on, dans les limites de ce projet redimensionné, le nouveau tronçon Zurich-Winterthour, ainsi que le tunnel de Brütten?
Les CFF ont-ils l'intention de veiller à la mise en oeuvre en temps utile des mesures nécessaires pour respecter les dispo- sitions de l'ordonnance sur la protection contre le bruit sur l'aire de la gare d'Effretikon, où transitent journellement de 530 à 550 convois (dont environ 70 trains directs d'une vitesse pou- vant aller jusqu'à 125 km/h)?
Bundespräsident Ogi: Ich habe den ersten Teil der Frage Bin- der beantwortet; ich will den zweiten Teil noch beantworten. Es geht hier um die Strecke Zürich-Winterthur. Erst wenn die Ergebnisse der Studie, die ich bereits erwähnt habe, vorlie- gen, kann die Frage beantwortet werden, ob die Neubau- strecke Zürich-Winterthur realisiert werden kann. Dies ist ganz allgemein für alle bisher vorgesehenen Infrastrukturbestand- teile des Konzepts «Bahn 2000» zu sagen. Die Einhaltung der Bedingungen der Lärmschutzverordnung ist eine zwingende Vorschrift. Allerdings können die dazu nötigen Massnahmen nicht von heute auf morgen auf dem ganzen Netz der SBB rea- lisiert werden; sie sind auch in keinem Budget enthalten. Wir sind gezwungen, Prioritäten zu setzen. Erste Priorität kommt zurzeit der Sanierung der Strecken zu, die Bestandteil des Huckepackkorridors sind; das entsprechende Konzept ist ausgearbeitet worden.
Im übrigen weisen wir darauf hin, dass der Lärmalarmwert im Bahnhof Effretikon nicht überschritten wird. Daher kann seine Sanierung auch nicht oberste Priorität sein.
93.5011
Frage Reimann Maximilian Hochdeutsch in DRS-Informationssendungen für Bundesräte Question Reimann Maximilian Emissions d'information de DRS. Emploi de l'allemand par les conseillers fédéraux
Wortlaut der Frage vom 8. März 1993
Als Beitrag zur besseren Verständigung über die innerschwei- zerischen Sprachgrenzen hinweg hat der Bundesrat der SRG in der neuen Konzession zu Recht die Auflage gemacht, DRS- Informationssendungen auf Hochdeutsch zu gestalten. Warum wollen sich aber ausgerechnet Bundesräte nicht an diese Regel halten «und bitten darum, Mundart sprechen zu können, weil sie so bei ihren Leuten besser ankommen» (Ori- ginalzitat aus Interview «Media Trend Journal» vom 5. Februar 1993 mit Fernsehdirektor DRS)?
Texte de la question du 8 mars 1993
Pour améliorer la compréhension des régions linguistiques entre elles, le Conseil fédéral a assorti, à juste titre, l'octroi d'une nouvelle concession à DRS de l'obligation pour celle-ci d'utiliser l'allemand standard dans les émissions d'informa- tion. Pourquoi précisément les conseillers fédéraux refusent- ils de se tenir à cette obligation et demandent-ils, à l'instar de ce qui s'est passé le 5 février dernier, lors du «Media Trend Journal», auquel assistait le directeur de la DRS, «à pouvoir s'exprimer en dialecte pour être mieux compris des gens»?
Bundespräsident Ogi: Es kann keine Rede davon sein, dass sich der Bundesrat nicht an die von ihm selbst erlassene Kon- zessionsbestimmung halten will. Er ist vielmehr entschlossen, mit gutem Beispiel voranzugehen und Interviews in Informa- tionssendungen von Radio und Fernsehen grundsätzlich in Hochdeutsch zu geben.
93.5012
Frage Binder Soll das Transitabkommen schon angepasst werden? Question Binder Faut-il déjà adapter l'Accord sur le transit?
Wortlaut der Frage vom 8. März 1993
Das Transitabkommen zwischen der EG und der Schweiz über den Güterverkehr auf Strasse und Schiene ist am 22. Ja- nuar 1993 in Kraft getreten. Wie am 1. März 1993 aus der Presse zu erfahren war, soll der Vertrag auf Wunsch Italiens bereits geändert werden, indem gewisse Infrastrukturen für den kombinierten Verkehr in Norditalien nicht gebaut werden sollen.
Beabsichtigt der Bundesrat, den Forderungen der EG betref- fend Aenderungsbegehren stattzugeben, und was würde dies konkret für die Schweiz bedeuten?
Texte de la question du 8 mars 1993
L'accord conclu entre la Communauté européenne et la Confédération suisse relatif au transport de marchandises par route et par rail (Accord sur le transit) est entré en vigueur le 22 janvier 1993. Comme on l'a appris par la presse le 1er mars 1993, l'Italie souhaite qu'il soit déjà modifié et que certaines in- frastructures destinées au trafic combiné dans le nord de l'Ita- lie ne soient pas construites.
Le Conseil fédéral a-t-il l'intention de satisfaire aux demandes de la Communauté européenne concernant ces modifications et, si oui, quelles seraient les conséquences pour la Suisse?
93.5035
Frage Giezendanner Transitvertrag. Aenderungen Question Giezendanner Accord sur le transit. Modifications
Wortlaut der Frage vom 8. März 1993
Am 22. Januar 1993 trat der Transitvertrag (Schweiz/EG) in Kraft. Im Anhang 4 des Vertrages wird detailliert aufgelistet, wo die einzelnen EG-Staaten «unbedingt» neue Terminals erstel- len oder bestehende ausbauen müssen. Demnach ist Italien verpflichtet, in Bologna oder in Novara Terminals zu bauen. Die ständige Vertretung Italiens in Brüssel teilte der EG mit, dass nun aber im Raum Mailand ein multimodaler Grosstermi- nal gebaut werden soll. Dieses Konzept entspricht nicht der EG-Richtlinie über die Förderung im kombinierten Verkehr. Ist der Transitvertrag durch das tendenziell andere «Hucke- packkonzept» der Italiener in der heutigen Abfassung noch zeitgemäss, oder drängen sich bereits Aenderungen auf? Der Terminal «Busto» bei Mailand wurde durch die Schweiz mit rund 48 Millionen Franken mitfinanziert. Wird der Terminal mit- telfristig noch ausgelastet werden können, und wird die Schweiz einen neuen Terminal in Bologna, Novara oder gar Mailand mitfinanzieren?
Texte de la question du 8 mars 1993
L'Accord sur le transit, conclu entre la Suisse et la CE, est entré en vigueur le 22 janvier 1993. Son annexe 4 dresse la liste dé- taillée des endroits où différents Etats membres de la CE doi- vent «absolument» construire de nouveaux terminaux ou amé- nager les terminaux existants. L'Italie se voit ainsi contrainte de construire des terminaux soit à Bologne soit à Novare.
Ce pays, par l'intermédiaire de sa représentation permanente à Bruxelles, a toutefois signalé à la CE qu'il prévoyait de cons- truire un grand terminal dans la région de Milan. Or, ce projet
143
Fragestunde
n'est pas conforme à la directive communautaire sur le trans- port dans le trafic combiné.
Compte tenu de la conception du ferroutage différente qui se dessine en Italie, on peut de demander si l'Accord sur le tran- sit, dans sa forme actuelle, est encore adapté et si sa modifica- tion ne s'impose pas d'ores et déjà? Les capacités du terminal de Busto près de Milan, au financement duquel la Suisse a participé à raison de quelque 48 millions de francs, pourront- elles encore, à moyen terme, être utilisées pleinement? La Suisse participera-t-elle au financement d'un nouveau termi- nal à Bologne, à Novare ou même à Milan?
Bundespräsident Ogi: Es stimmt, dass Italien gewisse Aende- rungen im Anhang 4 «Infrastrukturarbeiten und geplante Massnahmen in der Gemeinschaft» des Transitabkommens vorschlägt. Dabei sollte unter anderem die Liste der italieni- schen Terminals, welche im Transitabkommen verankert sind, angepasst werden. Ausserdem sollten auch noch rein techni- sche Anpassungen im Zusammenhang mit den Tunneleckhö- hen durchgeführt werden.
Der Gemischte Ausschuss Schweiz/EG hat am 5. März 1993 diese Vorschläge zur Abklärung an Experten der betroffenen Bahngesellschaften überwiesen. Die schweizerische Delega- tion hat dabei klargestellt, dass eine Aenderung des Transitab- kommens so kurz nach seinem Inkrafttreten nicht in Frage komme.
Bezüglich eines Terminals im Raume Mailand Lachiacella, der im übrigen nicht in den abgeschlossenen Abkommen aufge- führt ist, ist folgendes zu sagen: Dieser Terminal ist erst im Pla- nungsstadium und kennt zurzeit erhebliche politische und fi- nanzielle Probleme, so dass eine rasche Realisierung nicht zu erwarten ist. Weitere Terminals in Bologna, Novara oder gar in Mailand werden von der Schweiz nicht mitfinanziert.
Binder: Ich danke Ihnen für die Beantwortung der Fragen. Es würde mich noch interessieren, ob es zutrifft, dass die Italie- ner bereits vor der Ratifizierung des Abkommens solche Aen- derungen verlangten, dass aber mit Rücksicht auf die Ratifika- tion des Abkommens - in Absprache Schweiz/EG - beantragt wurde, dieses Problem, das heisst die Anträge der Italiener, im gemischten Transitausschuss zu behandeln.
Bundespräsident Ogi: Ich kann die Frage wie folgt beantwor- ten. Auf Ministerebene, Herr Binder, hat man diese in den letz- ten Tagen vorgebrachten Forderungen nie an mich herange- tragen. Als ich diesen Transitvertrag aushandelte, war ein an- derer Minister zuständig. Die Minister wechseln in Italien sehr rasch, das wissen Sie. Diese Forderungen wurden erst in den letzten Tagen gestellt.
93.5013
Frage Binder Verhandlungen Schweiz/EG betreffend Luft- und Strassenverkehr Question Binder Négociations Suisse/CE concernant le trafic aérien et le trafic routier
Wortlaut der Frage vom 8. März 1993 Was unternimmt der Bundesrat, damit die Verhandlungen Schweiz/EG betreffend den Marktzugang im Luft- und Stras- senverkehr demnächst aufgenommen werden?
Texte de la question du 8 mars 1993 Quelles mesures le Conseil fédéral prend-il pour faire en sorte que les négociations entre la Suisse et la Communauté euro- péenne concernant l'accès au marché dans le domaine du tra- fic aérien et du trafic routier soient bientôt entamées?
Bundespräsident Ogi: Das Transitabkommen zwischen der EG und der Schweiz ermöglicht unserem Land, die 28-Ton- nen-Begrenzung der Lastwagen sowie das Nacht- und Sonn- tagsfahrverbot beizubehalten. Ausserdem wird der vorgese- hene Kapazitätsausbau der Eisenbahninfrastrukturen in der Schweiz wie in den EG-Mitgliedstaaten eine vermehrte Attrak- tivität dieses Verkehrsträgers bewirken.
Es stimmt, dass Italien hier gewisse Aenderungen verlangt hat - ich habe das bereits erwähnt - und es stimmt auch, dass bereits am 4. März erste Kontakte stattgefunden haben.
Nun ist es so, dass der EG-Verkehrsministerrat in den näch- sten Wochen diesen formellen Auftrag erteilen muss, damit dann die Verhandlungen offiziell anlaufen können. Wir rech- nen damit, dass dieser Auftrag vom EG-Verkehrsministerrat in den nächsten Wochen gegeben wird; aber wir müssen auch offen erklären, dass nicht damit zu rechnen ist, dass die Ver- handlungen in Sachen Luftverkehr und in Sachen Strassen- verkehr abgeschlossen werden können, bevor der EWR-Ver- trag in Kraft treten kann. Ich glaube, das ist die Konsequenz unseres Neins vom 6. Dezember.
93.5018
Frage Cavadini Adriano Neat. Einbezug des Tessins in die Kontakte mit Italien Question Cavadini Adriano NLFA. Intégration du Tessin dans les contacts avec l'Italie
Wortlaut der Frage vom 8. März 1993
Die Detailprojektierung für die Neue Eisenbahn-Alpentrans- versale bis nach Lugano zwingt schon heute zu Vorentschei- den für die Fortsetzung bis zur italienischen Grenze; diese Vor- entscheide erfordern weitere Gespräche und Verhandlungen mit Italien. Da die Linienführung, die mit Italien vereinbart wird, das Tessiner Kantonsgebiet direkt betrifft, sollten die Tessiner Behörden in die Verhandlungen und Abklärungen mit den Ver- tretern Italiens unbedingt mit einbezogen werden.
Kann uns der Bundesrat zusichern, dass die Tessiner Behör- den immer und regelmässig zu den Verhandlungen und Ab- klärungen mit Italien über die künftige Alpentransversale ein- geladen werden?
Texte de la question du 8 mars 1993
Le projet de Nouvelle ligne ferroviaire à travers les Alpes jusqu'à Lugano impose aujourd'hui déjà des choix préliminai- res en ce qui concerne son prolongement jusqu'à la frontière italienne, ce qui exigera des négociations avec l'Italie. Il im- porte que les autorités tessinoises participent à ces négocia- tions, étant donné que le ou les tracés choisis avec l'Italie au- ront des répercussions sur le territoire tessinois.
Je prie donc le Conseil fédéral de donner l'assurance que les autorités tessinoises seront régulièrement invitées à participer aux entretiens et aux études effectués avec l'Italie en vue de la construction de la future transversale alpine.
Bundespräsident Ogi: Die Studien über die Verlängerung der Neat bis zur italienischen Grenze und die Verhandlungen mit den italienischen Behörden werden auf schweizerischer Seite durch das Eidgenössische Verkehrs- und Energiewirtschafts- departement, das EVED, geführt.
