Non-admission of constitutional complaint over delayed prison-plan update

BVerfG 2 BvR 1582/13Bverfg / 2. Senat 3. Kammer25.09.2013Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Constitutional Court did not admit a prisoner’s constitutional complaint concerning a delayed prison-plan update after a prior judgment ordering reconsideration. It held that, at the relevant time, the prison administration had not yet clearly violated the duty to expedite. The requested interim order was unsuitable because a prison plan must serve as a stable, development-oriented framework and cannot be provisionally set in the complainant’s preferred form. Enforcement of the existing duty to reconsider had to be pursued through coercive enforcement measures under § 120 Abs. 1 StVollzG in conjunction with § 172 VwGO. The challenge to fees for escorted leave was inadmissible for failure to exhaust remedies.

Omnilex-Regeste

§ 90 BVerfGG; admissibility of a constitutional complaint against delayed implementation of a court-ordered prison-plan reconsideration and the limits of interim relief. Prison authorities must decide inmates’ applications without undue delay; where lock-up-related benefits are at stake, acceleration requirements are heightened. Yet a constitutional violation is not established merely by some delay if, on the facts, the lower court may still deny a breach of the duty to expedite. Interim constitutional relief may not be used to replace enforcement of an already existing obligation to reconsider, because a prison plan must remain a reliable, development-adjusted orienting framework and is unsuitable for provisional substantive fixation. The proper remedy is enforcement of the judicial reconsideration order under § 120 Abs. 1 StVollzG i.V.m. § 172 VwGO. A separate complaint is inadmissible absent exhaustion of legal remedies.

Gesamter Gesetzestext

BVerfG — 2 BvR 1582/13, Nichtannahmebeschluss

Entscheidungsdatum: 2013-09-25

Aktenzeichen: 2 BvR 1582/13

Dokumenttyp: Nichtannahmebeschluss

Normen: § 90 BVerfGG, § 7 Abs 2 Nr 7 StVollzG, § 7 Abs 3 StVollzG, § 11 Abs 2 StVollzG, § 120 Abs 1 StVollzG, § 172 VwGO

Vorinstanz: vorgehend LG Stendal, 16. Juli 2013, Az: 509 StVK 515/13, Beschluss

Spruchkörper: 2. Senat 3. Kammer

Titelzeile

Nichtannahmebeschluss: Verzögerung einer Vollzugsplanfortschreibung trotz gerichtlicher Anordnung - hier: Beschleunigungsgebot noch nicht verletzt - zudem keine Fortschreibung im Wege der einstweiligen Anordnung, sondern mittels Vollstreckungsmaßnahmen gem § 172 VwGO

Tenor

Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.

Damit erledigt sich der Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung.

Gründe

1 Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen, weil sie keine Aussicht auf Erfolg hat (vgl. BVerfGE 90, 22 <25 f.>).

2 1. Die Vollzugsbehörden sind allerdings verpflichtet, Anträge von Strafgefangenen rechtzeitig zu bescheiden (vgl. BVerfGE 69, 161 <170>). Geht es um Entscheidungen, die unmittelbar oder mittelbar die Gewährung von Lockerungen betreffen, besteht mit Rücksicht auf die Bedeutung solcher Entscheidungen für die Resozialisierung oder Erhaltung der Lebenstüchtigkeit des Gefangenen besonderer Anlass zu zügiger Bearbeitung (vgl. BVerfG, a.a.O.; LG Hildesheim, Beschluss vom 25. Juni 2007 - 23 StVK 302/07 -, juris). Ist gerichtlich beanstandet worden, dass mehrere aufeinanderfolgende Vollzugsplanfortschreibungen sich in ihrem lockerungsbezogenen Teil zur Frage der Flucht- oder Missbrauchsgefahr nicht oder nicht ausreichend verhalten haben, und wurde die Justizvollzugsanstalt insoweit zur Neubescheidung verpflichtet, so ist die Justizvollzugsanstalt in erhöhtem Maß zur Beschleunigung verpflichtet (vgl. allgemein zu den die Umsetzung gerichtlicher Entscheidungen betreffenden Anforderungen in zeitlicher Hinsicht BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 3. November 2010 - 2 BvR 1377/07 -, juris; s. außerdem für den Grundsatz, dass der Staat sich auf verzögernde Umstände, die in seinem eigenen Verantwortungsbereich liegen, nicht zulasten des Rechtsschutzsuchenden mit rechtfertigender Wirkung berufen kann, BVerfG, Beschlüsse der 3. Kammer des Ersten Senats vom 14. Oktober 2003 - 1 BvR 901/03 -, NVwZ 2004, S. 334 <335>, und vom 27. September 2011 - 1 BvR 232/11 -, juris; Beschluss der 2. Kammer des Ersten Senats vom 24. September 2009 - 1 BvR 1304/09 -, juris).

