Reading of foreign witness police statement under § 251 StPO

BGH 4 StR 619/09Bgh / Criminal Chamber 402.03.2010Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Court of Justice rejected the defendant’s revision against the Saarbrücken Regional Court judgment. It held that the reading of police-recorded statements of witness A. was permissible under § 251(1) No. 2 StPO because the witness, located in Algeria, had announced that he would not come to Germany in the foreseeable future and would not testify at all. The court distinguished earlier case law on witnesses invoking § 55 StPO, emphasizing that the decisive point here was the factual impossibility of examination. Costs of the revision were imposed on the defendant.

Omnilex-Regeste

§ 251 Abs. 1 Nr. 2 StPO; reading of a witness’s earlier statement notwithstanding a possible refusal to answer under § 55 StPO: the prerequisite that the witness cannot be examined in the foreseeable future is satisfied where, in addition to any invocation of § 55 StPO, the witness is abroad and has unequivocally declared that he will not appear or testify in the near future. A mere legal impediment under § 55 StPO does not suffice; however, a factual impossibility of examination may exist independently of that provision (consid. 1).

Gesamter Gesetzestext

BGH — 4 StR 619/09, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-03-02

Aktenzeichen: 4 StR 619/09

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 55 StPO, § 251 Abs 1 Nr 2 StPO

Vorinstanz: vorgehend LG Saarbrücken, 27. Juli 2009, Az: 5 Js 569/08 - 4 KLs 1/09 - 2 AR 52/09, Urteil

Spruchkörper: 4. Strafsenat

Titelzeile

Hauptverhandlung in Strafsachen: Verlesung der polizeilichen Aussage eines Auslandszeugen

Tenor

Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Saarbrücken vom 27. Juli 2009 wird als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigung keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben hat (§ 349 Abs. 2 StPO).

Zu der zu § 251 Abs. 1 Nr. 2 StPO erhobenen Verfahrensrüge (Verlesung der polizeilichen Aussage des Zeugen A.) bemerkt ergänzend der Senat:

Zwar hat der Bundesgerichtshof entschieden, dass die Vernehmung eines Zeugen, der sich vorab auf ein umfassendes Auskunftsverweigerungsrecht gemäß § 55 StPO berufen hat, nicht durch die Verlesung einer von ihm stammenden früheren schriftlichen Erklärung nach § 251 Abs. 1 Nr. 2 StPO ersetzt werden darf (BGHSt 51, 325; offen gelassen in der Senatsentscheidung BGHSt 51, 280; vgl. zum Ganzen Meyer-Goßner StPO 52. Aufl. § 251 Rdn. 11). Er hat dies in erster Linie mit dem Wortlaut des § 251 Abs. 1 Nr. 2 StPO begründet, der voraussetzt, dass der Zeuge in absehbarer Zeit „nicht vernommen werden kann“. Die Vernehmung eines Zeugen sei aber möglich, auch wenn er von seinem Recht nach § 55 StPO Gebrauch macht, und zwar selbst dann, wenn die Aussage des Zeugen so eng mit einem möglicherweise strafbaren Verhalten zusammenhängt, dass sein Recht, nach dieser Bestimmung auf einzelne Fragen die Auskunft zu verweigern, zu einem umfassenden Auskunftverweigerungsrecht erstarkt (BGHSt 51, 325, 330). Hier liegt der Fall indes anders. Der sich zum Zeitpunkt der Hauptverhandlung in Algerien befindende Zeuge A. hatte nicht nur angekündigt, von der Möglichkeit des § 55 StPO Gebrauch machen zu wollen, sondern darüber hinaus erklärt, er habe nicht die Absicht, in absehbarer Zeit nach Deutschland zu kommen. Er habe Angst um sein Leben und werde weder in Deutschland noch in Algerien eine Aussage machen. Seine Vernehmung war daher aus tatsächlichen Gründen - unbeschadet des möglichen rechtlichen Hindernisses aus § 55 StPO - in absehbarer Zeit nicht möglich. Die Niederschriften über seine polizeilichen Vernehmungen durften daher gemäß § 251 Abs. 1 Nr. 2 StPO verlesen werden.

Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels zu tragen.

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Schlagwörter

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Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the police statements of witness A. could be read under § 251(1) No. 2 StPO despite his announced reliance on § 55 StPO.

Extrahierter Entscheid

Yes. Because A. was in Algeria, had stated he would not come to Germany in the foreseeable future, and would not testify in Germany or Algeria, he could not be examined in the foreseeable future for factual reasons; reading the records was therefore permitted.

Extrahierte Begründung

The court distinguished the case from earlier case law. § 251(1) No. 2 StPO requires that the witness cannot be examined in the foreseeable future. A possible right to refuse information under § 55 StPO does not itself make examination impossible, but here there was an additional factual obstacle: the witness had announced a complete refusal to testify and no near-term travel to Germany, so examination was not realistically possible.

Kernrechtsfrage

Defendant's revision against the Saarbrücken judgment.

Extrahierter Entscheid

The revision was unfounded.

Extrahierte Begründung

Review of the grounds for revision revealed no legal error adverse to the defendant.

Kernrechtsfrage

Costs of the revision proceedings.

Extrahierter Entscheid

The defendant must bear the costs of the remedy.

Extrahierte Begründung

As the revision failed, costs were imposed on the appellant.

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