Der Verhandlungspartner auf der italienischen Seite ist das Verkehrsministerium in Rom. Dadurch ist der Einbezug kanto- naler Behörden nicht ausgeschlossen. Das Departement ist in ständigem Kontakt mit den Tessiner Behörden, so dass die kantonalen Interessen jederzeit gewahrt werden können.
On. Cavadini Adriano: lo capisco che Lei ha detto che il Can- tone Ticino non è escluso da questi contatti perché viene man-
N 8 mars 1993
144
Heure des questions
tenuto il legame con il Suo Dipartimento. lo ritengo però che ci venga data un'assicurazione precisa nel senso che nei con- tatti con l'Italia sui tracciati delle linee ferroviarie che interes- sano il Ticino e che toccano il territorio del Cantone l'Autorità ti- cinese possa partecipare con un suo rappresentante assieme alle Autorità federali. Mi sembra un'esigenza indispensabile per salvaguardare gli interessi cantonali in un territorio difficile e anche per far sì che determinati ostacoli vengano sin dall'ini- zio eliminati.
Bundespräsident Ogi: Direkte Verhandlungen zwischen Bel- linzona und Rom in Sachen Neat sind nicht möglich, aber der Einbezug der Tessiner Interessen und der Einbezug der Tessi- ner in die Delegation der Schweiz für spezielle, das Tessin be- treffende Fragen ist möglich.
Aber ich möchte in diesem Zusammenhang sagen, dass wir in diesen Verhandlungen natürlich eine schnelle Gangart einge- schlagen haben und manchmal etwas enttäuscht sind, wenn wir zusehen müssen, wie lange es geht, bis seitens des Kan- tons Tessin zu gewissen Studien Stellung bezogen wird. Bitte sorgen Sie dafür, dass es rascher geht.
93.5025
Frage Loeb François Flugticketkontrollen durch das BAZL Question Loeb François OFAC. Contrôle des billets d'avion
Wortlaut der Frage vom 8. März 1993
Glaubt der Bundesrat mit den Flugscheinkontrollen durch Be- amte des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (BAZL) bei Nordatlan- tik-Passagieren wirklich daran, Marktkräfte ausser Kraft setzen zu können? Wie passen solche Massnahmen in die Deregulie- rungsphilosophie des Bundesrates? In welchen anderen Län- dern Europas erfolgt ein analoges Vorgehen?
Texte de la question du 8 mars 1993
Le Conseil fédéral croit-il vraiment que, en demandant à des fonctionnaires de l'Office fédéral de l'aviation civile (OFAC) de contrôler les billets des passagers empruntant les lignes de l'Atlantique Nord, il arrivera à s'opposer aux pratiques que l'on rencontre actuellement sur le marché? Comment ces mesures s'inscrivent-elles dans la conception que le Conseil fédéral se fait de la déréglementation? Dans quels autres pays euro- péens pratique-t-on des contrôles analogues?
Bundespräsident Ogi: Die Flugscheinkontrollen des Bundes- amtes für Zivilluftfahrt haben keinesfalls zum Ziel, günstige Flugangebote zu unterbinden, Herr Loeb François. Das Amt erfüllt mit diesen Kontrollen nur seine Aufsichtspflicht und ver- sucht damit durchzusetzen, dass die Fluggesellschaften nur die von ihm genehmigten Tarife anwenden. Im regelmässigen Linienverkehr besteht nämlich gemäss Luftfahrtgesetzgebung immer noch eine Tarifgenehmigungspflicht. Auch die bilatera- len Luftverkehrsabkommen verpflichten die Schweiz, die ge- nehmigten Tarife durchzusetzen. Die Publikation der geneh- migten Tarife stellt sicher, dass für die Kunden Transparenz besteht.
Wenn gegen geltende Vorschriften verstossen wird, hat die Aufsichtsbehörde einzuschreiten. Erste Reaktionen von be- troffenen Fluggesellschaften und Verbänden der Reisebran- che haben uns bestätigt, dass ein Einschreiten der Aufsichts- behörde als richtig und erwünscht befunden wird.
Der Bundesrat befürwortet grundsätzlich, Herr Loeb, die Libe- ralisierungsbestrebungen im Luftverkehr. Das hindert ihn aber nicht daran, sich weiterhin für die Einhaltung fairer Wettbe- werbsbedingungen einzusetzen.
Trotz Liberalisierung im europäischen Luftverkehr steht die Schweiz mit solchen Massnahmen nicht allein. So drohte zum
Beispiel Frankreich kürzlich einer amerikanischen Fluggesell- schaft mit dem Entzug der Betriebsbewilligung, falls sie ihre Tarifunterbietungen nicht sofort einstelle.
Loeb François: Ich sehe ein Problem vor allem beim Touris- mus. Wenn solche Kontrollen stattfinden, hat der einzelne trotzdem ein ungutes Gefühl. Die Frage, die ich Ihnen stellen möchte: Hat es nicht gerade auf den Tourismus eine sehr schlechte Auswirkung, wenn billigere Tarife verhindert wer- den? Wir sind ja im Tourismus nicht als Billigland bekannt. Es bestehen Schwierigkeiten, wenn keine günstigen Tarife mehr möglich sind - wir wissen, wie es in Amerika im Moment zu- geht.
Sie haben gesagt, in Frankreich sei eine Fluggesellschaft ver- warnt worden. Aber ich glaube nicht, dass solche Flugschein- kontrollen in anderen europäischen Ländern stattfinden. Ich bitte deshalb bei allen Kontrollen um grösste Zurückhal- tung.
Bundespräsident Ogi: Ich möchte Herrn Loeb François sa- gen, dass das BAZL natürlich keine Passagiere, die es bei ei- ner Flugscheinkontrolle befragt, an der Abreise hindert. Klar ist das für den Tourismus oder für diejenigen, die die Schweiz als Tourismusland gewählt haben, keine gute Sache. Auf der an- deren Seite sind wir gemäss bilateralen Abmachungen, Verträ- gen und gemäss Luftfahrtgesetz angehalten, diese Kontrollen durchzuführen. Wir möchten im Zivilluftfahrtverkehr auch keine amerikanischen Zustände; Sie werden das sicher be- greifen. Ich nehme an, Sie kennen die Zustände in den USA.
93.5032
Frage Bircher Peter Videotex-Benützer. Aufhebung der Anonymität Question Bircher Peter Utilisateurs du Videotex. Suppression de l'anonymat
Wortlaut der Frage vom 8. März 1993
Tritt der Bundesrat gegenüber den PTT dafür ein, dass die An- onymität der Videotex-Benützer aufgehoben wird, nachdem offensichtlich im Zusammenhang mit Kindsmisshandlungen Missbräuche schlimmsten Ausmasses Tatsache geworden sind, und welche weiteren Massnahmen sind konkret vorge- sehen?
Texte de la question du 8 mars 1993
Le Conseil fédéral prend-il des mesures pour inciter les PTT à supprimer l'anonymat des utilisateurs du Videotex, suite aux graves abus qui sont apparus en relation avec des sévices infli- gés à des enfants, et quelles autres mesures concrètes envi- sage-t-il?
Bundespräsident Ogi: Bereits im letzten August haben die PTT Telecom die Videotex-Anbieter aufgefordert, die Identität der Informationsbenutzer zu registrieren. Einzelne Anbieter kamen dieser Aufforderung jedoch nicht nach. Die PTT sahen sich deshalb Mitte Februar 1993 gezwungen, die Registrie- rung der Identität der Benutzer in ihrer Verordnung über Fern- meldedienste vorzuschreiben und diese neue Bestimmung sofort in Kraft zu setzen. Das Anliegen des Fragestellers ist so- mit erfüllt.
145
Fragestunde
93.5021
Frage Hollenstein Menschenrechtsverletzungen in der Türkei Question Hollenstein Violations des droits de l'homme en Turquie
Wortlaut der Frage vom 8. März 1993
Beim Anschlag auf zwei Kleinbusse in der Südosttürkei, am 13. Januar 1993, wurden fünf einheimische syrisch-orthodoxe Christen (Assyrier) und zwei Angehörige der religiösen Min- derheit Yezidi ermordet. Weitere Personen wurden zum Teil schwer verletzt. Infolge dieses Vorfalls und wegen zahlreichen anderen tödlichen Ueberfällen in den letzten Jahren hat die Fluchtbewegung der genannten Minderheiten stark zuge- nommen. Siedlungsstrukturen drohen zu zerfallen, soziale Gefüge lösen sich auf. Dadurch ist das Ueberleben dieser bei- den Bevölkerungsgruppen gefährdet.
Ist der Bundesrat bereit, mit finanzieller Unterstützung, Exper- tenhilfe und/oder auch mittels Staatenbeschwerde bei der Eu- ropäischen Kommission für Menschenrechte gemäss Artikel 24 EMRK, eventuell in Absprache mit anderen Europaratsmit- gliedern, der Türkei beim Abbruch des schleichenden Geno- zids von Minderheiten beizustehen?
Texte de la question du 8 mars 1993
Le 13 janvier 1993, lors d'un attentat contre deux minibus dans le sud-est de la Turquie, cinq chrétiens indigènes de l'Eglise assyrienne et deux membres de la minorité religieuse yezidie ont été tués. D'autres personnes ont été blessées, dont certai- nes grièvement. A la suite de cet événement et de nombreuses autres agressions ayant fait des morts ces dernières années, de plus en plus de membres de ces minorités fuient leur pays, les structures d'habitat sont ébranlées, le tissu social perd sa cohésion. Cette évolution menace la survie de ces deux grou- pes de population.
Le Conseil fédéral est-il prêt à aider la Turquie à enrayer ce qui est en réalité un génocide de minorités, par un soutien finan- cier, par l'envoi d'experts, voire par une plainte de l'Etat devant la Commission européenne des droits de l'homme, conformé- ment à l'article 24 de la CEDH, éventuellement après concerta- tion avec d'autres membres du Conseil de l'Europe?
M. Felber, conseiller fédéral: La situation générale des droits de l'homme en Turquie reste préoccupante, en particulier dans le sud-est du pays habité en majorité par des Kurdes, où l'état d'exception est toujours en vigueur, et cela dans une di- zaine de provinces. L'usage de la violence, non seulement par les forces de sécurité à l'encontre du PKK, mais aussi par les groupements extrémistes dont les attaques visent des person- nes appartenant à des minorités, des journalistes ou des dé- fenseurs des droits de l'homme, cause presque toujours de très nombreuses victimes parmi la population civile, sur l'en- semble du territoire, mais surtout dans les régions où l'état d'urgence est déclaré.
A plusieurs reprises, en 1992, et en particulier dans ses répon- ses à la motion Fankhauser du 1er septembre ainsi qu'à la question Bäumlin du 14 décembre 1992, le Conseil fédéral a exprimé sa préoccupation quant à la situation des droits de l'homme en Turquie. Il continue à saisir toutes les occasions, les contacts bilatéraux et les rencontres multilatérales, pour rappeler cette préoccupation aux représentants du gouverne- ment turc et pour répéter que la Suisse condamne tout recours à la force, et formuler en même temps l'espoir que l'état d'ur- gence sera levé dans toute la région afin que soient ramenées peu à peu la paix et la sécurité.
Nous tenons à rappeler que le Conseil fédéral a lancé une ini- tiative suisse, lors de la conférence de la CSCE au printemps de l'année dernière à Helsinki, qui proposait d'examiner la possibilité d'envoyer des missions d'observateurs de la CSCE en Turquie. Cette initiative de notre délégation et de notre pays n'a pas été soutenue par la majorité des autres Etats partici-
pant à la CSCE. Pour le Conseil fédéral, il s'agit là d'un indice que, dans la situation internationale actuelle, une nouvelle plainte interétatique contre la Turquie ne trouverait pas de sou- tien parmi les Etats membres du Conseil de l'Europe.
En ce qui concerne la demande de Mme Hollenstein de soutien financier et d'envoi d'experts en Anatolie, le Conseil fédéral est d'avis que l'aide humanitaire d'urgence n'est pas un instru- ment adapté à la situation, car les communautés victimes d'ac- tes de violence ne manquent, en premier lieu, ni de nourriture ni de logement Une telle aide ne résoudrait donc pas le pro- blème de fond soulevé par la question, à savoir la situation d'insécurité qui règne dans cette région. En matière d'aide au développement, il existe en Turquie des organisations non gouvernementales, très qualifiées, qui travaillent en faveur du développement. L'envoi d'experts ne paraît donc pas judi- cieux. La Direction de la coopération au développement et de l'aide humanitaire collabore avec deux des principales organi- sations pour la réalisation de programmes de développement rural et de formation professionnelle qui englobe diverses communautés sans aucune discrimination ethnique. Cepen- dant, l'insécurité généralisée durant ces derniers mois a ra- lenti fortement les activités. La coopération au développement n'est pas un instrument adéquat, dans ce contexte, pour pré- venir les événements rapportés, car son efficacité est évidem- ment tributaire d'une certaine paix civile.
Frau Hollenstein: Vielen Dank, Herr Bundesrat. Ich möchte noch etwas konkreter wissen, ob wirklich eine Staatsbe- schwerde aus Ihrer Sicht keinen Nutzen bringen würde.
