Reminder against court cost assessment dismissed

BVerwG 5 KSt 6/15, 5 KSt 6/15 (5 C 3/15)Bverwg / 5. Abteilung05.03.2015Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Administrative Court rejected the applicant’s reminder against a final court fee invoice issued after her unsuccessful hearing-rüge. It held that the rüge proceedings are fee-liable, that no subject-matter cost exemption applied because housing benefit is not welfare within § 188 VwGO, and that the EUR 60 fixed fee was properly assessed. The applicant’s request for payment relief was construed as a request for waiver, remission, or deferral of costs, but the court found that it had no competence to decide that request in the reminder procedure. Costs of the reminder proceedings were not reimbursed.

Omnilex-Regeste

§ 66 GKG; fee liability and judicial review of a cost assessment in hearing-rüge proceedings; housing benefit not covered by the cost exemption of § 188 VwGO. A reminder against a court cost assessment is limited to reviewing whether the invoice is lawful in basis and amount. Proceedings under § 152a VwGO are fee-bearing when the rüge is dismissed or rejected. The subject-matter cost exemption for social assistance and comparable welfare benefits does not extend to housing benefit. A request for waiver, remission, or deferral of court costs is not to be decided within reminder proceedings under § 66 GKG, but by the court administration separately. The fee assessment does not violate Art. 2(1) GG in conjunction with the rule of law or Art. 19(4) GG if the fee is proportionate and tied to the use of judicial services.

Gesamter Gesetzestext

BVerwG — 5 KSt 6/15, 5 KSt 6/15 (5 C 3/15), Beschluss

Entscheidungsdatum: 2015-03-05

Aktenzeichen: 5 KSt 6/15, 5 KSt 6/15 (5 C 3/15)

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 188 S 2 VwGO, § 188 S 1 VwGO, § 2 Abs 4 S 2 GKG

Spruchkörper: 5. Senat

Titelzeile

Erinnerung gegen den Kostenansatz in der Kostenrechnung

Tenor

Die Erinnerung gegen die Kostenrechnung vom 3. Februar 2015 (Kassenzeichen: 1180 0260 3835) wird zurückgewiesen.

Der Beschluss ergeht gerichtsgebührenfrei; Kosten werden nicht erstattet.

Gründe

1 1. Die mit Schriftsatz vom 5. Februar 2015 erhobene "Beschwerde gegen Kostenrechnung" ist als Erinnerung gegen den Kostenansatz (§ 66 Abs. 1 Satz 1 GKG) in der Schlusskostenrechnung der Geschäftsstelle des Senats vom 3. Februar 2015 (Kassenzeichen: 1180 0260 3835) zu werten.

2 Die Erinnerung, über die gemäß § 66 Abs. 6 Satz 1 GKG der Einzelrichter zu entscheiden hat, hat keinen Erfolg.

3 Es kann offenbleiben, ob die Erinnerung gegen den Kostenansatz gemäß § 66 Abs. 1 GKG vor dem Bundesverwaltungsgericht dem Vertretungszwang nach § 67 Abs. 4 VwGO unterliegt. Denn die angegriffene Kostenrechnung vom 3. Februar 2015 ist weder dem Grunde noch der Höhe nach zu beanstanden.

4 Der Kostenansatz beruht darauf, dass der Senat mit Beschluss vom 21. Januar 2015 - 5 C 3.15 (5 C 17.14, 5 PKH 29.14) - die Anhörungsrüge der Antragstellerin gegen den Beschluss des Bundesverwaltungsgerichts vom 18. Dezember 2014 - 5 C 17.14, 5 PKH 29.14 - zurückgewiesen, ihren Antrag, den vorbezeichneten Beschluss vom 18. Dezember 2014 aufzuheben, verworfen und ihr die Kosten des Verfahrens auferlegt hat. Diese Entscheidung des Senats ist unanfechtbar.

5 Gemäß § 1 Abs. 2 Nr. 1 i.V.m. Abs. 1 Satz 1 GKG sind Kosten nach Maßgabe des Gerichtskostengesetzes zu erheben. Gemäß § 3 Abs. 2 GKG i.V.m. Nr. 5400 des Kostenverzeichnisses sind Verfahren über die Rüge wegen Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör (§ 152a VwGO) gebührenpflichtig, soweit die Beschwerde - wie hier - verworfen oder zurückgewiesen wird.

