Urkunden process and later rental defects

BGH XII ZR 64/12Bgh / Civil Chamber 1216.10.2013Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Court of Justice dismissed the claimant’s complaint against the refusal to admit a revision. It held that the case did not justify leave to appeal under § 543(2) ZPO. The court noted that later-arising defects of leased premises do not generally form part of the facts needed to substantiate a rent claim, and that a tenant may in principle raise documented or undisputed later defects even in document proceedings. In the present case, however, this abstract question was not decisive: the largely undisputed severe moisture damage plainly rendered the premises unusable for the agreed restaurant operation, and the claimant would have had to prove the tenant’s causation, which could not be done with document-procedure evidence. Costs were imposed on the claimant.

Omnilex-Regeste

§ 592 ZPO, § 287 ZPO; Urkundenprozess bei Einwendung nachträglich entstandener Mietmängel: Ob und inwieweit der Urkundenprozess bei nach Vertragsschluss entstandenen, unstreitigen oder urkundlich belegten Mängeln zulässig bleibt, kann offenbleiben, wenn der behauptete Mangel die Tauglichkeit der Mietsache für den vereinbarten Gebrauch erkennbar vollständig aufhebt und die anspruchsvernichtende Einwendung nur bei streitiger Kausalität des Mieters geklärt werden kann. Die Beweislast für die vom Mieter behauptete Verursachung verbleibt beim Vermieter; die im Urkundenprozess zulässigen Beweismittel reichen zur Klärung streitiger Verursachungsfragen nicht aus (vgl. consid. 2). Die Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision bleibt ohne Erfolg, wenn die Voraussetzungen des § 543 Abs. 2 Satz 1 ZPO fehlen.

Gesamter Gesetzestext

BGH — XII ZR 64/12, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2013-10-16

Aktenzeichen: XII ZR 64/12

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 536 BGB, § 287 ZPO, § 592 ZPO

Vorinstanz: vorgehend KG Berlin, 5. April 2012, Az: 12 U 49/11, Urteilvorgehend LG Berlin, 25. Mai 2011, Az: 12 O 333/10vorgehend LG Berlin, 11. März 2011, Az: 12 O 333/10

Spruchkörper: 12. Zivilsenat

Titelzeile

Urkundenprozess: Statthaftigkeit bei Einwendung von nachträglich entstandenen Mietmängeln

Tenor

Die Beschwerde der Klägerin gegen die Nichtzulassung der Revision in dem Urteil des 12. Zivilsenats des Kammergerichts in Berlin vom 5. April 2012 wird zurückgewiesen, weil die Rechtssache weder grundsätzliche Bedeutung hat noch die Fortbildung des Rechts oder die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine Entscheidung des Revisionsgerichts erfordert (§ 543 Abs. 2 Satz 1 ZPO).

Hierzu bemerkt der Senat das Folgende:

Das Nichtvorhandensein von nachträglich entstandenen Mängeln der Mietsache gehört grundsätzlich nicht zu den zur Begründung des Anspruchs auf Mietzahlung erforderlichen Tatsachen (BGH Urteil vom 1. Juni 2005 - VIII ZR 216/04 - NZM 2005, 661). Der Mieter kann zwar auch im Falle einer unstreitig mangelfrei übergebenen Mietsache schon im Urkundenprozess mit nachträglich entstandenen unstreitigen oder urkundlich belegten Mängeln Gehör finden (Senatsurteil vom 10. März 1999 - XII ZR 321/97 - NZM 1999, 401). Es erscheint allerdings zweifelhaft, ob dies zu der vom Berufungsgericht gezogenen Schlussfolgerung nötigt, dass der Urkundenprozess dadurch in jedem Falle unstatthaft wird, zumal das Gericht gegebenenfalls schon mit den im Urkundenprozess zu Gebote stehenden Mitteln - zu denen auch die Schätzung nach § 287 ZPO gehört - in der Lage sein wird, das Maß der Gebrauchsbeeinträchtigung durch den unstreitigen bzw. urkundlich belegten Mangel zu bestimmen (vgl. OLG München Beschluss vom 25. September 2007 - 19 U 3454/07 - juris Rn. 2 ff.; Musielak/Voit ZPO 10. Aufl. § 592 Rn. 9 a mit Fn. 76; Dötsch IMR 2012, 259). Im vorliegenden Fall kommt es auf diese Rechtsfrage aber nicht entscheidungserheblich an, weil angesichts der im Wesentlichen unstreitigen schwerwiegenden Feuchtigkeitsschäden die Tauglichkeit des Mietobjektes zur vertraglich vereinbarten "Nutzung als Gaststättenbetrieb" erkennbar vollständig aufgehoben ist und das Berufungsgericht zutreffend erkannt hat, dass die Klägerin die streitige Verursachung des Mangels durch den Beklagten beweisen muss und dies mit den Beweismitteln des Urkundenprozesses nicht kann.

Von einer näheren Begründung wird gemäß § 544 Abs. 4 Satz 2, 2. Halbsatz ZPO abgesehen.

Die Klägerin trägt die Kosten des Beschwerdeverfahrens (§ 97 Abs. 1 ZPO).

Wert: 61.329 €

Klinkhammer Schilling Günter

Botur Guhling

Schlagwörter

document proceedingslease defectsmoisture damageadmissibilityburden of proofrentrevision leaveevidentiary limits

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the document procedure is admissible when the tenant raises later-arising defects of the leased premises.

Extrahierter Entscheid

The question did not need a definitive answer here; even if admissibility were doubtful, the appeal could not succeed because the severe, largely undisputed moisture damage eliminated suitability for the agreed use and the landlord had to prove the tenant caused the defect.

Extrahierte Begründung

Later-arising defects are generally not among the facts required to prove the rent claim. A tenant may rely on undisputed or documented later defects even in document proceedings, and the court may use estimation under § 287 ZPO. Here, however, the defect issue was not decisive because the premises were evidently unusable as a restaurant, and the plaintiff had to prove the contested causation with evidence unavailable in document proceedings.

Kernrechtsfrage

Whether leave to appeal on points of law should be granted.

Extrahierter Entscheid

Refused because the case presented neither fundamental importance nor a need to develop the law or ensure uniform case law.

Extrahierte Begründung

The requirements of § 543(2) sentence 1 ZPO were not met.

Kernrechtsfrage

Costs of the complaint proceedings.

Extrahierter Entscheid

The claimant must bear the costs of the complaint proceedings.

Extrahierte Begründung

Costs follow the unsuccessful complaint under § 97(1) ZPO.

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