Insured’s rescission barred by inconsistent conduct

BGH IV ZR 117/15Bgh / IV. Zivilkammer13.01.2016Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Court of Justice rejected the plaintiff insured’s revision under section 552a ZPO. The case concerned a rescission right in insurance law after a policy that had once been terminated for premium arrears was reinstated at the insured’s request. The court held that the insured was barred from relying on the rescission right because his conduct in the reinstatement process was inconsistent and abusive. EU law did not prevent the application of national principles of good faith and the prohibition of contradictory exercise of rights in these circumstances.

Omnilex-Regeste

§ 242 BGB; § 8 Abs. 5 Satz 4 VVG a.F.; abuse of rights may bar reliance on a rescission right in insurance law. The application of the principles of good faith and the prohibition of contradictory exercise of rights is compatible with EU consumer-protection law, provided the right is exercised within the framework of national civil law and the national court takes account of abusive conduct. The effectiveness of the rescission right is not impaired where the consumer’s own conduct in connection with reinstatement created the impression of unconditional continuation of the contract (consid. 3-5).

Gesamter Gesetzestext

BGH — IV ZR 117/15, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2016-01-13

Aktenzeichen: IV ZR 117/15

ECLI: ECLI:DE:BGH:2016:130116BIVZR117.15.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 242 BGB, § 8 Abs 5 S 4 VVG vom 21.07.1994

Vorinstanz: vorgehend BGH, 11. November 2015, Az: IV ZR 117/15, Beschlussvorgehend OLG München, 9. Dezember 2014, Az: 25 U 1381/14vorgehend LG München I, 6. Februar 2014, Az: 25 O 16184/13

Spruchkörper: 4. Zivilsenat

Titelzeile

Rücktritt des Versicherungsnehmers vom Versicherungsvertrag: Treuwidriges Verhalten des Versicherungsnehmers nach von ihm erbetener Wiederinkraftsetzung des zunächst wegen Beitragsrückständen gekündigten und abgewickelten Vertrages

Tenor

Die Revision des Klägers gegen das Urteil des Oberlandesgerichts München - 25. Zivilsenat - vom 9. Dezember 2014 wird gemäß § 552a Satz 1 ZPO auf seine Kosten zurückgewiesen.

Der Streitwert für das Revisionsverfahren wird auf 11.589,42 € festgesetzt.

Gründe

1 Die vom Berufungsgericht zugelassene Revision der Klägerseite (Versicherungsnehmer: im Folgenden d. VN) war gemäß § 552a ZPO zurückzuweisen, weil die Voraussetzungen für ihre Zulassung nicht vorliegen und die Revision keine Aussicht auf Erfolg hat. Der Senat hat die Parteien mit Beschluss vom 11. November 2015 auf die beabsichtigte Zurückweisung hingewiesen. Auf die dortigen Gründe wird ergänzend Bezug genommen.

2 Der Schriftsatz des Klägervertreters vom 28. Dezember 2015 gibt keine Veranlassung, von der Zurückweisung der Revision abzusehen.

3 Der Einwand, das Berufungsgericht, sei schon nach Maßstäben des Europarechts gehindert gewesen, Verwirkung anzunehmen, greift nicht durch. Die Maßstäbe für die Berücksichtigung der Gesichtspunkte von Treu und Glauben sind in der Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europäischen Union geklärt (siehe im Einzelnen Senatsurteil vom 16. Juli 2014 - IV ZR 73/13, BGHZ 202, 102 Rn. 41 f.; BVerfG VersR 2015, 693 Rn. 43 ff.). Die Annahme rechtsmissbräuchlichen Verhaltens steht hier in Einklang mit dieser Rechtsprechung.

4 Die Frage, ob verbraucherschützende Widerspruchsrechte durch nationale Vorschriften zum Rechtsmissbrauch beschränkt werden dürften, berührt zwar das Gebot der praktischen Wirksamkeit. Der Anwendung des Grundsatzes von Treu und Glauben und des Verbots widersprüchlicher Rechtsausübung steht dies aber nicht entgegen, weil die Ausübung dieser Rechte in das nationale Zivilrecht eingebettet bleibt und die nationalen Gerichte ein missbräuchliches Verhalten auch nach der Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europäischen Union berücksichtigen dürfen (BVerfG aaO Rn. 44 m.w.N.).

5 Die Anwendung der Grundsätze von Treu und Glauben beeinträchtigt auch angesichts der besonderen Umstände des Streitfalles die praktische Wirksamkeit des Gemeinschaftsrechts und den Sinn und Zweck des Widerspruchsrechts nicht. Die Erwägungen der Zweiten und Dritten Richtlinie Lebensversicherung, eine genaue Belehrung der Versicherungsnehmer über ihr Rücktrittsrecht vor Abschluss des Vertrages sicherzustellen, werden auch hier nicht berührt. Ob d. VN bei Wiederinkraftsetzung des Versicherungsvertrages im Jahr 2000 ordnungsgemäß über das Rücktrittsrecht aus § 8 Abs. 5 VVG a.F. belehrt wurde, ist nicht entscheidungserheblich. Abgesehen davon, dass d. VN aufgrund der ihm 1996 erteilten Informationen Kenntnis vom Vertragsinhalt hatte, knüpft seine Treuwidrigkeit - anders als in dem der Senatsentscheidung vom 16. Juli 2014 zugrunde liegenden Fall - nicht an die jahrelange Prämienzahlung nach ordnungsgemäßer Belehrung an. Ausschlaggebend ist vielmehr, dass d. VN durch sein Verhalten im Zusammenhang mit der Wiederinkraftsetzung des Vertrages den Eindruck erweckt hat, den Vertrag unbedingt fortsetzen zu wollen.

Mayen Harsdorf-Gebhardt Dr. Karczewski

Lehmann Dr. Brockmöller

Schlagwörter

insurance contractrescission rightgood faithabuse of rightsinconsistent conductEU consumer lawreinstatementrevision costs

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the insured’s right to rescind the insurance contract was barred by abuse of rights after he sought reinstatement of a previously terminated and settled policy.

Extrahierter Entscheid

The revision failed because the insured’s conduct in connection with the requested reinstatement was inconsistent with later reliance on the rescission right and could be treated as abusive.

Extrahierte Begründung

Applying the principles of good faith and the prohibition of contradictory exercise of rights does not conflict with EU consumer-protection law here. National courts may consider abusive conduct, and the reinstatement context showed that the insured had given the impression of wanting to continue the contract unconditionally.

Kernrechtsfrage

Whether EU law prevented the application of national doctrines of good faith and legal abuse to a consumer’s insurance rescission right.

Extrahierter Entscheid

No. The court held that the relevant European-law principles permit consideration of abusive conduct by national courts.

Extrahierte Begründung

The effectiveness of the right of withdrawal is not impaired by applying good faith in a situation where the consumer’s conduct itself created a contradictory position, and the purpose of the informational duties underlying the rescission right remained unaffected.

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