6 Die Antragstellerin war auch nicht gemäß § 2 Abs. 4 Satz 2 GKG durch eine in § 188 Satz 2 Halbs. 1 VwGO geregelte sachliche Kostenfreiheit begünstigt, da Wohngeldleistungen im Sinne des Wohngeldgesetzes nicht zu den Sozialhilfeleistungen und deshalb auch nicht zu den Leistungen der allgemeinen öffentlichen Fürsorge oder zu anderen Fürsorgeleistungen im Sinne von § 188 Satz 2 i.V.m. Satz 1 VwGO zählen (BVerwG, Urteil vom 25. Oktober 1972 - 8 C 127.71 - BVerwGE 41, 115 <126>).

7 Die gemäß § 3 Abs. 2 GKG i.V.m. Nr. 5400 des Kostenverzeichnisses in der Kostenrechnung angesetzte Festgebühr von 60 € ist entstanden. Ihre Festsetzung weist keine Fehler auf.

8 Der Kostenansatz verletzt die Antragstellerin auch nicht in ihren verfassungsmäßigen Rechten. Eine solche Verletzung folgt insbesondere nicht aus Art. 2 Abs. 1 GG i.V.m. dem Rechtsstaatsprinzip und Art. 19 Abs. 4 GG. Die Gerichtsgebühr stellt eine Gegenleistung für die Inanspruchnahme der Gerichte dar. Der sich aus dem Rechtsstaatsprinzip ergebende Justizgewährungsanspruch hindert den Gesetzgeber nicht, für eine entsprechende Inanspruchnahme Gebühren zu erheben, sofern die Gebührenfestsetzung sachgerecht erfolgt und im Verhältnis zu den mit der Gebührenregelung verfolgten Zwecken steht (BVerfG, Kammerbeschluss vom 3. Januar 2007 - 1 BvR 737/04 - NJW 2007, 2032). So verhält es sich hier. Die Festgebühr von 60 € für das erfolglos durchgeführte Anhörungsrügeverfahren steht nicht außer Verhältnis zu dem mit der Gebührenregelung verfolgten Zweck. Eine Verletzung der Antragstellerin in ihrem rechtlichen Gehör ist weder dargelegt noch anderweitig erkennbar.

9 Soweit sie in ihrer "Beschwerde gegen Kostenrechnung" Zahlungsunfähigkeit geltend macht und um Stundung der gesamten Gerichtskosten bittet, ist dies als Antrag auf Erlass, Niederschlagung oder Stundung der Gerichtskosten (vgl. § 59 Abs. 1 der Bundeshaushaltsordnung i.d.F. des Art. 1 Nr. 8 des Gesetzes vom 22. September 1994, BGBl. I S. 2605) zu werten. Allerdings fällt eine Entscheidung hierüber nicht in die Zuständigkeit des Einzelrichters nach § 66 GKG. Vielmehr ist über diesen Antrag außerhalb des Erinnerungsverfahrens von der Gerichtsverwaltung zu befinden (vgl. BVerwG, Beschlüsse vom 24. Februar 1997 - 1 KSt 1.97 -, vom 5. Januar 2005 - 8 KSt 17.04 - und vom 6. Februar 2008 - 9 KSt 1.08 -; BFH, Beschluss vom 25. Oktober 2000 - VII B 230/00 -juris).

10 2. Die Kostenentscheidung beruht auf § 66 Abs. 8 GKG.

Schlagwörter

court costshearing requestfee exemptionhousing benefitreminderjurisdictioncost assessmentlegal remedy

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the objection against the court cost assessment was admissible and well-founded

Extrahierter Entscheid

The reminder was treated as an objection under the Court Costs Act but was unfounded because the cost assessment was correct in both basis and amount.

Extrahierte Begründung

The challenged invoice followed the unsuccessful hearing-rüge proceedings, which are fee-liable under the Court Costs Act. The applicant did not benefit from statutory cost exemption for welfare cases, and the fixed fee of EUR 60 was properly incurred.

Kernrechtsfrage

Whether the applicant was exempt from costs under the VwGO provisions on subject-matter cost freedom

Extrahierter Entscheid

No; housing benefit under the Housing Benefit Act does not qualify as social assistance or other welfare relief within the meaning of the VwGO cost-exemption rule.

Extrahierte Begründung

The court relied on settled case law that housing benefit is not a form of social assistance or public welfare under § 188 VwGO, so the exemption did not apply.

Kernrechtsfrage

Whether the applicant's request for instalment relief, deferral, or waiver of court costs could be decided in the reminder proceedings

Extrahierter Entscheid

No; such relief is not for the single judge deciding under § 66 GKG, but for the court administration outside the reminder procedure.

Extrahierte Begründung

The payment-relief request was recharacterized as an application for waiver, remission, or deferral, but the reminder court lacked competence to decide it.

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