Revision construed as inadmissible; no legal aid

BSG B 13 R 20/17 RBsg / Division 1314.08.2017Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The claimant filed an express revision against an LSG judgment and sought legal aid and counsel appointment. The Federal Social Court held that the revision was inadmissible because it had not been admitted and could not be construed as a non-admission complaint, given the clear wording of the filing and the subsequent notice. Legal aid was refused for lack of prospects of success, and the revision was dismissed without costs being reimbursed.

Omnilex-Regeste

§ 160 SGG, § 160a SGG; construction of an expressly filed 'revision' as non-admission complaint; legal aid under § 73a SGG in conjunction with §§ 114, 121 ZPO. An unambiguously designated revision cannot be interpreted as a non-admission complaint if the filing expressly and exclusively seeks revision and legal aid for revision proceedings. Recharacterization is likewise excluded where the party has been informed of the statutory requirements and the filing lacks ambiguity. A revision is inadmissible absent admission by the lower appellate court or the Federal Social Court; a defective appellate instruction does not establish admissibility. Legal aid is to be refused where the intended remedy offers no reasonable prospect of success. Costs in the revision proceedings follow § 193 SGG.

Gesamter Gesetzestext

BSG — B 13 R 20/17 R, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2017-08-14

Aktenzeichen: B 13 R 20/17 R

ECLI: ECLI:DE:BSG:2017:140817BB13R2017R0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 160 SGG, § 160a SGG

Vorinstanz: vorgehend SG Dortmund, 31. Mai 2016, Az: S 6 KN 190/14, Gerichtsbescheidvorgehend Landessozialgericht für das Land Nordrhein-Westfalen, 13. Juni 2017, Az: L 18 KN 93/16, Urteil

Spruchkörper: 13. Senat

Titelzeile

Sozialgerichtliches Verfahren - Umdeutung einer explizit eingelegten "Revision" in das allein zulässige Rechtsmittel der Nichtzulassungsbeschwerde

Tenor

Der Antrag der Klägerin, ihr für das Verfahren der Revision gegen das Urteil des Landessozialgerichts Nordrhein-Westfalen vom 13. Juni 2017 Prozesskostenhilfe zu bewilligen und einen Rechtsanwalt beizuordnen, wird abgelehnt.

Die Revision der Klägerin gegen das vorbezeichnete Urteil wird als unzulässig verworfen.

Die Beteiligten haben einander für das Revisionsverfahren keine Kosten zu erstatten.

Gründe

1 Die Klägerin hat gegen das Urteil des LSG Nordrhein-Westfalen vom 13.6.2017, das ihr am 23.6.2017 zugestellt worden ist, mit einem von ihr unterzeichneten, undatierten Schreiben, das am 17.7.2017 beim BSG eingegangen ist, ausdrücklich "Revision" eingelegt und wegen fehlender Geldmittel die Beiordnung eines Rechtsanwalts beantragt. Der Senat wertet das zuletzt genannte Vorbringen als Antrag auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe (PKH) für das Revisionsverfahren mit Beiordnung eines Rechtsanwalts.

2 Dieser Antrag auf PKH und Beiordnung eines Rechtsanwalts ist abzulehnen, weil die explizit eingelegte "Revision" keine hinreichende Aussicht auf Erfolg bietet (§ 73a Abs 1 S 1 SGG iVm § 114 Abs 1 S 1, § 121 Abs 1 ZPO) . Die Revision gegen das Urteil des LSG vom 13.6.2017 ist unstatthaft, weil sie entgegen der insoweit unrichtigen Rechtsmittelbelehrung weder vom Berufungsgericht noch durch einen Beschluss des BSG (vgl § 160a Abs 4 S 1 SGG) zugelassen worden ist (§ 160 Abs 1 SGG) .

3 Auch wenn die Klägerin mit ihrer Revisionsschrift zu erkennen gibt, dass sie sich gegen das Urteil des LSG wenden möchte, so ist eine Auslegung oder Umdeutung ihres am 17.7.2017 eingegangenen Schriftsatzes dahingehend, dass sie das allein zulässige Rechtsmittel der Nichtzulassungsbeschwerde hat einlegen wollen, nicht möglich.

4 Eine Auslegung kommt nur dann in Betracht, wenn die abgegebene Erklärung mehrdeutig und damit auslegungsfähig ist. Für eine diesbezügliche Auslegung des Schriftsatzes der Klägerin ist indes kein Raum, weil ausdrücklich und allein die Einlegung der Revision ausgesprochen wird und damit auch die Bewilligung von PKH allein für die Durchführung des Revisionsverfahrens beantragt worden ist. Angesichts des eindeutigen Wortlauts der Revisionsschrift kann nicht davon ausgegangen werden, dass die Klägerin das beabsichtigte Rechtsmittel nur unzulänglich formuliert hat und ihren Antrag auf PKH in Wahrheit auf das statthafte Rechtsmittel der Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision beziehen wollte.

5 Eine Umdeutung der Revisionsschrift in eine statthafte Nichtzulassungsbeschwerde ist ebenfalls nicht möglich. Dies gilt insbesondere deshalb, weil die Klägerin mit Schreiben des Senats vom 19.7.2017 auf die Voraussetzungen für die Statthaftigkeit einer Revision bzw einer Nichtzulassungsbeschwerde sowie die formellen Erfordernisse eines Antrags auf Bewilligung von PKH besonders hingewiesen worden ist.

6 Mangels Statthaftigkeit der Revision ist diese ohne Zuziehung der ehrenamtlichen Richter als unzulässig zu verwerfen (§ 169 SGG).

7 Der Klägerin bleibt aufgrund der fehlerhaften Rechtsmittelbelehrung unbenommen, noch eine formgerechte Nichtzulassungsbeschwerde durch einen vor dem BSG zugelassenen Prozessbevollmächtigten (§ 73 Abs 4 SGG) einlegen zu lassen oder einen Antrag auf Bewilligung von PKH mit Beiordnung eines Rechtsanwalts zur Durchführung des Nichtzulassungsbeschwerdeverfahrens zu stellen.

8 Die Kostenentscheidung beruht auf einer entsprechenden Anwendung des § 193 SGG.

Schlagwörter

social security proceedingsrevisionnon-admission complaintlegal aidadmissibilityinterpretationrecharacterizationcosts

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the claimant is entitled to legal aid and appointment of counsel for the revision proceedings

Extrahierter Entscheid

No, because the intended revision had no reasonable prospect of success.

Extrahierte Begründung

Legal aid under § 73a SGG in conjunction with §§ 114, 121 ZPO requires a sufficient prospect of success; the revision was inadmissible because it had not been admitted by the lower court or by the BSG.

Kernrechtsfrage

Whether the expressly filed revision can be interpreted or recharacterized as a non-admission complaint

Extrahierter Entscheid

No, because the filing was unambiguous in expressly seeking revision and legal aid only for revision proceedings.

Extrahierte Begründung

Interpretation requires ambiguity; here the wording was clear. Recharacterization was also excluded, especially after the Senate's notice on the requirements for revision and non-admission complaints.

Kernrechtsfrage

Whether the revision against the LSG judgment is admissible

Extrahierter Entscheid

No, because the revision had not been admitted and therefore was statutorily unavailable.

Extrahierte Begründung

Under § 160 SGG, revision requires admission. A misleading appellate instruction does not create admissibility.

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