Strafprozessrecht
Procédure pénale
Strafprozessrecht - Zuständigkeiten bei Übertretungen - Urteil Bezirksgericht
Visp vom 3. Mai 2011, X. c. Departement für Sicherheit, Sozialwesen und Inte-
gration, Dienststelle für Strassenverkehr und Schifffahrt - VIS S1 11 5.
Übertretungsstrafverfahren: Strafbefehlskompetenz von Verwaltungsbehörden,
erst- und zweitinstanzliche gerichtliche Zuständigkeit
Die vom Dienstchef der Dienststelle für Strassenverkehr und Schifffahrt wegen
einer SVG-Übertretung erlassene Bussenverügung gilt als Strafbefehl, wogegen
Einsprache erhoben werden kann, welche gegebenenfalls der Bezirksrichter im
Rahmen eines Hauptverfahrens zu beurteilen hat; dessen Urteil kann mit Beru-
fung an das Kantonsgericht weitergezogen werden, wobei ein Einzelrichter ent-
scheidet.
Ref. CH: Art. 12 StPO, Art. 17 StPO, Art. 356 StPO, Art. 357 StPO
Ref. VS: Art. 11 EGStPO, Art. 7 AGSVG, Art. 19 EGStGB
Procédure pénale en matière de contraventions; compétence des autorités admi-
nistratives pour statuer par ordonnance pénale; compétence des autorités judi-
ciaires en première et deuxième instance
La décision du chef du service de la circulation routière et de la navigation pronon-
çant une amende pour contravention à la LCR vaut ordonnance pénale. Une oppo-
sition peut être formée contre cette ordonnance, sur laquelle le juge de district doit
statuer dans le cadre d’une procédure ordinaire; son jugement peut être déféré au
Tribunal cantonal par voie d’appel, dont connaît un juge unique.
Réf. CH: art. 12 CPP, art. 17 CPP, art. 356 CPP, art. 357 CPP
Réf. VS: art. 11 LACPP, art. 7 LALCR, art. 19 LACP
Erwägend,
dass in casu ein Rechtsmittel gegen eine SVG-Übertretungsbusse
[des Dienstchefs der Dienststelle für Strassenverkehr und Schifffahrt]
erhoben worden ist;
dass gemäss Art. 17 StPO die Kantone die Verfolgung und Beurtei-
lung von Übertretungen Verwaltungsbehörden übertragen können;
dass grundsätzlich der Bezirksrichter, unter Vorbehalt der Spezi-
algesetzgebung, bundesrechtliche Übertretungen beurteilt (Art. 11
Abs. 1 EGStPO);
dass es gemäss Art. 7 Abs. 1 und 3 AGSVG dem zuständigen Depar-
tement (evtl.Dienstchef [vgl. Art. 19 Abs. 2 EGStGB]) obliegt, SVG-
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Widerhandlungen, die nicht mit «Gefängnis» oder kumulativ mit «Haft»
und «Busse» sanktioniert werden, erstinstanzlich zu «beurteilen»
(Art. 17 StPO);
dass der Terminus «Beurteilung» gemäss Art. 17 StPO vertiefter zu
prüfen ist, da es sich dabei nicht zwangsläufig um die Fällung eines
erstinstanzlichen, berufungsfähigen Urteils handeln und gegebenen-
falls der Bezirksrichter das erstinstanzliche Urteil fällen muss;
dass nämlich gemäss Art. 357 StPO den Verwaltungsbehörden,
welche Übertretungen beurteilen, einzig die Befugnisse der Staatsan-
waltschaft zukommen;
dass die Übertretungsstrafbehörden nach Art. 12 StPO zwar
«Strafverfolgungsbehörden», nicht aber «Gerichte» nach Art. 13 StPO
darstellen;
dass Übertretungsstrafbehörden demnach einzig Strafbefehle
erlassen können, die beim Vorliegen einer Einsprache zu einem Haupt-
verfahren vor Bezirksgericht führen (Art. 357 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 356
StPO; vgl. Keller, in: Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessord-
nung, N 5 zu Art. 17 StPO; Riklin, Basler Kommentar, N 8 f. zu Art. 357
ff. StPO; Schwarzenegger, in: Kommentar zur Schweizerischen Strafpro-
zessordnung, N 20 zu Art. 357 StPO; Schmid, Schweizerische Strafpro-
zessordnung, N 4 zu Art. 17 StPO);
dass vorliegende bundesverwaltungsstrafrechtliche Angelegen-
heit erstinstanzlich durch eine Verwaltungsbehörde behandelt worden
ist, welche [im Sinne der vorstehenden Ausführungen] einen Strafbe-
fehl erlassen hat;
dass gegen den Strafbefehl innert 10 Tagen eine Einsprache erho-
ben worden ist (Art. 354 StPO);
dass das Bezirksgericht Visp diesfalls zur Weiterführung des
Verfahrens zuständig ist;
dass allenfalls Berufungen gegen den Entscheid des Bezirksrich-
ters durch einen Einzelrichter des Kantonsgerichts behandelt werden
(Art.11 Abs. 3 EGStPO).