M. Felber, conseiller fédéral: Je l'ai dit, nous avons tenté un moyen qui nous paraissait efficace, celui de faire voter une ré- solution à travers la CSCE, résolution qui, dans le fond, enga- geait - parce que la CSCE engage tout de même les Etats par- ticipants - la Turquie à modifier son attitude, à lever l'état d'ur- gence. Nous avons constaté que ce projet de résolution suisse a été rejeté. Nous n'avons pas obtenu de consensus. C'est pourquoi nous croyons actuellement, selon les contacts que j'ai eu personnellement aussi, que si nous intervenions dans une autre instance officielle qui serait le Conseil de l'Eu- rope, j'aurais exactement les mêmes oppositions. Vous pou- vez l'imaginer, ces oppositions viennent, à la suite de la guerre du Golfe, des Etats qui ne veulent pas condamner actuelle- ment l'attitude de la Turquie à cause de son attitude précé- dente. Pour le moment, cela ne signifie pas que l'on ne puisse pas dire ce que nous pensons, mais nous ne pouvons pas ob- tenir une condamnation, en tous les cas pas.
93.5026
Frage Robert Unterstützung für indigene Völker (Urvölker) Question Robert Soutien aux populations autochtones
Wortlaut der Frage vom 8. März 1993
Die Uno hat das Jahr 1993 zum Jahr der indigenen Völker (Ein- geborene, Urvölker, Ureinwohner) erklärt, die heute über- all auf der Welt ums Ueberleben und um Eigenständigkeit kämpfen.
Ich frage den Bundesrat an, ob innerhalb der schweizerischen Innen- und Aussenpolitik gesetzliche und/oder verwaltungs- mässige Vorschriften und Massnahmen, welche die Situation der indigenen Völker dieser Welt berücksichtigen, bestehen und ob der Bundesrat gedenkt, besondere Massnahmen zu ergreifen, um auch seitens der Schweiz Beiträge zum Jahr der indigenen Völker zu leisten, und, falls ja, welche.
19-N
8 mars 1993
N
146
Heure des questions
Texte de la question du 8 mars 1993
L'ONU a déclaré 1993 année internationale des populations autochtones, populations qui, partout dans le monde, doivent lutter pour leur survie et leur indépendance.
Je demande au Conseil fédéral s'il existe, dans le cadre de la politique intérieure et de la politique étrangère, des prescrip- tions légales et des mesures administratives qui prennent en considération la situation des populations autochtones. Le Conseil fédéral a-t-il l'intention de prendre des mesures spé- ciales pour apporter une contribution à l'occasion de cette an- née des populations autochtones et, si oui, quelles sont-elles?
93.5027
Frage Robert Unterstützung für die indischen Urvölker (Adivasi) Question Robert Soutien à la population autochtone de l'Inde (Adivasi)
Wortlaut der Frage vom 8. März 1993
Die indischen Urvölker, die sogenannten Adivasi, bilden mit rund 60 Millionen Angehörigen die grösste nationale Gruppe indigener Völker, auf deren prekäre Situation im Uno-Jahr der indigenen Völker 1993 die Weltöffentlichkeit besonders auf- merksam gemacht werden soll. Die Adivasi mit ihren jahrtau- sendealten, reichen Traditionen und ihrer einzigartigen sozio- kulturellen Vielfalt sind heute nicht nur das Opfer zunehmen- der Entrechtung, sondern von der möglicherweise vollständi- gen kulturellen Vernichtung bedroht.
Ich frage den Bundesrat an, welche bilateralen Möglichkeiten er seitens der Schweiz sieht, um vermehrt auf die Wahrung der grundlegenden Lebensrechte der indischen Urstämme, der Adivasi, hinzuwirken.
Texte de la question du 8 mars 1993
L'ONU ayant déclaré 1993 année internationale des popula- tions autochtones, il convient d'attirer l'attention du public sur la situation particulièrement précaire des Adivasi, la popula- tion autochtone de l'Inde, qui, avec environ 60 millions de per- sonnes, forme le plus grand groupe de population autochtone du monde. Les Adivasi cultivent des traditions millénaires et présentent une diversité socio-culturelle unique en son genre. Or, non seulement ils sont de plus en plus souvent privés de leurs droits, mais encore leur culture risque de disparaître complètement.
C'est pourquoi je demande au Conseil fédéral quelles actions bilatérales la Suisse peut engager pour contribuer à préserver les droits fondamentaux des Adivasi.
M. Felber, conseiller fédéral: Je vous remercie, Monsieur le Président, de nous autoriser à répondre aux deux questions de Mme Robert
A l'occasion de l'année internationale des populations auto- chtones ou indigènes, cette année, décrétée par les Nations Unies, le Conseil fédéral estime que les efforts de la commu- nauté internationale visant à garantir la survie et le développe- ment économique et culturel des populations autochtones doivent être intensifiés. Le gouvernement suisse s'est déjà en- gagé en faveur de la reconnaissance de la cause des peuples indigènes au moyen de la coopération au développement et au moyen de la politique des droits de l'homme.
La coopération au développement, destinée en priorité aux groupes les plus défavorisés, s'oriente depuis un certain nom- bre d'années de plus en plus vers une prise en compte crois- sante des besoins spécifiques des populations autochtones. Sur le plan des droits de l'homme, la Suisse considère que les populations indigènes appartiennent à un groupe particulière- ment vulnérable qui demande une protection accrue, plus forte. Elle contribue depuis des années au Fonds de contribu- tions volontaires de l'Organisation des Nations Unies pour les
populations autochtones qui permettent à leurs représentants de témoigner des problèmes que connaissent leurs peuples devant la sous-commission des droits de l'homme. Celle-ci est par ailleurs en train d'élaborer un projet de déclaration des droits des peuples autochtones.
La Suisse a aussi conscience du rôle primordial joué par les organisations non gouvernementales. Nous accordons une contribution au Centre de documentation pour les peuples in- digènes, organisation non gouvernementale genevoise, qui apporte un soutien logistique aux groupes indigènes qui parti- cipent aux travaux de l'ONU.
En mai 1992, la Suisse a aussi participé financièrement à la Conférence des peuples indigènes sur le territoire, l'environ- nement et le développement, qui était organisée par trois or- ganisations indigènes sud-américaines dans le cadre du fo- rum global de Rio. S'agissant plus spécifiquement de la popu- lation, dont il a bien fallu que beaucoup de vos collègues devi- nent laquelle c'était, parce que très peu connue - celle du peu- ple Adivasi en Inde - les services concernés du Département fédéral des affaires étrangères et l'ambassade de Suisse à la Nouvelle Delhi ont été chargés d'examiner spécifiquement leurs problèmes et, plus particulièrement, la possibilité de s'engager en faveur du maintien de l'identité culturelle de ce peuple au moyen de la coopération au développement et de nouveau de la politique des droits de l'homme.
Nous vous informerons très directement, Madame la Conseil- lère nationale, sur les actions que nous voulons entreprendre en faveur de ce peuple indigène particulier.
93.5036
Frage Misteli Resolution der Uno-Menschenrechtskommission zu den Vergewaltigungen in Bosnien-Herzegowina
Question Misteli Résolution de la Commission des droits de l'homme de l'ONU sur les viols en Bosnie-Herzégovine
Wortlaut der Frage vom 8. März 1993
In der letzten Session hat Bundesrat Felber die Vergewaltigun- gen in Ex-Jugoslawien als Kriegsverbrechen gebrandmarkt und die systematische Vergewaltigung als Aspekt der ethni- schen Säuberungen aufs schärfste verurteilt
Nach Presseberichten hat die Schweiz nur den Text der Reso- lution zur allgemeinen Verurteilung der Menschenrechtsver- letzungen durch die bosnischen Serben der Uno-Menschen- rechtskommission unterschrieben, nicht aber die Resolution gegen die Vergewaltigungen.
Was sind die Gründe, dass die Schweiz die Resolution gegen die Vergewaltigungen nicht unterschrieben hat, und was ist das weitere Vorgehen der schweizerischen Delegation, damit die Vergewaltigungen von Frauen und Kindern im Krieg im ehemaligen Jugoslawien wie die Menschenrechtsverletzun gen behandelt und verurteilt werden?
Texte de la question du 8 mars 1993
Lors de la dernière session parlementaire, M. René Felber, conseiller fédéral, a stigmatisé les viols commis dans l'ex-You- goslavie, les qualifiant de crimes de guerre. Il a également condamné au plus haut point le viol systématique en tant qu'aspect de l'épuration ethnique. La presse a indiqué que la Suisse avait signé uniquement la résolution de la Commission des droits de l'homme de l'ONU sur la condamnation des vio- lations des droits de l'homme commises par les Serbes de Bosnie, mais non la résolution condamnant les viols.
Pourquoi la Suisse n'a-t-elle pas signé cette seconde résolu- tion? Quelles démarches la délégation suisse va-t-elle mainte- nant entreprendre afin que soient examinées et condamnées les violations des droits de l'homme, et plus particulièrement les viols commis sur les femmes et les enfants?
N
147
Fragestunde
M. Felber, conseiller fédéral: Lors de la présente session de la Commission des droits de l'homme, la Suisse s'était portée coauteur d'un premier projet de résolution sur le viol des fem- mes en ex-Yougoslavie, projet qui était soutenu par tous les Etats occidentaux. Ce projet condamnait la politique de viol systématique menée, il faut bien le rappeler, par toutes les par- ties en conflit, et mettait en particulier l'accent - comme nous l'avons fait, vous le savez, comme vous l'avez fait - sur le viol des femmes musulmanes.
Ce texte a malheureusement dû être retiré sous la pression des Etats musulmans et il a été remplacé par un projet qu'eux avaient proposé. A l'image d'autres pays occidentaux, la Suisse ne s'est pas portée coauteur de cette résolution. En ef- fet, cette résolution fait porter uniquement sur les Serbes la seule responsabilité de la pratique systématique du viol utili- sée comme une arme de guerre dans le cadre de la politique de purification ethnique. Or, la pratique systématique du viol des femmes est également, hélas! le fait des autres parties en conflit, même si c'est dans une moindre mesure, nous le sa- vons. Notre pays s'est alors porté coauteur d'une troisième ré- solution, adoptée celle-ci par consensus, qui porte sur la situa- tion générale des droits de l'homme en ex-Yougoslavie. Cette résolution condamne toutes les violations des droits de l'homme, par toutes les parties en conflit, y compris, expresse- ment, la pratique systématique du viol des femmes en faisant endosser dans cette résolution la responsabilité principale aux Serbes, mais non pas exclusive. Voilà la différence.
drücke «Richter» respektive «Richterin» zu vermeiden. Wenig- stens eine Person gleichen Geschlechts kann bei Einzelrich- tern logisch nur bedeuten, dass die das Amt ausübende Per- son das gleiche Geschlecht wie das Opfer haben muss.
Sinn der Norm ist, auf die psychologische Situation der Opfer von Sexualdelikten Rücksicht zu nehmen. Da sich ein Opfer von Sexualdelikten in der Regel von einer Person gleichen Ge- schlechts besser verstanden fühlt als von Personen des ande- ren Geschlechts, soll im urteilenden Gericht wenigstens eine Person gleichen Geschlechts wie das Opfer vertreten sein. Diese Zielsetzung lässt sich bei Einzelrichtern nur so verwirkli- chen, dass der Richter dem gleichen Geschlecht angehört wie das Opfer. Diese Auslegung entspricht der Regelung bei der polizeilichen Einvernahme und in der Voruntersuchung - ich verweise auf Artikel 6 Absatz 3 OHG -, welche in der Regel von einer Einzelperson durchgeführt werden.
Das Gesetz anerkennt dort den Anspruch des Opfers, das Ge- schlecht eines Behördemitgliedes zu bestimmen. Hat man diese Konsequenz für das Untersuchungsverfahren gezogen, muss sie aus systematischen Gründen auch für das Urteilsver- fahren gezogen werden.
Die Einhaltung der Verfahrensvorschriften des Opferhilfege- setzes ist Sache der zuständigen Behörden, d. h. in der Regel der kantonalen Gerichte. Das Opfer kann seinen Anspruch nach Artikel 10 OHG nötigenfalls auf dem Rechtsweg durch- setzen und sich in letzter Instanz ans Bundesgericht wenden.
93.5001
Frage Bär Auslegung des Opferhilfegesetzes durch die Kantone Question Bär Application par les cantons de la loi sur l'aide aux victimes d'infractions
Wortlaut der Frage vom 8. März 1993
Das Opferhilfegesetz bestimmt, dass namentlich bei Sexual- delikten dem urteilenden Gericht wenigstens eine Person an- gehören muss, die gleichen Geschlechtes ist wie das Opfer. Das Obergericht des Kantons Bern weigert sich, diese Bestim- mung beim Einzelrichter, bei der Einzelrichterin anzuwenden. Ist der Bundesrat auch der Ansicht, dass diese Auslegung dem Wortlaut und der Ratio legis widerspricht? Welche Mög- lichkeiten sieht er, dem Gesetz in den Kantonen zum Durch- bruch zu verhelfen?
Texte de la question du 8 mars 1993
La loi sur l'aide aux victimes d'infractions dispose que, notam- ment lorsqu'il s'agit d'infractions contre l'intégrité sexuelle, le tribunal appelé à juger doit comprendre au moins une per- sonne du même sexe que la victime. La Cour suprême du can- ton de Berne se refuse à appliquer cette disposition lorsqu'il y a un ou une juge unique.
Le Conseil fédéral n'estime-t-il pas lui aussi que cette interpré- tation est en contradiction avec la teneur et avec l'esprit de la loi? Quels moyens voit-il pour imposer l'application de la loi dans les cantons?
Bundesrat Koller: «Die Opfer von Straftaten gegen die sexu- elle Integrität können verlangen, dass dem urteilenden Gericht wenigstens eine Person gleichen Geschlechts angehört » So lautet Artikel 10 des Bundesgesetzes über die Hilfe an Opfern von Straftaten (OHG).
