Trademark refused for vulgar sexual connotation

BPatG 27 W (pat) 534/13Bundespatentgericht / Division 2709.09.2013Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Bundespatentgericht dismissed the appeal against the refusal to register the word-image mark "ZUR Ritze" for classes 35, 41 and 43. It held that although the word "Ritze" has innocent meanings, in the given graphic context it is understood as a vulgar sexual reference. The combination of wording and image was considered offensive to a significant part of the public and thus contrary to public morals under § 8(2) No. 5 MarkenG.

Omnilex-Regeste

§ 8 Abs. 2 Nr. 5 MarkenG; public morals and good customs as a bar to trademark protection: A sign is unregistrable where, in the concrete overall impression of wording and graphic elements, it is capable of offending the sensibilities of a substantial part of the relevant public by an obscene or grossly tasteless meaning. Words with otherwise harmless meanings may lose distinctiveness of harmless interpretation when the designated goods/services or accompanying design elements clearly prompt a vulgar understanding. The assessment depends neither on an aesthetic review of taste nor on a mathematically determined majority, but on whether a respectable part of the public is likely to feel offended (consid. 8-16).

Gesamter Gesetzestext

BPatG — 27 W (pat) 534/13, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2013-09-09

Aktenzeichen: 27 W (pat) 534/13

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 8 Abs 2 Nr 5 MarkenG

Spruchkörper: 27. Senat

Titelzeile

Markenbeschwerdeverfahren – "ZUR Ritze (Wort-Bild-Marke)" – Sittenwidrigkeit

Tenor

In der Beschwerdesache

betreffend die Markenanmeldung 30 2011 062 170.5

hat der 27. Senat (Marken-Beschwerdesenat) des Bundespatentgerichts am 9. September 2013 durch Vorsitzenden Richter Dr. Albrecht, Richter Kruppa und Richterin Kopacek

beschlossen:

Die Beschwerde wird zurückgewiesen.

Gründe

I.

1 Die Markenstelle hat die Anmeldung der Wort-Bild-Marke

2 Abbildung in Originalgröße in neuem Fenster öffnen

_

3 für die Dienstleistungen der Klasse 35, 41 und 43 mit Beschluss vom 5. März 2013 nach § 8 Abs. 2 Nr. 5 MarkenG zurückgewiesen. Dies hat sie damit begründet, die Marke enthalte einen frauenverachtenden Hinweis auf eine Vagina.

4 Die Anmelderin hat gegen den ihr am 12. April 2013 bekannt gegebenen Beschluss am Montag, dem 13. Mai 2013, Beschwerde eingelegt und diese damit begründet, „Ritze“ habe Bedeutungen ohne vulgären Anklang. Laut Duden stehe es „derb“ für „Vagina“. „Derb“ sei nicht „vulgär“ und nicht frauenverachtend. Das Logo werde von seriösen Medien anstandslos abgedruckt und auch in der Berichterstattung über die Kult-Kneipe gezeigt. Die Stadt Hamburg habe gegen das Kneipenschild noch nie Einwände erhoben.

5 Sie beantragt,

6 den Beschluss der Markenstelle aufzuheben und die Marke einzutragen.

II.

7 Die zulässige Beschwerde hat in der Sache keinen Erfolg.

8 § 8 Abs. 2 Nr. 5 MarkenG nimmt Kennzeichnungen vom Markenschutz aus, welche gegen die öffentliche Ordnung oder gegen die guten Sitten verstoßen.

9 „Ritze“ ist laut Duden zwar zunächst ein völlig unverfängliches Wort der deutschen Sprache für eine „schmale, längliche Spalte zwischen zwei Teilen, die nicht restlos zusammengefügt sind (Duden - Deutsches Universalwörterbuch, 6. Aufl. Mannheim 2006). Auch kann es wie „Ficken“ ein Familienname sein (vgl. BPatG BeckRS 2011, 21631 – Ficken; GRUR-Prax 2012, 87 – Ficken Liquors). Es steht jedoch laut Duden auch in „derber“ Form für „Vagina“.

