Legal aid granted for conciliation proceedings; counsel refused

VO110144Obergericht28.12.2011Partially Granted

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The president of the Zurich High Court decided an application for legal aid filed for conciliation proceedings concerning a child-support claim against the alleged father. The applicant child was represented by his mother and a guardian. The court found the child indigent: he had no income or assets, and the mother’s limited surplus could not be used to finance litigation costs. The claim was also not hopeless because the respondent had acknowledged paternity. Legal aid was therefore granted for the conciliation stage. However, no appointed counsel was ordered because the applicant was already properly represented by a guardian. The proceeding before the High Court was declared free of charge.

Omnilex-Regeste

Art. 117, Art. 119 Abs. 3, 5 und 6 ZPO; Art. 122 ZPO; legal aid in conciliation proceedings and appointment of counsel. For the granting of legal aid, indigence and non-frivolity must be established at the time of the application. In conciliation proceedings, the indigence test is applied with particular strictness because the costs are limited; nevertheless, a needy party cannot be required to finance litigation from a surplus that merely corresponds to a social-welfare work incentive and is not intended for litigation expenses. Prior family-law maintenance duties are relevant only if the person actually has available means. Appointment of counsel is unnecessary where the party is already effectively represented by a guardian capable of safeguarding the party’s interests (consid. 2.4–2.9).

Gesamter Gesetzestext

Obergericht des Kantons Zürich Präsident

Geschäfts-Nr.: VO110144-O/U

Mitwirkend: Der Obergerichtspräsident Dr. H.A. Müller sowie die Gerichtsschreiberin lic. iur. A. Leu-Zweifel

Urteil vom 28. Dezember 2011

i n Sachen

A._____, Gesuchsteller

vertreten durch Inhaberin der elterlichen Sorge B._____ vertreten durch Beiständin C._____

betreffend Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege

Erwägungen: 1. Ausgangslage 1.1. Mit Eingabe vom 15. November 2011 liess A._____ (nachfolgend: Gesuch- steller) durch seine Beiständin C._____ beim Friedensrichteramt D._____ ein Schlichtungsgesuch betreffend Klage auf Unterhalt gegen E._____ ein- reichen und um die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ersuchen (act. 4/4). 1.2. Am 24. November 2011 liess der Gesuchsteller sodann beim Obergericht des Kantons Züri ch ei n Gesuch um Gewährung der unentgeltli chen Pro- zessführung stellen (act. 1). 1.3. Auf Fristansetzung seitens des Gerichts hin (act. 5) reichte der Gesuchstel- ler weitere Unterlagen ins Recht (act. 6-7). 1.4. Im Schlichtungsverfahren werden gemäss Art. 113 Abs. 1 ZPO keine Partei- entschädigungen gesprochen, weshalb auch eine Sicherheit für die Partei- entschädigung i.S.v. Art. 99 ZPO nicht zur Frage steht. Die Gegenpartei ist daher gemäss Art. 119 Abs. 3 ZPO e contrari o ni cht zwi ngend anzuhören. 2. Beurteilung des Gesuchs 2.1. Für die Beurteilung von Gesuchen um unentgeltliche Rechtspflege vor Ein- reichung der Klage bei Gericht ist gemäss § 128 GOG der Obergerichtsprä- sident im summarischen Verfahren (Art. 119 Abs. 3 ZPO) zuständig. Die un- entgeltliche Rechtspflege ist gemäss Art. 119 Abs. 5 ZPO vor jeder Instanz neu zu beantragen, weshalb der Obergerichtspräsident diese bei Vorliegen der Anspruchsvoraussetzungen nur bi s zum Abschluss des Schli chtungsver- fahrens bewilligen kann. 2.2. Eine Person hat Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege, wenn sie einer- seits nicht über die erforderlichen Mittel verfügt (sog. "Mittellosigkeit" oder