Der Bundesrat ist der Ansicht, dass Wortlaut, Sinn und Syste- matik der Norm für eine Anwendung auch bei Einzelrichtern sprechen. In der neueren Gesetzesredaktion des Bundes ver- wendet man nämlich den Begriff «Gericht» regelmässig auch für den Einzelrichter, um die geschlechtsspezifischen Aus-
93.5002
Frage Keller Rudolf Schutz vor illegaler Einwanderung
Question Keller Rudolf Protection contre l'immigration clandestine et les passeurs
Wortlaut der Frage vom 8. März 1993
Verschiedenen Quellen zufolge hat die illegale Einwanderung wieder zugenommen. Es ist eine grosse Schleppertätigkeit «im Dienste von Asylanten» im Gange. Der Drogenschmuggel blüht, Diebesgut wird verschoben, illegal werden Waffen ge- handelt (siehe Ex-Jugoslawien) usw. Bereits haben Kantons- regierungen deswegen beim Bund interveniert.
Sieht der Bundesrat den dringenden Handlungsbedarf, und werden zusätzliche Massnahmen in die Wege geleitet, um für stabilere und sichere Verhältnisse in den Grenzregionen unse- res Landes zu sorgen?
Texte de la question du 8 mars 1993
Selon diverses sources, l'immigration connaît une recrudes- cence. Les passeurs «au service des demandeurs d'asile» sont très actifs. Le trafic de drogue prospère, on passe en contrebande des marchandises volées, on fait du trafic d'ar- mes (voir l'ex-Yougoslavie), etc. Certains gouvernements can- tonaux sont déjà intervenus auprès de la Confédération.
Le Conseil fédéral se rend-il compte qu'il est urgent d'agir, et des mesures supplémentaires ont-elles été prises pour assu- rer plus de stabilité et de sécurité dans les zones frontalières de notre pays?
Bundesrat Koller: Zwischen illegaler Einwanderung, Schlep- pertätigkeit und bestimmten Formen der Kriminalität im Dro- gen- und Waffenhandel gibt es einen gewissen Zusammen- hang. Es besteht anderseits aber kein Anlass, die Situation in den Grenzregionen insgesamt als unsicher und gefährlich zu bezeichnen. Eine Dramatisierung wäre bei Anerkennung des Problems fehl am Platz
Um diese Erscheinungen einzudämmen, müssen die Ursa- chen angegangen werden. Diese sind allerdings komplex und beschränken sich nicht nur auf die Zielländer.
N 8 mars 1993
148
Heure des questions
Im Bereich der defensiven Massnahmen geht es um ver- mehrte und gezielte Grenzkontrollen, um eine verstärkte inter- nationale Zusammenarbeit bei der Schlepperbekämpfung und um eine konsequentere Strafverfolgung. Letztere ist pri- mär Sache der Kantone.
Soweit Massnahmen in die Kompetenz des Bundes fallen, wurden die Behörden bereits verschiedentlich aktiv, wie in der Stellungnahme des Bundesrates vom 31. August 1992 zur Motion Keller Rudolf vom 20. März 1992, 92.3132, «Kampf ge- gen Drogenhandel und Waffenschiebereien. Internationale Zusammenarbeit», im Detail dargelegt wurde (AB 1992 N 2161). Hier sei lediglich an die Verstärkung der Betäubungs- mittel-Zentralstelle mit 15 Personen sowie an den Erlass der Verordnung über den Erwerb und das Tragen von Schusswaf- fen durch jugoslawische Staatsangehörige erinnert. Nicht zu- letzt diese Verordnung hat dazu geführt, dass der Waffenkauf durch Ausländer massiv zurückgegangen ist.
Zudem wurden im vergangenen Jahr an den Grenzüber- gängen 130 057 Personen - im Vorjahr waren es lediglich 107 549 - aus formalen Gründen (fehlende oder ungültige Ausweise) zurückgewiesen und im Zwischengelände 5439 il- legal eingereiste Personen aufgegriffen. Insgesamt konnten erfreulicherweise 771 Schlepper - im Vorjahr, 1991, waren es noch lediglich 419 - der Polizei gemeldet bzw. den Strafverfol- gungsbehörden übergeben werden.
Bei dem angesprochenen Problemkreis handelt es sich nicht nur um ein spezifisch schweizerisches, sondern um ein inter- nationales Problem. Lösungsansätze sind demnach auch auf internationaler Ebene zu suchen. Die Budapester Konferenz zur Bewältigung unkontrollierter Wanderbewegungen von Mitte Februar, an der 34 europäische Staaten vertreten waren, hat sich intensiv mit der Bekämpfung des Schlepperwesens befasst und konkrete Empfehlungen verabschiedet.
Der Bundesrat wird alles daransetzen, diese internationale Zu- sammenarbeit noch zu verstärken.
93.5003
Frage Bischof Unverhältnismässig hohe Dolmetscherkosten bei ausländischem Straftäter im Drogenbereich
Question Bischof Trafiquants de drogue étrangers. Frais d'interprètes excessifs
Wortlaut der Frage vom 8. März 1993 Laut «NZZ»-Bericht vom 17. Februar 1993 beliefen sich die Dolmetscherkosten von einem nigerianischen Drogenhändler in der Stadt Zürich auf rund 125 000 Franken!
Ich frage daher den Bundesrat:
Stimmt diese Angabe?
Wenn ja, wie kann er seinen Einfluss geltend machen, hier sofortige Abhilfe zu schaffen, da zweifellos Steuergelder mas- siv verschleudert werden?
Texte de la question du 8 mars 1993
Selon un reportage de la «NZZ» daté du 17 février 1993, les frais d'interprètes occasionnés par un trafiquant de drogue ni- gérian se sont montés à quelque 125 000 francs dans la ville de Zurich.
C'est pourquoi je pose les questions suivantes au Conseil fé- déral:
Cette indication est-elle juste?
Dans l'affirmative, comment le Conseil fédéral pourrait-il exercer de l'influence en la matière pour remédier à ce pro- blème, étant donné que, manifestement, c'est l'argent des contribuables qui est gaspillé en l'occurrence?
Bundesrat Koller: Die zürcherischen Strafverfolgungsbehör- den mussten etwa 125 000 Franken für Dolmetscherkosten aufwenden. Bei den Ermittlungen gelang es der Kantonspoli- zei Zürich jedoch, nicht nur 1, sondern 22 mutmassliche Dro-
genhändler, nämlich 20 Nigerianer und 2 Libanesen, fest- zunehmen. Umgerechnet auf eine Person belaufen sich die Dolmetscherkosten demnach nicht auf 125 000, sondern auf 5681 Franken. Abgesehen davon haben die Bundesbehörden keinen Einfluss auf kantonale Verfahren; es gilt hier die kanto- nale Gerichtszuständigkeit.
Im weiteren ist aber auf Artikel 6 Absatz 3 der Europäischen Menschenrechtskonvention hinzuweisen. Danach hat der An- geschuldigte das Recht, in einer für ihn verständlichen Spra- che befragt zu werden, und den Anspruch, unentgeltlich einen Dolmetscher beizuziehen.
93.5017
Frage Neuenschwander Bodenrecht. Aufhebung der dringlichen Bundesbeschlüsse
Question Neuenschwander Droit foncier. Abrogation des arrêtés fédéraux urgents
Wortlaut der Frage vom 8. März 1993
Auf welchen Zeitpunkt stellt der Bundesrat die Aufhebung der dringlichen Bundesbeschlüsse über die seinerzeitigen bo- denrechtlichen Sofortmassnahmen (Sperrfrist und Pfandbela- stungsgrenze) in Aussicht?
Werden die Bundesbeschlüsse ohne Ersatzmassnahmen auf- gehoben?
Texte de la question du 8 mars 1993
Quand le Conseil fédéral envisage-t-il d'abroger les arrêtés fé- déraux qui instituaient des mesures d'urgence en matière de droit foncier (délai d'interdiction de revente et limite des char- ges hypothécaires)?
Ces arrêtés seront-ils abrogés sans être remplacés par de nouvelles mesures?
Bundesrat Koller: In der Herbstsession 1989 hat das Parla- ment bodenrechtliche Sofortmassnahmen in Form von drei dringlichen Bundesbeschlüssen verabschiedet. Den Be- schluss über die Anlagevorschriften für institutionelle Anleger hob der Bundesrat am 27. März 1991 auf.
Die beiden noch geltenden Beschlüsse hat das Parlament in der Wintersession 1991 sowie in der Frühjahrssession 1992 in Kenntnis der veränderten Wirtschaftslage und Verhältnisse auf dem Bodenmarkt nach ausgiebiger Diskussion zwar modifi- ziert, im Grundsatz aber bestätigt
Seit den Beratungen im Parlament sind keine wesentlich neuen Tatsachen eingetreten. Es besteht daher kein Grund, die Bundesbeschlüsse erneut in Frage zu stellen, zumal sie ohnehin nur noch zwei Jahre - nämlich bis zum 31. Dezember 1994 - in Kraft bleiben werden, in der Anwendung keine Nach- teile zeigen und der Bundesrat bei markanter Aenderung der Verhältnisse jederzeit selber tätig werden könnte.
93.5000
Frage Bühlmann Frauenbild in der Armee Question Bühlmann Image de la femme dans l'armée
Wortlaut der Frage vom 8. März 1993
Nach Bekanntwerden der frauenfeindlichen T-Shirt-Affäre in der Infanterie-Rekrutenschule vom letzten Herbst in Luzern verurteilte der Ausbildungschef, Korpskommandant Jean- Rodolphe Christen, dieses Vorkommnis. Er kündigte an, dass
149
Fragestunde
der Respekt vor den Frauen in der Ausbildung der Truppe und des Kaders noch vermehrt thematisiert werden müsse. Ich möchte nun wissen, was das konkret heisst:
Welche Schritte sind bisher in dieser Richtung unternom- men worden?
Welche Schritte sind in Zukunft geplant?
In welchem Zeitraum sollen diese durchgeführt werden?
Texte de la question du 8 mars 1993
Une fois qu'a été dénoncée l'affaire des T-shirts offensants pour les femmes, portés par des recrues de l'école d'infanterie l'automne dernier à Lucerne, le chef de l'instruction, le com- mandant de corps Jean-Rodolphe Christen, a condamné cet incident. Il a fait savoir que le respect des femmes devrait être un sujet davantage traité dans l'instruction des troupes et des cadres. J'aimerais que l'on fasse savoir ce que cela signifie concrètement.
Quelles mesures ont été prises dans ce sens jusqu'à pré- sent?
Quelles sont celles qui sont prévues pour l'avenir?
Quel est le calendrier prévu pour leur exécution?
Bundesrat Villiger: Gerade in einem demokratischen Staat ist die aktive Teilnahme der Frauen an allen Fragen der Sicher- heitspolitik wichtig. Es gibt nicht eine Sicherheit für Frauen und eine andere Sicherheit für Männer; es gibt nur eine Sicher- heit für alle. Deshalb ist auch das Klischee, wonach Militär Männersache sei, ein Relikt aus überholter Zeit. Bei der Sicher- heitspolitik, in der Armee und beim EMD muss alles unternom- men werden, damit die Türen für die Integration der Frauen of- fen sind.
Den Respekt gegenüber den Frauen kann man weder regle- mentieren noch befehlen. Die Rekrutenschule kann auch nicht allfällige Versäumnisse von Familie und Schule korrigie- ren. Trotzdem kann die Armee sehr wohl dazu beitragen, dass dieser Respekt zur Selbstverständlichkeit wird. Deshalb ist für den Bundesrat die Frage der Integration nicht nur eine quanti- tative, sondern eine qualitative Frage. Die Armee muss daran arbeiten.
Mit der erstmaligen Durchführung von zwei gemischten Re- krutenschulen in diesem Frühjahr geschieht ein grosser Schritt in diese Richtung. Zweifellos fördert die gemeinsame Ausbildung von Mann und Frau das gegenseitige Verständnis und führt zu einer neuen Qualität der Zusammenarbeit
Im weiteren sieht der Ausbildungschef vor, die Kader der Ar- mee ab diesem Sommer in den Offiziers- und übrigen Kader- schulen noch vermehrt für die Frauenfragen zu sensibilisieren. Wie das konkret geschehen soll, wird derzeit geprüft.
Ich missbillige und bedaure die bedenklichen Entgleisungen nach Art der T-Shirts von Luzern. Ich hoffe, dass ihnen mit die- sen Massnahmen vorgebeugt werden kann.
Frau Bühlmann: Herr Bundesrat, haben Sie schon davon ge- hört, dass gerade der Einbezug von Frauen in die Armee in an- deren Ländern eben nicht dazu geführt hat, das Frauenbild zu verbessern, sondern dass gerade diese Frauen vermehrt und speziell Opfer sexistischer Anfeindungen von Männern wur- den? Ich denke da, dass man das z. B. zusammen mit dem Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann angehen könnte.
Haben Sie schon einmal eine solche Möglichkeit geprüft?
Bundesrat Villiger: Die letztgenannte Möglichkeit haben wir nicht geprüft. Ich werde das dem Ausbildungschef unter- breiten.
Hingegen entspricht das, was Sie vorher gesagt haben, nicht unseren Erfahrungen in der Zusammenarbeit von Mann und Frau in der Schweizer Armee. Wir haben, im Gegenteil, den Eindruck gewonnen, dass dort, wo Frauen mitarbeiten, auch die Qualität der Arbeit der Männer und vor allem der Ton eher besser werden. Wir sind überzeugt, dass sich das positiv ausgewirkt hat. Ihre ausländischen Beispiele sind mir nicht bekannt.
