Minor case of manslaughter: two slaps may count as mistreatment

BGH 1 StR 581/15Bgh / I. Strafkammer13.01.2016Partially Granted

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Court held that the trial court had incorrectly rejected the possibility of a minor case of manslaughter. Two slaps can regularly be painful and may constitute mistreatment within the meaning of Section 213 Alt. 1 StGB. Because this error could have led to a lower sentence, the sentence portion of the conviction was quashed and the case remitted to another Schwurgerichtskammer for a new sentencing decision. The factual findings remained intact.

Omnilex-Regeste

§ 213 StGB; assessment of a minor case of manslaughter where the victim previously struck the defendant with two slaps. Slaps are regularly associated with pain and may, depending on the circumstances, constitute mistreatment within the meaning of § 223 StGB and thus a qualifying circumstance under § 213 Alt. 1 StGB. A trial court errs if it denies such mistreatment without findings excluding more than a merely negligible impairment of the defendant's bodily or mental integrity. If this error may have influenced sentencing, the sentence must be set aside; the findings of fact may remain undisturbed under § 353 Abs. 2 StPO.

Gesamter Gesetzestext

BGH — 1 StR 581/15, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2016-01-13

Aktenzeichen: 1 StR 581/15

ECLI: ECLI:DE:BGH:2016:130116B1STR581.15.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 213 Abs 1 Alt 1 StGB

Vorinstanz: vorgehend LG München I, 30. Juli 2015, Az: 2 Ks 127 Js 100485/15

Spruchkörper: 1. Strafsenat

Titelzeile

Minder schwerer Fall des Totschlags: Misshandlung durch Verabreichung von zwei Ohrfeigen

Tenor

  1. Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts München I vom 30. Juli 2015 im Strafausspruch aufgehoben.

  2. Die weitergehende Revision wird verworfen.

  3. Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Schwurgerichtskammer des Landgerichts zurückverwiesen.

Gründe

I.

1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren verurteilt.

2 Hiergegen richtet sich die auf die Sachrüge und mehrere Verfahrensrügen gestützte Revision des Angeklagten. Sein Rechtsmittel hat hinsichtlich des Strafausspruchs Erfolg (§ 349 Abs. 4 StPO); im Übrigen ist es, wie der Generalbundesanwalt in seiner Antragsschrift vom 24. November 2015 ausgeführt hat, unbegründet im Sinne von § 349 Abs. 2 StPO.

II.

3 Die Prüfung der Voraussetzungen eines minder schweren Falls des Totschlags gemäß § 213 StGB durch das Landgericht erweist sich als rechtsfehlerhaft.

4 Hinsichtlich der tatbestandlichen Voraussetzungen des § 213 Alt. 1 StGB hat das Schwurgericht lediglich ausgeführt, dass "schon keine 'schwere Beleidigung' und auch 'keine Misshandlung' des Opfers" vorlag. Dies entspricht aber nicht den Feststellungen, wonach der Geschädigte nach einer kurzen "verbalen Auseinandersetzung dem Angeklagten nicht ausschließbar zwei Ohrfeigen" versetzte (UA S. 19). Ohrfeigen sind regelmäßig mit der Zufügung von Schmerzen verbunden (BGH, Urteile vom 8. März 1990 - 2 StR 615/89, NJW 1990, 315 und vom 22. November 1991 - 2 StR 225/91, MDR 1992, 320). Insoweit hat das Landgericht auch keine Feststellungen getroffen, wonach das Wohlbefinden des Angeklagten durch die Ohrfeigen allenfalls in unerheblichem Maße beeinträchtigt worden sei (vgl. hierzu Joecks in MüKo-StGB, 2. Aufl. 2012, § 223 Rn. 12 ff.; Fischer, 63. Aufl. 2016, § 223 Rn. 6). Dagegen würde zudem sprechen, dass der Angeklagte nach den Ohrfeigen Blut in seinem Gesicht bemerkte (UA S. 19).

5 Danach kann der Senat nicht ausschließen, dass es sich bei den zwei Ohrfeigen lediglich um nicht geringfügige Eingriffe in die körperliche oder seelische Unversehrtheit des Täters handelte und diese die für eine Misshandlung im Sinne des § 223 StGB erforderliche Erheblichkeit erreicht haben (dazu näher Senat, Urteil vom 26. Februar 2015 - 1 StR 574/14, NStZ 2015, 582 f.).

6 Auf diesem Rechtsfehler beruht der Strafausspruch. Der Senat kann nicht ausschließen, dass das Landgericht bei vollständiger Würdigung aller maßgeblichen Strafzumessungsumstände einen minder schweren Fall angenommen hätte und zu einer geringeren Strafe gelangt wäre.

7 Die Feststellungen sind von dem Rechtsfehler nicht betroffen und können bestehen bleiben (vgl. § 353 Abs. 2 StPO). Die nunmehr zur Entscheidung berufene Strafkammer kann ergänzende Feststellungen zum Strafausspruch treffen, soweit sie den bisherigen nicht widersprechen.

Raum Graf Jäger

Cirener Fischer

Schlagwörter

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Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the trial court erred in denying a minor case under Section 213 StGB because the victim's two slaps could constitute a mistreatment or serious insult.

Extrahierter Entscheid

The trial court's assessment was legally flawed; two slaps can regularly involve pain and may reach the threshold of mistreatment under Section 213 Alt. 1 StGB.

Extrahierte Begründung

The factual findings did not exclude that the victim struck the defendant twice in the face; such slaps are normally painful and may amount to a non-trivial impairment of bodily integrity. The court had not established that the impact was only negligible.

Kernrechtsfrage

Whether the sentence had to be set aside due to the error in applying Section 213 StGB.

Extrahierter Entscheid

Yes. The error affected sentencing, and the court could not exclude that a lesser sentence would have been imposed if a minor case had been considered.

Extrahierte Begründung

Because a minor case might have been found after proper overall sentencing assessment, the sentence could not stand.

Kernrechtsfrage

Whether the remaining conviction should be disturbed.

Extrahierter Entscheid

No. The factual findings were unaffected by the legal error and remained in force.

Extrahierte Begründung

Only the sentencing assessment was flawed; the findings of fact could remain unchanged under Section 353(2) StPO.

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