Challenge to appellate value after BGH cost assessment

BGH V ZR 277/16Bgh / V. Zivilkammer17.08.2017Partially Granted

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The claimant asked the BGH to remit court costs and also attacked the value assessment used for the non-admission complaint. The court held that § 21 GKG did not justify waiving the costs. It also held that a complaint against the OLG's value assessment was inadmissible before the BGH under the GKG provisions. However, it treated the claimant's further filing as a Gegenvorstellung against its own earlier value assessment and corrected the subject value ex officio to EUR 74,330, including EUR 10,000 for the pain-and-suffering claim and EUR 44,150 for the claim involving a principal amount plus recurring daily payments.

Omnilex-Regeste

§ 21 Abs. 1 Satz 1 GKG; § 63 Abs. 3 GKG; §§ 66 Abs. 3 Satz 3, 68 Abs. 1 Satz 5 GKG; value assessment in non-admission complaint proceedings: Court costs are not remitted unless they would not have arisen with proper handling of the matter. A complaint against the value assessment of a lower court is not admissible to an oberster Gerichtshof des Bundes. A Gegenvorstellung against the Federal Court of Justice's own value assessment is admissible only insofar as the value may be amended ex officio. For the appellate value, the decisive basis is the relief actually sought and, for recurring monetary claims, the value calculation rules of § 48 GKG in conjunction with § 9 ZPO apply; mischaracterized claims must be corrected according to their true content.

Gesamter Gesetzestext

BGH — V ZR 277/16, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2017-08-17

Aktenzeichen: V ZR 277/16

ECLI: ECLI:DE:BGH:2017:170817BVZR277.16.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 21 Abs 1 S 1 GKG, § 47 Abs 3 GKG, § 48 GKG, § 63 Abs 3 S 1 Nr 2 GKG, § 66 Abs 3 S 3 GKG, § 68 Abs 1 S 5 GKG, § 9 ZPO

Vorinstanz: vorgehend BGH, 13. Juni 2017, Az: V ZR 277/16, Beschlussvorgehend BGH, 11. Mai 2017, Az: V ZR 277/16vorgehend OLG Zweibrücken, 10. Oktober 2016, Az: 2 U 11/16, Beschlussvorgehend LG Kaiserslautern, 1. April 2016, Az: 2 O 11/14

Spruchkörper: 5. Zivilsenat

Titelzeile

Gegenvorstellung nach Wertfestsetzung durch den BGH für ein Nichtzulassungsbeschwerdeverfahren

Tenor

Der Antrag der Klägerin auf Niederschlagung der Gerichtskosten wird abgelehnt.

Die Beschwerde der Klägerin gegen die Streitwertfestsetzung in dem Beschluss des 2. Zivilsenats des Pfälzischen Oberlandesgerichts Zweibrücken vom 10. Oktober 2016 wird auf ihre Kosten als unzulässig verworfen.

Auf die Gegenvorstellung der Klägerin wird der Beschluss des Senats vom 11. Mai 2017 dahingehend geändert, dass der Gegenstandswert des Beschwerdeverfahrens 74.330 € beträgt.

Gründe

I.

1 Mit Beschluss vom 11. Mai 2017 hat der Senat die Beschwerde der Klägerin gegen die Nichtzulassung der Revision in dem Beschluss des 2. Zivilsenats des Pfälzischen Oberlandesgerichts Zweibrücken vom 10. Oktober 2016 auf deren Kosten als unzulässig verworfen und den Gegenstandswert des Beschwerdeverfahrens - entsprechend der Streitwertfestsetzung in dem Beschluss des Berufungsgerichts - auf 216.910 € festgesetzt.

2 Mit Schreiben vom 2. August 2017 hat die Klägerin die Niederschlagung der Kosten mit der Begründung beantragt, der Bundesgerichtshof habe die Beschäftigung mit dem Rechtsstreit nur vorgetäuscht. In einem weiteren Schreiben vom 8. August 2017 hat die Klägerin „Streitwertbeschwerde“ eingelegt, weil das Berufungsgericht und der Senat den Streitwert unrichtig festgesetzt hätten.

II.

3 1. Der Antrag auf Niederschlagung der Gerichtskosten hat keinen Erfolg. Nach § 21 Abs. 1 Satz 1 GKG werden Kosten, die bei richtiger Behandlung der Sache nicht entstanden wären, nicht erhoben. Diese Voraussetzungen liegen nicht vor.