93.5007
Frage Carobbio Verkauf von Pilatusflugzeugen an Burma und Gesetz über den Export von Kriegsmaterial
Question Carobbio Vente des avions Pilatus à la Birmanie. Violation de la loi sur le matériel de guerre
Wortlaut der Frage vom 8. März 1993
In der Presse konnte man kürzlich lesen, dass Pilatusflug- zeuge, die Burma verkauft worden waren, 1987 für Schiessver- suche mit Raketen eingesetzt worden sind. Bei dem Versuch sollen zwei Techniker der Herstellerfirma dabeigewesen sein. Bestätigen sich diese Meldungen, so wäre das Kriegsmaterial- gesetz zum x-tenmal verletzt worden. Nachdem die Ausfuhr von Pilatusflugzeugen nach Südafrika bewilligt worden ist und der Bundesrat gegenüber dem Sicherheitsrat Stellung ge- nommen hat, muss klargestellt werden, inwiefern dieses Ge- setz überhaupt eingehalten wird.
Ich frage den Bundesrat, ob er es angesichts dieser Presse- meldungen nicht für angebracht hält, in diesem konkreten Fall eine Untersuchung einzuleiten, um den Sachverhalt abzuklä- ren. Ich frage ihn zudem, ob er noch immer an seiner Auffas- sung festhält, dass mit dem Verkauf von PC-7 an Länder wie Burma, in dem es soziale und politische Spannungen gibt und wo die Militärdiktatur die Friedensnobelpreisträgerin hinter Gittern hält, das Kriegsmaterialgesetz sicher nicht verletzt wurde.
Texte de la question du 8 mars 1993
La presse a relaté récemment que des avions Pilatus vendus à la Birmanie avaient été utilisés en 1987 pour des essais de tirs de roquettes. Deux techniciens de l'entreprise produisant les avions auraient participé à des exercices. Si ces faits étaient confirmés, il s'agirait du énième cas de violation de la loi sur l'exportation de matériel de guerre. Après l'autorisation de la vente de Pilatus à l'Afrique du Sud, et la prise de position du Conseil fédéral à l'égard des décisions du Conseil de sécurité, il est indispensable de veiller au respect de la loi.
Le soussigné demande au Conseil fédéral s'il estime devoir ouvrir une enquête pour déterminer les faits, et s'il confirme encore sa version, selon laquelle la vente de Pilatus à des Etats comme la Birmanie, où existent des conflits politiques et sociaux, et où la dictature militaire emprisonne un prix Nobel de la paix, n'a pas constitué dans tous les cas une violation de la loi sur l'exportation de matériel de guerre.
93.5023
Frage Spielmann Pilatus PC-7. Lieferungen an Südafrika Question Spielmann Pilatus PC-7. Livraison à l'Afrique du Sud
Wortlaut der Frage vom 8. März 1993
Neue Informationen bestätigen die militärische Verwendung der Flugzeuge des Typs Pilatus PC-7; sie zeigen deutlich auf, dass die vorgesehene Lieferung dieser Apparate durch die Schweiz an Südafrika eine Verletzung des geltenden Embar- gos darstellt.
Ist der Bundesrat angesichts dieser Informationen bereit, den Entscheid zu treffen, der sich aufdrängt, und die Lieferung des Pilatus PC-7 an Südafrika zu verbieten?
Texte de la question du 8 mars 1993
De nouvelles informations ont confirmé l'utilisation militaire du Pilatus PC-7, démontrant ainsi que la livraison prévue de ces
Heure des questions
150
N
8 mars 1993
appareils par la Suisse à l'Afrique du Sud constitue une viola- tion de l'embargo en vigueur.
Le Conseil fédéral est-il prêt, à la lumière de ces informations, à prendre la décision qui s'impose et à prononcer l'interdiction de la livraison d'avions Pilatus PC-7 à l'Afrique du Sud?
93.5029
Frage Misteli Pilatus PC-7. Lieferungen nach Südafrika Question Misteli Pilatus PC-7. Livraison à l'Afrique du Sud
Wortlaut der Frage vom 8. März 1993
Ueber dreissig Hilfswerke, Antiapartheid- und Solidaritätsor- ganisationen - darunter Caritas und Fastenopfer - haben an einer Koordinationskonferenz Ende Januar beschlossen, sich weiterhin gegen den Verkauf der 60 PC-7-Flugzeuge nach Südafrika einzusetzen.
Der PC-7 wird von Drittweltländern klar nur wegen seiner Dop- pelkonzipierung als Trainings- und Kampfflugzeug gekauft; als Nur-Trainingsflugzeug wäre er für diese Länder zu teuer.
Nachdem nun in der Presse erneut über den militärischen Ein- satz von Piltatusschulflugzeugen in Burma (Schiessversuche der PC-9) unter Beteiligung von Technikern der Stanser Werke berichtet wurde, frage ich den Bundesrat an, ob er bereit ist, auf seinen Entschluss der Bewilligung des Exportes der 60 PC-7-Flugzeuge an die südafrikanische Armee zurückzukom- men und den Export zu verhindern.
Wenn nicht, mit welcher Begründung, und wurde die Export- bewilligung an Bedingungen gegenüber den Stanser Werken und der südafrikanischen Regierung geknüpft?
Texte de la question du 8 mars 1993
Plus de 30 oeuvres d'entraide, d'organisations antiapart- heid et de solidarité - parmi lesquelles Caritas et Action de ca- rême - ont décidé, lors d'une conférence de coordination te- nue fin janvier, de continuer à s'opposer à la vente des 60 PC-7 à l'Afrique du Sud.
Il est évident que les pays du tiers monde n'achètent le PC-7 qu'en raison de sa double conception comme avion d'entraî- nement et comme avion de combat; en effet, s'il servait uni- quement d'avion d'entraînement, il serait trop cher pour ces pays.
Or, la presse a de nouveau dénoncé l'engagement militaire d'avions-écoles Pilatus en Birmanie (essais de tir sur PC-9), avec la participation de techniciens de l'entreprise de Stans. Je demande de ce fait au Conseil fédéral s'il est prêt à revenir sur sa décision d'autoriser l'exportation de 60 PC-7 destinés à l'armée sud-africaine et à empêcher cette exportation.
S'il répond par la négative, pour quelles raisons? L'autorisa- tion d'exporter a-t-elle été liée à des conditions concernant les ateliers de Stans et le gouvernement sud-africain?
93.5033
Frage Brügger Cyrill Kriegerische Einsätze mit PC-7 und PC-9 Question Brügger Cyrill Engagement militaire de PC-7 et de PC-9
Wortlaut der Frage vom 8. März 1993
Mit traumwandlerischer Regelmässigkeit gerät die militärische Verwendung der PC-7 und PC-9 in die Schlagzeilen. Immer wieder werden diese Flugzeuge von Staaten in Krisengebie- ten als Kriegswaffe eingesetzt
Nach Erscheinen vertraulicher Unterlagen, wonach die bur- mesische Flugwaffe Schiessversuche - abgefeuert von PC-9- Flugzeugen - durchgeführt hat, hat Bundesrat Villiger erklärt, nun müsse die Revision des Kriegsmaterialgesetzes doch ernsthaft vorangetrieben werden.
Auf wann ist mit einer Vorlage betreffend Revision des Kriegs- materialgesetzes an das Parlament zu rechnen? Welche Mög- lichkeiten bestehen, inzwischen mindestens die Lieferung der umstrittenen PC-7 und PC-9 an Südafrika zu verhindern?
Texte de la question du 8 mars 1993
L'utilisation militaire de PC-7 et de PC-9 fait régulièrement la une des journaux. Ces avions sont systématiquement em- ployés comme matériel de guerre dans des régions en crise. Après la publication de documents secrets selon lesquels l'aviation militaire birmane a procédé à des essais de tir à partir de PC-9, M. Villiger, conseiller fédéral, a déclaré qu'il fallait entreprendre d'urgence une révision de la loi sur le matériel de guerre.
Quand le Parlement peut-il compter recevoir le projet de révi- sion de la LMG? De quels moyens dispose-t-on, en attendant, pour empêcher au moins la livraison contestée de PC-7 et de PC-9 à l'Afrique du Sud?
Bundesrat Villiger: Gemäss heute geltendem Recht unter- steht der Export von PC-7-Flugzeugen nicht dem Bundesge- setz über das Kriegsmaterial, weil diese Flugzeuge in der Kon- figuration, in der sie die Schweiz verlassen, nicht bewaffnet sind.
Schon seit 1985 ist allerdings bekannt, dass PC-7-Flugzeuge in Burma und Guatemala nachträglich umgerüstet und bewaff- net eingesetzt worden sind. Herr Bundesrat Delamuraz, da- mals Chef des EMD, hat dies 1985 vor dem Parlament bestä- tigt. Damals wurde im Parlament die Frage eingehend disku- tiert, ob dieser Flugzeugtyp künftig dem Kriegsmaterialgesetz unterstellt werden sollte. Am 20. Juni 1985 wurde jedoch ein Vorstoss klar abgelehnt, der die Unterstellung forderte. Diese vom Parlament vor acht Jahren festgelegte Rechtslage gilt noch heute.
In diesen Tagen ist bekanntgeworden, dass offenbar Techni- ker der Pilatuswerke 1987 bei Schiessversuchen mit PC-7- Flugzeugen in Burma anwesend waren. Sie haben zwar nicht direkt an diesen Schiessversuchen teilgenommen, waren aber mit allgemeinen Wartungsarbeiten an den Flugzeugen betraut
Im Zusammenhang mit der angekündigten Lieferung von PC-7-Flugzeugen nach Südafrika hat das Uno-Sanktionsko- mitee die Schweiz aufgefordert, die geplanten Lieferungen zu verhindern. Die Stellungnahme des Uno-Sanktionskomitees verändert zwar die Rechtslage nicht, ist aber für den Bundesrat Anlass, die bisherige Politik in diesem Bereich zu überprüfen. Mit Blick darauf haben wir anlässlich einer kürzlichen Vorspra- che des südafrikanischen Verteidigungsministers beim Chef EMD die eindeutige Zusicherung erwirkt, dass die Republik Südafrika die PC-7 ausschliesslich zu Ausbildungszwecken - übrigens auch für Piloten der Nachbarstaaten Botswana und Swasiland - verwenden und nie bewaffnen wird. Diese Zusi- cherung wurde inzwischen schriftlich bestätigt.
Die Rechtslage in bezug auf die Behandlung der PC-7-Flug- zeuge wird im Rahmen der in Ausarbeitung befindlichen Total- revision des Kriegsmaterialgesetzes neu zu beurteilen sein. Die Botschaft für diese Gesetzesrevision dürfte bis Ende 1993 vorliegen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt erscheint es dage- gen nicht sinnvoll, eine Aenderung des geltenden Rechts vor- zunehmen, beispielsweise in der Form einer Anpassung der Verordnung. Ein solcher Schritt drängt sich um so weniger auf, als das Problem der Lieferung von PC-7-Flugzeugen nach Südafrika einer befriedigenden Lösung entgegenzugehen scheint.
Der Bundesrat hat deshalb heute vormittag das EMD beauf- tragt, die Pilatuswerke formell aufzufordern, an den PC-7- und PC-9-Flugzeugen die notwendigen technischen Modifikatio- nen vorzunehmen, die sicherstellen, dass eine nachträgliche Bewaffnung ausgeschlossen werden kann. Dieses Erforder- nis gilt für sämtliche Flugzeuge, die in Länder geliefert werden
151
Fragestunde
sollen, die gemäss schweizerischer Gesetzgebung nicht mit Kriegsmaterial beliefert werden dürfen. Den Export von PC-7- und PC-9-Flugzeugen in der heutigen technischen Konfigura- tion würde der Bundesrat unter Berufung auf Artikel 102 Ziffer 8 der Bundesverfassung verbieten, um die aussenpolitischen Interessen unseres Landes zu wahren.
M. Spielmann: Je voudrais poser une question complémen- taire. Jusqu'à présent, il a toujours été argumenté, concernant cet avion, qu'il ne pouvait pas être utilisé à des fins militaires. A présent qu'il a été établi que c'était effectivement le cas et qu'on l'utilisait - ce que d'ailleurs tout le monde savait sans le dire - de manière militaire, on nous explique qu'on va le modi- fier techniquement pour empêcher ensuite qu'on l'équipe de matériel militaire. Je me demande quelle garantie on peut ob- tenir, et je me pose surtout une question que je pose au Conseil fédéral: comment est-il possible de faire un tel tour de passe-passe?
Ne vaudrait-il pas mieux aujourd'hui, face à la décision quand même ferme du Comité des sanctions de l'ONU qui deman- dait qu'on renonce à cette livraison, considérer une fois pour toutes que la Suisse, dans le domaine des sanctions de l'ONU, ne prendra pas position seulement quand il s'agit du pétrole, mais aussi quand il s'agit des êtres humains qui peu- vent être touchés? On est aussi en position d'empêcher les li- vraisons d'armement et, dans le cas particulier, d'appliquer la décision du Comité des sanctions de l'ONU. Par conséquent, le Conseil fédéral doit prendre la seule décision qui s'impose: demander l'interdiction de l'exportation de ces avions jusqu'à ce qu'on ait fait la démonstration qu'il ne seront pas utilisés de manière militaire. Jusqu'à présent, on nous a toujours démon- tré le contraire et chaque fois après de nouvelles révélations; cela devient un peu une habitude navrante et j'aimerais que le Conseil fédéral donne un message clair à ce sujet-là.