3 Das Landgericht hat jedoch ohne Verfassungsverstoß angenommen, dass eine Verletzung dieser Pflicht durch die Justizvollzugsanstalt - noch - nicht vorlag.

4 2. Auch unabhängig davon konnte der bei der Strafvollstreckungskammer gestellte Eilantrag des Beschwerdeführers keinen Erfolg haben. Verzögert eine Justizvollzugsanstalt in nicht hinnehmbarer Weise eine gerichtlich angeordnete Neubescheidung hinsichtlich des lockerungsbezogenen Teils einer Vollzugsplanfortschreibung, so ist die gebotene Beschleunigung nicht dadurch erreichbar, dass die Strafvollstreckungskammer im Wege einer einstweiligen Anordnung vorläufig den Vollzugsplan in einem vom Antragsteller gewünschten Sinne fortzuschreiben anordnet. Dies widerspräche der Funktion des Vollzugsplans als entwicklungsangepasster verlässlicher Orientierungsrahmen (vgl. BVerfGK 9, 231 <236>), die er mit bloß vorläufigen, unter dem Vorbehalt einer anderweitigen Entscheidung in der Hauptsache stehenden Inhalten gerade nicht erfüllen könnte, und wäre daher zur einstweiligen Sicherung der vollzugsplanbezogenen Rechte des Beschwerdeführers von vornherein ungeeignet.

5 Gegen eine etwaige zögerliche Umsetzung der Gerichtsbeschlüsse, die die Justizvollzugsanstalt zur Neubescheidung verpflichten, stünde dem Beschwerdeführer der Weg des Antrag auf Vollstreckungsmaßnahmen zur Durchsetzung der bereits gerichtlich ausgesprochenen Verpflichtung zur Neubescheidung (§ 120 Abs. 1 StVollzG i.V.m. § 172 VwGO; vgl. zum Antrag nach § 172 VwGO (vgl. OVG Saarl., Beschluss vom 21. Dezember 2010 - 2 E 291/10 -, juris; BayVGH, Beschluss vom 26. Februar 2013 - 11 C 13.32 -, juris) offen.

6 3. Soweit der Beschwerdeführer die Erhebung von Kosten für seine Ausführung beanstandet, ist die Verfassungsbeschwerde unzulässig, da nicht ersichtlich ist, dass er insoweit den Rechtsweg erschöpft hätte.

7 Von einer weiteren Begründung wird gemäß § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.

8 Diese Entscheidung ist unanfechtbar.

Schlagwörter

prison lawaccelerated decision-makinginterim reliefexhaustion of remediesenforcement measuresconstitutional complaint

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the constitutional complaint was admissible and had prospects of success regarding delay in the prison plan update

Extrahierter Entscheid

No. The court held that the Landgericht could assume no constitutional violation yet; the prison administration was not shown to have breached the required acceleration duty at that stage.

Extrahierte Begründung

Although prison authorities must decide inmates' requests promptly and even more swiftly when lock-up relief is involved, the factual situation did not yet show a constitutionally relevant delay.

Kernrechtsfrage

Whether an interim constitutional order could compel a provisional prison plan update in the requested sense

Extrahierter Entscheid

No. Such interim relief was unsuitable because a prison plan must remain a reliable, development-oriented framework and cannot fulfil that function if only provisionally fixed pending the main proceedings.

Extrahierte Begründung

The proper means to enforce compliance with a judgment requiring reconsideration is not provisional substantive relief but enforcement measures directed at executing the existing obligation.

Kernrechtsfrage

Whether the complaint about fees charged for escorted leave was admissible

Extrahierter Entscheid

No. The complaint was inadmissible because exhaustion of the available legal remedies was not shown.

Extrahierte Begründung

The complainant had not demonstrably pursued the ordinary legal remedies against the fee assessment.

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