Calculation of BZRG expungement period

BGH 5 StR 270/14Bgh / Criminal Chamber 515.07.2014Confirmed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Court of Justice rejected the defendant's revision against the LG Kiel conviction for aggravated robbery and attempted aggravated extortion with dangerous bodily injury. It held that a 2009 criminal order was already expunged on the day of the 2014 judgment because BZRG expungement periods are computed under §§ 186 ff. BGB; since the statute refers to the relevant day, that day counts under § 187(2) sentence 1 BGB. The expired prior conviction had no decisive influence on guilt or sentence. The court nevertheless specified that extradition detention served in Poland must be credited 1:1 against the total prison sentence.

Omnilex-Regeste

§§ 5 Abs. 1 Nr. 4, 36 S. 1, 47 Abs. 1, 51 Abs. 1 BZRG; §§ 186 ff., 187 Abs. 1, 187 Abs. 2 S. 1 BGB: Calculation of expungement periods in the Federal Central Register. The BZRG contains no special rules for computing expungement periods; accordingly, the general civil-law rules on time computation apply also in public law. Where the statute attaches legal consequences to a specific calendar day ('day' of judgment or signing of the criminal order), that day is included in the period under § 187 Abs. 2 S. 1 BGB. If the expired record was used only as one corroborative element among several independent pieces of evidence, the conviction need not be set aside, and reversal is excluded if the court can safely rule out any influence on the verdict or sentence (cf. consid. 2-4).

Gesamter Gesetzestext

BGH — 5 StR 270/14, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2014-07-15

Aktenzeichen: 5 StR 270/14

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 5 Abs 1 Nr 4 BZRG, § 36 S 1 BZRG, § 47 Abs 1 BZRG, § 51 Abs 1 BZRG, § 186 BGB, §§ 186ff BGB, § 187 Abs 1 BGB, § 187 Abs 2 S 1 BGB

Vorinstanz: vorgehend LG Kiel, 13. Februar 2014, Az: 10 KLs 3/10

Spruchkörper: 5. Strafsenat

Titelzeile

Bundeszentralregister: Berechnung der Tilgungsfrist

Tenor

Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Kiel vom 13. Februar 2014 wird nach § 349 Abs. 2 StPO mit der Maßgabe als unbegründet verworfen, dass die in Polen erlittene Auslieferungshaft auf die verhängte Gesamtfreiheitsstrafe im Maßstab 1:1 angerechnet wird.

Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels zu tragen.

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen schweren Raubes und wegen versuchter (besonders) schwerer räuberischer Erpressung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten verurteilt. Auf die hiergegen gerichtete und auf die Verletzung materiellen sowie formellen Rechts gestützte Revision des Angeklagten war lediglich der Anrechnungsmaßstab für die durch den Angeklagten erlittene Auslieferungshaft zu bestimmen (§ 51 Abs. 4 Satz 2 StGB, § 354 Abs. 1 StPO analog). Im Übrigen ist das Rechtsmittel unbegründet nach § 349 Abs. 2 StPO. Der Erörterung bedarf allerdings Folgendes:

2 1. In Einklang mit der Auffassung der Revision war in Bezug auf den Strafbefehl des Amtsgerichts Neumünster vom 13. Februar 2009 am Tag der Urteilsverkündung (13. Februar 2014) Tilgungsreife eingetreten. Sonderregelungen für die Berechnung des Fristenlaufs enthält das Bundeszentralregister-gesetz nicht. Die §§ 42, 43 StPO beanspruchen lediglich Geltung für strafprozessuale Fristen (vgl. KK/Maul, StPO, 7. Aufl., § 43 Rn. 6), denen die zentralregisterrechtlichen Tilgungsfristen indessen nicht zugeordnet werden können. Demgemäß sind die allgemeinen Regelungen der §§ 186 ff. BGB heranzuziehen, an denen grundsätzlich auch das öffentliche Recht zu messen ist (vgl. GmS-OGB, Beschluss vom 6. Juli 1972 - GmS-OGB 2/71, BGHZ 59, 396, 397; BGH, Beschluss vom 24. November 1987 - 5 AR Vollz 6/87, BGHSt 35, 107, 110 f.). Im Hinblick darauf, dass § 47 Abs. 1 i.V.m. § 36 Satz 1, § 5 Abs. 1 Nr. 4 BZRG nicht an ein Ereignis oder einen in den Lauf des Tages fallenden Zeitpunkt anknüpft (vgl. § 187 Abs. 1 BGB), sondern an den "Tag" des Urteils bzw. der Unterzeichnung des Strafbefehls, war der 13. Februar 2009 nach § 187 Abs. 2 Satz 1 BGB in die Frist einzurechnen. Demnach hat die Fünfjahresfrist des § 46 Abs. 1 Nr. 1a BZRG mit Ablauf des 12. Februar 2014 geendet.