Bundesrat Villiger: Die Aufforderung der Uno und die Tatsa- che, dass unlängst wieder Einsätze in anderen Ländern mit bewaffneten PC-7 und PC-9 bekanntgeworden sind, haben uns dazu bewogen, die Sache noch einmal zu überdenken. Wir stehen in einem schwierigen Abwägen, auch weil es um Hunderte von Arbeitsplätzen geht, was sozialpolitisch in der heutigen Zeit für den Kanton Nidwalden von vitaler Bedeutung ist. Auf der anderen Seite müssen wir sicherstellen, dass es sich hier nicht um eine Umgehung des Kriegsmaterialgeset- zes handelt. Die Pilatuswerke müssen also darlegen, dass die neue Exportversion den verlangten Auflagen entspricht. Das werden wir von Technikern überprüfen lassen müssen, damit man in guten Treuen davon ausgehen kann, dass solche Flug- zeuge nicht ohne nachträgliche, mit grossem Aufwand ver- bundene Eingriffe als Kampfflugzeuge eingesetzt werden kön- nen. In diesem Sinne sind sie nicht Kriegsmaterial gemäss un- serer Definition. Sofern diese Voraussetzung - nicht als Kriegsflugzeuge eingesetzt werden zu können - erfüllt wird, ist ein Export vertretbar. Das gilt im übrigen nicht nur für Süd- afrika, sondern für alle Länder, die dem schweizerischen Kriegsmaterialexport-Verbot unterworfen sind.
Frau Misteli: Herr Bundesrat, ich finde Ihre Antwort schon ein wenig blauäugig. Heute habe ich zum Beispiel im «Rendez- vous am Mittag» von einem Vertreter der Stanser Werke ge- hört, dass sie mit dieser technischen Modifikation auf dem Markt nicht mehr konkurrenzfähig seien. Im Klartext heisst dies, dass ein Verkauf dieser Flugzeuge in diese Länder nur möglich ist, wenn sie umgerüstet werden können.
Wäre es nicht eine klarere Haltung, wie das mein Kollege auch gesagt hat, den Export dieser Flugzeuge in diese Länder zu verbieten?
Bundesrat Villiger: Sie werden sich im Rahmen der Revision des Kriegsmaterialgesetzes, die hier sicherlich viel zu reden geben wird, grundsätzlich zu dieser Frage äussern können. Wir glauben aber, dass es heute genügt, wenn wir sicherstel- len, dass diese Flugzeuge im konkreten Fall Südafrika nicht als Kriegsflugzeuge verwendbar sind. Ich gehe im übrigen da- von aus, dass die Zusicherung der heutigen südafrikanischen
Regierung durchaus ihren Wert hat und glaubwürdig ist. Es ist nicht undenkbar, dass für gewisse Länder die Marktchancen des Flugzeuges in dieser Konfiguration sinken und Geschäfte nicht getätigt werden könnten. Das ist in Kauf zu nehmen, auch wenn es wirtschaftlich Schmerzen macht.
93.5028
Frage Zisyadis Verhalten der hohen Offiziere bei Volksabstimmungen über die Armee
Question Zisyadis Votations populaires concernant l'armée. Devoir de réserve des officiers supérieurs
Wortlaut der Frage vom 8. März 1993 In diesem Jahr werden zwei wichtige Abstimmungen über die Armee durchgeführt.
Wie gedenkt der Bundesrat, die Pflicht der Zurückhaltung, wel- che dem militärischen Kader auferlegt ist, durchzusetzen?
Texte de la question du 8 mars 1993 Deux importantes votations concernant l'armée sont à l'ordre du jour cette année. Comment le Conseil fédéral entend-il faire respecter le devoir de réserve de la hiérarchie militaire?
93.5034
Frage Rechsteiner Rolle des EMD im Abstimmungskampf vom 6. Juni 1993 Question Rechsteiner Campagne pour la votation du 6 juin 1993. Rôle du DMF
Wortlaut der Frage vom 8. März 1993
Bereits heute beginnen Offiziere im Dienst offen mit der Propa- ganda gegen die F/A-18-Initiative und die Initiative «40 Waffen- plätze sind genug - Umweltschutz auch beim Militär» (zum Beispiel im Inf Rgt 32).
Ist der Bundesrat bereit, dafür zu sorgen, dass Offiziere im Dienst ab sofort keine Propaganda mehr gegen die beiden In- itiativen betreiben?
Texte de la question du 8 mars 1993
Aujourd'hui déjà, des officiers en service se mettent à faire de la propagande contre l'initiative s'opposant aux F/A-18 et l'ini- tiative «40 places d'armes, ça suffit! - L'armée doit aussi se soumettre à la législation sur la protection de l'environne- ment» (par exemple dans le rgt inf 32).
Le Conseil fédéral est-il prêt à faire en sorte que, dès à présent, les officiers en service ne fassent plus de propagande contre ces deux initiatives?
N
8 mars 1993
152
Heure des questions
93.5037
Frage Gross Andreas EMD. Propaganda gegen Volksinitiative «für eine Schweiz ohne neue Kampfflugzeuge»
Question Gross Andreas DMF. Campagne contre l'initiative populaire «pour une Suisse sans nouveaux avions de combat»
Wortlaut der Frage vom 8. März 1993
Sowohl die bundesgerichtliche Rechtssprechung als auch die Erfordernisse der demokratischen Meinungsbildung verbie- ten es dem EMD, sich direkt oder indirekt in der Abstimmungs- kampagne gegen die Volksinitiative «für eine Schweiz ohne neue Kampfflugzeuge/Stop F/A-18» zu engagieren. Dies gilt gemäss Dienstreglement (Artikel 243 Absatz 3) auch armeein- tern. Wie verträgt sich angesichts dieser Ausgangslage ein Brief des Kdt der Armee, Standort Kp 722, eines Majors, an alle ihm unterstellten Militärdienstleistenden zum Jahreswechsel, in dem er aus seiner Sicht die Volksinitiative beurteilt und dis- kreditiert, seine Männer indirekt auffordert, den Initianten nicht «auf den Leim zu kriechen», und dem er einen total einseitigen Argumentationskatalog der ISGA gegen die Initiative sowie eine klare Propagandaparole beilegt?
Was sagt der Bundesrat im weiteren zu einem Passus in den «Richtlinien für den Kampf gegen die beiden am 6. Juni 1993 zur Abstimmung gelangenden Volksinitiativen» der Arbeitsge- meinschaft für eine wirksame und friedenssichernde Milizar- mee (AWM), einer Dachorganisation von 25 armeefreundli- chen Organisationen und Verbänden, vom 1. Januar 1993, wonach das EMD den Abstimmungskampf zwar nicht führe, aber «den Kampf mit seiner Informationstätigkeit unterstützt»? Ist der Bundesrat bereit, den einseitig informierten Wehrmän- nern auch den anderen Standpunkt zur Kenntnis zu bringen und andererseits dafür zu sorgen, dass sich das EMD und seine Angehörigen in offizieller Mission inskünftig aus der Ab- stimmungskampagne heraushalten und keine öffentlichen Gelder für Propaganda verwenden?
Texte de la question du 8 mars 1993
La jurisprudence du Tribunal fédéral, de même que le principe démocratique selon lequel chacun a le droit de se forger une opinion interdisent au DMF de s'engager directement et indi- rectement dans la campagne menée contre l'initiative popu- laire «pour une Suisse sans nouveaux avions de combat». Cela vaut aussi pour l'armée, en vertu de l'article 243 alinéa 3 du Règlement de service. Que pense alors le Conseil fédéral de la lettre du commandant de la compagnie de stationne- ment 722, un major, qui, pour le Nouvel-An, a envoyé à tous les hommes servant sous ses ordres une lettre dans laquelle il leur dit ce qu'il pense de l'initiative, qu'il discrédite, dans la- quelle encore il leur enjoint indirectement de ne pas «tomber dans le panneau», et à laquelle il joint un argumentaire on ne peut plus partial et un mot d'ordre clair et net?
Que pense-t-il encore de l'affirmation de la Communauté de travail pour une armée de milice efficace et assurant la paix, or- ganisation faîtière de 25 associations favorables à l'armée qui, le 1er janvier 1993, a écrit dans des directives pour combattre les deux initiatives populaires soumises à la votation populaire le 6 juin 1993 que le DMF ne menait pas directement le combat contre elles, mais «qu'il le soutenait par sa campagne d'infor- mation»? Le Conseil fédéral est-il prêt à faire connaître l'autre point de vue à ces soldats qui n'ont entendu qu'un avis partial? Est-il aussi prêt à veiller à ce que le DMF et ses membres, lorsqu'ils effectuent une mission officielle, se tiennent à l'ave- nir à l'écart de toute campagne qui précède une votation et qu'ils n'utilisent plus les deniers publics à des fins de propa- gande?
Bundesrat Villiger: Der Abstimmungskampf im Hinblick auf die Volksabstimmung vom 6. Juni über die Waffenplatz-Initia- tive und die Initiative «für eine Schweiz ohne neue Kampfflug-
zeuge» wird weder vom EMD noch von der Armee geführt. Un- sere Armeeangehörigen haben indessen ein Anrecht darauf, für ihre vielfältigen Aufgaben in der Armee gut ausgebildet und informiert zu werden. Die militärischen Kader haben nicht nur das Recht, sondern es ist ihre Pflicht, den ihnen anvertrauten Offizieren, Unteroffizieren und Soldaten über Grundsatzfragen von Ausbildung und Einsatz offen Auskunft zu geben. Diese Verantwortung gebietet, auf die rein militärische Tragweite der Abstimmungsvorlagen aufmerksam zu machen. Dazu gehört aber die Orientierung über die von Bundesrat und Parlament gefassten Beschlüsse. Das hat nichts mit unerlaubter politi- scher Propaganda gemäss Ziffer 243 des Dienstreglementes zu tun, denn es geht dabei nicht um Abstimmungsparolen oder solche Dinge, sondern um die objektive Information und die sachliche Auseinandersetzung mit den Vorlagen.
Ich habe die Kommandanten der Armee am Berner Rapport vom vergangenen Jahr auf diese Informationspflicht aufmerk- sam gemacht und sie angewiesen, wie weit sie bei deren Erfül- lung gehen dürfen. Weitere Massnahmen drängen sich nicht auf. Sollten einzelne Truppenkommandanten über das reine Informationsziel hinausschiessen und unzulässige Abstim- mungspropaganda betreiben, müssten sie zur Rechenschaft gezogen werden.
Zu Publikationen von armeefreundlichen Privatorganisationen hat sich der Bundesrat nicht zu äussern.
Anlässlich der EWR-Abstimmung haben Medien, Politik und Wissenschaft einmütig erkannt, dass es Pflicht des Bundesra- tes sei, seine Argumente überzeugend darzutun und der Stimmbürgerschaft zu erklären. Dies gilt natürlich für alle Bun- desaufgaben. Die Armee ist direkt betroffen, und die jedem Kommandanten im Einsatz anvertrauten Soldaten sind es ebenfalls. So sind jene Gründe, mit denen der Bundesrat über- zeugende Zustimmung im Parlament fand, wohl kaum öffent- lichkeitsunfähige Geheimsache.
M. Zisyadis: J'ai ici la lettre qu'un commandant a envoyée à ses soldats et qui n'est pas une lettre d'information, comme vous le disiez tout à l'heure, mais de prise de position politique claire contre l'initiative. Par conséquent, je demande quelles sont exactement les mesures que vous prendrez contre ces of- ficiers.
Je demande également quelle information sera envoyée à tous ces soldats pour qu'ils reconnaissent, après l'envoi de ces premières lettres, que ces dernières ne sont pas admissi- bles et qu'une seconde information leur sera envoyée.
Bundesrat Villiger: Ich bitte Sie, Herr Zisyadis, mir diesen Brief zu geben, und dann werde ich dieser Sache nachgehen. Ich kann jetzt nicht spontan eine Stellungnahme aus dem Aermel schütteln. Ich werde der Sache aber nachgehen und Sie wie- der informieren.
Rechsteiner: Was sagen Sie dazu, Herr Bundesrat Villiger, dass in den Richtlinien der gegnerischen Organisationen zu diesen Initiativen - angeführt durch den SVP-Generalsekretär Max Friedli - ausdrücklich gesagt wird, dass das EMD durch seine Informationstätigkeit den Abstimmungskampf dieser Or- ganisationen unterstütze?
Sind Sie bereit, sich gegenüber diesen Organisationen zu di- stanzieren und für eine zurückhaltende Informationstätigkeit zu sorgen, damit keine Abstimmungspropaganda im Militär- dienst gemacht wird?
Bundesrat Villiger: Ich habe vorhin zu dieser Frage Stellung genommen. Ich kenne diese Schrift nicht, und ich habe sie deshalb auch nicht zu kommentieren. Aber ich kann Ihnen sa- gen, dass selbstverständlich derjenige, welcher von uns Infor- mationen über Sachfragen will, sie von uns auch erhalten wird. In diesem Sinne sind wir durchaus bereit - wem immer das sei, ob Parlamentariern oder Organisationen -, Sachauskünfte zu geben. Aber wir werden keinen Abstimmungskampf führen.
Gross Andreas: Ich möchte bei meiner Frage davon ausge- hen, dass Sie recht haben, wenn Sie sagen, dass die Soldaten und die Wehrmänner ein Anrecht auf Information hätten. Sie
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Fragestunde
haben auch recht, wenn Sie sagen, dass der Bundesrat selbst über Abstimmungsvorlagen informieren dürfe. Ich habe das hier auch als einer gesagt, der in der EWR-Frage anderer Mei- nung war als der Bundesrat. Wir haben in dieser Diskussion betont, dass es eine Gratwanderung zwischen Information und Propaganda gibt. Nun habe ich hier aber einen Brief eines Kompaniekommandanten, der diese Grenze überschritten hat. Er sagt, die Andersdenkenden in dieser Abstimmung seien «Mogler», es seien «Ignoranten», und er warnt seine Leute davor, diesen «Leuten auf den Leim zu kriechen». Das ist ein Stil, ein Inhalt, eine Diktion, die mit Information nichts mehr zu tun hat.