"Bedürftigkeit") und andererseits ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos er- schei nt (Art. 117 ZPO). Die Mittellosigkeit wird gemeinhin dann bejaht, wenn der Aufwand des not- wendigen Lebensunterhalts (sog. "zivilprozessualer Notbedarf") das mass- gebliche Einkommen übersteigt bzw. aus der Differenz nur ein kleiner Über- schuss resultiert, welcher es dem Gesuchsteller nicht erlauben würde, die Prozesskosten innert nützlicher Frist zu bezahlen. Nebst dem Einkommen ist auch das Vermögen zur Bestreitung des Prozessaufwands einzusetzen. Zu berücksichtigen ist vorhandenes Vermögen jeglicher Art, soweit es effek- ti v verfügbar, realisierbar und sein Verbrauch zumutbar ist. Als Lebensauf- wandkosten sind zu berücksichtigen der Grundbetrag, rechtlich geschuldete Unterhaltsbeiträge, Wohnkosten, obligatorische Versicherungen, Transport- kosten zum Arbeitsplatz, Steuern sowie Verpflichtungen gegenüber Dritten, wenn sie tatsächlich erfüllt werden (Emmel in: Kommentar zur Schweizeri- schen Zivilprozessordnung, Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], Zürich/Basel/Genf 2010, Art. 117 N 9). Massgebend sind die wirtschaftlichen Verhältnisse im Zeitpunkt der Gesuchstellung (Emmel, a.a.O., Art. 117 N 4). 2.3. Bei der Beurteilung der Bedürftigkeit bei Gesuchen um unentgeltliche Rechtspflege für das Schlichtungsverfahren sind sehr strenge Massstäbe anzulegen. D i e i n ei nem Schli chtungsverfahren entstehenden Kosten sind – anders als vor einer Gerichtsinstanz – sehr beschränkt, weshalb sie bereits bei einem relativ geringen Überschuss des Einkommens und Vermögens über den zivilprozessualen Notbedarf bestritten werden können. 2.4. Die gesuchstellende Person hat gemäss Art. 119 Abs. 2 ZPO die zur Beur- teilung ihres Gesuchs relevanten Einkommens- und Vermögensverhältnisse umfassend darzulegen - es trifft sie bei der Abklärung der wirtschaftlichen Verhältnisse eine umfassende Mitwirkungspflicht. Kommt sie dieser Mitwir- kungspflicht nicht oder nur ungenügend nach und kann als Folge davon ihre Bedürftigkeit nicht hinreichend beurteilt werden, ist der Anspruch um unent- geltliche Rechtspflege zu verweigern (BGE 120 Ia 179).

2.5. D em Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege gehen allfällige gesetzliche Unterhaltspflichten wie bspw. die Unterhaltspflicht der Eltern für ihre Kinder gemäss Art. 276 ff. ZGB vor (vgl. BGE 127 I 202), weshalb vorliegend ins- besondere zu prüfen ist, ob der Gesuchsteller nicht auf der Grundlage sol- cher Verpflichtungen die nötigen finanziellen Mittel erhältlich machen kann. Konkret sind deshalb die finanziellen Verhältnisse der Mutter des Gesuch- stellers in die Beurteilung seiner Mittellosigkeit einzubeziehen. 2.6. Der 2 ½-jährige Gesuchsteller verfügt gemäss den glaubhaften Ausführun- gen im Gesuch weder über ein Einkommen noch über Vermögen (act. 1, vgl. auch act. 4/3). Die Kindsmutter verdient gemäss dem ins Recht gereichten Budget der Sozialbehörde aus Erwerbstätigkeit Fr. 2'133.- pro Monat. Zu- dem erhält sie weitere Fr. 70.- pro Monat für den Gesuchsteller. Von der So- zialbehörde der F._____ erhält sie sodann finanzielle Unterstützung in der Höhe von Fr. 2'755.70, wovon ihr Fr. 1'435.70 ausbezahlt werden. Insge- samt steht der Kindsmutter somit ein Einkommen von Fr. 4'958.70 zu. Ver- mögen besitzt sie keines (act. 7/1-3). Die notwendigen Lebenshaltungskos- ten werden in besagtem Budget mit Fr. 4'598.70 beziffert (act. 4/2). Das Ein- kommen liegt damit wenige hundert Franken über dem Notbedarf, wobei es sich beim Überschuss um den seitens der Sozialbehörde zugesprochenen Erwerbseinkommensfreibetrag von Fr. 360.- handelt, welcher die Erleichte- rung der Erwerbsaufnahme bzw. die Erhöhung des Arbeitspensums und damit die Verbesserung der Integrationschancen bezweckt und somi t ni cht für Prozesskosten eingesetzt werden sollte. Unter diesen Umständen kann die vermögenslose Mutter des Gesuchstellers nicht angehalten werden, ge- stützt auf die familienrechtliche Unterhaltspflicht einen Prozesskostenvor- schuss aus ihrem Einkommen zu leisten. Das Erfordernis der Mittellosigkeit des Gesuchstellers ist damit gegeben. 2.7. Für die Beurteilung der fehlenden Aussichtslosigkeit als zweite Vorausset- zung der Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist eine gewisse Pr o- zessprognose notwendig, wobei auf den Zeitpunkt der Gesuchseinreichung abzustellen ist. Als aussichtslos sind dabei nach der bundesgerichtlichen