10 Dass Wörter, die im Allgemeinen völlig unverfängliche Bedeutungen haben und nur umgangssprachlich Geschlechtsteile bezeichnen, nimmt diesen Wörtern aber dann die Eintragungsfähigkeit als Marke, wenn die beanspruchten Waren und Dienstleistungen oder sonstige Zeichenbestandteile ein Verständnis im vulgären Sinn nahelegen. Das ist hier durch die Graphik gegeben, die mit der Darstellung von gespreizten Beinen in Damenstrümpfen das von der Markenstelle derb-anatomische Verständnis aufdrängt.

11 Selbst derbe und geschmacklose Ausdrücke und Darstellungen können zwar noch eintragungsfähig sein, da eine ästhetische Prüfung auf Anforderungen des guten Geschmacks nicht Gegenstand des markenrechtlichen Eintragungsverfahrens ist (BPatG GRUR-Prax 2012, 87 – Ficken Liquors; BPatG Beschl. v. 3.8.2011 – 26 W (pat) 116/10, BeckRS 2011, 21631 - Ficken). Die Grenze zur Sittenwidrigkeit ist hier aber überschritten.

12 Der Begriff der guten Sitten ist der sittlichen Auffassung, dem Anstandsgefühl aller billig und gerecht Denkenden (vgl. BGHZ 10, 228, 232) zu entnehmen. Dabei kommt es nicht auf eine Mehrheit im rechnerischen Sinn, sondern darauf an, ob eine Marke geeignet ist, das Empfinden eines beachtlichen Teils der Verkehrskreise zu verletzen, indem sie anstößig wirkt oder eine grobe Geschmacksverletzung enthält (BGH GRUR 1964, 136, 137- Schweizer). Maßgeblich hierfür ist weder eine übertrieben laxe, noch eine besonders feinfühlige Meinung des durchschnittlich informierten, aufmerksamen und verständigen Durchschnittsverbrauchers (BPatG Mitt. 1983, 156 - Schoasdreiber).

13 Von der Schutzunfähigkeit des vorliegenden Zeichens ist auszugehen, weil es das Scham- oder Sittlichkeitsgefühl eines wesentlichen Teils des Publikums durch geschlechtsbezogene Angaben verletzt. Im Zusammenhang mit der Graphik handelt es sich bei „Ritze“ um einen äußerst vulgären Ausdruck, der das Sittlichkeitsgefühl eines erheblichen, zu respektierenden Personenkreises verletzt (vgl. hierzu BGH GRUR 1995, 592, 595 – Busengrapscher; BPatG 26 W (pat) 107/97 – Schenkelspreizer).

14 Davon führt die Kombination mit „Zur“ nicht weg. Zwar enthalten viele unverfängliche Namen von Lokalen diesen Zusatz. Er enthält aber auch eine wegweisende Bedeutung, die im Zusammenhang mit einer Vagina vulgär ist und „Zur Ritze“ nicht ausschließlich als Name eines Lokals wirken lässt.

15 Dass die Stadtverwaltung Hamburg die Darstellung an einem Lokal auf der Reeperbahn nicht beanstandet, sagt nichts darüber aus, dass diese Darstellung außerhalb dieses Bereichs ebenfalls keinen Anstoß erregt.

16 Dass Medien dieses Zeichen zeigen, belegt dies ebenfalls nicht, da Medien auch andere anstoßerregende Bilder und Texte in Werbung und redaktionellen Texten veröffentlichen.

Schlagwörter

trademark lawpublic moralsvulgaritygraphic markdistinctivenesssexual connotationpublic sensibilities

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the sign "ZUR Ritze" for the claimed services violates public morals under § 8(2) No. 5 MarkenG.

Extrahierter Entscheid

Yes. In combination with the graphic, the sign evokes a crude sexual/vulgar meaning and exceeds the threshold of good morals.

Extrahierte Begründung

Although "Ritze" can be an ordinary word and even a surname, it also has a vulgar meaning for vagina. The graphic of spread legs in stockings forces that understanding; the addition of "Zur" does not neutralize the vulgar impression.

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