Sind Sie bereit, das Ihrige dazu beizutragen, dass solche Briefe von Militärangehörigen an Militärangehörige über Bür- ger, die ein demokratisches Recht legitim wahrnehmen, nicht mehr geschrieben werden?
Bundesrat Villiger: Ich bin gerne bereit, auch dieser Sache nachzugehen, wenn Sie mir bitte diesen Brief übergeben oder eine Fotokopie davon machen wollen.
So, wie Sie es zitieren, scheint für meine erste Beurteilung eine Grenze überschritten zu sein. Die Information muss in der Richtung gehen, dass zum Beispiel der Panzersoldat wissen muss und wissen darf, was ihm in einem echten Konflikt pas- sieren kann, wenn kein echter Luftschirm da ist; aber irgend- eine Beurteilung von Initianten und politischen Zielen gehört selbstverständlich nicht zu einer solchen Information. Wir ge- hen all diesen Fällen nach und werden entsprechende Mass- nahmen ergreifen, falls sich das aufdrängen sollte. Ich bitte Sie, mir den Brief zu übergeben.
93.5004
Frage Bischof Konsequenzen des EWR-Ja des Fürstentums Liechtenstein Question Bischof EEE. Conséquences du oui de la principauté du Liechtenstein
Wortlaut der Frage vom 8. März 1993
Das Fürstentum Liechtenstein ist dem EWR beigetreten! Aus diesem Grunde müssen verschiedene zolltechnische Regulie- rungen (CH/FL) geändert werden. Von den Finanzen spricht niemand. Das Fürstentum partizipiert nämlich, entsprechend der Länge seiner Landesgrenzen, schon seit Jahren an den Zolleinnahmen der Schweiz.
Ich frage daher den Bundesrat:
Ist er nicht auch der Meinung, dass diese Beiträge gestri- chen werden müssen,
ebenso die Unterhaltskosten des Bundes an die FL-Grenz- polizei?
Texte de la question du 8 mars 1993
La principauté du Liechtenstein a adhéré à l'EEE! Pour cette raison, diverses réglementations techniques relatives aux douanes (CH/FL) devront être modifiées. Mais, personne ne parle de l'aspect financier de la chose. Or, cela fait des années que la principauté perçoit, en fonction de la longueur de ses frontières, une partie des recettes douanières de la Suisse. Je pose donc les questions suivantes au Conseil fédéral:
N'estime-t-il pas aussi que la part du Liechtenstein devrait être supprimée?
Ne pense-t-il pas que la Confédération devrait aussi cesser de débourser de l'argent pour entretenir les gardes-frontière du Liechtenstein?
Bundesrat Stich: Das Fürstentum Liechtenstein partizipiert an den Einnahmen und Ausgaben der Eidgenössischen Zollver- waltung. Die Berechnungsweise ist in einer Vereinbarung zwi-
schen dem Schweizerischen Bundesrat und der Regierung des Fürstentums vom 24. September 1964 geregelt, welche sich auf den Zollvertrag von 1923 stützt.
Nach dieser Vereinbarung ist das Fürstentum Liechtenstein nicht entsprechend der Länge seiner Landesgrenzen, son- dern aufgrund der Bevölkerungszahl an den Einnahmen und Ausgaben der Eidgenössischen Zollverwaltung beteiligt. Das Fürstentum Liechtenstein verfügt über keine Grenzpolizei. Die grenzpolizeilichen Aufgaben an der Aussengrenze des Für- stentums Liechtenstein, die gleichzeitig Aussengrenze des schweizerischen Zollgebietes ist, werden durch die Eidgenös sische Zollverwaltung wahrgenommen. Für die Verwaltungs- ausgaben kommt das Fürstentum Liechtenstein anteilmässig auf. Die Streichung des Anteils des Fürstentums Liechtenstein an den Einnahmen und Ausgaben der Eidgenössischen Zoll- verwaltung steht zurzeit nicht zur Diskussion. Die Frage müsste erneut überprüft werden, falls die neue Situation aus ir- gendwelchen Gründen zu erheblichen Mehrkosten führen würde.
93.5014
Frage Aguet Missbräuchliche Verwendung der Bezeichnung AHV Question Aguet Utilisation abusive du sigle AVS
Wortlaut der Frage vom 8. März 1993
Das Komitee, das sich für eine Aenderung von Artikel 35 der Bundesverfassung ausgesprochen hat, nennt sich «Komitee für die Aufhebung des Spielbankenverbots zugunsten der AHV». Auch wenn der Bundesrat und die Räte die Erträge aus den Spielbanken als zusätzliche Quelle für die AHV-Finanzie- rung vorgesehen haben, ändert dies nichts am Beitrag, mit dem der Bund die AHV mitfinanziert. Das heisst, dass nach Zu- lassung der grossen Geldspiele kein Rappen mehr der AHV zufliesst. Die Zulassung dieser Spiele ist vor allem ein Mittel zur Erhöhung der Bundeseinnahmen um einige Millionen. Ist der Bundesrat nicht auch der Meinung, dass das Unterstüt- zungskomitee mit dem Namen, den es sich gegeben hat, of- fensichtlich die Bezeichnung einer staatlichen Institution für eine politische Kampagne missbraucht hat?
Texte de la question du 8 mars 1993
Le comité qui a défendu la modification de l'article 35 de la constitution s'est intitulé «Comité pour l'abolition de l'interdic- tion des maisons de jeu en faveur de l'AVS». S'il est vrai que le Conseil fédéral et les Chambres ont ajouté l'impôt sur les mai- sons de jeu aux diverses sources de financement de l'AVS, cette option ne modifie en rien la quote-part de la caisse fédé- rale au financement de l'AVS. C'est-à-dire que l'AVS ne rece- vra pas un centime de plus après l'ouverture des grands jeux. L'introduction des grands jeux est essentiellement un moyen d'améliorer de quelques millions les finances fédérales. Le Conseil fédéral n'est-il pas d'avis que, dans son appella- tion, le comité de soutien a abusé manifestement du sigle d'une institution d'Etat dans une campagne politique?
Schriftliche Antwort des Bundesrates
Die AHV wird einerseits durch Beiträge der Arbeitgeber und Ar- beitnehmer finanziert. Andererseits hat der Gesetzgeber vor- gesehen, dass der Bundesbeitrag an die AHV vorab aus der Tabak- und Alkoholsteuer geleistet wird. Der Rest des Bundes- beitrages geht zu Lasten der allgemeinen Bundeskasse. Die- ser Beitrag ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Ange- sichts der angespannten Finanzlage des Bundes ist es mög- lich, dass die Finanzierung der AHV in Zukunft nicht mehr si- chergestellt werden kann. Der Bundesrat hat deshalb vorge- sehen, ihr zusätzlich zweckgebundene Erträge aus den Casi-
20-N
Heure des questions
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N
8 mars 1993
nos zukommen zu lassen, denn eine weitere Finanzierung durch höhere Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge scheint dem Bundesrat auch bei steigendem Finanzierungsbedarf als ausgeschlossen.
93.5030
Frage Zisyadis Geschäftspraktiken der Grossbanken Question Zisyadis Politique des grandes banques
Wortlaut der Frage vom 8. März 1993
Die grossen Banken unseres Landes melden massive Entlas- sungen. Sie verfolgen zudem eine Hochzinspolitik, die schwer auf der Bauwirtschaft und den öffentlichen Finanzen lastet. Hält der Bundesrat dieses Verhalten vertretbar angesichts der enormen Gewinne dieser gleichen Banken?
Texte de la question du 8 mars 1993
Les grandes banques de notre pays annoncent des licencie- ments massifs. Ils pratiquent en outre des taux d'intérêts éle- vés qui pèsent lourdement sur le marché de la construction et les finances publiques.
Le Conseil fédéral considère-t-il ces pratiques compatibles avec les bénéfices indécents réalisés par ces mêmes ban- ques?
Schriftliche Antwort des Bundesrates
Die Banken arbeiten auf dem freien Markt und stehen im Wett- bewerb mit anderen Konkurrenten. Es ist auch im Interesse der Bankgläubiger, wenn die Banken eine vorsichtige Ge- schäftspolitik betreiben und diese langfristig auf Sicherheit ausrichten. Die Banken stehen gegenwärtig in einer schwieri- gen Zeit der Umstrukturierungen und Rationalisierungen. Für deren zukünftige Wettbewerbsfähigkeit ist es wichtig, dass sie die notwendigen Anpassungen rechtzeitig vornehmen. Die Höhe der von den Banken ausgewiesenen Gewinne sind in Relation zum eingesetzten Kapital zu beurteilen. So gesehen werden diese Gewinne noch relativiert. Die Zinsen für Auslei- hungen müssen sich nach den Refinanzierungskosten rich- ten. Wohin risikoreiche Geschäftspraktiken führen können, haben die kürzlichen Probleme einzelner Institute gezeigt Al- lerdings ist in den letzten Monaten die Zinsmarge erheblich gestiegen, so dass von den Banken eine rasche Reduktion der Hypothekarzinssätze erwartet werden darf.
93.5010
Frage Steinemann Hartkäsesubventionen Question Steinemann Subventionnement des fromages à pâte dure
Wortlaut der Frage vom 8. März 1993
Vor drei Jahren hat die vom Bundesrat eingesetzte Experten- kommission Arnold gefordert, dass die Käseunion zu einer marktgerechten Produktion übergehen müsse. Bis heute sind (ausser dem Flop mit dem Savouran) diesbezüglich keine konkreten Schritte feststellbar. Die ausländische Konkurrenz dagegen ist sehr aktiv, beispielsweise mit dem «Fol Epi» aus Frankreich (Absatz Schweiz 250 bis 300 Tonnen pro Jahr), dem «Allgäuer», dem halbfetten «Emmentaler» aus Deutsch- land (100 Tonnen pro Jahr), usw.
Weitherum kaum verstanden wird das Sponsoring der Käse- union von 1,8 Millionen Franken für die Skinationalmann- schaft
Was gedenkt der Bundesrat gegen die jährlich steigenden, Hunderten von Millionen Franken Aufwendungen des Steuer- zahlers für die Käseverwertung zu tun (1962: 43,4 Millionen, 1972: 127 Millionen, 1982: 366,9 Millionen, 1992: 723,9 Millio- nen Franken)?
Texte de la question du 8 mars 1993
Il y a trois ans, la commission d'experts Arnold mise sur pied par le Conseil fédéral a exigé que l'Union suisse du commerce de fromage axe sa production sur les lois du marché. Or, à ce jour, aucune démarche dans ce sens n'a été entreprise (à l'ex- ception de l'expérience peu concluante qui a été réalisée avec le savouran). La concurrence étrangère, en revanche, est très active, ce qu'illustrent notamment le «Fol Epi» de France (ven- tes en Suisse: 250 à 300 tonnes par année), l'«Allgäu» et l'«Em- mental demi-gras» en provenance d'Allemagne (100 tonnes par année).
On voit par ailleurs très mal pourquoi l'Union suisse du com- merce de fromage sponsorise l'équipe nationale suisse de ski à raison de 1,8 million de francs.
Des centaines de millions de francs sont ainsi déboursés cha- que année par le contribuable pour la commercialisation des fromages, et ces montants ne cessent d'augmenter (1962: 43,4 millions, 1972: 127 millions, 1982: 366,9 millions, 1992: 723,9 millions). Que pense faire le Conseil fédéral pour remé- dier à cette situation?
Réponse écrite du Conseil fédéral
La Suisse exporte plus de 25 pour cent de sa production lai- tière, principalement sous la forme de fromages à pâte dure et mi-dure, ce qui permet d'assurer l'existence du quart de nos exploitations paysannes. Le placement de nos fromages sur les marchés internationaux ne peut être garanti que si leur prix est concurrentiel. En effet, il ne suffit pas de commercialiser une qualité irréprochable sous le label «Switzerland», les consommateurs étrangers attachant aussi une grande impor- tance au prix. Si le prix de vente de nos fromages est élevé, c'est parce que leurs coûts de production sont notamment in- fluencés par le niveau du prix du lait garanti aux paysans suis- ses, nettement plus élevé qu'à l'étranger.
Le Conseil fédéral a clairement fait savoir, notamment dans le 7e rapport sur l'agriculture, qu'il entend adapter la politique lai- tière. Le soutien direct des prix et des marges doit être progres- sivement abandonné pour être remplacé par un soutien direct du revenu paysan à l'aide de paiements compensatoires (art. 31a et 31b, loi sur l'agriculture). Ainsi, il sera possible d'une façon beaucoup plus conséquente de réduire notamment les subventions à l'exportation.
L'Union suisse du commerce de fromages S. A. assume son mandat de commercialiser annuellement le mieux possible plus de 84 000 tonnes de fromages à pâte dure dans des conditions-cadres difficiles, qu'elle ne peut influencer. Une part importante des propositions de la commission d'experts Arnold a déjà été réalisée; le reste est en voie de l'être. Toute- fois, les initiatives que pourrait développer cette organisation se heurtent aux possibilités restreintes de surmonter avec un nouveau produit les barrières douanières de notre principal client, la Communauté européenne. Le marché suisse des fro- mages est toutefois caractérisé par un choix très large et riche de produits indigènes offerts aux consommateurs, preuve de l'innovation continuelle développée dans notre secteur fromager.
