PKH denied for intended revision over unpaid social security contributions

BGH II ZA 4/09Bgh / II. Zivilkammer18.01.2010Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Court of Justice denied the defendant legal aid for an intended revision. It held that the proposed appeal had no sufficient prospect of success. The Senate reaffirmed that, where a GmbH in insolvency-reife pays other creditors instead of remitting employee social security contributions, the collection agency may claim damages under section 823(2) BGB in conjunction with section 266a StGB. The defendant could not invoke a conflict of duties. The court also noted that later case law did not make the intended revision promising.

Omnilex-Regeste

§ 552a ZPO; legal aid for an intended revision requires a sufficient prospect of success. Where the Senate would, upon filing of a revision, have to dispose of the matter under § 552a ZPO, the application is to be refused if the appeal would clearly fail. In the case of a GmbH in insolvency-reife, the non-remittance of employee social security contributions gives rise to liability of the managing director under § 823 Abs. 2 BGB in conjunction with § 266a StGB, provided that he has made payments to other creditors inconsistent with the diligence of a prudent business manager. In such a constellation, a plea of conflict of duties is unavailable (consid. 4).

Gesamter Gesetzestext

BGH — II ZA 4/09, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-01-18

Aktenzeichen: II ZA 4/09

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 823 Abs 2 BGB, § 266a StGB

Vorinstanz: vorgehend OLG Braunschweig, 7. Januar 2009, Az: 3 U 32/08vorgehend LG Braunschweig, 18. Februar 2008, Az: 4 O 2279/07

Spruchkörper: 2. Zivilsenat

Titelzeile

Vorenthalten von Arbeitsentgelt: Schadensersatzanspruch der Einzugsstelle gegen den GmbH-Geschäftsführer wegen Nichtabführens von Sozialversicherungsbeiträgen bei Zahlungen an andere Insolvenzgläubiger im Stadium der Insolvenzreife

Leitsatz

Nach der ständigen Rechtsprechung des Senats führt das Nichtabführen von Arbeitnehmeranteilen zur Sozialversicherung im Stadium der Insolvenzreife einer GmbH zu einem Schadensersatzanspruch der Einzugsstelle gegen den Geschäftsführer aus § 823 Abs. 2 BGB i.V.m. § 266a StGB, wenn dieser an andere Gesellschaftsgläubiger trotz der Insolvenzreife Zahlungen geleistet hat, die nicht mit der Sorgfalt eines ordentlichen Geschäftsmanns vereinbar waren. In einem solchen Fall konnte sich der Geschäftsführer schon nach der früheren und kann er sich auch nach der neueren Senatsrechtsprechung nicht auf eine Pflichtenkollision berufen (siehe nur Senatsurteil vom 29. September 2008, II ZR 162/07, ZIP 2008, 2220 Tz. 6 ff.) .

Tenor

Der Antrag des Beklagten auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe wird abgelehnt.

Gründe

1 Der Antrag des Beklagten, ihm für das beabsichtigte Revisionsverfahren Prozesskostenhilfe zu bewilligen, ist abzulehnen, da die beabsichtigte Rechtsverfolgung keine hinreichende Aussicht auf Erfolg bietet, weil der Senat im Falle einer Revisionseinlegung nach § 552 a ZPO verfahren müsste (Sen.Beschl. v. 26. November 2007 - II ZA 17/06, juris Tz. 1; BGH, Beschl. v. 27. September 2007 - V ZR 113/07, juris Tz. 1). Die Erfolgsaussicht des Rechtsmittels muss auch bei einer zugelassenen Revision gegeben sein (BGH, Beschl. v. 24. Juni 2003 - VI ZR 130/03, juris Tz. 2).