4 2. Die Beschwerde der Klägerin gegen die Streitwertfestsetzung des Berufungsgerichts ist unzulässig. Gemäß § 66 Abs. 3 Satz 3, § 68 Abs. 1 Satz 5 GKG ist wegen der Festsetzung des Streitwerts in dem Beschluss des Berufungsgerichts eine Beschwerde an einen obersten Gerichtshof des Bundes nicht statthaft. Der Senat ist zu einer Änderung von Amts wegen gemäß § 63 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 GKG nicht befugt, weil die Einlegung einer Nichtzulassungsbeschwerde nicht zu dem Anfall der „Hauptsache“ führt (Senat, Beschluss vom 2. Juni 2016 - V ZR 273/15, juris).

5 3. Die außerdem von der Klägerin erhobene weitere Streitwertbeschwerde ist als Gegenvorstellung gegen die Gegenstandswertfestsetzung in dem Senatsbeschluss vom 11. Mai 2017 auszulegen. Gegen die Festsetzung des Gegenstandswerts des Nichtzulassungsbeschwerdeverfahrens durch den Bundesgerichtshof findet nach § 68 Abs. 1 Satz 5, § 66 Abs. 3 Satz 3 GKG zwar keine Beschwerde statt. Statthaft ist aber die Gegenvorstellung, wenn, wie hier, der Gegenstandswert nach § 63 Abs. 3 GKG auch von Amts wegen geändert werden könnte (Senat, Beschluss vom 19. September 2012 - V ZB 56/12, NJW 2013, 470, Rn. 2). Die Gegenvorstellung der Klägerin gibt Veranlassung, den Gegenstandswert des Beschwerdeverfahrens von Amts wegen (§ 63 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 GKG) zu ändern, weil der gemäß § 47 Abs. 3 GKG für das Rechtsmittelverfahren maßgebende Wert nicht zutreffend festgesetzt ist.

6 a) Die Nichtzulassungsbeschwerde der Klägerin richtete sich u.a. gegen die Zurückweisung ihrer Berufung hinsichtlich des unter Ziff. VI ihres Klageantrags verlangten Schmerzensgeldes. Der Gegenstandswert hierfür beträgt richtigerweise 10.000 €. Aus den in dem Urteil des Landgerichts wiedergegebenen Klageanträgen ergibt sich, dass die Klägerin nicht die Zahlung eines jährlichen Schmerzensgeldes, sondern die Zahlung eines einmaligen Schmerzensgeldbetrages von nicht unter 10.000 € verlangt hatte. Dieser Betrag ist für die Festsetzung des Gegenstandswerts maßgebend.

7 b) Darüber hinaus richtete sich die Nichtzulassungsbeschwerde der Klägerin u.a. gegen die Zurückweisung ihrer Berufung hinsichtlich des unter Ziff. IX ihres Klageantrags verlangten Betrages. Der Gegenstandswert hierfür beträgt 44.150 €. Aus den in dem Urteil des Landgerichts wiedergegebenen Klageanträgen ergibt sich, dass die Klägerin die Zahlung von mindestens 18.600 € und beginnend ab dem 17. Februar 2015 für jeden Tag weitere mindestens 20 € verlangt hatte. Maßgebend für die Wertberechnung ist daher zum einen der verlangte Betrag von 18.600 € sowie für die begehrten künftigen regelmäßigen Zahlungen von täglich 20 € gemäß § 48 GKG, § 9 ZPO der dreieinhalbfache Wert des einjährigen Bezugs (25.550 €).

StresemannBrücknerWeinland
KazeleGöbel

Schlagwörter

court costsvalue in disputenon-admission complaintGegenvorstellungex officio correctionrecurring paymentadmissibility

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether court costs should be remitted because they would not have arisen with proper handling under § 21 GKG.

Extrahierter Entscheid

The prerequisites for cost remission were not met.

Extrahierte Begründung

Costs under § 21 Abs. 1 Satz 1 GKG are waived only if they would not have arisen with proper handling of the matter; that was not the case here.

Kernrechtsfrage

Whether the claimant's complaint against the OLG's value in dispute assessment was admissible before the Federal Court of Justice.

Extrahierter Entscheid

The complaint was inadmissible.

Extrahierte Begründung

Under §§ 66 Abs. 3 Satz 3 and 68 Abs. 1 Satz 5 GKG, a complaint against the OLG's value assessment is not available to a supreme federal court.

Kernrechtsfrage

Whether the Gegenvorstellung against the BGH's own value assessment justified an ex officio correction.

Extrahierter Entscheid

The Gegenvorstellung was successful to the extent that the value had to be corrected ex officio.

Extrahierte Begründung

Because the value could still be changed ex officio under § 63 Abs. 3 GKG, the court corrected the amount; the relevant appellate value was miscalculated for the pain and suffering claim and the recurring daily payment claim.

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