Rechtsprechung Prozessbegehren anzusehen, bei denen die Gewinnaus- sichten beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahren und die deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden können (vgl. z.B. BGE 69 I 160). Zur Vornahme der Prüfung ist auf die vorhandenen Akten abzustellen (vgl. auch BSK ZPO-Rüegg, Art. 117 N 20). 2.8. Die rechtshängig gemachte Unterhaltsklage gegen E._____ kann aus heuti- ger Perspektive nicht als aussichtslos bezeichnet werden, da er den Ge- suchsteller am 6. April 2011 in G._____ als sein Kind anerkannt hat (act. 4/5). Folglich kann dem Antrag des Gesuchstellers entsprochen werden und i st i hm für das Schlichtungsverfahren vor dem Friedensrichteramt D._____ betreffend oberwähnte Unterhaltsklage die unentgeltliche Rechts- pflege zu erteilen. 2.9. Einen Antrag um Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes stellt der Gesuchsteller nicht. Einem solchen wäre auch nicht stattzugeben, da gemäss ständiger kantonaler und bundesgerichtlicher Rechtsprechung die Bestellung eines solchen nicht notwendig erscheint, wenn die bedürftige Partei über einen Beistand verfügt, welcher in der Lage ist, die Interessen des Vertretenen zu wahren (ZR 83 [1984] S. 271; BGE 110 IA 87). Dies ist vorliegend der Fall. Die Sozialbehörde der F._____ hat C._____ mit Be- schluss vom 9. November 2011 ausdrücklich zur Beiständin des Gesuchstel- lers u.a. mit dem Auftrag ernannt, für eine angemessene Regelung der Un- terhaltspflicht zu sorgen, wozu ihr eine Prozessvollmacht mit Substitutions- recht erteilt wurde (act. 7/4-5). Damit ist die rechtskundige Vertretung des Gesuchstellers gewährt. 3. Kosten der unentgeltlichen Rechtspflege Gemäss den einschlägigen Bestimmungen der ZPO werden die Kosten der unentgeltlichen Rechtspflege vom "Kanton" getragen bzw. wird der unent- geltliche Rechtsbeistand vom "Kanton" entschädigt (Art. 113 Abs. 1 und Art. 122 ZPO). Der ständigen Praxis des Obergerichts des Kantons Züri ch zur Schweizerischen Zivilprozessordnung folgend sowie entsprechend der

