Hearing complaint against dismissal of leave-to-appeal complaint

BGH I ZR 91/12Bgh / I. Zivilkammer15.08.2013Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Bundesgerichtshof rejected the defendant's hearing complaint against its earlier order of 20 June 2013 dismissing the non-admission complaint. The court held that Article 103(1) GG requires consideration of party submissions, but not express discussion of each point. A hearing complaint may only rely on new and independent violations of the right to be heard by the appellate court; it cannot merely repeat the prior non-admission arguments or be used to obtain a more detailed reasoning. The complaint was therefore unfounded, and the defendant was ordered to bear the costs.

Omnilex-Regeste

Art. 103 Abs. 1 GG; § 321a ZPO; hearing complaint against an order dismissing a non-admission complaint; admissibility and scope. A hearing complaint is limited to new and independent violations of the right to be heard by the deciding court. It cannot be used to reargue the unsuccessful non-admission complaint or to compel supplementation of the reasoning. Final decisions not subject to ordinary remedies generally need no reasons; this applies also to BGH orders under § 544 Abs. 4 ZPO dismissing a non-admission complaint. Exceptions exist only in narrowly defined constellations, in particular where a departure from the clear wording of a norm is not self-explanatory or where a change in the admissibility basis occurs before decision (consid. 2-4).

Gesamter Gesetzestext

BGH — I ZR 91/12, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2013-08-15

Aktenzeichen: I ZR 91/12

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: Art 103 Abs 1 GG, § 321a ZPO, § 544 Abs 2 ZPO, § 544 Abs 4 ZPO

Vorinstanz: vorgehend KG Berlin, 28. März 2012, Az: 5 U 23/04, Urteilvorgehend LG Berlin, 2. Dezember 2003, Az: 102 O 20/01, Urteil

Spruchkörper: 1. Zivilsenat

Titelzeile

Gehörsrüge gegen die Zurückweisung der Nichtzulassungsbeschwerde

Tenor

Die Anhörungsrüge gegen den Beschluss des Senats vom 20. Juni 2013 wird auf Kosten des Beklagten zurückgewiesen.

Gründe

1 Die gemäß § 321a ZPO statthafte und auch im Übrigen zulässige Anhörungsrüge ist unbegründet.

2 Die Gerichte sind nach Art. 103 Abs. 1 GG verpflichtet, das Vorbringen der Parteien zur Kenntnis zu nehmen und in Erwägung zu ziehen. Hingegen ist es nicht erforderlich, alle Einzelpunkte des Parteivorbringens in den Gründen der Entscheidung auch ausdrücklich zu bescheiden (BVerfGE 96, 205, 216 f.). Der Senat hat bei seiner Entscheidung vom 20. Juni 2013 die Angriffe der Nichtzulassungsbeschwerde des Beklagten in vollem Umfang geprüft, jedoch sämtlich für nicht durchgreifend erachtet. Soweit der Beklagte mit seiner Anhörungsrüge seinen Vortrag aus der Nichtzulassungsbeschwerde wiederholt, kann die Anhörungsrüge damit nicht begründet werden. Nach der vom Bundesverfassungsgericht gebilligten Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs können mit der Anhörungsrüge nur neue und eigenständige Verletzungen des Art. 103 Abs. 1 GG durch das Rechtsmittelgericht gerügt werden (vgl. BVerfG, Kammerbeschluss vom 5. Mai 2008 - 1 BvR 562/08, NJW 2008, 2635 f.; BGH, Beschluss vom 19. Juli 2012 - I ZR 92/09, MMR 2012, 766 Rn. 2 mwN). Eine Gehörsrüge gegen die Entscheidung über eine Nichtzulassungsbeschwerde kann auch nicht dazu eingelegt werden, eine Ergänzung der Begründung herbeizuführen (vgl. BGH, Beschluss vom 9. April 2013 - IX ZR 100/11, juris Rn. 3 mwN).

3 In der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts ist im Übrigen geklärt, dass eine mit ordentlichen Rechtsmitteln nicht mehr anfechtbare letztinstanzliche gerichtliche Entscheidung von Verfassungs wegen regelmäßig keiner Begründung bedarf (BVerfG, Kammerbeschluss vom 8. Dezember 2010 - 1 BvR 1382/10, NJW 2011, 1497 Rn. 12). Dies gilt auch für Entscheidungen des Bundesgerichtshofs, mit denen - wie hier - eine Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision nach § 544 Abs. 4 ZPO zurückgewiesen worden ist (vgl. BVerfG aaO). Eine Begründung ist nur dann ausnahmsweise geboten, wenn vom eindeutigen Wortlaut einer Norm abgewichen wird und der Grund hierfür nicht ohne weiteres erkennbar ist oder wenn ein im Zeitpunkt der Erhebung der Nichtzulassungsbeschwerde bestehender Zulassungsgrund vor der Entscheidung über diese wegfällt und deswegen eine Prüfung der Erfolgsaussichten auf der Grundlage anderer als der von der Vorinstanz als tragend angesehenen Gründe erforderlich ist (vgl. BVerfG aaO Rn. 13). Eine solche Ausnahme ist jedoch weder vom Beklagten dargetan noch ansonsten ersichtlich.

4 An diesen Grundsätzen zur Begründung letztinstanzlicher Entscheidungen ändert sich entgegen der Ansicht der Anhörungsrüge auch dann nichts, wenn mit der Nichtzulassungsbeschwerde eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör durch die Vorinstanz gerügt worden ist. Der Umstand, dass die Zurückweisung einer Nichtzulassungsbeschwerde nach § 544 Abs. 2 ZPO mit einer Anhörungsrüge nach § 321a ZPO angefochten werden kann, wenn mit dieser eine nicht nur sekundäre, sondern neue und eigenständige Gehörsverletzung gerügt wird, hat keinen Einfluss auf die Begründungserleichterungen bei Beschlüssen über die Nichtzulassungsbeschwerde (BVerfG aaO Rn. 14).

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Schlagwörter

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Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the hearing complaint under Section 321a ZPO was admissible and well-founded against the order dismissing the non-admission complaint.

Extrahierter Entscheid

The hearing complaint was admissible but unfounded because the Senate had considered the non-admission complaint arguments in full and no new, independent violation of the right to be heard was shown.

Extrahierte Begründung

A hearing complaint may only target new and independent violations of Article 103(1) GG by the appellate court; it cannot repeat the arguments from the non-admission complaint or seek a more detailed reasoning of the prior order.

Kernrechtsfrage

Whether the Senate had to provide reasons for the order dismissing the non-admission complaint.

Extrahierter Entscheid

No general duty to give reasons existed; an exception was neither alleged nor apparent.

Extrahierte Begründung

Final decisions not open to ordinary remedies generally do not require reasons. This also applies to BGH orders under Section 544(4) ZPO dismissing a non-admission complaint; exceptions apply only in narrowly defined situations not present here.

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