3 2. Das daraus resultierende Verwertungsverbot des § 51 Abs. 1 BZRG gefährdet den Bestand des Urteils jedoch letztlich nicht. Die Strafkammer hat den im Strafbefehl festgestellten Sachverhalt lediglich als eines von mehreren Anzeichen herangezogen, die die Richtigkeit der Aussage des Geschädigten unterstützten (UA S. 11). Die - von Realdetails geprägte und konstante - Aussage des Geschädigten (UA S. 10) wurde jenseits dessen in zentralen Teilen bestätigt durch die Bekundungen der Sicherheitskraft, die die Flucht zweier Täter beobachtete und Schüsse wahrnahm, sowie die Aussage des zum Tatort gerufenen Polizeibeamten namentlich zum Zustand des Zimmers des Opfers. Dem Opfer wurde auch über dessen Betreuer, der dies und die Gesamtumstände bestätigte, Ende des Jahres 2009 eine Geldzahlung für eine später tatsächlich erfolgte "Rücknahme" der Strafanzeige gegen den Angeklagten angeboten und ausgezahlt. Hinsichtlich des geraubten Mobiltelefons wurden für den Zeitraum nach der Tat Verbindungsdaten zu dem Angeklagten nahestehenden Personen festgestellt.

4 Im Blick auf diese Beweislage kann der Senat ausschließen, dass die Strafkammer die Aussage des Opfers als unglaubhaft gewertet hätte und der Schuldspruch abweichend ausgefallen wäre, wenn der genannte Strafbefehl nicht herangezogen worden wäre. Gleiches gilt für den Strafausspruch. Denn die Strafkammer hat die "nicht nennenswerte" Vorverurteilung ausdrücklich nicht zum Nachteil des Angeklagten gewichtet (vgl. UA S. 22, 23); es ist ausgeschlossen, dass sie den Angeklagten milder beurteilt hätte, wenn sie ihn als gänzlich unbestraft behandelt hätte.

Basdorf Sander Schneider

Dölp König

Schlagwörter

expungement periodcentral criminal registertime computationprior convictionrevisioncredit for detentioncorroborationharmless error

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the conviction recorded in the 2009 criminal order was already expunged under the BZRG on the day of the 2014 judgment.

Extrahierter Entscheid

Yes. The five-year period ended at the close of 12 February 2014, because the day of the criminal order is counted in the period.

Extrahierte Begründung

The BZRG contains no special rules for calculating limitation periods. Therefore the general rules of §§ 186 ff. BGB apply. Because the statute refers to the 'day' of the judgment or criminal order and not to an event within the day, § 187(2) sentence 1 BGB governs, so the starting day is included and the period expired before the judgment date.

Kernrechtsfrage

Whether the use of the expired prior conviction required reversal of the conviction or sentence.

Extrahierter Entscheid

No. The prior conviction was only one among several corroborative indications; the court could exclude that the judgment or sentence would have differed without it.

Extrahierte Begründung

The victim's detailed and consistent testimony was independently corroborated by the security guard, the police officer, the guardian's account, and telephone data. The senate therefore excluded any impact on both guilt and sentence.

Kernrechtsfrage

How extradition detention served in Poland must be credited against the total prison sentence.

Extrahierter Entscheid

It must be credited at a 1:1 rate against the imposed aggregate term of imprisonment.

Extrahierte Begründung

The revision was otherwise unfounded, but the senate specified the crediting ratio in the operative part.

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