155
Fragestunde
93.5016
Frage Jäggi Paul Beiträge an Flächen im Ausland Question Jaggi Paul Contributions à la surface pour des terrains situés à l'étranger
Wortlaut der Frage vom 8. März 1993
Der Entwurf der Verordnung über ergänzende Direktzahlun- gen in der Landwirtschaft sieht in Artikel 9 vor, Beiträge nur für Flächen im Inland auszurichten.
Warum diese Lösung? Sollte nicht die gleiche Regelung wie bei den Anbauprämien angewendet werden, indem für Flä- chen im Inland (und die angestammten Flächen im Ausland) Beiträge ausgerichtet werden?
Texte de la question du 8 mars 1993
Le projet d'ordonnance instituant des paiements directs com- plémentaires dans l'agriculture prévoit à l'article 9 des contri- butions à la surface uniquement pour les terrains situés en Suisse.
Pourquoi cette solution? Ne faudrait-il pas appliquer les mê- mes règles que dans le cas des primes de culture et verser des contributions pour les terrains situés en Suisse (et pour les ter- rains situés à l'étranger et cultivés par tradition)?
Réponse écrite du Conseil fédéral
Les prises de position dans le cadre de la consultation sur les ordonnances concernant les paiements directs et les contri- butions écologiques sont actuellement exploitées par l'Office fédéral de l'agriculture. La grande majorité des cantons et des organisations soutient la proposition de M. Jaggi Paul, à savoir l'attribution de contributions aux surfaces à l'étranger culti- vées par tradition, c'est-à-dire déjà exploitées avant 1984. Le Département fédéral de l'économie publique va apprécier, comme il se doit, ce résultat très clair de la consultation et y sera particulièrement attentif lors de la rédaction de la version définitive de l'ordonnance. La décision finale revient au Conseil fédéral. Celle-ci devrait intervenir fin avril.
93.5020
Frage Stalder Schwarzarbeit in der Schweiz Question Stalder Travail au noir en Suisse
Wortlaut der Frage vom 8. März 1993
Bei den ständig steigenden Arbeitslosenzahlen muss dem Problem der Schwarzarbeit vermehrte Aufmerksamkeit ge- schenkt werden. Deshalb möchte ich dem Bundesrat fol- gende Fragen stellen:
Wie hoch ist die geschätzte Zahl der in der Schweiz Beschäf- tigten, welche in als illegal zu bezeichnenden Arbeitsverhält- nissen tätig sind?
Wie hoch ist die vermutete Zahl der Ausländer, welche ohne Arbeits- und Aufenthaltsbewilligung beschäftigt werden?
Was gedenkt der Bundesrat zu unternehmen, um diese Missstände zu bekämpfen, und welche Massnahmen werden bei Entdeckung solcher Fälle ergriffen?
Texte de la question du 8 mars 1993
Alors que le nombre des chômeurs ne cesse d'augmenter, il convient de s'intéresser de plus près au problème du travail au noir. Je pose donc les questions suivantes au Conseil fédéral: - A combien estime-t-on en Suisse le nombre des personnes dont les rapports de travail peuvent être taxés d'illégaux?
A combien estime-t-on le nombre des travailleurs étrangers sans permis de travail ni permis de séjour?
Qu'entend faire le Conseil fédéral pour combattre ces prati- ques illégales? Quelles mesures prend-on quand on décou- vre de tels cas?
Réponse écrite du Conseil fédéral
Les étrangers qui travaillent sans autorisation échappent par la force des choses à tout contrôle étatique. Il est de ce fait im- possible d'avancer des chiffres. Sur la base des indices dont disposent les autorités du marché du travail, le travail au noir recule en période de récession.
Les dispositions pénales de la loi fédérale sur l'établissement et le séjour des étrangers ont été révisées et les mesures visant à prévenir le travail au noir renforcées. En vertu des nouvelles dispositions, entrées en vigueur en 1988, les employeurs fau- tifs risquent non seulement des amendes plus élevées et des peines de prison, mais encore, indépendamment d'éventuel- les procédures pénales, de se voir refuser de nouvelles autori- sations.
93.5022
Frage Spielmann Verkauf der Firma Sprecher + Schuh Question Spielmann Vente de l'entreprise Sprecher + Schuh
Wortlaut der Frage vom 8. März 1993
Nach dem Verkauf des Bereichs Energieverteilung in den achtziger Jahren hat die Firma Sprecher + Schuh kürzlich ih- ren Bereich Niederspannungsgeräte an eine Tochtergesell- schaft der amerikanischen Rockwell-Gruppe verkauft. Der Chef der amerikanischen Gruppe liess verlauten, er könne die Erhaltung der 1550 Arbeitsplätze bei Sprecher + Schuh nicht garantieren.
Wie stellt sich der Bundesrat zum Verkauf florierender Indu- strieunternehmen und zu dessen Konsequenzen für die Be- schäftigung?
Texte de la question du 8 mars 1993
Après la vente dans les années 80 du secteur de distribution d'énergie, l'entreprise Sprecher + Schuh a vendu son secteur d'appareillage à basse tension à une filiale du groupe améri- cain Rockwell. Le patron du groupe américain a indiqué qu'il ne pouvait garantir les 1550 emplois de Sprecher + Schuh. Quelle est la position du Conseil fédéral face à la vente d'entre- prises industrielles florissantes et des conséquences qui en résultent sur l'emploi?
Réponse écrite du Conseil fédéral
Le Conseil fédéral a pris acte du fait que le groupe argovien d'électrotechnique Sprecher+Schuh a vendu son secteur d'appareillage à basse tension au groupe américain Allen-Bra- dley et qu'il veut se concentrer à l'avenir sur la technique d'au- tomatisation.
Notre économie se trouve actuellement dans un processus in- tensif de mutations structurelles. De nombreuses entreprises sont donc contraintes de se concentrer sur leurs points forts et de créer des synergies. En outre, il convient de modifier les as- sortiments de produits et il n'est pas rare que cela entraîne des reprises et des ventes de certains secteurs d'entreprises.
Le Conseil fédéral regrette les pertes d'emplois résultant de telles restructurations. Il relève toutefois que des entreprises suisses achètent également des firmes étrangères et que des entreprises étrangères choisissent également la Suisse comme lieu d'implantation. Il convient en l'occurence de pren- dre en considération les deux aspects. D'un côté, des emplois sont perdus et, de l'autre, on en crée de nouveaux.
N 8 mars 1993
156
Assurance-chômage. Mesures
Dans la mesure de ses possibilités, le Conseil fédéral mettra tout en oeuvre pour que notre économie puisse bénéficier de conditions-cadres lui permettant d'être compétitive au niveau international. Dans une période de rapides mutations, il y voit les meilleures chances d'assurer à long terme l'emploi dans notre pays, tant du point de vue qualitatif que quantitatif.
93.010
Arbeitslosenversicherung. Massnahmen Assurance-chômage. Mesures
Fortsetzung - Suite
Siehe Seite 82 hiervor - Voir page 82 ci-devant
Art. 22 Abs. 3bis Antrag der Kommission Mehrheit
.... gekürzt. Taggelder, die nicht mehr als 115 Franken betra- gen, werden nicht weiter gekürzt.
Minderheit /
(Bortoluzzi, Allenspach, Borer Roland, Daepp, Eymann Chri- stoph, Heberlein, Philipona, Pidoux, Rychen) Zustimmung zum Entwurf des Bundesrates
Minderheit II
(Dormann, Goll, Gonseth, Hafner Rudolf, Hafner Ursula, Jöri, Leuenberger Ernst, Rechsteiner, Seiler Rolf) Streichen
Minderheit III (Allenspach, Bortoluzzi, Eymann Christoph) (Eventualantrag, falls der Antrag der Minderheit I abgelehnt wird)
.... Taggelder, die nicht mehr als 100 Franken ....
Eventualantrag Maitre
(falls der Antrag der Minderheit | [Leuenberger Ernst] zu Artikel 22 Absatz 1 bis abgelehnt wird)
.... das Taggeld um 10 Prozent des zuletzt bezogenen Betra- ges gekürzt. Taggelder, die nicht mehr als 130 Franken betra- gen, werden nicht weiter gekürzt.
Art. 22 al. 3bis
Proposition de la commission Majorité
... indemnités journalières. Les indemnités qui ne dépassent pas 115 francs ne sont plus réduites.
Minorité / (Bortoluzzi, Allenspach, Borer Roland, Daepp, Eymann Chri- stoph, Heberlein, Philipona, Pidoux, Rychen) Adhérer au projet du Conseil fédéral
Minorité II (Dormann, Goll, Gonseth, Hafner Rudolf, Hafner Ursula, Jöri, Leuenberger Ernst, Rechsteiner, Seiler Rolf) Biffer
Minorité III (Allenspach, Bortoluzzi, Eymann Christoph) (Proposition subsidiaire, en cas de rejet de la proposition de la minorité I) .... qui ne dépassent pas 100 francs ....
Proposition subsidiaire Maitre
(en cas de rejet de la proposition de la minorité | [Leuenberger Ernst] concernant l'article 22 alinéa 1bis)
L'indemnité journalière est réduite de 10 pour cent du dernier montant après le versement de 250 indemnités journalières. Les indemnités qui ne dépassent pas 130 francs ne sont plus réduites.
Bortoluzzi, Sprecher der Minderheit I: Die Minderheit I befin- det sich bei Artikel 22 Absatz 3bis in guter Gesellschaft: Der Bundesrat ist gleicher Ansicht.
Ich gehe davon aus, dass wir der Taggeldbezugsverlänge- rung auf 400 Tage zustimmen werden. Das war in der Kommis- sion unbestritten. In diesem Zusammenhang ist die generelle Degression zu beurteilen. Damit wird auch die Grenze für zu- mutbare Arbeit mit zunehmender Dauer für alle Taggeldbezü- ger etwas tiefer angesetzt. Während die Mehrheit mit den 115 Franken, die sie vorschlägt, zusätzlich eine untere Grenze festlegen will und damit etwa 45 Prozent aller Arbeitslosen von der Degression ausnimmt, gehe ich davon aus, dass nach 250 Tagen durchaus auch bei tieferen Taggeldern eine Reduk- tion erfolgen kann. Es werden in dieser Kategorie vor allem junge Arbeitslose betroffen sein, und von diesen Leuten kann Mobilität, aber auch grössere Beweglichkeit bezüglich der Art des Arbeitsangebotes erwartet werden.
Der Bundesrat hat in der Kommission zum Ausdruck ge- bracht, auf jegliche weitere Degression, als sie im bestehen- den Artikel 22 Absatz 3 festgelegt ist, aufgrund seiner Kompe- tenz verzichten zu wollen. Es wäre sicherlich völlig falsch, den Arbeitslosen über lange Zeit ein hohes Niveau zu garantieren, wie das der Streichungsantrag der Minderheit II (Dormann) beabsichtigt, weil man damit die Ablehnung von zumutbarer Arbeit geradezu herausfordert.
Gegenüber der heute gültigen Situation tritt nur gerade für die Zeit vom 250. bis zum 300. Tage des Bezuges eine Ver- schlechterung ein. Nachher erfolgt in jedem Fall eine Verbes- serung aufgrund des verlängerten Taggeldbezuges auf diese bereits erwähnten 400 Tage.
Ich bitte Sie also, dem Antrag des Bundesrates und der Min- derheit I, die ich vertrete, zu folgen.
Frau Dormann, Sprecherin der Minderheit II: Ich beantrage Ih- nen, jegliche Degression zu streichen.
Einerseits schreibt der Bundesrat in seiner Botschaft, dass je- der zehnte Arbeitslose ein Langzeitarbeitsloser ist und dass diesem Phänomen im Dringlichkeitsverfahren auf Bundes- ebene begegnet werden muss. Er hat deshalb die Höchstzahl der Taggelder von 300 auf 400 Tage heraufgesetzt. Der glei- che Bundesrat will anderseits das Taggeld dieser Langzeitar- beitslosen nach einer Bezugsdauer von einem Jahr wieder um 10 Prozent kürzen.
Was soll die Degression bewirken? Sie hat ganz klar den Zweck, den Langzeitarbeitslosen zu motivieren, wieder einer Arbeit nachzugehen und nicht von der Versicherung abhängig zu werden. Deshalb schlägt der Bundesrat vor, nach dem Bezug von 250 Taggeldern - das entspricht ungefähr einem Jahr - die Versicherungsleistungen in jedem Fall um 10 Pro- zent zu kürzen. Das würde heissen, dass ein Viertel aller Bezü- ger von Arbeitslosenentschädigungen nach einem Jahr noch 63 Prozent ihres versicherten Lohnes hätten und drei Viertel al- ler Bezüger noch rund 72 Prozent ihres versicherten Einkom- mens erhalten würden.
Die Arbeitslosenversicherung verteilt keine Almosen; es ist eine Versicherung. Wir alle wissen, wie hoch heute die Mietko- sten und Krankenkassenprämien sind, und diese werden bei Arbeitslosigkeit nicht niedriger. Das ist für mich ein klarer Wi- derspruch: Entweder müssen wir feststellen, dass die Zahl der Langzeitarbeitslosen zunimmt und wir diesen besser gerecht werden müssen - was wir auch machen -, oder wir belassen die Höchstbezugsdauer beim alten. Ich glaube nicht, dass der Bundesrat vorgeschlagen hätte, die Bezugsdauer für Lang- zeitarbeitslose zu erhöhen, wenn diese Entschädigungen missbräuchlich bezogen worden wären. Mit der Degression führen wir einen Missbrauchsartikel ein, der nicht nötig ist. Sonst müssen Sie mir beweisen, dass es offene Stellen oder
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Volume
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Frühjahrssession
Session
Session de printemps
Sessione
Sessione primaverile
Rat
Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
06
Séance
Seduta
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Datum
08.03.1993 - 14:30
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Data
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