bisherigen zürcherischen Praxis sind die Kosten der unentgeltlichen Rechts- pflege für das Verfahren vor der Schlichtungsbehörde von der zuständigen Gemeinde zu tragen, vorliegend somit von der Stadt F._____. Zu beachten ist indes, dass die Kosten des Schlichtungsverfahrens gemäss Art. 207 Abs. 2 ZPO bei der Einreichung der Klage zur Hauptsache geschlagen wer- den und das erkennende Gericht somit in der Folge über diese zusammen mit den übrigen Prozesskosten gemäss Art. 104 ff. ZPO zu entscheiden hat. Die Kostenauflage an die Gemeinde erfolgt deshalb unter diesem Vorbehalt. 4. Kosten und Rechtsmittel 4.1. Gemäss Art. 119 Abs. 6 ZPO ist das Verfahren um unentgeltliche Rechts- pflege kostenlos. 4.2. Die Gegenpartei in der Hauptsache verfügt im vorliegenden Verfahren nicht über Parteistellung. Ihr steht aber gegen den Entscheid betreffend unentgelt- liche Rechtspflege die Beschwerde gemäss Art. 319 lit. b Ziff. 2 ZPO offen, sofern i hr ei n ni cht leicht wieder gutzumachender Nachteil droht.

Es wird erkannt: 1. Dem Gesuchsteller wird für das Schlichtungsverfahren vor dem Friedens- richteramt D._____ betreffend Unterhaltsklage gegen E._____ die unentgelt- liche Rechtspflege gewährt. Ein unentgeltlicher Rechtsbeistand wird nicht bestellt. 2. Die Kosten der unentgeltlichen Rechtspflege des Schlichtungsverfahre ns trägt unter Vorbehalt von Art. 207 Abs. 2 ZPO die Stadt F._____. 3. Das obergerichtliche Verfahren ist kostenlos.

  1. Schri ftli che Mi ttei lung an die Vertreterin des Gesuchstellers, an das Frie- densrichteramt D._____ sowie an die Gegenpartei in der Hauptsache, Herrn E._____, je gegen Empfangsschein. 5. Eine Beschwerde gegen diesen Entscheid kann innert 10 Tagen von der Zustellung an im Doppel und unter Beilage dieses Entscheids beim Oberge- richt des Kantons Zürich, Zivilkammern, Postfach 2401, 8021 Zürich, einge- reicht werden. In der Beschwerdeschrift sind die Anträge zu stellen und zu begründen. Allfällige Urkunden sind mit zweifachem Verzeichnis beizulegen. Die gesetzlichen Fristenstillstände gelten nicht (Art. 145 Abs. 2 ZPO). Zürich, 28. Dezember 2011 __________________________________ OBERGERICHT DES KANTONS ZÜRICH Die Gerichtsschreiberin:

lic. iur. A. Leu-Zweifel

versandt am:

Schlagwörter

legal aidindigenceconciliation proceedingsfamily maintenancehopelessnessappointed counselguardiancostssocial welfare

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the applicant met the financial requirements for legal aid in the conciliation proceeding.

Extrahierter Entscheid

Yes. The applicant had no income or assets, and the mother could not reasonably be required to advance litigation costs from her own modest income.

Extrahierte Begründung

The court applied Art. 117 ZPO and held that, in conciliation proceedings, the threshold is strict, but the mother’s income barely exceeded basic needs only because of a work-related allowance not meant for legal expenses; family maintenance duties did not justify requiring a cost advance.

Kernrechtsfrage

Whether the claim was sufficiently non-frivolous to justify legal aid.

Extrahierter Entscheid

Yes. The support claim was not hopeless because the respondent had acknowledged paternity.

Extrahierte Begründung

At the time of filing, the prospects of success were not clearly outweighed by the risks, especially in light of the acknowledgment of paternity.

Kernrechtsfrage

Whether an appointed legal aid lawyer should be assigned.

Extrahierter Entscheid

No. Appointment was unnecessary because the applicant already had a qualified guardian able to protect his interests.

Extrahierte Begründung

Where a needy party is already effectively represented by a guardian with authority and legal capacity to act, an additional appointed counsel is not required.

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