Pretrial detention may not reduce sentence twice

BGH 5 StR 248/13Bgh / Criminal Chamber 520.08.2013Modified

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The defendant had been convicted by the Hamburg Regional Court of multiple drug, weapon, resistance, and possession offenses and received a two-year suspended prison sentence. The prosecution challenged only the sentence. The Federal Court of Justice held that the lower court had wrongly treated both the defendant’s waiver of return of seized items and his pretrial detention as mitigating factors. Because the judgment did not disclose the relevant seized items and because detention is ordinarily credited under the statute, the sentencing could not stand. The conviction remained intact, but the sentence and the total penalty were quashed and the case remanded to a different chamber for resentencing.

Omnilex-Regeste

§ 46 StGB, § 51 Abs. 1 S. 1 StGB; sentencing discretion and pretrial detention: A waiver of return of seized items may be considered only if the assets concerned are identified and their legal and economic significance can be assessed. Pretrial detention may not, as a rule, be counted again as a general mitigating factor in determining sentence length, since it is to be credited under the statutory crediting rule. Even where detention influences suspension of sentence under § 56 Abs. 2 StGB, additional mitigation in fixing the sentence is impermissible absent special hardship. If such errors may have affected the sentence, the individual and aggregate sentences must be quashed and remitted; findings may otherwise stand if they are unaffected.

Gesamter Gesetzestext

BGH — 5 StR 248/13, Urteil

Entscheidungsdatum: 2013-08-20

Aktenzeichen: 5 StR 248/13

Dokumenttyp: Urteil

Normen: § 46 StGB, § 51 Abs 1 S 1 StGB

Vorinstanz: vorgehend LG Hamburg, 18. Januar 2013, Az: 631 KLs 10/12

Spruchkörper: 5. Strafsenat

Titelzeile

Strafzumessung: Strafmildernde Berücksichtigung von Untersuchungshaft

Tenor

Auf die Revision der Staatsanwaltschaft wird das Urteil des Landgerichts Hamburg vom 18. Januar 2013, soweit es den Angeklagten J. betrifft, im Strafausspruch aufgehoben.

Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.

– Von Rechts wegen –

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen bandenmäßigen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in vier Fällen (Taten 1 a bis 1 d), unerlaubten Besitzes einer Schusswaffe in Tateinheit mit unerlaubtem Besitz von Munition (Tat 2 a), Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte (Tat 2 b) sowie wegen unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln (Tat 2 c) zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt und deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt. Die zu Ungunsten des Angeklagten eingelegte, auf die Sachrüge gestützte, wirksam auf den Strafausspruch beschränkte und vom Generalbundesanwalt vertretene Revision der Staatsanwaltschaft hat Erfolg. Einen den Angeklagten benachteiligenden Rechtsfehler (§ 301 StPO) hat die Prüfung nicht ergeben.

2 1. Der Strafausspruch hält rechtlicher Prüfung nicht stand. Das Landgericht hat bei der Wahl der Strafrahmen, der Bemessung der Einzelstrafen sowie der Bildung der Gesamtstrafe zugunsten des Angeklagten gewertet, dass dieser „auf die Rückgabe der Asservate verzichtet hat“ (UA S. 20, 21 und 23). Dem Senat ist die Prüfung verwehrt, ob der genannte Umstand als bestimmender Milderungsgrund angesehen werden durfte. Denn das Urteil teilt nicht mit, welche Gegenstände im Verfahren asserviert worden sind, wem diese zustehen und welchen Wert sie haben. Soweit es sich dabei um das sichergestellte Marihuana sowie den Revolver nebst Munition gehandelt haben sollte, wäre deren Einziehung ohnehin möglich – und unerlässlich – gewesen (§ 33 Abs. 2 Satz 1 BtMG, § 54 Abs. 1 Nr. 1 WaffG).

