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Nachruf
Zehnte Sitzung - Dixième séance
Montag, 22. Juni 1998 Lundi 22 juin 1998
14.30 h Vorsitz - Présidence: Leuenberger Ernst (S, SO)/Heberlein Trix (R, ZH)
Nachruf Eloge funèbre
Präsident: Ich muss die heutige Sitzung mit einem Nachruf beginnen. Heute mittag erreichte uns die traurige Nachricht vom Hinschied von alt Bundesrat Ernst Brugger, der sich vor, während und nach seiner glänzenden politischen Laufbahn in verschiedensten Aufgaben unermüdlich für das Wohl un- seres Landes eingesetzt hatte.
Ernst Brugger wurde am 10. März 1914 in Bellinzona gebo- ren und verbrachte seine Jugend- und Schulzeit in bäuerli- chen Verhältnissen in Mönchaltorf im Kanton Zürich. Viele von uns erinnern sich des Bonmots, das er jeweils verwen- dete: Er habe im Stall gelernt, mit grossen Tieren umzuge- hen. Nach der Ausbildung zunächst zum Primar- und an- schliessend zum Sekundarlehrer trat er im Jahre 1936 in Gossau im Kanton Zürich ins Lehramt ein, in einer Zeit, in der das Industriegebiet des Zürcher Oberlandes von einer schweren Wirtschaftskrise betroffen war.
Die Laufbahn als freisinniger Politiker begann für Ernst Brug- ger im Jahre 1947 mit seiner Wahl in den Zürcher Kantonsrat, dem er bis 1959 angehörte. Ernst Brugger war jedoch ein Mann der Exekutive. Nach einer neunjährigen Tätigkeit als Gemeindepräsident von Gossau wurde er im Jahre 1959 in den Zürcher Regierungsrat gewählt, wo er bis 1967 als Direk- tor des Innern und der Justiz wirkte.
Als Justizdirektor brachte Ernst Brugger unter anderem eine Reform der Zivil- und Strafprozessordnung sowie eine neue Kirchengesetzgebung durch. In den letzten zwei Jahren sei- ner Zugehörigkeit zur Zürcher Regierung stand Ernst Brug- ger der Direktion der Volkswirtschaft vor, wo er sich als Wirt- schaftspolitiker Verdienste erwarb.
Als 1969 ein freisinniger Sitz im Bundesrat frei wurde - der Sitz von Herrn Bundesrat Hans Schaffner -, war bald von Herrn Regierungsrat Brugger als Nachfolger die Rede, ob- schon er nicht Mitglied der Bundesversammlung war. Seine Wahl in den Bundesrat erfolgte am 10. Dezember 1969 äus- serst glanzvoll: Bereits im ersten Wahlgang kam die Wahl mit 160 Stimmen zustande - bei einem absoluten Mehr von 119 Stimmen. Während seiner neunjährigen Tätigkeit im Bundes- rat, den er im Jahr 1974 präsidierte, stand Ernst Brugger dem Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartement vor. Er galt als einer der starken Männer im Bundesratskollegium und prägte die Wirtschaftspolitik in den wechselvollen siebziger Jahren nachhaltig.
Nach zwanzig Jahren nahezu ungebrochenen Wirtschafts- wachstums von bis dahin unbekannten Dimensionen setzte in der ersten Hälfte der siebziger Jahre der Umschwung ein, der zu einer Rezession führte. Ernst Brugger nahm die wirt- schaftspolitische Aufgabe mit besonderer Sorgfalt wahr. Das Resultat waren drei Konjunkturbelebungsprogramme und verschiedene Arbeiten an einem Konjunkturartikel sowie ei- nem Verfassungsartikel über die Arbeitslosenversicherung, die damals bekanntlich noch nicht obligatorisch war. Die Öl-
krise von 1973 machte Massnahmen zur besseren Siche- rung der Landesversorgung notwendig.
Aber auch auf dem Gebiet der Aussenwirtschaftspolitik war Herr Brugger sehr aktiv. In seine Amtszeit fielen 1972 der Ab- schluss des Freihandelsabkommens mit der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und die Aufwertung der Efta. Die Konkurrenzfähigkeit der Schweizer Wirtschaft in dem sich li- beralisierenden Welthandel konnte mit einem Ausbau der Exportrisikogarantie verbessert werden. Die Liste der unter der Ägide von Herrn Bundesrat Brugger wirtschaftspolitisch getroffenen Massnahmen ist lang. Zu erwähnen wären auch die Landwirtschaftspolitik, das Bundesgesetz über Investi- tionshilfe für Berggebiete von 1974 und die Revision des Be- rufsbildungsgesetzes.
Herr Bundesrat Brugger erklärte sich auch bereit, heikle poli- tische Dossiers zu betreuen, die an sich nicht zu seinem Auf- gabengebiet gehörten. Erwähnen möchte ich vor allem die Betreuung der bundesrätlichen Vorlage über die Neuordnung des legalen Schwangerschaftsabbruchs. Während Jahren bemühte sich Herr Brugger darum, einen Ausgleich zwischen den verschiedenen Positionen herbeizuführen. Von dieser Vielfalt des Einsatzes für die Öffentlichkeit konnten im übri- gen auch viele Organisationen nach dem Rücktritt von Ernst Brugger aus dem Bundesrat profitieren.
Bundesrat Ernst Brugger wird uns nicht nur als Wirtschafts- politiker in Erinnerung bleiben, sondern auch als ein grosser Politiker des Ausgleichs und der Vermittlung.
Der Nationalrat bezeugt seiner Familie wie auch der freisin- nig-demokratischen Fraktion sein aufrichtiges Beileid. Ich bitte alle Anwesenden im Saal und auf den Tribünen, sich zum Gedenken an Herrn Brugger zu erheben.
Der Rat erhebt sich zu Ehren des Verstorbenen L'assistance se lève pour honorer la mémoire du défunt
Fragestunde Heure des questions
98.5104
Frage Burgener F/A-18-Flüge. Lärmbelästigung Question Burgener F/A-18. Nuisances sonores
Wortlaut der Frage vom 22. Juni 1998
Gemäss Presseberichten vom 11. Juni 1998 finden auf dem Flugplatz in Sitten ab Mitte Juni dieses Jahres F/A-18-Flüge statt, was mit erheblichem Lärm für die Anwohner verbunden ist. Zur gleichen Zeit finden an den Mittelschulen von Sitten Abschlussexamen statt, die durch den Fluglärm massiv ge- stört werden. Trotz Interventionen der Stadt Sitten wurden die F/A-18-Flüge nicht «abgeblasen».
Sind das VBS bzw. die Luftwaffe nicht in der Lage, sich be- sonderen Umständen flexibel anzupassen?
Sind das VBS bzw. die Luftwaffe bereit, künftig vermehrt auf die berechtigten Anliegen der Anwohner in Sachen Lärm- belästigung Rücksicht zu nehmen?
Texte de la question du 22 juin 1998
D'après la presse du 11 juin 1998, des vols de F/A-18 auront lieu à l'aérodrome de Sion dès la mi-juin de cette année. Les
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1998
Année
Anno
Band
IV
Volume
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Session
Sommersession
Session
Session d'été
Sessione
Sessione estiva
Rat
Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
10
Séance
Seduta
Geschäftsnummer
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum
22.06.1998 - 14:30
Date
Data
Seite
1273-1273
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Pagina
Ref. No
20 044 102
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