2 1. Ein Grund, die Revision gegen das angefochtene Urteil wegen einer höchstrichterlich zu klärenden Rechtsfrage zuzulassen, besteht nicht mehr. Nach Erlass des Berufungsurteils hat der IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs die Frage, derentwegen das Berufungsgericht die Revision zugelassen hat, dahingehend entschieden, dass mit der unanfechtbaren Verurteilung des Geschäftsführers einer GmbH zum Schadensersatz für nicht abgeführte Arbeitnehmeranteile von Sozialversicherungsbeiträgen gegenüber der Einzugsstelle im Wege des Versäumnisurteils noch nicht rechtskräftig feststehe, dass der zuerkannte Anspruch auf einer vorsätzlich begangenen unerlaubten Handlung beruht und deshalb von einer etwaigen Restschuldbefreiung des Beklagten nicht ergriffen wird (BGH, Urt. v. 5. November 2009 - IX ZR 239/07, DB 2010, 47 Tz. 9 ff., z.V.b. in BGHZ).

3 2. Die Rechtsverfolgung des Beklagten bietet auch im Übrigen keine hinreichende Aussicht auf Erfolg.

4 Nach der ständigen Rechtsprechung des Senats führt das Nichtabführen von Arbeitnehmeranteilen zur Sozialversicherung im Stadium der Insolvenzreife einer GmbH zu einem Schadensersatzanspruch der Einzugsstelle aus § 823 Abs. 2 BGB i.V.m. § 266 a StGB, wenn der Geschäftsführer an andere Gesellschaftsgläubiger trotz der Insolvenzreife Zahlungen geleistet hat, die nicht mit der Sorgfalt eines ordentlichen Geschäftsmanns vereinbar waren. In einem solchen Fall konnte sich der Geschäftsführer schon nach der früheren Senatsrechtsprechung und auch nach der neueren Senatsrechtsprechung nicht auf eine Pflichtenkollision berufen (siehe nur Sen.Urt. v. 29. September 2008 - II ZR 162/07, ZIP 2008, 2220 Tz. 6 ff.).

5 So liegt der Fall hier. Die Klägerin hatte bereits erstinstanzlich (GA 8 ff.) und unter Vertiefung dieses Vortrags auf GA 63 f. sowie erneut in der Berufungsinstanz (GA 141 f., 144 ff.) vorgetragen, dass der Beklagte in der Zeit, in der er die Arbeitnehmeranteile zur Sozialversicherung im Stadium der Insolvenzreife der GmbH an die Klägerin nicht abgeführt hat, gleichwohl Nettolöhne ausgezahlt hat. Das hat der Beklagte nicht etwa bestritten, sondern zugestanden (GA 73, 174 f.). Angesichts dessen bedurfte es entgegen der Ansicht des Berufungsgerichts (BU 6 f.) hierzu keiner Beweisaufnahme.

Goette Caliebe Drescher

Löffler Bender

Schlagwörter

legal aidintended revisionsocial security contributionsinsolvencymanaging director liabilityduty conflictunpaid wagesdamage claim

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether legal aid should be granted for the intended revision.

Extrahierter Entscheid

Legal aid was refused because the intended appeal had no sufficient prospect of success.

Extrahierte Begründung

The Senate would have to proceed under section 552a ZPO if a revision were filed, and the appeal had no realistic chance of success on the merits.

Kernrechtsfrage

Whether the defendant could rely on a conflict of duties and avoid liability for failing to pay over employee social security contributions while paying other creditors.

Extrahierter Entscheid

No. In insolvency-reife, paying other creditors with funds that a prudent manager should not have used does not exclude liability to the collection agency.

Extrahierte Begründung

The Senate reaffirmed its settled case law that non-remittance of employee social security contributions in the state of insolvency creates damages liability under section 823(2) BGB in conjunction with section 266a StGB, and a duty conflict does not excuse the manager in such a situation.

Kernrechtsfrage

Whether the claim was shown to arise from an intentional tort so as to defeat discharge in insolvency.

Extrahierter Entscheid

That point did not create a viable basis for the intended revision.

Extrahierte Begründung

After the appellate judgment, the later Federal Court case law clarified that the prior default judgment did not yet establish res judicata on intentional tort liability for purposes of discharge from residual debt.

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