3 In gleicher Weise hat das Landgericht die erlittene Untersuchungshaft für sich genommen strafmildernd berücksichtigt. Eine solche ist jedoch regelmäßig für die Strafzumessung ohne Bedeutung, denn sie wird nach § 51 Abs. 1 Satz 1 StGB grundsätzlich auf die zu vollstreckende Strafe angerechnet (vgl. BGH, Urteil vom 19. Mai 2010 – 2 StR 102/10, NStZ 2011, 100). Aber auch wenn – wie hier – eine Freiheitsstrafe deshalb zur Bewährung ausgesetzt wird, weil der Angeklagte durch den Vollzug der Untersuchungshaft hinreichend beeindruckt ist und besondere Umstände im Sinne des § 56 Abs. 2 StGB bejaht werden, verbietet sich eine zusätzliche mildernde Berücksichtigung bei der Bemessung der Strafhöhe (vgl. BGH, Urteil vom 14. Juni 2006 – 2 StR 34/06, NJW 2006, 2645; Schäfer/Sander/van Gemmeren, Praxis der Strafzumessung, 5. Aufl., Rn. 742 Fn. 475). Zusätzliche, den Angeklagten besonders beschwerende Umstände des Haftvollzuges, die zu dessen Gunsten hätten gewertet werden dürfen, lassen sich dem Urteil nicht entnehmen (vgl. hierzu BGH, Urteil vom 29. Oktober 2008 – 5 StR 456/08, StV 2009, 80).

4 2. Der Senat kann nicht ausschließen (§ 337 Abs. 1 StPO), dass das Landgericht bei rechtsfehlerfreiem Vorgehen andere Strafen festgesetzt hätte. Die danach erforderliche Aufhebung der Einzelstrafen zieht diejenige des Gesamtstrafenausspruchs nach sich. Da es sich lediglich um Wertungsfehler handelt, können die Feststellungen bestehen bleiben und um ihnen nicht widersprechende ergänzt werden.

5 3. Für die neue Hauptverhandlung weist der Senat auf Folgendes hin:

6 Sollte einem Geständnis des Angeklagten im Fall 1 d bei insgesamt unveränderter Beweissituation „aufgrund der schlechteren Beweislage“ wiederum „ein besonders Gewicht“ (UA S. 20) zugemessen werden, bedürfte dies ausführlicherer Begründung.

7 Sofern sich die Frage der Aussetzung der Gesamtstrafe zur Bewährung erneut stellen sollte, dürfte hierbei die erlittene Untersuchungshaft in die Gesamtabwägung eingestellt werden. Dabei wäre jedoch zu berücksichtigen, dass der Angeklagte zuvor schon einmal zwei Jahre und acht Monate Jugendstrafe hat verbüßen müssen. Zu bedenken wäre auch die Fortsetzung der Tatserie ungeachtet zwischenzeitlicher vorläufiger Festnahme.

Basdorf Sander Schneider

Dölp König

Schlagwörter

sentencingpretrial detentionsentence mitigationdrug traffickingfirearmsprobationremandcosts

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether sentence mitigation based on waiver of return of seized items was lawful.

Extrahierter Entscheid

The sentence could not be upheld because the judgment did not identify the seized items, their ownership, or their value; if the items were drugs or the weapon and ammunition, forfeiture would have been mandatory anyway.

Extrahierte Begründung

A mitigating factor must be verifiable and legally relevant. The unexplained waiver could not safely be treated as a sentencing discount, especially where confiscation would have been available or required.

Kernrechtsfrage

Whether pretrial detention may be additionally considered mitigating in sentencing.

Extrahierter Entscheid

Pretrial detention generally does not justify a further reduction in sentence because it is credited under the statutory crediting rule; additional mitigation is excluded absent special hardship in detention.

Extrahierte Begründung

Detention is ordinarily offset against the custodial sentence under the crediting provision. Even where detention influenced the decision to suspend the sentence, it still may not be doubly counted in fixing the sentence length.

Kernrechtsfrage

Whether the sentence and probation decision had to be set aside and remanded.

Extrahierter Entscheid

Because the court could not exclude a different sentence absent the errors, the individual sentences and the total sentence had to be quashed and the case remitted for a new sentencing hearing.

Extrahierte Begründung

The errors were value judgments, so the factual findings could remain. But the appellate court could not rule out a different sentencing outcome.

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