Private expert opinion is not a legal remedy under § 839a BGB

BGH III ZR 440/16Bgh / III. Zivilkammer27.07.2017Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Court of Justice dismissed the plaintiff’s non-admission complaint in a damages action against a psychiatrist for an allegedly faulty court expert report. It held that obtaining a private expert opinion is not a “legal remedy” within the meaning of § 839a(2) and § 839(3) BGB, although procedural means directed against the expert report itself can be. The court nevertheless did not need to decide the exclusion issue, because no ground for admitting the revision existed and the appeal court’s finding of no gross fault did not justify leave to appeal. Costs were imposed on the plaintiff.

Omnilex-Regeste

§ 839a Abs. 2, § 839 Abs. 3 BGB; private expert opinion as a “legal remedy”; only procedural means directed against a defective court expert opinion qualify as remedies capable of triggering the duty to mitigate. Relevant are objections, requests for oral clarification under § 411 Abs. 4 ZPO, and motions for a new expert opinion under § 412 Abs. 1 ZPO. By contrast, obtaining a private expert opinion merely serves to substantiate objections and is not mandatory for a non-expert party; its omission therefore cannot be held against that party as a forfeiture ground. If no ground for admission exists under § 543 Abs. 2 Satz 1 ZPO, a non-admission complaint is to be dismissed (consid. 5-7).

Gesamter Gesetzestext

BGH — III ZR 440/16, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2017-07-27

Aktenzeichen: III ZR 440/16

ECLI: ECLI:DE:BGH:2017:270717BIIIZR440.16.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 839 Abs 3 BGB, § 839a Abs 2 BGB

Vorinstanz: vorgehend OLG Celle, 20. Juli 2016, Az: 4 U 102/13, Urteilvorgehend LG Hannover, 11. Juni 2013, Az: 2 O 1/13

Spruchkörper: 3. Zivilsenat

Titelzeile

Haftung des gerichtlichen Sachverständigen: Einholung eines Privatgutachtens als "Rechtsmittel"

Leitsatz

Die Einholung eines Privatgutachtens zählt nicht zu den "Rechtsmitteln" im Sinne von § 839a Abs. 2, § 839 Abs. 3 BGB.

Tenor

Die Beschwerde des Klägers gegen die Nichtzulassung der Revision in dem Urteil des 4. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Celle vom 20. Juli 2016 - 4 U 102/13 - wird zurückgewiesen.

Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat der Kläger zu tragen (§ 97 Abs. 1 ZPO).

Der Streitwert für das Beschwerdeverfahren beträgt 86.976,69 €.

Gründe

I.

1 Der Kläger nimmt den Beklagten, einen Facharzt für Psychiatrie, unter dem Vorwurf der Erstattung eines fehlerhaften Gerichtsgutachtens gemäß § 839a BGB auf Schadensersatz in Anspruch. Das Gutachten erstattete der Beklagte in einem Zivilprozess des Klägers gegen ein Versicherungsunternehmen, in dem es um die Geltendmachung von Ansprüchen auf Leistungen aus einer Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung ging und der für den Kläger ohne Erfolg blieb.

2 Das Landgericht hat die Klage abgewiesen. Die Berufung des Klägers hat das Oberlandesgericht zurückgewiesen. Hiergegen wendet sich der Kläger mit seiner Nichtzulassungsbeschwerde.

II.

3 Die Nichtzulassungsbeschwerde ist unbegründet, weil weder die Rechtssache grundsätzliche Bedeutung hat noch die Fortbildung des Rechts oder die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine Entscheidung des Revisionsgerichts erfordert (§ 543 Abs. 2 Satz 1 ZPO).

4 1. Soweit das Berufungsgericht - jedenfalls - ein grobes Verschulden des Beklagten im Sinne von § 839a Abs. 1 BGB verneint hat, lässt dies einen Grund zur Zulassung der Revision nicht erkennen. Der Senat sieht von einer näheren Begründung gemäß § 544 Abs. 4 Satz 2 Halbsatz 2 ZPO ab.

5 2. Vor diesem Hintergrund kommt es auf die - vom Berufungsgericht offen gelassene - Frage, ob die Haftung des Beklagten wegen schuldhaften Nichtgebrauchs eines Rechtsmittels nach § 839a Abs. 2, § 839 Abs. 3 BGB ausgeschlossen ist, nicht entscheidungserheblich an. Ein Revisionszulassungsgrund ist insoweit nicht gegeben. Allerdings sieht der erkennende Senat Anlass für den Hinweis, dass die Auffassung des Berufungsgerichts (dessen Entscheidung unter anderem in MDR 2016, 1203 veröffentlicht worden ist), wonach die Einholung eines Privatgutachtens als "Rechtsmittel" im Sinne dieses Haftungsausschlusses anzusehen sei, von Rechtsfehlern beeinflusst ist.

6 a) Als "Rechtsmittel" kommen zwar auch solche Behelfe in Betracht, die sich unmittelbar gegen das fehlerhafte Gutachten selbst richten und die bestimmt und geeignet sind, eine auf das Gutachten gestützte instanzbeendende gerichtliche Entscheidung zu verhindern. Zu denken ist insoweit etwa an Gegenvorstellungen und Hinweise auf die Unrichtigkeit des Gutachtens (vgl. § 411 Abs. 4 ZPO), an Anträge, den Sachverständigen zur mündlichen Erläuterung seines Gutachtens zu laden, oder an formelle Beweisanträge auf Einholung eines neuen (Ober-)Gutachtens gemäß § 412 Abs. 1 ZPO (Senat, Beschluss vom 28. Juli 2006 - III ZB 14/06, NJW-RR 2006, 1454, 1455 Rn. 11 und Urteil vom 5. Juli 2007 - III ZR 240/06, BGHZ 173, 98, 100 f Rn. 8).

7 b) Nicht unter die "Rechtsmittel" im Sinne von § 839a Abs. 2, § 839 Abs. 3 BGB fällt indessen die Einholung eines Privatgutachtens, um Einwände gegen ein beanstandetes gerichtliches Sachverständigengutachten zu substantiieren (so auch BeckOGK/Dörr, BGB, § 839a Rn. 67 [Stand: 1. April 2017]; Staudinger/Wöstmann, BGB [2013], § 839a Rn. 27 mwN aus dem Schrifttum; wohl auch MüKoBGB/Wagner, 7. Aufl., § 839a Rn. 40; a.A. OLG Celle, DS 2012, 82, 83; LG Nürnberg-Fürth, Urteil vom 15. Oktober 2012 - 3 O 3620/12, BeckRS 2014, 15746). Zwar mag die Einholung und Vorlage eines Privatgutachtens die Aussicht dafür erhöhen, dass das Prozessgericht einem Antrag auf Einholung eines neuen (Ober-)Gutachtens Folge leistet (OLG Celle aaO S. 83 f; LG Nürnberg-Fürth aaO). Eine nicht sachkundige Partei ist jedoch generell nicht verpflichtet, zur Substantiierung ihrer Einwendungen gegen ein gerichtliches Sachverständigengutachten einen Privatgutachter zu konsultieren (BGH, Urteile vom 19. Februar 2003 - IV ZR 321/02, NJW 2003, 1400 f; vom 18. Oktober 2005 - VI ZR 270/04, NJW 2006, 152, 154 Rn. 15 und vom 8. Juli 2008 - VI ZR 259/06, NJW 2008, 2846, 2849 Rn. 27; s. auch Dörr aaO; Wagner aaO). Dementsprechend kann es ihr nicht im Sinne von § 839a Abs. 2, § 839 Abs. 3 BGB anspruchsausschließend zur Last fallen, wenn sie dies unterlassen hat.

HerrmannTombrinkRemmert
ReiterPohl

Schlagwörter

medical expert reportprivate expert opinionlegal remedynon-admission complaintprofessional liabilitycausationgross faultcosts

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the non-admission complaint should be allowed because the appeal court wrongly treated obtaining a private expert opinion as a legal remedy under § 839a BGB.

Extrahierter Entscheid

The complaint was unfounded; the private expert opinion is not a legal remedy within § 839a(2) and § 839(3) BGB.

Extrahierte Begründung

Only procedural means directed at the defective court expert opinion itself can qualify as legal remedies, such as objections, requests for oral explanation, or motions for a new expert opinion. A private expert opinion merely substantiates objections and is not mandatory for a lay party.

Kernrechtsfrage

Whether the case justified admission of the revision due to fundamental importance or the need for legal development/uniformity.

Extrahierter Entscheid

No ground for admission was shown.

Extrahierte Begründung

The decisive issue did not warrant review, and the court saw no reasoned basis for revising the finding that there was no gross fault; it therefore did not need to decide the open exclusion question.

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